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Stimmen weit überlegen. 50 590 Wählerinnen stimmten für diese Bartei, während mur 30 814 Männer den Zentrumsvertretern ihre Stimme gaben. Bei den übrigen Barteien find aufschlußreiche und besondere interessante Feststellungen nicht zu machen.

Der Gedanke, die Stadtverordnetenwahl getrennt nach den Geschlechtern durchzuführen, hat sich als glücklich und nüßlich erwiesen. Man darf daher wohl hossen und annehmen, daß das Berfahren auch bei späteren Wahlen beibehalten werden wird. Für Verfahren auch bei späteren Wahlen beibehalten werden wird. Für die Sozialdemokratische Partei wird das Ergebnis ein weiterer Ansporn sein, nicht nur in den Kreisen der Männer, sondern in noch; verstärkterem Maße als bisher auch bei den Frauen aufklärend tätig zu sein.

Die Finanzlage Berlins !

Ein Dringlichkeitsantrag der sozialdemokratischen Stadt­verordneten.

In einer gestern abend tagenden Frattionsversamm I ung beschlossen die sozialdemokratischen Stadtver= ordneten, für die nächste Stadtverordnetenversammlung folgen­den Dringlichteitsantrag einzubringen:

be­

Die Stadtverordnetenversammlung schließt: Der Magistrat wird ersucht, dem Haushaltsausschus der Stadtverordnetenversammlung unverzüglich einen umfas­fenden Ueberblick über die gesamte Finanzlage der Stadt Berlin zu geben und alle hierzu erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen und vorzulegen."

Erst wenn die Fraktion völlige Klarheit über die ge­samte Finanzlage der Stadt erlangt hat, wird es ihr möglich sein, Wege zur Befferung der finanziellen Verhältnisse zu weisen. Dann erst werden die sozialdemokratischen Vertreter auch zu einer besseren sozialen Regelung der Wertstarife oder zur Er­schließung neuer Einnahmequellen Stellung nehmen förmen.

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Weißenberg - Chriftus.

14 Prediger der Gefte im Hauptberuf Magnetifeure.

Dem groben Unfug, den sich die Sefte der Weißenberger seit Jahren leistet, geht jetzt die Kirche, wenn auch vor.

läufig nur in abwehrender Form, zu Leibe. Interessant find

die Einzelheiten, die dabei zutage freten. Cine

"

Beleidigungstlage des Superintendenten Rribel gegen Franz Kursowity, Redakteur des Weißen Berges", beschäftigte erneut das Gericht und zwar die 4. Straf fammer des Landgerichts II. In erster Instanz war kursowsty megen öffentlicher Beleidigung des Superintendenten , der sich dem öffentlichen Verfahren als Nebentläger angeschlossen hatte, zu 300 Mart Geldstrafe verurteilt worden. Die Berufungs­tommer bestätigte dieses Urteil. Die Grundlage dieses Prozesses war ein Kampf der Weißenberg- Sette gegen die evangelische Kirche, der sich in Forst in der Lausitz abspielte. Dort hatte der Superintendent in einer Zeitschrift ,, Kirche und Heimat" einen Artikel ,, Gegen den Weißenberg - Unfug ge schrieben. In zwei Artikeln hatte Kursowsty im Weißen Berg" darauf geantwortet und dabei heftige Beleidigungen gegen den Superintendenten gebraucht. Sowohl der Beleidigte wie das Kon fistorium Brandenburg haben den Strafantrag gestellt, der zum Urteil führte. Bei seiner Vernehmung schilderte der Angeklagte die Organisation der Weißenberg - Sette. Er führte aus, daß die Anhänger in Weißenberg ben wiederauferstandenen Christus bzw. den Heiligen Geist sähen. Die Anhängerschaft zergliedere sich in 140 Gemeinden, in denen 14 Prebiger, die im Hauptberuf Magnetifeure feien, abwechselnd sprächen. Seine Zeitschrift ,, Der Weiße Berg" erscheine in einer Auflage von 12 000 Stück und werde in ganz Deutschland verbreitet. Wegen fortdaueraber Differenzen mit der Kirche mußten sich seit dem Jehre 1926 alle Mitglieder verpflichten, aus der Kirche aus zutreten. Ihre Sette ist inzwischen als ein Verein evangelisch­johannischer Richtung eingetragen worden. Das Oberhaupt der Sette, der 74jährige Josef Weißenberg, arbeite jetzt nicht mehr praktisch. Ihm zur Seite ständen ein Obertirchenrat fowie ein Konsistorium, die beide von ihm eingesetzt worden sind. Der Angeklagte verlangte vom Gericht Freisprechung, da er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt hätte. Nach längerer Verhandlung verwarf die Straffammer seine Berufung.

Ein sächsisches Jugenderholungsheim.

