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Das internationale Arbeitsamt.

Zur Tagung des Verwaltungsrats.

Am Donnerstag ist in Genf der Verwaltungsrat des Inter­nationalen Arbeitsamtes( JAA.) zu seiner 33. Tagung zusammen getreten. Die Tagesordnung enthält nicht weniger als 12 Punkte, von denen die meisten recht bedeutend sind. Man muß sich aber fragen, ob nicht die Methode des Internationalen Arbeits­amtes, die Tagesordnung seines Berwaltungsrates so zu über. I aften, wie es in der letzten Zeit mehr und mehr geschehen ist, zu großen Unzuträglichkeiten führen wird.

Das Wichtigste bei allen Tagungen des Verwaltungsrats des Arbeitsamts ist der Bericht des Direttors. In ihm fommen alle fozialpolitisch bedeutsamen Ereignisse der letzten Zeit zum Aus. druck. So ist es wieder vor allem der Achtstundentag, der das Interesse beansprucht hat. Es stellt sich immer flarer heraus, daß die Hauptstärke der Internationalen Arbeitsorganisation und des Internationalen Arbeitsamts nicht in der selbständigen Führung des Kampfes um den Achtstundentag liegt, son­dern in der wirksamen Versorgung der ihr angeschlossenen Organi­fationen mit wissenschaftlichem Rüstzeug für den Kampf um eine wirkliche Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen. Im Be­richt des Direktors erscheint dieser Gedanke noch sehr zaghaft. Immerhin fommt einer der Punkte der Tagesordnung schon näher an ihn heran als gewöhnlich.

Es handelt sich um den fünften Bunft; er betrifft die Frage der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation. Schon in feiner vorigen Sitzung hat sich der Verwaltungsrat anläßlich einer Bitte von Oudegeest, die Mittel für Verbesserungen bei Ver­teilung und Produktion von Gütern durch eine Enquete festzustellen, mit diesem Problem beschäftigt. Inzwischen ist der Direktor des Arbeitsamtes mit dem bekannten amerikanischen Geschäftsmann Edward Filene und einigen Vertretern internationaler Komitees für wissenschaftliche Arbeitsorganisation zu einer Besprechung zu­fammengekommen, die insbesondere wegen der tatkräftigen Mit­wirkung von Filene positive Ergebnisse gezeitigt hat. Filene hat aus einem Fonds für das erste Jahr der neuen Organisation, falls sie zustandekommt, einen ausreichenden Betrag zur Ber fügung gestellt. Es ist zu hoffen, daß der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes noch in seiner jezigen Sigung in dieser Richtung Beschlüsse faßt. Gerade die wissenschaftliche Er­forschung des Problems der Rationalisierung in der ganzen Welt würde Ergebnisse hervorbringen, die als äußerst wirksames Kampf­mittel für die Idee des Achtstundentages dienen tönnten. Wird diese Erforschung unter der Kontrolle oder unter Mitwirkung des Internationalen Arbeitsamtes vorgenommen, so ist damit größere Sicherheit dafür gegeben, daß die Auswertung der Ergebnisse auch wirklich in einem Sinne geschieht, der die Fortschritte internationaler Sozialpolitik fördert.

Verbandstag der Gastwirtsgehilfen.

Zweiter Verhandlungstag.

Auf der Tagesordnung stehen die Schlußworte der Vorstands­mitglieder zu den Berichten der Hauptverwaltung. Salle spricht zunächst über die Angriffe, die gegen die Verbandszeitung gerichtet wurden. Das Verbandsorgan dürfe auf keinen Fall auf das Niveau eines Mitteilungsblattes herabsinken, es habe die Verbindung auf­recht zu erhalten mit der gesamten Arbeiterbewegung. Er wendet

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fich gegen eine Aenderung des Systems der Sekretäre und betont, daß die Anträge des Vorstandes das Mindeste sei, was man fordern müsse,

