1. Beilage zum„, Vorwärts" Berliner Volksblatt.
Nr. 129.
weitesten Sinne des Wortes
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Sonnabend, den 6. Juni 1891.
8. Jahrg.
den
Gegen die Kornzölle. gegenwärtigen in Deutschland : die sich entfaltende Industrie wird Preissteigerung weder, wie es die bürgerlichen Parteien ver gehemint durch die Getreidezollpolitit, die Getreidezölle werden langten, zeitweilig, noch der Forderung der Sozialdemokratie geAcht Volksversammlungen fanden gestern Abend in Berlin unhaltbar. Der vierte Theil des heutigen Zolles wurde von dem mäß, dauernd zu beseitigen. Wir sind hier, um im Namen des statt mit der Tagesordnung:„ Gegen die Getreidez öll erreaktionären Ministerium Manteuffel für unzulässig erklärt.( Hört, arbeitenden Volkes Protest gegen diese Vertheuerungspolitik einfür billiges Brot"." Das arbeitende Volk Berlins , im hört!) Unter lebhafter Zustimmung( speziell auch der anwesenden zulegen, welche zu Gunsten einer kleinen Klasse geführt wird. Frauen) zeigte Liebknecht weiter das stete Zunehmen des Brotpreises Redner giebt eine Darstellung des Getreidehandels und schildert denn auch kleinere Beamte, manche in Berlin seit 1887, im ganzen beinahe um 50 pct. Bismarck schrieb den fortgesetzten, nie zu stillenden Hunger der" armen" Agrarier, der gewöhnlichen Klassifikation nach nicht zu den Proletariern die Schuld dem Bäcker zu( Heiterkeit), der sich im Gegentheil bei welcher ungeachtet des Hungers des Volkes den Zoll in die zählende und doch hart mit der Existenz ringende Personen 2c. billigerem Brote besser steht als bei theuerem. Jetzt soll die Börse Höhe getrieben hat. Und das heißt eine ungeheure Bertheurung stehen hinter den gestrigen Beschlüssen hat gestern seinem Ver: langen:„ Fort mit dem Kornzoll!" den lautesten, entschiedensten, Schuld sein, als ob nicht das jetzige agrarische System die Börse des nothwendigsten Lebensmittels des Volkes. Das arbeitende gewillt, die Hungersnothspreise zu einmüthigsten Ausdruck verliehen. Als volks- und kulturfeindlich, zu einer Nothwendigkeit machte. Warum macht man denselben Volt ist nicht länger der Staat ist nicht dazu da, als nicht blo: politisch, sondern auch sozialpolitisch reaktionär Vorwurf nicht der Börse in England und Frankreich ? Weil zahlen. Freilich dort die Ausgleichung nicht gehindert ist. Gewiß wollen wir Bedrückten zu helfen, nein er ist dazu da, um die hat es die Ereidezölle aufs schärfste verurtheilt. Der Besuch mit der Börse nichts zu thun haben: sie erzeugt keine Werthe. Bedrückung, aufrecht zu erhalten, welche zusammenfallen würde, der acht Versammlungen ist um so bedeutsamer, als mehrere der Aber die Börse innerhalb der heutigen anarchischen Produktion wenn er nicht da wäre. Wir wollen das Brod so haben, wie gewählten großen Lokale recht nahe bei einander lagen. Manche abschaffen, hieße uns in die Barbarei zurückwerfen. Die es die englischen Arbeiter haben, in keinem Lande finden wir so von den Besuchern der gestrigen Versammlungen gehörten ohne Zweifel bisher nicht zur Sozialdemokratie- die künstliche Ver- Agrarier denken: Jeder Groschen, der nicht in unsere Taschen, hohe Preise darauf, wie in dem Lande der Sozialreform, der theuerung des Brotes rüttelt eben Jeden auch aus dem tiefsten sondern in die des Börsenmannes geht, hat seinen Beruf ver- fogenannten demokratischen Monarchie. fehlt.