Im Grotrian- Steinweg- Saal, Bellevuestraße, zeigte der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände in einer Filmaufführung das Jugenderholungsheim Otten dorf in der Sächsischen Schweiz , das unter Führung der fächsischen Jugendverbände unter der Mitarbeit des Staates, der Landes versicherungsanstalt, der Krankenkassen und berufsständischer Ber bände geschaffen wurde. Das neue Heim, das im August dieses Jahres seiner Bestimmung übergeben wurde, faßt 160 Insassen; es dient der Erholungsfürsorge der lernenden und werftätigen Jugend und soll mit dazu beitragen, die brennende Frage der gesetzlichen Festlegung und Durchführung des Erholungsurlaubes für Jugend liche zur Lösung zu bringen. Wenn man bedenkt, daß laut ärzte lichen Statistiken heute alle Bierzehnjährigen förperlich start zurück geblieben und ein Siebentel vom Hundert der Schulentlassenen als nicht berusstauglich anzusehen ist, so sprechen diese nüchternen Zahlen wohl eine mehr als beredte Sprache. Gelegentlich der Film­vorführung erwähnte der Vorsitzende des Landesausschusses der Jugendverbände das traurige Kapitel aus dem Berufsleben der Jugendlichen; mehr als einmal fanden erholungsbedürftige Jugend­liche, die auf Grund frankenkassenärztlicher Untersuchung als bring­lich verschickt wurden, bei der Wiederkehr ihre Stelle besetzt. Das neue Heim, wunderschön gelegen und in seiner Innengestaltung allen Vorbedingungen einer wirklichen Erholung entsprechend, soll helfen, das Erholungswert für die Jugendlichen zu fördern und zu feftigen.

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Neuestes, Allerneuestes! Neuestes,

,, Wer fürchtet sich vor'm schwarzen Mann...?" Wie lange schon hört man diese Kinderspielfrage nicht mehr in den Parts und scheinend abgebaut, die Kinder der neuen Zeit fürchten sich vor auf den Straßen des neuen Berlin ! Der schwarze Mann ist an weit realeren Gespenstern, und es scheint sicher: der Weinachtsmann wird wohl der Nächste sein, der abgebaut wird, und wenn er auch

TANKSTELLE*

Kasse

Tankstelle mil Wasserfüllung

immer wieder in den Spielzeugausstellungen der großen Kauf­häuser heraufbeschworen wird. Bielleicht stirbt der Glaube an ihn auch gerade durch diefe großen Spielwarenausstellungen, denn das wiffen bei uns doch schon die noch nicht schulpflichtigen Kinder: Was da im Kaufhaus steht, was da so verlockend aufgestapelt wird, sind Waren und jede Ware kostet Geld... Oder sind wir Großen da zu pessimistisch? wir uns da verblüffen von der neuen Form, die das Spielzeug unserer Kinder oft angenommen hat, die uns fremb und unseren Kindern doch vertraut ist, wie uns das eigene Spielzeug war?

Bieles hat sich gewandelt, wahrhaftig; das fängt mit der Puppenstube an, die ein genaues Abbild modernen Wohn­tomforts ist. War es vor dreißig Jahren höchste Sehnsucht einer Buppenmutter, in ihrer Puppenstube ein Goldfischglas und ein Klavier" zu haben, so tut es die moderne Puppenmutter nicht Lautsprecher, Grammophon schrant, Telephon, Schreibmaschine und Staubsauger.

unter einem

Dazu gehört natürlich der Heizkörper der Zentralheizung oder ein elektrisch zu heizender Kamin. Und wenn die Puppenstube früher

Mechanischer Lunapark

als Vorbereitung auf den natürlichen Beruf des Beibes" galt: Heut fezt schon hier die Erziehung zur fchaffenden Frau" ein, und das neueste ist ein komplett eingerichtetes zahnärztliches Atelier mit verstellbarem Operationsstuhl und Bohrmaschine... arme Puppen!

Auch bei den mechanischen Spielsachen hat sich allerlei gewandelt; ob es wohl ein Museum gibt, in dem der Dreiradfahrer

Funkwinkel.

Wieder ein Dialog und wieder ein interessantes Ergebnis. Justizrat Heilfron und Schriftsteller Mendelsohn diskutieren das Thema Rechtsempfindung und Rechtsempfin= den". Vor allem ist zu bemerken, daß es sich nicht um begriffliche Haarspaltereien handelt, sondern um tonkrete Beispiele. Am Anfang der Debatte steht das Leipziger Reichsgericht. Den Angriffen gegen gewisse Urteile, die gegen Leipzig gerichtet werden, weiß Heilfron nicht zu begegnen. Ein paar gutgeschliffene Bonmots täuschen dar über faum hinweg. Heilfron, ein gewandter Redner, darf nicht ins zweckloje Reden verfallen. Wenn er erflärt. eine Bertrauenstrije jei nicht gerechtfertigt, weil eine Anzahl von Richtern Fehlurteile gefällt haben, so vergist leider der Herr Justizrat, daß die Objekte dieser Urteile lebende Menschen sind und nicht Mineralien oder andere unempfindsame Stoffe. Wie würde Herrn Heilfron etwa in ähnlicher Lage zumute sein? Das intereffanteste Ergebnis dieses Dialogs liegt darin, daß der Hörer peinlich berührt wird, meil alle Besserungsvorschläge sehr schön sind, aber nicht die Frage aus der Welt diskutieren, was geschieht mit den Angeklagten bis zu der Realisierung. Heilfron verfügt über die Geſte des wohlwollen den, menschenfreundlichen Mannes, doch alle dialektischen Fähig feiten täuschen nicht darüber hinweg, daß auch er nicht weiß, wie eine endgültige, zufriedenstellende Lösung aussehen wird. Der Abend bringt zuerst ein Konzert des Vereins ehemaliger Schüler des Domchors unter Leitung von Allerander Breu B. Ein hervorragender Chor, der mit zartester Einfühlung unter anderem den Choral Es ist ein Rof entsprungen" fingt. In dem darauf folgenden, fehr guten volkstümlichen Drefter tonzert spielt der Pianist Eisner mit souveräner Technik und schmiegsamer Weichheit Weber.

