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Lambachs reuige Rückkehr zur Monarchie.

Oer Graf hat es befohlen."

Kampfposition der PPS. Scharfer Fraktionsbeschluß gegen pilsudski .

Rund um Lambach. Ausschlußdrohungen neue Gruppenbildung rechts. Noch vor dem Beschluß der deutschnationalen Reichs- tagsfraktion. der Herrn Lambach wegen seines Artikels über den Monarchismus eine Mißbilligung aussprach, hat der deutschnationale Pressedienst in einem sehr gereizten Artikel Herrn Lambach auf das heftigste angegriffen und das Gerücht oerzeichnet, daß Herr Lambach mit der Gründung einer neuen Partei spiele. Aus diesem Aufsatz sprach nicht nur Gereiztheit, sondern auch Furcht. In der Tat scheint es, daß die Frage,Monarchie oder Republik" die Anhängerschaft der Deutschnationalen, die nicht aus dem alten konservativen Lager stammt, tiefer er- regt, als bisher nach außen erkennbar geworden ist. Einzelne Parteiinstanzen der Deutschnationalen Volkspartei machen sich zwar jetzt stark gegenüber den Bundesgenossen, die Lambach in dem deutschnationalen Handlungsgehilfenverband gefunden hat. Der h a n- noversche Kreisverein der Deutschnationalen Volks- Partei hat gegen den Vorsitzenden des Angestelltenausschusies des Deutschnationalen Kreisvereins, T e i ch m a n n, der Be- amter im Deutschnationalen Handlungsgehilfenoerein ist, sowie gegen den Gauvorsteher des Deutschnationalen Handlungsgehilfenvereins, Ebers, und das Mitglied M o l z, das Ausschlußverfahren eingeleitet, weil sie sich öffentlich hinter Lambach gestellt haben. DieDeutsche Zeitung" kündigt ferner weitere Schritte der Deutsch - nationalen Parteileitung gegen Herrn Lambach an und läßt durchblicken, daß man von ihm Konsequenzen d. h. wohl die Niederlegung des Reichstagsmandates erwarte. Aber diese Suppe wird wohl nicht so heiß gegessen werden, als sie gekocht wird. Die Zustimmung, die Herr Lambach im Deutschnationalen Handlungs- gehilfenverband gefunden hat, ist außerordentlich stark, so daß es fast scheint, als ob die starken Männer in der Deu. chnationalen Fraktion, die Herrn Lambach in die Wüste schicken wollen, mit der Spaltung spielen. Es hat sich bereits ein Kreis von rechtsstehenden Politikern unter dem NamenIungnationaler Ring" gebildet, der zu den Auseinandersetzungen um Lambach folgende Kund- gebung veröffentlicht: Der Kampf um das Schlagwort Monarchismus droht die Be° griffe weiter Kreise von den wesentlichen Zielen der nationalen Rechten zu verwirren. Wesentlich ist für uns nicht die Form, son- dern der Inhalt, nicht der Weg, sondern das Ziel. Deshalb empfin- den wir die FrageMonarchismus?"' als gründlich falsch gestellt. Nicht um republikanisch oder monarchistisch geht es, sondern um Aufstieg oder Stagnation. Wir bekennen uns zurRe- publik, weil wir aus ihr ein neues größeres Deutschland hervor- gehen lassen wollen. Das monarchische Problem ist gegenüber dem Haupterfardernis, den Staat zu stärken und die Nation zu einen, gar nicht aktuell. Wenn wir der Deutschnationalen Volks- Partei zu dem Kampf der Lambach und Everlinge einen Rat geben dürfen, so ist es der: dem Vorschlage La m b a ch s, gleiches Recht für M o n a r ch i st« n u nd R e p u bletane r i n.« i n e r konser-vativen Partei zu willfahren, was furchtbar einfach ist, well solche Parität ja praktisch längst besteht. Im übrigen jedoch den Sinn auf Wichtigeres zu sammeln, sich lieber mit den Nöten der Zukunft zu schlagen, als mit dem Schemen der Vergangenheit." Das ist eine sehr deutliche Sprache, die erkennen läßt, wie stark die Gärung ist, die die Deutschnationale Volks- partei ergriffen hat. Ob im übrigen Herr Lambach sich bei dem Beschluß der Deutschnationalen Reichstagsfraktion, der ihm eine Miß- billigung ausspricht, beruhigen wird, ist eine andere Frage. Er ist nach der Sitzung der Deutschnationalen Reichstags- fraktion nach Hamburg zurückgefahren, um dort an einer Sitzung der Leitung des D e u t f ch n a t i o n a len Handlungsgehilfenverbandes teilzunehmen. Man darf wohl annehmen daß bei dieser Sitzung auch die Stellung des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes zu den in dieser Diskussion aufgeworfenen Fragen be- sprachen werden wird.___

