Helfort Hax gestorben. London , 26. November.(Eigener vrahtberichl.) Genosse Velsort Lax ist heule hier 7Zjährig gestorben. Ernest Belfort Vax war einer der Pioniere der so- zialistischen Bewegung in England. Er war am 23. Juli 1&54 in Leamington geboren. Frühzeitig wurde er durch die Lektüre zeitgenössischer Literatur, namentlich der Romane von Dickens zu sozialem Empfinden geweckt. Siebzehnjährig erlebte er mit tiefer innerer Anteilnahme die Pariser Com- mune. Im Jahre 1880 wurde er dann als Assistent des Korrespondenten des Standard, Abel, nach Berlin berufen, das er aber nach einem Jahr schon wieder verließ. Als er nach England zurückkam, hatte H y n d m a n soeben seine „Democratie Federation" gegründet, aus der sich die„Social Democralie Federation" entwickelte. Bax wurde ihr Mit- glied. Hier lernte er M o st und Kropotkin kennen und begann, das„Kapital" von M a r x zu studieren, über das er einen Aufsatz in einer Monatsschrift veröffentlichte. Das brachte ihm den Dank von Marx und kurz nach des Meisters Tode, die Bekanntschaft mit Friedrich Engels . In jener Zeit übersetzte er auch einige Hauptwerke von Kant ins Englische . Er wurde Herausgeber und Mitherausgeber ver- schiedener sozialistischer Zeitschriften, wie vor allem der „Justice", wobei sich seine Wege mit denen Williams' Morris', Bernard Shaws, Sidney W e b b s u. a. be- gegneten. Als Vertreter des englischen Sozialismus erschien er auf verschiedenen internationalen Kongressen. Seit mehr als vierzig Jahren war die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung ohne ihn nicht denkbar. Bax war ein überaus fruchtbarer Schriftsteller. Neben Artikeln für Zeitungen und Revuen verfaßte er zahlreiche umfangreichere Schriften, so eine Geschichte der Philosophie, Bücher über Religion und Sozialismus, Ethik und Sozialis- mus usw. Verschiedene Schriften beschäftigen sich auch mit Deutschland , so eine mit der„deutschen Gesellschaft am An- fang des Mittelalters", eine mit dem Bauernkrieg, eine— im Krieg erschienene— mit der„deutschen Kultur in der Vergangenheit und Gegenwart", 1918 schließlich schrieb er seine„Neminiscenses and Reflexions", seine„Erinnerungen und Betrachtungen", die einen wertvollen Beitrag zur Ge- schichte des Sozialismus darstellen. Die Internationale sieht in Belfort Bax ein« ihrer ragenden Gestalten dahinsiechen. Sie hatte lange Zeit vor dem Kriege, als es in Deutschland und anderen Ländern schon starke sozialistische Bewegungen gab, in England nichts anderes gefunden, als eine unpolitische, dem Sozialismus fremd gegenüberstehende Gewerkschaftsbewegung und, von ihr abgeschieden,«ine kleine Gruppe sozialistischer Theoretiker. Lange hat es gedauert, bis sich drüben jener geschichtlich be- deutende Prozeß vollzog, den der junge Marx einst in einer grandiosen Vision als die Vereinigung der Philo- fophie mit dem Proletariat geschildert hatte. Bel- fort Bax war ein Vertreter der Philosophie, zu der das eng- lischc Proletariat schließlich doch den Weg gefunden hat. Am Grabe, dieses Mannes, der jahrzehntelang ein einsamer Kämpfer ivar, trauern heute Millionen. der Etat öes Innenministeriums. Veamtcnfragc»r.