Der Kaffierer Altermann gibt einige Erläuterungen zur Abrechnung. Darauf spricht der Zentralvorsitzende Ströhlinger zu den Ausführungen der Diskussionsredner. Er legt vor allen Dingen die Kostenberechnung für das Verbandsorgan dar und be= dauert die Schärfe der gestrigen Diskussion, die nicht zur Ent­spannung der Lage beitragen könne. Darauf wird auf Antrag der Revisoren die Entlastung erteilt. rechnung und Beamtenanstellung fallenden Anträge. Es folgt die Beratung der unter Gruppe Beitragsper. Saar begründet die Anträge der Opposition und behauptet, daß ohne die Annahme des Antrages 201 teine Gesundung der Finanzen möglich sei. Er schlägt vor, von den Beiträgen 30 Prez. den Orten zu belassen, die einen Beamten haben, und 25 Proz. den Orten ohne tungen zu erfolgen. Ströhlinger vom Hauptvorstand tritt Beamte. Die Besoldung der Beamten habe durch die Ortsverwal­ihm entgegen und begründet die Anträge des Vorstandes, die eine Erhöhung der Beiträge vorsehen und den Zahlstellen wie bisher gewisse Prozentsäge belassen, die je nach der Höhe des Bei­trages steigen. Die Besoldung der Beamten habe nach wie vor durch die Zentrale zu erfolgen. Die neu angestrebten Unter­ſtügungen fönnten nicht geltendes Recht werden. Man müsse auch den Beschlüssen des Breslauer Gewerkschaftskongresses Rechnung tragen, die auf eine Vereinheitlichung der Verbands standes zuzustimmen. perwaltungen hinzielen. Er bittet, den Vorschlägen des Vor­

zu

Die Diskussion ist recht ausgedehnt und bezieht sich auf alle Anträge, die die Verwaltung und Unterstützung betreffen. In der Beitragssägen angenommen und zu gleicher Zeit beschlossen, Abstimmung wird der Antrag des Borstandes mit den neuen die geltenden Unterstütungsfäße bestehen lassen. Damit ist der Antrag 2.01 gefallen. Die Ab­ſtimmung erfolgte namentlich und ergab 12 382 Stimmen gegen 6231. Anschließend findet eine Nachtfizung statt, die die Beratung der Anträge zum Statut und Unterstügungsreglement zu Ende führen soll. Außerdem die Anträge betreffend der Sterbeunterstützungs­vereinigung 3entral- Horesca".

Schiedsspruch für den Kohlenhandel.

2 Pfennig Cohnerhöhung plus Indersteigerung. dieses Jahres fein Lohntarif mehr. Im August beantragte der Für die Arbeiter des Berliner Kohlenhandels besteht seit Mai Verkehrsbund im Auftrage der Funktionäre bei den Unternehmern des Kohlenhandels eine Lohnerhöhung von 10 Broz. Die Unter­nehmer verschleppten die Verhandlungen immer wieder, so daß der Verkehrsbund schließlich den Schlichtungsausschuß anrief.

Dieser fällte gestern einen Schiedsspruch, wonach die Löhne um Tariflöhnen entsprechen, erhöht werden sollen. Die Ueberstunden­2 Pf. gegenüber den bisher gezahlten Löhnen, die den früheren zuschläge, die bisher für die erste Ueberstunde 3 Broz. und für die zweite Stunde 20 Broz. betrugen, sollen in Zukunft für beide Stunden 5 Proz. betragen. Das Lohnabkommen soll gelten bis zum 31. März 1927 mit der Maßgabe, daß sich die Löhne ab 1. Januar automatisch erhöhen sollen, wenn der Inder auf über 145 steigt. Bei der neuen Lohnfestsetzung wurde ein Inder von 142 zugrunde gelegt. Eine Vollversammlung wird anfangs nächster Woche zu diesem Schiedsspruch Stellung nehmen.

Der Anhalter Güterbahnhof verstopft.

Der Potsdamer Güterbahnhof in Betrieb.

Daß der Anhalter Güterbahnhof seit längerer Zeit völlig ver­stopft ist, wird dadurch bewiesen, daß einer der flardenkendsten Sach­tenner der Güterverfrachtung, der Amtmann Rothe, wiederholt

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Beamte anforderte zur Inbetriebsegung des Potsdamer Güterbahnhofs. Die Direktion verhielt sich ablehnend.

