Angestellte und Sozialdemokratie.
Eine sozialpolitische Bilanz.
Die Angestelltenfeindlichkeit der Sozialdemokratie gehört zu| Reichstagsfraktion hat deshalb bereits am 10. Januar 1925 einen jenen verlogenen Schlagworten, die verhindern sollen, Gefeßentwurf eingebracht, der diesen Mißbrauch verhindern und daß die Angestellten in der Sozialdemokratie ihre mirtliche politische allen Angestellten die vollständige Sonntags. Interessenvertretung ertennen und sich ihr anschließen. ruhe bringen will. Dagegen fträuben fich die bürgerlichen Bar teien; die Fraktion der wirtschaftlichen Bereinigung hat sogar einen Gesezentwurf eingebracht, der die Sonntagsruhe vollständig beseitigen will. In diesem Kampf ist die Sozialdemo. tratte der einzig zuverlässige Bundesgenosse der Ange ftellten.
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Lügen haben immer furze Beine. Und deshalb fann alle Demagogie auf die Dauer die Erkenntnis bei den Angestellten nicht aufhalten, daß allein die Sozialdemokratie ihrem Wesen und ihrer Zielsetzung nach die Angestellten aus ihrer öfono mischen Abhängigfeit befreien tann. Diesen Kampf führt die Sozialdemokratische Partei im engsten Einvernehmen mit den freien Angestelltenverbänden. Beide ergänzen einander. Die sozialpolitischen Forderungen der Angestellten haben immer eine traftvolle Förderung durch die Sozialdemokratie im Reichstag und in den Landesparlamenten erfahren.
Es bedurfte der furchtbaren Erfahrungen der Kriegs- und Nachfriegszeit, um die Angestellten in größerem Umfange zum Bewußt sein ihrer Klaffenlage zu erweden. Man hatte von bürgerlicher Seite den Angestellten immer wieder eingeredet, daß sie etwas ganz anderes seien als die Arbeiter: ein neuer Mittelstand". Gewerkschaftliche Rampfesmittel waren deshalb verpönt, Tarifverträge zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Angestellten wurden abgelehnt. Noch im Jahre 1916 verfündete ein bürgerlicher Angestelltenführer, Dr. Köhler: Wer reine Arbeitnehmerpolitit im Anschluß an die organisierten Arbeiter treiben will, mit dem tönnen mir teine erfolgreiche Standespolitik betreiben. Hier scheiden sich die Wege. Die„ mittelständische" Grundlage unseres Standes darf nicht verlassen werden."
Solche Illusionen verhinderten geradezu, daß die Angestellten den einzig möglichen Weg zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage einschlugen: Anschluß an die flaffenbewußte, politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.
Am Ende des Weltkrieges feßte ein beispiellofer Umschwung in der Angestelltenbewegung ein: Die Angestellten schlossen sich in großer Zahl der Sozialdemokratie und den freien Angestelltenver bänden an: Diese Bewegung blieb nicht ohne Rückschlag: ein Erstarken der reaktionären Kräfte. Auch die Angestellten müssen daraus lernen, wie eng der soziale Fortschritt mit der Entfaltung der Organisationskraft auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiete
verbunden ist.
Es ist das Berdienst der sozialdemokratischen Boltsbeauftragten, daß sie in der kurzen Spanne Zeit von einigen Monaten, die ein zige Periode einer mirtlichen sozialistischen Herr fchaft in Deutschland ,
die Grundlagen für den wichtigsten sozialen Fortschritt legten, um den vorher Jahrzehnte gefämpft wurde. Die Verordnung der Boltsbeauftragten brachte den Angestellten die Sonntagsruhe. Wenn sie heute in so weitem Umfange bedroht ift, so deshalb, weil eine reaktionäre Berwaltungsbureaukratie unter wohlwollender Förderung bürgerlicher Reichs- und Landesregierungen ihre Befugnisse mißbraucht. Die sozialdemokratische
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Noch keine Einigung bei der Straßenbahn. Die Berhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt. Die gestrigen Lohnverhandlungen mit der Verwaltung der Straßenbahn find wiederum refultatios verlaufen. Die Berwaltung mill zunächst das Ergebnis der Magistratsverhandlungen über die Fahrpreiserhöhung der Straßenbahn abwarten, wie auch die Entscheidung über den am Montag für Hochbahn und Aboag gefällten Schiedsspruch. Damit sind die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Arbeiterorganisationen werben zu dieser neuen Situation alsbald Stellung nehmen.
