Einzelbild herunterladen
 

Abendausgabe

Rr. 580

B 287

44. Jahrgang

Böchentlich 70 Pfennig, monatlic 3,- Reichsmart, im noraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Ause land 5,50 Reichsmart pro, Monat.

Der Bormärts mit der illustrier ten Sonntagsbellage Boll und Zeit fowie den Beilagen Unterhaltung und Miffen". Aus der Filmwelt Stadtbeilage". Frauenstimme Der. Rinderfreund Jugend- Bor morts". Blid in die Bücherwelt", Aulturarbeit" und Technit erscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal

Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Donnerstag 8. Dezember 1927

10 Pfennig

Ote etat palit ge Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs Star? Kleine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgebrudte Borte), jedes meitere Mort 12 Pfennig. Stellengefuche das erite Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Arbeitsmartt zählen für zwei Borte. Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen, für, Abonnenten Zeile 40 Bfennig. Anzeigen annahme im Hauptgefchaft Linden ftraße 3, wochentagl von 8 bis 17 Uhr

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands

Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin

Vorwärts: Verlag G. m. b. H.

Die Montanherren unbelehrbar.

Sie lehnen jedes Zugeständnis ab.

Sonnabend. Keine

St. J. Effen, 8. Dezember.( Eigenbericht.)

-

Schlichtungsverhandlungen erst am Aussicht auf Einigung.

Daher werden die Verhandlungen wohl scheitern, und der Schlichter wird gezwungen sein, von sich aus einen Schiedsspruch zu

Die Verhandlungen, die gestern zwischen den Parteien in Effen sowohl für die Schwerindustrie wie für die weiterverarbeitende In- fällen. duftrie des Ruhrgebiets ergebnislos abgebrochen werden mußten, wurden durch die Haltung der Unternehmer von vornherein zu einer Formfache herabgedrückt. Die Unternehmer stellten sich von vornherein auf einen grundfäßlich ablehnenden Standpunkt, fomohl was die Forderung für die Arbeitszeit wie auch für die Löhne be­trifft. Die Berhandlungen zwischen der sogenannten nordmest lichen Gruppe der Großeisen und Metall verarbeitenden Industrie tes Ruhrgebiets laufen neben dem Konflikt, der durch die Still legungsdrohung der Stahl und Walzwerke und der weiterver arbeitenden Industrie entstanden ist.

Diese Stillegungsdrohung richtet sich in Wirklichkeit einzig gegen den Staat.

Faule Ausflüchte.

Ein Rechtfertigungsversuch der Schwerindustrie.

In der Täglichen Rundschau" sucht ein schwerindu strieller Anonymus die Stillegungsdrohung der Eisenmagnaten zu verteidigen. Die Form, in der das ge­der Deffentlichkeit auf die Unternehmer gemacht hat. Jetzt schteht, zeugt von dem starken Eindruck, den die scharfe Kritik auf einmal soll die Stillegungsdrohung feine Kampfanfage, sondern eine Vorsorge sein. Warum aber diese Bor­forge" schont einsetzt, ehe die Schwerindustrie überhaupt einen Versuch zur Durchführung des Dreischichtensystems zu machen, warum mit ihr gleich eine halbe Million Arbeiter getroffen werden soll, das verrät der Artikelschreiber nicht. Denn offenbar ein Führer der großindustriellen Scharf seiner Kollegen auch zu feige, um zu den Konsequen= zen seiner Auffassung zu stehen, wenn diese die berechtigte Kritik finden.

-

Bonschedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten Wallstr. 65 Diskonto- Gesellschaft. Depofitenkaffe Lindenstr 3

Danziger Fragen in Genf .

Streit um den polnischen Munitionshafen.

