Nordnordwest und sehr böig. Wir fuhren von Saßniz auf Schlos Dwasieden zu. Unmeit der Hafeneinfahrt von Saßnik wollten mir wenden. Der aus Eisenstüden bestehende Ballast wurde schon auf die entgegengesezte Seite gepact. Der Wind faßte aber von hinten in die Segel, so daß das Boot halste, tenterte und ofort fant. Wir suchten schwimmend das Ufer zu erreichen. M. Kellermann sant nach kurzer Zeit in die Tiefe. Walter Haußmann hatte noch versucht, ihn über Wasser zu halten, was ihm aber nicht gelang. Wir hatten mit böigem Wind und starkem Spritzwaffer zu kämpfen. In einer Entfernung von etwa 100 Meter vor der Hafenmole erreichte uns der Schiffsmakler P. mit seinem Motorboot, der den Unfall beobachtet hatte. Er warf mir einen Rettungsring zu. Ich rief ihm zu, zuerst die beiden anderen zu retten, da • mich noch halten könne. Das Unglück wollte, daß sich die Leine n die Bootsschraube permidelte. Somit war das Boot nicht von der Stelle zu bewegen. Die Kräfte verließen die Gebrüder Haußmann und beide santen in die Tiefe. Ich wurde von dem Schiffsmakler P. in das Boot genommen. Hätte ich das Rettungsboot nicht gesichtet, hätten auch mich die Kräfte bald verlassen. Nur die nahende Rettung gab mir nochmals neue Kräfte. Die drei Ertrunkenen waren gute Schwimmer und nicht verheiratet. Willi und Walter Haußmann sind die Söhne eines Saßnizer Schuhmachermeisters, dessen Stütze sie waren. Ebenso war der Ertrunkene M. Kellermann eine Stüße seiner Eltern. Ein Saßnißer Bergungsdampfer nahm sofort die Suche nach den Leichen auf, jedoch konnten sie noch nicht geborgen werden.
Der Mörder Piechowski. Borbestraft verfolgungswahnsinnig gedächtnisstart. Lissabon , 10. Juni.
Bei einem neuen Verhör hielt Piechowsti seine früheren Aussagen aufrecht. Er teilte mit, er sei wegen eines Anschlages auf einen Deutschen am 17. Februar 1922 in einem Danziger Irrenhaus interniert worden, wo er neun Monate geblieben sei. Der Verbrecher, der ein völlig heiteres Wesen zeigt, macht den Eindruck eines am Berfolgungswahn Leidenden. Er schläft Tag und Nacht. Anscheinend besitzt Biechowski ein aus gezeichnetes Gedächtnis; er erzählt zahlreiche Vorkommnisse mit Daten und Namen, die auf Grund eines in seinem Besize vorgefundenen Buches von 400 Seiten Umfang mit seinen Lebenserinnerungen als richtig erkannt wurden; sein Geisteszustand murde untersucht. Die Polizei vernahm auch den Kommandanten des Kreuzers ,, Königsberg ", die beiden Matrosen, die den Täter feftnahmen, und drei andere Matrosen, mit denen der Verbrecher drei Tage vor dem Attentat gesprochen hatte, ohne daß diese Ause fagen irgendwelche wichtige Einzelheiten erbrachten.
Franz Piechowski hat nicht für Danzig optiert, sondern ist Preuße: Er ist bereits in jungen Jahren wiederholt bestraft worden. 1908 erhielt er von der Danziger Amtsanwaltschaft einen Verweis wegen Hausfriedensbruchs. 1909 und 1910 wurde er vom Schöffengericht in Danzig wegen Widerstandes gegen die Staatspewalt, Beleidigung und groben Unfugs zu Gefängnis verurteilt. 1924 tauchte er dann in Osnabrüd auf, wo er noch in demselben Jahre vom dortigen Amtsgericht zu einem Monat Gefängnis wegen Betruges verurteilt wurde.
Die Beisetzung v. Baligands.
