Rr. 563* 45. Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
Donnerstag, 29. Rsvember 4925
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Am Wege im Berliner Wohnungsbau. S2V00 Wohnungen sotten geSaut werden! von«üraickasten dnrch die Stadt, die Gewährung von Zins, e*-r
3n einer Sihung am 28. November beschäftigt« sich der Larl'ner Hlcgiskrot mit einem neuen Wohnungsbauprogramm, nach dem zusätzlich zu den au« chauszinsfleucrmükelu er- nchsekcu Wohnungen von durchschnittlich 24 000 pro Jahr noch etwa»000 Sleinwohnurrgen jährlich— vorläufig auf die Dauer von 4 Jahrer,— errichtet werden sollen. Diese austerst wichtige Vorlage wirb« im Magistrat nem Stadtrat(£ z c m i n 6 f i vorgelegt und eingehend begrüitbet. Sie enthält, üome'coeno von den bisherigen Gepsiogenheiten derartiger Lauvor- lagen folgende wichtige Punkte: Um mir diesen großen Bauprojekten rasch und ungehindert zum Ziele zu kommen, soll dem Magistrat eine möglichst weitgehende Vollmacht Zur Einleitung. Bearbeituno und zum Abschluß solcher Projekte ge- geben werden. Auch hinsichtlich der yinonzierung dieses großen Bauprogramms ist m Aussicht genommen, den Magistrat im lrinvernehmen mit der Finanzdeputotion in die Lage zu versetzen, die für die Finanzierung und Durchführuna des Programms notwen» digen Maßnahmen von sich aus zu treuen. Hier kämen in Frage neben einer etwaigen unmittelbar von der Stadl aufzunehmenden Anleihe die Hebemahme von Miet. oder Pachtzinszahlungen oder
eine Trennung der Finanzierung und Bauausführung angestrebt werden, um bei der Vergabe der Bauarbeiten auf dem Wege der Ausschretdunq nicht behindert zu sein. Für die Auswahl der Grundstücke, der Wohnungatypen sowie für die Verteilung her neueiTirfsteten Wohnungen innerhalb Berlins ist die Mitarbeil der Deputation für das Sirdlungs- und Wohnungswesens bzw. deren Ausschuß in Aussicht m nehmen. Mit dieion Bollmachten wird il. a. der Zweck verfolgt, schnelleral» bisher, ohne die zeitrauben- den parlamentarischen Verhandlungen in den städtischen Körperschaften, die jeweils günstigste Situation auf dem Geldmarkte voll ausnutzen zu können. Der Magistrat nahm die Vorlage nach längerer Aussprache an, und es ist z» erwarten, daß die Stadtverordnetenoerfammlung sich ebenso einmütig zu diesem neuen großen Wohnungsbauorojekt stellen wird, um auch auf diese Weis» dem in Berlin herrschenden Woh- nungselend abzuhelfen. Sobald die Swdtverordnetenorrsammlung sich mit dieser Vorlag« beschästigen wird, wrrden»vir an dieser Stelle eingehender darauf zurückkommen.
