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Nr. 508+43. Jahrgang

2. Beilage des Vorwärts

Kohle und Gelgewinnung.

Ungenutzte Möglichkeiten.

Vor kurzem wurde an dieser Stelle dargelegt, daß aus den bei der Steinkohlenverkofung entstehenden Gasen hochwertige Stoffe, wie Teere, Dele und Chemikalien gewonnen werden. Bei diesem Verfahren entfallen aber 75 bis 80 Proz. der einge­jezten Kohlenmengen auf Sartbrennstoff( Kots), so daß die Nebenproduktengewinnung von der Menge des Kofs verbrauchs abhängig ist. Befindet sich die Eisenindustrie, der größte Kotsver­braucher, in schlechtem Geschäftsgang, dann wird die Kofserzeugung und damit automatisch die Nebenproduktengewinnung einge= ichrántt. Auch aus Braunkohle werden im Verschmel­zungsverfahren, sofern sie genügend Bitumen( Teer oder wachs. ähnliche Stoffe) enthält, Nebenprodukte von hohem Wert gewonnen. Auch hierbei entfallen ein Drittel der eingesetzten Kohlenmengen auf

anlage in Rheinau . Wenn man den Wert einer Tonne Del im Mittel auf 200 m. veranschlagt und selbst wenn dann der Preis in­felge erhöhter Produktion fällt, ist die Rentabilität einer Großanlage für die Delgewinnung aus Kohle garantiert.

Die J. G. Farbenindustrie stellt in einem großen Wert

aus Braunkohlenschwelteer

Jm Mülheimer Kohlenforschungsinstitut arbeitet Professor Fischer daran, ein von ihm entwickeltes Ber­fahren zur Delgewinnung aus Kohle mit gewöhnlichem Luft druck für eine Großanlage reif zu machen. Ob dem niedrigen oder Hochdruckverfahren der Vorzug gebührt, ist nicht entscheidend. Her­vorragende Kenner erklären: Hochdruck schreckt nur den Laien. Erst die Praxis kann feststellen, welchem Verfahren der Vorzug gebührt. Koks( Grudekoks), darüber hinaus erhält man Braunkohlenteer und Mitteldeutschlands unter Ausnutzung eigener Batente und auch Schwelgas. Im Weiterverarbeitungsprozeß werden dann Dele, solcher von Dr. Bergius Parafin, Wachs usw. gewonnen. Das wesentlichste Ausbringen Benzin in greßen Mengen her. Auf die Rührigkeit dieser Gesell besteht aber bei beiden Verfahren in Koks, einem nicht mehr so schaft weist der Verfasser des Auffages in der" Deutschen Bergwerks­leicht absehbaren Produkt. Sei Jahren wurden nun eifrige Versuche unternommen, die zeitung" besonders hin, um die Unternehmungsluft im Ruhrbergbau vorwärts zu treiben. Er meint, wenn nicht alle guten Vorsäge Kohle auf andere Weise zu zerlegen, um zur Gewinnung der in ihr raschestens zur Tat würden, dann wäre vorauszusehen, daß die enthaltenen hochwertigen Stoffe zu gelangen. Soweit sich ein Urteil J. G. Farbenindustrie die Führung in der Benzin- und Brenn­bilden läßt, sind die Forschungsergebnisse durchaus erölherstellung weiter behaupten und daß sich dann zu ihrem Stid­ölherstellung weiter behaupten und daß sich dann zu ihrem Stick­mutigend. zu ihrer praktischen Ausnutung im Bor turzem verlautete, daß die Teerverwertungsge großen ist man jedoch noch nicht geschritten. Der oft gerühmte stoffmonopol das Delmonopol gefellen würde. Wagemut privatwirtschaftlicher Initiative hat versagt. Das wird auch in der Deutschen Bergwerkszeitung" vom 19. Oftober 1926 ellschaft in Duisburg entschlossen sei, eine in einem Artikel, betitelt: Eine neue Aufgabe für den Ruhrberg­Großanlage zur Delgewinnung bau" offen ausgesprochen. In ihm wird Stellung zur Stid­stoffgewinnung genommen und auch kurz die Delgewinnung aus Kohle erwähnt und dazu ausgeführt:

Auch hier haben ja dem Bergbau bereits vor nahezu zwölf Jahren erstmalig Arbeiten über die Veredelung der Kohle zur Herstellung flüssiger Brennstoffe vorgelegen, aber auch hier hat er es versäumt, rechtzeitig die Bedeutung des Problems zu erkennen und die betreffenden Verfahren zu entwickeln. Der dauernde Rückgang des Steinkohlenverbrauchs hätte an sich eine Mahnung für den Bergbau sein müssen, recht zeitig nach Veredelungsverfahren zu suchen und eine Ueberproduk­tion an Rohle wenigstens zum Teil als wertvollen flüssigen Brenn stoff abzusetzen."

