Raiffeisen- Profuriften.
Die Korruption einer deutschnationalen Bant.
Wenn auch der Eflaret- Ausschuß in einigen Schritt Entfernung tagie, so fonnte die Ungeheuerlichkeit der Dinge, die am Dienstag im Raiffeisenausschuß des Landtages zur Sprache tamen, von den dortigen Borgängen taum übertroffen werden. Es wurden drei Prokuristen und Abteilungsleiter der Raiffeisenbank als Zeugen pernommen: Rechtsanwalt Dr. Lange, Krause und der aus dem Waldenburger Finanzffandal befannigemordene Theodor Rathte. Gegen alle drei erhebt der Revisionsbericht der Raiff eifenbont die schwersten Borwürfe.
Rechtsanwalt Dr. Lange verteidigte sich nicht ungewandt. Er will als Leiter der Kreditabteilung alle Krebite nur auf Anweisung der Direttion gegeben haben.. Die Kompetenzüberschreitungen Rathtes bei dem Anfauf des Dampfwolle- Aktiens patets habe er entbedt und der Direttion angezeigt. Edypieriger wird dem Zeugen schon die Aufflärung, morum er, der zugleich Synditus der Raiffeisenbant war, die Lagerfcheine Uralzeffs als Sicherheit angenommen hat, die sich nachher als wertlos erwiesen. Bei der Entgegennahme des berühmten Schmud fäst. leins als Pfand, das für 750 000 m. Juwelen enthalten sollte, aber nur für 15 000 enthielt, gibt Lange zu, einen schweren Fehler gemacht zu haben, indem er es unterließ, den Wert durch Sachverständige abschäßen zu lassen. Entschieben bestreitet Dr. Bange, von den Runden der Raiffeisenbank Bergütungen angenommen zu haben, aber nicht bestreiten fann er, daß er mit einigen von ihnen fich in sehr mertwürdige Prinatgeschäfte" ein. gelassen hat. Seltsam berührt auch die Angabe des Zeugen, Daß er bei einem Jahresgehalt von 18 000 m. ein Jahres cinkommen von 60 000 m. verfteuert habe. Troßdem hat er noch ein erhebliche Steuerstrafe wegen Steuerhinterziehung betommen. Auf eine Frage, ob er nicht Unforrettes darin gesehen habe, mit Banffunden Privatgeschäfte zu treiben, erklärt der Zeuge u a., daß es sein gutes Recht sei, sich Provision zahlen zu lassen, wenn er dem Kunden Börsentips" gebe.
In Hugenbergs Redaktionszwinger.
Sugenbergs Montag" erklärt die Befreiungsfeier im Rheinland für völlig mißglückt, Sugenberge, Lotal- Anzeiger" dagegen preift fie als Freudenfeft.
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Befreiungsfeier Billernis befall did versammellen
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Der vom Montag":" Go vergnügt, Kollege?"
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Freudenfeier ein
echtes Volksfest
Der vom Lofal- Anzeiger": 3a- ich habe Erlaubnis, heute abend zehn Zeilen Wahrheit zu berichten."
Die Kriegsgefahr im Fernen Osten.
, Chinas Unterwerfung"- ein Sowjetbluff.
Der Proturist Krause, muß trog heftigen Sträubens eine große Zahl von Unregelmäßigfeiten eingestehen. Der Zeuge fann teinerlei plausible Erklärung dafür geben, warum die Holzfirma ullad& Müller, an der er beteiligt und deren Aufsichtsratsvorsitzender er roar, auf pöllig ungebedte Scheds auernd Geld erhalten hat, und zwar mehrere zehntausend Mart. Er fann auch nicht leugnen, daß diese Firma von Ural3eff einen Kredit von 85 000 m. erhielt, der aber nicht für geschäftliche 3wede verwendet wurde, sondern für die sich der Zeuge Krause eine Billa bauen ließ. Schließlich hat Krause von einem Grafen Rothenburg für die Bermittlung eines Krebites éine Das Nachrichtenbureau der Regierung stellt die Moskauer MelProvision von 15 000 m. erhalten. Der Berichterstatter stellt feft, dungen, wonach die Mukden - Regierung die Forderungen Mostaus daß das Risiko dieses Kredites- bie Raiffeisenbank trug, die mehrere hundertausend Mart durch dies Geschäft verloren hat, angenommen habe, in Abrede und erklärt, Moskau verfuche, Mulden zur Eröffnung von Sonderverhandlungen zu verfür das sich ihr Profurist Provision zahlen ließ! anlassen. Die Mulden- Regierung handle jedoch lediglich nach den Weifungen aus anting.
