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Lebensbeichte einer zum Tode Verurteilten

Ein Opfer des getöteten Gatten.

Das Reichsgericht hat, wie bereits gemeldet, das am| gute Trostworte und dies hielt mich im Bann, es gab mir die Kraft, am 28. März von Potsdamer Richtern gegen die 38jährige die Wirtschaft in meinem gewesenen Elternhause zusammenzuhalten. Garniererin Erna Schmidt gefällte Todesurteil Aber trotzdem schmerzte mich das alles; als Erleichterung zeigten sich bestätigt. Tränen. Ihm tat es nicht weh. Die einzige Freude, die ich in meiner Ehe hatte, das war meine Arbeitsstätte. Das war für mich Erholung, Glück und Trost, aber weiter kam ich nicht.

Die Ehefrau Schmidt hatte ihren Mann durch Gas vergiftet. Potsdamer Richter verurteilten die Gattenmörderin zum Tode und dieselben Richter befürworteten von fich aus ein Gnadengesuch. Sie konnten sich nicht gegen die Tatsache ver schließen, daß, wenn je, so in diesem Falle der Widersinn des Mordparagrapen, der feine andere Strafe fennt, als den Tod, sich in seinem ganzen Ausmaße gezeigt habe. Vielleicht hätten die Richter die Ueberlegung verneinen, ein faltblütiges Ab­wägen der Motive und Gegenmotive als nicht gegeben erachten und statt auf Mord auf Totschlag erkennen fönnen. Sie blieben aber am Buchstaben des Gesezes haften und glaubten psychologische Situationen durch logische Schlüsse lösen zu können. Geschworene Richter wären dieser Frau, die in ihrem Eheleben durch den Mann so schwer zu leiden hatte und schließlich zum Aeußersten gebracht, unter dem Einfluß des Films ,, Die zerbrochene Ehe" selbst zum verzweifelten Mittel der Lebens­vernichtung egriffen hatte, in höherem Maße gerecht geworden. Wie aber die Frau gelitten und gegen ihr Schicksal angekämpft, erhellt aus ihrem schlichten selbstgeschriebenen Lebenslauf. Alles spricht hier dafür, daß von einem ruhigen Abwägen feine Rede hat sein können. Sie durfte nicht wegen Mordes verurteilt werden. Auch eine Begnadigung zu lebenslänglichem Zuchthaus dürfte in diesem Falle nicht genügen. Allein eine befristete Freiheitsstrafe würde einigermaßen den tatsächlichen Berhält niffen Rechnung tragen. Das spricht aus jeder Zeile ihrer Aufzeich nungen. Deshalb sollen sie an dieser Stelle mit den notwendigsten stilistischen Aenderungen folgen.

Erna Schmidt erzählt.

Nach dem Tode meiner Eltern schloß ich am 19. April 1920 die Ehe mit dem Gießereiarbeiter Emil Schmidt. Kinder sind nicht aus der Ehe ,, aufgegangen". Ich wußte, daß mein Mann verpflichtet war, für die zwei minderjährigen Kinder aus erster Ehe die Unter­haltungsgelder zu zahlen. Ich habe mich nie gegen diese gesetzliche Einrichtung gewehrt. Nach achttägiger Ehe ermahnte ich meinen Mann, an seine Pflicht zu denken und regelmäßig zu zahlen. Ich erhielt die Antwort: ,, Das laß man Deine Sorge nicht sein".

In den ersten Jahren der Ehe ging es ja so leidlich zwischen uns beiden. Aber das gänzlich ausbleibende Wirtschaftsgeld veranlaßte mich bereits Ende des ersten Jahres, für den Haushalt aufzutommen. Ich stand vor der Notwendigkeit, zu schaffen, wie es ja in ver­schiedenen Ehen, die ich kennen gelernt habe, öfters der Fall ist. Ich ermahnte immer wieder meinen Mann, doch seinem wirtschaftlichen ,, Pflichtgefühl" zu entsprechen. Als geschiedener Mann hatte er ein zweites volles Haus gefunden und nicht mehr als seine Kleidungs­stücke hineingebracht. Und so hatte ich nicht erwartet, vor einem leeren Nichts" zu stehen. Auch wurde ich zu Anfang unserer Ehe durch das Gericht angefragt, wie es mit der Wohnungseinrichtung bestellt sei. Vermutlich hat es sich um eine ernste Angelegenheit gehandelt( Pfändungen wegen der nicht gezahlten Alimente des Mannes. D. R.). Auch habe ich schon in der ersten Zeit unserer Ehe über mich Verschiedenes ergehen lassen müssen wegen der nicht ge­zahlten Alimente. Was sich nun im Jahre 1923/24 megen einer Tat abgespielt hat, die mein Mann begangen hat, so war es nicht nötig, dieses zu begehen( fie meint einen Diebstahl. D. R. ); ich fonnte mich damals schon als Ernährerin rechnen.

