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Nr. 4ii 45. Jahrgang

1. Beilage des Vorwärts

Kreiiag. 34. August 4925

Das Schiff ohne Besatzung. Versuche mit ferngelenktem Linienschiff als Zielscheibe. Kreuz- fahrten bei Helgoland .

Das FemlenksdiiffZähringen " im Hafen.

Der Ruderstand mit den Relais und Kontrollapparaten ohne Kommandanten.

Mk drahtlos gesteuerten, ganz aulomatisck) lausenden Maschinen kreuzt in diesen Tagen das lange auger Dienst gestellte deutsche Linienschiss»Zähringen " In der Ilordsee. Das Schiff, das völlig umgebaut ist. dient als Zielscheibe und seine Maschine mit Oelfeuerung gehorcht wie das Steuerruder dem Vefchl der drahtlos gesendeten Wellen. Da» vor Jahren schon völlig dcsarmierte Linienschiff .Lähringen" von etwa 12 Tonnen Deplacement ist für den auto - matischen Betrieb der Fernlenkung auf der Wilhelmshaoener Werft umgebaut worden. Eint Antenne, die zwischen den beiden Gefechts? türmen hängt, empfängt die Wellen, die da» tenkschifs sendet, und überträgt sie mit hilse von Relais auf die Schisfsmofchlnen, die automatische Keffelbedienung und die Rudermaschin«. Das Auster. ordentlich« dabei ist, dost niemals ein Fehler vorkommen kann. All« diese ch«b«l und Schalter kontrollieren sich selber mit Hilfe vieler Kontrollapparate, die den Eingriff der menschlichen Hand ersetzen. Dieses gewifformahen ohne Hirn fahrende und manövrierende Schiff kann weit über hundert Befehle ausführen, die ihm fein Lenkboot übermittelt. Das FernlenkbootBlih* fährt weit voraus. In seiner Kiellinie folgt ihm dieZühringcn", und zwar so genau, als werde sie geschleppt. Auf demBlitz" steht ein Mann, der auf. Weisung des zuständigen Offiziers bald auf diesen, bald auf jenen Knopf des Apparate» drückt, den er vor sich Hot. Dieser Fingerdnick ist c», der dort weit drüben dieZähringen " bald so, bald so, bald schneller, bald langsamer fahren läßt. Also ein drahtloser Sender, der irgendwo auf derZähringen "

seine Antenne findet, sich mit dieser verständigt und auf diese Weis« das weitere, also Sich-in-B«wcgung-Setzen, das Anhalten, das Manövrieren dieses großen Fahrzeuges bewirkt. Automatisch gibt die Antenne Ihren Befehl weiter, automatisch arbeiten auf diesen Befehl hin Kessel, Heizung, Pumpen und Steuerung. Noch mehr, das Schiff kann nicht nur alle gewünschten Bewegungen ausführen, der unsichtbare Mann am Taster auf dem anderen Schisf kann auch bewirken, daß Scheinwerfer und Laternen ausleuchten, daß die Zähringen " sich aus Derschleierungsgründen ln Nebel hüllt und anderes mehr. Wenn nun in Wirklichkeit das unbemannte Schisf denn darquf läuft es ja letzten Ende» hinaus, daß. man diese» Schiff ohne Be- mannung und von auswärts gelenkt und geleitet weit draußen bei Schießübungen schwimmen lassen kann einmal ernsthafte Treffer erhält? Wenn die Antenne zerstört würde und die Ausnalnn« der Rodiowellen nicht mehr möglich wäre? Nun, auch da ist Borsorge getroffen. Bei der Besichtigung des Fahrzeuges zeigt uns der leitende Ingenieur, wie als Antwort auf einen solchen Dor> gang hin sofort eine zweite Antenne aus dem Innern des Schiffes steigen würde, als Ersatz für die zerstörte. Geht auch sie durch Schick- salstücke zum Teufel, dann gehen aus dem Schiffskörper eine Anzahl farbiger Rateten hoch, die dem fernen Beobachter sagen, daß nun- mehr alles still liegt und auch der Mann am Taster des anderen Fahrzeuges oder auch an Land mit seinen Fernlenkkünsten machtlos geworden ist. DieZähringen " selbst ist übrigens in ihrem Innern dicht mit Kork ausgefüllt, so daß ein Sinken auch nach schweren Schießbeschädigungen nicht in Frage kommt. So die er- gänzenden Erklärungen des fach, und sachkundigen Ingenieurs zu