( Heiterkeit.) Die Kornwucherer sind die Großgrundbesizer. Wenn wir uns Alles dies vergegenwärtigen, so kommen wir politischen Schlafe auf; sie dürften gestern, die Ursache( Lebhafte Zustimmung.) Die Agrarier sagen: Deutschland wird zu der Ueberzeugung, daß wir zusammenhalten müssen, gewerkder Nahrungsmittelvertheuerung: das Klasseninteresse, und die Klassennatur des gegenwärtigen weltgeschichtlichen Stampfes durch den Zoll in den Stand kommen, ſein Getreide selbst zu schaftlich und politisch organisirt, dann werden wir sehr bald überhaupt erkannt haben, also Sozialdemokraten geworden sein. erzeugen; diese Wirkung ist weder in Deutschland noch anderswo eine Befreiung erwarten können, nicht nur von den drückenden In der sozialdemokratischen Fraktion allein erblickt die werk- eingetreten. Unser Volk muß, wie das englische vor fünfzig Böllen , sondern auch von allen wirthschaftlichen Bedrückungen. Unter stürmischem Beifall schloß Redner seinen 11/2 stündigen thätige Bevölkerung der entschiedenen und keinem Kompromiß zu Jahren, ſeine Stimmen erheben, damit die Hungerkur aufhört, denn dieser Weg führt zum Verderben. Bu Vortrag. gänglichen Vertreter ihres Standpunktes in der Kornzollfrage. gleich sehen wir, wie die Staatsorganisation nicht mehr mit Von einer Diskussion wurde Abstand genommen und sodann Die freifinnige Partei fängt bereits an, zu diplomatisiren; man bem Gesellschaftsinteresse verträglich ist. Wir bekunden bloß die Resolution einstimmig angenommen. Mit dreifachem Hoch will nicht„ drängen", sondern der Entwicklung der Dinge die die Unzufriedenheit, wie ein Barometer. Die leyte Rede Caprivi's auf die internationale Sozialdemokratie wurde die Versammlung Vollziehung des Richterspruchs überlassen. Fünf freisinnige Barbat mehr Unzufriedenheit hervorgerufen, als alle reichsfeindlichen" geschlossen und unter dem Gesange der Arbeitermarseillaise wälzten lamentarier halten im hiesigen freisinnigen"" Arbeiter" verein Fest- Agitatoren in 25 Jahren.( Lebhafter Beifall.)" Beschließen Sie sich die Massen aus dem Saal. reten zu einer Zeit, wo es gilt, sich dem Wolfe zur Verfügung die Resolution einstimmig! Möge die Regierung ihren Standzu stellen und seine Sache zu führen. Es hat in den gestrigen punkt ändern und mit jener unheilvollen Politik brechen!" Volksversammlungen auch an manchem scharfen Worte über die( Stürmischer Beifall.) Die Resolution wurde einstimmig angefeige Halbheit und die Nebenrücksichten des Freisinns" nicht gefehlt. Die Mandate, welche die freisinnige" Partei durch unterstügung von rechts und links besitzt, mögen sie nicht über ihre Stärke im Volt täuschen! Sie ist keine Voltspartei.
Wir lassen nunmehr die einzelnen Berichte über die acht Boltsversammlungen folgen.
und
nommen.