F. Sch.

aus Blech und der wackelnde Clown, die das Entzücken unserer Kindertage waren, noch leben? Den Dreiradfahrer löfte das Auto Notfiz und elektrische Beleuchtung, die Feuerwehrautos können ab, und was ein bischen besseres Auto ist, das hat heute natürlich selbsttätig bremsen und die Leiter aufrichten und selbstverständlich gehört zu den Autos jetzt auch eine Tankstelle, die sogar dent Namen einer befannten Benzinfirma trägt. Natürlich gibt es auch Flugzeuge aller Typen, und das großartigste ist ein Passagier­flugzeug mit innen beleuchteter Kabine aber das foftet auch beinah' n Taler, während man ein Leichtflugzeug" schon um fünf­undzwanzig Pfennige haben fann. Wer aber nicht fliegen und nicht auteln will, der fann sich für eine Mark und neunzig Pfennig schon einen eigenen Lunapart zulegen, mit Riesenrad, Flugzeug­

Mechanische Gans

farussell, Rasperletheater und Karussell oder einen Flugplatz, um den ein Flugzeug freist: Dann fann er sich alle Drängelei zu den Boltsflugtagen sparen!

Ganz neu aber ist in diesem Jahr mechanisches Spielzeug aus 3elluloid, statt aus melatem Blech. Da gibt es einen einen fleinen Hosenschieter,

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Schaukelpferd- und einen Steckenpferdreiter, wackelnde Weihnachts­männer, einen wilden Indianer und der verzweifelt trampelt, weil er die Höschen nicht herunter triegt. Beiber versagt der pädagogische Effekt dieses Struwelpeternach tommen immer gänglich, weil seine Berzweiflung selbst denen, die es angeht", viel zu viel Vergnügen macht... Für die Größeren aber gibt es diesmal zwei besonders feine Sachen: Erstens mal eine Terraton Gießerei", mit der man fich die famosesten Bauernhöfe nebst Kühen, Pferden, Gänsen und Hühnern selbst herstellen kann, noch dazu tann die einzelne Figur durch Haltung und Farbe gewandelt und das Gießmaterial immer umgeschmolzen werden; ein ganz famoses Beschäftigungsspiel, bei dem bloß zu betlagen ist, daß die Fabrit natürlich auch Soldatengußformen herausbringt, mit denen man sich unter dem Weihnachtsbaum ein finniges, tomplettes Schlachtfeld aufbauen tann mit allem Zubehör, selbst einigen detorativen Toten! Hoffentlich holt sich die Firma für diese Paradestücke noch öfter den gleichen Refus, wie von dem Abteilungschef eines unserer größten Warenhäuser: ,, Krieg und Tod sind tein Kinderspielzeug!" Die zweite großartige Sache ist ein Schmalspurtino", dessen winzige, nur mit einem Bergrößerungsglas deutlich erkennbare Bildchen bei der Projektion einen Durchmesser von anderthalb Metern bekommeng

Mech. Zelloloidpuppe

4/20

Automatische Sparkasse zehn Meter von diesem Filmband entsprechen vierzig Meter normalem Film, so daß man also bequem ein ganzes Filmprogramm in einer Zigarettenschachtel unterbringen kann. Leider kostet so ein famofer Apparat gegen vierzig Mark, und das ist wohl etwas mehr, als bei den meisten Leuten für die ganze Weihnachtsbescherung übrig ist! Aber vielleicht läßt sich dann ein ingenieujer Junge gut­willig mit der neuesten Registrieripartulie beglücken, die jeden gesparten Sechser und Groschen anzeigt und sich erst bei zehn Mart Spargeld gutwillig felbst eröffnet vorher geht's mur zehn Mark Spargeld gutwillig selbst eröffnet mit dem Büchsenöffner! Und das ist das tiefste Mißtrauen, das ich gegen alle diese Patentspartassen habe: Vor dem großen Schlüſſel Not" halten sie doch alle nicht Stand

Doch wir wollten ja von erfreulicheren Dingen reden: Bon Weihnachten und Weihnachtsgeschenken und den Dingen, die unserer neuen Jugend Freude machen. Das Beste wird wohl sein, man nimmt sich zum Aussuchen einen jugendlichen Sachverständigen mit, nimmt sich zum Aussuchen einen jugendlichen Sachverständigen mit, der forgt dann schon dafür, daß man nicht zu solchen Gedanken­abschweifungen tommt!

wird regnen.

CRESD