den Beobachtungen, die staunende Presse- und Kinoleute an Bord des Schiffes machten.. Ob nicht auch die Handelsschifsahrl diesen, rein technisch gesehen, doch ganz gewaltigen Fortschritt sich in naher oder serner Zukunft so oder so zunutze machen wird, ist eine Frage der Zeit. Vielleicht wird auch in einemHandelsschisf einmal ein Kasten mit einer Schalttafel angebracht, so daß die zugehenden Befehle ausgeführt werden würden, ohne daß auch nur ein Mann an Bord ist. Vor» läusig freilich Zukunftsmusik, doch wer weiß, welche Möglichkeiten und Uebcrraschungen das technische Zeitalter noch für uns bereit hat.

Heute Kunkausstellung! Freie Fahrt auf den städtischen Verkehrsmitteln. Um dem für die diesjährige 5. Große Deutsche Funk«! a u sst e llu n g vom 31. August bis 9. September zu erwarten- den Massenandrang zu genügen, hat das Llusstellungs-, Messe- und Frcmdcnoerkehrs-Amt der Stadt Berlin auch diesmal wieder mit den maßgeblichen Bcrkehrsanstalten die Einrichtung getroffen, daß die Eintrittskarten zur Funkausstellung bei sämtlichen Sta- tionen der Hoch- und Untergrundbahn, bei allen Sta- tionen der Stadt, und Ringbahn sowie der ersten Vorort- zone und bei d«n Schaffnern der Straßenbahnlinien 53, S8, 72, 76 und 93 zum Preise von 1,69 M. zu lösen sind. Da bei dem Kauf von Eintrittskarten nur an diesen Stellen zum Preise von 1,59 M. auch freie Hin- und Rückfahrt zur und von der Ausstellung gewährt wird, liegt es im eigenen Interesse des Publikums, von dieser Einrichtung regsten Gebrauch zu machen. Di«-Alksstellung ist täglich von 9)4 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, an den Sonnabenden und Sonntagen sowie am Mittwoch, dem 5. September, bis 9 Uhr abends geöffnet. Während der Dauer der Funtausstellung werden die Nach« mittagskonzerte der Berliner Funkstunde vor den Augen des Publikums aus dem Funkturmgarten gesendet. Desgleichen werden die Abendprogramme der Berliner Funkstunde vom 1., 2., 5., 8. und 9. September von dem Funkturmgarten aus übertragen. Auch die Polizei stell? aus. Auf der 5. Deutschen Großen Funkausstellung wird zum ersten Male auch die preußisch« Polizei vertreten sein. Es ist dies um so begrüßenswerter, da bei der außerordentlichen Bedeu- tung des Funkwesens für den polizeilichen Dienst der Polizei natur- gemäß über mannigfache Funkanlagen verfügt und sich stets die neuesten Aparate dienstbar macht. Der Ausstellungsstand der Polizei befindet sich ungefähr in der Mitte der neuen Auto- halle und gibt aus einem Raum von 799 Quadratmetern mit den verschiedensten und interessantesten Apparaten und Einrichtungen, die sich zum Teil in vollem Betrieb befinden, ein überraschendes Bild vom drahtlosen Verkehr bei der Polizei. Neben eilirr Uebersichtskartc über die Verbreitung des Polizeifunks in Deutschland und bildlichen Darstellungen über die Täligkeit dieses Polizeifunks hat man Gelegenheit, die H a u p t f u n k st« l le Berlin in allen Einzelheiten kennenzulernen. Man sieht die Apparatur der Sendestelle A d l e r e h o f, die Betriebszentrale im Berliner Polizeipräsidium mit drahtlosen Fern- schreibapparaten und der in Betriebs befindlichen Bildtelegraphie und die Empfangsapparate der Station Reinickendorf . Außerdem lernt man eine Funkstelle kennen, wie sie die Pro- vinzialhauptstädte besitzen, man kann in einem besonderen Raum der S ch u l a b t e i l u n g für technisches Nachrichtenwesen den Werdegang des Polizeisunkers verfolgen und wird schließlich tn dem Raum der Versuchsabteilung für technisches Nachrichten- wesen mit Bewunderung seststellen, wie auch die Polizei an dem Fortschritt auf dem Gebiete des Funkwesens unermüdlich arbeitet. Der groß« Ausstellungsstand der Polizei, der in den Polizeifarben b l a u s i l b e r gehalten und mit Unterstützung der Tiergartenocr- waltung und der Staatlichen Porzellanmanufaktur künstlerisch ausgeschmückt ist, wird sicherlich eine erhebliche Anziehungs- kraft auf alle Besucher der 5. Deutschen Großen Funkausstellung ausüben.