Sehr turz gestaltet sich die Bernehmung, Rathies, der die Raiffeisenbank mit den Dampfmolle- Attien hereinlegte. Der Zeuge jagt derartig ungeniert die Inwahrheit, daß im Ausschuß steigende Empörung entsteht. Als der Zeuge bestreitet, jemals von dem Bantier Fabian eine Bergütung, auch nicht in der Form eines Darlehns, erhalten zu haben, als aber gleich darauf aus den Aften nachgewiesen wird, daß Rathte tatsächlich von Fabian einen ungebedien Kredit von etwa 40 000 m., und zwar 3inslos, erhalten hat, fragt der Borsigende Deerberg ben Ausschuß, ob auf die meitere Bernehmung dieses Zeugen noch Bert gelegt werde. Der Ausschuß verneint das einstimmig imb als ein moralisch Bestäupter verläßt Rothfe ben Saal
Am Mittwoch werden die Raiffeisenproturisten Tannen und Möhring sowie ein Mitglied des neuen Raiffeisendir eftoriums ver
nomment,
Reuer Innenminifter.
Der Rüdiritt des Innenministers Must eitis murde in der Opposition mit Befriedigung begrüßt. Dufteifis vertrat die Boif der starken Hand" und seinen Rücktritt deutete die Oppp lition dahin, daß wenigstens die Möglichkeit einer Kursänderung in liberalerem Sinne eintrete. Dazu trug noch bei, daß der neue
Snnenminifter Aravicius für einen gemäßigten Politifer mit liberalen Anschauungen gilt.
Bisher hat fich aber noch nichts ereignet, was nach einer Bestätigung dieser Hoffnungen aussieht.
Die Gerüchte, die von einem Rüdtritt des Ministerpräsidenten Iubjalis und feine Ersegung durch den Oberst Merfys, Gou nerneur von Memel , miffen wollten, scheinen sich allerdings nicht zu bestätigen. Die Borbedingung zu einer Einschwenfung in libe rulere Bahnen märe die Abschaffung des Kriegszustan des und es sieht nicht so aus, als ob die Regierung sich in nächster Beit bazu entschließen wird. Das Regierungsorgan ,, Lietuvos Aidas" gibt zu, daß die Beibehaltung des Kriegszustandes auf bas Ausland recht ungünstig wirfe. Prominente Ausländer wie Bandervelbe, Crispien und andere hätten ber litauifchen Regierung geraten, ihre Gegner weniger scharf zu bekämpfen. Das Regierungsblatt behauptet, daß das Ausland sich in der Einschäzung des Kriegszustandes irre: die Bürger Litauens hätten fich an den Kriegszustand gewöhnt und er werde von ihnen feineswegs als beschwerlich empfunden".
Donnerstag wieder Gejmbeginn.
Gofori Mißtrauensvotum.
Warschau , 3. Dezember. Am 3. Dezember soll in der Sejmfizung der Mißtrauensantrag der Opposition gegen die Regierung Switalsti beraten merden. Es ist dies jeit der Machtergreifung durch Bilsubsti der erste Mißtrauensantrag gegen die gesamte Regierung. Der Antrag wird vorausfichtlich in der Freitagsigung zur Abstimmung gelangen. Am selben Tage soll auch über den Vorschlag des Regierungsblods abgestimmt warben, dem Sejmmarschall Daszynfti das Mißtrauen auszufpreden, meit er sich nor einem Monat geweigert hat, bie der Seimfeffion in Anwesenheit der demonstrativ erschienenen Pilsudsti Offiziere zu eröffnen, worauf dann der Staatspräsident die Seffion bis zum 5. Dezember vertagt hat.
