Copyright 1950 by Fjckelreiter-VerUs G.'in. b. H., Hamburg-Bergedorf (26. Fortsetzung.) Wir feniwn nicht inehr unsere Vergangenheit, wir sink» den�
satanischen Atem der Gegenwart geopfert und sollen die Aeckcr der Zukunft mit unseren Leibern düngen. Wir sind zeitlos,— gespenstisch huschen wir mit Helmen, Bajonetten, Maschinengewehren und Gasmasken durch Tag und Nacht: Kinder mit dem Handwerk von Mördern... unentrinnbar treiben wir dem letzten Tage unseres qualvollen Lebens zu. Zerschlagen erheben wir uns in der Frühe, todmüde taumeln wir abends in die Baracken. Erstorben ist das persönliche Denken. Nur manchmal spukt in uns ein fernes Bild aus den Tagen der Kindheit: eine Jungenschar am Bach, Spiele mit Speer und Tomahawk und Tänze und Zelte und Lagerfeuer,— wilde Romantik Karl Maoscher Gestalten.—— Man lächelt plötzlich zwischen Sturmongrisf und Lauswechsel am Maschinengewehr,... die Mutter ruft aus dem Fenster:„Peter! Komm rauf, mein Junge... Abendbrot!..."--- Bleich kauern wir hinter den Schutzschilden der schweren Maschinengewehre und streuen das Feld mit Blei ab: „Gees— rrrode auss—— Schützen! Visier achthundert! Punktfeuer! Schtopfcn!" Und dann eine weitausholende Bewegung der Knochenhand des Mordes: „Garbenfeuer!!"-- Vor mir ist die klar« Luft unter dem Döberitzer Himmel,-- weit vorne im Sande verzischen die Geschosse, und der Sand spritzt auf... Und in uns krampst sich die Angst zusammen... krallen sich die Fänge des Tcdes jest: „Garbenfeuer!!"-- Da sinken sie hin, die» Kameraden vom anderen Ufer, sinken lautlos hin wie Garben... Döberitz!... Letzte Station auf der Fahrt in das Nichts-- „Schützen wechseln!" Kilb, Bumann und ich, wir drei stehen hinler dem schweren Maschinengewehr und rennen uns gegenseitig bei den schnell auf- einanderfolgenden Befehlen fast um. Es geht schon über«ine halbe Stunde so: Einer vorne am Gewehr, einer hinten, der dritte trägt die schweren Wasser- und Patronenkästen, immer abwechselnd:„Schützen wechseln! Schützen— wechseln!" Dreimal, zehn-, zwanzig-, fünfzigmal:„Auf, marsch, marsch! Hinlegen! Auf, marsch, morsch!!" Das ist iinmer wieder der brutale Befehl, der uns über die Ebene peitscht. Zehn, zwanzig Meter, immer weiter rennen wir vor, über das weite, weite, tief- ochaßts Feld, das keinen Schatten hat, keuchen wir über diese ver- fluchte Wüste.-- Hier kann das Scheusal sich austoben, dieser neue Schinder, dem wir zugeteilt sind, der uns drei bewutzt aus dem Zug heraus- genommen hat. An Bumann und mir will er seine Wut auf die Hamburger auslassen, und wegen Kilb wird er Anweisung von oben haben. Es ist ein Unterofsizier, ein uns bißhcr vollständig Fremder, der plötzlich zum Zug kam,— ein Magdeburger . Er Hot eine von der Mitte ab nach der Seite zu verbogen«, grobknöcherne Nase, die ihn zu einem Verbrechertyp zeichnet. Er strömt eine un- heiinlicke Brutalität aus, steht inimer einige Schritte vor uns, wenn wir mit pfeifendem Atem nach Luft ringen und ihn von unten wie flehend anstarren, den nächsten Befehl erwartend. Es wird gemunkelt, er habe einmal in Berlin eine Braut gehabt. die aber später mit einem Hamburger Gefreiten durchging: Grund genug für ihn, vor allein alle Hamburger nach Herzens- Inst zu quälen, um so an diesen unschuidigen Opfern wegen seiner mißglückten Liebschaft Rache zu nehmen. Wieder steht er vor uns, hat die Hände in die Hüsten gestemmt, wackelt mit den Schenkeln und hat den Kopf etwas schief gelegt. Sein« Augen funkeln wie die eines tollwütigen Hundes:„Euch will ich stbon kriegen, ihr Wasserpolacken! So schön allein wie wir hier sind!" Wir sind abgeriegelt von aller Menschlichkeit und den Gelüsten eines wüsten Sadisten schutzlos ausgeliefert. Mindestens«inen Kilo- Meter weiter nach rechts exerzieren erst die anderen Gruppen. Er will uns ganz allein l)aben, deshalb hat er uns so weit von den anderen sortgejagt. Wie er jetzt vor uns steht, öffnen und schließen