— Zuschust für die Bundeoschulc u '-"des Arbeiterturn- und Sportbundes, 5n der am Freitag im Ausschuß für den Reichshaushalt fort- geführten Beratung des Rachtragsetats zum Reichsinnen. Ministerium wurde der Antrag des Genossen Soll mann, der die Einsstzuna' eines namhaften Betrags in den Haushaltsplan für 1927 zur Behebung besonderer Notstände in der deutschen K u n st fordert, einstimmig angenommen. Im Anschluß an diese Position gelangten zwei Resolutionen zur An- nahine, die für Beamte, welche versetzt werden sollen, von Bedeutung sind. In der ersten wird die Regierung ersucht, im Rohmen ihrer verfassungsmäßigen Zuständigkeit darauf hinzuwirken, daß die Länder die gegenwärtig bestehend' Mannigfaltigkeit der Lchrpläne für die höheren Schulen mindern, da dieselben für Lehrer und Schüler beim Ortswechsel gleichmäßig große Nachteile haben. Die zweite Entschließung, von der Bayerischen Volkspartei einge- bracht, ersucht die Reichsregierung, den einzelnen Ressorts Anweifun- gen zu geben in dem Sinne, daß bei der Versetzung von Beamten an Orte mtt höheren Bildungsanstalten die verheirateten Beamten, deren Kinder sich in der Ausbildung befinden, unter sonst gleichen Voraussetzungen den Vorzug erhalten. Eine lang ausgesponnene Debatte rief die Forderung der Re- gierung� hervor, die im Hauptetat für 1926 bewilligten 35 000 M. „zur Förderung der Be am t e n e r h o l u n g s h e i m e" um 65 000 M. zu erhöhen. Die Erhöhung wurde zunächst abgelehnt. Man behielt sich indessen vor, nach Klärung einiger Zweifelssragen auf die Angelegenheit zurückzukommen. Bei der Position: Durchführung des Volksent- fcheids Enteignung der Für sie»vermögen 2,2 Mil- lionen beantragte der Völkische Kube die Streichung der längst ausgegebenen Summe! Sein Antrag wurde gegen feine Stimme abgelehnt. Der Antrag des Genossen Schreck: Für die Bundes- schule des A r b e i t e r tu r n- und Sportbundes in Leipzig 400 000 M. einzusetzen, brachte eine Fülle von Rednern auf den Plan und zeitigte mehrere ähnliche Anträge. Genosse Schreck stützte die Begründung seines Antrags auf eine beim Hauptetat für 1926 mst großer Mehrheit angenommene R e- s o l u t i o n. nach der die Regierung ungesäumt prüfen sollte, ob und in welcher Höhe für die Errichtung von vorbildlichen Anlagen auf dem Gebiet des Turn, und Sportwesens Reichsmittel zur Ver- fügung gestellt werden können und gegebenenfalls diese Mittel im Nachtragsetat anzufordern. Die Regierung habe aber bis- her nichts getan. Daher komme jetzt sein Antrag. Regierung wie Parteien hätten inzwischen anerkennen müssen, daß die Arbeiter mit ihren sauer zusammengebrachten Groschen auf dem Gebiete des Turn- und Sportwesens Großes, ja geradezu Vorbildliches geleistet hätten. Die Annahme des Antrags fei daher ein Gebot der Loyalität. Von den Kommunisten ging der Antrag ein, den geforderten Betrag von 400 000 auf 7 0 0 0 00 M. zu er- höhen. Die Deutsche Volkspartei schlug vor, die 400 000 Mark zwischen dem TurnhallengebäudeoufdemSport- forum im Grunewald und der B u n de s s ch u l e in Leipzig zu teilen. Damit war das Zentrum einverstanden unter der Voraussetzung, daß auch eine Sportschule in Münster 200 000 M. erhalle. Der Abg. Kube beantragte Einsetzung einer Summe von 500 000 M. in den Nachtragsetat und Verteilung dieses Betrags durch das Reichsinnenministerium. Nach lebhafter Debatte wurden alle Anträge an den Sparausschuß ver- wiesen.'.. In die Beratung über das sogenannte..O st p r o g r a m m, d. h. über die besonderen Maßnahmen zur wirtschaftlichen und kultu- rellen Förderung der östlichen Grenzgebiete Preußens wurde nicht- eingetreten, weil zu diesem Zweck die Anwesenheit des Reichsfinanz- Ministers gewünscht wurde. Dieser ist aber zurzeit unpäßlich. Ebenso konnte die Angelegenheit der„Deutschen Allgemeinen Zei- tu n g", für die die Anwesenheit des Reichsaußenministers uner- läßlich ist, nicht behandelt werden, da auch der Retthsaußenminister von feinem Unwohlsein noch nicht hergestellt ist.