Der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des ermordeten deut schen Gesandten Baligand wird mit dem deutschen Kreuzer Königsberg" nach Deutschland übergeführt, der am 14. Juni in Curhaven eintrifft. Von hier aus findet die Ueberführung nach München statt, wo die Beisetzung und Trauerfeier
erfolgt.
Blutiges Pfingsttreffen.
Kommunisten und Werwolfleute prügeln sich. Erfurt , 10. Juni.
Das Reichstreffen der kommunistischen Sportler in Erfurt hatte schon vor seinem Beginn einen der üblichen Zwischenfälle. Am
Sonntag früh, als die Kommunisten mit Kraftwagen die Gegend von Naumburg durchführen, kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Insassen eines der Autos. und Werwolfleuten, die in Bad Kösen eine Bezirtstagung abhielten. Drei Werwolfleute wurden dabei schwer und vier leicht ber
letzt. Das Auto der Kommunisten wurde in Weimar von der Landespolizei angehaiten und die Hallische Polizei nahm in Weimar diz Ermittlungen über den Vorfall auf. Drei Kommunisten wurden wegen Landfriedensbruchs verhaftet, die übrigen freigelassen. Am Montag hielten in der gleichen Gegend die Werwolfleute auf der Rückfahrt befindliche Kommunisten an. Es entwickelte sich eine Schlägerei, bei der eine größere Anzahl von Rom = munisten, die genaue Zahl steht noch nicht fest, verlegt wurden.
Heute vormittag gegen 11 Uhr haben 10 Offiziere und 135 Unteroffiziere und Mannschaften des französischen Infanterieregiments 170 im Sonderzug Kehl verlassen, um sich nach ihrem neuen Standort Gérabmer in den Bogesen zu begeben. Ein zahlreiches Publikum, das sich jeder Kundgebung enthielt, wohnte dem Abmarsch bei. Die Bahnsteige waren bis zur Abfahrt des Zuges von Doppelposten abgesperrt.
Marinekonflikt in Japan . Rücktritt führender Admirale wegen des Flottenabkommens
Der stellvertretende japanische Marineminister Bizeadmiral Yamanashi und der stellvertretende Chef des Flottenstabes Bize admiral Sunetsugo sind nach Totioter Meldungen zurüď. getreten.
Amtlich wird der Rücktritt der beiden Admirale mit dem all. jährlichen Wechsel in den führenden Stellen des Flottenfommandos erflärt. Es wird aber angenommen, daß der Rücktritt mit den Auseinanderseßungen über die Ratifitation des Londoner Flottenvertrages in Verbindung steht. Admiral
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Monarchenkomödie von Bukarest
Das Bild von der„ Königsproklamation" Carols in Rumänien wird allen deutfchen Monarchisten das Wasser im Munde zufammenlaufen lassen.
Die ältesten und schönsten Laubwaldbestände bedroht.
An zweiten Feiertag und am heutigen Dienstag ist der Stadt| forst von Bernau durch zwei Waldbrände heimgesucht worden, die sehr erheblichen Schaden angerichtet haben. Am Mittag des zweiten Feiertages entstand im Jagen 57 der Bernauer Stadtforst nahe dem Liepnissee durch eine Gruppe Jugendwanderer, die dort abgefocht hatten, ein Feuer, das bei dem starken Nordwind, der zur Zeit herrschte, schnell um sich griff und eine Schonung von 25 Morgen in Brand setzte. Die Bernauer und die Wandlizer Feuerwehren fonnten erst nach mehrstündiger Arbeit der Flammen Herr werden.
