Anerkennung.
Die Polizei bei der Bestattung Hermann Müllers.
Der Parteivorstand hat durch seinen Vor henden Genossen Otto Wels an den Berliner Polizeipräsi denten das nachstehende Schreiben gerichtet:
Der Borstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat mich beauftragt, Ihnen, Herr Polizeipräfident, sowie allen Organen der Berliner Polizei für die außerordentliche Mühemaltung, die Sie am Tage der Leichenfeierlichkeiten unferes unvergeßlichen Führers und Vorsitzenden Hermann Müller ausgeübt haben, herzlichst zu danken. Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn es möglich wäre, unseren Dank allen den Beamten der Polizei zur Kenntnis zu bringen, die an diesem Tage mit so großer llmsicht und feinem Tatt die Riefenveranstaltung in ihrem vollen Gelingen ermöglicht haben.
Der Polizeipräsident hat unter dem 28. März an das Kommando der Schutzpolizei folgenden Erlaß gerichtet: Mit lebhafter Genugtuung habe ich die Lätigkeit der Schutzpolizei bei der Ueberführung des verstorbenen Reichskanzlers a. D. Hermann Müller am 26. März d. I. verfolgt. Ich fonnte mich davon überzeugen, in welcher mustergültigen Weise das Kommando seine grundlegende Anordnungen für die notwendigen taktischen Maßnahmen getroffen hatte, mit welcher Umsicht von den nachgeordneten Dienststellen und Beamten( Offiziere und Wachtmeister) der Aufsichtsdienst gehandhabt wurde und mit welchem Dorbildlichen Taft jeder einzelne Beamte feines schwierigen Amtes waltete.
Es ist mein aufrichtiges Bedürfnis, der Schutzpolizei , die sich bei der Volkstundgebung vom 26. März erneut als wahre Bolfspolizei erwiesen hat, meine Anerkennung und meinen Dank für ihr Verhalten zum Ausdruck zu bringen. Ich bitte, dieses Schreiben allen Beamten zur Kenntnis zu bringen. gez Grzesinsti.
Unfreundliches Echo.
Paris, 31. März.( Eigenbericht.) Die Dienstag- Rede des Reichsaußenministers Dr. Curtius wird von den wenigen Abendzeitungen, die bereits dazu Stellung nehmen, zwar als geschickt und maßvoll im Ton bezeichnet, aber in bezug auf ihren Inhalt gemißbilligt. Der Intransigeant" sagt, daß Dr. Curtius, weniger nüanciert als sein Meister Stresemann , nicht das eigentliche Ziel verhehlt habe, das die Berliner Regierung verfolge; aber er habe wenigstens als unvermeidlich zugelassen, daß der Völkerbundsrat sich mit der Frage beschäftige. Am schärfsten drückt sich der ,, Temps" aus; unter dem Hinweis auf die Bemertung des Reichsaußenministers, daß die gemeinsame Wirtschaftsnot beide Länder zu dieser Aktion veranlaßt habe, erklärt das Blatt, es gäbe feine Not, die solche Methoden und Verfahren rechtfertigen könne, wie sie Berlin und Wien angewandt hätten, um unter Berlegung der Berträge den Abschluß eines Zollbündnisses zu vereinbaren. Das Bertrauen zu der deutschen Loyalität sei zu schwer erschüttert, als daß man einfach dem Anschein, den Berlin der Angelegenheit geben wolle, trauen dürfe. Die Beweisführung Curtius bewege sich in ganz falscher Richtung. Es sei klar, daß die Wiener und Berliner Regierung jeder europäischen Zusammenarbeit hätten zuportommen wollen, um einen rein österreichisch - deutfchen Plan zu verwirklichen.
Die bürgerlichen Linksparteien, die sich mit Einschluß der Sozialisten zu einem Linksblod zusammenschließen wollen, haben be fchloffen, eine Interpellation über diese Zollvereinbarung einzubringen und eine eingehende Debatte der Kammer noch vor Beginn der Ferien zu verlangen.
Keine Pariser Debatte vor der Osterpause. Paris , 31. März. Wie die Agentur Havas berichtet, sollen entgegen anders lautenden Gerüchten die Interpellanten, die die französische Regierung über die deutsch - österreichischen Zollangleichungsbeftrebungen befragen wollen, fich bereit erflärt haben, auf eine eingehende Debatte über diese Frage vor Beginn der Parlamentsferien zu verzichten.
England mit Henderson einig.