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Im 6. Reichstags- Wablkreis( b) waren Tausende nach nach der Boltsbrauerei geströmt, wo August Bebel über das Tagesthema sprach. Schon lange vor 8 Uhr waren Schutzleute vor dem Lokal postirt, welche den ungeheueren Zubrang der Arbeiter beobachteten. Bald wurde die Brauerei gesperrt, in dichten Schaaren mußten die zu spät gekommenen Genossen umkehren, denn der mächtige Saal war gefüllt bis auf den letzten Platz. Der Ideengang von Bebel's Rede war ungefähr folgender:
Die hochgespannieſten Erwartungen übertraf der von den Bewohnern des 4. Wahlkreises in Joel's großem Saale erhobene Protest gegen die weitere Brotvertheuerung, gegen die Kornzölle. Bereits um 1/28 Uhr war der Saal so überfüllt, daß die Tische 1. Wahlpreis. Im Feenpalast, dessen sämmtliche Räume entfernt wurden. Um 3/48 wurden auch die Gallerien, die sonst Die kleinen Leute sind hauptsächlich auf das Brot anbereits um 8 Uhr dicht besetzt waren es mochten 4- bis 5000 nicht besetzt werden dürfen, frei gegeben und um 8 Uhr waren gewiesen. Die Regierung entreißt es ihnen durch die ungeheuerPersonen anwesend sein sprach Auer. Redner unterzog die Saal und Gallerien Kopf an Kopf gefüllt, so daß viele liche Vertheuerung, welche die unselige Folge der Zölle ist. Hundert bekannte Erklärung des Reichskanzlers v. Caprivi einer eingehen- Hunderte umfehren mußten, weil sie keinen Platz mehr Millionen Mart betrugen im Jahre 1889-90 die kolossalen den, scharfen Kritik, wobei er auf die vielfachen in derselben ent- fanden. Die Zahl der Anwesenden wird auf mindens 4-5000 Einnahmen aus den Getreidezöllen. Wer mußte diese Goldhaltenen Widersprüche aufmerksam machte Und für beson geschätzt. Die Leitung der Versammlung wurde dem Genossen menge aufbringen? Der Arme, der Darbende. ders darauf hinwvies, daß der Reichskanzler selbst erklärt A. Günther übertragen und in lautloser Stille lauschten die wen? Für den reichen Großgrundbesitzer, für die vorhabe, daß den armen Mitbürgern nur durch völlige Aufhebung Glücklichen, die noch Eintritt gefunden, den Ausführungen des nehmen Herren, die rechts in dem Reichstag sizen, für Ueber die der Getreidezölle geholfen werden könne, daß sich die Re- Abgeordneten Tu y auer, welcher in etwa 1/4 stündiger Rede Minister, für Fürsten , die sich die Taschen füllen. gierung zu biefem Schritte aber gleichwohl nicht entschließen die Entstehung und das Wachsen der Getreidezölle darlegte, auf Folgen ihrer Schritte hat sich die Regierung gewaltig getäuscht. das Bestreiten des Nothstandes, auf die Beschlüsse der Stadt Das fremde, billige Getreide kehrt einfach an den Grenzen um Nach Beendigung dieser mehrfach von stürmischem Bei- verordneten- Bersammlung, betr. Aufhebung der Getreidezölle, sowie und wird im Ausland verspeist. Das ist ein Rechenerempel von fall unterbrochenen Rede wurde die Resolution gegen das auf die Börsenspekulation des Nähern einging, und sodann die so einfachem, so natürlichem Ergebniß, daß jeder ArbeiterFortbestehen der Zölle mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. 2üge, daß die Großgrundbesitzer, seit Erhöhung der Einnahmen junge, der in der Gemeindeschule sigt, den Herren Reichskanzler In der Diskussion sprachen in sozialdemokratischem Sinne Frau für das Getreide auch ihren Arbeitern mehr Löhne zahlten, darüber hätte belehren können. Was wird die Folge der Zölle Schwazer und Herr Thomer, ein Anhänger der bürgerlichen statistisch feststellte, indem er ein Bild von der Lage der länd- sein, wenn durch spitsindige Diplomatenkünfte wieder einmal Demokratie" forderte zum geeinten Vorgehen der sonst getrennt lichen Arbeiterbevölkerung gab. Redner kritisirt sodann die urplöglich ein Krieg ausbricht? Durch die sofort eintretende marschirenden freisinnigen, Volks- und sozialdemokratischen Partei Haltung der Regierung zu der Frage der Aufhebung der Stockung der Zufuhr wird die Noth, die uns heute bedrückt, zur auf, und zwei Antisemiten tischten das alte Märchen von der Zölle, und weist nach, daß eine theilweise Ermäßigung, und eine ungersnoth ausarten; denn es wird zu wenig Getreide im Abhängigkeit der sozialdemokratischen Partei von der Börse auf, Aufhebung auf furze Zeit nur der Börsenspekulation Vorschub Land sein. wurden aber von Auer in einem Schlußwort glänzend wider- leisten würde. Hierauf verliest Referent die vom Parteivorstand legt. Um 114 Uhr war die imposante Kundgebung beendet. vorgeschlagene Resolution und empfiehlt deren Annahme.
könne.