Weit umfangreicher ist der Brand, der am Dienstag vor mittag gegen 10 Uhr im Jagen 37 der Bernauer Stadtforst, etwa 10 Kilometer von der Stadt entfernt, entstanden ist. Durch Unachtsamteit von Wanderern entstand ein Brand, der bei der jetzt herrschenden Trockenheit mit rasender Schnelligkeit um fich griff. In faum einer Stunde waren bereits Bestände Don etwa 100 morgen von dem Feuer ergriffen worden. Da die freiwilligen Feuerwehren machtlos waren, entschloß sich der Magistrat von Bernau , gegen 11 Uhr drei Löschzüge der Berliner Feuerwehr zur Hilfe zu rufen. Sämtliche verfüge baren Arbeiter der Stadt wurden in Kraftwagen an die Brandstelle gebracht, während durch die Förstereien die Bauern der umliegenden Dörfer alarmiert worden waren. Trotz aller Anstrengungen griff mit zu den schönsten und ältesten Forsten der Mart bas Feuer auch auf den prachtvollen hochwald über, der Brandenburg gehört. Bei Schluß des Berichts war es noch nicht gelungen, den Waldbrand niederzukämpfen.
Beim Baden ertrunken.
Sechs Todesopfer der Feiertage.
Beim Baden außerhalb der Freibäder sind wieder fechs junge Menschen ertrunten. Im Müggelsee auf der Rahnsdorfer Seite am Jagen 265 ging vor den Augen vieler Ausflügler die achtjährige Schülerin Margot Ed aus der Friedrichsfelder Straße 42 plöglich unter. Rettungsversuche blieben In der Havel am Großen Fenster ertrant die 19jährige va Naumann aus der Knesebeckstraße 78/79. Auch in diesem Falle
wurde die Leiche bald gelandet.
Im Tegeler See bei Tegelort erirant der 25jährige Schmied August Krips aus der Spandauer Straße 29 in Tegel . Ein weiterer Badeunfall ereignete sich nicht weit davon an der
Scharfenberger Enge. Dort erlitt der Arbeiter Alfred Stahnte beim Schwimmen einen Herzschlag und ertrant. Gleichfalls im Tegeler See an der Werft der Sterngesellschaft in Tegelort ertrant der 25jährige Hugo Lewandowski aus der Moltkestraße in Tegelort. Schließlich forderte die Havel an der Gatower Badewiese noch ein Opfer. Den 20jährigen Kaufmann Kollenberg verließen beim Schwimmen plößlich die Kräfte und er ertrant.
Tote über Tote. Autoabfturz- Tunnelexplosion Dynamitexplosion.
Nähe von Souderton bei Philadelphia von der Landstraße ab und Während eines Regensturmes geriet ein Automobil in der stürzte in ein Wasserloch eines alten Steinbruches hinab. Die sieben Insassen, von denen sechs einer Familie angehörten, ertranfen.
Bei einer Eg plosion in einem Tunnel am CalaverasDamm im Bezirk Alameda wurden sieben Berfonen getötet und eine schwer verletzt.
Bei den Bauarbeiten für einen Wasserwerttunnel unter dem Detroit Fluß erfolgte eine Dynamit Explosion. Sechs Arbeiter murden getötet und sechs verlegt. Die Stätten der drei schweren Katastrophen liegen sämtlich in den Vereinigten Staaten .
Rätselhafter Doppelfelbstmord.
Junges Ehepaar in Spandau tot aufgefunden.
In Spandau hat sich ein rätselhafter Selbstmord ereignet. In der Wohnung im Hause Birtenstraße 21 fand man den 30jährigen Uhrmacher Georg Reigert mit seiner um sieben Jahre jüngeren Frau Herta in dem vöölig mit Gas erfüllten Schlafzimmer tot auf. Nach den polizeilichen Feststellungen ist Neigert mit seiner jungen Frau im gegenseitigen Einverständnis aus dem Leben geschieden. Sowohl die Gashähne in der Küche wie auch im Schlafzimmer standen weit offen. Böllig rätselhaft ist bisher das Motiv zu dem gemeinfamen Betzweiflungsschritt. Das Paar hatte im Januar dieses Jahres geheiratet und lebte anscheinend sehr glücklich. Die Lebensmüden haben auch keine Aufzeichnungen hinterlassen, die über die Tat Aufschluß geben könnten.