Amnestie fordern... ... aber selber keine Gnade üben. An drei Stellen ihrer Dienstagsausgabe tobt dieRote Fahne" über den angeblichenAmnestieverrat". Nach der gestrigen Regierungserklärung dürfte für weniger Bös- willige wohl kein Zweifel bestehen, daß das Kabinett Her- mann Müller eine Amnestie herbeiführen will, die unter die Taten der Reoolutionsepoche einen endgültigen Schluß- strich setzt. Während also die Kommunisten nicht ohne Er- folg an die menschlichen Gefühle einer Regierung appelliert haben, die von ihnen alsRegierung der Trusts ' bezeichnet wird, offenbart dieRote Fahne" ihren eigenen Stand- punkt durch überschwengliche Verteidigung der 21 Todes- antrüge Krylenkos. In ihrer zweiten Beilage vom Diens- tag prangt dicht neben der UeberschriftGegen den Amnestie- verrat!" die andere nicht weniger» bezeichnende Ueberschrift: Keine Gnade für die Saboteure!" In diesem Artikel liest man: Die russischen Arbeiter und Bauern müssen hart sein und hart bleiben. Wenn derartig schwerwiegende und� schä- digende Sabotageakte nur mit ein paar Iahren Gefäng- n i s(!) geahndet werden, dann würden vielleicht Hunderte von Saboteuren oder mit dem Kapitalismus paktierender Spezialisten ja geradezu ermuntert werden, neue Sabotageakte zu verüben. Diese Leute würden sich dann sagen, na, vielleicht kriegen sie uns gär nicht. Sie würden nach Vollbringung ihrer Schand- toten ins Ausland gehen und dort als Märtyrer herumlaufen, ausgehalten von ihren Auftraggebern, den Kapitalisten. Die rufst- schen Aubelter können nur Gleiches mit Gleichem ver- gelten." Das Höchstmaß der russischen Freiheitsstrafe beträgt zehn Jahre. Zehn Jahre Gefängnis sind nach Auffassung derRoten Fahne" eine solche Lappalie, daß man sie über- Haupt noch nicht als Strafe bezeichnen kann in Rußland . Die Kommunisten dürfen wirklich von Glück sagen, daß sich in derverrotteten" Deutschen Republik ihre eigene Ärgu- mentation niemand zu eigen macht. Denn dann wäre eine Amnestie in Deutschland unmöglich. Aber es freut uns. ein- mal wieder zeigen zu dürfen, daß mit einem Dichter- wort zu rede» wir Wild« doch begere Menschen sind!

Warschau , 3. Juli. (Eigenbericht.) Die Parlamentssraktion der polnischen Sozialisten hat zu den letzten politischen Vorgängen und den Schimpfereien Pilsudskis einen Beschluß veröffentlicht, in dem es heißt, die letzten Er- tlärungen Pilsudskis seien nichts anderes als eine offene Be- drohung der Verfassung, aus die Pilsudski erst vor wenigen Tagen neu vereidigt wurde. Die Sozialistische Partei erachte es als unter ihrer Würde, auf die unerhörten Schmähungen gegen das Parlament eiyzugehen. Pilsudskis Absichten liefen darauf hinaus, einen neuen Staatsstreich zu begehen. Di« S»- zialisten würden jedoch die Demokratie mit allen Mitteln und bis zum Aeußersten verteidigen. Der sozialistischeRobotnik" ist wegen der Veröffentlichung dieser Resolution und wegen eines Kommentars des Abgeordneten Niedialkowsti beschlagnahmt worden. Die presse übt Vorsicht. Warschau , 3. Juli. Di« beleidigenden Angrisse Pilsudskis scheinen nun doch nach dem anfänglichen Schweigen der Ratlosigkeit auch in der Presse wenigstens eine gewiss« Abwehr finden zu sollen. Die Kom- mentare der Presse zu dem berühmt gewordenen Interview zeichnen

