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Deutsch rumänischer Abschluß.

Ein wichtiges Finanzabkommen.

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Die beutsch rumänischen Berhandlungen zur Bei legung ber finanziellen Streitfragen zwischen den beiden Ländern find zum Abschluß getommen. Ein Ablommen ist darüber zwischen der deutschen und der rumänischen Delegation am 10. No­bember im Auswärtigen Amt unterzeichnet worden. wesentliche Inhalt ist, das Deutschland an Rumänien eine Summe non 75% Millionen in vier Jahresraten zahlen wird. pährend Rumänien das noch nicht fiquibierte deutsche Eigentum in Rumänien freigibt und den Anleihedienst für nicht abgestempelte rumänische Vortriegsrenten nach einem bestimmten Blan wieder aufnimmt.

Gleichzeitig erklärt die rumänische Regierung, baß mit diesem Abkommen alle beutsch- rumänischen finanziellen Strettfragen erlebigt find, insbesondere bie non Rumänien bisher gestellten Ansprüche wegen der Banca- Generala- Roten, bie während der Be legung Rumäniens von deutschen Stellen ausgegeben worden sind, ferner die Ansprüche aus dem Butarefter Frieden, ebenso die gegen die Reichsban! pegen verschiedener Depots erhobenen Ansprüche. Außerdem versichtet Rumänien auf die Anwendung des bekannten§ 18 aus dem Vertrage von Bersailles, in dem das Recht borbehalten ist, unter bestimmten Borauslegungen das deutsche Eigentum zu beschlagnahmen.

Durch dieses Abkommen werden endlich die Meinungsver schiedenheiten zwischen den belden Ländern beseitigt, die die Entwick lung regelmäßiger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den beiden Bändern in den legten 8 Jahren erschwert haben. Die erste Folge dieser Einigung wird sein, daß dadurch der Weg für eine Beteiligung der Reichsbank an der von den internationalen Notenbanken ge­planten Aktion zur Stabilisierung der rumänischen Währung und für eine Beteiligung der deutschen Banten an der internationalen Kredit­attion für Rumänien frei gemacht ist.

Als weitere Folge wird von beiden Seiten erhofft, daß die früheren engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern bald wieder hergestellt sein werden. Es kann nunmehr auch in Aussicht genommen werden, daß die Berhand­lungen zum Abschluß eines Handelspertrages zwischen den beiden Ländern in absehbarer Zeit aufgenommen werden.

Poincaré muß entgegenkommen. Ronzeffionsangebot an die Radikalen.

Paris , 10. November.( Eigenbericht.) Poincaré jetzt die Bemühungen eifrig fort. Der Erfolg läßt aber bisher noch auf fich warten. In seinen Berhandlungen ist er auf ein entscheidendes Hindernis gestoßen: die Wiedergewinnung der Radikalen Bariei.

Boincaré ist von dem optimistischen Gedanken ausgegangen, daß es genüge, feine alte nationale Union" in republikanische Eintracht" mzutaufen und den Abg. Marin durch einen minberbelasteten Mann seiner Gruppe zu erlegen, um aus den Reihen der Radikalen genügend Mitläufer aufgreifen zu fönnen. Damit hat er sich aber getäuscht Gelbft der Innenminister Sarraut , der sich bei ahnlicher Gelegenheit 1922 zur Mitarbeit im Kabinett Poincaré bereit finden ließ, hat diesmal heutlich abgemintt Erft banadh ent chloß sich Boincaré, den Weg der Rongeffionen zu beschreiten. Er ließ bei den Radikalen durchbliden, baß er gemiffe Zugeständ niffe in den strittigen Buntien hos Budgets in Aussicht ftellen tönne, daß er Marin burch eine Bersönlichkeit des rechten Sentrums mie aginnt pher François Boncet erlegen mole und vielleicht aud einen Mann Dom linfen Flügel ber Radifalen Partei, etwa telafon oder& amoureur, in fein Rabinett aufnehmen tönnte. Nach der Stimmung in den Wandelgängen des Bolais Bourbon dürfte Boincarée nur dann zum Ziele tommen, menn er sich nicht nur zu einer äußeren Umschreibung feines alten Kabinetts ber nationalen Union, fondern tatsächlich zur Annahme der Formel der republikanischen Konzentration, die den definitiven Berzicht auf die Mitwirtung der Rechten bebeutet, bereit

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Rolonialmiswirtschaft.

