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Geschichte der Woche Von Ger hart Herrmann Mostar

Eigentlich war für die freudige Stimmung de- Passlchfeftes kein Raum zwischen diesen wirren Aprlltagen des Jahres neun- zehnhundertundsiebzehn, dennoäi aber wurde mit Sonnenuntergang der siebenarmige Leuchter angezündet in allen frommen Häusern des jüdifch-polnifchen Dorfes Podkamien. Draußen, über die schmutzigen Dorfgassen vor den geschlossenen Läden, rauschte und raste der Krieg; bis heut« hatten dunkle, rhyth- misch gepeitschte oder long hinschleppende Koszkenlieder diz Abende mit einer Ahnung versunkenen-Friedens gesättigt, jetzt aber gab es nichts zu hören als Rattern vorüberfahrender Geschütze und hell geschriene Kommandos, deutsche Kommandos; die Russen waren fluchtartig verschwunden, die Deutschen rückten ihnen nach. Es war schwer, den Sinn zu wahren für die weltferne Heiligkeit des Festes, schwer vor allem für die Familie des armen Schneiders Brauer Denn ein Stuhl am langen Tisch, um den die Brauers saßen und dem Gebet ihres Vaters lauschten, stand leer, blieb leer, wie weit auch der Abend vorschritt in die Nacht hinein: der Stuhl der schönen. achtzehnjährigen Tochter Rachel. Der alte Brauer fragte nicht. Tat. als bemerkte er es gar nicht. Sein schütterbärtiges Altmannsgesicht hielt alle Falten fest, als seien sie hineingemeißclt; ober sein Herz zuckte, zuckte zuerst in Wut und dann in Ahnung und Angst, und endlich, als Rachel noch immer nicht kam, in Gewißheit und Schmerz Denn nun mußt« es wohl wahr sein, daß Rachel, als die Russen fliehen mußten, mitgeflohcn war, daß ihre Liebe zu dem russischen Ober st en, den die Strenge und die Frömmigkeit ihres Baters verwarfen, stark genug gewesen war, um sie mitwehen zu lassen mit dem wilden Winde dieses Krieges: nun mußte es wohl wahr sein, daß sein Kind zur Dirne geworden war. Während er mit leise monotoner, brüchiger Stimme seine Ge- bete sprach, hallte in seinem Innern laut und heftig das Wort des Gebotes, das da befiehlt, den Vater zu ehren und die Mutter zu achten: und der alte Brauer wußte, daß sein Kind fortan aus- geschlossen sein mußte von der Verheißung dieses Gebotes, daß es Rachel nicht wohlgehen würde, nicht wohlgchen konnte, daß sie nicht lange leben durfte auf Erden, denn diese Erde war eines strengen Gottes Erde . Gleich nach dem Beten legte er sich schlafen; er nichts, trank nichts, sprach nichts; nur seine Frau, die auch nach Mitternacht noch wach war, in der würgenden Angst um ihr Kind, konnte ihn schluchzen hären. Mit vielen Tausenden von hallenden, dröhnenden Schritten noch zog der Krieg durch die Gassen von Podkamien, weinte das Leid von Eltern, die ihre Söhne verloren, in seinen Häusern. Als es kein Krieg des Zaren mehr war, war es der Krieg K e r e n s k i e, und dann war es der Krieg der Bolschewiken, und endlich der Krieg Polens ; und dieser letzte endete damit, daß Podkamien zum neuen Polen gehörte; und mählich zogen wieder die Pslugeisen der Bauern«in hüllendes Netz von Furchen über den wunden Boden der Felder, nähte die Nadel des Schneiders Brauer wieder die Gewänder des Friedens, verstummten die Klagelieder des Leids. Nur im Haufe des Schneiders blieben sie wach; blieben, well sie nicht gesungen werden durften; Brauer wollte, daß Rachel vergessen sei. Man durfte sich nicht mitschuldig machen an der Sünde und nicht zum Teilhaber machen am