Im zweiten Wahlkreise hielt Paul Singer das Referat. Der geräumige Saal der Brauerei Tivoli war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die 4-5000 Versammelten standen Kopf an Kopf; bereits gegen 8 Uhr war der Zugang durch eine Abtheilung von Schuyleuten abgesperrt. Genosse Singer begann, von der Versammlung stürmisch begrüßt, seinen Vortrag, aus dem wir folgende Punkte als besonders gravirende Beweise für die Verwerflichkeit der Getreidezölle hervorheben.
Es wird, nachdem sich der Beifallssturm gelegt hatte, ein Antrag eingebracht, von der Diskussion Abstand zu nehmen; derselbe wird einstimmig angenommen.
Die Resolution gelangt hierauf ebenfalls zur ein stim migen Annahme. Mit einem braufenden dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie erfolgt Schluß der Versammlung. Unter dem Gefang der Marseillaise entfernen sich die Theilnehmer.
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Darum müssen die Grenzen geöffnet werden, damit wir eine solche fünftige Stockung überstehen können. Ferner hat sich die Regierung nicht klar gemacht, daß durch das fortdauernde Darben des Volkes die Sterblichkeit unter den Proletarierkindern in wahrhaft erschreckendem Maße anwächst. Ich ersuche Sie, die bereits veröffentlichte Resolution mit folgendem Zusatz anzunehmen:" Endlich erklärt die Versammlung: der schreiende Widerspruch in der sozialen Ordnung der Dinge, der darin besteht, daß die Interessen der großen Volksmehrheit, die infolge kümmerlicher Einnahmen auf billige Ernährung angewiesen ist, den Interessen einer befizenden Minderheit geopfert werden, spricht für die Nothwendigkeit einer Umwandlung der Dinge von Grund aus, die in erster Linie durch Umwandlung der Privatwirthschaft des Grund und Bodens in sozialistische Gemeinwirthschaft herbeigeführt wird."
Einstimmig wurde die Resolution mit diesem Zusatz angenommen, nachdem Bebel unter schallendem Beifall seine Rede beendet hatte. Gine Diskussion fand nicht statt. Unter dem Gesang der Marseillaise verließen die Arbeiter nach Schluß der Versammlung den Saa,
Das Getreide in Deutschland ist fast um das doppelte theurer als das unverzollte im Ausland, und diesen Zoll haben die Die Versammlung für den 4. Wahlkreis( b) fand im Konsumenten, die zum weitaus größten Theile der arbeitenden Klasse Elysium" unter dem Vorsitz des Genossen 3ubeil statt. Der angehören, aus ihrer Tasche zu zahlen. Das ist eine Thatsache, große Saal war, trotzdem die Tische entfernt worden waren, bis die heute kein Mensch mehr zu bestreiten wagt. Zu Gute kommt auf den letzten Platz gefüllt, zirka 2000 Personen waren andieser Tribut des Wolfes unwiderleglichen Statistiken zufolge wesend. Hier referirte der Genosse Richard Fischer. Treffend nicht der sogenannten darniederliegenden Landwirthschaft, sondern kritisirte er die von der Regierung durch den Mund des Ministers einzig einer verschwindenden Minderheit von Großgrundbesitzern. abgegebene Erklärung in Bezug auf zeitweise Suspendirung oder 17 Großgrundbesißer haben 1/9 des ganzen Landbaues in ihren direkte Aufhebung der Getreidezölle. Zunächst wandte er sich gegen die Händen. Durch derartige Bölle muß selbstverständlich der Preis Behauptung, daß fein Nothstand vorhanden und auch in absehbarer 6. Wahlkreis. Das Verjammenngtoint Müllerstr. 