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ÄcrTw zugebracht. Bracke und Genossen sahen »vegen Hochverraths entgegen, ebenso Bebel und Liebknecht. Die Pariser Kommune war eben unterlegen und wurde von den Gegnern in Strömen Bluts ertränkt, die Jnter- nationale was in fast allen Ländern geächtet, in Deutschland aber waren die herrschenden Klassen überniächtig und förmlich berauscht von dem S>egcsjubel; die Anbetung desErfolges", der in diesem Fall noch von dem Segen der Milliarden begleitet war, ließ keinerlei nüchterne Ueberlegung aufkommen, der Gründerschwindel und der Kankan feierten ihre Orgien in dem neuerstanvenenReiche der Gottesfurcht und fromme» Sitte" wie sollten da die Gegner, die Vertreter von Besitz und Bildung" und zugleich über die stärkste Heeres- macht zum Schutze derOrdnung" gebietend, nicht triumphircn über das ohnmächtige Häuflein sozialdemokratischer Arbeiter! Was wußten jene Anbeter des Säbels und der Millionen von der Macht der Idee? Alle Verfolgungen konnten die Begeisterung und Kampffreudigkeit der Sozialdemokratie nicht abschwächen; welche Schläge sie mich erfuhr, sie betrachtete sie stets nur als die E t a p p e zukommende» Siegen und sie hat sich nie darin getäuscht. Was hat unsere Partei nicht alles erfahre» in diesen LS Jahren; wie oft ist sie schonvernichtet" und todtgesagt worden: sie überstand nicht nur alle Gefahren und Verfolgungen, fondern ging aus ihnen stets mit erhöhter Kraft hervor." Wir leben jetzt gerade in der Zeit der Jubiläen, aber wie großen Pomp diese auch entfalteten, keine andere Partei konnte es bei ihren Jubiläen zu solcher Freudigkeit und Siegeshoheit bringen, als wie sie unser Bruderblatt ausdrückt. Wir begleiten das Jubelfest desBraunschw. Volksfreund" mit unseren herzlichsten Wünschen und hoffen, in ihm auch ferner einen tapferen und treuen Kampf geführten zu erblicken. der Anklage, bedeckt, von den Hyänen belästigt, unterwegs aufgelesen habe und " dies drei Tagereisen von der Küste; daß Lieutenant Werther ferner zwei Tagereisen von Bagomoyo in der Landschaft Ukwere. ebenso in Tschaugarigua in der Nähe von Muhama(Useguha) Krieg gemacht, wobei ein Mann erschossen und einer gefangen genommen wurde, und daß er den allgemein bekannten Jumbe Ibrahim, der selbst während des Araberaufstandes zu den Deut- scheu gehalten hatte, als Gefangenen mit nach Bagamoyo ge nommen habe." Diese Thatsachen darin hat Herr Wolff jedenfalls recht genügen allerdings, um den Lieutenant Werther als durchaus ungeeignet zum Zivilisator in Afrika erscheinen zu lassen. Man muß abwarten, ob der Regierung jene Thatsachen bekannt waren, als sie Herrn Werther mit einein Befehl betraut hat. Deutsches Beamtenthum vor Gericht. Zwei Auf sehen erregende Prozesse sind am Freitag und Sonnabend zu Ende gegangen. In S t o l p wurde der Bernstein- waaren- Fabrikant Westphal freigesprochen und aus Frankfurt a. M. wird telegraphirt: In dem Prozeß gegen die E i s e n b a h n s ch a s f n e r wegen des Fahrkarten-Unterschleifs wurde heute Vormittag 8 Uhr das Urtheil verkündet. Dasselbe lautet gegen die Schaffner Christian Müller und Adam Schmidt auf je I Jahr 2 Monate Gefängniß, gegen Philipp Heimlich auf 10 Monate, gegen Johann Burkhard auf«Monate und gegen den Perronwärter Heinrich Preß auf 2 Monate 3 Tage Gefängniß." Die näheren Mittheilungen über den Verlauf der Vev Handlungen am letzten Tage des Prozesses in Frankfurt liege» noch nicht vor, sodaß sich noch nicht bcurtheilen läßt, was den Gerichtshof zu seinem Erkenutniß geführt hat. Jndeß ließen die Verhandlungen wohl kaum einen Zweifel