London , 31. März.( Eigenbericht.) In allen Lagern wird die Rede Hendersons beifällig begrüßt, da sie die Atmosphäre entspannt und den Weg zu einer freund schaftlichen Aussprache geebnet habe. Der„ Manchester Guardian" hält die Ueberweisung der Begalitätsfrage an den Bölkerbund für das flügste, was der Außenminister tun fonnte; das für den Berlin Biener Plan eintretende lintsliberale Blatt fügt hinzu, Deutschland und Desterreich würden sich ins Unrecht sehen, wenn sie, da einmal die Frage der Legalität angeschnitten ist, den englischen Vorschlag zurückweisen würden. Allerdings bestünden im Völkerbundsrat vorgefaßte Meinungen und deshalb müsse die Entscheidung über die juristische Frage der Haager Schiedsgerichtshof treffen.
Das moralische Amerifa. Sriegsveteran wegen Ehefcheidung ausgebürgert. New Yort, 31. März. Idealgefinnte Amerifaner, deren hohe Meinung von der moralischen Unantastbarkeit ihres Landes vielleicht durch die Tatsache erschüttert worden ist, daß zahlreiche Beamte der New- Yorker Sittenpolizei eine Erpresserorganisation gebildet und dadurch geschwollene Bantguthaben angefammelt haben, wer ben angenehm überrascht gewesen sein, als sie hörten, wie energisch in Washington für die Reinhaltung der Bevölkerung gesorgt wird. Die Bundesbehörden, die erfahren hatten, daß ein Deutsch Amerifaner Ramens Bischof, der im spanisch- amerikanischen Kriege 1898 als Freiwilliger gefochten hatte, vor seiner Naturalific. rung als amerikanischer Bürger bei der Scheidung seiner Che als schuldiger Zeil erflärt worden war, haben nämlich dem Beteran, der seit 32 Jahren im Lande Lebt, wegen ,, moralischer Verdorbenheit" das Bürgerrecht entzogen. Allerdings steht diese Maßnahme jogar im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten einzig da. Auf jeden Fall ist sie bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, daß der letzten Statiftit zufolge jede fünfte in den Vereinigten Staaten gefchloffene Ehe vor dem Ehescheidungsgericht ihr Ende
findet!
Die Budapefier Polizei hatte eine sozialdemokratische Arbeits. fofenversammlung verboten. Darauf neranstalteten die Arbeitslofen einen frummen ufmarsch vor dem Barlament. Bolizei zerstreute Die friedliche Demonstration. Unter dem Borwand, daß geprüft merden müsse, ob die Demonstranten nicht Kommunisten feien, wurden 300 Arbeitslose verhaftet; es stellte sich aber heraus, daß fle sämtlich Sozialdemokraten maren.
Kein Aprilscherz! W
Nie Wieder
Reichstag!
Hugenberg
Heraus aus dem
Hinein inden Reichstag
Hirler
1
DE
Die Ausmarschierten demonstrieren für Einberufung des Reichstages.
Mussolini- Batifan- Südslawen.
Loccarno, Ende März.( Eigenbericht.)
Dom
Am 19. März hat man in den Kirchen Jugoslawiens für die Befreiung der Slawen in Italien " gebetet. Bis zum letzten Augenblick hatte die faschistische Regierung erwartet, dieser vom Erzbischof von Agram angeregte Bettag werde Vatikan verboten werden. Aber der Vatikan tat nichts dergleichen. Im Zeichen des Kontordats muß man das erleben!" rufen die Faschisten entrüstet, aber der Papst beruft sich gerade auf das Konkordat, das der fremdsprachigen Minderheit bei religiösen Handlungen den Gebrauch der eigenen Sprache gewährleistet.
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Wie kommt es aber, daß der Bapft zugunsten der Südslawen dem Manne der Vorsehung entgegentritt, während er die Süd tiroler ihrem Schicksal überlassen hat? Das findet nicht nur darin feine Erklärung, daß der Faschismus den unter seine Fuchtel geratenen Slamen noch viel brutaler mitspielt als den Südtirolern. Der Hauptgrund ist wohl in der Konkurrenz zu suchen, die die griechisch fatholische Kirche der römisch fatholischen machen tann, falls der Batikan sich der Not der Südflawen in feiner Beise annimmt. Wie die froatische und flowenische Minderheit in Italien politisch nach Jugoslawien gravitiert, was ihrem Kampf gegen den afdhismus eine Sonderstellung gibt, so tönnte sie auf religiösem Gebiet sich der orthodoren Kirche zumenben, wenn Rom fie in Stich läßt. Daher die heutige Trusstellung des Batikans, der stets eine Bolitit auf lange Sicht treibt und sehr wohl weiß. daß er jene ländlichen Schichten, die heute vom Faschismus verfolgt find, auf immer verlieren könnte, so daß der Schaden noch andauern würde, wenn längst der Faschismus und seine Handreichungen im Dienste der Kirche vorbei sein werden.
