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Tropenglut über Europa . Abkühlung nur vorübergehend. Zahlreiche Opfer der Hitze.

Das Hochdruckgebiet, das nicht nur in Deutschland , sondern über gan� West- und Mitteleuropa einheitlich lagerte, hat sich gestern abend geteilt und ist teilweise nach Rußland bzw. dem Balkon abgewandert. Durch den gleichzeitigen Einbruch kalter Luftmassen aus dem Gebier der Nord« und Ostsee an der Ostseite des Hochs, das mit seinem Kern über England liegt, wurden in der Nacht stärkere Gewitter, sogenannt« Böengewitter oder Frontengewitter, hervorgerufen, die zum Teil starke Niede'rschlöge und ein erhebliche» Sinken der Temperaturen mit sich brachten. Di« Gewitterzone war ziemlich weitverbreitet und reichte bis nach Sachsen und Schlesien hinunter. Der hohe Druck scheint sich ober nach Osten auszudehnen und ein neue. Hoch, das sich vom Atlantischen Ozean fiedwestlich Englands bereits bis noch Mitteldeutschland ausdehnt, bringt uns wieder in ein Schönrvetterbereich. Die T« m p« r a t u r e n, die heut« früh um 8 Uhr IS Grad gegen 28 Grad a m Vortage und um 11 Uhr vormittags 22 Grad im Schatten betrugen, bewegen sich bereits wieder in auf- steigender Kurve und die Hund»tage dürsten noch lange nicht zu Ende sein. Don dem Gewitter, das sich vergangene Nacht Graß- Berlin entlud, wurden besonder« der Süden und Südwesten stärker betroffen. Die Niederschläge in diesen Stadtteilen trugen zum Teil wolkenbruchartigen Charakter Die Hitzewelle dauert im größten Teil England, an, obwohl eine leichte Brise am Montag etwas Erleichterung brachte. Man meldst viele T o d e s o p s e r. die entweder an Hitzschlag starben oder beim Baden ertranken. In Frankreich erreichte die Temperatur, die vorgestern über Z5 Grad im Schatten be« tragen hotte, gestern nur noch 31 Grad und wird voraussichtlich heute weiter fallen, da gestern abend in verschiedenen Gegenden heftige Gewitter auftraten. In der Gegend von V i ch y und Nancy gingen woltenbruchartige Regensälle nieder durch die die Keller überschwemmt und zahlreiche Straßen unter Wasser gesetzt wurden. Bei Nevers wurde ein Gljähriger Landwirt, der unter einem Baum Schutz gesucht hatte, vom Blitz getötet, wahrend seine ISjährige Tochter schwere Brandwunden davontrug. In Grenobl « schlug ein Blitz in die neue Sei»- m alogische Station ein. Sämtliche Apparate wurden zerstört. Bei Maubeuge wurden durch Blitzschlag mehrere Häuser und Fabrikgebäude eingeäschert. Die furchtbare Hitze, die seit einigen Tagen über Wien lostet, hatauchamMontagnicht nachgelassen. Tagsüber verzeichnete man 37 Grad im Schatten. Die Wiener Rettungsgesellschaft mußte am Montag in 80 Fällen von Hitzschlag zur Hilfeleistung ausfahren. In Prag stieg da» Thermometer am Sonntag auf 3 9 Grad im Schatten, womit«in neuer Rekord ausgestellt worden ist. Auch am Montag gab es keinerlei Abkühlung. Selbst im Gebirge über- steigt die Temperatur 30 Grad. Bon der Schneekoppe wird eine Temperatur von 23 Grad gemeldet. Seit zwei Tagen ist