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Wahl am 20. Mai zu beweisen, daß die Reishauptstadt republitanisch und sozialistisch ist. Der Berliner Bär spielt darum auf den Transparenten eine hervorragende Rolle. Besonders auffallend ist dieses Bild: Eine Hand, die aus einer schwarzweißroten Manschette ragt, lockt den Bär mit einem schwarzweißroten Schinkenknochen, der von Maden wimmelt. Der Bär mintt ab: So sehr der Schwarzweißrote winkt, der Bär ist flug der Köder stinkt!" Und dann auf den anderen Wagen: Noch mehr Steuern? Noch mehr Zölle? Noch mehr Panzer­freuzer? Nein! Wählt SPD.! Macht euch frei! Gebt dem Bürger­block den verdienten Tritt! Ein roter Stiefel ragt aus dem Reichstagsgebäude heraus vor ihm laufen die Reaktionäre aller Schattierungen davon. Ein wirksames Bild. Oder:" Das Mai­lüfterl weht, der Bürgerblock geht!". Diese Ueberschrift gehört zu einem Bild, das die vor dem Sturm der sozialdemokratischen Stimmzettel fliehenden Bürgerblöckler zeigt. Ein anderes Bild zeigt einen Baum, der die Republik symbolisch darstellt; von ihm wird das nationalistische und kommunistische Ungeziefer mit fräftigen Händen abgeschüttelt. Die Texte erstrecken sich mit den Bildern über die ganze Länge, Breite und Höhe der Wagen, die allen Beschädigungsversuchen politischer Rowdys von vornherein wirksam entgegentreten zu können von Sicherungstrup­pen begleitet werden. So tragen auch diese Wagen ihren Teil dazu bei, für die Sozialdemokratie zu werben und den Gegnern zu zeigen, daß die SPD. auf dem Plan ist und eine Großmacht darstellt.

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Während der Wagenauffahrt gab es am Belle- Alliance Play einen amüsanten Zwischenfall, der auch für die bisher nicht gelannten Farmen des Wahlkampfes als typisch gelten darf. Dort hatte ein Propagandaauto der Deutschen Polfspartei Auf­

Freunde der Frauen Frauen..

Politische Liebeserklärungen aus früherer Zeit.

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disia

Bor mir liegt ein Auszug aus der nationalliberalen| fie eine größere politische Zeitung zur Hand nehme; die poli Täglichen Rundschau"( Nr. 262 vom 7. April 1913), in der unter tische Betätigung soll aber nach wie vor für die Frauen ver­der Spizmarke Gegen die Frauenemanzipation" wohlgefällig be- schlossen bleiben im Interesse der Frau, der Familie und des richtet wird, daß es jetzt einen Deutschen Bund zur Be- Volkes"! rämpfung der Frauenemanzipation" gibt, der mit ernster Sorge wahrgenommen hat, daß die deutsche Frauen bewegung eine Bahn eingeschlagen hat, auf der sie notgedrungen dahingelangen muß, die Grundfesten unseres arg bedrohten Staats­wesens noch mehr zu erschüttern".

Als Forderungen der neuen Vereinigung verkündet die Tägliche Rundschau":

Wir fordern die Beibehaltung der bisherigen Ordnung und bewährten Sitte, auf Grund deren das aktive und passive Wahl­recht den Männern vorbehalten bleiben muß... Zugeständnisse auf diesem Gebiete machen, heißt nur den Boden bereiten für die Politisierung der Frau, die wir verhindern wollen. Die Politit foll dem Mann verbleiben, der sich auf diesem Felde von jeher betätigt hat... Staatsverwaltung, geistige und richter liche Aemter müssen, wie bisher, dem Manne belassen werden... Universitäten und technische Hochschulen sollen der

ſtellung genommen, das umenterbrod, in seine Fridericus- Reg- Kein Geld für Kinderspeisung!

