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BERLIN Freitag 27. April

Der Abend

Erfcheint tåglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 8 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenftr.s

Spätausgabe des Vorwärts

10 10 Pf.

Nr. 200

B 99 45. Jahrgang.

66 Anzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297

Die Arbeiter der Feind.

-

Geheimbefehl eines deutschnationalen Kandidaten.

Der Putschgeneral.

Die Arbeiter sind ohne weiteres zu erschießen.

Spitzenkandidat der Deufschnationalen Partei in Bayern ift der frühere General von Leftow- Borbed, dessen Name auch im Steffiner Fememordprozeß mehrfach als einer von den fogenannten Borgefehten genannt wurde, die die widerrechtliche Erichießung befohlen haben. Einen Befehl Leffow- Borbeds geben wir hier im Wortlaul: Reichswehrbrigadekommando 9 Schwerin, den 16. März 1920.

Abig. Ia Nr. 159 pers.

1. Nach den der Brigade zugegangenen Nachrichten ist für den 17. März, 4 Uhr vorm., eine Versammlung der Arbeiter auf dem Marienplah geplant. Es ist möglich, daß die Versammlung einen Angriff gegen die Reichs- und Sicherheitswehr beabsichtigt.

2. Findef die Versammlung auf dem Marienplatz ftatt, wird fie von der Brigade zersprengt..

3. Sämtliche in Schwerin. und Börries untergebrachten Truppen und Sicherheitswehren stehen morgen 4 Uhr vormittags marsch­bereit in ihren Quartieren bzw. Machtzentren.

4. Auf den Befehl zum Bormarsch, der von der Brigade ge­geben wird, treten an:

Gruppe A.... Gruppe B....

Gruppe C....

Gruppe D. Detachement Roßbach, fomeit es auf Lafttraft wagen zu verladen ist, von Görries durch die Friz- Reuter, Witten­berger Straße nach dem Marienplay.

5. 1 Zug MGR. 17 und KavMG.- 3ug bleiben zur Sicherung des Brigadestabsquartiers und zur Gefangenenbewachung in der Artilleriekaserne. Sicherung der Kasernen Hauptmann Hoffmann. 6. Das III. Bataillon Reichsw. JR. 17 steht 4 Uhr vormittags marschbereit' in seinen Quartieren.

=

Die Schwadron Baudiffin hält sich 4 Uhr vormittags in der

Post zum Eingreifen bereit.

7. Die angegebenen Marschstraßen gelten nur als ungefährer

Franzöfifche Kommunisten. Explosion auf Zeche ,, Holland"

SPF

FRANKREICH

600

die Sozialdemokratie."

STICHWAHL

POINCARE

Anhalt. Dem Verhalten des Gegners entsprechend, sind auch Was aus mir wird, ist gleichgiltig. Hauptsache, ich schädige Nebenstraßen zu wählen. Auf Rüdendeckung wird besonders hin gewiesen. Der Anmarsch erfolgt zu Fuß, Lastkraftwagen am Ende Der Kolonne, bereit zur Verwendung in den Seiten oder Flanke.

8. Die zuerst auf den Feind(!!) stoßende Kolonne hat die Versammlung durch Angiff zu zerstreuen, be­waffnete Arbeiter sind ohne weiteres zu erschießen. 9. An Kraftwegen werden zugeteilt:" Gruppe A 4 KKW., 2 PKW.

Gruppe B die eigenen Kraftwagen.

Gruppe C 4 LKW., 1 PKW.

Detachement Roßbach 5 LKW., 2 PKW.

10. Brigadestab bleibt in der Artilleriefaserne. Befehlsüber mittlung von der Brigade durch Offiziere in Kraftwagen . 11. Sämtliche Vorbereitungen find unbedingt geheimzuhalten. Losungs- und Erkennungswort Deutschland .

gez. v. Leffom.

Für die Richtigkeit:

Matthias, Major und 1. Generalstabsoffizier. Klar und unmißverständlich ist aus diesem Geheimbefehl zu ersehen:

1. Der heutige deutschnationale Spitzenkandidat betrachtet die Arbeiter als den Feind"!

2. Derselbe Lettow- Borbed ordnete die rechtswidrige Er. fchießung von Arbeitern an, die sich gegen die Eibbrecher

mehrten.

3. Der Butsch ist Zeltow Borbed gibi dem Roßbach volle militärische Rechte, aus denen fich dann die Ermordung von Arbeitern zwangsläufig ableiten ließ.

Bur vollen Kennzeichnung des Lettow- Borbed und des Ber­hältnisjes, in dem die Roßbacher zu dem Putschgeneral ftanden, gibt uns Polizeieberst a. D. Hans E. Lange noch folgende Darstellung:

März 1920. Mord- und Sturmtage in Medienburg. General von Lettow, obwohl nach Breslau versetzt, taucht wieder in Schwerin auf, faum daß Kapp und Ehrhardt ihre Wahnsinnstat in Szene gefeßt haben. Er hatte alles für den Putsch vorbereitet, er wollte auch die Ehre" der

ich war eingeladen worden, hatte aber den Braten gerochen und dankend abgelehnt. Darauf erhalte ich einen Brief, daß ich

Drei Bergleute getötet, vier schwerverletzt.

Bochum , 27. April. ( Eigenbericht.)

Auf Zeche Holland I- II" in Wattenscheid ereignete sich heute morgen zwischen 6 und 7 Uhr, furz nach Anfang der Morgen­schicht, eine schwere Grubenexplosion im Querscha chi der 8. Sohle. Ein Steiger und 2 Bergleute wurden als fof, 4 weitere Bergleute als schwer verletzt geborgen. Die Un­glüdsurfache liegt zurzeit noch im Dunkel. In der Stadt Watten­ scheid waren Gerüchte verbreitet, daß eine Anzahl Bergar beiter in der Nähe des Explosionsherdes einge. fchloffen feien. Dieses Gerücht entsprach zum Glüd nicht den Tatsachen.