3wei Menfurböden ausgehoben. Die Münchener Polizei hat mit einem fiarten Aufgebot den Mensurboden der Angehörigen des Rudolstädter S. C. , den diese im Kretzbräu an der Brunnstraße hatten, ausgehoben. In gleicher Beife murde gegen Angehörige des Naumburger S. C. im Münchene: Waffenring, die im Arzberger Keller ihre Menfuren ausjochten, vorgegangen. Die Namen der auf dem Fechtboden Anwesenden wurden polizeilich festgestellt und das Fechtzeug beschlagnahmt
Die französische Regierung hat in Uebereinstimmung mit Amerifa, Deutschland , England und Japan bei den Regie rungen in Mostau und Beting burch ihre Botschafter den Regies ringen von Rußland und China eine More zustellen laffen, die im wesentlichen besagt:
beiden Mächte auf die Bestimmungen des Kriegsverzichtspattes, insbesondere auf den Artikel 2, der lautet: Die vertragschließenden Parteien erkennen an, daß die Regelung und die Lösung aller Differenzen und Konflikte, welcher Natur und welchen Ursprungs fie auch sein mögen, und die zwischen ihnen entstehen könnten, nur durch friebliche Mittel angestrebt werden sollen."
Man darf annehmen, daß der Inhalt der vorstehenden Note nach Vereinbarung zwischen den genannien Staaten inhaltlich den Noten entspricht, die auch von den Bereinigten Staaten, England, Japan und Deutschland in Moskau und Ranting übergeben worden find.
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Angebliche Vorschläge Tschangfuehliangs. Shanghai , 3. Dezember. Wie aus Murden gemeldet wird, bat Maridhall Ischong> fuehliang die chinesischen Vertreter bei der Konferenz vont breiten: Charbaromft beauftragt, folgende Borschläge zu unter
Die Regierung der Republik hat nicht ohne Beunruhi. gung den Gang der Ereignisse verfolgt, der die Beziehungen zwischen China und Rußland seit der Entpielung der Lage, die seit Juli dieses Jahres in der Nordmandsdurei eingetreten ist, in Mitleidenschaft gezogen hat. Seit dem 19. Juli hat die Regierung der Republik geglaubt, die Aufmerksamkeit der chinesischen und ruffischen Regierung durch Bermittlung ihrer diplomatischen Bernistischen Propaganda benutzt werde; treter in Paris auf die Bestimmungen des allgemeinen Rriegs. Derzichtspattes lenten zu sollen, den sowohl China wie Ruß. land unterzeichnet haben. Die beiden Regierungen, die russische und chinesische, haben damit formell und öffentlich ihre Absicht befannigegeben, nicht zu den Waffen zu greifen, menn sie nicht angegriffen werden.. Inzwischen ist der Baft von den Wächten ratifiziert worden, darunter auch von China und von Rußland . Die Regierung der Republit fentt erneut die Aufmerksamkeit der
1. Dbmohl die chinesische Regierung mit der Wieberherstellung bes status quo ante auf der oftchinesischen Bahn einverstanden ist, hält sie es für notwendig, von der Sowjetregierung die Garantie zu erhalten, daß die Eisenbahn nicht zu Zweden der fommu
2. ba ber entlassene russische Direttor und ber ebenfalls entlassene russische Unterdirektor eine solche Propaganda leiteten, lehnt China ihre Wiederanstellung ab. beigeführt haben, zu entlassen;
4. die beiderseitigen Gefangenen follen freigelaffen werden;
Entfernung von der Grenze zurüd gezogen werden. 5. die Truppen beider Parteien sollen bis zu einer bestimmtent
Im Lager Hammerstein.
Hammerstein, 3. Dezember.