Märsche und Werbereden über den Platz schallen ließ. Nach kurzer Zeit fam ein sozialdemokratisches Propagandaauto, stellte sich neben dem Ungetüm der Schwerindustrie auf und ließ, zum Schreden einiger Spießbürger, frisch und fröhlich die Internatio­nale aus seinem Lautsprecher schmettern. Und als das Kampflied verflungen war, merkten die Zuhörer bald, daß in diesem Wagen andere Platten aufgesetzt wurden: Eine zündende Ansprache geißelte die Blutsaugerarbeit der schwarzweißroten Parteien und mahnte zum Schluß mit einem packenden Appell, dem Bürgerblock am 20. Mai eine vernichtende Niederlage zu bereiten. Man konnte es allen Umstehenden von den Gesichtern ablesen, wie sehr diese Aufforderung ihren eigenen Wünschen entsprach. Den Volkspartei­lern wurde es schließlich ungemütlich: sie drehten ihren Riesenlaut­sprecher mit der Mündung zum kleineren Auto der Liste 1, legten Grammophonplatten mit Militärmärschen auf, drehten die Ber­stärkerbatterien an und donnerten dann mit ihrer Blechmusik los. Der Hund eines Kriegsblinden, der vor dem Auto stand, fing jämmerlich an zu heulen. Das allgemeine Urteil über die Leistung der Volksparteiler sprach ein Arbeiter aus: Wer am wenigsten für uns getan, hat jetzt die größte Schnauze!"

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Auf welcher Seite aber zum Schluß der Erfolg dieses Duells war, ließ sich sehr leicht erkennen: fast jeder einzelne der immer größer werdenden Ansammlung hielt ein rotes Fähnchen mit der Aufschrift: Wählt Liste 1!" in Händen. Die Fähnchen wurden unter den Klängen des Fridericus- Reg- Marsches verteilt, der aus dem Trichter des Autos der Boltsparteiler grölte. Als es diesen dann zu rot vor den Augen wurde, zogen sie ab. Womit bewiesen war, daß es nicht auf die größte Lautstärfe" ankommt.

Bergewaltigte Zuhörer.

Beim Kampf der Wagen und Gefänge, der seit einigen Tagen zwischen den Propagandaautos der verschiedenen Parteien aus­gebrochen ist, gab es gestern einen amüsanten Zwischenfall. Ein voltsparteilicher Redner erklärte nämlich durchs Mikrophon weithin schallend: Wir wollten zuerst diese Straßenpropaganda nicht machen, aber da ihr. unsere Versammlungen nicht besucht,..." Stürmische Zustimmung der Zuhörerschaft!

Ob sich der Volksparteiler verplappert hat? Oder ob er sich noch gar nicht überlegt hat, warum das Bolt die Versammlungen

der Volkspartei nicht besuchen will? Man weiß es nicht...

Bulfanausbruch, Erdbeben.

Auf Java und bei Tiflis .

London , 15. Mai.

Wie aus Batavia gemeldet wird, erfolgte im Bantjar- Be­3irt auf Java ein Bultanausbruch, der von einem heftigen Erdstoß begleitet war. Aus zwei Kratern schoffen hohe Rauch- und Aschewolken in die Luft. Asche und Steine wurden weit in die Um­gebung geschleudert und bededten ein in der Nähe gelegenes Dorf meterhoch. 14 Häuser sind zerstört worden. An ver­schiedenen Stellen haben sich tiefe Erdspalten gebildet. Die Bevölkerung ist geflüchtet.

Wie aus Tiflis gemeldet wird, wurden dort gestern mehrere starte Erdstöße verspürt, die von starfem unterirdischen Getöje begleitet waren. Die Bevölkerung flüchtete aus den Häusern auf die Straßen und Plätze. Viele Häuser haben Riffe erhalten. London , 15. Mai.

Wie aus Rangoon gemeldet wird, wurde geffern die Stadt von einem schweren Orfan heimgesucht, der sieben Per­

fonen das Leben kostete.

Der Staatsanwalt.

,, Ach Quatsch" sprach der Staatsanwalt ungeduldig, ,, Der Mann ist verurteilt, ergo schuldig." Da das Gericht mit zwingender Kraft Den Tatbestand aus sich selbst erschafft, So kann die Justiz unmöglich irren! Solange noch ein Recht auf der Welt ist, Gilt nur, was tatsächlich festgestellt ist, Und darin darf uns kein Umstand vewirren Andre haben der Tat sich bezichtigt?

Der Täter ist gerichtet und tot,

Und damit alles bestens im Lot.

Wenn man das hinterher noch berichtigt,

Ist der gesamte Rechtsstaat bedroht.

Das Anseh'n der Rechtspflege wird geschädigt. Punktum. Für mich ist der Fall erledigt. Was Unschuld- hier geht es um den Staat!" Sprachs und enteilte zum Abendskat.

Jonathan.