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Oer Totschlag in Eggersdorf. Zwölf Jahre Zuchthaus als Sühne. Di« Schreckanetate». die der au, dem Zuchthm» aus- gebrochene Gärtner GustavFuhrmann am 13. Znli d. 3. wenige Tage nach seiner Flucht aus der Strafanstalt In Göll- vorn in Eggersdorf fckreis Ober- Barnim) verübt hat. gelangten vor dem Schwurgerich» des Landgericht» III zur Ab- urteilung. Fuhrmann ist, obwohl er erst im 27. Lebensjahre steht, ein Tchwsroerbrecher und«nehnnals wegen Einbruchdiebstahls im Rück- falle vorbestraft. Er verbüßte zuletzt in Gollnow in Pommern zwei Mahr« Zuchthaus und es gelang ihm eines Abends, als er bei der Außenarbeit beschäftigt wurde, zu entweichen. Räch mehr» tagiger Wanderung, die er nur in der Rocht ausführte, während er sich an» Tage versteckt hielt, gelangte«r nach Berlin . wo er sich Kleidung oerschaffte. Dann ging er aus das Land hinaus, um Umschau zu halten, wie er sich Papiere und Geld ver- ichaffen kömtie. Vom Waldesrande aus hatte er am 13. Juli das Lebensmittelgeschäft der Witwe Elisabelh Brandt >n Eggersdorf beobachtet und bei» Entschluß gefaßt nachts einzubrechen. Er stieg dann auch m die Wohnung ein. Roch seiner Darstellimg, die nicht wid-rlcat njerden kann, will er da» Beil auf dem Hof gesunden wd«« benüftk hoben, um damit da« Fenster dt Offnen. Er gelangt« in die Wohnstube, von der eine Tür In den Laden, die ander« in da» Schlafzimmer führte. Die Anklage folgert darau». daß der Angeklagte sich in die Schlafstube begab, in der Frau Brandt und ihr Sohn schliefen, daß seine Angab«, er habe «u» Hunger nur Le b e n» m i t t e l stehlen wollen, u n> tlaubhaft erscheine. Vielmehr erscheine es wahrscheinlicher, daß »« ihm auf Geld angekommen sei. Räch der weiteren Dar. lellung des Angeklagten ktmrrte der Hund und Frau Brandt er- wachte. Als sie aus dem Bett steigen wollt«, schlug sie der Tinbrecher mit dem Bell nieder. Fron Brandt ist an den schweren S-hödelverletzungen gestorben. Inzwischen war auch der Sohn erwacht und ihm hatte der Verbrecher dasselbe Schicksal zu- Bebacht. Gluckllcherweise mar der mit der stumpfen Seite geführte Schlag weniger schwer. Nach der Schilderung des überlebenden beugen Brandt entspann sich nun e i n. s u r ch t b a r e r Kampf. Ditche und Stühle wurden umgeworfen und die Betten wurden im
Zimmer verstreut. Als der Verbrecher merkte, daß er nicht mehr die Oberhaid » gewinnen konnte, riß er sich los und entfloh. Cr stellte sich dann aber am nächsten Tage selbst, da ihm mit seinen blutbefleckten Kleidern ein Fortkommen unmöglich erschien. Der AngeNagte, der durch Rechrsamvolt Dr. Arno Weimann verteidigt wurde, gab die Tatumstände im allgemeinen zu. Der Staatsanwatt wölke dem Angeklagten wegen seine» Porledens keine mildernde Umstände zubilligen und beantragt« gegen ihn wegen versuchten Cinbruchdiebstahl» im strafschärfenden Rückfalle, wegen qualifizierten Totschlage» und ersuchten Totschlages eine Gesamt- strafe von 12 Jahren Zuchthaus . Da» Gericht erkannte demgemäß und verurteilt« dem Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von 12 Jahren Zuchthau» und 10 Jahnen Ehrverlust
Oer Mörder mit der Axt. Die Raubmorde m Lintorf und Werder . In Lintorf bei Stendal wurde am 23. d. M., abends zwischen 8� und 9 Uhr. die 64 Jahre alte Gastwirtswitwe Helene Na Hestedt überfallen und beraubt, während ihr 33 Jahre alter Sohn, de? nebenbei eine Landwirtschaft betreibt, abwesend war. AI « dieser gegen 12- Uhr heimkehrte, fand er die Mutter ichnxr oerletzt im Hausflur liegen. Die Frau starb bereits am nächsten Tage.-- Der Mörder, der 80 Mark in Papier - und Hartgeld, einen großen Teil davon in Zahn- und Fünfpsenrngstücken, erbeutete, muß sich»räch dem Befund auf das Gehöft eingeschlichen heben. Am Hlntereingang des Hause« stieß er mit Frau Nahe- stedt zusammen und schlug sie mit einer Axt, die er auf dem Hof gefunden hatte, nieder. Während da» Opfer besinnungs- los dalag, durchsuchte er alle Wohnräume und die Gasiröume, schloß sämtliche Türen van innen ab und verließ das Hau« durch ein Fenster. Der Tat dringeich verdächtig ist ein Mann von et»va 20 Jahren, der gegen 7 Uhr abends am Eingang des Ortes gesehen wurde und dann noch einmal im Schatten an der Waich der Scheune des Gehöfts. Er kann van Eichstädt oder Stendal her- gekommen sein. Um 9',4 Uhr, also umnittelbar nach dem Ver- brechen,»vurde er beobachtet, als er in der Richtung Lintorf-
