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Nr. 592» 47. Jahrgang<��01*10(61�(0 Freitag, 1t 9. Dezember 1930

Das Gerede über Scheuen. Das Ltrteil gegen den kommunistischen Redakteur.

Zm VeleMzungsprozeh der StadkrZNn Clara weyl gegen den Redakteur des..Verlin am Morgen", Dr. 5 r e y. der sich auch Arey- sladt nennt, wurde der Angeklagte wegen übler Nachrede (K 186 RStGG.) zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Klägerin hat das Recht, den erkennenden Teil imV o r w ä r t s", imBerlin am Morgen", derRoten Zahne" und imBerliner Tageblatt" zu verössenllichev. In seiner Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Rüder aus: »Der Angeklagte hat behauptet, daß Stadträtin Wey!»den Totschläger und Menschenschinder Straube" begünstigt habe. Ihre amtliche Tätigkeit habe der Verdunkelung des Verbrechens und der Begünstigung des Verbrechers gedient. Der Wahrheitsbeweis ist vom Angeklagten zwar angetreten, aber nach Ansicht des Gerichts nicht geglückt. Begünstigung verlangt nach§ 257 RStGB. Vorsatz und Wissen. Das Gericht hat die Frage der Begünstigung aber nicht nur rein juristisch, sondern auch vom moralischen Standpunkt aus geprüft, da ja auch der AusdruckTotschläger" nicht in volkstüm­lichem Sinne ein sittliches Werturteil darstellen sollte. In ihrer Rede in der Stadtoerordnetenoersammlung vom 18. März 1950 hat Stadträtin Weyl nach Anficht des Gerichts ihre Darstellung über Scheuen nicht wider besseres Misten gegeben. Es fehlte ihr die Kenntnis der vorgeblich schweren Verfehlungen des Direktors Straube, die jetzt in einem Strafverfahren nachzu« prüfen find. Die Bezeichnung Totschläger bezieht sich auf den Fall des Zöglings Ledebour , der, nachdem er in Scheuen mitzhandell worden war. gestorben ist. Der BegriffMenschenschinder" bedingt srrtlaufende Quälereien und Mißhandlungen. Bei einer Begünsti- gung der Menjchenschinderei muß bewußte Duldung solcher Miß- Handlungen vorliegen. In ihrer Red« vom 18. März kannte Stadt- rätin Weyl die Zustände in Scheuen noch nicht genügend, um«in« andere Darstellung geben zu können, wie sie es getan hat Als ihr dann der FallHoffmann bekannt wurde, in dem einem Zögling nach Mißhandlungen Salz in die Wunden gestreut worden war, hat sie Straube entfernt. Zran Weyl ist eine PersänNchkeit, die avf eine Zahrzehvke lange mühevolle ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste der Dolkewohlsahrt zurückblickt. An ihrer ehrenwerten Gesinnung ist nicht zu zweiselo, und eine Pflichtverletzung, wie sie in dem inkrimitierten Artikel behauptet wird, ist mit ihrer Persönlichkeit schlechthin unvereinbar. Sie mag von Mißständen nichts gewußt haben, aber daß sie syst«- matische Mißhandlungen begünstigt hat. ist nach Ansicht des Gerichts ausgeschlossen. Scheuen lag ihr besonders am cherzen, weil hier ein neuartiges Erziehungssystem versucht wurde. Es liegt aber kein Anhalt vor, daß sie deshalb aus Vorein- genommenheu Prügeleien geduldet oder gar gebilligt hat. Bei dem ihr unterstehendem sehr großen Geschästskreis mutzte sie sich in Einzelheiten auf die Berichte ihrer Untergebenen verlassen. Sie unternahm nichts ohne den Rat ihres Hauptdezernenten, des be- währten, körperliche Züchtigungen nicht billigenden Obermagistrats- rats Knauth. Trotzdem schloß sie die Augen nicht, und als ihr der erste Bericht au» Scheuen am tll. Zebruar zuging, fuhr sie in die Aostall und befragte die Zungen in Abwesenheii von Straube. Der Zeuge Puls hat bekundet, daß er ihr absichtlich die erhaltene Züchtigung verschwiegen hat. Beschwerden, die vorher über Straube «ingegangen waren, hat sie nachgeprüft und dem Direktoreine ernste Verwarnung erteilt. Ob ihre Anweisung auf der Konserenz in Borgsdorf , bei Mißhandlungen erst die Anstaltsleiter zu hören, pädagogisch zweckmäßig war, ist zweifelhaft: Zöglinge finden an sich schon schwer ihr Recht. Daraus aber zu folgern, daß