Die Bremen " Mannschaft unterwegs. Sie will nach Deutschland zurückfliegen.

New York , 27. April.

Das Ford- Flugzeug mit der Bremen - Mannschaft an Bord wird wahrscheinlich auf dem Fluge von Lafe Saint Agnes nach Wa­ shington in der Umgebung von New York eine furze 3 wischenlandung vornehmen, um Brennstoff einzu­nehmen und dann sofort nach Washington weiterzufliegen. Der Landungsort wird streng geheimgehalten, weil die Flieger vor der Beisezung Bennetts unnötigen Feiern aus dem Wege gehen wollen. Die Zeitungen loben den Entschluß der Ozeanflieger, zunächst an der Beisetzung ihres Kameraden teilnehmen zu wollen. In Wa­ shington werden inzwischen die letzten Vorbereitungen zu der Trauerfeier für Bennett getroffen. Die Leiche wird in wahrhaft fürstlicher Weise beigesetzt werden. Die Beisetzung auf dem Nationalfriedhof in Arlington wird gegen fünf Uhr stattfinden. Die Dzeanflieger beabsichtigen die Flaggen am Grabe Bennetts niederzulegen, die sie auf dem Ozeanflug mit sich führten.

Fizmaurice schreibt in der New York Times ", die Ozean­flieger beabsichtigen innerhalb der nächsten zehn Tage nach Jeland und dann nach Deutschland weiterzufliegen.

auf Befehl der vorläufigen Regierung" abgesezt Absturz vom Feuerwehr- Uebungsturm.

bin. Meine Antwort ist: ich verlange kategorisch die Freilassung der Minister. Bleibe auch bei einer mündlichen Unterredung, die auf Wunsch Lettows stattfindet, auf dieser Forderung bestehen und weise ihn auf die Folgen hin, wenn er unnachgiebig bliebe. Er verspricht, alles zu versuchen, um Aufhebung des Befehls( Lütt mit selber sollte die Verhaftung der Minister befohlen haben) in Berlin zu erreichen. Die

verfaffungsmäßigen Minister mit der Waffe herauszuholen, verbietet mir eine schriftliche Anordnung des Staats­minifteriums: gez. Dr. Wendorff, Asch, Stelling, Hent. Sie wollen nicht, daß es ihretwegen zum Blutvergießen fommt. Die Schweriner Arbeiter verlangen von mir immer dringender ihre Be­waffnung. Das fann ich nicht tun, weil sie am Abend vorher vom Innenminister ausdrücklich abgelehnt worden ist.

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Die Lage zwischen Sicherheitspolizei, meiner Truppe übrigens nur ein Hauflein und Lettows Streitfräften ist äußerst gespannt ie fehr, ist aus einen späteren Reichswehrbericht er. sichtlich. Es heißt da u. a.:

,, 4. Oberst Lange ordnete am 14. März an, daß, im Falle eine Reichsweh batterie das Feuer gegen das Gebäude des Chef­stabes( wo sich meine Bureaus befanden) eröffne, feitens der Sicherheitenolizei das Feuer gegen die Reichswehr eröffnet werden follte.

Am Abend werden die Minister tatsächlich freigelassen, treten aber gleichzeitig zurück. Ich erhalte zum zweiten Male an bielem Tape ein Absehungsbetret, ausgefertigt vom Sivil foinmiffar Dr. Bendhausen, dem jetzigen Landbundführer. Bortlegung auf der 2 Scite.)

Führung haben. Die Minister, die einer Einladung zu Dic Verwüstungen in Griechenland

einer Besprechung in der Artilleriefalerne gefolgt sind, werden dort in treuloser Weise verhaftet: in Schuhhaft genommen". Auch

Bericht auf der 4. Seite.

3wei Feuerwehrleute getötet.

Kopenhagen , 27. April.

Wie aus Esbjerg in Dänemark gemeldet wird, hat sich dort bei einer Feuerwehrübung ein schwerer Unfall ereignet. Als die Mannschaft dabei war, neue Rettungsleinen am Uebungsturm auszuprobieren, riß plötzlich ein Seil. Zwei Feuer­wehrleute stürzten aus der Höhe des zweiten Stodwerfes ab und blieben mit zerschmettertem Schädel tot liegen.

Doppelies Todesurteil.

Das Oppelner Schwurgericht verurteilte heute die 40 Jahre alte Arbeiterin, Frau Hertha Gawlif aus Suchau( Kreis Gr. Strehliß), und deren Bruder, den 22jährigen Arbeiter August Moczngemba, zum Tode. Moczngemba hatte am 15. Januar auf Anstiftung seiner Schwester deren Ehemann auf dem Wege zur Arbeitsstätte durch drei Schüsse getötet.

Faschisten als Königsattentäter. Maffenverhaftungen von Faschiffen in Mailand . Mailand , 27. April.

Im Zusammenhang mit dem Mailänder Attentat gegen den italienischen König Viktor Emanuel wurden bisher 570 Verhaftungen vorgenommen; davon sind 300 wieder rückgängig gemacht worden. Aus einem amtlichen Kommuniqué der Mailänder Polizeiverwal tung geht hervor, daß man se chs Personen wegen Teilnahme an dem Attentat einem Sondergericht zugeführt hat. Außerdem sollen sich weitere 42 Personen vor diesem Gerichtshof wegen Bergehens gegen die Staatshoheit verantworten. Es handelt sich in der Mehrzahl um eingeschriebene Faschisten.