Der Angestelltenstreik in der Gesundheitsindustrie. Berhandlungen vor dem Schlichter.
Der Streit in der Zentralheizungsindustrie( Ge fundheitsindustrie) ist entgegen den Mitteilungen von Arbeitgeberseite und einigen Sensationsblättchen mit unerwarteter Entschlossen heit aufgenommen worden. In Betrieben, wo sich der Streitbeginn verzögert hatte, war dies auf mangelnde Information bzw. irre führende Nachrichten der Arbeitgeber zurückzuführen. Im Laufe des gestrigen Nachmittags haben auch in diesen Betrieben die Angestellten die Arbeit niedergelegt. Der Andrang im Streiflotal war tagsüber sehr groß. Die Stimmung der Streifenden ist ausgezeichnet. Die Streifleitung hat beschlossen, um nach wie vor ihren Verftändigungswillen fundzugeben, an den vom Schlichter für Groß- Berlin festgefeßten Verhandlungen teilzunehmen. Aus diesem Grunde findet auch morgen Donnerstag abend 7% Uhr im " Nordischen Hof", Großer Saal, Invalidenstraße 126, eine neue öffentliche Bersammlung aller Angestellten der Branche
Die sozildemokratischen Voltsbeauftragten haben den Acht ft undentag auch für die Angestellten allgemein einge führt und bei dieser Gelegenheit eine andere sozialpolitische For derung der Angestellten verwirklicht: Die gesegliche Einführung des Siebenuhrladenschlusses.
Eine bürgerliche Reichsregierung hat den Achtstundentag be seitigt; bürgerliche Parteien machen sich zum Sprachrohr für die Unternehmerwünsche nach Beseitigung des Siebenuhrladenschluffes. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat dagegen am 29. Januar 1925 anläßlich der Beratungen des Etats des Reichsarbeitsminifteriums ein Gesetz gefordert, das den Sech suhrladenschluß ermöglichen soll. Im Kampf um die Verfürzung der Arbeitszeit wird die Sozialdemokratie nachdrücklichst die Angestellten unterstüßen. Wenn heute 250 000 bis 300 000. Angestellte stellenlos find, so ist das nicht zuletzt auf die Verlängerung der Arbeitszeit zurückzuführen.
Durch die Initiative der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sind seit Januar dieses Jahres die Angestellten, die nicht frankenversicherungspflichtig sind, in die Erwerbslosenfürsorge einbezogen worden. Bordem waren diese Angestellten auf die Armenfürsorge angewiesen.
Es ist auch das Berdienst der sozialdemokratischen Reichstags fraktion, daß der Reichstag noch vor seiner Vertagung das Kün digungsschußgefeß verabschiedete. Unter dem Borsiz des sozialdemokratischen Abgeordneten Aufhäuser fam der Reichs tagsunterausschuß zu einstimmigen Beschlüssen für eine wirksame Bekämpfung der Not der Angestellten. Die sozial demokratische Reichstagsfraktion war die einzige des Reichstages, die bereit war, diese Beschlüsse gesetzgeberisch durchzuführen. Ihre entsprechenden Abänderungsanträge zum Ründigungsgefeß wurden jedoch von den bürgerlichen Barteien abgelehnt. Dadurch wurde ein weitestgehender Kündigungsschutz für alle Angestellten und die Einführung von Abfehrgeldern verhindert,
So zeigt sich, daß die Sozialdemokratie auf allen Gebieten der Angestelltensozialpolitif eine zuverlässige Berfechterin der Angestelltenintereffen ist. Von der Von der Stärte der Sozialdemokratie hängt es also ab, in welchem Ausmaße der soziale Fortschritt durch die Gefeßgebung verwirklicht wird. Deshalb ist es auch für die Angestellten eine selbstverständliches Gebot, durch organisatorischen Zusammen. fchluß in der Sozialdemokratischen Partei ihren politischen Einfluß zu ftärten.
statt. Wir erwarten, daß alle Angestellten nach wie vor nur den Anweisungen ihrer selbstgewählten Leitung Foige leisten. Die 3entralstreitleitung. Günther. Lange. Bräunlich. Find.