E. L. Danzig , 7. Dezember.

Wie schon so häufig, muß sich auch die diesmalige Tagung des Völkerbundsrates mit einigen Danziger Fragen beschäftigen. Es ist fast typisch für die Danzig - polnischen Beziehungen, daß der Schutzherr der Freien Stadt Danzig , der Völkerbund , als oberster Schieds­richter immer wieder Danzig - polnische Streitpunkte ent­scheiden muß. Zweifellos trug daran in früheren Jahren häufia Polen die Schuld. Es fonnte nicht verschmerzen, daß die Weichselkönigin Danzig ihm nicht einverleibt, sondern zur Freien Stadt erklärt wurde. Infolgedessen versuchte Warschau durch besondere Auslegung Des Friedensvertrages und der Danzig - polnischen Staats­verträge seinen Einfluß in Danzig zu vergrößern. Fraglich ist allerdings, ob der Abwehrkampf, den Danzig unter der diese polnischen Ausdehnungspläne führte, immer flua ge Leitung des vorwiegend deutschnationalen Senats gegen leitet war. Die Deutschnationalen sträubten sich meistens geoen direkte und fachliche Verhandlungen mit Polen und ließen es lieber auf Entscheidungen durch den Bölkerbunds kommissar in Danzig und den Völkerbundsrat felbst ankom­men. Sehr erfolgreich war diese Taftit für Danzig nicht. Die Danziger Zollbehörde wurde Polen unter: polnischen Munitionshafen.

Die Berhandlungen zwischen Unternehmern und Arbettern, die heſtern scheiterten, betreffen 220 000 Arbeiter. Die freien Gemacher- begnügt sich nicht mit der Brutalität, er ist wie piele, Danzia bekam eine polnische Post und einen werkschaften fordern für diese 220 000 Arbeiter erstens einmal über all den Achtstundentag, sowohl für die weiterverarbeitende Industrie wie auch für die Großeifenindustrie, soweit er dort, wie in den eigentlichen Hochofenwerten, noch nicht besteht. Es besteht im Ruhrgebiet für die nordwestliche Gruppe gegenwärtig für die weiterverarbeitende Industrie die 52stündige, für die Hütten und Walzwerke die 59stündige Arbeitszeit. Diese wurde zu Jetzt im Sommer 1927 verkürzt und für diese Arbeitszeitverkürzung trat damals ein Lohnausgleich nicht ein.

Die Forderungen der Gewerkschaften. Für die Arbeitszeitverkürzung, die im Sommer 1927 eintrat, und für die Arbeitszeitverkürzung, die durch die Forderung der Gewerkschaften jetzt ab 1. Januar eintreten soll, fordern die freien Gewerkschaften, denen sich im wesentlichen auch die Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften angeschlossen haben, einen Lohnausgleich, der von 12,2 bis 17,4 Bf. geht, je nach der Größe der eingetretenen bzw. einzutretenden Arbeitszeitverkürzung. Außerdem fordern die freien Gewerkschaften mit Rücksicht auf die betragen die Löhne der Facharbeiter 75 f. die Stunde, die allgemeine Teuerung eine Lohnerhöhung von 10 Bf. Gegenwärtig der volljährigen Hilfsarbeiter 59 Pf. die Stunde. Bon diesen Arbeitern find etwa 75 Broz. in Atford beschäftigt. Bei diesen letzteren ist teilweise ein Lohnausgleich durch technische Verbesserungen und durch die infolge der Konjunktur durch gefeßte Erhöhung der Atfordlöhne eingetreten. gemeine Einführung des Achtstundentages. Sie beschränken sich

Bathetisch wiederholt der Anonymus die von uns be­reits widerlegte Behauptung, daß das Dreischichtensystem und die geforderten Lohnerhöhungen eine schwere Gefähr dung der Industrie bedeuteten. Börtlich heißt es Börtlich heißt es dann:

Die Eisenindustrie ist nicht ein zweites Mal in der Lage, die vollige Ertragslosigkeit der Jahre 1922 bis 1926 auf sich zu nehmen. Sie hat damals durchgehalten, um ihre Betriebe nicht untergehen zu lassen und ihre Arbeiter nicht dem Hunger auszuliefern. Die Laft der ungeheuren Verschuldung aus jenen Jahren aber trägt sie noch heute und kann darüber hin­aus nicht mehr gehen.