darüber bestehen, daß verschiedene Schaffner sich zu aller- Hand ungesetzlichen Handlungen hatten verleiten lassen. Es kam also wohl hauptjächlich darauf an, zu ermessen, in- wieweit ihnen mildernde Umstände zuzubilligen waren. Da mußte es allerdings schwer ins Gewicht fallen, daß die Schaffner durch ihre kärgliche Besoldung bei schwerem, ver- antwortungsvollen Dienst der Versuchung, Bestechungsgelder zu nehmen, leicht zum Opfer fallen konnten. Dazu kommt, daß sie zu den Vergehen verleitet worden sind durch andere Beamte, die auf eine solche Verleitung augenscheinlich als eine Verfeinerung ihrer polizeilichen Kunst äußerst stolz sind. Dem Gerichtshof ging diese Verbrechenerzeugniigs-Diethode aller- dings derart gegen den Strich, daß er, wie am Donnerstag bereits mitgetheilt werden konnte, die Vereidigung der Polizei- lichen Verleiter und ihres auS Zuhälterkreisen eist- nommenen Gehilfen ablehnte. Dem Staatsanwalt aber es ist das ein interessantes Beispiel der verschiedenartigen Werthschätzung von Amtshandlungen imponirten die Polizeithaten in Frankfurt derart, daß er erklärte, die Ver- brechensverleiter hätten sich um den Staat verdient gemacht. Diese Erklärung zerstört allerdings die Erwartung, die man sonst wohl hätte hegen können, daß nunmehr auch die An- pifter der Frankfurter Vergehen zur Verantwortung ge- zogen werden könnten; die öffentliche Meinung wird indeß auch so, ohne Beihilfe der Staatsanwaltschaft und in einem entgegengesetzten Sinne ihr Urtheil fällen. Man muß, um die Vorgänge in Frankfurt vollauf würdigen zu können, damit zusammenhalten, was in Stolp in den, Prozeß Westphal zu tage gekommen ist. Wir meinen, nicht sowohl die Schäden, die aus gewerblichem Gebiete das Bernstein -Monopol der Firma Stantien u. Becker an- gerichtet haben soll, sondern die Enthüllungen über die Beziehungen des Millionärs Becker zu der Beamtenschast, die ihn zu dem Ausspruch bewogen haben sollen:Bei uns ist es genau so wie in Rußland ." Die unaufhörlich in der Patriotenpresse durchgekaute Renommage von der»»über trefflichen Lauterkeit des Beamtenthums ist uns selten so unangebracht erschienen wie in diesen Tagen. Deutsche Kulturträger tu Afrika . Der Afrikareisende Eugen Wolff hat jetzt seinen Protest gegen die Ernennung de? Lieutenants Werther zum Führer einer Expedition durch die Anführung von folgenden Thalsachen begründet: Als er am 24. Mai, vom Vikwria-See kommend, in der Landschaft Jrangi emtraf und sich dar Ortschaft Usiana näherte, bemerkte er zu seinem Erbaunen,daß die sämmtlichen Viehheerden eiligst in die Berge getrieben wurden, auch daß die Weiber und Kinder in die Berge flüchteten." In Jrangi angekommen", fährt Wolff fort,erfahre ich, daß Lieutenant W e r t h e r den den Karawanen bekannten Weg Usya- Jramha- Turu- Ngurubi- Mangati- Wasi- Jrangi gezogen sei. Er habe mit den Einwohnern von Tschangaha (Wawasis), die»ach seiner Angabe seine Askaris(eingeborenen Soldaten) bedroht haben sollten, Krieg geführt, zwischen KV und 60 Man» getödtet, sechs Rühe, viele hundert Ziegen mitgenommen, etwa dreißig Leute Weiber, Mädchen und kleine Kinder gefangen genommen und sie mit nach Jrangi geschleppt; dem Araber Muhamed bin Said i» Jrangi habe er für dessen Betheiligung am Uebersalle 4 Kühe und 100 Ziegen abgelassen." Für die Betheiligung des genannten Araber? an dem Ueber- fall erbringt Wolff einen Brief Werlhers an den Häuptling. Durch sorgfältiges und geordnetes Verhör einer Anzahl Zeugen ermittelte er die Wahrheit jener Erzählung. Im ganzen seien 33 Weiber und Kinder von seinen und des Araberhäuptlings Soldaten nach Jrangi geschleppt worden. Werther sei nach der Küste abgezogen und hätte die Ge- fangenen bei den Arabern Jrangis zurückgelassen unter der Ver­pflichtung, daß die Schuldigen(d. h. die Mitglieder des von ihm angegriffenen Stammes) für die Auslösung eines ihrer Weiber oder Mädchen 4 Ziegen und für ein Kind 3 Ziegen zahlen müßten." 