Geipel und Mussolini . Oesterreichischer Kanossagang. Wiederaufnahme diplo' matischer Beziehungen. Der italienische Gesandte in Wien , A u r i t i, den Mussolim nach der großen Südtirol -Debatte im österreichischen Nationalrat zur Berichterstattung nach Roin befohlen hatte, ist nach W i e n zurückgekehrt. Dieser Wiederaufnahm« der normalen diplomatischen Beziehungen zwischen Wien und Rom war ein Notenwechsel vorangegangen, der in einer Erklärung Dr. S e i p e l s gipfelte, daß Südttrol für Oesterreich nur eine kulturelleBedeutung besitze, daß es eine InterneAnge- legenheit Italiens darstelle und daß die verantwort- l i ch e n Personen in Oesterreich sich gegen jeden Einmischungsversuch u n verantwortlicher Elemente in diese italienssche Angelegenheit ent- schieden wenden würden. Nach dieser demütigen Erklärung hat Mussolini geruht, den Wiener Posten wieder zu besetzen. DieArbeiter-Zeitung " spricht von einer Kapitulation Seipels vor Mussolini , andere Blätter von einem ,L a n offa g a ng". Regierungsfreundliche Organe deuten vorsichtig an, daß die italienische Gegenleistung in einem stillschweigenden Persprechen liege, die Verfolgungen in Süd- tirol einzustellen. Dafür fehlt aber leider jeder Beweis.

Oer Kampf gegen die Handelsschranke. Zweite diplomatische Konferenz in Genf . Genf . 3 Juli. (Eigenbericht.) Die zweite Konserenz für die Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbot« und-befchränkungen trat am Dienstag unter dem Vorsitz des Holländers Colssn zusammen. Auf der Konferenz sind 2 8 Staaten vertreten. Außerdem ist die Internationale Handelskammer eingeladen worden und erschienen. In seiner Begrüßungsrede umriß der Vorsitzende der Konferenz die beiden hauptsächlichen Aufgaben, die sie zu erledigen hat: die Nach- Prüfung der nach der ersten Konferenz eingereich'en Vorbehalte und die Bestimmung eines Zeitpunktes und sonstiger Vorbedingungen für die Inkraftsetzung der Konvention. Eolijn teilte u. a. mit daß alle Staaten, die die Konvention bisher unterzeichnet haben, ver- treten feien. Die Schwer« der Aufgaben der Konferenz ist aus der von dem amerikanischen Vertreter gegebenen Ausstellung ersichtlich, nach der I

sich allerdings nicht gerade durch besonders kraftvolle Sprach« aus. Di«Gazeta Warszalöska"(rechts) deutet nur vorsichtig an, daß im Ausland die Auslassungen des Marschalls für Polen nicht gerade erwünscht« Folgen haben könnten. DerCzas " (rechts) erwartet bereits während des Sommers(also während Pil- sudskis Abwesenheit) die Vorbereitung wichtiger politischer Maß- nahmen, die im Herbst bekannt werden würden: Verfassungs- reform, Steuerreform, Erhöhung der Becrmtengehälter. Der Kurser Polski"(dem.) liest aus dem Interview die Ankündigung .einer Aenderung der.staatsrechtlichen Stellung des Präsident«« heraus. Di«Rzecpospolita"(chr.-dem.) wagt eine etwas schärfer« Kritik und weist darauf hin, daß Pil- sudsti bei seiner schroffen Ablehnung des parlamentarischen Systems die notwendige Ergänzung durch positiv« Besserungsvorschläge vermissen lasse. Das Blatt erwartet weitere Reibungen zwischen Regierung und Parlament und-ernster« Verwicklungen. Verhaftung eines Pressephotographen. Zur Verhaftung des Danziger Photographen Albert Gott- heil, der sich im polnischen Gefängnis zu Mc-we befindet, teilt die Deutsche III. Ztg." mit, daß er als Pressephotograph in ihrem Auf- trag Aufnahmen vom Abbruch der Weichselbrücke bei Münsterwalde machen sollt«. Gottheil hatte einen vollgültigen Aus- weis bei sich, durch den er sich als Preffephotogroph einer deut- schen Zeitung legitimieren tonnte.

