STADI
BEILAGE
RK
DES VORWARTS
Freie Ufer am freien Wasser!
Herbstbilder vom Mellenfee.- Wochenende der Besitzenden.
Der Borwärts" hat sich wiederholt mit der Auffassung be Etwas anderes ist es dagegen, ob die werftätige Bevölkerung| Boltes die letzten Möglichkeiten ihres Wochenendaufenthaltes am schäftigt, die gewisse Kreise von der Wochenendbestrebung haben. Er nicht von ihren Bertretern in den maßgebenden freien Wasser zugunsten einer fleinen Raste von Geld. lenfte das Interesse der Deffentlichkeit auf die Tatsache hin, daß zum öffentlichen Rörperschaften erwarten muß, daß hier foleuten nimmt. Wenn sich die Gesellschaft in ihrer Schrift auch Schaden der Allgemeinheit eine systematische Besizergreifung der fort eingegriffen und der Bestand einer hinreichend die Auslassung einer maßgebenden Groß- Berliner Tageszeitung" märkischen Gewässer und ihrer Uferränder und Wälder zu verbreiten Uferpromenade im Interesse der Volts. berufen fann, wonach fie bereits Mitte August ein Gelände im zeichnen ist. As typisches Beispiel führte er in diesem Zusammen gesundheit zu sichern ist. Es soll der Siedlungsabsicht der Werte von einer Viertelmillion Mart umgesetzt hat, so läßt dieses hange bas herrliche Naturgebiet am Mellensee an, daß zurzeit mit beteiligten Firma nicht grundsäglich widersprochen werden, denn einen ziemlich ficheren Schluß auf den ungeheuren Berdienst bei der allen Mitteln einer großzügigen tapitalistischen Reflame umworben schließlich werden hierbei dringend notwendige Heimstätten geschaffen, Endabrechnung zu. Hier hätte es nur des guten Willens und der deren Bauvorhaben Arbeits- und Berdienstmöglichkeiten für weite notwendigen Einsicht der beteiligten öffentlichen Stellen bedurft, um Kreise sicherstellen. Entschiedener Protest ist aber dagegen zu er die privatkapitalistischen Ansprüche in einem für die öffentliche
wird.
Es ist durchaus nicht so, wie es die Reklameschrift der beteiligten Firma darzustellen versucht, daß die Schönheiten dieses Gebietes erst durch Aufpfropfung einer dem gesunden Volksempfinden wesens fremben ,, Kultur" im amerikanischen Tempo erschlossen und mit dem nötigen Spettafel dieser Beute angepriesen werden müssen. Dem mirtlich erholungsbedürftigen Werftätigen waren die maldigen Uferränder und die idyllischen Buchten des Mellenfees längst bekannt, ehe man in ihm das Wochenendparadies( lies Spekulationsobjekt) entbedte".
Freilich war eine Wochenendfahrt nach dem Mellensee mit Schwierigkeiten verbunden, da die Verkehrsverhältnisse bis in die neueste Beit hinein den anderen Strecken des Berliner Borortverkehrs nachstehen. In den letzten Tagen hat sich in Bossen ein 3ntereffenverband 3offener Strede" gebildet,
der es sich zur Aufgabe stellt, bessere Berhältnisse auf der Vorortbahn zu schaffen. Die Reichsbahndirektion wird erfreut sein, daß sie entgegen den Klassen dieses Interessenverbandes aus der oben angeführten Reflameschrift so viel Rühmenswertes über die von ihr so stiefmütterlich behandelte Strede entnehmen fann. Sie fann dort über die guten, schnellen und billigen Verkehrsverbindungen" nach lesen, daß zum Beispiel die Verbindungen zum Seebad Mellen " ganz hervorragend seien und auf der Strecke bereits täglich etwa 75 Züge hin und zurüd führen, ein großartiger Fortschritt, von dem Bir freuen uns fie ficher bis heute selbst nichts gewußt hat. Wir freuen uns darüber, daß wir auf Informationen dieser Art nicht angewiesen sind und wissen, daß im Süden der Großstadt die Bahnverbindungen tatsächlich noch viel zu wünschen übrig lassen. Bei ciner Fahrt nach Mellen fann man sich unter Umständen immer noch auf einen Fußmarsch zwischen den letzten beiden Haltestellen, mangels hinreichender Zugfolge, einrichten, eine Tatsache, die die jenigen jedoch nicht abhält, die um der Natur willen kommen.