Kämpfende Den Distrikten fr London , 26. November.(Eigener Drahtbericht.) Der sieben Monate dauernde große Kampf im britischen Bergbau ist mit den Entschlüssen der heutigen Delegiertenversammlung der Bergorbeiter zu Ende gegangen, soweit es sich um den vom Gesamt- verband geführten Arbeitskampf handelt. In einzelnen Distrikten werden vielleicht die Kämpfe noch wochenlang fortgehen. Die Delegiertenversammlung beschloß, entgegen dem Ursprung- lich geplanten Vorgehen, den D! st r i k t e n bei dem Abschluß der Arbeitsabkommen völlig freie Hand zu lassen. Infolgedessen müssen die Distrikte die Verträge ganz auf eigene Verant- wortung abschließen. Der Verband wird allerdings keinem Abkommen die offizielle Billigung gewähren, das eine längere Arbeitszeit vorsieht oder sonst nicht den Grundsätzen entspricht, die die Delegiertenkonferenz am vergangenen Sonnabend aufgestellt hat. Praktisch bedeutet dieser Beschluß einen völligen Verzicht der Verbandsleitung auf irgendwelche Einflußnahme bei den Distriktsoerhandlungen. Die Zentrale des Verbandes wird nur dann eingreisen und Unterstützungen und materielle Hilfe für einen einzelnen Distrikt gewähren, falls es in dem einen oder anderen Distrikt zu keinem Vertragsabschluß mit den Unternehmern kommt, der Distrikt infolgedessen die Fortführung des Kampfes beschließt und den Gesamtverband um Unterstützung ersucht. Die Delegiertenversammlung ist zu diesem Beschluß ge- kommen, weil ein Festhalten an ihren vor einer Woche beschlossenen Grundsätzen bei der Haltung der Unternehmer«ine Wieder- aufrollung des Kampfes auf der ganzen Linie zur Folge gehabt hätte, wozu sich der Verband nicht mehr stark genug fühlte Die Konferenz nahm außerdem e i n st i m m i g eine ihr von der Verbandsleitung vorgelegte Entschließung an. in der sie ihre Entrüstung über die von den Unternehmern verschiedener Distrikte gemachten Vorschläge ausspricht und die Aufmerksamkeit der Regie- rung auf die Distrikte Nottingham , Bristol , Leicester, Kent und Somerset lenkt, wo sich die Unternehmer weigern, mst den Ver- treiern der Arbeiter zu verhandeln oder überhaupt zu verhandeln, che die Arbeiter zur Arbeit zurückgekehrt sind. Die Lage in diesen Kohlenrevieren ist noch sehr unsicher. Während täglich etwa 10 000 Arbeiter zur Arbeit zurückkehren, haben m diesen Distrikten die Verhandlungen überhaupt noch nicht begonnen oder sind wieder abgebrochen worden. In Schottland , Nordcumberland und Lanca«
Heute Auswärtiger Ausschuß. Dr. Strcsemann erscheint vor dem Haushaltsausschuß. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages tritt am Sonnabend, den 27. November, zu einer neuen Sitzung zusammen. Aus der Tagesordnung steht die polnische Frag«. Reichsauhenminifter Dr. Stresemann wird heute sowohl im Haushaltsausschuß wie im Auswärtigen Ausschuß erscheinen, da er in beiden Ausschüssen zu den auf der Tagesordnung stehenden Fragen persönlich Stellung nehmen will. Im Haushaltsaus- s ch u ß wird die � Frage des Ankaufs der»DAZ." durch die Reichsregierung behandelt werden.
das firbeitsgenchtsgefetz. Sozialdemokratisch« Berbesserungsarbeit im Ausschuß Im Verlauf der Beratungen des Sozialpolitischen Ausschustes vom Frestag über das Arbeitsgerichtsgesetz konnten mehrere der von der Regierung angekündigten Verschlechte- r u n g e n gegenüber den Ergebnissen erster Lesung durch neue Anträge der Sozialdemokratie abgewehrt werden. Die Regierungsparteien hatten beantragt, daß die Kammern des Arbeitsgerichtes in allen Instanzen mit nur je einem Beisitzer der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer besetzt sein sollten. Durch den an- genommenen Antrag der Sozialdemokratie werden die Zlrbeits- und die Landesarbcitsgerichtc bei allen Kollektivstreitigkeiten mit je zwei Beisitzern tätig. Für das Reichsarbeitsgericht wurde gegen die Stimmen der SPD. und KPD. beschlossen, je einen Beisitzer zu nehmen. Die sozialdemokratischen Anträge, wonach bei Bestellung der Vorsitzenden die wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehört werden sollen, wurden von den bürger- lichen Parteien abgelehnt. Der in erster Lesung angenommene§ 23a, der den Schutz der Arbeitsrichter gegen Maßregelung bestimmt, wurde durch einen Antrag der Regierungsparteien wieder wesentlich abgeschwächt. Daraus stellte die Sozialdemokratie den Antrag, Arbeitgeber, die solche Maßregelung vornehmen, m»t Geld st rasen zu belegen, im Wiederholungsfall auf G e f ä n g n i s zu erkennen. Es war nach einer längeren Debatte möglich. wenigstens den ersten Teil dieser Strafbestimmung in das Gesetz hineinzukommen. Bezüglich der Arbeitsrichterausschüsse wurde be- schlössen, daß sie aus mindestens je drei Arbeitgebern und Arbeit- nehmern bestehen müsien. Das Berusungsalter für die Landes- arbeitsrichter wurde auf 30 Jahre herausgesetzt. Von grundsätzlicher Bedeutung ist, daß der sozialdemokratische Antrag auf Schaffung von Beisitzerausschüssen bei den Landesarbeit«- geeichten angenommen wurde, während in erster Lesung diese Ausschüsse nur für die untere Instanz beschlossen worden waren. Um den Begriff der wirtschaftlichen Vereinigung sestzustellen, hatte die sozialdemokratische Fraktion beantragt, daß nur solche Berussverbände(und ihre Spitzenorganisationen) anerkannt werden, die t a r i s f ä h i g sind. Für die Auslegung ist die Verord- nung vom Dezember 19l8 maßgebend. Die Angelegenheit wurde durch eine Regierungserklärung erledigt, wonach sich die Regierung sachlich auf den Boden des sozialdemokratischen Antrags stellt und die Begriffsbestimmung der wirtschaftlichen Vereinigung im kommenden Tarifvertragsgesetz entsprechend geben will. Bei den Versahrensvorschriften sind gegenüber der ersten Lesung keine Aenderungen materieller Art vorgenommen worden. Der Ausschuß beabsichtigt, die zweite Lesung in der Sonnabendsitzung zum Abschluß zu bringen.