di« europäische Hitzewelle auch nach Polen gedrungen. In Warschau wurden gestern mittag Temperaturen bis zu 80 Grad Celsius gemessen. Auch aus anderen Teilen des Landes«erden Temperottiren gemeldet wie sie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr beobachtet worden sind. Bier neue Daöeunfälle. Gestern obend ereigneten sich«ieder einige Bodeunfäkl«. Im Stößensee, in der Nähe des Landpostengebäudes, ertrank gegen 22 Uhr der 24jöhrige Monteur Rudolf Hopf au» der Lictzenstr. 2 tn Holense«. H. ging plötzlich lautlos unter und ist wahrscheinlich einem Herzschlag erlegen. In der Badeanstalt in Lichten- b e r g ertrank der 32jährlge Bote Johannes B a d s ch! n s k i aus der Romintener Str. 54. Beim Baden in der Havel bei Pichelswerder versant der 22jährige Vorarbeiter Richard Hose- mann aus der Margarctenstr. 4 in Lichtenberg vor den Augen zahlreicher Mitbadcnder. Der zu Hilfe gerufene Reichswasser. schuh suchte längere Zeit vergeblich nach der Leiche des Er- trunkenen. In der Nähe der Insel Lindwerder ging die Ilhährige Irma Budde aus Lindwerder plötzlich unter. Der Un- glücksfoll war sogleich bemerkt werden und es gelang, das Mädchen, das bereits dos Bewußtsein verloren hotte, nach kurzer Zeit zu bergen. Wiederbelb ungsversu che der Feuer- wehr hatten Erfolg, doch mußte die Verunglückte in das Span- dauer Krankenhau» gebracht werden. « Am Sonnabendabend mar der 24jährige Kaufmann Kürt Fitzner aus Berlin , Schenkendorsstr. 1, mit einem Freund zu der Wendorf-Insel am Bahnhof Caputh gefahren. Die Aus- flügler wollten baden. Als Fitzner in die Hovel sprang, erlitt er einen 5>«rzschlog und«rtrank. Vettefbericht aus deutschen �etfegebteten. Herausgegeben von der iveffentlichen Wetterdienststelle Berlin . Nach vorübergehender Bewölkung ist das Wetter an der Nord- und Ostsee im allgemeinen wieder heiter geworden. Die Tempera- turen schwanken»m 20 Grad. Aehnlich ist es Im Harz , Württem berg und den bayerischen Gebirgsorten Garmisch-Parten­ kirchen , Berchtesgaden , Bad Tölz und Tegernsee , wo nach vor- herigen Gewittern wieder Aufheiterung bei zunehmender Erwärmung zu verzeichnen ist. In Schlesien und Sachsen da- gegen, sowie im Rheingebiet ist der Himmel noch zum Teil bedeckt. Arbeiierschuh vor der Hitze. 3n Wien arbeitet man im Trikot. Venn auch da, Gewitter der letzten Nacht sich auf wenig Regen und viel Wetterleuchten bejchrankt hat, so ist doch eine beträchtliche Abkühlung eingetreten. Die Sonne strahlt ober unverdrossen weiter, sie wird da» Thermometer schon wieder hochtreiben. Und die Temperatur von heut« genügt auch noch, um schwerer körperlich Arbeitenden, besonders im Sonnenglanz, den Schweiß aus ollen Poren zu treiben- Da muß man sich doch wundern, Bau- und Erd- arbeiter, Monteure, Transportarbeiter, Kutscher usw. vielfachin tadellosem Wiäp'. nämlich mit geschlossener Hemdbrust oder Jacke bei der Arbeit zu sehen, womöglich gar mit geschlossenem Kragen, obwohl gerode dieser lustabschließende Ring um den Hals der Fat- wr ist, der a« moistKv erhitzt.