*
Die schönen Herbsttage dieses Jahres find ganz dazu angetan, die wanderfrohen Großstädter hinauszuloden. Draußen auf den weiten Ackerflächen um die Ortschaft geht der Wind bereits über die Stoppel, im Dorfe selbst ist die rhythmische Melodie der Dresch maschine schon verstummt. Auf der Dorfstraße fallen die ersten herbstlichen Blätter zur Erde und im Walde blüht das Heidekraut. Das find die Tage, wo auch der fleißige Landmann die Umwelt ruhiger betrachten fann und Zeit zur Unterhaltung mit dem Boltsgenossen aus der Großstadt findet. Am User herrscht noch das gewohnte sommerliche Treiben. Da schen wir Turner und Sportler aus Ludenwalde, Jugendgruppen aus Berlin , Paddler und Angler in und auf dem Wasser. Die lustige Schar ahnt nicht, daß sie sich in diesem Jahre zum Iekten Male dem frohen Spiel am freien Baffer hingeben darf. Schon sind die ersten Bäume der Ufermal. dung von der Art zu Boden geschlagen und einige besonders tüchtige Besizer haben ihr Eigentum" bereits mit einem Drahthindernis umgeben, wie es uns als abschredendes und charakteristisches Beispiel für den deutschen Wald auf der Wochen endausstellung gezeigt wurde. Der Winter wird den neuen Besitzern Gelegenheit dazu bieten, ungestört und ohne großes Aufsehen an der Ausgestaltung des Lurusbades Mellen" zu arbeiten, damit die läftigen Fußgänger" sich im Frühjahr mit der Vollendung des Wertes dem Wochenend der Berliner Automobi listen, dem idyllischen Wohnsitz der eleganten Welt und des vornehmen Bürgertums" abfinden müffen.
Einen Vorgeschmack dessen, was dem wirklichen Stulturmenschen" erwartet, fönnen wir ebenfalls der mehrfach angezogenen Reflameschrift entnehmen. Unter der Ueberschrift: Berichte maßgebender Groß- Berliner Tageszeltungen"( wobei bie Stellungnahme des Vorwärts" als einer offenbar nicht maßgebenden Zeitung fehlt) wird uns folgende föstliche Probe aus einem Artikel der Berliner Nachtausgabe" vom 11. August 1928 serviert: „ Das Wasserparadies vom Mellensee ." Bie ein Alltagskleid legt zum Wochenende der Berliner seine Nervosität ab und fährt ins Grüne und ans erfrischende Wasser. Da ist der Mellensee auf der Strecke nach 3offen, der eine exttusive Gesellschaft, die mit dem Bus und mit dem eigenen Auto tommt, an seinen Rändern lagern läßt und zum Bade Jadet. Nicht zu verwundern, daß man an ihm elegante Bicnid roffer ausgepackt und die schönsten Strandanzüge auf raffige Frauen gehäutet findet, deren Beliebtheitskurse steigen, während die dazugehörigen Männer bemüht sind, die Börsenturfe zu vergeffen.
In solcher Umgebung werden sich allerdings unsere Freunde aus den Hinterhäusern und Mietstasernen der Großstadt nicht wohl fühlen können. Sie werden die erflusive Gesellschaft" unter sich laffen müssen.
heben, daß man die Zugkräftigkeit des Gesamtprojekts dadurch zu erreichen sucht, daß man der großen minderbemittelten Gruppe des
Meinung erträglichen Rahmen zu halten. Es ist einfach unglaublich, daß sich derartige Dinge noch abipielen können.
Erntezeit in der Weltstadt.
Kohl und Kürbis, Blumen und Früchte.