si. Mißhandlungen systematischer Art duldete und Straub« ungestört prügeln lassen wollre, geht nicht an. Zudem meint: sie, daß schon das allgemeine Prügelverbot und die besondere Verwarnung Slraubes diesen an Ilebergrifien hindern würden. Be: einem gelegentlichen Schlag, der in großer Erregung geführt wurde, kann an ein gewisses menschliches Berstehen gedacht werden. Das hat aber noch nichts mit systematischer Prügelei zu tun. Ein Beweis dafür, daß Frau Weyl von denSaalplatten" und derTopfkratzer- gruppe" gewußt hat. ist nicht erbracht. Als sie ober durch das Be- kanntwerden des Falles Hoffmann ihr Vertrauen zu Straube ver- loren hatte, beurlaubte sie ihn sofort. Daß dies nicht schon vorher geschah, war die Folg« davon, daß Direktor Skraube ihr wesenllichs Vorfälle wissentlich verschwiegen hatte. Im Strafmaß mußte man darauf Rücksicht nehmen, daß Frau Weyl ein« im öffentlichen Leben stehende Frau ist, die eine schwere Verantwortung trägt."

Staatsanwaltschaftsrat Schöndorf hatte in seinem Plädoyer 1000 Mark Geldstrafe beantragt. Auch er betont«, mit wie großer Sorgfalt und Liebe Frau Weyl ihr schweres Dezernat seit Jahren uneigennützig ehrenamtlich verwaltet hat. Der Vertreter der Neben- klägerin, Rechtsanwalt Srcgfried Weinberg, schloß sein Plädoyer mit den Worten:Auch nicht der Schatten eines Vorwurfs ist geblieben. Erhobenen Hauptes verläßt Frau Weyl den Gcrichtssaal." * Kein Gesitteter wird die Vorgänge in Scheuen billigen oder entschuldigen. Wenn ein Fürsorgezögling so geschlagen wurde, daß er starb, wenn man einem anderen nach rohen Mißhandlungen Salz in die Wunde schmierte, wenn«ine bevorzugte Gruppe mit Gummiknüppeln und Haken ausgerüstet war, um ihre Kameraden verprügeln zu können, dann sind es gerade wir Sozialdemo- traten, die solche beschämenden Vorgänge aufs tiefste beklagen und verurteilen. Das Lebenswerk der Frau Weyl ist der Jugendwohlfahrt gewidmet, und niemandem liegt eine menschliche Behandlung der Fürsorgezöglinge mehr am Herzen als ihr. Es gehört schon ein hohes Maß politischer Verhetzung dazu, gerade dieser Frau deshalb, well sie von einem ihrer Untergebenen belogen wurde, vorsätzlich« und bewußte Begünstigung von Menschen- schinderei vorzuwerfen.

Oer Kommunist fühlt sich gekränkt. Geht zum preußischen Richter und klagt.