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Die Novemberhelden.

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Prost!"- Proff!"

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Wir müssen und schleunigft auf den Boden der Tatsachen stellen."

Richt schießen, wir ergeben uns!"

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Zehn Jahre später: Eidvergessene Schufte haben damals ihren Kaiser treulos verraten!"

Waffenstillstand heute vor zehn Jahren.

Das Ende des Weltkrieges und der Monarchie.

Heute mittag nor zehn Jahren war der Weltkrieg zu Ende. Am frühen Morgen des 11. Nopember 1918 wurde der Waffene ftilstandspertrag unterzeichnet, um 11 Uhr 55 Muuten trat er in Raft: zum letzten Mtaf bröhnten die Sanonen über die Schlacht felder, bas 3idzad ber Moschinengemehre hörte auf. Die legten Bomben plagten und das Surren der Striegsflugzeugmotore per ftummie. Erlöst atmeten die Millionen an den Fronten und alle Bälter auf. Zehn Millionen Tote lagen in der Liefe der Meere und auf den Feldern der Schlachien. Bier Jahre und dreieinhalb Monate hatte das Ringen in Frankreich , Belgien , im Baltikum , Rußland , Polen , in Oberitalien , auf dem Balkan , in Borderasien und Afrika getobt. Der eiserne Borhang der Weltgeschichte ging endlich über die blutigfte Tragödie nieder, bie die Menschheit je erlebt hat.

Baris, 10. Nopember.( Eigenbericht.) Der Intransigeant meldet, daß in der französischen Kolonie Guadeloupe , bie fürzlich von einer Wirbelsturmfatastrophe außerordentlich schwer heimgesucht worden ist, Unruhen aus gebrochen sind; die natleidende Bevölkerung beschwere fich über die ungenügende und parteiliche Berteilung der Nah rungsmittel und Tonstigen Hilfsmittel, die aus Frankreich ge fandt morden sind, besonders errege man sich darüber, daß ein Lager van Mehl und Reis im Regen verborben fei, während bie Bevölkerung auf Inappe Rationen gefeßt wird. Auch gehe der Biederaufbau mit unentschuldbarer Langfamkeit vor sich, da die Berwaltung sich von bureaukratischen der ihren üblichen bureau fratilmen Schitanen nicht freimachen tönne.

Berfassungsfeier in Polen .

Daszynfti mahnt.

Warschau , 10. Nopember.( Eigenbericht.) In der Festligung des Sejm , der die Deutschen , Weißruffen und Utrainer ferngeblieben waren, hielt der sozialistische Marschall( Brä­fibent) Dalannfft die Bestrebe. Die Berdienste Bilsudskis um bie polnische Freiheitsbewegung hervorhebend, bezeichnete er die Demotratie im neuen polnischen Staate als bas oberste Gebot. Er schloß mit einem hoch auf die Republit, der er nadh innen eine be motratifche, nach außen eine friedliche Politif wünschte, damit Bolen niemals mehr in staatliche Infreiheit gelange.

Neue Berhaffungen in Oftoberschlesien. Kattomih, 10. November.