steht auch dieses Mal wieder in Genf zur Entscheidung. Die Frage des polnischen Munitionshafens in Danzig 1924 hat der Bölkerbundsrat bestimmt, daß Danzig in feinem Hafen Neufahrwasser ein neues Beden zur Verladung von polnischem Krieasmaterial anlegen muß. Die Errichtung des polnischen Munitionshafens an dieser Stelle wurde von der Danziger Bevölkerung um so widerspruchsvoller auf genommen, als diesem Munitionshafen eines der be= liebtesten Seebäder, die Westerplatte, die besonders von Arbeiterfamilien gern besucht wurde, zum Opfer fiel. Das Munitionsbecken ist inzwischen fertig­gestellt und seit einiger Zeit wird hier Munition verladen. Nun ist zwar der Munitionshafen durch einen hohen Erdwall von seiner Umgebung abgetrennt worden, um die Aus­mirkungen einer eventuellen Erplosion herabzumindern. Munitionsverladeplag sehr groß, wenn man bedenkt, daß an Troy alledem ist die Bedrohung Danzigs durch diesen der gegenüberliegenden Seite der Hafeneinfahrt, nur etma hundert Meter entfernt, der Danziger Freihafen liegt, und daß sich einige hundert Meter weiter der Danziger Hafenort Munitionshafen deshalb für Danzig , als es befürchten muß. Neufahrwasser, in der Hauptsache eine Arbeiter vor= stadt, befindet. Noch unangenehmer ist der polnische bei irgendwelchen friegerischen Auseinandersetzungen Polens zum direkten Kriegsschauplatz zu werden. 1iche Entscheidung, ob Munitionshafen oder nicht. Der Dieses Mal geht es in Genf nicht um die grundsäz Hafen ist da und der Republik Bolen übergeben worden. Der Danziger Senat hat nun die Forderung gestellt, daß feine Organe und amar 3011verwaltung und Polizei bei der Verladung von Munition hinzugezogen werden. Die Danziger Polizei soll das Recht erhalten, nach­3uprüfen, ob den Sicherheitsvorschriften Ge nüge getan wird. Das lehnt Polen mit dem Hinweis ab,

Die Jahre 1922 und 1923 waren es, in denen die Schwer industrie halb Deutschland zusammenkaufte, wo sie die Hand nach der Reichsbahn ausstreckte und den Ruhrkrieg anzettelte, für den die Unternehmer noch die fürst liche Entschädigung von 700 Millionen Goldmark bekamen. stiden drohte, aber nicht an ihren Produktionslasten, sondern 1924 schien es allerdings, als ob die Schwerindustrie zu er­an dem in der Inflation aufgespeichertem Fett. Die Leute, die damals an leitender Stelle der Pleitekonzerne eines Stinnes und anderer Magnaten standen und damals ihre Unfähigkeit im Berstehen volkswirtschaftlicher Zusammen­hänge bewiesen haben, dieselben Leute haben später auf dem Rüden threr Arbeiterschaft die Nationalisierung durchgeführt. heute sind sie die Führer bei der Rebellion der Unternehmer nehmerbolichemismus" wie in der Inflation. Da jedoch die 52 stündige Arbeitzeit bestehen läßt. Soweit die Löhne mals wurden sie reich- heute behaupten sie, die Jahre 1922 in Frage kommen, fordern die christlichen Gewerkschaften für die und 1923 feien Berlustjahre gewesen! So did braucht man Facharbeiter generell 90 Pf. Spizenlohn, was teilweise den Schwindel denn doch nicht gleich aufzutragen wenn daß es Organen einer fremden Macht feinen Einblid in nicht einmal den Lohnausgleich für die eingetretene Arbeitszeit auch zugegeben werden mag, daß die Sache der Schwer feine militärischen Verhältnisse geben fann. Aber auch die verkürzung darstellen würde und in keinem Falle eine irgendwie tennenswerte Erhöhung der Löhne, d. h. einen Ausgleich für die

Die christlichen Gewerkschaften fordern nicht die all­

auf die Verordnung, die nur in den Stahl und Walzwerfen das Dreischichtensystem einführt, in der weiterverarbeitenden Industrie

Teuerung bringen würde.

Die Unternehmer lehnen jedoch sowohl die Forderungen der freien, wie die der christlichen Gewerkschaften ab Infolgedessen tonnte gestern bei den Berhandlungen eine Annähe zung der Standpuntie der beiden Parteien nicht einmal ver sucht werden. Es wurde in den Verhandlungen gestern auch die Berordnung des Reichsarbeitsministers gestreift und die Stillegungsdrohungen der Unternehmer. Uber auch hier fam es zu feiner gründlichen Aussprache, weil die Unternehmer in allen Fragen einen absolut ablehnenden Stand­punkt einnehmen und sich auf teine Stonzeffionen irgendwelcher Art

sinlaffen wollen.