Th

Noch ein weiteres Beweisstüd: Am 2. Februar 1913 brachten die alldeutsch - nationalliberalen Leipziger Neuesten Nacha richten" in ihrer Nummer 32 einen Artikel Zur Frauenbewegung" von Justizrat Schnauß- Leipzig . Darin malt er entsetzt die Folgen an die Wand, wenn eine Frau oder junges Mädchen als Borgesetzte über einen Offizier oder über einen im Dienst er­grauten Unteroffizier den Pantoffel schwingt". Er fündigt das ganze Streben nach Gleichberechtigung der Frau als Anzeichen und Ursache der Verbildung und des Zerfalles eines Volkes" an und schließt mit dem bezeichnenden Satz:

,, Die wirtschaftliche und politische Gleichberechtigung des Mannes und der Frau schädigt unser Volk an Leib und Seele, ja, vernichtet es, gefährdet die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung und schwächt, ja tötet die männliche Gesinnung, den- kriegerischen Geist. Das Erstreben der Gleichberechtigung ist eine der größten umstürzlerischen Bewegungen; daher müssen, meiner An sicht nach, die rechtsstehenden Parteien und die Mittel. parteien als volts- und staatserhaltende Parteien gegen die Gleichberechtigung die denkbar schärffte Stellung

einnehmen."

Also, ihr Frauen und Mädchen, wer die Gleichberechtigung wieder los sein will, gibt seine Stimme am 20. Mai einem An­gehörigen jener Parteien, die jetzt Rugnießer der Gleich. berechtigung sind, aber doch nur auf den Augenblid warten. das von der Sozialdemokratie in Kraft gesetzte Frauenwahlrecht wieder abzuwürgen.

Frauen und Mädchen aber, die ihr Recht der Gleich berechtigung und ihr Wahlrecht behalten wollen, geben am Sonntag ihre Stimme der Sozialdemokratie, die das Wahlrecht der Frau erkämpfte und es verteidigen wird gegen offene und heimliche Feinde!

Ad. Hoffmann.

Brandunglück einer Greisin.

Am ganzen Körper verbrannt.

Ein schweres Brandunglüd ereignete sich heute vormittag im Hause Kazbachstraße 3. Die 72jährige Frau Martha Kamin hantierte in der Küche ihrer Wohnung mit einem Spiritusa

Wähler, glaubt ihr, daß den da der Panzerfreuzer gefund ocher. Plöglich schlug eine Flamme hervor und setzte die

machen wird?!

männlichen Jugend vorbehalten werden, Frauen dürfen zu ihnen nur als Hörerinnen zugelassen werden...

Wir bekämpfen alle Bestrebungen, die geeignet sind, die Ehe zu lockern, die Familie zu schädigen, die Begriffe von Zucht und Sitte zu verwischen, zum Beispiel die Auswüchse der Mutterschaftsbewegung, die übertriebene Erweite rung der Rechte hinsichtlich der Mütter usw."

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Aber nicht nur die heute volfsparteiliche Tägliche Rundschau" und ihre Verwandten, sondern auch die 3entrums Partei war ein ganz besonderer Bund zur Bekämpfung der

Frauenemanzipation".

Der offizielle Katholizismus verwarf die politische Gleichberechti­In dem gung der Frau grundsätzlich. von Justizrat Dr. Julius Bachem herausgegebenen herausgegebenen katholischen Staatslegifon heißt es flipp und klar, daß

,, der Frau eine direkte oder indirekte ordnungsmäßige Teilnahme an der Verwaltung der Staatsangelegen heiten nicht eingeräumt werden könne." Bachem, der Führer des Zentrums, sagt weiter:

Der letzte ausschlaggeben de Grund für die Ausschließung der Frau von der direkten Teilnahme am politischen Leben ist in der natürlichen Bestimmung des Mannes gelegen, die Autorität in der Familie wie in jedem aus der Familie her­ausgewachsenen gesellschaftlichen Organismus an erster Stelle zu ver treten und demgemäß als geborener Führer aufzutreten."

Die Garantie, daß der Mann sein Recht nicht mißbraucht, liegt nach dieser katholischen Auffassung in der das Gewissen des Mannes bindenden unveränderlichen Norm der göttlichen Gerechtigkeit".

Den Frauen wurde also das Wahlrecht verweigert und sie auf das durch göttliche Gerechtigkeit gebundene Gewissen des Mannes" vertröstet! Aber Wahlhilfe sollten sie leisten. Der Christliche Pilget", ein fatholisches Blatt, forderte 1903 in einem Artikel, daß sich die Frauen um die Wahlen tümmern sollten, indem es schrieb:

Hier haben die Frauen ein weiteres Feld, mögen sie jetzt schon mit der Gewissenserforschung des Mannes bes ginnen. Eine Frau kann vieles durchsetzen. Am Wahltage gilt es, die ihr vom Schöpfer verliehenen natürlichen Gaben(??) für das Wohl des Voltes, des Staates und der Kirche praktisch

zu verwenden."