Im übrigen nimmt die Bedrückung der Südflawen in Istrien Formen an, zu denen der Vatikan nicht schweigen tann, solange er den Schein seiner sittlichen Mission auf Erden aufrecht erhalten will. Ganz im Geiste der preußischen Polenpolitit unter Wilhelm II. , die die bekannten bitteren Früchte getragen hat, verfolgen die Faschisten sogar die Schulkinder, die bei ihrer Sprache beharren. Die grauenhafte Geschichte des
Lehrers Softojanti, der den slawischen Kindern in den Mund fpie, weil sie die italienischen Wörter schlecht aussprachen, ist noch in aller Gedächtnis. Aber wer hätte von ihr erfahren, wenn nicht eine rächende Kugel den Lehrer niedergeftredt hätte? In Cerovo hat man in der zweiten Januarhälfte sechzehn slowenische Mittelschüler im Alter von zehn bis sechzehn Jahren verhaftet, meil sie sich geweigert hatten, der faschistischen Kinderorganisation der Ballila beizutreten. Man hat sie zwei volle Monate im Gefängnis behalten und schließlich nur fret bekommen, nachdem die unglücklichen Eltern ein schweres Lösegeld in Gestalt von Honorar an faschistische Rechtsanwälte entrichtet hatten. Aber die Kinder waren fast alle in kläglichem Zustand. Ein Fünfzehnjähriger namens Brezovzet star b drei Tage nach seiner Heimtehr an den Folgen innerer Berlegungen. Sein Begräbnis gab den An laß zu einer gewaltigen Demonstration gegen ben Faschismus, bei der die Bevölkerung aus den umliegenden Ort schaften zusammenströmte, ungeachtet der Mißhandlungen und Repressalien, die sie bei ihrer Heimfehr erwarteten. In Borst bei Triest wurde das Haus eines Bauern mit Namen Beter Betaros von den Faschisten überfallen, einzig deshalb, weil zwei feiner Söhne, die dem Spezialgericht überstellt werden sollten, über die Grenze geflüchtet waren. Eine Tochter des Bauern starb vor Schred an Herzschlag, den Alten selbst schleppten die Faschisten auf die Straße und ließen ihn dort blutüberströmt liegen. Den Polizei
direktor von Gör3, Modesti, beschuldigt die öffentliche Meinung der Mißhandlung der Slawen, die sich im Bolizeigewahrsam befinden. Man hörte in der Nacht vom 8. März Schmerzensschreie aus der Polizeidirektion und bald darauf wurde jemand auf einer Bahre ins Krantenhaus geschafft. Bo solche Dinge vorkommen- was die Deffentlichkeit erfährt, ist nur ein fleiner Teil deffen, was was die Deffentlichkeit erfährt, ist nur ein fleiner Teil dessen, was - ist es unmöglich, daß die mit dem Landvolk lebende geschieht zum Teil aus ihm stammende Geistlichkeit sich auf die Seite der Schinder schlägt. So find im Monat März wieder zehn flowenische Briefter unter Bolizeiaufsicht gestellt worden. Ein chriftlich- sozialer Propagandist Joan Rejec soll von den Kapuzinern von Santa Croce, die nach Istrien gekommen sind, um den ländlichen Klerus zu faschistisieren, denunziert worden sein. Man hat ihn auf drei Jahre ins Zwangsdomizil geschickt.
In Istrien besaßen die Slamen ungefähr 600 Privatschulen, für den Elementarunterricht wie für den höheren, fie verfügten über 900 Lehrer und hatten rund 400 Bildungsanstalten der ver fchiedensten Art.
All das ist heute weggefegt.
Südstawen sind hingerichtet worden, zu Zuchthaus und 3wangsdomizil hat der Faschismus rund 1500 Lehrer verurteilt. Da mag man schon für die Befreiung der Südslawen vom faschistischen Joch beten, wenn man nichts anderes für sie tun kann...