Geschick seines Kindes. Wenn er über den Dorfplaß ging, grüßten ihn alle, keiner aber sprach ihn an, um ihn nicht zu stören in seinem Schmerz und seinem Zorn; und viel« waren, die ihr eigenes Leid klein fanden gegen das feine und sich zufrieden gaben, weil sie ihn so sahen. Im Anfang blieben sie auch stehen und sahen ihm nach, dann hörte auch das auf und unbeachtet ging der Alte an den Bach und über die Felder, um Zwischen Wellen und Gräsern Freude zu suchen; aber es gelang ihm nicht, ob auch am Tisch in der Stube sein« Frau und seine anderen Kinder so zusammengerückt waren, daß man die Stelle, wo Rachels Stuhl stand, nicht mehr finden würde, wenn man nicht allzu genau wußte, wo er gewesen war. Indessen trägt die Schneiderstochter ihre Liebe und ihre Schön- heit durch Elend und Schmutz. Der Geliebte tritt als Offizier in die A r in e« W r a n g e l s ein. Wrangel wird von den Bolschewiken geschlagen; die Trümmer seines Heeres bergen sich im Kaukasus , fliehen dann in den Orient, nach P e r s i« n, und endlich noch K o n st o n t i n o p e l; dort hat das Schicksal den Obersten zu Tode gehetzt; er stirbt und Rachel ist allein, ohne ihr« Liebe, aber ihr« Schönheit bleibt, und um sie der Schnrutz... Sie kann nicht zurück in ihr Dorf, zu ihrem Vater, sie will es nicht; sie weiß: grau ist die Welt des frommen Eiferers, bunt ist diese Well hier um sie. und beide sind gleicher- maßen grausam, und keine hat Platz für sie. Denn trotz allem sind die Lehren des Vaters stark in ihr, trotz allem vermag nichts sie abzubringen von diesen Lehren als ihre Liebe. Selbst nicht die dunstige Luft des türkischen Kabaretts, in dem sie endlich tanzen muß, um zu essen; und als das Wohlleben lockt, da ein abes si ni s ch e r Prinz, der unter den Zuschauern sah, ihr seine Karte schickt, da ist diese Hemmung, die ihr gebietet, sich zurückzu- hallen; und weil dann das Schicksal hier durchaus sein Märchen zu Ende dichten will, läßt sie den abessinischen Prinzen einen Menschen sein, dem gerode das gefällt. Deshalb wiederum lernt sie ihn unter- scheiden von dem widerwärtigen Gros der sonstigen Anbeter, lernt ihn lieben diesen ernsten, fast finsteren Prinzen mit dem seit- samen Namen: Er nennt sich Ras T a f a r i..... In Podkamien iveiß man von all dem nichts. Der alte Brauer auch weiß von oll dem nichts. Bis in diese Tage hinein; bis in die Tag- des Passohfestes n« u n z s h n h u n d c r t- einunddreißig. Da. vierzehn Jahre nach Rachels Flucht, kommt ein Brief, kommt auch ein« Geldsendung. Eine S«n> dung von hunderttausend Mark, ein Brief voll Schicksal. Brief und Geld kommen von der legitimen Gattin Sellasie- des Ersten, Kaisers von Abefsinien: kommen aus Addis Abbeba, wo die Kaiserin von Abefsinien, wo Rachel Brauer nun wohnt..... Ist das nicht herrlich? Ist das nicht wie was sog« ich, ist das nicht selb st«in Märchen? Schneiderstochter in Pod- kamien, nicht mehr, und nun Kaiserin in Abefsinien, nicht weniger: wer würde das einem Dichter glauben? Und hundert- tausend Mark zu haben, und sein Kind wiedergefunden zu haben. sein verlorenes idind. Und wie wiedergefunden? Ist das nicht herrlich? New. Es ist furchtbor. Furchtbar für einen, der alt ist und fromm und streng wie der Schneider Brauer. Wieder geht«r über den Dorfplatz in die Felder. Wieder spricht keiner ihn an. Bisher war sein Leid ihnen zu groß; setzt ist e? sein Glück. Sie wissen nicht, wie die Frage heißt, die durch seine