Das Morgrnblättchen des Herrn Münzenberg,Berlin am Morgen", wähl- und zügellos in seinen Beschimpfungen von Sozial. demokraten , ist selbst äußerst empfindlicher Natur. Als der Stadtrat Reuter angesichts der Verleumdungen von städtischen Beamten in Derbindung mit der Sklorek-Asfäre vonstrolchhaftem Der­balten" sprach, lief der Chefredakteur Frey der ZeitungBerlin am Morgen" schnurstracks zum Kadi und strengt« ein« Privattlag« wegen formaler Beleidigung an. Die von Reuter geübte Eharakteri- sierung de« Berhaltens des Münzenberg -Blattes geschah aber au« folgender Deranlasiung: In die Hände der Redaktion desBerkin am Morgen" war die berüchtigte schwarze Kladde der Berliner Anschaffungsgesellschast gefallen; sie enthielt die Namen der städtischen Beamten, die von der Anschaffungsgesellschast Waren bezogen hatten. Das Münzen. berg-Blatt unterstellte nun ohne weitere Nachprüfung, daß sämtliche in der schwarzen Kladde genannten Beamten Korruptionsgeschäfte gemacht hätren und richtete an die Berel lBerlmer Reklainegesell- schaft) das Ansinnen, ihm zu gestatten, die Namen der Beamten an den Litfaßsäulen zu veräfsemlichen. Wegen der Ablehnung dieses Ersuchens beschwerte sich das Blatt bei dem Aussichtsrat der Berel. Der Aufsichtsrat stimnüe aber dem abschlägige» Bescheid zu. Am Schluß der Sitzung machte der Stadtrat Reuter die Aeußerung über das strolchhafte Verhalten des Münzenberg -Blattes. In der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Berlin -, Mitte ging Stadtrat Reuter auf die Vergleichsversuche des Amts- gerichtsrat Büchert überhaupt nicht ein. Dagegen gab er eine außerordentlich einleuchtende Erklärung für den von ihm gebrauchten Ausdruck. In der Unterstellung desBerlin am Morgen", sämtlich« in der schwarzen Kladde aufgezählten städtischen Beamten hätten Korruptionsgeschäft« gemacht, habe er eine unerhörte verunglimpsung der städtischen Beamten erblickt. und zwar um so mehr, als die Beamten stets aufgefordert worden seien, ihren Bedarf bei der Anschassungsgesellschasl zu decken. Rechtsanwalt Dr. Landsberg ergänzte in überzeugender Weise die Ausführungen Reuters . An Hand zahlreicher Zitate aus ver- schiedenen Nummern desVerlin am Morgen" wies er nach, in

welchuaglanblicher Weis« die städtischen Beamten verleumdet worden feien. Es war dem Münzenberg -BIatt lediglich darum zu tun, die Beamten unter mißbräuchlicher Ver wendung der schwarzen Kladde herunterzureißen. Reuter, der wohl gewußt habe, daß es sich um reguläre Kaufgeschäfte gehandelt habe, hatte sich aus diesem Grunde veranlaßt gesehen, die ihm jetzt in- kriminierte Aeußerung zu machen. In Wirklichkeit stehe ihm aber der A 193(Wahrung berechtigter Interessen) zur Seite. Es könne auch keine Rede sein von einer Ueberschreitung der Grenzen des Z 193. Reuter habe nicht geschimpft. Die Aeußerungstrolchhaftes Verhalten" entspreche der Sachlage. Ein Hebers all auf die Ehre von Männern sei durchaus vergleich. bar mit dem Angriff eine» Strolches auf der Slratze. Die Absicht der Beleidigung habe somit nicht vorgelegen. Die Aeuhe- rung habe auch keine Beziehung zur Person des Privatklägers. Reuter habe nur den Verfasser gemeint, nicht aber den Chefredakteur, der rncht für olle Ressorts verantwortlich fein kann. Er habe auch nicht wissen können, daß es eben der Chef- redakteur gewesen sei, der die Kampagne«ingeleitet habe. Aus ollen diesen Gründen sei Stadtrat Reuter freizusprechen. Das Gericht setzte den Verkündungstermin für das Urteil auf den 23. Dezember fest. n-' Fuhrwerk auf Bürgersteig. Drei Passanten überfahren und verleiht. In der B ru n n en st ra ß« scheuten gestern nachmirtag die Pferd« eines Geschäftsfuhrwerkes und gingen durch. Die Tiere rasten aus den Bürgersteig und liefen in die Schaufensterkasten eines Zigarrengeschäfts im 5)ause Brunnenstr. 17 hinein. Drei Fuß­gänger, zwei Frauen und ein Mann, die in diesem Augenblick die Unfallstelle passierten, wurden von d�m Gespann über« s a h r e n. Während zwei der Verunglückten glücklicherweise mit leichteren Verletzungen davonkamen, wurde die 42jährige Frieda B u r g h a r t aus der Eulcrstraße so schwer verletzt, daß sie ins Lazaruskrankenhaus übergeführt werden mußte. Einige beherzte Passanten hielten das Fuhrwerk an.