sich sein« Fäuste, als wolle er uns würgen. Und wahrhaftig, er würgt uns, ohne uns anzufassen. Seine Befehle hetzen uns und nehmen uns den Atem. Wie schwer, wie ungeheuer schwer ist das Maschinengewehr! Bei jedem Schritt zieht mir das Eisengewicht die Arme und den ganzen Oberkörper herunter und mir ist, als wollten die Gelenke ousspringen. Bei jedein Schritt sacken wir tief in die Knie und schlagen mit den Knochen an das Eisen. Schon fühl« ich es unter dem linken Knie warm rinnen,— es wird dort bluten. Ich kann nicht hinfossen. Wie angeschweißt krümmen sich meine Hände um die Arme des Schlittens. Und furchtbar quält niich der Hunger! „Oh oh oh oh... Phh... phh... phh... oh!" höre ich Bumann, der jetzt hinter mir anfaßt, stöhnen,— und gleich darauf: „Hi— hi— himmeldonner— h— weiter!:— Neben mir rennt Kilb mit den Kästen. Ihn und Bumann läßt der Teufel noch manchmal bei den Kästen ablösen,— aber mich muß er ganz besonders ge- sresien haben: denn schonungslos faucht er weiter und weiter meinen fast leblosen Körper an:„Auf! Auf! Schützen— wechseln!" Jetzt bin ich hinten am Gewehr, Kilb vorne, Bumann ist an den Kästen. Stellung!" Bei diesem Befehl können wir uns endlich längere Zeit hin- legen. Ich falje zusammen wie ein Sack. Lang ausgestreckt liege ich hinter dem Gewehr. Neben mir liegt Bumann, blaurot im
Gesicht. Seine Augen quellen hervor, seine Lippen sind weit ge- öffnet, ein Stück der Zunge liegt dick vor seinen Lippen. Er jappt nach Luft wie ein auf Land geworfener Fisch. Es ist ein gräßlicher Anblick, und mir wird dabei ganz übel.--- Plötzlich... das... das... ist... doch gar nicht... Buniann...— das bist du ja, Heini... Ganz deutlich sehe ich Langer neben mir liegen, wie damals auf dem Schleifstein. Armer, armer Freund, kannst du denn immer noch keine Ruhe finden?! Muß immer noch dein gehetzter Geist zwischen unseren grauen Reihen irren...? Ich kneife die Augen fest zusammen, um den grausamen Spuk nicht mehr sehen zu müssen,— ich öffne sie wieder, da erkenne ich Bumann... Hat mein Wachtraum etwas zu bedeuten? Sollt«... Bumann... denselben Weg... Nein! Bumann! Du darfst... dich... nicht... auch noch... Dann ist mir, als falle ich in eine» tiefen, finsteren Schacht, in meinen Ohren ist ein stetes Summen und Brausen... ich will aufstehen,— aber ich kann nicht... Wie abgetrennt fühl« ich den Schmerz im Knie... der Schweiß rinnt in kleinen Bächlein kitzelnd am Leib« herunter... jetzt kann ich mich überhaupt nicht inehr bewegen. Alle Glieder sind wie zerbrochen. Das Blut klopft in den Schläfen und in de» Augenhöhlen, in den Muskeln zuckt und zieht es. Und die Lust! Die Luft! Ich— kann— die— Luft nicht— durch— kjjiegeii. Ich bin ganz und gar am Ende. Ich will das Tier da vor mir nicht mehr sehen... nicht mehr sehen... So wende ich das Gesicht ganz nach unten auf den Boden und fühl«, wie der Sand mir in den Mund dringt... Einmal heb« ist»och ein wenig den Kopf. Wie ein rissen- großes, eisernes Gerüst steigt das Maschinengewehr vor mir auf ... und darüber starrt, groß wie ein Kirchturm, Kilbs Helmspitze... Hart schlägt mein Gesicht wieder in den körnigen Sand... Und dann wird es allmählich dunkler und dunkler um mich her ... mir ist, als wüchsen meine Glieder ins Riesenhafte... reckten sich... streckten sich�... mir wird wohlig wie damals als Junge. wenn ich mich nach heißem Spiel auf einer Wiese ausstreckte, und jetzt ist es ganz finster um mich her... Kommst du nun schon, Tod? Ach, du bist ja gar nicht so furcht. bar, wie sie dich immer machen... bist so milde wie eine Mutter- Hand, die sich auf die schmerzenden Wunden legt... Ich fühle keinen Hunger mehr, höre keine Befehle, sehe nicht mehr Aumanns verquollenes Gesicht, spüre überhaupt nichts mehr von all dem großen Elend... ---- und ich— kann--- endlich... schlafen... schlafen gehen... und niemand wird mich wieder in dieses un- menschliche Leben hineinwecken...