der prager Mussolmi-dienft. Sozialistischer Protest im Parlament. Prag , 26. November.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag kam es im Abgeordnetenhaus wegen des am Donnerstag erfolgten Der- bots der Versammlung gegen den Faschismus zu einer großen leidenschaftlichen Kundgebung der deutschen Sozialdemokratie, deren Redner unter Zustimmungs- und Protestrusen der deutschen wie der tschechischen Sozialdemokraten sowie der Kommunisten in gebühren- der Form sestftellte, daß sich die tschechische Regierung zur Schützerin des italienischen Faschismus er- niedrige, indem sie über Italien und Mussolini zu sprechen verbiete. Genossin B a l a b a n o f s wurde vor und nach der Donnerstag- Versammlung von der Polizei wiederholt in ihrer Prager Wohnung aufgesucht und bespitzelt Der Prager Versammlungsauflösung folgen bereits Verbote von Balabanosf-Versammlungen in der Provinz.
in England. ie Hand gelassen. shire sind Arbeiter und Unternehmer zu einer V e r st ä n d i'g u n g gekommen. Die Abkommen bedürfen allerdings noch der BestLti- gung der Distrikts-Delegiertenkonferenzen. Die erste dieser Dele- giertenversammlungen findet am Sonnabend in Lancashire statt. Hier empfiehlt der Distriktsvorstand des Bergarbeiterverbandes eine Annahme der von den Unternehmern gestellten Bedingungen. Die Arbeit er parte! hat beschlossen, im Parlament einen Mißbilligungsantrag gegen die Regierung wegen ihrer Haltung während des Kampfes im Kohlenbergbau einzubringen. Verlängerung des Ausnahmezustandes! London , 26. November. (WTB.) Im Unterhaus führte heure der Staatssekretär des Innern Ioynson Hicks zur Begründung, der von der Regierung beantragten Verlängerung der Notstandsmaß- nahmen aus, es handele sich lediglich um eine Vorsichtsmaßnahme, die man hoffe, in einigen Tagen oder in ein bis zwei Wochen ausheben zu können. Von etwa einer Million Bergarbeiter hätten fast eine halbe Million die Arbeit wieder aufgenommen. Den Polizeibehörden sei die Ermächtigung erteilt worden, V e r s a m m- l u n g e n, die bereits genehmigt worden seien, wieder zu ver- bieten. Im Namen der Arbeiterpartei sprach sich C l y n e s gegen eine Verlängerung der Notstandsmaßnahmen aus. Die Debatte wurde sodann vertagt. Das Anwachsen der Arbeiterpartei. London . 26. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Nach- wähl in Howenshir«, wo der konservative Abgeordnete wegen setner Ernennung zum Gouverneur zurückgetreten war, brachte keine Aenderung. Für die Arbeiterpartei wurden jedoch 10 Proz. der Sttmmen abgegeben, trotzdem sie in diesem Bezirk zum e r st e n m a l einen Kandidaten aufstellte und bis zum Beginn des Wahlkompfes keine Parteiorganisation gehabt hat. Labours Trauer um Kraffin. London , 26. November. (EP.) Di« Arbeiterpartei Hot ve- schlössen, sich an der Bestattung Krassins durch den Abg. Landsbury und den ältesten SohnRamsayMacdonalds vertreten zu lassen. Die Delegierten der Grubenarbeiter von Südwales haben an die Verwandten des Verstorbenen und an die Sowjetregierung Beileidstelegramme gesandt.