schmerzend« Stirn geht: Soll ich es zurückschicken dos Geld? Sie wissen es auch nicht, warum er die Absicht verwirft: well dos nichts ändern würde. Weil diese hunderttausend Mark nichts sind. gar nichts sind gegen die Güter, die jene Nachricht ihm zerbrach. Er ist alt; bald achtzig Jahre alt. Er ist immer arm gewesen. all diese achtzig Jahre lang ist er arm gewesen. Oft hat er nicht- zu essen gehabt. Zweimal nichts zum Drinwohnen. Und doch und dennoch: er ist immer, wie soll man das sagen, er ist immer sicher gewesen in dieser Welt. Er hat gewußt: diese Welt ist Gottes Welt. Wer darin nach Gottes Willen lebt, tsbt gut. Wer anders lebt, lebt nicht glücklich und nicht lange. Das ist einfach und klar. Das ist wie Sommer und Winter, Frost und Hitze, Saat und Ernte, Tag und Nacht. Und nun nun wird ein Mensch, der gesündigt hat, ein Mädchen, das sich wie«ine Dirne benommen hat. nun wird so ein Mädchen, das sich gegen seinen Bater verging das dieses Vaters Lehren in den Wind schlug, dos wird Kaiserin. Und der Vater bleibt Schneider. Es geht ihm nicht darum, daß er S ch n« i 0 e r blieb. Bei Gott nicht. Auch nicht darum, daß er recht behalten will gegenüber seinem Kind«, oder daß er ihm das das Glück nicht gönnt. Es geht nur darum, daß also die Well, auf deren Boden er bisher lebt«, daß diese sein« sittliche Welt g a r n i ch t d a i st. Sie verslnrt. Mit ihr stürzt er. Wie kann er leben ohne diese Well? Da ist sein einer Sohn, sein Aeltester. Der ist immer brav gewesen. Ist Schneider geworden wie sein Vater. Aber er hat nicht dessen breite Brust gehabt. Nun hüstelt er, das kommt wohl

vom vielen Gebeugtsitzen w schlechter Lust, und wenn er ausfpett. ist Blut darin. E- ist gewiß, daß cmer nicht lange mehr lebt, der Blut im Speichel hat. Also wird er sterben. Und Rachel wird indessen leben und Kaiserin sein. Was sagt was aber sagt denn Gott dazu? Der alle Brauer ist beim Rabbiner gewesen. Der Rabbiner hat ihm vorgeworfen, daß«r kluger und gerechter sein wolle als Gott. Hat ihm gesagt, daß in der Schrift auch der Satz stünde vom Mann, der Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe folgen werde, und daß dies doch dem Weibe noch eigener sei, und daß dieser Satz nicht einen Fluch enthalte, sondern«ine Verheißung. Denn könn« er nun nicht durch Rachels Geld einen ruhigen Lebens- abend haben? Und seinen Sohn von teuren Aerzten gesund machen lassen? ' Der Alte hat nicht widersprechen könne». Aber er weiß doch, daß Gott ihn enttäuscht, ihn betrogen hat. Er will nicht das Glück, er, der alte, fromme Brauer. Er will sein Recht. Diesmal bleibt er lange, sehr lange an Bach und Feld. Al- er heimkommt, scheint es, als habe er vergessen, daß Passoh ist. Er entzündet den Leuchter nicht und betet nicht. Er betet nie wieder. An diesem Abend, da sie das noch nicht ahnen, sehen Weib und Kinder ihn furchtsam an. Aber er spricht heiter mit ihnen über die Verwendung des Geldes. S«in Sohn soll gesund werden davon, und alje glücklich. Und es fragt seine Frau: er selbst...? Da geht er an seinen Schneidertisch und beginnt zu nähen. Nur einmal steht er auf und stellt den siebenarmigen Leuchter in eine Eck«, wo man ihn nicht sieht. Das bedeutet wohl etwa dies: Ich habe nicht- gemein mit der anderen Welt, in der Rachel Kaiserin ist, auch nicht das Geld. Aber ich zürne nicht meiner Tochter, ich zürne meinem Gott."