7 war des Brotes in einer geradezu unbeschreiblicher Weise gesteigert Beit nicht zu gewärtigen sei. Die Behauptung, es sei keine Noth bereits um 8 Uhr, zu welcher Zeit die Versammlung einberufer werden. Einer amtlichen Statistik zufolge ein vorhanden, werde am allerbesten dadurch widerlegt, daß Eltern war, vollständig überfüllt, trotzdem Tische und Stühle aus demselben zufolge wog 50 Pf. Brot im Jahre 1888: 2,36 Rilogramm, 1889: ihre Kinder über die Grenze in Orte schicken, um dort wenig entfernt worden waren, sodaß das Lokal polizeilich abgesperrt wurde 2,02 Kilogramm und 1890 nur noch 1,54 Kilogramm. Eine Brot billiger zu erwerben, als dies diesseits der Grenze und hunderte von Genossen keinen Eingang fanden. Das Bureau der Familie von vier Köpfen hatte, einen Verbrauch von 100 Kilo- möglich ist, in denen notorisch die Pocken, Tod und Verderben imposanten Versammlung bildeten die Genoffen Vogtherr, gramm Brot für den Kopf angenommen, im Jahre 1887 allein verbreitend, herrschen. Von einem Nothstand im Sinne des Ministers Marten und Kleinert. Den Vortrag hielt Reichstagsabgeordneter für Brot die Summe von 82,60, 1888 84,88, 1889 98,88 und im tönne man allerdings nicht reden. So sind die Verhältnisse nicht, Stadthagen , dessen Darlegungen stürmischen Beifall erzielten. Jahre 1890 sogar 108,72 t. auszugeben. Das sind amtliche Nach- daß vermittelst der heutigen entwickelten Verkehrsinstitute nicht Die vorgeschlagene Resolution fand einstimmige Annahme, richten und nicht Hirngespinste eines sozialdemokratischen Agitators. fo viel Nahrungsmittel herbeigeschafft werden können, wie welches Stesultat mit Jubel begrüßt wurde. Da sich Gegner ( Stürmischer Beifall.) Und all' das Geld, welches durch diese nöthig sind, um alle Menschen in Deutschland zu ernähren. nicht zum Worte meldeten, wurde von einer Diskussion ungeheuere Verteuerung eintommt, fommt nur wenigen Groß- Der Nothstand besteht im Fehlen der Kaufkraft der großen abgesehen. Sodann wurde( nachdem die Wahl einer Lokalgrundbesizern zu gute, die aus den Einnahmen der Getreidezölle Volksmasse. Nun wies der Redner nach, indem er viel kommission( Marzahn , Kleinert und Hartig) noch vorgenommen jährlich etwa 250 Mil. Mark ziehen, während die Reichsregierung Bahlenmaterial dabei in Betracht zog, daß die Schutz- war, die Versammlung mit brausenden Hochs auf die internatiohöchstens 78 Mill. erhält. Troy all dieser erdrückenden Beweise für zollpolitik das nothwendigste Mittel zur Ernährung der nale völkerbefreiende Sozialdemokratie geschlossen. Ein starkes die verderbliche Wirkung der Getreidezölle weigert sich die Regie- großen besiglosen Masse, das Brot, vertheuert hat. Dies, und Aufgebot von Schuhleuten zu Fuß und zu Pferde überraschte rung, dieselben aufzuheben. Wir haben eben noch den alten auf der anderen Seite die Folgen des wirthschaftlichen Nieder auf der Straße die Bersammlungstheilnehmer. Kurs, und es ist Sache derjenigen, welche den Druck der Getreide- ganges für die Arbeiter, sind die Veranlassung für unsere Forzölle am eigenen Leibe spüren, der Regierung flar zu machen, derung nach Aushebung der Getreidezölle. daß die Bölle aufgehoben werden müssen, um Leib und Der Vortrag, der die ganze Wirthschaftspolitik der deutLeben der gesammten Bevölkerung zu erhalten. Wir schen Regierung kritisirte, wurde mehrinals von lebhaftem wünschen und hoffen, daß Regierung Beifall unterbrochen, der sich zum Schluß zu einem stürmischen der mahnenden und warnenden Stimme des Volkes möglichst steigerte. Die Protestresolution wurde gegen eine Stimme anbald Gehör giebt.( Ungeheurer, nicht enden wollender Beifall genommen.
wollen
und Bravorufen.) Die Resolution der Partei wurde einstimmig Nach einer kurzen Diskussion schloß der Vorsitzende die Verangenommen.( Bravo ) Eine Diskussion fand nicht statt, da sammlung mit einem:„ Für billiger Brot! Nieder mit den Korntroß wiederholter Aufforderung kein Gegner das Wort verlangte. zöllen! Es lebe die internationale Sozialdemokratie!" In das Hierauf wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die inter - Hoch stimmten die Anwesenden begeistert ein und verließen dann nationale, revolutionäre Sozialdemokratie geschlossen. unter dem Gesange der Marseillaise den Saal.
