Nr. 4844. Jahrg. Ausgabe A nr. 25
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Sonnabend, den 29. Januar 1927
Vorwärts- Verlag G.m.b.H. , Berlin SW. 68, Lindenstr.3
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Das Gesicht des Bürgerblocks.
Deutschnationale Minister: Hergt, Schiele, Koch, Graef.- Hindenburg befiehlt Rückzug der Volkspartei. Finanzminister: Dr. Koehler.
Nachdem die deutschnafionale Reichstagsfraktion über die von ihr| mas Idealismus, die er damals beinahe hochhalten wollte. zu präsentierenden Minister Beschluß gefaßt hat und die Unter- Er die verförperte Grundfahlosigkeit der Deutschnationalen, händler sich geeinigt haben, jeht sich das neue Reichskabinett nun- der Exponent des miderwärtigsten Schachers mit Gesinnung mehr folgendermaßen zusammen: - er ist der Innenminister der deutschen Republik im Bürgerblod.
Reichstanzler: Dr. Marg( 3.).
Innenminister: Hergi( Dnaf.).
Außenminifter: Dr. Stresemann( DBP.).
Finanzminiffer: Dr. Köhler( 3.).
Wehrminister: Dr. Geßler( parteilos).
Urbeltsminister: Dr. Brauns( 3.).
Ernährung und Landwirtschaft: Schiele( Dnat.).
Berlehrsminister: Dr Koch- Düsseldorf( Daat.).
Bostminister: Schael( Bauyer. Bp.).
Seite an Seite mit ihm Herr Schiele. Er war der Gewinner einer der Miniftersessel, die damals gegen 50 deutschnationale Stimmen für die Dames- Gefeße einge handelt murden. Er hat sich am 28. August 1924 vorsichtig der Stimme enthalten. Bald aber erwachte seine Begeiste rung für die Erfüllungspolitik. Im März 1925 stimmte er Stresemanns Memorandum zur Borbereitung von Locarno zu. Im Mai 1925 bestritt er, das Memorandum zu kennen.
Am 19. Ottober 1925 erflärte er im Rabinett:
Benn ich gefragt werde, ob ich das Wert von 2ocarno
Das Minifterium für die besetzten Gebleie wird vom Reichs. billige, fo antworte ich mit einem lauten 3a." fanzler Dr. Marg mitverwaltet.
Amtlich wird gemeldet: Die Verhandlungen über die Regierungsbildung wurden gefiern abend beendet. Reichetangler Dr. Marg erstattete im Anschluß an die Sigung dem Reichspräfidente u abschließenden Bericht. Da die endgültige Beschlußfajfung fämtlicher beteiligter Frafflonen noch nicht erfolgte, wird die Beröffentlichung der Ciffe der Mitglieder des neuen Reichsfabinetts erft im Laufe des heutigen Tages erfolgen.
Die Volkspartei hat nachgegeben.
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Die Deutsche Volkspartei hat, entsprechend dem Wunsch des Reichspräsidenten , ihre Forderung, auch das Bertehrsministerium weiterhin zu befchen, fallen gelaffen. Die Deutsche Voltspartel wird in dem neuen Kabinett nur durch die Minister Dr. Stresemann und Dr. Curtius vertreten sein.
Die interfrattionelle Belprechung der Regierungsparteien führte gegen 8 Uhr abends zum Abschluß der Regierungsbildung. Reichspoffminiffer Stingl bat, aus Gesundheitsrücksichten von seiner Person abzusehen. Un feine Stelle felt laifferiaidirektor Schaef1- München.
Die Fraktion der Deutschen Volkspartel wird Sonnabend vormittag 10 Uhr zufammentreten, um noch formell zu der Zusammen. jegung des Kabinetts Stellung zu nehmen.
Der Schacher ist zu Ende. Die Liste der Minister des Bürgerblods ist fertig. Ein legtes Ziehen und Zerren zwischen Deutschnationalen und Boltspartei um das Berkehrsministerium endete mit dem Nachgeben der Volkspartei, nachdem Herr v. Hindenburg am Nachmittag auf Herrn Scholz gedrüdt hatte. Eine legte Anstandsfrist noch bis heute mittag, damit die telegraphisch zusammengerufene Fraktion der Volkspartei ihr legtes Ja und Amen fagen lann, dann beginnt der Besigbürgerblod amtlich sein Re
giment.
Der Schacher, begonnen auf Befehl Hindenburgs, ist aus. Nun werden wir den Herren zum Tanze aufspielen. Der Kampf beginnt. Da steht sie vor uns, die Regierung des Befitbürgerblods. Bier deutschnationale Minister, dazu der unvermeidliche Geßler.
