Morgenausgabe 119 on s
Nr. 180
A 91
46. Jahrgang si
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Donnerstag
18. April 1929
Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pi.
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Preußen und der Liebknecht Mord
Ein wichtiges Aftenstück im Prozeß Jorns.
In der gestrigen Verhandlung gegen den verant wortlichen Redakteur des Tagebuch" ist ein Schreiben verlesen worden, das der damalige preußische Justizminister Wolfgang eine am 19. Februar 1919 über die Untersuchungsführung an den Reichsjustizminister, an den Reichswehrminister und an den preußischen Kriegsminister gesandt hat. Das Schreiben lautet:
,, Die heute mir zugegangene Meldung über die neuesten Ermitt lungen betr. die Tötung der Frau Luxemburg , die ich Herrn Reichsjustizminister Landsberg und dem Herrn preußischen Kriegsminister übermittelt habe, erfordert m. E. eine Aeußerung von meiner Seite, die ich im nachstehenden mir zu geben erlaube:
Die preußische, Justiz ist zwar an dem Berfahren nur mittel bar beteiligt, aber sie hat das
größte Intereffe daran, daß nicht das Vertrauen in die Rechtspflege der republikanischen Regierung erschüttert werde.
Nimmt man auch nur eine Begünstigung des Mörders an, fo liegt die Tat doch außerordentlich schwer. Deshalb hätte der Kriegsgerichtsrat Jorns unmittelbar nach dem Geständnis des Leutnants Bogel dessen Verhaffung anordnen müssen.
Nachdem bereits der Jäger Runge sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen hat, ist zu fürchten, daß dasselbe bei Vogel eintreten könnte.
Banffonto: Banf der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3
Väter der Bauernnot.
Deutschnationale Agrarffandale.
get eintreten for her bereits eine un bar Ramellen zu verkleinern. Wo bie Deffentlichkeit bisher soft
Auch Vogel, unwahre Dar= ftellung über den Vorfall gegeben und die Feststellung des Runge, deffen Tat sich unmittelbar neben ihm abgespielt hatte, unterfassen hatte, Berdunkelungsgefahr vor.
Sollte Bogel flüchtig werden, so wären die politischen Folgen nicht anzusehen.
Es handelt sich dabei nach meiner Meinung nicht allein um die Sühtungen ablehnen, wenn nicht sofort die Verhaftung ange
nung eines Berbrechens selbst, sondern um die Beseitiming der politischen Folgen, die durch das Verbrechen selbst und durch die Art seiner Berfolgung hervorgerufen worden sind. Kann auch die Mordtat nicht wieder gutgemacht werden, müssen wenigstens die verhängnisvollen politischen Folgen nach Möglichkeit wieder
repariert werden.
Nach seinem Geständnis hat Leutnant Bogel die im Auto be findlichen Soldaten veranlaßt, Frau Luxemburg in den Kanal zu werfen. Da B. bestreitet, den angeblichen Schuß in den Kopf
der 2. abgegeben zu haben, für den bisher jeder Beweis fehlt, mußte
er mit der Möglichkeit rechnen, daß Frau Luxemburg noch lebte. ( Es folgt dann eine durch die Zeit und das minderwertige Material jener Zeit unleserlich gewordene Stelle.)
Ich muß jede Verantwortung für diese politischen Wirordnet und vollstreckt wird. Ich könnte auch nicht durch Schweigen zu den ungenügenden Maßnahmen einen Teil der Verantwortung übernehmen, nachdem ich als Leiter des preußischen Justizwesens einmal zu sämtlicher Kenntnis der Vorgänge gelangt bin.
gez. Heine, Breußischer Justizminister.
tung der politischen, für den Gerichtsherrn nicht maßgebenden GeNotiz des Kriegsministers Reinhardt: Unter Ausschal fichtspunkte scheint mir rechtlich die Untersuchungshaft geboten, ( Bericht siehe im lokalen Teil.)
37 Annuitäten von 1 Milliarde 650 Millionen.
3n Konferenzfreifen verlautet gerüchtweise, daß das heute von der deutschen Delegation der Reparationskonferenz überreichte Memorandum auf 37 Jahre Annuitäten von 1650 millionen Mark vorsicht.