Schließlich ist auch das Ergebnis der leider zu spät eingetroffe­tion ausgefallen. Wir könnten aber auch weiterhin den Nachweis nen Untersuchungskommissien nicht zugunsten der Reichsbahndirek­erbringen über das uns geschilderte Durcheinander auf dem Speicher I sowohl wie auf der Ermittlungsstelle. Unsere Kritik bleibt also nach wie vor bestehen. Sie hatte den Erfolg, daß ſeit Montag der Potsdamer Güterbahnhof wieder in Be­trieb ist. Eine Anzahl Arbeiter haben Lohn und Brot erhalten. Also Vorsicht bei Berichtigungen.

Gleichzeitig machen wir noch einmal auf die Kantinen­verhältnisse unter der Leitung des Kantinenwirtes Hoffmann cufmerksam und erbitten Auskunft, welche Richtlinien die Reichs­bahndirektion Heffmann fürzlich gegeben hat. Im übrigen scheint Hoffmann wieder auf dem hohen Pferd zu fizen. Wir machen aber sich erneut in der Kantine aufhält, entgegen dem Beschluß der Ver­auch den Herrn Haase darauf aufmerksam, daß Frau Hoffmann waltungssigung. Wie lange wird sich die Belegschaft des Anhalter Güterbahnhofs das Treiben einzelner Schädlinge auf diesem Gebiet noch gefallen lassen?

Die Verhandlungen im Einzelhandel gescheitert.

Die Stellungnahme der Unternehmer zu dem Ergebnis der letzten Gehaltsverhandlungen im Einzelhandel hat besonders durch die ungewöhnliche Taktik der Einzelhandelsgemeinschaft zu den sonderbarsten Vermutungen Anlaß gegeben.

Der 3dA. hat in seinem, im gesamten Einzelhandel verbreiteten Flugblatt auf die Ursachen hingewiesen, die vorwiegend in der Verbandspolitik der Einzelhandelsgemeinschaft zu suchen gestellten, sich um die inneren Angelegenheiten irgendeines Unter­sind. Es ist im allgemeinen nicht Sache der Arbeiter und An­nehmerverbandes zu fümmern. Wenn jedoch, wie es hier der Fall ist, die Angestellten selbst und ihre Gehälter zum Gegenstand des Streites unter den einzelnen Interessentengruppen der Berliner Einzelhändler werden, dann hört diese Verbandspolitik auf, eine interne Angelegenheit der Unternehmer zu sein. Die Angestellten haben allen Grund, sich mit den Fragen zu befassen, durch die ihre Interessen in so starkem Maße beeinträchtigt werden.

Die Unternehmer haben das legte Berhandlungsergebnis das durch illusorisch gemacht, daß sie die Sicherungstlaufet gegen die weitere Verschlechterung der Gehälter abgelehnt haben. Die Unternehmer haben dann zum 14. Oftober neue Verhandlungen angesetzt. Auch diese Verhandlungen sind gescheitert, weil die Unternehmer sich nicht dazu verstehen konnten, die Sicherungsklausel für die Zeit bis zum 31. März 1927 anzuerkennen. Sie waren lediglich bereit, fie bis zum 31. Dezember 1927 anzuerkennen.

Trozdem schien es, als ob sich eine weitere Möglichkeit zu einer Verständigung auf einer anderen Basis finden ließe. In dieser Si tuation brachten die Unternehmer die Verhandlungen zum Scheitern, indem sie für die Sicherungsklausel einen Wortlaut vorschlugen, der nicht mehr die September, sondern nur noch die Ottober­gehälter vor Berschlechterungen schüßen sollte.

Die Angestellten haben zur Genüge ihre Bereitwilligkeit zu einer gütlichen Verständigung zu erkennen gegeben. Auch der Ver­lauf dieser Verhandlungen zeigt wieder, daß die Unternehmer eine Desperadopolitik treiben, die sich rächen wird..

Die Arbeitslosigkeit in Moskau .

Am 1. September dieses Jahres waren in Mostau 141 417 Arbeitslose eingetragen, gegenüber 116 326 im Vorjajhre. Davon entfielen 54 294 auf ungelernte Arbeiter.

Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer ; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton : R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin . Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Borwärts- Buchbruceret und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage.

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