17 Gesangene fand Wolff noch in Jrangi vor und sagt dann weiter:. Ich bin den Spuren des Lieutenants Werther werter ge- folgt und habe erfahren, daß W e r t h e r wenige Tage- reisen von der st e Leute seiner Karawane im größten Elend zurückgelassen hat, von denen ich einen halb verhungert, angefault, mit scheußlichen Geschwüren Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. DerBrauuschweiger Volksfreund" schreibt: Wegen angeblicher Majestätsbeleidigung wurde Mittwoch Abend der frühere H o f staatssekretär Könnecke in eiuem hiesigen Cafö ver- haftet. Wie wir hören, soll die Beleidigung in Briefen ge- slinden werden, welche der Beschuldigte in seinem Privatprozeß gegen das hiesige Hosmarschnllamt schon vor Jahr und Tag an den Regenten geschrieben. Der Termin sür das Urtheil in diesem Prozeß ivar auf den LI. Mai angesetzt; heute schreibt man den IS. Mai. Das läßt tief blicken! In Chemnitz wurde am Sonnabend Genosse Tischler Franz Schubert aus Kriebelhal bei Waldheim vom Landgericht zu Chemnitz , vegen Beleidigung des Kaisers zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Aeußerung soll er gethan haben anläßlich des Postschlusses an Kaisers Geburlstag. Der Denunziant war ein Tischlerlehrling. In Gera wurden der Verlagsbuchhändler Julius Becker und sein Sohn als Verleger und Verfasser der Schrift Thing! Kurt Reuß in öffentlicher Audienz beim deutschen Kaiser" wegen Majestätsbeleidi- g u n g von der dortigen Strafkammer zu je zwei Monaten F e st u n g verurtheilt. *** Deutsches Reich. Zur Geschichte des Zedlitz 'schen Volks- s chulgesetzes gegenüber denEnthüllungen" desReichs- boten" behauptet derHamb . Corr.", daß der Kaiser vor- nehmlich aus Gründen der allgemeinen Politik eine gesetzliche Ordnung des Volksschulwesens auf einer allein de» Konservative» und Ultramontancn genehme» Grundlage nicht gewollt, vielmehr einen gedeihlichen Abschluß des Werkes nur dann erblickt hätte, wenn es auch die Zustimmung der Mittelparteien fände. Der Assessoren-Paragraph ist von der K o m- Mission des Herrenhauses durch folgenden Paragraphen wiederhergestellt worden: § 8. Der§ 3 des Ausführungsgesetzes vom 24. April 1378 zum Deutschen Gerichlsverfassungegesetze(Gesetz-Samml. S. 230) wird dahin abgeändert: Die Gerichtsassesforen können auf ihren An- trag einem Amtsgericht oder Landgericht oder einer Staats- anwaltschaft zur unentgeltliche» Beschäftigung überwiesen werden. Die Bezeichnung der Behörde erfolgt durch den Justizminister. Die Versetzung der Gerichtsassessore» von dem Orte, an welchem sie einem Gericht oder einer Staatsanwaltschaft zur unentgeltlichen Beschästigung über- wiesen sind, ist, vorbehaltlich der Vorschriften in Z 4, nur mit ihrer Zustimmung zulässig. Gerichtsassessoren, welche inner- halb eines Zeitraums von vier Jahren seit ihrer Ernennung eine Ueberweisung zur unentgeliliche» Beschäftigung nicht de- antragen oder nicht erlangen, scheiden aus dem I u st i z d i e n st aus. Die Fassung macht den diplomatischen Künsten der Herren- Häusler alle Ehre. Die Eingangsworte erwecken den Anschein, als ob die Assessoren es ganz in ihrer Hand haben, angestellt zu werden oder nicht. Erst aus den Schlußworten erfährt man in- direkt, daß die Regierung allein darüber zu entscheiden