Gestern abend gegen 10 Uhr trafen 240 deutschstämmige Auswanderer von Eminemünde im Hammersteiner Bager ein. Heute früh gegen 5 Uhr folgten efma 400 non Enbttuhnen. Die Aus manderer hatten brei Waggons Gepad und außerdem noch viel handgepäd.( Danach scheint Sowjetrußland ihnen„ nur“ alles Bargeld und Sdymudzeug abgenommen zu haben. R. d.„ B.".) Die Auswanderer sprechen gut Deutsch , und zwar einen[ ch mà bischen Dialett. Sie tönnen auch russisch doch weit beffer deutsch . Der Lagerbireftor, Major a. D. Fuchs, begrüßte die Antömmlinge:
I und mit den Reichsfarben und einem Hindenburg - Bild gejdmüdien, hell erleuchteten Speisesaal geführt wurden, wandte sich eines der Kinder erwartungsvoll an den Lagerdirektor mit der Frage, ob jezt Weihnachten sei. Nachdem die Deutschruffen Mun bantet alle Gott " gesungen hatten, setzten sie sich zum Eſſen.
Heute früh wurde mit der Sanierung begonnen. Die Flüchtlinge müffen die Quarantänezeit burdymachen, wie man hofft, rur eima fünf bis sechs Tage, da die Flüchtlinge ja, abgesehen von menigen Ausnahmen, sich bei bester Gesundheit befinden
5000 werden erwartet.
Im Namen Deutschlands begrüße ich Sie im Lager Hammerftein, in dem Sie die nächste Beit zubringen merden. Sie versichert, daß die Regierung, der Reichstommiffar für die Deutschrussen- Hilfe, weiteste Volfskreise und wir hier am Blaze alles tun werden, um Ihnen zu helfen. Davon zeugen die großen Mittel, die trotz der eigenen Not von Regierung und Bolksvertretung für Sie zur Verfügung gestellt worden find. Etwaige fleine Schwierigkeiten im Lagerleben, die sich vielleicht anfangs ergeben tönnen, werden fich in turzer Zeit bestimmt be heben lassen. Wir wissen, daß Sie Ihr Deutschtum im fremden Lande seit vielen Generationen im Herzen bemahrt haben, und daß Sie auf Ihr Deutschtum stolz find, und mir hoffen, daß Sie auch weiterhin deutsches Wesen. deutsche Arbeitskraft und deutschenahme der beiden Frattionen einstimmig beschloffen, daß der bisOrdnung hochhalten werden. Dann wird es Ihnen gelingen, in neuen Berhältnissen sich eine neue Seimat zu gründen. Das wünschen wir Ihnen von Herzen. Und nun nochmals: in Deutsch land herzlich willkommen.
Berichten des Reichstommiffars Stüdlen zufolge werden nach Ankunft der am Dienstag eintreffenden Transporte insgesamt 1381 Deutschrussen in Deutschland sein, teils in Hamburg , teils in Erdtkühnen und zum Teil in Hammerstein . Insgesamt werden etma 5000 Bauern erwartet, für die die bisher norgesehenen Lager nicht ausreichen. Es werden zurzeit weitere Lager in Moell und Brenzlau eingerichtet.
Gin würdiger Alter, den die Deutschrussen mit„ Borstand be. zeichnen, dankte für die marmherzige Biffe, und er sagte, daß die Deutschruffen die herzliche Aufnahme, die sie in ihrem Mutterlande gefunden hätten, nicht vergessen würden. Sie würben so schnell wie möglich Deutschland verlassen, um dem deutschen Mutteriande nicht zur Last zu fallen.
Als die Auswanderer dann in den großen mit Tamengrün
Dr. Scholz, Führer der Deutschen Volkspartei. Der Reichs. ausschuß der Deutschen Balkspartei hat gestern in Anmesenheit der Vorsitzenden der Wahlkreisverbände und unter großer Anteilherige Borfißende der Graftion der Deutschen Volkspartei, dar Abgeordnete Dr. Scholz, zum Parteiführer gewählt werden soll. Den gleichen Beschluß faßte der Parteivor ft an b. Die offizielle Wahl wird in der am 14. Dezember stattfindenden Sigung des Sentralvorstandes der Deutschen Volkspartel erfolgen.
Berurteilung fommunistischer Demonftranten. In dem Braze megen der Zusammenstöße von Kommunisten mit der Boligai bei cinem fommunistischen Demonstrationszug in München wurde per Landtagsabgeordnete Dreffel zu fieben Monaten Gefäng nis wegen Aufruhrs verurteilt. Die beiden mitangeklagten Blafatträger murden zur Mindeststrafe von je sechs Monaten Gefängnis verurteilt.