In Wien ist es von jeher so, daß diese Arbeiterkategorien, ebenso wie die Schulkinder, im heißen Sommer unter der Jacke nur einRu d e r l e i b l" anhaben, ein farbig gestreiftes Trikot, das ordentlich ausgeschnitten ist und nur so kurze Aermelansätze hat, daß das Leibchen nicht von den Schultern gleitet. Die Jacke wird natür- lich zur Arbeit ausgezogen. Seitdem die Sportbewegung so ins Volk gedrungen ist, arbeiten ste bei großer Hitze überhaupt mit ganz nacktem Oberkörper. Kein Mensch würde aus die Idee kommen, daran das vorgeschriebene Aergernis zu nehmen! Wellerbericht der Ssfenkllchen Wellerdienststelle Berlin und Hm- gegend.(Nachdr. verb.) Ziemlich heiter und warm: Gewitter- neigung besteht sott. Für Deutschland : Strichweise Gewitter und besonders im Westen wieder warm. Die Ferien der Daheimgebliebenen.

die sich Schlagenden. Während der Streksdieapbeamte Sitzet mm sucht«, die Personalien des Merz festzustellen, gab der Inspektor Hoffmann das Zeichen zur Abfahrt des Zuge», um die Sicher- heit der Reisenden sicherzustellen. Merz riß sich los und erreichte noch den letzten Wagen des fahrendes Zuges. Der französische Offizier versuchte Merz vom Wagen herunterzureißen. Er wurde jedoch von den Angeklagten Kieser, Hölzer und Monninger daran gehindert. Es gelang Merz, nach Landau zu entkommen. Das Gericht ging über die Anträge des Staatsanwaltes noch hinaus und verurteilte Merz zu 2 Zahren Gefängnis und 200 Fron- ken Geldstrafe, Holzer unter Zubilligung mildernder Umstände zu 4 Monaten, Kiefer zu 5 Monaten und Monninger zu 4 Ma- naten Gefängnis, Reichsbahninspektor Hoffmann zu 800 Mark Geldstrafe oder 2 Monaten Gssängnis und Bitzer zu 2 Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist und 500 Mark Geldstrafe.

Viele Ferienkinder verleben ihre Freizeit auf den großen Außenspielplätzen Berlins . PV asser spendet der segnende Strahl einer kalten Brause. Der Pari­wächter, der den Rasen sprengt, funktioniert also gleichzeitig als Bademeister und rettender Engel vor der Gluthitze dieser Tage.

Kriegsgerichisjustiz in der Pfalz . Zwei Gefängnisjahre für Notwehr gegen französischen Offizier. .andou, 16. Juli. Vor dem sranzösischcn Kriegsgericht kam am Montag in sieben- stündiger Verhandlung der sogenannte Maximiliansauer Zwischen- fall vom 3. Juni d. I. zur Verhandlung. Der Anklage lag kurz folgender Tatbestand zu Grunde: Am Sonntag, dem 3. Juni d. I., kam es auf dem Bahnhof Maximiliansau kurz vor der Abfahrt eines Zuges nach Landau zu einer Prügelei zwischen dem sranzösischen Unterleutnant Picardat, dem Kommandierenden der französischen Truppenmacht in Maximiliansau, und dem Fabrikarbeiter Jakob Merz. Zwei Bohnbeamte sahen, ttiie der sranzösisch« Ossizier sinnlos auf Merz einschlug, der aus Mund und Ras« blutete. Beide Beamten trennten

Broi statt Orden. Ein Protest tschechischer Beamter. Prag . 16. Juli. Gewerkschastszentrale der tschechoslowakischen Beamtcnl wendet sich in einer Eingabe an die Regierung und die gesetzgeben- den Körperschaften gegen das geplante Ordensgesetz. da die Beamtenschast«inen immer härteren Kamps um ihre Existenz führe und wirtschaftliche Hilfe brcmch« und nicht deren Ersatz durch Titel und Auszeichnungen.

Drei Eifenbahnnnfalle in Frankreich . Am Montag ereigneten sich«es verschiedenen französisches Eisenbahnlinien eine Reihe von Unfällen, bei denen mehrere Per, sonen verletzt wurden. Infolge falscher Weichen st ellung fuhr im Bahnhof von Lisieux der von Trouville kommende Per­sonenzug auf einen Materialzug auf. Die Lokomotive und vier Wo- gen entgleisten. Zwei Wagen wurden vollständig zertrümmert. Durch den Anprall wurde« vierzehn Personen verletzt. Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Schnellzug und einem auf dem Gleis befindlichen Güterwagen kam es in dein Bahnhof St. Victoir de Thrizy in der Nähe von Lyon . Hierbei wurden fünfzehn Personen verletzt. Auf Materialschaden blieben die Folgen eines Unfalles in Beauvais beschränkt, der ebenfalls auf falsche Weichenstellung zurückzuführen ist. Ein Güterzug fuhr beim Bahnhofsousgang auf ein totes Gleis. Die Lokomotive z e r, malmte den Prellbock, riß da» Eisengeländer auf eine Länge von fünfzehn Meter sowie einen Telegraphenmast um und fuhr zum Entsetzen der Anwohner mitte« aus die Straße. Mehrere Wagen wurde» ineinandergeschoben und zertrümmert. Deq Zugführer und Bremser konnten vor dem Unfall abspringen.