Blitzschnell überlegte er und fing dann an zunächst nur stockend, von Satz zu Satz aber sicherer werdend die Ge­schichte eines Prozesses zu erzählen. Er log, was das Zeug halten wollte. Bis in die kleinsten Einzelheiten hinein setzte er dem Feldwebel die juristische Sachlage auseinander, ja dag die umfängliche Kompagniemutter aus dem Staunen überhaupt nicht mehr herauskam. Sieh mal einer an, der Eisennann! Wie der sich in den Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches auskannte. Zum Staunen! An dem war ja ein halber Advo- kat verloren gegangen! Der Schwindel wirkte. Lierundzwanzig Stunden später, genau zur gleichen Zeit. da seine Kameraden in Stellung marschierten, fuhr der Pionier Eisermann auf sieben Tage in Urlaub. Eine Woche Urlaub, das war nicht viel. Und doch spürte Ludwig, während der MUZ. Berlin zu- stob, diese sieben Tage waren mehr wert als Gold: denn sie rissen ihn aus Grauen und Grausen. Er sah, welche ungeheure Macht im Gelde steckt. Wie hatte ihm doch in seiner Anfängerzeit Vater Eisermann vom Schufterschemel aus gepredigt:Geld. Ludwig, bockt vor keinem Hindernis!" undWer mit Geld schießt, trifft ni' da- neben!" Der Aste hafte recht mit seinen Sprüchen. Geld regierte die Well! Sein Urlaub war ein Musterbeispiel dafür. Ohne Geld wäre er nie zustande gekommen. Nur dadurch, daß Maria kein« Mittel gescheut hatte, hafte die Advokatenschreib- kftaschiue bis an die Front hin geklappert, sogar das urwell- liche ychschußgedröhn der Haubitzen und der eingebauten Schiffr-geschütze überdröhnend. Jawohl Geld war der Nerv aller Dinge!_ Zu Hause halle sich manches geändert. Seine Frau sorgte stA und traurig für die beiden Kinder. Ischa war zu einem kümmerlichen, schmalbrüstigen