e Buch

Die Jtaiiplridiiungeu der 9>fyc!wtogie In der modernen Seelenforschung(Psychologie) gibt es ein« große Zahl sich bekämpfender Richtungen. Die einzelnen Schulen unterscheiden sich in ihren Ausgangspunkten, ihren Methoden und ihren Ergebnissen. Daher ist es nicht leicht, sich in diesem Forschungs- gebiet zurechtzufinden. Dieser Nachteil ist um so bedauerlicher, weil die Psychologie immer mehr Anwendungsgebiet im praktischen Leben findet. Di« Kindergärtnerin, der Erzieher, der Lehrer, der Berufsberater, der Arzt, der Jurist, sie alle brauchen psychologische Kenntnisse. Eine gute und leicht verständliche Uebersicht über die moderne Seelenforschung gibt das soeben in zweiter Auslage erschienene Buch von Professor Richard Müller-Freienfels :Die HauptrichtungendergegenwärtigenPsychologie"

(Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig 1S3l, 139 Seiten, gebunden 1,80 M). Sechzehn psychologischeSchulen" werden in dem Buche charakterisiert und in ihren Hauptleistungen dargestellt, so daß der Leser einen guten Ueberblick erhält. Die Gestaltpsychologie und die amerikanisch«Verhaltenspsychologie" sind ebenso berücksichtigt wie die Psychoanalyse, die Jndividualpsychologie und die moderne Charakterologie. Da es sich im wesentlichen um eine.Einführung handelt, hat der Berfasser mit Recht von einer Kritik der einzelnen Richtungen abgesehen. Zu jedem Kapitel wird die wichtigste Literatur angegeben, so daß der Leser sich leicht über ein besonderes Gebiet näher orientieren kann. Die Psychologie, die in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht hat, ist überall noch im Zustande der Eillwicklling und des Werdens. Müller-Freienfels hebt das Positive und Wertvolle jeder einzelnen Schule hervor und zeigt, daß die Vielheit der Richtungen keineswegs ein Chaos darstellt. Das menschliche Seelenleben läßt sich unter oeoschisdenen Gesichtspunkten erforschen. Wer daher schäd- liche Einseitigkeit vermeiden will, der muß die verschiedensten Forschungsrichtungen berücksichtigen. Das Buch von Müllcr-Freien- fels wird jedem gute Dienste leisten, der sich ein Bild der modernen Seelenforschung oerschasfen will. 8. Weinberg.