Einigung im Kohlenhandel und Speditionsgewerbe. Bollversammlung am Montag den am 14. Ottober gefällten Schieds. Die im Kohlenhandel beschäftigten Arbeiter nahmen in ihrer spruch an. Danach erhöhen sich die Stundenlöhne mit Birkung Dom 22. Oftober von 1 m auf 1,02 m. Der Ueberstundenzuschlag beträgt nunmehr gleichmäßig für alle zu leistenden Stunden 5 Bros. Die im Schiedsspruch vorgesehene Sicherungsklausel ist insofern geändert worden, als ab 1. Januar automatisch eine Erhöhung der Löhne um soviel Broz. eintreten soll, wieviel der Lebenshaltungsinder über 145 steigt. Sollte bis zu diesem Zeitpunkt eine Ver. minderung der Lebenshaltungskosten eintreten, dann sollen die Löhne um soviel reduziert werden, wie der Inder unter 135 fintt. Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Wochenlöhne von 47 auf Die Speditionsarbeiter haben den am 13. Dftaber gefällten 48 M. vorsieht, ebenfalls angenommen. nehmer dem Schiedsspruch zugestimmt haben, ist somit der Konflikt im Speditionsgewerbe beigelegt. Durch die Annahme dieser Schiedssprüche ist in beiden Gewerben der seit Mai bestehende tariflose Zustand wieder aufgehoben worden.
Da auch die Unter
Die ausländischen Arbeiter in Preußen.
Die Statistische Rorrespondenz veröffentlicht foeben einen Bericht über die ausländischen in Landwirtschaft und Industrie beschäf tigten Arbeiter in Preußen, dem der Amtliche Preußische Pressedienst folgende Angaben entnimmt:
Die Anwerbung der ausländischen Arbeitskräfte fonnte auf die Dauer nicht privaten Agenten überlassen bleiben. Durch Berordnung vom 29. Otteber 1922( jog. Monopolverordnung) erhielt da
her die Deutsche Arbeiterzentrale bas ausschließliche Recht zur Anwerbung und Vermittlung ausländischer Landarbeiter. Hinsichtlich der Industriearbeiter hat sie das Monopol nicht. Im Jahre 1905 wurden in Preußen 206 983 Landwirtschaftliche und 228 700 Industrie- und sonstige ausländische Arbeiter beschäftigt. Diese Ziffern erhöhten sich im Jahre 1914 auf 383 258 bzw. 517 522 Arbeiter, um 1922 auf 112 710 6am. 110 624 zu finfen. 1925 waren in Breußen 107 087 ausländische landwirtschaftliche Arbeiter und 99 971 Induſtrie und sonstige Arbeiter Steigerung, von der noch nicht zu übersehen ist, ob sie anhalten beschäftigt. Diese legte 3iffer enthält gegenüber dem Vorjahr eine wird.
Das Arbeitsnachweisgeseh vom 22. Juli 1922 stellt den Grundaz auf, daß ausländische Arbeitnehmer nur dann Verwendung finden dürfen, wenn deutsche Arbeitskräfte nicht vorhanden sind. Auch unabhängig von dieser Rechtslage hat sich die Zahl der ausländischen Arbeiter in Deutschland dadurch erheblich vermindert, daß nach dem Kriege die aus Deutschland fortgewanderten Aroder in das französische Industriegebiet abgewandert sind. beiter zum erheblichen Teil entweder in ihre Heimat zurückgekehrt
Tarifkündigung im oberbayerischen Kohlenbergbau. München , 19. Oktober. ( WTB.) Im oberbayerischen Kohlenbergbau ist von den Arbeiterorganisationen der Lohntarif zum 1. November gekündigt worden. Es wird eine 2ohnerhöhung von 10 Pro 3. gefordert. Zur Bermeidung von wirtschaftlichen Borsiz des Landesschlichters für Mitte nächster Woche anberaum Störungen find Ginigungsverhandlungen unter dem
Neubelebung des englischen Bergarbeiterstreiks. Reaktionäre Wünsche.