habe, ob sie den pelitionirenden Assessor anstellen will oder nicht. Hat er vier Jahre umsonst gewartet, dann kann er seiner Wege gehe». Für unsere Partei hat die Sache allerdings nur die Bedeutung, daß wir bei Annahme dieses Paragraphen eine noch schneidigere Juristengeneration heranwachsen sehen würden. Peters in der Fremde. Die offiziöse Wiener Presse" veröffentlicht folgende Drahtmeldung aus Rom : Der bekannte deutsche Asrikareisende Dr. Peters, welcher der italienischen Regierung seine Dien st e für die rithräa angeboten halte, wurde vom Minister Caetani unter dem Ausdrucke besonderen Dankes abschlägig be schieden. Der Fall Jastrow und das Unglück in der Kleopbas-Grube. Noch immer nicht ist die Dis ziplinarunterfuchung gegen den Berliner Privaldozenten Dr. Jastrow wegen seines iiu Jahre 1893 erschienenen, auch von uns besprochenen BuchesSozialliberal" zum Abschluß gekommen. Wie wir aus der WochenschriftNation" ersehen, soll nun der Ver such gemacht werden, den Dr. Jastrow zu einer Art Widerruf zu bestimme», obgleich in dem früheren Prcßprozeß des Jahres 1893/94 die Erzählung vom Erlaß der Bergwerksabgaben(um diese handelt es sich) sich als vollständig korrekt herausgestellt halte und lediglich wegen der krilisirenden Grundsätze auf eine Geldstrafe erkannt war. In dieser Erzählung war darauf bezug genommen, daß der Handelsminister v. Berlepsch an einer Vertretung der Regierungsvorlage verhindert war, weil ein naher Verwandter von ihm ein Interesse zur Sache hatte, nämlich fein Schwieger vater, der Oberst v. Tiele-Winkler. Dieser hatte bis dahin eine» Theil jener Abgaben aufzudringen gehabt, andererseits aber bezog er auch an stelle des Staates derartige Abgaben, da die Fannlie v. Tiele-Winkler im Revier Myslowitz-Katiowitz 5 pCt. der Brnltoförderung vom Bergbau des ganzen Reviers mit einer letztmaligen Jahreseinnahme von 693 329 Mark erhob. In diesem Regalbezirk liegt die Kleophas-Grube, und die Nation " theilt die erstaunliche Thatsache mit, daß es für die Schutzvorrichtungen in der Kleophas-Grube wie im ganzen Tiele-Winkler'schen Rega'dezirk keinen staatlichen Revier-Aufsichtsbeamten ge> geben hat. Die lokale Aussicht ruhte vielmehr in den Händen des herrschaftlich v. Tiele- Winkler'schen Regalbeamte». Die Nation " knüpft an diese Thatsachen folgende Betrachtungen: Auch imFall Jastrow" zeigt es sich, wie falsch die Behörden in Deutschland sich zur Kritik ihrer Verwaltung stellen. Hätte der Minister nach Lektüre des BuchesSozialliberal" sich gefragt. was er aus dem Buche lernen könne, so würde er sich die Lehre gegeben haben, daß es eine dankenswerthe Ausgabe sei, sür un- abhängige Behörden im Revier Myslowitz- Kallowitz zu sorgen. Ob dadurch das Unglück in der Kleophas-Grube verhütet worden wäre, kann man nicht wissen. Das aber kann man wissen, daß der Minister v. Berlepsch dann wenigstens das Gefühl gehabt hätte, daß die Beamtenernennung in jenem Bezirk ebenso vor sich gegangen sei, wie in anderen Bezirken des Staates." Der Militarismus lind derinnere Feind". Ueber dieses interessante Thema weiß dieSächsische 'Arbeiterzeitung" folgendes zu berichten: Daß die aktive Dienst- zeit dazu da ist, unserherrliches Kriegsheer" für den Kampf gegen den Feind zu drillen, wissen wir, wir wissen auch, daß dieser Feind einäiißerer" und eininnerer" sein kann. Aber wir wußten bisher nicht, daß für den Kampf gegen den inneren Feind besondere Normen gelten, Das ist der Fall. Und zwar scheint man gerade diesem Kampfe besondere Aufmerksamkeit zu schenken, denn selbst die ab- kommandirten Soldaten, die sonst ein gut Theil de? Dienstes nicht mit thun, werden dazu ausgebildet. Das beweist folgender Bestellzettel: Dresden , am 17. April 1836. l. Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100, 4. Komp. Meldung. Obengenannte Kompagnie bittet den als Burschen zum Bataillons-Kommaudeur kommandirten Grenadier Henkel morgen ö» A. zur Instruktion, Bekämpf» ng sozialdemokratischer Lehren betr., heranziehen zu dürfen. Dauer des Dienstes'/z Stunde. A. B: Bär, Feldwebel. Welcher Natur dies« Instruktion zur Bekämpfung sozial- demokratifcher Lehren ist, entzieht sich unserer Beuriheilung. Immerhin dürfte auch wohl an dieser Stelle nicht die richtige Taktik gefunden werden. Im Reiche deS Fürsten Plest. AuS Nikolei O.-Schl. wird uns vom 14. Mai geschrieben: Die Bahn brachte mich von Kattowitz nach Nikolei, einem größern Orte im Kreise Pleß. Als ich von dort aus zu Fuß in Begleitung eines polnisch-sprechenden Dolmetschers das Dorf L a z i s k erreichte, befand ich mich so recht im Zentrum der Pieß'schen Domäne. Elendere Hütten, degenerirtere Menschen sah ich noch nicht, auch in Oberschlesien nicht, was viel heißen will. Durchweg kleine, einstöckige Höhlen nicht Wohnungen mit Stroh gedeckt; zahlreiche Fugen lassen den Sturmwind ungehindert Einlaß finden. Eine Hütte war eS besonders, dessen Jnnneres diegoldenen Zustände" im Kreise Pleß illnstrirte. Ein alter Mann öffnet uns die niedrige Thür die einzige Stube beherbergt sieben Personen und zwei Schwein- ch e n. Der junge Hausherr liegt auf einer Holz- dank und stärkt sich für die kommende zwölf- stündige unterirdische Nachtschicht! Zwei Weiber kauern stumpfstunig am Boden und starren uns Fremd- linge blöde an, die Schweinchrn reiben sich stillvergnügt an meinen Beinkleidern. Ein Bett steht in dem Zimmer; wo alle sieben ersouen kampiren, können wir nicht erfahren; ein anderes immer, wie wir es sehen, besitzt die Familie nicht. Auf Be- fragen erzählt uns der Alte:Ich bin 33 Jahre auf den fürstlich Pleß'schen Gruben beschäftigt gewesen und erhalte nun eine monatliche Pension von 13>/s Mark!" Ist das nicht eine wahrhaft fürstliche Dolirung? Der schon erwähnte schlafende Sohn des Alten geht auch zur Fürstlich-Pleß'schen Grube und verdient dort als Heuer 2,30 M. p r o IL st ü n d i g e A r b« i t S z e i t! Wir konnten den Armuthsgeruch, der unS de» Athem benahm, nicht mehr ausballen und traten ins Freie. In mehreren Hütten waren wir noch, die das gleiche Bild des Elends»nd der Ver» kommenheit sowohl außen wie innen boten. Ein des Weges kommender Bergmann erzählte nun auf Befragen: in der ganzen Gegend werden jämmerliche Löhne ge- zahlt. Eine Anzahl Gruben gehören dem F ü r st e n Pleß, andere einer Berliner Gesellschaft und eine eignet einem Juden aus R a t i b o r. Er, der Erzähler, hat bis Februar diesen JahreS auf der GrubeB r a d e". die dem Fürsten Pleß gehört, gearbeitet. Da haben die Häuer pro Schicht (12 Stunden) 1,10 1,30 Mark verdient. Eine Anzahl, auch er, haben die Slrbeit im Februar niedergelegt und nid auf die Gruben bei Kattowitz gegangen. Augenblicklich eien die H e u e r l ö h n e gesteigert worden bis zur Maximal- grenze von 2,30 M.! Die Wagenstößer hätten 0,80 bis 1,20 M. verdient, die Mädchen 68B ö h m"(6030 Pf.)