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Aber auch das Beten wird dem Faschismus zuviel.„ Italien - ,,, aber von ist ruhig" schreibt ein römisches Faschistenblatt seinem religiösen Bewußtsein kann man das nicht sagen." Gewalt und sei wirtschaft gilt als Ruhe. Einspruch gegen fie es auch nur in der Form des Gebets! stört das religiöse Bewußtfein. Und weiter ärgert sich die Regierung, daß der Papst den vierzigjährigen Jahrtag der Enzyllila Rerum novarum" feierlich begehen will. Wie kann sich der Papst so etwas erlauben, wo doch die katholische Gewerkschaftsbewegung sich von dieser Enzyflika herleitet und der Faschismus diese Bewegung mit Feuer und Eisen ausgerottet hat?
Der Faschismus herrscht mit Ruten und Beilen über Italien . Der Papst fand keinen Grund, dabei nicht mitzutun. Was man in Istrien erlebt, zeigt aber, daß auch die Gläubigsten irre werden on einem Nachfolger Chrifti", den sie Arm in Arm sehen mit ihrem Berderber.
Berdächtiger Anschlag" in Görz .
Wie aus Gärz gemeldet wird, ist in der Gemeinde Blezza ein Anschlag auf eine italienische Schule verübt worden. Bon Unbe tannten murden in dem Gebäude die Fußböden und Möbel mit Petroleum begossen und Feuer angelegt, das einen Teil des Gebäudes zerstörte. 20 Personen find verhaftet wor den. Auch dieser Anschlag ist ein Zeichen der Spannung in den nordöstlichen Grenzgebieten Italiens , die sich immer mehr in den italienisch- südslawischen Beziehungen bemerkbar macht.
Auf Veranlassung der faschistischen Studentengruppen Roms wurde in der Kapelle der Universität am Dienstag eine Gedenfmesse für die Märtyrer der Irredenta des Julischen Benetten und Dalmatiens gehalten, an der ein großer Teil der männlichen und weiblichen Jugend Roms, darunter auch die Söhne Mussolinis, teilnahmen.
Wie erinnerlich, hat die italienische Preffe schon vor einiger Zeit mit der Prüfung der italienisch- südslamischen Handelsbilanz begonnen und Maßnahmen gegen die steigende Passivität des Austausches für Italien verlangt. Das„ Giornale d'Italia" erklärt zu diesem Thema, daß die italienische Einfuhr aus Südslawien gekürzt werden müsse und durch die Einfuhr aus anderen Ländern, die sich bereitwilliger in der Abnahme italienischer Erzeugnisse zeigten, zu ersetzen fei.
Noch ein Lockspitzel, Attentat".
In der Nähe des Platzes vor dem Schloffe in Turin , das dem italienischen Thronfolger als Residenz dient, ist nach einer amtlichen Mitteilung ein Sprengtörper gefunden worden, der in eine Zeitung eingewickelt war. Er bestand aus einigen Patronen mit Schwarzpulver, die ohne jeden Schaden explodierten.
Friedensschluß England Indien .
Bombay, 31. März.( Eigenbericht.) Der allindische Kongreß in Karatschi genehmigte einstimmig
das zwischen Gandhi und dem britischen Vizekönig abgeschlossene Uebereinkommen. Dadurch ist die zweite englisch - indische Konferenz, die wiederum in London tagen soll, gesichert; zweifellos wird Gandhi zum Delegationsführer gewählt werden. Trog Gandhis großem persönlichen Erfolge ist auf der Konferenz eine sehr starte Opposition vorhanden; ihre Gutheißung des Friedensabkommens ist lediglich als tattischer Schachzug zu betrachten.
Die Absplitterung dieser Opposition von der Bewegung dürfte früher oder später faum aufzuhalten sein. früher oder später faum aufzuhalten sein.
Die Opfer des Glaubenshasses.
Bombay, 31. März.( Eigenbericht.) In den Krankenhäusern von Crawnpore( fprich: Kroonpur) sterben immer noch viele Bermundete an ihren Verletzungen. Die Zahl der Toten hat sich bis jetzt auf 400 erhöht.
Der allindische Stongreß fezt seine Stommissionsberatungen fort. Die lehte Organisation, die sich der Boltserziehung widmete, die Für die fünftige indische Verfassung hat Bandhi das voll. Zabranca Zveza in Göra, ist dieser Tage aufgelöft worden. Fünf| tommene Berbot des Altohols vorgeschrieben.