London , 19. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Bergarbeiter- Exekutive hielt am Dienstag im Bergbaurevier Bras. ford bei Nottingham , im Bureau der Bergarbeiter des Diftrifts Nottingham , eine Sigung ab. Die Mitglieder wurden bei ihrer Ankunft von einer großen Menge von Bergarbeitern begrüßt. Der Berhandlungsgegenstand der Dienstagsfißung war die Or ganisation der großen Rampagne in Mittelengand, welche die Rüdgewinnung dieser Gebiete mit dem Widerstand gegen die Forderungen der Unternehmer zum 3wede hat. Es wurden alle Borbereitungen getroffen, um die Propaganda in sämtlichen Orten Mittelenglands bis Ende dieser Woche durchzuführen. Der Umfang dieser Kampagne ist daraus erfennt lich, daß heute Dienstag allein trotz der Eretutiofizung 36 große Bersammlungen abgehalten wurden. Wie wir erfahren, find die in der bürgerlichen Bresse verbreiteten Behauptungen, daß die 25 von dem Bergarbeiterverband des Diftritts Nottingham substituierten Delegierten einen Ronkurrenzverband zum offiziellen Berg. arbeiterverband ins Leben rufen, falsch.
tutive von bedeutender unmittelbarer Wirkung für Es ist schon heute unverkennbar, daß die Kampagne der Eredie Streiffituation in Mittelengland sein wird. Nachdem schon am Montag girta 70 000 Bergarbeiter weniger zurückgeHerald" weitere 13 000 bis 14 000 Bergarbeiter die tehrt sind, haben am Dienstag nach einer Meldung des Daily Arbeit neuerdings wieder eingestellt.
ning- Boft, forbert am Dienstag in bemerkenswerter UebereinEine Reihe rechtskonservativer Blätter, an der Spize die Mors ftimmung eine gerichtliche Verfolgung des Setretärs des Bergarbeiterverbandes, Cook, wegen seiner Reden in den letzten Wochen. Die gefeßliche Handhabe soll der Ausnahmezustand, der in England noch fortbesteht, bieten.„ Daily Herald" vom Mittwoch betont, daß nichts mehr geeignet wäre, die Einigkeit der Bergarbeiter wieder herzustellen, als ein solcher Schritt der Ret gierung.
Die englische Regierung ratifiziert!
Doch nicht das Arbeitszeitabkommen.
Genf , 19. Oktober. ( Eigener Drahtbericht.) Die englische Re gierung hat die Ratifikation der Arbeitsabkommen für die Entfchädigung bei Berufstrantheiten und über die Gleichstellung ausländischer Arbeiter in der Unfallversicherung vorgenommen und zugleich den beiden dazugehörigen Gesezesempfehlungen zugestimmt.
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Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Mittwoch, 7% Uhr, tagen die Gruppen: Schöneberg : Jugendheim Rubensstraße, Sportplag. Fidele Gesellschaft. Reukölln I: Jugendheim Bergftr. 29, Sof. Ein Schachlehrabend. Südwesten: ring: Jugendheim Eberswalder Str. 10. Jugendheim Bärwaldstr. 64. Unter uns( Betriebsfragen). Rorben: Jugendheim Gartenplag 4. Distuffion: Methoden der Gruppenagitation". Nord. Berliner Humor".( Verbandsbuch taffenverband). Bortrag:" Die Bedeutung der Revolution für die deutsche fontrolle.) Charlottenburg : Jugendheim Berliner Str. 137( Deutscher Kranken
Arbeiterbewegung".
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folgenden Bezirken: Lichtenberg : Jugendheim Schule Goßlerstr. 61.„ Die WirtJugendgruppe bes 8b. Seute, Mittwoch, 7½ Uhr, Beranstaltungen in fchaftstrife in England"( Lange). Webbing- Gesundbrunnen : Jugendheim Schönstedtstr. 1( Ledigenheim, 5 Treppen). Die Frau und der Sozialismus“ ( Berna). Reukölln: Jugendheim Nogatftr. 53. Arbeitsgemeinfchaft. Schöne. berg: Jugendheim Sauptstr. 15( Frankenlandzimmer). Heimabend. Zentralverband der Schuhmacher. Morgen, Donnerstag, 6% Uhr, Quartals. Generalversammlung, Gaal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25. Geschäfts. bericht für das 3. Quartal. Mitgliedsausweis legitimiert.
Berantwortlich für Bolitik: Dr. Curt Gener; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton : R. 8. Discher; Lokales und Sonstiges: Frik Karftädt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin . Berlag: Borwärts.Berlag 6. m. b. S., Berlin . Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin G 68 Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen unb Unterhaltung und Billen.
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