Ein unsagbar schmerzhafter Stich durchzieht mein Herz, alz sei ein Dolch hineingedrungen. Ich will aufspringen, da zuckt es zum zweiten Male, und ich erwache von meinem eigenen Stöhnen... Will denn der Teufel keine Befehle mehr geben, denke ich verworren und oersuche, den Kopf etwas zu heben, lind wie ich um mich blicke, sehe ich in der Dämmerung Kilbs Gesicht vor mir. Es ist ernst und besorgt, wie ich es noch nie sah. lind unter mir ist nicht mehr der Sand, sondern meine-- Feldbetlstclle... Dann komme ich allmählich zu mir und unterscheide einige Ge- räusche in der Baracke. Es klappern Teile eines auseinander- genoinmenen Maschinengewehres. Jemand pfeift, und das gleich- förmige Geräusch einer Stiefelbürste kommt aus einer Ecke. „Als wir dich hertrugen, haltest du Schaum vorm Mund. Wir dachten schon, du würdest uns abklappen", sagt Kilb und reicht mir einen Eßnapf mit einer dampfenden Brüh« hoch,„nun iß erst mal was." Es ekelt mich und ich schiebe den Picknapf zurück. Mir ist, als träume ich dies alles. Was ist denn überhaupt geschehen...? Wie schwerfällig die Gedanke» arbeiten... lind dann fällt mir langsam alles wieder ein... Kilb kommt mit einer Schüssel kalten Wassers und hebt meine Decke hoch, unter die man mich, ohne daß ich es merkte, gepackt hat. Ich bin ausgezogen, und nun sehe ich, daß ein Verband um mein Knie gewickelt ist. Darunter schmerzt und zuckt es wie Feuer...(Fortsetzung folgt.)
eBuch
Ein ruififcher Kriminalroman Der Fehler der meisten Kriminalroniane liegt in der Schema- tisierung der Personen und der Handlung. Ist einmal dieses Schema gefunden, dann entstehen Serienproduktionen wie bei Doyle, Wallace oder Fletscher. Die Verfasser pestalten keine Menschen und fragen nicht nach der psychologischen Wahrheit, sie begnügen sich vielmehr mit Schemen, die sie auf dem Schachbrett ihrer Handlung nach Gutdünken hin- und herschioben. Ein« der Ausnahmen von dieser wenig crsreulichen Regel bildet„Schnellzug Lenin- grad— Sewastopol" des Rosien L«onid Boris iow, ein Roman, der deutsch bei Georg Müller, München, erschienen ist. Borissow verfügt über dieselbe Technik wie die Engländer, näm- lich über die Technik des Retardierens, des Einschaltens � neuer Handlungselsment« kurz vor der Enthüllung. Der Aufriß des Buches zeigt also kein neues Gesicht. Aber dies ist von keincc entscheidenden Bedeutung, denn die Menschen werden hier ganz anders gesehen und gezeichnet. Sie gehen über das Typische hinaus und wachsen in das Persönliche hinein. Die Handlung ist trotz aller Spannung nicht die Hauptsache, sondern sie hat eher den Zweck, daß sich in ihr die Einzelschicksale aufdecke» mit ihren sonderbaren psychologischen und sozialen Voraussetzungen. Ein Mord an einer Frau ist geschehen. In den Verdacht gerät der entsprungene irrsinnige Galtin, der sich auch bei der Festnahme als Täter bekennt, trotzdem er unschuldig ist. Eine Aehnlichkeit mit dieser Stelle ist in Dostojewskis„Raskolnikow " zu sinde», der überhaupt Borissow beeinflußt zu haben scheint. Galkin ist ein' schwacher Mensch, dem eine Frau Haltung und Lebcnstüchtigkeit geben wollte. Innere Zerrissenheit, Krieg und Revolution trübten den Verstand. Die Frau erscheint ihm als lein Dämon. Er bricht aus und will sie ermonden, findet sie jedoch bereits ermordet vor. Aber der Wille ist ihm gleichbedeutend mit der Tat. Borissow bleibt bei der Schilderung dieser Vorgänge etwas verschwommen und oberslächlichcr als etwa Dostojewski . Abgesehen von der psychologischen Fundierung der Menschen bringt dieser russische Kriminalroman auch ein Bild von den Hinter- grüiülen sozialen Charakters, von der ganzen Atmosphäre um die einzelnen Figuren. Er gibt eine Skizze, wenigstens eine Andeutung von den Zuständen in Sowjetrußland. Ein paar Szenen stehen unter. anderem drin, die das Kinderelend illustrieren, es ist eine ruhige, objektive Schilderung. Die Menschen sollen aus ihren Voraus- setzunge» heraus begriffen werden, und damit überragt dieser Roman das übliche Niveau. I'ellx Scberrct.