Die polnische Bresse in Oftoberschlesien berichtet in fenfatio­neller Aufmachung über bie Berhaftung mehrerer. Berfonen, bie im Auftrage des deutschen Nachrichtendienstes in Breslau und Birimit nicht nur politische und militärische Spionage betrieben, fondern auch den Auftrag gehabt hätten, polnische Persönlichkeiten mit Gewalt, eventuell unter Anwendung pon Betäubungs mitteln über die Grenze zu schaffen, me sie verhaftet werden jollten. Außerdem hätten die Berhafteten ben Auftrag gehabt, an­lößlich der zehnjährigen Befreiungsfeierlichkeiten in einer beftimmten Ortschaft ein Aufständischen denkmal zu Sprengen, was aber die Bachfamfeit der politischen Polizei verhindert hätte. Einer der Berhafteten werde von den polnischen Behörden seit 1926 wegen Spionage gesucht. Die deutschen Behörden in Breslau erflären diese polnischen Beschuldigungen für grundlos.

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Diejenigen, die das Wort Boltsgemeinschaft so oft mißbrauchen, wie sie es in den Mund nehmen, benugen die Erinnerung der Ge Schehnisse vor zehn Jahren bazu, um Gift und Geifer gegen alle 54 versprigen, die für den Frieden der Verständigung fämpften, als es für ihn noch nicht zu spät mar. Um die eigene Schuld an dem Frieden der Niederlage zu bemänteln, fälschten sie die geschichtliche Wahrheit und berbreiteten die Liige, daß der Zusammenbruch das Wert eines Doldystoßes" fei. Aber die letzten Wochen des großen geschichtlichen Dramas zeigen für immer, daß an ihrem Zusammenbruch die Macht haber des alten Systems einzig felber verantwortlich find. Unter den Schlägen der an der Südfront fiegreich vordringenden iierten hatte schon Mitte August bar Habsburger Karl erklärt, er merbe einen Separatfrieben absdließen, falls nicht sehr bald ein allgemeiner Frieden zustande tomme. Mitte September fant die Front im Balfan in sich zufammen, am Ende September tapitulierte der Rest der bulgarischen Armee. An der Westfront drangen die Alliierten so unaufhaltsam vorwärts, daß Bubendorff am 21. Gep­tember zum erstenmal zu Friedensverhandlungen auffordert und am 1. Oktober dringend barum bittet, daß das Friedensangebot 1. Oktober dringend darum bittet, daß das Friedensangebot fofort hinausgeht; es fönne jeden Augenblid ein Durchbruch er­folgen, und auch gleich die militärischen Mitglieder einer Waffen­stillstandskommission ernennt. Unser Angebot müsse von Bern aus jofort nach Washington weitergehen; 48 Stunden fönne die Armee nicht noch warten.

Daraufhin meldete bereits zwei Tage später der faiserliche Ge­sandte in Bern , daß ein Bertrauensmann Bilsons ihm erklärt habe, daß der Präsident damit den Dorherigen Thron verzicht des Kaifers und des Kronprinzen nor bichluß des Waffenstiftandes verlange. Als die deutsche Reichsnegierung am 20. Difober darauf noch einmal erflärte, daß das Friedens- und Waffenstillstandsangebot ausgeht von einer Re gierung, die frei von jedem willkürligen und unverantwortlichen Emfluß getragen wird von der Suftimmung der überwältigenden Mehrheit des deutschen Bolles", erklärte Wilson in feiner britten Note vom 23. Ottober ,,, daß die Bölfer der Welt tein Bertrauen zu den Worten derjenigen hegen und begen tönnen, die bis jetzt die deutsche Politik beherrschten; menn mit ben mifi­tärischen Beherrschern und monarchistischen Autoftaten Deutschlands jetzt verhandelt merden muß, fann Deutschland über femme Friedens­bedingungen verhandeln, sondern muß sich ergeben".