AjeÄachlnachdemVermi. 48s 3?oman von Liam O'Flaheriy. («US dem Englischen überseht von K. Sauser.; Er erhob sich allmählich hinter dem Tisch. Mit dem rechten Fuß trat er über seinen Stuhl weg. um ihn nicht zu rücken: er machte seinen Körper von der Berührung mit dem Tisch und dem Stuhl frei. Seine Auge» hefteten sich auf Gypos Gesicht. Er stand geduckt. Sein Kopf war nach vorn gc- streckt, fast auf einer Höhe mit seinen gekrümmten Schultern. Mit der rechten Hand tastete er auf dem Tisch nach seinem Revolver. Seine Finger fanden den Kolben und umfaßten ihn langsam. Der Zeigefinger suchte den Hahn und fand ihn. Er hob die Pistole vom Tisch und nahm sie mit einer scharfen Bewegung an die Hüfte. Der Lauf war auf Gypos Brust gerichtet. Dann machte er einen kurzen Schritt vorwärts. Gypo brüllte laut auf und hielt beide Hände vor das Gesicht, um feine Augen zu schützen, aber fast augenblicklich nahm er sie wieder weg. Sie sanken an seinen Seiten nieder. Er mußte Gallagher in die Augen sehen: vor diesen Augen konnte er sich nicht verstecken. Sie brannten in sein Fleisch, wenn er nicht hinsah., r Gallagher sprach. Seine Stimme war fast unhorbar, sie war sanft und süß wie eine Mädchenstimme. Er flüsterte:Da du augenscheinlich die Stimme ver­loren hast, werde ich dir besser selbst sagen, wer der Mann ist. Es ist nicht nötig, ihn dem Gericht zu beschreiben, das Gericht kann den Mann selbst sehen. Ich werde dem Gericht selbst den Namen des Spitzels nennen, der seinen Genossen Francis Joseph McPhillip verraten hat. Ich werde mit eigener Hand auf den Spitzel zeigen. Dies ist der Mann! Er schrie plötzlich mit erschreckender Kraft, und sich zu den Richtern wendend, zeigte er mit seiner Pistole auf Gypo. Genossen, der Spitzel ist Gypo Nolan, der hier sitzt, auf dieser Bank/ v,,. Er hatte kaum geendet, als Gypo einen erstickten Schrei wie eine stumme Kreatur im Todeskampf ausstieß. Er fiel vornüber auf den Steinboden, Schaum vor dem Mund, girjffr|eine zitternden Hände nach Gallagher aus und rief:

...Kommandant, ich wußte nicht, was ich tat. Ich schwöre bei Gott, ich wußte nicht, was ich tat. Kannst du nicht verstehen, was ich meine?" Er hob seine Stimme zu einem Schrei und schlug dann zu Gallaghers Füßen lang auf den Baden hin. Dort blieb er kniend liegen, keuchend die Hände von sich streckend:Ist kein Mensch hier, der ihm sagt, warum ich es getan habe? Ich kann's ihm nicht sagen. Mein Kopf ist schlimm. Kommandant. Kommandant, du und ich, Kam- Mandant, wir werden einen Plan machen, wir zwei beide... uh... rrr..." Seine Stimme ging in sinnlosem Stammeln unter, als er Gallaghers Stiefel umklammerte. Er fiel wieder zu Boden. Seine dicken Lippen, die versuchten, Gallaghers Stiefel zu küssen, preßten Küsse auf die Stein- fliesen. Gallagher trat die klammernden Hände beiseite und rief scharf aus:Schafft ihn in die Zelle und haltet ihn unter strenaer Bewachung." Sofort stürzten die vier bewaffneten Männer vor und bückten sich, um Gypo zu packen. Aber sobald sie ihn be- rührten, spannte er sich, richtete sich mit ihnen auf und stand wie durch einen unerklärlichen Zustrom an Kraft plötzlich auf den Füßen. Mit einem Ruck seines ganzen Körpers schüttelte er die vier Männer von sich ab, dann duckte er sich, um auf Gallagher loszustürzen, aber die vier warfen sich gleichzeitig mit einem Schrei auf ihn. Einen Augenblick schwankte er mit gebeugten Hüften unter dem Anprall der vier Leiber. zwei auf seinem Rücken, zwei um seinen Leib geklammert. Dann machte er keuchend mit dem rechten Fuß einen un- gestümen Schritt nach vorn, stamvfte unter schallendem Ge- räusch mit dem Stiefel auf den Boden und warf sich nach hinten. Die beiden Männer, die auf seinem Rücken gelandet waren« warfen ihre Arme um seinen Nacken und schwangen hin und her, mit den Köpfen gegeneinander knallend, die Füße in der Luft. Geschrei ertönte:Ueberwältigt ihn! Hilfe! Hilfe!" Die drei Richter wichen von dem Tisch zurück an die Wand, unentschlossen, ob sie sich eiligst in Sicherheit bringen oder in den Kampf stürzen sollten. Mulholland riß aufgeregt Gallagher am Arm und flüsterte:Soll ich schießen. Kommandant?" Nicht schießen," murmelte Gallagher mit benommener. schläfriger Stimme. Er starrte mit einem traurigen Lächeln auf die ringenden Männer, als ob er träume.Du sollst

nicht schießen. Cr ist noch nicht verurteilt. Nicht schießen, sag' ich dir." Dann rannte Mulholland geduckt vor, warf sich gegen Gypos Beine und versuchte sie mit seinen Armen zu umfassen. Jetzt hingen fünf Männer an Gypo. Er war von ihnen um- klammert wie Laokoon von den Schlangen. Er stand kerzen» gerade, jeder Muskel seines Körpers war geknotet. Dann taumelte er nach rechts der Tür zu. Seine mensch- liche Last, durch den plötzlichen Ruck losgerissen, schwang, mit weichen Stößen gegcneinanderschlagend, als keuchende Masse hin und her. Er war der Tür bis auf drei Schritt nahe ge- kommen. Er sah sie, und mit einer gewaltigen Anstrengung, die seinen Bizeps krachen ließ, schüttelte er die Männer von seinem Rücken und Nacken ab. Sie rutschten herab, während sich ihre Nägel mit einem kratzenden Geräusch in seine Kleider krallten, dann klammerten sie sich um seine Hüften. Er knurrte und bückte sich, um die Männer, die sich um seine Beine klammerten, zu packen. Seine suchenden Hände fan- den Mulhollands Haar. Seine Finger tasteten weiter nach der Kehle, um ihn zu würgen, als ihn ein toller Ansturm von Schritten aufschreckte. Er blickte auf. Sie stürzten durch die Tür auf ihn los. Einen Augen- blick lang sah er sie. eine Menge flammender Augen, zu- sammengekniffener Lippen, gekrallter Hände, die sich auf lhn stürzten. Dann warf er sich Kopf voran gegen die neuen Feinde und drängte sie in einem Haufen in die Türöffnung zurück. Dort fielen sie alle hin unter Gekreisch, fauchenden Flüchen und Schmerzensgebrüll. Gypos riesige Stiefel rag- ten mitten aus dem Haufen hervor, Mulhollands grinsendes, farbloses Gesicht zwischen ihnen. Als sie das Knäuel menschlicher Körper von Ihm ge- räumt hatten, war er erschöpft. Bier Männer fesselten ihm die Arme hinter dem Rücken: dann schleppten sie ihn den Gang entlang nach der Gefängniszelle, entfesselten ihn, warfen ihn hinein und verriegelten die Tür. Elf Minuten nach drei Uhr wurde Gypo zum Tode ver- urteilt. Die drei Richter gingen fort und überließen Gallag- her die Vollstreckung des Urteils. Achtzehn Minuten nach drei Uhr betrat Mulholland das Untersuchungszimmer mit den drei Männern, die ausgesucht worden waren, das über den Gefangenen gesprochene Urteil zu vollstrecken. Sie standen in straffer Haltung vor dem Tisch, an dem Gallagher saß............(Fortsetzung folgt*..