Das ist eine sehr scharfe Rüge für den Ruhrbergbau, in dessen Mitte der Verfasser des Aufsatzes steht. In der Tat: nur zögernd hat man sich bisher mit dem gestellten Problem befaßt, flüffigen Kraftstoff aus Kohle

über das trockene Destillationsverfahren hinaus zu erzeugen. Es ist dringend zu wünschen, daß sich das ändert. Auf dem Gebiete der Kohlenforschung sind große, für die Zukunft bedeutungsvolle Probleme gelöst worden. Nun gilt es, sie praktisch zu entfalten.

Der Verfasser des Artikels in der Deutschen Bergwertszeitung" erinnert daran, daß dem Bergbau bereits vor 12 Jahren Arbeiten über die Veredelung der Kohle zur Herstellung flüssigen Brenn­stoffs vorgelegen haben. Er zielt damit ohne Zweifel auf die Fer­schungsarbeiten von Professor Dr. Bergius ab, die dieser 1912 in Hannover begann und dann in Mannheim Rheinau soweit entwickelte, daß fie reif für die Ausnüßung in einer Groß­anlage find. Das Verfahren in seinen Einzelheiten darzustellen, mürde entschieden zu weit führen. Um seine Bedeutung zu er­kennen, genügen wenige Angaben, die der Forscher selbst öffentlich gemacht hat.

Es wird Kohlenstaub mit Teer vermischt, in Basten­form in ein hochdruck gefäß bei etwa 450 Grad Celsius ein­geführt und ungereinigter Wasserstoff zugesetzt. Es bildet sich eine firupähnliche Flüssigkeit, die durch ein nachfolgendes Raffinationsverfahren zerlegt werden muß. Der Borteil liegt darin, daß Kehlenstaub, ein bei normalen Marktverhältnissen schwer absehbares Produkt, verwandt werden kann bzw. muß. Nach Dr. Bergius ergibt eine Tonne trockene Ruhrkohle, die nicht von besonderer Güte oder besonders gasreich zu sein braucht, 150 Kilogramm neutrales raffiniertes Motor treiböl, 200 Kilogramm Diesel- und Imprägnier öl, 60 Kilogramm hochwertiges Schmieröl, 80 Kilogramm Heizöl und 35 Kilogramm Destillations- und Raffinationsverlust. Auf einen Einsatz von zwei Tonnen Rohle als Rohstoff und einer Tonne Kohle für Kraft und Wärme entfällt nach diesem Ver­fahren eine Ausbeute Don einer Tonne raffinierter hochwertiger Dele. Die Angaben über das Delausbringen sind noch nirgends bestritten worden. Sie beruhen auch nicht auf Mutmaßungen, sondern auf praktischen Ergebnissen der Forschungs­

zu bauen. Nun ist es wieder ganz still geworden, se daß die An­nahme berechtigt erscheint, als sei man abermals nicht über die Er­wägungen hinausgefommen. Die Delgewinnung aus Rohle ist ge­wiß noch in ihren Anfängen begriffen, so daß auch Rückschläge nicht ausbleiben werden. Aber einmal sollte doch zur Tat ge­schritten werden.