Bon Wegelagerern ausgeplündert. In der Nacht vom Montag zum Dienstag wurde am Eisen« bahndamm bei Nikolassee der Magistratsangestellte Paul T. über» fallen. T. hatte ein« kleine Bierreise gemacht und ging den Feld- weg neben dem Damm entlang nach Hause. An der Kreuzung der Wannsee - und Stadtbahn sprangen plötzlich aus dem Dunkel zwei junge Burschen ihn von hinten an, risien ihn zu Boden, drückten sein Gesicht in den Sand und versetzten ihm mehrere B o x h i e b e, Dann zogen sie dem Wehrlosen, der Mund und Augen voller Sand hatte, Jackett und Weste aus und rannten davon. In der West« war eine Brieftasche, die außer Papieren 80 Mark Bar� g c ld enthielt. Als T. sich einigermaßen erholt hatte, versuchte er,, die Banditen zu verfolgen, konnte sie aber nirgend» mehr sehen. Jenseits der Bahnüberführung traf er einen Wächter, der-sofort da» 161. Polizeirevier in Kenntnis setzt«. Die Nachforschungen nach! den Burschen verliefen aber ohne Erfolg.

Bürgerliches Schützenfest. Bon peter potter.

Es lohnt sich, von Zeit zu Zeit kleine Entdeckungsfahrten in die deutsche Republik zu unternehmen. Fast stets kommt man mit allerhand nützlichen Erkenntnissen zurück. Da liegt am Heiderand ein hübsches Städtchen, beliebt als Aus- flugsziel und ausgezeichnet durch di« regsam« Betrieblichkeit seiner Bewohner. Tätigkeit und Erwerbstrieb halten die Geister wach. Die lebendigen Ströme der nahen Großstadt, dt« ungebrochen bis hierher strahlen, sorgen dafür, daß dtc Bewegung nicht ins Stocken gerät. In summ» also«in recht sympathisches Gemeinwesen. Trotz aUedem aber gibt es Gelegenheiten, bei denen der Ort seine Physiognomie plötzlich verändert, der wache Drang nach vor- wärts unter irgendeinem geheimnisvollen Zwang gleichsam zurück- schnappt und die Intelligenz der Einwohner einen Anfall von Dreh- krankheit erleidet. Das ereignet sich immer dann, wenn einer der altertümlichen Vereine der Stadt seine Mannen aufruft, um irgend- welche glorreichen Tradilioncn zu pflegen, von denen niemand je etwas gehobt hat. oder angeblich im Dienst« des Vaterlandes mit Schießgewehr zu spielen. Di« ersten Anzeichen für diese alljährlichen, kleinstädtischen Ge- sinnungsorgicn find die, daß einige Häuser tn der Hauptstraße frisch gestrichen werden, daß man di« vorhandenen Fahnen ausflickt und reinigt, und daß die Gastwirte in richtiger Erkenntnis dessen, worauf es in der Hauptsache ankommt, ungezählte Fässer Bier in die Keller legen. Alles ist gut gemeint und reichlich. Wer kann dasür, daß der Vorrat an schwarzweißrotem Fahnentuch noch immer nicht v«r- braucht ist, und wer will verlangen, daß man Geld für neue Fahnen ausgibt, solange di« alten noch nicht verschlissen sind? Ein sparsamer Mann verbraucht erst einmal das, was er hat, und kümmert sich um neue Moden erst, wenn die alten au, Mangel an Nachlieferung von selber sterben. So machen es die Herren vom Gericht. Vürger. meister und Pfarrer, und darum gehört es sich, daß auch die übrigen Bürger es so hosten. Wenn die Schützen feiern, machen die Krieger mit und um. gekehrt, denn sie sind beide unparteiisch insofern, als kein Anders- denkender in ihre Reihen oufzenommen wird. Die Tradition, für die sie sich statutenmäßig begeistern, duldet keine Außenseiter und be- dingt vollkommen» Uniformität im Denken, Reden und Handeln. Daher die gleichmäßig erstarrten Masken, welche die Vereinsmit- glieder bei ihren offiziellen Umzügen und Sitzungen annehmen, Steinerner Ernst im Antlitz, stählerne Härte im Blick: jene verkalkte Ausdrucklosigkeit. die Wilhelm einst für masestöttsch hielt Auch für den Mann im Schützcnscstzug existiert da, spotierbildende Volk nur als Staffage, die er Übersicht in der Gchobenheit des Augenblicks. Unentwegt stiert n«ach vorn auf seine Fahne, hebt und senkt im