Beelitz ging. Der Derdächttge ist 1,65 Meter groß, hat schmales, blasie« Gesicht und trug fchmugiggrsuen Anzug mit blauer Schiffer- mutze. Es erscheint nicht ganz ausgeschlossen, daß dieser jung« Mann, augenscheinlich ein Wanderbursche, auch den Mord an dem Kunstmvler in Werder verübt hat, zumal er bei dem ersten Verbrechen nicht viel erbeutete. Auch der Berbrecher in Werder hat sich ja, nach allem, jdös bisher ermittelt wurde, auf das Grundstück eingeschlichen und verborgen gehalten. Auch in diesem Falle ist dos Mordserkzeug ein Beil. Wie in Lintorf sind auch in Werder olle Räume durchsticht worden. Auch hier ist der Verbrecher allem Anscheine nach ein Wanderbursche. Zur Aufklärung des Raubmordes in Weider wäre es wichtig, festzustellen, wer der Empfänger eines Briefes war, den der Pro- fkssor am Sonnabend nachmittag aus die Post gab. Der Adresiat wird gebeten, sich bei der Inspektion.V im Berliner Potizeipkbsi- dium oder bei der Mordkommisston Lipik- Salaw im Rathans Werder sHavel) zu melden. Wieder Hochwaffergesahr. Zn Belgien , Frankreich und Dänemark . Die Ueberjchwemmungen in der Gegend von Termonde in Belgien haben sich im Läuse der vergangenen Rocht noch weiter ausgedehnt. Die Dörfer Srembergen und Moerzeke sind voll- ständig vom Master überschwemmt, das stellenweise 1,70 Meter hoch steht. Die Lebensmittel beginnen in der Gegend von Termonde knapp zu werden. Der Gouverneur der Provinz traf alle Maßnahme»», um die Schsldedeiche schnell wiederherzustellen und die Versorgung der Bevölkerung mch Lebensmittel« sicherzustellen. Das Uii»vetter, daß seit Tagen über ganz Frankreich herrscht, hält an. Die Seine sowie Mosel , Saar und Aisne sind im Ansteigen begriffen. Die Isere ist über die User getreten. Unterhaw von Grenoble sind die Dörfer überschwemmt. Bei La Gerste sieht der Bahndamm unter Master. Die Eisenbahnlinie Pari»— Rom wurde von neuem in Savoye» von Erdstöße« heimgesucht und zum Teil unterbrochen. In der Geyend vv« Tarent und Maurien traten mehrere Gebirgsbäche ans ihrem Bett und wälzen Schlamm und Steinblöcke in die Ortschaften. In Udine stehen die Stahlwerke unter Master. In den oberen Regionen liegt ftellemoelse bis 2 Meter Schnee. In den Ost-Py renken erleiden dl« Eisenbahnen starke Berspatungkl». Die Telephon- und Telegrvphenverbindungen sind in mehreren Orken unkerbrochen. Be- deutende Schäden wurden in Perpignan durch den Sturm ange- richtet, das ohne elektrisches Licht ist. Die Straßenbahnlinie von Lellegarde nach Cherezy bei Bourg ist durch einen Erdrutsch unter- brachen. Der Sturm hat am Aermelkanal an Heftigkeit zugenommen. Die Dampfer erleiden bis zweistüniüge Verspätungen. Bei Eher bourg»verden Schissstrümmer u»rd Orangentisten an das Gestade gespült. Die dänische Hafenstadt R a n d e r s ist von Hochwasser heimge, sucht worden, da durch den Sturm große Wastermasten in den Ran- dersssord getrieben würden. Da« Wasser stieg etwa 1% Meter über normal. Bescmder» wurde das tiefer gelegen« Stadtviertel am Hafen heimgesucht. Die Straßen waren bald in Kanäle verivandeV. Sämtliche Kellerwohnungen im Hafeiwiertel mußten geräumt »»»erben, aber auch aus den Parkerrewohnungen mußten die Bewohner flüchten. Der Hasendahnhos stand so hoch unter Master, daß die Beamten ihren Dienst»»icht verschen konnten. Die Helden von der„Cstonia". Wie sie die Besahvng der„Herrenwijk" retteten. Kopenhagen , 28. November. Heute vormittag lies in den Kopenhagener Hasen zu einem kurzen Ausenthalt van zwei Stunden der dänische Dampfer.,E st o< n i a" ein. der in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag ver- gangencr Woche 13 Mann der Besatzung des deutschen Dampfers
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Soldat Suhren.