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Auch im Lande sind die Genossen der Aufforderung des Parteivorstandes entweder bereits nachgekommen, oder die Protestversammlungen stehen unmittelbar bevor.
Den Reigen eröffnete Erfurt , wo bereits am 2. d. Mts. eine von 3000 Personen besuchte Voltsversammlung nach einem Referate des Genossen Schulze die Protestresolution einstimmig annahm. Außerdem wurde ein Tadelsvotum gegen den Vertreter des Wahlkreises Erfurt , Herrn Lucius, angenommen, der es versäumt habe, sich um die Tage der Arbeiter seines Wahlkreises zu
tümmern.
Die„ Ressource"( 3. Wahlkreis) war schon um 6½ Uhr ge- Ein wogendes Menschenmeer war es, das schon frühzeitig Am 30. Mai hatte sich in Minden eine gut besuchte füllt; Tausende mußten umkehren. Siebknecht, lebhaft in dem Saale der Brauerei Friedrichshain , dem größten Saale Versammlung mit demselben Thema beschäftigt und am Freitag, Legrüßt, folgerte aus dem gewaltigen Andrang das große Inter - Berlins , zum Protest des fünften Wahlkreises gegen die Kornzölle den 29. Mai hatte der sozialdemokratische Wahlverein in esse der Bevölkerung für die Frage der Kornzolles. Wir haben sich eingefunden hatte, und immer neue Massen, Schaaren auf Chemnitz die Getreidezölle eingehend erörtert. fa, on die Theuerung; wir gehen der Hungersnoth entgegen. Der Schaaren strömten herbei, so daß bereits um 8 Uhr eine polizeiHungerjahre 1817 ist beinahe erreicht: 218. gegen liche Absperrung erfolgte. Wohl 5000 Personen mochten an- In Frankfurt a. d. Oder fand am 3. d. eine von 1500 219.( Hört, hört!) Als Bismarck das Sozialistengesetz durch- wesend sein, und Tausende mußten wieder umkehren. Den Vor- Personen besuchte Versammlung statt, welche nach einem Referat sette, um, nach seinem späteren Geständniß, wieder in den Sattel trag über die Kornzölle und die Reichsregierung hatte der des Genossen Wegner- Berlin die Resolution einstimmig anzu kommen, da ward mit dem Liberalismus gebrochen und Reichstags= Abgeordnete May Schippel übernommen. Nachdem nahm.
Preis vom
die Klinke der Gesetzgebung zu Gunsten von Großgrundbesitz dem Genossen Fritz Berndt die Leitung der Verhandlungen
und Großindustrie in Bewegung gesetzt. Die Noth der übertragen war, ergriff Genosse Schippel das Wort. Aus dem In Magdeburg trat nach einem Referat des Reichstags= Landwirthschaft besteht in dem Niederdrücken des kleinen Bauern längeren in die heutige Wirthschaftspolitik und Produktionsweise Abgeordneten Bock eine von 4-5000 Personen besuchte Versammdurch die Konkurrenz des Großgrundbesizers. Redner widerlegt vernichtender Weise tritifirenden Vortrage heben wir als wesent- lung der Protest- Resolution bei.
mit bekannten( amtlichen) statistischen Daten die Behauptung, daß liche Punkte hervor:
die Mehrzahl der deutschen Landwirthe überhaupt Getreide ver- In lehter Zeit haben wir eine Preissteigerung im Getreide
faufe; eine winzige Minderheit hat den Profit. Liebknecht be- zu verzeichnen, wie wir sie selbst in den allergrößten Hungershandelt dann die Geschichte der Kornzölle in England und ihrer jahren kaum je gehatt haben. Und troydem hat sich die Beseitigung, mit dem Zeitpunkt der letzten veraleicht er den Regierung veranlaßt gefühlt, diese künstliche
nicht