Die Gorgen wurden immer größer.

Der Umgang mit meinem Mann fing aber schon damals an, sehr shwer zu werden. Wegen seines Verhaltens standen wir oft hart gegeneinander. Trotzdem hoffte ich stets auf eine Befferung bei ihm. Aber leider umsonst. Die Sorgen wurden immer größer und es began in wirtschaftlich der Rückgang, die Aufmunterung verlor sich zwisa en uns beiden". Durch steten Arbeitswechsel verlor mein Mann das Gleichgewicht ,, in fich selbst". Auch machten sich Zeichen des Geniisses von Altohol bemerkbar. Er brauchte sich ja teine Sorgen zu machen, zum Trinten reichte sein Geld, es reichte aber nicht für seinen Lebensunterhalt. Ich erhielt immer wieder

WA

Die richtige Leidenszeit begann im Jahre 1925. Mein Mann war lange Zeit arbeitslos, die Zahlungen ruhten, von seiner Arbeits­lofenunterstügung erhielt ich nichts, er verbrauchte alles für sich und war obendrein noch verschuldet. Und wenn ich so am Sonnabend nach Arbeitsschluß nach Hause kam und die Türen offen fand, der Mann aber besoffen mit den Kleidern im Bette lag, da konnte ich nur wieder weinen. Früher fonnte ich mich wenigstens meiner Sonntage freuen. Manchmal wurden sogar wunderschöne Lieder gesungen, Sonntag ist ja für alle Herzen und für alle Schmerzen heiliger Sonntag weit und breit. Jezt hatte ich aber feine Ab­wechslung mehr und man stumpfte so allmählich ab. So waren in mir ,, Geduld und Mut gefallen".

Es ging immer weiter abwärts.

Wenig Trost und Erleichterung brachte auch das folgende Jahr 1926. Immer mehr gingen wir beide allmählich abwärts. Was ich auch ab und zu schuf, es war zu wenig, um zusammenzuhalten. Oft Straße zu gehen, weil man durch die Verhältnisse stadtbekannt ge= mals gab es Verdruß im Hause, man schämte sich direkt, über die worden war. Nur wenn der Mann außerhalb arbeitete, da konnte man wohl aus sich heraus etwas schaffen und auch etwas Freude finden. Trogalledem war es sehr schwer, mein Mann war ein Nimmersatt am Gelde, der Drang nach Alkohol hatte ihn gefaßt, immer hatten wir mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu

Im Urwald ermordet.

Oberst Fawcett,

der berühmte englische Forschungsreisende wurde im bra­silianischen Urwald von Indianern getötet. Er war be­reits seit drei Jahren verschollen, doch ist es der Rettungsexpedition, die in das Stromgebiet des oberen Amazons entsandt wurde, erst jetzt gelungen. einwandfreie Berichte über das tragische Schicksal des Forschers zu er­halten. Auch der Sohn Fawcetts und die übrigen Mitglieder seiner Forschungsgruppe sind den noch unzivilisierten In­dianerstämmen des Urwalds zum Opfer gefallen.

Großer Sonder­

tämpfen. Auch nahmen wir beide gesundheitlich ab, zudem verfolgte uns die Arbeitslosigkeit und man fam nicht weiter. Dann wurde ich frant, ich mußte eine Operation durchmachen, mein Mann tröstete mich wohl und sagte, ich solle abwarten, bis er eine feste Arbeitsstelle habe. Dann würde ich an mich denken können. Ich merkte aber an meinem Körper einen Rückgang, der Mann hielt feine Versprechungen doch nicht und ich stand machtlos da.