Die polnische Lanöarbeiterfrage. Warschau droht mit Vergeltungsmaßnahme». Warschau . 26. November.(Mtb.) Die beiden offiziösen Re- gierungsblätter st, Polen , das Blatt des Ministerpräsidenten Pilsudski „Glos Prawdy" und das dem früheren Minister- Präsidenten Bartels nahestehende Blatt„E p o k a", beschästigen sich beide mit der Frage der Ausweisung polnischer Arbester aus Deutsch- land.„Epoka" behauptet, daß die deutschen Arbeitgeber mst diesen Arbeitern sehr zufrieden seien und sich nur dem Zwang der Regierung beugten, wenn sie sie entließen. Beide Blätter verlangen von der Regierung, daß sie mtt Vergeltungsmaßnahmen .antwortet. Diese Forderung kann jedoch dem Charakter der Blätter entsprechend nur im C i n v e r st ä n d n i s mit der Regierung gestellt worden sein. » Bei dem Problem der polnischen Landarbeiter in Deutschland handett es sich um zwei verschiedene Dinge. Einmal um die Man- derarbeiter, die lährlich aus Polen nach Deutschland kommen, um am Ende der Erntearbeiten wieder in die Heimat zurückzukehren. Deren offizielles Kontingent betrug für 1926 130 000, es ist angesichts der deutschen Erwerbslosennot für 1927 auf 100 000 heruntergesetzt worden. Zum anderen aber handelt es sich um einige tausend polnische Familien, die sich in Deutschland schon seit vielen Jahren aufholten, die mit ihrer Existenz in Deutschland v«r- wurzelt sind und die zum Teil wegen ihres Kinderreichtums nur schwer umgesiedelt werden können. Darf man min von der polnischen Regierung Derständni? dafür verfangen, daß Deutschland be! seiner Mastenarbeitslosigkeit einen ungehemmten Zuzug aus- ländischer Arbeiter nicht vertragen kann, so muß man ihr doch das Recht zubilligen, die in Deutschland seit vielen Iahren lebenden Polen vor sozialen Härten zu schützen. Man muß vor allem damit rechnen, daß sich die polnische Regierung dieses Recht nimmt und daß sie durch die Drohung mit Gegenmaßnahmen die Ausweisung jener hier ansässig gewordenen polnischen Familien zu verhindern bestrebt sein wird. Käme es dann zu keiner Verständi- gung, so wäre die Folge die, daß aus Deutschland polnische, aus Polen deutsche Familien vertrieben und Zehntausende von Menschen hüben und drüben ins Elend gebracht würden. Ini Interesse dieser Menschen muß gefordert werden, daß beide Re- gierungen zu einer Verständigung miteinander gelangen, die auf wirtschaftliche Notwendigkeiten Rücksicht nimmt und von den Geboten der Menschlichkeit diktiert ist.
Parlamentsbeginn in Hriechenlanü. Eröffnungsbotschaft des Staatspräsidenten. Athen , 26. November.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag vormittag um 11 Uhr wurde das neugewählte griechische Parla- ment eröffnet. Ministerpräsident Kondylis verlas eine Botschaft des Präsidenten der Republik , in der festgestellt wird, daß d i e Wahlen ordnungsgemäß verlaufen sind und das Parla- ment nunmehr ein wirkliches Bild der Volks st immung gebe. Die größte Ausgabe, die den Abgeordneten bevorstehe, sei die Regelung der Staatsfinanzen. Erst dann werde der Staat die Ansiedlung der kleinasiatischen Flüchtlinge vollenden, und den sozialen Nöten entgegenwirken können.
Im Sinne ües alten Iührers. Aber in welchem Sinne? Der neue Chef der Heeresleitung, General Heye, hat die Reichswehrtruppen der Garnison Stuttgart besichtigt. Er hat die Offiziere und Mannschaften ermahnt,„im Sinne des alten Führers fortzuwirken". Im Sinne Seeckts— das ist ein vielsinniges Wort. Welchen Seeckt mag er meinen? Den Seeckt, der die Verbindung mit den Wehrverbänden duldete und mit T s ch i t s ch e r i n auf die deutsch -russische Allianz beim Sekt früh- stückte— oder den Seeckt, der auf Hitler und Ludendorff bei der Feldherrnhalle schießen ließ'? Den Seeckt, der den Kronprinzen- söhn protegierte, oder den Seeckt, der die Diktaturschwärmer ab- laufen ließ?