10 Milliarden Unterschied?
Paris , 17. April. ( Eigenbericht.) Das deutsche Memorandum ist der Sachverständigen fonferenz in einer Bollfizung am Mittwochnachmittag überreicht morden. Es wurde sofort verlesen. Anschließend entspann sich eine längere Diskussion darüber, die nicht nur die Ziffern selbst, sondern auch die Bedingungen zum Gegenstand hatte, von denen die deutsche Delegation seine Uebergabe abhängig gemacht hat. Man einigte sich schließlich dahin, die weitere De= batte über Höhe und Dauer der deutschen Zahlungsverpflichtungen einem Unterfomitee zu überlaffen, in dem Deutschland durch Dr. Schacht vertreten sein wird. Dieser Ausschuß tritt bereits am Donnerstagvormittag zusammen. Wenn er seine Beratungen beendet haben wird, soll die nächste Bollfigung stattfinden.
Neue Abweisung Trotzkis. Auch Norwegen fürchtet seine Anwesenheit.
Oslo , 17. April. ( Eigenbericht.) Die norwegische Regierung hat beschlossen, dem von Trogli eingereichten Einreisegeſuch nicht stattzugeben. Der Beschluß mird damit begründet, daß es unmöglich sei, die personelle Sicherheit Trottis zu garantieren.
Im Storthing wurde diese Entscheidung von den Vertretern der Arbeiterpartei heftig angegriffen und als parteipolitisch bezeichnet. Die Regierung erwiderte darauf, daß sie sich nur von jachlichen Gründen habe leiten laffen.
Primo schließt Universitäten. Barcelona an der Reihe. Weitere sollen folgen.
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Madrid , 17. April. In einer halbamtlichen Mitteilung wird angekündigt, daß die Universität Barcelona wegen der Haltung eines Teiles der Stu
Ueber die von deutscher Seite vorgeschlagenen Ziffern ist eine authentische Mitteilung bisher nicht erfolgt. Wir wiffen darüber nur, daß die deutsche Delegation nicht eine geftaffelte, sondern eine feste, auf die Dauer von 37 Jahren zu zahlende Annuität vor geschlagen hat. Die Differenz zwischen dem Kapitalmert der von den Alliierten in ihrem Memorandum genannten Ziffern und dem Kapitalwert der deutschen Vorschläge dürfte sich auf der Höhe von etwas über 10 Milliarden bewegen.
Den ohnehin mühsamen Verhandlungen der Sachver. ständigenkonferenz drohen nunmehr neue Schwierig teiten, und zwar von den auf der Konferenz nicht vertretenen kleineren Staaten.
Was in den letzten vierzehn Tagen über Kreditskandale in der Landwirtschaft, für die in den meisten Fällen prominente Deutschnationale verantwortlich zeichneten, bekannt geworden ist, das schreit zum Himmel. Unmittelbarer Anlaß zur öffentlichen Diskussion waren die Spekulationsaffären des weißgardistischen Offiziers Uralzeff. Wohl handelt es sich bei den Raiffeisen- und Landbund= genossenschaftsstandalen um alte Tatbestände. Die Dinge spielten in den Jahren 1924 und 1925. Aber es ist vergeblich, wie es die im ganzen betreten schweigenden deutschnationalen Blätter versuchen, die Standale als„ olle großen Verlusten den landwirtschaftlichen Genossenschaften gehört hatte, da herrschte der Glaube, daß diese Verlufte aus den allgemeinen schwierigen Verhältnissen in der Landwirtschaft entstanden seien. Erst heute aber erfährt man, daß die Verluste mit den landwirtschaftlichen Aufgaben der Genossenschaft überhaupt nichts zu tun haben, daß schwerste Berfehlungen der Beteiligten von diesen jahrelang als Geheimnis jorgfältig gehütet worden sind, und daß, während die deutsche Deffentlichkeit für die Krediiskandale Verantwortlichen waren, die als jahrelang von der deutschen Bauernnot" widerhallte, es die Rufer und Verkünder der deutschen Bauernnot auftraten. Das find feine ollen Kamellen. Die Enthüllung und die Erkenntnis dieser Zusammenhänge ist neu.