Diese Riesenstadt, von der man im Westen und Süden des Reiches immer noch wenig wissen will, ist voll von Gegenfäßen Und draußen im Reich sieht man, dank der mannigfacher Art. Maulwurfsarbeit berufsmäßiger Stänker, leider noch die Schatten feiten dieser Zusammenballung von vier Millionen Menschen. Bie beachtens, wie liebenswert geradezu aber ist die Sehnsucht Hundert tausender dieser fleißig schaffenden Berliner Arbeiter, tleinen Angestellten und Beamten, dieser fleinen Pensionäre und Rentner nach der Natur, die sich ausdrückt in den Zehntausenden von Laubengärten. Das ist nicht etwa ein primitives Herumwühlen in der Erbe, ein Anbauen von etlichen Kartoffeln, Kohl und Rüben. Durch straffe Organisationen und Verbandszeitschrift, durch Fachbücher und schriften mancher Art, durch Vortrags- und Diskutiere abende sind aus den Natur- und Gartenfreunden vielfach Garten- und Obst bauer geworden, die ihr Stückchen Erde sach und fachgemäß bewirtschaften und jetzt zum Herbst den Erfolg fehen. Die Erntefeste sind schon längst vorüber, aber die Ernte ist erst jetzt da und fommt in mannigfachen Ausstellungen zum Ausdruck. Und es ist erstaunlich, was alles in den Berliner Lauben folonien geerntet wird. Wir lassen einige Berichte folgen, aus denen auch der Fernstehende ersehen kann, mit welchem Eifer und welchem Verständnis und Erfolg in unseren Laubenkolonien gearbeitet wird. Eine Arbeit, die nicht Zwang und Fron, sondern Freude und Zufriedenhelt bedeutet. Und die nachdenklichen und philofophischen Köpfe unter unseren Laubenkolonisten meinen, es sei sehr zu überlegen, ob nicht überhaupt den Menschen mehr gedient sei, menn er, nach den berühmten Erlösungsworten des Faust sogleich behaglich auf der neuesten Erde gleich angesiedelt" Faust sogleich behaglich auf der neuesten Erde gleich angesiedelt" fei, als wenn er im Jahr 2500 Stunden am laufenden Band denfelben blöden Handgriff machen muß.
Eduard Bernstein sagt in seinem Wert„ Der Sozialismus einst und jetzt" folgendes:" Ich erinnere mich aus meiner Jugend, einer 3eit, da Berlin noch feine eigentliche Großstadt im Sinne von Weltstadt war, sehr gut daran, wie intim damals noch die Verbindung zwischen Stadt- und Landbevölke. rung war und wie bei einem Teil, selbst der Bevölkerung Ber lins , noch die sozialen Anschauungen des Landes, die sie mitgebracht hatte, überwogen." In diesem Sinne fann man getrost sagen, daß auch heute noch diese Beziehungen vorhanden sind und in dem Laubengartenwesen zum Ausdruck drängen.
Kleingärtner als Erzieher.
Der Bund der Kleingartenvereine zu West end. Charlottenburg bot in den Gesamträumen des Spandauer Berg" eine reichhaltige Schau sommerlicher Gartenfultur. Bom überdimensionalen Kürbiskopf bis zum winzigsten Petersilienpflänz chen war der sommerliche Gemüsegarten in wahren Brachtegemplaren Dollzählig vertreten. Und dann das prächtige Dbft! Direkt zum Anbeißen luden all die faftstroßenden Renetten und Gute Luise, die glasklaren Morellen ein. Aber:" Bewundern, ohne zu begehren", so heißt auch hier das brave Sprichwort. Nachdem sich also der materialiſtiſch gefinnte Teil unseres eigenen Ichs am reichen Sommerlegen erquickt hatte( das letztere eben nur im übertragenen Sinne), durfte sich auch das Auge an den lieblichen Kindern Floras fatt ,, fehen". Ein Duften und Blühen, eine Farbensymphonie vom leuchtendsten Rot, flammenden Gelb und zarten Bastelltönen, eingebettet in das fanfte Grün des Laubmerfes. Reicher Lohn für all den Fleiß mühsam erkämpfter Feierstunden. Und immer mehr wird es einem hier zur Gewißheit, was die Schaffung eines innigen Kontaktes zwischen Mensch und Natur bedeutet: Entspannung, Ausgleich, Gefundung. Und die tut uns wahrhaftig not!
Der Bezirksverband Treptow- Südost, dessen ausgedehnte Kolonien meist auf dem Gelände der Muhlheide liegen, eröffnete am Sonntag im tyffhäuser" in Niederschöneweide eine Ausstellung, die fich nach Größe und Gehalt mit jeder anderen Fachausstellung meffen fann. In verschwenderischer Blumenfülle prangten die
| Stände, auf denen die 29 beteiligten Bereine das Beste, was der Garten in diesem Jahre bot, ausgelegt haben. Wir sehen Rohl- und Wurzelgemise in höchster Bollendung, Früchte, insbe sondere Pfirsiche, Aepfel und Birnen in der Vielfältigkeit der Sorten und in so schönen ausgesuchten Eremplaren, daß sie sich mit dem besten Tafelobst messen tönnen. Dann die Blumen, die der frühe Herbstsommer zur Entfaltung gebracht hat, Dahlien, Aftern, Zinnien u. a. Es scheint, daß ein Laubenbefizer mit dem anderen wetteiferte, die schönsten Farben und Größeneremplare an Dahlien zu züchten. Sämereien, Düngemittel und Gartengerätschaften sind reichlich vertreten, an Bildungsmaterial find schöne Modelle von Lauben Es ist selbstverständlich, daß man den Kleingärtnern nur die vollste ausgestellt, eine Abteilung Schädlingsbekämpfung und vieles andere. Bewunderung zollen kann, einmal, daß sie trop der sommerlichen Dürre und anderer misgünstigen Witterungseinflüffe fo glänzende Ergebnisse erzielten, zum anderen Mal, daß die Einigkeit unter den Vereinen so groß ist, daß diese wohlgelungene Ausstellung zu stande tam. In diesem Sinne begrüßten auch Bürgermeister Genosse Grunow, Stadtrat Genoffe Beffen vom Gartenamt, Genosse Beder von der sozialdemokratischen Fraktion und der Borsigende des Provinzialverbandes Genosse Reinhold die Aussteller, die hier voll Stolz ihr Wert gefeiert sahen.