Bier deutschnationale Minister. Da sind sie nun, die großen Staatsmänner, die überragenden Führer, das Heil Deutschlands ! Die Männer, die im Jahre 1925 die deutschnationale Fraktion in der Regierung Luther- Streje mann Schiele veriraten, waren eine Auslese der Subalternität. Die Männer, die heute zu deutschnationalen Ministern ernannt werden. find ihre würdigen Nachfolger. Hergt und Schiele, Roch und Graef . Hergt und Schiele. Ihre Namen begreifen die schmähliche Geschichte der deutschnationalen Grundlaguer Schacherung seit 1924 in sich. Da ist Herr Hergt, der bieg: fame Herr Hergi, der Mann mit dem nie chwan fenden Banner. Derfelbe, der am 25. August 1924 von der Tribüne des Reichstags pathetisch ausrief:
Wir gehen unseren Weg, wie unser Gewissen ihn vor schreibt. Ich möchte beinahe fagen: Hier stehe ich, ich fann nicht anders. Wenn wir um Einfluß in Ländern und um ministerlige hätten buhlen wollen, hätten wir unfere Ueberzeu gung jetzt leicht ändern können. Aber wir verzichten darauf um Dreimal 24 Stunden später hatte er Gewissen und Idealismus um Ministersie verfauft et felbft aber ftimmte gegen die Dames- Gelege unb rettete feine politische Unschuld. Heute: für Republit und Locarno , mas Gewiffen,
unferes Jdealismus willen!"
Freundschaft!
Die neuen Bundesgenossen untereinander. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Freiherr Don Stauffenberg hat an den deutschnationalen Staatspräsidenten von Württemberg Bazille den folgenden Brief gerichtet:
„ Ich fann Ihnen nicht verhahlen, daß wir Männer, die in Oberschwaben uns anmaßen, deutsch und national zu denten und diefer lleberzeugung Ausdrud zu geben, immer mehr das Gefühl befommen, als feien wir gemissermaßen das vom Zentrum für die Roalition verlangte Opfer. Ich habe dieser Ueberzeugung fchon in der schärfften Form Ausdrud gaben hören. Sie wissen gar nicht, welche Erbitterung biefes Gefühl des Berlaffenfeins auf schwierigem Boden erzeugt, und ich erlaube mir daher die Frage aufzuwerfen,
ob diese ganze Roalition mit der gewalttätlgften und unehrlichsten der Parteien diese Opfer und diesen Einsatz wert ist. Ich weiß, daß in dieser verruchten Zeit, wo man dazu gebraucht wird, alles nach der Zahl zu beurteilen, mir zahlenmäßig für eine Partei vollkommen wertlos find und wertlos bleiben, wenn man sich von dem Gedanken leiten läßt, daß das jezige Zentrum etwas ewiges und Unzerstörbares sei, und daß die katholischen Gegenden von dieser Best nie erlöst werden können und man die Bewohner also gewissermaßen in den Häusern mit ihren Best tranten tfoliert...
Berzeihen Sie mir diese vielleicht etwas heftigen Borte, aber
ich bin tatsächlich empört über diese rüdlichslose Macht politit des Zentrums. Ich weiß, zu welchem mora lischen Tiefstand der Heuchelei und der Feigheit das ganze Bolt meiner Gegend durch die Zentrumsherr schaft herabgedrückt worden ist. Niemand, der nicht in solcher Gegend aufgewachsen ist, kann sich einen Begriff von der Korruption machen, Korruption des Charakters und der Gesinnung, wie sie hier in dieser Bartei herrscht... Nicht die Sozialdemokratie,
das Zentrum ist die eigentliche Gefahr Deutschlands , nicht wegen irgendwelcher fabelhafter papistischer Pläne, sondern
wegen feiner namenlosen Charakterlofigkeit.
Es ist heute national, morgen fozialistisch, übermorgen demokratisch, mas Gie überhaupt nur haben wollen, wenn man da mit fchmierige Geschäfte machen fann siehe Herr Höfle, Typus bes waschechten Zentrumsmannes. Dabei ist bie Gesellschaft absolut feig, sobald man fich nicht alles von ihr bieten läßt, und es wäre sicher sehr viel leichter mit ihr aus. zukommen, wenn sie das Gefühl hätte, daß man bereit wäre, auf diese Soaliflon zu pfeifen und sie in die Arme der Sozialdemokratie zurückzuwerfen..."
Wenige Tage später schied er mit seinen deutschnatio nalen Kollegen aus der Regierung aus zum Zeichen des Proteftes gegen Locarno !
Heute aber ist Herr Schiele Reichsernährungs. minister. Heute gilt wieder das laute und freudige Ja! Seine Taten als Minister sind nicht vergessen. Er hatte teil an dem Blan, den 3ollwucher unter Ausschaltung des Reichstags unter Bruch der Verfassung durchzudrücken. Er ist der Bater des Schund- und Schmußgefeßes.