! Dafür mußten die Mädchen 12 Stunden arbeite», eine Stunde Pause einbegriffen! So erzählte uns der Mann und er machte einen durchaus zuverlässigen Eindruck. Uebrigens wurde uns dasselbe auch noch von anderer Seite mitgetheilt. Auch über die l a n d w ir t h s ch a f tki ch e n Arbeiter rn, Kreise Pleb-Rybnik erlangten wir einige Auskunft. Auf den Dominien arbeite» Leute, Tagelöhner, die d a S ganz- Jahr kein Fleisch, noch guteS Brot zu essen erhallen. Ihre Nahrung besteht aus einer mit Mehl und Fett angerührten Wassersuppe(Wodziunka). DaSFett" wird so reichlich zugegeben, daß eine Familie s ü r 10 P s« n n i g die ganze Woche gebraucht. Außerdem ist Haupt- Nahrungsmittel die K a r t o f f e l. die in Wasser mit Salz ge- kocht, morgens, mittags und abends genossen wird. Mißräth die Kartoffelernte, dann hungert die Familie. Frau und Kinder müssen selvstverständlich auch mitarbeiten, um das Allernothwendigste für den Haushalt zu erschwingen. Wie uns erzählt wurde, geht eine Wöchnerin schon Lbis 3 Tage nach ihrer Ätiederkunft wieder auf den Acker. Das kaum geborene Kind wird mitgenommen und auf ein zwischen zwei in den'Ackerboden gerammten Pfählen aus- gespanntes Tuch gelegt; Wind und Wetter preiSyegeben. Das heißt man Kindererziehung am Ende des humanitären 19. Jahr- Hunderts. Welche Schauermären über dieRothen" hier unter den Arbeitern umgehen, glaubt kaum ein Mensch. Der Herenglaube des Mittelalters kann nicht schlimmer gewesen sein. Nun. wir werden auch hier das Licht der Erkenntniß schon verbreiten. wenn es auch langsam geht. Nürnberg , 15. Mai. (Eig. Ber.) Im Ansbach -Schwabachcr Reichstags-Wahlkreise waren unsere Genossen wieder die ersten, die die Agitation sür die bevorstehende Nachwahl mit einem kräftigen Vorstoß begannen. Am 10. Mai wurden 30 000 Flug- blätter verbreitet und eine Anzahl Versammlungen abgehalten. Die konservative Partei hielt am gleichen Tage in Ansbach eine Versammlung ab; Landiags-AbgeordneterBeckh-Ruthsberg motivirte seinen Rücktritt von der Kandidatur mit familiären Angelegen heilen. Bürgermeister Hufnagel von Möckenau wurde sodann als konservativer Kandidat proklamirt. Hufnagel erklärte, er sei nicht vorbereitet, aber was sein Freund Lutz wolle, das wolle er auch und dieser werde für ihn die Rede halten." Renommierbauer Lutz hielt dann seine bekannte Rede als Universalmittel gegen alle die Landwirlhschaft bedrückende» Zustände. Aufsehen erregte die Erklärung deS volksparteilicheu Kandidaten Dr. Conrad i» dieser Versammlung, daß er in der Hauptsache mit den Zlusführungen der konservativen Redner einverstanden und nur in einigen Punkten noch anderer Ansicht sei, über die sich wohl eine Verständigung herbei- führen lasse. Wir sehen, wie recht Lassalle hatte, als er alle Parteien, mit Ausnahme der Sozialdemokratie, als reaktionäre Masse bezeichnete. England. London , 15. Mai. Im Unterhaus erklärte Cham - b e r l a i n. die Regierung habe, als die Königin Beil und anderen den Freibrief für die Südafrikanische Gesellschaft ge- währte, gewußt, daß Beit deutscher Unterthan sei. Viele Aus. länder seien von der Königin und ihren Vorgängern in Ver- traueneposten beschäftigt worden. Beil fei nicht als britischer Unterthan naturalisirt, aber es sei nicht nölhig. die Chartered Company zu veranlassen, die Demission Beil's herbeizuführen, da derselbe freiwillig seinen Kollegen seine Demission angeboten habe. Spanien . Madrid , 16. Mai. Nach Kuba werden erst im Herbst Truppe»Verstärkungen abgeschickt werden. Mau be- zeichnet es hier als ndth wendig, alsdann große Auf- Wendungen zu machen und SO 000 bis 60 000 Mann nach Kuba zu entsende», da der A u f st a n d sich jetzt auf alle Provinzen der Insel er st reckt. Gerüchtweise verlautet, Spanien werde wegen des Ber- Haltens der Bereinigten Staaten eine Note an die Mächte richten. Rußland. Neue Z e n s u r m a ß r e g e l n. Die in Odessa «r- scheinenden Zeituntzen theilen mit, daß der dortigen Poftbehörd»