Po istiffi ver«
�vornan von Georg von der Vring . Copjn'zllt 1927 by J. M. Kpsetd Verlas. Berlin . Im(Barken, den wir mit fieberhafter Eile durchstreifen. S'bt es Stiefmütterchen, die sich wie Unkraut über olle Wege Ausgebreitet haben, sowie eine Allee mit alten schattigen binden, wo die Dichter in den Romanen spazierengehen. uni mit ihren Handstöcken Pilze zu köpfen»nd sich dabei �»mane auszudenken, in denen wieder Dichter spazieren- flehen und so weiter. Sodann stoßen wir auf Iohannisbeer- lfsl"üsche. Leider sind die Früchte sämtlich noch grün. Wir rch> effen davon, wenden uns aber bald topfsckiüttelnd weiter. ¥«lderina macht seine Nase noch spitzer, wittert und schreitet ,»« kusch voran. Zwischen lichten Bäumen zeigt sich die be- riu«Tänfte Fläche eines Teiches. Wir sehen drei Leute, die ihre öd f leider abgeworfen haben, durch das Master waten und d> Anter sich her ein Netz ziehen. Der eine von ihnen hat einen v?ten Schopf, ein Rot. das wir kennen. Unerklärlicherweise iaki»st eS Essen. 1'. Dir rennen an die Stelle, wo sie sich zum Landen an- '. 5>'ck?n. Eisen steigt wie ein Gott zu uns herauf, vor seiner "«rust lodert«ine Haarflamme, und er schreit aufgeregt: J.„Jetzt kommt die Gribbelgrabbel! Jetzt kommt die �?kibhelarabbel!" Die anderen zwei Soldaten, altere bärtige ia-idwestrleute ziehen das Netz mit sorgenvollen Gesichtern .> Land. Es erweist sich, daß zwei Karpfen drin sind, ta�iißiz große Der«ine der Landwehrmänner, dessen falti. A?°r tgnud, bessere Zeiten gesehen haben mag. grollt: „Die gehören Hoppe und mir. wir haben das Netz ge- chen." Und Hoppe, der einen schwarzen Haarstern wie einen A�sisi-n kW le m�rite aus der ausgemergelten Brust t�ügt. bedeutet dem Eisen, während er die Hand über feinem s�kden krümmt: 1..Du kamst ja eben erst und ganz zuletzt. Kamerad, du �-ttirßt verzichten." „Was heißt hier Michel!" ruft Eisen, den einen Karpfen Kreits»n der Hand..Ehrlich getettt. das»st Soldatenart. einen Hoppla und du— den anderen id). und da ich
l schon gesresten habe, so sollen ihn diese beiden Kameraden l bekommen— recht so, ihr Alten?" Er gibt den Fisch Albering, der ihn, ohne sich zu de- sinnen, mit dem Taschenmester auszunehmen beginnt. Die beiden Alten gehen knurrend mit dem anderen Karpfen und ihrem Netz fort, offenbar zu einem neuen Fischzug. Man hört ihr« scheltenden Stimmen, abwechselnd den Baß des Bauchlosen und da» gebildete Hochdeutsch des dürren Hoppe, bis sie hinterm beglänzten Schilf verschwinden. Wo ist Eisen?— Er ist fort wie ein feuriger Engel. Albering hat seine Arbeit beendigt, läßt das Messer zuschnappen. steckt den Karpfen in die Rocktasche, und wir gehen zur Straße zurück. Fett zum Braten haben wir nicht, werden es aber vielleicht bekommen. Als wir an der Arbeitsstelle eintreffen, sind die Kameraden fort. Wir beschließen, auf alle Fälle zu unserm Dorf Tuliszofs zurückzukehren, um nur ja kein Essen zu oersäumen. Ein Radfahrer aber weist uns nach Westen zum Rachbardorfe und ruft: „Befehl: Alle zur Drücke? Die dicke Berta»st einge- brachen." So gehen wir eilig zur Brücke. Aus Llberings Tasche schaut eine dunkle Schwanzflosse heraus. Es ist eine Weg« stunde, ich kann nicht mehr, der Hunger macht meine Beine schlapp. An der Brücke aber gibt es ein Schauspiel. Es ist ein 21er-Geschütz von einer Ulmer