Chinesischer Dampfer gefunken. De beriete an die Kongrehtelinehmer einen glühenden Apell
Weber hundert Personen umgefommen.
New York , 10. Juni. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Schanghai ist der chinesische Dampfer„ Citung" in der Mündung des Yangtse auf einen Felsen gestoßen und untergegangen. Hundert Passagiere und die Mannschaft sind etfrunten.
Ein Opfer feines Berufsehrgeizes. Journalist von Schmugglern ermordet.
New York , 10. Juni. Der bekannte Redakteur der„ Chicago Tribune", Alfred Lingle, der sich hauptsächlich mit Kriminalreportage beschäftigte und zahlreiche Artikel über die Chicago er Unterwelt veröffentlicht hatte, wurde am hellen lichten Tage aus Rache von einer Bande von Spritschmugglern in den Straßen Chicagos durch einen Schuß in den Hintertopi getötet. Lingle hatte sich zur Aufgabe gemacht, hinter die Geheimnisse der Schmuggler zu kommen. Er stand mit den Polizeibehörden dabei in einem engen Bertrauensverhältnis. Aus Furcht, daß er Geheimnisse der Schmugglerorganisationen veröffentlichen könnte, wurde er getötet. Die Chicago Tribune" hat eine Belohnung von 25 000 Dollar auf die Ergreifung der Mörder ausgesetzt.
aur Einigung. Renaudel und Léon Blum betonten, daß die französische Sozialistische Partei trotz aller Diskussionen stets brüderlich einig bleibe. Niemand dente auch nur an die Möglichkeit einer Spaltung.
42 Freiwillige, die sich beim Angriff auf die Salzlager von Wadala beteiligten, wurden zu je drei Monaten Zuchthaus verurteilt, 36 wurden als Jugendliche behandelt und erhielten je einen Tag Gefängnis, 23, die erklärten, sie seien lediglich Zuschauer gewesen, wurden freigesprochen.
Zehn Mitglieder des Nationalfongresses in Bombay , darunter ein Neffe des vormaligen Präsidenten der gesetzgebenden Versammlung, Patel, die alle am Freitag bei der legten Polizeirazzia im Hauptquartier des Kongresses verhaftet worden waren, erhielten je sechs Monate Zuchthaus.
Das Schreckgespenst der Gpu. Doppelter Gelbstmordversuch eines zurüdgerufenen Sowjetfommiffors.
Warschau , 10. Juni. Auf der Eisenbahnstation Biala Podlaska , unweit der
Cato, arbeiten gegenwärtig eine Gelegesvorlage aus, in ber barau Frankreichs Sozialisten bleiben einig. Juridberufene jomjetrufflche sommiffat yta u mom fid) unier Die
hingewiesen wird, daß sich der Marineminister in Zukunft mit dem Flottenstab in Verbindung zu setzen und dessen Genehmigung zu erreichen hat, sobald er vertragliche Bindungen einzugehen beabsichtigt, die die Stärke der japanischen Flotte in Friedenszeiten berühren. Dieses Kompromiß wird, wie man hofft, den gegenwärtigen Auseinandersegungen über die Ratifitation des Flottenvertrages ein Ende machen.
Reden auf dem internationalen Bankett.
Bordeaux , 10. Juni. ( Eigenbericht.)
Auf einem Abendfest zu Ehren des sozialistischen Parisitages ertlärte der englische Delegierte Harry Shell, daß die englische Arbeiterpartei Indien die Rechte eines Dominions verfchaffen werde. Der Präsident der Arbeiter- Internationale, Bander
Räder des fahrenden Zuges zu werfen. Er wurde von einem Unbekannten, angeblich handelt es sich um einen GPU.- Agenten, an diesem Borhaben gehindert.
Kurz darauf brachte er sich mit einem Messer mehrere Stiche in den Unterleib bei. Dit schweren Berlegungen wurde er ins Krankenhaus gebracht. Naumow befürchtete, von der GPU. zur Berantwortung gezogen zu werden.