auf der Konferenz im November 1927 insgesamt 12 N o r b e- halte angemeldet worden seien, bis heute aber S2 für mehrere Taufend verschiedene Waren vorliegen. Der Konferenz liegen neue schriftlich« Bemerkungen Belgiens , Luxemburgs , Chiles , Deutsch- lands und der Tschechoslowakei vor. Während Belgien über die Zahl und Wichtigken der Vorbehalte enttäuscht ist und betont, daß für die meisten keine zureichenden Gründe angegeben seien, hat sich die Tschechoslowakei genötigt gefühlt, ihre zahlreichen Ausnahmen zu begründen, ohne daß diese Begründungen den Beweis dafür liefern, daß es sich nicht um protettionistifche Maßnahmen handelt. Deutschland sagt in semer Erklärung, daß es sich Gegen- forderungen vorbehielte, wenn die vielen Ausnahmen für Automo- bil«, chemische Waren, Weine, Rundholz und Petroleum aufrecht er­halten würden. Gegenüber dem polnischen Protest gegen das deut- sche Importverbot für die Produkte des oberfchlefifchen Werkes Chorzow begnügt sich Deutschland mit der Fest- stellung, daß dieser deutsche Vorbehalt schon bei der Novembertagung genehmigt worden sei und infolgedessen nicht mehr zur Debatte stehe. In der Nachmitiagsfitzung wurden die folgenden posi- tiven Erklärungen abgegeben: Belgien zog fein Exportverbot für Knochen zurück. Norwegen teilt« mit, daß es feinen Antrag auf die Aufrechterhaltung eines Importverbots für verschieden« Lebens- mittel zurückziehe, aber fein Exportverbot für gebrauchte Schiffe und Schiffsbamnaterialien ausrecht erhalte. Polen versuchte damit Eindruck zu machen, daß es auf feine sämtlichen, nach dem Rvvember angekündigten Warenvorbehalte verzichtete. In Wirklichkeit handelt es sich um Einfuhr- und Ausfuhrverbote, die Polen erst in Kraft setzen wollte bzw. nach dem September 1927 in Kraft gesetzt hat und die infolgedessen nach den Bestimmungen der Konvention sowieso nicht genehmigt werden konnten.

Die.Pole Fahne" lügt weiter. Bekanntlich brachte dieRote Fahne" kürzlich einen Bericht, in dem sie genau feststellte, wie sich die Genossen Lobe, Müller und Graßmann bei einer Rede Hüneselds im Rathaus beim Flieaerempfang benommen haben. Wir stellten fest, daß keiner der Genossen an diesem Empfang teilgenommen hat. Jetzt redet sie sich darauf hinaus, sie habe den Empfang durch die Reichsregierung bei Kroll gemeint. Aucb das ist eine Unwahrheit, denn auch bei Kroll ww weder Graß- mann n o<b Müller anwesend, nur Genosse Löde. der als Ber- treter des Reichstags dort genau!o erschienen ist. wie er bei den Empfängen des Sowietoeiandten Kreftinski erscheint. Der Umstand daß aber dieRote Fahne" Einzelheiten über or Aufnahme der Rede durch unser« drei Genossen berichtete, zeigt, daß sie über Krall ebenso lügt wie über das Rathaus, wo keiner der Ge- Nossen anwesend war.