PÜ/f DEN KLEINGÄRTNER

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Qarlen-Arbeitskalender für Monat April Der angenehme WUterungsumschwu ng, der In der letzten Zell eingesetzt hat, wird für den Kleingärtner zur Folge haben, daß sich die Arbeiten in seinem kleinen Reich sehr zusammendrängen. Bei der systematischen Einteilung der Beete ist zunächst zu beobachten, daß ein Fruchtwechsel im Gemüsebau nach bestimmten Richtlinien durchgeführt wird. Ein steter Wechsel im Anbau an gleich!» Stelle bedeutet die größtmöglichste Ausnützung des Bodens, je sorgfältiger er betrieben wird, desto ertragreicher mrd gleichmäßiger werden die Ernten ausfallen. Auch wird dadurch die sogenannte Bodenmüdigteit oermieden, d. h. die Ansammlung bestimmter Stoffe im Boden, des- gleichen werden sich keine Krankheitsträger und Schädlinge im Erd- reich festsetzen. Auf Flächen, die im Herbst eine starke Stalldüngung oder eine ausreichende K a l k g a b e erfahren Halen(die jedoch nie- mals gleichzeitig mit dem Stalldung vorgenommen worden sein darf), wird man also in erster Linie solche Gemüse anpflanzen, die als starke Zehrer bekannt sind, also insbesondere Kopfkohlarten, ferner Gurken, Sellerie, Tomaten, Pore«. Auf den Flächen, auf denen im vergangenen Jahre Wurzelgemüse, z. A. Karotten, Zwiebeln, aber auch Salat, Kohlrabi und andere raschwachsende Ge- müsearten anbauen, die sich mit einem Boden geringerer Qualität begnügen. Die mit den zuletzt genannten Pflanzen wiederum im Lorjahre bewirtschafteten Flachen werden nunmehr mit Leguminosen. also Bohnen und Erbsen bestellt, die in bezug auf die Boden- gualität am wenigsten anspruchsvoll sind. Diese vorstehenden An- gaben, die sich natürlich nicht immer einhalten lassen werden, mögen lediglich als Anhaltspunkte dienen. Gemüsegarten. Von Mitte April an werden die Kohlarten ausgepfwnzt; da nkin bis zu diesem Zeitpunkt immer noch mit Frösten rechnen muß, sollte man eigentlich nie früher pflanzen. Die frühen Kohlsorten werden bekanntlich in Frühbeeten herangezogen und dort in den meisten Fällen verweichlicht. Zu zeitig ausgepflanzt, können sie leicht unter Frost leiden. Die frühen Sorten von Rotkraut und Wirsing pflanzt man auf etwa iO Zentimeter, die späten aus öO Zentimeter Abstand, frühes Weißkraut ebenfalls auf-tO Zenti­meter, spätes dagegen auf 55 bis 60 Zentimeter Abstand. Kohl­rabi und Salat sind gleichfalls auszupflanzen. Radieschen, Küchenkräuter wie Esdragon, Dill, Majoran, Sauerampfer, Thymian und Bohnenkraut werden ins Freie gesät, Steck- zwiebeln und vorgekeimte Kartoffeln gelegt. To- matenpflanzen nnissen, da sie noch nicht angepflanzt werden dürfen, noch einmal umgetopft werden, falls dies nicht geschieht, alle 4 bis ö Tage mit schwacher Lösung gejaucht werden. Schlecht ernährte und nicht rechtzeitig umgepjlanzt« Tomatensämlinge oerholzen, wer­den leicht gelbblättrig und von der Kräuselkrankheit befallen; selbst bei nachfolgender guter Pflege erholen sie sich nur selten. Aus- gewinterte Erdbeeren können ergänzt werden, sind aber sofort mit kurzem Dung zu bedecken. Obstgarten. Bei späterem Pflanzen von Obstbäumen bevorzuge man Bäum« aus dem Einschlag, weil sie noch nicht so weit durchgetrieben haben. Umtopfen von Bäumen ist so rasch wie möglich zu de- enden. Fanggürtel sind von Zeit zu Zeit zu kontrollieren, alte Blutlausherde besonders sorgfältig zu beobachten und öfters mft Limiton zu bespritzen. U-Herhoupt ist setzt die geeignete Zeit. die erwachenden Schädlinge mit Kupserkaltbrühe oder ähnlichen Mitteln zu bekämpfen. Aeltere Stämme sind abzukratzen und alle Stämme gegen Insekten zu k a l k e n, wobei man der Kalknnlch etwas