Rät sei- Ecke des„Abend"
Königszug
Kreuzworträtsel
Silbenrätsel
H.L.
Aus den Silben a ahn ball bak b« bend da« her her im ka ku lo lot m« ment ne num o ren fa ser fer so ta to was was ze sind 11 Wöner zu bilden. Di« Anfangs- und Endbuchstaben ergeben, beide von oben nach unten gelesen, einen zeitpemoßen„Wahlspruch".— Die Wörter bedeuten: I.Sport- gerät: 2. Tageszett: 3. gerode Fläche: 4. Stadt in Italien : S. Gesell- schastsspiel: B. Genußunttel: 7. Amerikanisches Getränk: 8. Stadt in Japan : 9. Baustoff: 10. Bien«: 11. Vorgänger(Mehrzahl). eck. Oer Beruf Aus den Silben ar ar bei brau cel chauf cher dak dank«i ein er erd se fer feur för ge gie hei heil hil in lch ler list ma r« rer schif sen her sei ster tän ien' ter teur tist uhr zer zcr sind die Namen von 16 Berufen zu suchen und so untereiuanderzustellcn, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, auch einen Beruf nennen.»d.
Waagerecht: 1. Reichs» tagspräsident: 4. Feldblume: 7. Musiksaal: 6. Nebenfluß der Elbe in Hannooer: lü. Himmelsrichtung: 12. hol- ländischer Landschaftsmaler: 13. See in Nordamerika : 14. Feuerungsstätte: 17.Kleidungs- stück: 20. Ostseebad: 21. Hauch: 22. Stoffwechselkrankheit: 23. Mordraserei: 24. weiblicher Vorname.— Senkrecht: 1 französische Industriestadt: 2 Gesandter: 3. Ndbenslnh der Fulda : 4 altdeutsches Schrift- zeichen: 5. Liebesgott: 6. Pia- »et: S. landwirtschaftliches Ge- rät; 11. körperlich anormaler Mensch: 14 nordische Sapenfammlung: 15. russischer See: 16 epische Dichtkunst: 17 männliches Haustier: 18 Männername: 19. Frauenname. hl.
Defuchskartenrätfel
ERIKA NUSSTALER
Wo wohnt diese Dame? (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.)
IL S.
Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Silben kreuz Worträtsel: Waagerecht: 3. Locarno ; 5. Urne: 7. Legten: 6. Meter: 9. Roggen: 11. Reichsbanner; 16. Agitation.— Senkrecht: 1. Silo: 2. Bruno: 4. Carmen: 6 Nemesis: 7. Legend«: 10. Turban; 11. Reichstag : 12. Nerven; 13. Lea; 14. Berta: 15. Lyon ; 17. Gigant: 18. Titel. Füllräts«l: 1. Ludwig: 2. Altona: 3. Keller: 4. Ballon; 5. Kobalt; 6. Kessel. Zahlcnrätsel: Wahlrecht ist Wahlpflicht: Asche: Hecht; Lift: Rippe: Esel: Celle : Harfe: Teller; Isar ; Sichel: Toerese; Watter; Affe: Halle; Leiter: Pille; Flasche; Lippe; Zller: Ecllist; Hirsch: Tasse. Rösselsprung. Dreier Leben ist kein Leben: Wer das Gnadenbrot seines Nächsten essen muß: wer mit körperlichen Leiden behaftet ist; und wer unter dem Pantoffel steht. Aus dem Talmud . Silbenrätsel: 1. Wien ; 2. Ägir; Z. heliotrop: 4. Lid; 3. Toast: v. Lupe: 7. Tnsluenza; 8. Sanatorium: 9. Tokio : 10. Eigentum: 11. Eskimo; 12. Znsulancr; 13. Misse; 14. Sozialdemoiratie. — Wählt List« eins!