Und schließlich sei zur Frage der Gleichberechtigung der Frau im Zentrum noch an den Katholikentag 1908 in Düsseldorf erinnert. Dort hielt Professor Jahn eine Rede über Frauenbildung und Frauenbetätigung", in der er ausführte:

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Wir weisen ab jeden Bersuch, die Unterschiede zu ignorieren, bie zwischen Mann und Frau bestehen nicht als Bindungen menschlicher Willkür, sondern als Ratschlüsse der ewigen Weisheit. An dieser Ordnung zu rütteln, und für die Frauen alle Männer­berufe, alle Männerpflichten und alle Männerrechte geltend zu machen, erscheint uns als ein wahres Attentat gegen Goffes Ord­nung, gegen Familien- und Völkerglüd, und zuerst und zuletzt gegen das Frauenglüd. Wenn die Frau nach fremder Krone trachtet, reißt sie die eigene sich vom Haupte."

Kleider der Frau in Brand. Die Unglüdliche lief, a m ganzen Körper brennend, laut um Hilfe rufend, auf den Flur hinaus, wo sie bewußtlos zusammenbrach. Hausbewohner eilten hinzu und erstickten die Flammen durch leberwerfen von Decken. Die alarmierte Feuerwehr sorgte für die Ueberführung der schwer­verlegten Frau in das Urban- Krankenhaus, wo die Aerzte lebensgefährliche Verlegungen am ganzen Körper feststellten. Ihr Zustand gibt zu ernsten Besorgnissen Beranlassung.

An der Ecke Memeler Straße und Frankfurter 21lee spielte sich am Dienstag früh ein aufregender Vora fall ab. Der 35jährige Willi Blent gabt auf feine Ehefrau fünf Schüsse ab, die glüdlicherweise alle fehlgingen. Der Täter wurde verhaftet. Blenk lebt von seiner Frau seit mehreren Monaten getrennt. In letzter Zeit versuchte er mehrmals, eine Aussöhnung herbeizuführen, was von der Frau aber immer abgelehnt wurde. Heute früh, als sich Frau B. an ihre Arbeitsstelle begeben wollte, trat ihr an der genannten Straßenecke ihr Mann entgegen. Es fam zu einem erregten Wortwechsel, in dessen Verlauf B. plöglich eine Mehrlade pistole hervorzog und auf die Ahnungslose fünf Schüsse abfeuerte. Zum Glüc wurde weder die Frau, noch Vorübergehende von den Kugeln ge troffen. Der Revolverheld wurde ergriffen und gab bei seiner Bera nehmung an, er habe aus Eifersucht gehandelt.

Und immer wieder Wilna . Litauens Jubiläumsforderung. Einige Freilaffungen. Riga , 15. Mai. ( Eigenbericht.)

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Am Montag feierte Litauen die 10jährige Wiederkunft des Und abhängigkeitstages mit einer festlichen Enthüllung eines Freiheits denkmals in Kowno . In seiner Festrede führte der Staatspräsident u. a. aus, daß immer noch ein Drittel litauischen Bodens von Polen beset sei; immer noch müsse man die Forderung ers heben, das befeßte Wilnagebiet von Polen zu befreien. Anläßlich des Jubiläums wurden 59 Internierte freige tassen, darunter auch einige schon seit Monaten unschuldig in laffen, darunter auch einige schon seit Monaten unschuldig in Haft fizzende Gewerkschafter.

Durch Draht und Funk.

Die militärischen Ausgaben Englands im Mesopotamien haben sich von 600 auf 40 Millionen Mark jährlich vermindert. Das ist durch den Ersatz größerer militärischer Verbände durch Flieger­staffeln möglich gewesen.

Der Sohn Lord Rothermeres fliegt von London nach Budapest , um Grüße an Ungarn zu überbringen. Er erwartet, von der ungarischen Regierung eine hohe Auszeichnung zu erhalten- wegen der Verdienste seines Vaters.

20 000 Dollar Lösegeld verlangen chinesische Räuber für einen italienischen Missionar, den sie gefangen nahmen.

Türkische Offiziere und Beamte, die eine Ausländerin heiraten, werden sofort in den Ruhestand versezt.

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Der Staatschef der Sowjetunion , Rytow, ist nicht unbedenklich

Der gebildeten Frau will der Professor Jahn gestatten, daß an Rheumatismus ertranft,