Obstbaumkarbolineum zusetzt. Krebsstellen müssen ausgeschnitten uno mit Baumwachs oder dergleichen bestrichen roerdeo. Ziergarten. Für die Neupflanzung von Rosen ist allein das Frühjahr die geeignete Zeit. Sobald der Boden gut abgetrocknet und erwärmt ist, kann mit dem Pflanzen begonnen werden. Es empfiehlt sich jedoch, Bufchrofon etwas anzuhäufeln, während man die Kronen der Hoch- stämmchen vorsichtig zur Erde niederbiegt, mit einem Holzhaken de- festigt und gleichfalls mit Erde bedeckt; diesen Schutz lasse man so lange, bis der junge Trieb kräftig hervorbricht. Um das Anwachsen zu fördern, tauche man die vorher zurückgeschnittenen Wurzeln in einen breiigen Teig aus Lehm und Kuhdung; ebenso verfahre man auch mit dem Wurzelwerk von Sträuchern, Heckenpflanzen und Obst- bäumen. Schon bei der Pflanzung müssen die Rosen unbedingt einem scharfen Schnitt unterzogen werden. Auch bei vor- hartdenen Rosenpslanzunzen muß der Frühjahrsschnitt vorgenommen werden, am besten unmittelbar nach Entfernung der Winterdecke, die aus alle Fäll« erfolgen muh, bevor der junge Trieb unter der Decke hervorbricht. Alle vorjährigen Iahrestriebe müssen bis auf kurze Zapfen von zwei bis drei Augen zurückgeschnitten, schwächliche und verkümmerte Trieb« völlig entfernt werden. Auch ältere, stark vcr- holzte Teile können allmählich beseitigt werden. Man bewirkt da- durch eine gewisse Verjüngung der Pflanze, da ans dem restlichen Holz neue Trieb« hervorstoßen und eine neu« Krone aufbauen. Aus- nahmen von dieser Regel machen st a rkwüchsige Teerosen, wie überhaupt Sorten mit starkem Trieb; sie werdeu lang geschnitten. Auch die Rankrosen verlangen einen besonderen Schnitt; die letzt- jährigen Langtriebe werden völlig belassen, während man einen Teil des älteren, verbrauchten Holzes herausschneidet. Perennierende Stauden sind bezüglich der Pslanzzeit verschieden zu behandeln. Damit die einzelnen Pflanzen bis zur nächsten Blütezeit eine möglichst vollständige Wachstumszeit an chrein neuen Standort durchmachen können, ist es ratsam, die Pslanzzeit möglichst unmittelbar oder doch annähernd nach der Blütezeit zu legen. Demnach kenne für den Monat April nur das Pflanzen von Herb st blühern in Frage, da man ein« zu spät« Herbstpfianzung wegen des lallen und feuchten Bodens oermeidet. Nach Beendigung der Blütezeit von allen Frühblühern, Gemsbart, frühe Altern und 'Iris u. a. m., käme dann die nächste Pflanzung und Vermehrung durch Teilung in Betracht. Wenn man den Blumenflor billiger haben will, säe man von Mitte bis Ende April an' Ort und Stelle Einjahrs- blumen, sogenannte Sommerblumen aus: Sommerrittersporn. Mohn, Reseda. Sommcrchryysantemum, Tagetes, Sommerastern. Kapuzinerkresse, Skabiosen u. a. Die Saatanweisungcn auf den Tüten sind, von einschlägigen Firmen bezogen, meist zuverlässig. Di« Aus- saat selbst überlege man sich vorher genau, damit die Pflanzen i» Höhe, Farbe, Form und auch in der Zeit der Blüte harmonieren, beziehungsweise sich cbwechseln. Liebhaber von Radelhölzern seien vor Neupflanzungen in» Frühjahr gewarnt. Die Koniferen sind in ihrem Charakter von den Laubhölzern grundverschieden und verlangen eine ganz andere Bc- Handlungsart. Für fast alle Arten ist der Hochsommer, die Monate August und September, die günstigste Pslanzzeit. Im Frühjahr empfiehlt sich eine gründliche Bewässerung der Nadelhölzer, selbst wenn Regenwetter herrscht. Unabhängig davon sollten Koniferen. insbesondere feinere Arten nach warmen, trockenen Tagen be- sprengt werden. Das schwache Wachstum unserer Zdodelhölzer beruht in den meisten Füllen out zu großer Trockenheit, auch sind die über den Winter eingegangenen Nadelbäume oft nicht erfroren, son­dern ganz einfach vertrocknet. kl. kr. Pohlenz,