Die Ruhrinduftriellen haben nicht nur den gemeinsamen Kampf­fonds gefammelt, indem fie 5 Mart pro Kopf und Monat der Belegschaft gezahlt, fondern sie darüber hinaus ungeheure Mittel bereithalten, um den Kampf gegen die Gesamtwirtschaft und gegen den Staat aufnehmen zu können.

anständige Mittel zu ihrer Verteidigung nicht ausreichen. Diese Methoden richten sich in der Deffentlichkeit von selbst. Denn sie sind ein Beweis für das schlechte Gewissen, das die Eisenmagnaten pact, nachdem sie sehen, was sie mit der frivolen Herausforderung angerichtet haben.

Strafen bei mehrfachen Deliften.

Herabsetzung der Höchststrafe abgelehnt.

Der Strafgefeßausichuß des Reichstags beriet heute die Be ftimmungen des Gefeßentwurfs, die sich auf das Zusammentreffen mehrerer Gesetzesverletzungen beziehen. Wenn auf dieselbe Tat mehrere Strafgefeße anmentbar sind, oder wenn durch die Tat dasselbe Strafgesez mehrfach verlegt ist, so soll nach§ 65 nur auf eine Etrafe eriannt werden. Das Höchstmaß der Strafe darf um die Hälfte überschritten werden.

Sezialdemokratische Anträge, die von den Genossen Lands berg und Levi begründet wurden, wünschten eine Herab Jezung des Höchstmaß es der Strafe. Die sozialdemokratischen Anträge wurden aber abgelehnt und der Regierungsentwurf unverändert angenommen. Die Beratung dauert noch an.

Der Schlichter hatte die Parteien zunächst für morgen zu Berhand lungen geladen, doch ist es wahrscheinlich, daß diese Berhandlungen erst am Sonnabend beginnen werden. Auch hier kann man schon jezt mit aller Sicherheit voraussagen, daß es zu einer Einigung zwischen den Parteien nicht tommen wird, und zwar deshalb nicht, weil die Unternehmer jede ernsthafte kontagung dem amerikanischen Repräsentantenhaus vor. Das Frei­5400 Gefehentwürfe liegen bereits jcht bei Beginn der Winter: zeffion ablehnen werden. Die Unternehmer haben sich von vornherein auf Kampf eingestellt und darauf lange vorbereitet. eingebracht worden, die es in der legten Tagung erhalten hatte. gabegejez über das deutsche Eigentum ist in der Form wieder­

verweigert. Während Danzig als Kriegsmaterial, dessen Hinzuziehung von Danziger Zollbeamten wird von Bolen 3ollfreie Einfuhr Polen gestattet ist, nur Waffen und Munition ansieht, legt Bolen den Begriff Kriegsmaterial piel weiter aus, und versteht darunter auch die Einfuhr Don Lebens und Futtermitteln für sein Heer. Hier hat allerdings der Völkerbundskommissar in einer Ent­scheidung die Danziger Auslegung für richtig anerkannt, und der Bölkerbundsrat wird sich sicher dieser Entscheidung an schließen. Darüber hinaus soll er nun auch die Hinzuziehung Danziger Organe bei der Berladung polnischer Munition erlauben.

eines der ärgsten Hindernisse für eine Danzia polnische Ver­Der polnische Munitionshafen in Danzig ist sicherlich ständigung. Polen würde eine große moralische Eroberung machen, wenn es freiwillig auf den Munitionshafen in Danzig verzichten würde. Es mag sein, daß im Augen­blid ein solcher Berzicht praktisch noch nicht durchführbar ist. Seit Jahren arbeitet Polen eifrig am Ausbau seines eigenen Hafens in Gdingen . Dieses ehemalige fleine Fischerdorf, das an dem schmalen Küstenstreifen Polens in der Danziger Bucht liegt, ist zur Stadt erhoben" worden, und mit französischem Kapital arbeitet Polen seit Jahren eifrig baran, hier einen eigenen modernen Hafen erstehen zu lassen. In den Sommermonaten war es auch schon möglich, in Gdingen größere Verfrachtungen vorzunehmen. die dortigen Hafenanlagen noch nicht widerstandsfähig genug Bei den letzten Herbststürmen hat es sich aber gezeigt, daß Kriegsschiff, das Frankreich vor einiger Zeit der Republik find, um den Schiffen genügend Schutz zu bieten. Ein älteres