Daraufhin meldete der faiserliche Gesandte in München , bas hier in Bayern von berufener Seite die Antwort Wiljons so ge­deutet mird, daß sie sich direkt gegen die Person unseres Kaisers kehrt; Seiner Majeftät miffe offen flargelegt werden, daß die Feinde feinen annehmbaren Frieden bewilligen würden, wenn das große Opfer( des Thronverzichtes) nicht gebracht würde". Am 27. Oftober fündigte Start an, innerhalb von 24 Stunden um einen Separat frieden nachzusuchen. Am gleichen Lage erklärte die vierte deutsche Note noch einmal, daß ,, die Friedensverhandlungen von einer Bolts. regierung geführt werden, in deren Händen die entscheidenden Wachtbefugnisse tatsächlich schon verfaffungsmäßig ruben"

Nachdem die alliierten Sieger wiederholt die bebingungslose Rapitulation angekündigt hatten, ging am 7. November 1918 bie deutsche Waffenstillstandskommission nach den französischen Linien ab. Es gelang der Kommission mir, ganz geringe Aenderungen in den Baffenstillstandsbedingungen durchzusetzen. Angesichts der militärischen Lage ermächtigte Hindenburg aus dem Großen Haupt­ quartier am 10. November, trotzdem den Waffenstillstand abzu­

fchließen".

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Die Monarchie mar das große Hindernis Friedens geworden. Das Festhalten an der Monarchie den ganzen Oftober hindurch hatte schon den. Beginn der Barhandlungen um Wochen verzögert. Das alte System hatte deshalb, als bie Republit proflamiert wurde, teinen Verteidiger mehr. Kriegsende und Ende der Monarchie fielen zusammen,

Polenflaggen im Freistaat Danzig .

Der Genat protestiert vergebens.

Am 3. Oftober forderte die Oberste Heeresleitung nochmals die fofortige Herausgabe des Friebensangebotes: die Lage ver fchärft fich täglich. So ersuchte die Regierung des Prinzen Mag von Baden am 3. Oftober den Präsidenten Wilson, den fofortigen Abschluß eines Waffenstillstandes zu Lande, zu Wasser und in der Luft herbeizuführen. Darauf stellte om 8. Oftober Bräfident Bilfon die Frage, ob der deutsche des Reichsfangler nur für diejenigen Gewalten Danzig , 10. November. Die polnische Eisenbahnnerwaltung hat auf Beisung des Ber­Reiches spricht, die bisher den Krieg geführt haben". Darauf erwiderte unter ausdrücklicher Zustimmung in den fehrsminifteriums anläßlich der polnischen Staatsgründungs­burgs und Ludendorffs die deutsche zweite Note, daß die feier bie Bahnhofsgebäude der Grenzbahnhöfe und der Haupt­jezige deutsche Regierung durch Berhandlungen und in Ueber ftrede Hohenstein- Danzig- 3oppot beflaggen laffen und im Eisen­einstimmung mit der großen Mehrheit des Reichsbahnverfehr der Freien Stadt Danzig , mit Ausnahme des Boroctverkehrs und einiger Süge nach Marienburg ; die Lokomotiven ebenfalls mit Flaggenschmud versehen.

tages gebildet ist".

Aber damit begnügte sich Wiljon nicht, sondern wies am 14. Oftober auf seine Forderung hin, daß er ,, die Bernichtung jeder militärischen Macht, welche es in Händen hat, allein geheim unb durch eigene Willensbestimmung den Weltfrieden zu ftoren," gefordert habe. Die deutsche Nation habe die Wahi, den Zustand zu ändern; diese Aenderung sei eine Bedingung, die vor dem Frieden erfüllt werden muß, wenn ber Friede durch das Vorgehen des deutschen Boltes selbst tommen solle.

Der Senai hat bei der diplomatischen Bertretung der Republik Bolen darauf hingewiefen, daß diese Maßnahmen die Empfin bungen der Danziger Bevölkerung verlegen müssen. Da der Senat etre in der Hauptsache abschlägigen Bescheid erhalten hat, hat er der diplomatischen Vertretung ber Republik Polen einen schriftlichen Bratoft übermittelt und Abschri davon dem Bölterbundtommissar zugesteffi