Die Lösung der Deffrage ist für Deutschland von allgemeiner und großer wirtschaftlicher Bedeutung, denn zur Deckung des Bedarfs an flüssigen Brennstoffen ist Deutschland in der Hauptfache auf die Einfuhr angewiesen. Innerhalb seines Staatsgebiets verfügt es nur über geringe natürliche Erdölvorkom. men in der Provinz Hannover . Der Schmierölbedarf wird mit der fortschreitenden Mechanisierung immer größer, aber nur 10 Proz. vermag Deutschland aus eigener Produktion zu decken, während jährlich 90 Broz. mit einem Wert von fast 60 Millionen Mart eingeführt werden müssen. Aehnlich steht es mit Benzin und Treibölen. Nach jedem neuen Kraftwagen und Motorrad ist es die Regel, bei jedem neuen Schiff ist es fast die Regel, daß sich der Benzin- oder Treiböl bedarf erhöht. Die Kofereien, Gas­anstalten und Braunkohlenschwelereien liefern ungefähr ein Drittel des Bedarfs, während zwei Drittel importiert werden müssen, wo­für gegenwärtig rund 100 Millionen M. im Jahre an das Ausland zu zahlen sind. 3war ist mit der zunehmenden Elektri­fizierung auch auf dem flachen Land der Leuchtölbedarf im Ab­nehmen begriffen, aber die Außenhandelsbilanz in Del und anderen flüssigen Kraftstoffen ist im ganzen gesehen start passiv. Das kann in wenigen Jahren anders sein, wenn man sich entschließt, die vor­liegenden Rohlenforschungsergebnisse in Großanlagen praktisch aus­zunützen.

Nach einer Besichtigung der Forschungsanlagen von Professor Dr. Bergius in Rheinau schrieb ein namhafter Bergwerksvertreter in das Besuchsbuch:" Ich wag's." Er wollte damit sagen, daß er entschlossen sei, eine Anlage zu bauen. Fast zwei Jahre find seitdem verflossen und er hat nicht gebaut. Wer Heinrich Löffler. wagt es nun wirklich?

Lieferung der Reparationskohle.

Eine neuer Vertrag.

Am 20. Oftober wurde in Köln zwischen dem Ruhrkohlensyndikat und dem französischen OHS.( Kohlenkontor für das nordfranzösische Rohlengebiet) ein vorläufiger Vertrag unterzeichnet, der die deutschen Rohlelieferungen auf Reparationskonto auf eine neue Grund lage stellt.

In Zukunft werden die französischen Kohlenkäufe auf Repara­tionskonto in freien Verträgen der Abnehmer zu freien Preisen erfolgen, nicht mehr wie bisher auf Konto der franzöfi­schen Regierung, die ihrerseits die Reparationsfohlen weiter verkaufte. Wegen Sortenschwierigkeiten und aus anderen Gründen behauptete die französische Regierung bei der Weitergabe der Reparationstohlen schwere Verluste, werden 50 bis 60 Millionen Mart genannt, erlitten zu haben. Die an den deutschen

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Donnerstag, 28. Oktober 1926

Inflationspreisen erzielten Gewinne verschwieg fie allerdings. Das deutsche Ruhrfohlensyndikat seinerseits hat befanntlich mit Erfolg das Deutsche Reich auf Zahlung von 15 Millionen Preisverlusten aus dem tatsächlich erzielten Erlös verklagt, weil es einen An­spruch auf die Vergütung des deutschen Inlandspreises habe, der nach der Stabilisierung infoge der niedrigeren englischen Konkurrenz­preise für die Reparationsfohle nicht zu erzielen war. Um diese ,, Verluste" und Streitigkeiten in Zukunft zu verhindern, soll die neue Regelung erfolgen. Man geht damit dem ungewissen Ausgang zweier Klagen aus dem Weg, die sowohl Frankreich wegen seiner Verluste als auch Deutschland wegen der Zahlung der rund 15- Mill.­Preisdifferenz bei der Reparationstommiffion anhängig gemacht hat, für deren Zahlung das Reich zum größeren Teil verpflichtet wurde. Weil die französischen Empfänger in Zukunft nur mehr direkt und zu freien Preisen einkaufen, werden das nordfranzösische Kohlenkontor und die franzöfifche Regierung bei Bestellung und Verteilung aus­sich e i den und sich auf die Festlegung der auf Reparationsfonto zu verrechnenden Mengen und auf die Verrechnung mit dem Reparationsagenten selbst beschränken.

Aus Berliner Verlagsgesellschaften.

ftein- 2.- G. für 1925 enthält einige recht interessante Ausführungen Der wieder sehr spät veröffentlichte Geschäftsbericht der Ull­industriellen Konzentration für das Anzeigengeschäft. Daß das über die kulturellen Auswirkungen der Krise und die Folgen der Jahr 1925 für den Verlag teine aufsteigende Entwicklung bedeutete, tam nach dem Bericht besonders im Zeitschrifien-, Buch- und An­noncengeschäft zum Ausdruck. Von der allgemeinen Krisis am meisten betroffen feien die Schnittmuster gewesen, weil der Rückgang der Kauffraft Einschränkungen zur Folge hatte und die niedrigen Preise der Fertigkenfektion auf die Haus­schneiderei drückten. Nicht zu verfennen sei außerdem, daß die großer Konzerne auch Nachteile für das Anzeigenwesen Rationalisierung der Wirtschaft und die Zusammenballung bringe, weil man die Reklame sparen zu fönnen glaube.