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das laute freudige Ja sie sind ein Programm. Sie zeigen Hergt und Schiele, der Beinahe Idealismus und finnfällig, was von der Annahme der Richtlinien durch die Deutschnationalen, zu ermarten ist. Denn die angenommen! Sie haben sie angenommen unter der Deutschnattonalen haben die Richtlinien Borauslegung wie der Nacht- Tag" schreibt- daß fie vier Ministersige erhalten. Drei Ministersize: monarchistischer Idealismus, Gemiffen der nationalen Oppofition. Bier Ministerfige Republik und Locarno !
Was ist
Neben Hergt und Schiele die Graef und Koch. Herr Graef, der Amtsrichter aus Thüringen und neue Reichs justizminister. Seine einzige Eigen fchaft ist die Berbissenheit eines fleinen Geistes. Das ist der Mann, der als Bizepräsident des Reichstags sich weigerte, zu Ebert zu gehen, und sich beschmerte, als er feine Einladung zur Trauerfeier für Ebert erhielt. Ein Mann, der es nicht einmal unter der Herrschaft des Ordnungsblods in Thüringen zum Landgerichisdirettor gebracht hat. fehen auf die großen Reformpläne in der Justiz und feine Eignung für den Posten des Reichsjuftizministers? Wir dann auf diesen Mann. Er bringt nichts mit als den Ruf, Den die Thüringer Ordnungsjustiz sich erworben hat. Dieser Mann nimmt das Amt ein, das die Sozialdemokratie mit Köpfen wie Landsberg und Radbruch besetzt hatte! Herr Graef Reichsjustizminister das ist eine Besetzung, bie noch subalterner ist als einst die deutschnationale Be fegung der Regierung Luther . Nur eine Qualifikation hai 1924 mit Hergt gegen die Dames- Gefeßze gestimmt. Er ge= Herr Graef bei den Deutschnationalen: er hat im August hört zum völkischen Flügel.
Der neue Verkehrsminifter och Düsseldorf ist einer der ältesten Gewerkschaftsführer, Vorstandsmitglied der Gewertschaft Deutscher Eisenbahner. Seine Präsentierung durch die Deutschnationalen ist eine Konzession an die christlich
nationalen Gewerkschaften. Er darf im Bürgerblockkabinett
an der Bekämpfung der Arbeiterinteressen und des Achtstundentages teilnehmen.
Reichskanzler dieser Regierung. Das Zentrum hat einerseits Bier deutschnationale Minister. Herr Marg ist der vier deutschnationale Minister als Bundesgenossen, andererseits die Richtlinien. Man versteht, daß die Bentrumsfraktion fich nach einer besseren Sicherheit umgesehen hat, als es das Papier der Richtlinien, als es die Person des Herrn Brauns ist gegenüber den Deutschnationalen. Es hat Herrn Dr. Köhler als Reichsfinanzminister aus Baden nach Berlin gerufen. Dr. Köhler hat den Ruf eines ener gischen und charatterfesten Republikaners. Er war es, der im Jahre 1924 auf der Ludwig- Frank- Feier in Mannbeim ausführte:
zu
,, Die badische Regierung fieht ihre erste und vornehmste Aufgabe darin, diese republikanische Berfaffung zu schüßen mit allen ihr ihre juristische Pflicht betrachte, sondern vor allem Gebote stehenden Mitteln, nicht etwa nur, weil sie es als beshalb, weil fie felbft auf diesem demokratischrepublitanischen Boden steht."
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Ein Befenninis, das sich gerade im springenden Punkte vor dem richtlinienmäßig juristischen Bekenntnis der Hergt und Schiele, Graef und Koch zur Republik gegen Gemährung von Ministersigen unterscheidet. Ein Mann gegen vier Deutschnationale, zmei Bolfsparteiler, einen Geßler. Die Regierung des Bürgerblods ist fertig. Ihre Es handelt sich hier um zwei maßgebende Führer Bon ihrem Wesen aber zeugt laut ihre Entstehungsgeschichte, Männer sind festgestellt nun noch das Programm. der Deutschnationalen Partei, von denen der eine auch an ben legten Berhandlungen um die Bilbung des Beslzbürger.hr oberstes Programm ist gegeben durch den Geist, ous dem sie geboren wurde blocks beteiligt und sogar als Ministerkandidat in Unterdrückungswillens gegen die Arbeiterschaft. ben Geist des Kampfes und des Aussicht genommen war, und ber andere das Gegen diefen Geift, gegen die Regierung des Besitz höchfte Staatsemt in Württemberg befleidet. Einbürgerblods wird die Sozialbemokratie ben scharfften Kamn Freundesgruß zum neugeschlossenen Bündnis! führen!
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