Mädchen aufgeschossen. Ihr fehlte die richtige Nahrung, die der Körper in diesen Entwicklungsjahren brauchte, um sich zur vollen Weiblichkeit zu entwickeln. Franz, sein Liebling, war klein geblieben. Er hatte noch immer seine Pausbacken. Ihm war von den mannigfachen Schäden, mit denen der Krieg gerade die Kinderwelt heim- suchte, nichts anzumerken. Stolz zeigte er Vater seine bunte Schülermütze. Maria hatte ihn nämlich ohne Wissen und Willen Ludwigs in ein Gymnasium eingeschult. Da gab es schon in der ersten Wiedersehensstunde eine stürmiscke Meinungsverschiedenheit. Mumpitz!" schrie Ludwig,was brauchst du dem Jungen solche Flausen in den Kopf zu setzen. Für den wäre die Volksschule immer noch gut genug gewesen. Nicht studieren soll der Bengel, kein Bücherwurm soll er werden, nein, unter meiner Anleitung soll er das Tischlerhandwerk lernen und mein Nachfolger werden!" So?" fragte Maria spitz,unter deiner Anleitung? Bist du denn gewiß, Ludwig, daß du überhaupt heimkehrst?" Er sah seine Frau betroffen an. Nicht heimkommen? An diese Möglichkeit hatte er noch gar nie gedacht. Durchaus nicht. Er war noch so erfüllt von sich, daß er den Gedanken an ein Unglück oder gar an Sterben weit von sich stieß. Nein", sagte er,komm mir nicht gleich mit Heldentod! Ich habe den Schwindel längst durchschaut. Ich habe gesehen, daß man mit Geld alles erreichen kann. Sonst säße ich ja nicht hier an diesem Tisch!" Er lachte, wie um ein unangenehmes Gefühl los zu werden. Ich werde in keinem Massengrab enden! Ich schwöre dir, Frau, ich werde alles daran setzen, um aus diesem Kakao her- auszulommeu. Vielleicht kann ich mir für mein Geld irgend- eine Krankheft kaufen, die mich d. u. macht. Ich Hab ja mit eigenen Augen gesehen, was an Simulation alles möglich ist. Warum also nicht?!" Maria staunte über ihren gerissenen Mann und berichtete ihm. was sül) in seiner Abwesenheit olles zugetragen hafte. Der alte Hauswirt war gestorben. Sein Nachfolger hafte von ihr verlangt, daß sie für die Wertstätte, trotzdem nicht mehr darin gearbeitet wurde, doch den ganzen Krieg über die volle Miete bezahle. Ich wußte ja nicht, wie alles komme« würde", sagte sie

entschuldigend.Da habe ich eben alles abmontieren lassen und die Werkstatt geräumt. Jetzt ist sie an jemanden anders vermietet. Du brauchst dir aber keine Gedanken zu machen, die Maschinen und Werkzeuge sind gut verwahrt. Da kann nichts wegkommen!" Ludwig weinte fast bei diesem Bericht seiner Frau. Mit Wehmut, richtig weich geworden, dachte er an all die bösen und guten Tage, die ihm in dieser Werkstätte so wechselseitig beschieden gewesen waren. Es griff ihn so an, als wäre an seiner Seite ein guter Kamerad gefallen. Die Wertstaft aufgeben, das bedeutete für ihn das Ende seiner wirtschaftlichen Existenz. Jetzt war er nur noch auf seine ersparten Mittel angewiesen Er hatte ja, wenn er's recht be­dachte, reichlich zum Leben. Aber... Doch da war schon seine Frau und zeigte ihm einen Brief, den Sandow vor kurzem geschrieben hatte. Begierig las Ludwig die Mitteilung seines ehemaligen Werkführers. Er war, wie er's damals beim Abschied voraus- gesagt hatte,weit vom Schuß" und leitete irgendwo in ge- sicherter Etappe ein Lazarettrevier. Ludwig taute auf, als er fertig gelesen hatte, und freute sich aufrichtig, daß es fein treuer Gefährte besser hatte als er. Er besuchte seinen Vater, der die Hände überm Kahlkopf zusammenschlug vor Verwunderung, so unvermutet seinen Sohn zu sehen. Na, Ludwig, Goldjunge, wie hast du das angestellt, daß sie dich auf ein paar Tage losgelassen habe«?" Der Schuhmachermcister lachte Tränen, als ihm Ludwig ausführlich den gelungenen Streich erzählte. Der Alle arbeftete jetzt für sich allein, ohne Gesellen. Da- bei hafte er aber Arbeit für drei gehobt. Doch nichts zu machen. Junge", sagte er wehleidig, weißt du, die Schuster muhten eben auch mit in den Krieg ziehen." Ludwig vertröstete ihn auf eine bessere Zeit. Der Alte schüftell« abwehrend den kahl gewordenen Kopf. Längst noch, nachdem Ludwig gegangen war, stand der Alle in der grünen Schürze unter der Ladentüre und schaute die Straße hinunter, als könnte er noch einmal das Bild feines großen Jungen auftauchen sehen. Er mußte die Brille abnehmen, so� waren die dicken Gläser von Tränen beschlagen. (Fortsetzung folgt.)