Ich wundere mich, wie ich alles habe über mich ergehen lassen, er verstand aber die Schwäche seiner Frau auszunuzen. Ich fannte nicht die Welt, er aber paßte sich jedem Menschenkinde an. Wenn wir beide an einem Strang ezogen hätten, dann wäre es uns beiden nicht so schlecht ergangen. Ein Teil der wirtschaftlichen Not schied ja durch meine Arbeit aus. Wenn wir aber Familie gehabt hätten und ich nicht hätte arbeiten fönnen, was wäre dann ge kommen? Ich hätte nicht so lange in Hoffnung ausgeharrt. Wo sollte man da Besserung erwarten, da es schon für einen schwer war, mit allem fertig zu werden, was einen traf. Frauenkraft ist doch nicht das, was der Mann schafft: zu verstehen Arbeitsentlohnung" Dachte ich doch nicht, daß meine Ehe solchen schlechten Abschluß haben würde. Vor der Ehe hatte ich noch etwas. Trotz der jahre= langen Arbeit ist nichts geschafft worden, alles ist aufgeangen und nun Schimpf und Schande und zuletzt der Tod in meine vorausgefeßten Strafen". Der Mensch kann viel auf sich nehmen und ertragen. Aber schwer ist es, innerlich auszuhalten und mit sich fertig zu werden. Biel sind solche Opfer ge= bracht worden durch die Folgen des Alkohols. Was ungezählte Ehen dadurch zerrüttet sind, glaubt niemand und ver= stehen sehr wenige. Wieviel unheil wird aber ver­ursacht und wie leiden darunter die Menschen, noch mehr, wenn Kinder in solchen Verhältnissen geboren werden. Vielleicht haben wir beide zueinander nicht gepaßt. Ich habe es anders gewollt und immer gehofft, diesen Verhältnissen nicht unterliegen zu müssen. Ich bereue es sehr, habe meine schweren Tage still in mich aufgenommen und einhergetragen. Ich hatte aber zu wenig Erfahrung, als ich in die Ehe ging. Der Wahn ist kurz, die Reue ist lang.

Das ist fein Einzelfall.

Dies die Leidensgeschichte der zum Tode Verurteilten. Wieviel Arbeiterfrauen fennen nicht das gleiche Ehemartyrium!. Die Garniererin Erna Schmidt hatte aber. das Unglück, das seelische Gleichgewicht zu verlieren. Die Gnaden­instanz wird ihrer Todeserwartung ein Ende machen. Hat sie schwer gefehlt, so hat sie auch schwer gebüßt und wird noch lange Jahre ihr zerbrochenes Leben hinter Kerkermauern reuen. Es liegt etwas un­erhört Grausames in dieser ein- für allemal festgelegten Strafe. Das tragische Geschid dieser tüchtigen, allgemein gut beleumundeten Arbeiterfrau über den Mann fonnte niemand ein gutes Wort fagen läßt aber zum hundertsten Male die Forderung hinaus­schreien: Fort mit der Todesstrafe! Mildernde Umstände auch für Tötung mit sogenannter ,, Ueberlegung"! Aenderung des Mordparagraphen auf dem Wege einer be Leo Rosenthal. fonderen Gesezesnovelle!

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50 000 Reichsmart unterschlagen.

Nach Unterschlagung von etwa 50 000 m. wurde der Hauptbuchhalter der Hamburger Filiale einer Großeinfuhr­gesellschaft verhaftet. Mit dem unterschlagenen Geld hatte er unter anderem Namen eine Automobil- handels- und Berleihfirma gegründet. Eine Anzahl von Kraftwagen tonnte von der geschädigten Firma beschlagnahmt werden.

Der Dant an die Retter.

Der stellvertretende Gouverneur von Gibraltar hat im Namen der deutschen Regierung dem Kapitän und der Mann schaft des britischen Rettungsdampfers, die unter großer persönlicher Gefahr 45 Mann des am 21. November 1927 in der Nähe von Trafalgar in Seenot geratenen deutschen Dampfers .Elberfeld" gerettet hatten, Geschente überreicht.

Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um­gegend.( Nachdr. verb.) Teils heiter, teils wolfig mit weiterer Erwärmung. Leichte südliche Winde. Für Deutschland : Im Nordosten und Nordwesten Besserung, im übrigen Reiche Fortbe­stand des wolfigen bis heiteren Wetters. Allgemeiner Temperature anstieg.

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