In der Stadthalle in Weißensee, Bistoriusstraße 23, veranstaltet der Kleingärtnerbezirksverband Weißensee eine Kleingartenbau- Ausstellung, die mit Liebe und Sorgfalt vorbereitet murde und die wirklich gut gelang. Der Laienbesucher fommt aus der Bewunderung gar nicht heraus, während der Fachmann Anregungen mannigfacher Art findet. Die ganze Ausstellung ist von Kleingartenbefizern aus eigenen Mitteln hergestellt; ihr Wetteifer berührt sehr angenehm, da er ja doch der Allgemeinheit zugute kommt. Quali tätserzeugungen sieht man in Gemüsen, Früchten und Blumen. Doch es wird nicht nur für die Gegenwart, es wird auch für die Zukunft gesorgt und wirtschaftsverständige Hausfrauen tönnen wahrhaft prunten mit all ihren eingemachten Leckerbissen. Sehr nett ist es, daß alle Gemüsearten, alle Früchte und Blumen mit ihren Eigennamen benannt sind, so bewundert man u. a. den grünen Salat Troßkopf", freut sich über die Strahlenafter Herbstzauber" und bestaunt die grüne Bohne Schlachtfchwert". Erhaltet die Kleingärten", diefe Bitte findet die beste Unterstützung durch diese Ausstellung.
Die Kinderfreunde rufen!
Im Rahmen ihrer Werbewoche veranstalteten die Gruppen des westlichen Berlins der Arbeitsgemeinschaft Kinder freunde" einen eindrudsvollen Werbeabend in den Spichernfälen. Nicht wenige waren dem Ruf gefolgt. Kampflieder wurden von den Roten Fallen gesungen, und in bunter Reihe wechselten Rezitationen, Bolkstanz und Lied. Ein Sprech chor fand allge meine Zustimmung. Den Mittelpunkt des Abends bildete ein Referat des Genossen Weinberger über den Sinn der Kinderfreundebewegung. Der Bortragende führte aus: Wir alle müssen in der heutigen Gesells haft eine Erziehungsnot erleben. Nach der Tagesarbeit hat der arbeitende Mensch nicht mehr die Kraft, um feinem Kinde, als Glied der Familie, eine wirkliche Erziehung angedeihen zu laffen. Die Gesellschaft hat die Aufgaben der Erziehung und Wissensvermittlung an unsere Stinder zu übernehmen. Gemeinschaftsschulen sind entstanden, aber sie bilden heute noch Fremdförper in der Gesellschaft, Weltliche Schulen müssen wir haben. Das Kind muß begreifen lernen, daß die Menschen selbst die mensch liche Gesellschaft, wie sie heute ist, gefbaffen haben. Dann werden fie auch erkennen, daß es gilt, die Welt zu ändern.
Die Kinderfreunde sammeln alle Arbeiterfinder in Gruppen, int denen sie ihr Leben in Gemeinschaft gestalten fönnen. Unser Machtruf heißt Organisation. In den Roten- Falten- Gruppen lernen fie sozialistische Lebensformen tennen . Ein neues Band ist ge schaffen, das Eltern und Kinder umschließt, um gemeinsam für die Forderungen der Werftätigen zu kämpfen.
leber 400 Gruppen Kinderfreunde entstanden in den lehten nier Jahren in Deutschland . Taufende von Kindern in diesen Gruppengemeinschaften legen Zeugnis dafür ab, daß die Kinderfreunde ble richtige Form gefunden haben, unseren Kindern zu helfen, fich selbst ihr junges Leben gemeinsam zu gestalten. Ein erfolgreicher Weg liegt hinter uns, doch noch unermeßlich viel Arbeit muß geleistet werden.
KAFFEE HAG der feinste Bohnenkaffee
ist stets anregend. aber nie aufregend