Batterie durch die Holzbrücke gebrochen, die zur Hälfte zerstört ist. Das Geschütz steckt bis an die Achsen im Sumpf, eine Aufschrift mit rosa Buchstaben besagt, daß es den Namen Rosa führt. Anna und Gerda stehen zwischen einer Menge Pferde bereits hüben, sie haben es geschafft. Sodann sind mehrere hundert Soldaten da, die umher- liegen oder sich nützlich machen wollen, sowie Offiziere, di« geschäftig Anordnungen treffen. Auf der hellen Hälfte der Brücke stehen zwei korpulente Leutnants vom Train und halten ihre Kamera bereit. Der Batterieführer von den Ziern, ein kleiner schwarzhaariger Hauptmann, ein Rohr- stöckchen in der Rechten, gibt in süddeutscher Mundart laute Befehle und rennt auf die Brücke und wieder zurück. Man hat den Eindruck, datz er sich erst besinnen some. Vielleicht eine Zigarette rauchen. Währenddessen hat man sechs Pferde ans Geschütz ge- spannt und ein langes Tau befestigt, an dem ein« Meng« Soldaten aufgestellt sind. Los!— Aber die Rosa rückt und
rührt sich nicht. Nach mehrmaligem Versuch ordnet der Hauptmann an, daß schwere Bretter aus dem Dorf geholt werden sollen. Albering und ich gesellen uns diesem Träger- trupp bei»md erreichen die Häuser. Man beginnt bereits. eine Scheune abzubrechen— oben auf dem Dach sitzt Pabst, barhaupt und leitet die Arbeit. Er ist immer dort, wo etwas Vernünftiges gemacht wird. Aber ich habe heute kein Ge- fallen an ihm. Auf meinen Wunsch geht Albering erneut mit mir auf die Suche. Die Hand auf der Fischtasche sagte er:, „Und wenn e» sonst nicht klappt, so haben wir wenig- stens den." Mir pochen an eine Haustür, die geöffnet wird. Ein kleiner schmutziger Jude erscheint und teilt mit, daß die Brote eben in den Ofen getan sind und vor zwei Stunden nicht fertig sein werden. Er ist aufgeregt, an seinem Rock ist nur noch der obere Knopf, der ihn zusammenhält, jedoch jeden Augenblick abreißen kann, denn er hängt an zwei langen Fäden. Da der Kleine einen Bauch hat, wäre e« ganz unnötig für ihn, die übrigen Knöpfe wieder anzu- nähen, denn sie gingen doch nicht zu. Neben dem einzigen Knopf aber, der nur das nächste Mittagessen abzuwarten scheint, um- fortzuspringen, glänzt eine lange Bahn von Fett und Schmutz, die sich erst am unteren Rockende verliert. „Gib sie so, wie sie sind, Abraham, wir haben Geld!" schreit mein Kamerad. Mein Herz klopft. Aber der Jude weicht furchtsam hinter die Tür zlirück. Albering stemmt seinen Stiefel in die Türlücke und schnaubt: ,Gtb wenigstens Fett, Abraham, gib Fett, du verfresse- ner Baalsdiener!" Der kleine Mann schlägt plötzlich mit unerwarteter Kraft den eingeklemmten Fuß zurück und riegelt im Nu ab. „Du Aas!" grollt mein Kamerad.„Wenigstens deinen Ueberzleher hätte man auskochen können!" Wir entschließen uns zum Weitergehen. Jetzt kommt die Wendung. Ein Trainsoldat tritt an uns heran, ein älterer Mann von mächtiger Gestalt und mit einem schönen Boll- bart. Er sieht aus wie ein Bild. Ruhig und gepflegt steht er in feiner hellen Drillichjacke vor uns. Seine Augen, die tief liegen, haben einen sanften Glanz.(Bernstein oder Kupfer oder Honig, dachte ich später. Sie wechselten übrigens von Minute zu Minute.) Sem« Stimme fragte leise und gütig: „Ihr wollt wohl Brot kaufen?— Habt Hunger?-* Nein der Jude hat nichts fertig, kommt nur mit mir." (Fortsetzung folgt.)