Lassen wir schnell die Tatsachen Revue passieren: Da ist die Deutsche Raiffeisenbank und ihr rein deutschnationaler Vorstand mit den Herren Dietrich, Schwarz und Seelmann. Ohne die geringste faufmännische Sorgfalt, auf Grund von wertlosen Sicherheiten, wertlosen Aktienpateten, unsicheren Wechseln, nichtbesichtigten taffetten werden einem absolut unbekannten, nur durch seinen Warenlägern und nicht auf ihren Werf geprüften JuwelenAntibolschewismus legitimierten weißgardistischen Offizier und früheren Kaufmann, Herrn Uralzeff, erst sechs, dann vier, dann weitere 10 Millionen Mark Bauerngelder übergeben und am Ende des Geschäfts steht ein glatter Berlust von über 20 millionen Mart. Für bald ein Dugend Millionen Mart werden von diesem Borstand sehr schnell als wertlos erkannte Industrie aftien erworben und dann als vollwertig zu Lasten an= derer landwirtschaftlicher Institute weiter geschoben. In der damaligen Stinnes- Psychose bekommen unbefannte Konzernritter fünf Millionen Mart. die auch verloren sind, und dem folgt noch eine weitere große Bahl von Geschäften mit allen möglichen Stellen, die ebenfalls riesenhafte Berluste bringen. Das Endergebnis ist die po IItommene Pleite der Raiffeisenbank, des Zentralinstituts der Deutschen Raiffeisengeoffenschaften, von denen das Wohl und Wehe von Millionen deutscher Bauern ab= hängt.
Spielte bei den Raiffeisenstandalen teilweise noch die geschäftliche Ahnungslosigkeit von katholischen Pastoren in den Aufsichtsräten und Revisionsausschüssen mit eine Rolle, fo gehen die schweren Verluste bei den and bundgenossenschaften ausschließlich auf das Konto deutsch nationaler Landbundführer. Unter Aus Besprechungen, die am Mittwochmorgen mit Bertretern der Führung und Verantwortung des Abgeordneten Jugoslawiens , Griechenlands , Rumäniens und Portugals abgehalten Stubbendorf ging die genossenschaftliche Zentralkasse wurden, ergab sich, daß diese Länder feineswegs ohne weiteres zu des Reichslandbundes, die Geld- und Warenzentrale der den Abstrichen geneigt sind, die von den alliierten Delegierten im landbündlerischen Organisationen, mit einem Verlust von Verhältnis zu den Abstrichen der Hauptgläubiger auch an ihren rund 6 Millionen Mart pleite. Vorher schon hatten die ZuForderungen vorgenommen wurden. Der jugoslawische Ber- fammenbrüche der Landbundgenossenschaften in Hirsch treter legte sogar im Namen seiner Regierung formellen Broberg, Rottbus und 3auch Belzig die ungeheure test ein. Die Hauptaufmerksamkeit ist jedoch zurzeit auf das Leichtfertigkeit enthüllt, mit der deutschnationale Refter deutsche Memorandum gerichtet. der Landwirtschaft" Bauerngelder verschleuderten. Auch hier waren es nicht landwirtschaftliche, sondern private Kreditgeschäfte, war es die Sucht, mit Konzernipetulationen riesenhafte Geschäfte zu machen, war es Leichtfertigteit und Verantwortungslosig= tett, mit der man Gelder von Bauern, die in das deutschnationale Landbundgarn gegangen waren, verpulverte.
dentenschaft geschlossen wird. Auch andere Universitäten werden nötigenfalls geschlossen werden, da die Regierung eine auf rührerische Haltung einzelner Minderheiten nicht in einem Augenblicke dulden fönne, wo das Land gerade einen träftigen Beweis feiner Zustimmung zum Regime gegeben habe.
Der belgische Spiketfumpf. Auch Ward Hermans wird freigelassen.
Brüssel , 17. April. ( Eigenbericht.) Der an der Utrechter Fälschungsaffäre beteiligte flämische Re dakteur Bard Hermans ist inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Hermans verweigerte gegenüber dem Untersuchungsrichter jede Aussage.
Amtsantritt der neuen Minifter. Die neuen Minister Dr. Stegerwald und Dr. Birth haben am Mittwoch ihre Aemter übernommen.
Die sagungsgemäßen Kontrollinstanzen aber waren nur bemüht, gemeinsam mit den verantwortlichen Borständen, nicht nur vor der Deffentlichkeit, sondern auch por den Bauern die Standale und die eingetretenen Verluste zu ver= tuschen. Schiebungen der gewagtesten und raffiniertesten Art wurden gemacht, um durch frisierte und teilweise offen gefälschte Bilanzen und Berichte die Berluste, bie weit über 60 Millionen Mart betragen, geheimhalten zu können. Noch heute figen bei der Raiff eisenbant, obwohl der Vorstand inzwischen gewechselt hat, im neuen Haupt- und Revisionsausschuß und auch im Aufsichtsrat eine sehr große Anzahl von Mitgliedern, die für die damaligen Borgänge nicht nur mitverantwortlich sind, sondern die sogar regreßpflichtig gemacht werden können und gegen die gerichtliche Ermittlungsverfah= ren im Gange waren.
Die hier verschwendeten vielen Dugend Millio