Füße im Takt« de« Armeemarschs Nr. 38 und ist für ein paar! Stunden wieder die gleiche automatisch funktionierende Maschine in Reih und Glied, die einst das Ideal des deutschen Untertans war und geblieben zu fein scheint. Mit dem Herrn Hauptmann an der Spitz« habe ich gestern abend im Gasthaus einen gemütlichen Schoppen getrunken und mich ge- freut, wie nett und gedankenvoll der Graukopf von der Welt und seinem Handwerk sprach. Heute in der Würde seiner Stellung ist der gutmütig« und intelligente Mann nicht wieder zu erkennen. Die Uniform hat ihn zur Wachefigur mit eingebautem Uhrwerk gemacht. Mit blankgezogencm Degen wozu in aller Welt trägt er die Mordwaffe? wen will er totstechen? marschiert er gewichtig seiner Schützenkompagnie voran. Sicher empfindet er es in diesem Augen� blick als das größte Verbrechen der Republik und als ein« jedem einzelnen persönlich zugefügte Beleidigung, daß sie da» öffentliche Paradieren mit den Schießprügeln verboten hat. Ob er überhaupt weiß, wie töricht er in seinem kriegerischen Aufputz aussieht, mtt den klingelnden Schießmedaillen und blechernen Ehrenschildern, mit denen er vorn und hinten behängt ist? Aber nein, er ist heute ja gar nicht von dieser Welt. Er ist Hauptmann,, Fönig", er kommandiert, er verkörpert ein« Idee, die ihm in ihrer tieferen Bedeutung allerdings etwas unklar ist. Aber das tut nichts, denn der wirkliche Haupt- mann a. D. vom Kriegcrverein hat ihm vorhin di« Hand geschüttelt und ihn ,F)err Kamerad" tituliert. Das hat genügt, ihn blind und taub zu machen sür olles, was nicht mit seinem Hauptmannsrang zusammenhängt. Wie Ich ihn lachend grüße, fleht er mich abwesend und fremd an, und dabei hat er sich noch gestern abend einen Kognak und eine Zigarre spendieren lassen. Und so marschieren sie ahnungslos, wie einem alttiiadischen Puppenspiel entsprungen, kreuz und quer durch die Siraßen, be- staunt, bewundert, ober von der heronwochsenben Jugend auch«in bißchen bespöttelt. Ein« verschwindend« Generation, die mit Kling- klanggloria durch di« Mite abgeht. Denn da» ist leider eine Tot- fache: da» Gros der Truppe ist grauhaarig und knickebeinig. Der Nachwuchs läßt sehe z» wünschen übrig, denn er macht sich nichts mehr au» der Knollerei auf dem Scheibenstand. Es ist nicht mehr so wichtig, gut zu schießen: viel wichtiger ist es, di« beste Fußball- Mannschaft des Bezirk, zu werden. Kriegerverein und Schützen- gildt sind die Domäne der Alten geworden. Sie werden aus Mangel an Reserven bald verschwunden sein. Und ebenso wird auch der Vorrat an schwarzweißrotcn Fahnen bald verbraucht sein. Und di« Traditionen, mit denen nieir-and mehr etwas anzufiiugm weiß» «erden in die Rumpelkammer«andern. Li« tnysit»,, Lber«anchmal ist es auch nicht schade drums