Trozdem verzeichnet die Familie Ullstein wieder glänzende Gewinne. 3war niedriger als im Vorjahr( 2,70 mill.), beträgt der Reingwinn doch 1,64 Mill. M., aus dem auf die 10 Millionen Attien 15 Proz. Dividende verteilt werden( 1924 20 Proz.). Der Rohüberschuß ist von 8,01 auf 8,13 Mill. gestiegen. Die Hand­Millionen, erhöht. Mehr als verdreifacht sind die Ab­lungsunfosten sind aber noch stärker, und zwar von 3,53 auf 4,13 schreibungen, von 0,32 auf 1,07 Mill. Diese verstärkten Ab­schreibungen dürften mit der rationellen Zusammen­fassung der Druckerei- und Buchbindereibetriebe im Tempelhofer Neubau zusammenhängen, die naturgemäß für Inventar und Ma schinen der alten Betriebe eine gemiffe Entwertung mit sich bringen. In der Kechstraße soll von den technischen Betrieben nur die Zeitungsdruckerei verbleiben. Auf der Tagesordnung der Gene ralversammlung steht übrigens auch die Genehmigung eines Fu= sionsvertrags der Ullstein- Zentralverwaltung G. m. b. 5. mit der Ulstein A.-G., bei der bisher die Aktien und Beteiligungen des Ullstein- Konzerns gesondert verwaltet wurden und eine a pi talerhöhung um 2 Millionen M., die für die Umstellung neue Mittel schafft.

Sicher für weite Kreise interessant find die erstmals mitgeteilten Biffern über die 1925 gezahlten Löhne und Gehälter. Ben der Gesamtsumme von 20,49 Mill. entfallen auf Redak­teure 2,73 mill, auf faufmännisches Personal 7,30 mill., auf technisches Personal 8,47 Mill. und auf Botenfrauen rund 2 Millionen.

Die Guido Hackebeil A.-G. legt einen Bericht für die zwei Geschäftsjahre 1924-1926 Dor, die am 30. Juni fchließen. Der vorgetragene Gewinn des Vorjahres ist von 39.000 auf 104 000 m. erhöht. Auf das Kapital von 1 Million wirdisa daraus ei Dividende von 5 Pro z. gezahlt.

Börsenkrise in Italien .

Die

Mussolini hat seinerzeit angefündigt, 1926 werde das Jahr des Ruhmes, das napoleonische Jahr Italiens werden. Lage der Börse in Italien läßt eher das Gegenteil, den Nieder­bruch, erwarten. Während des Monats September ist ein Sturz aller Effeftenfurse vor sich gegangen, wie er vorher noch nicht seinesgleichen hatte. Nicht nur die Staatspapiere sind hem­mungslos gefunfen, sondern auch die besten Aktien sind um 20, 30 bis 50 Prozent heruntergegangen. Die drei bedeutendsten Börsen, Mailand , Genua und Turin befinden sich in vollständigem Wirr­warr. Eine große Anzahl Wechselagenten hat Konkurs ge macht.

Woher rührt diese Krise? Als der Faschismus Ende Oktober 1922 zur Macht gelangte, versprach er zwei miteinander unverein­bare Dinge: die imperialistische Politik und den wirtschaftlichen Wiederaufbau, die Lira zu 50 Goldcentesimi und eine Bolitik Um einen wirtschaftlichen Wohlstand wirtschaftlicher Expansion. vorzutäuschen, hat man die Unternehmungen zu Vergröße= rungen veranlaßt, sie gezwungen, ins Ausland zu gehen: man hat große öffentliche Arbeiten ausgeschrieben. Die Regierung hat die Banten vorwärts getrieben und die Banken sind dem Vorgehen der industriellen Gruppen gefolgt.

Nach den Berechnungen von Wirtschaftskennern ist das Natio­nalvermögen Frankreichs mindestens dreimal so groß wie das Italiens . Nach der Machtbesteigung des Faschismus jedoch ist man in Italien dahin gelangt, Emissionen vorzunehmen, die zweimal

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