Mr. 124.
Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret tu's Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz band : Deutschland u. DefterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277.
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Vorwärts
13. Jahrg.
Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet.
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Sonnabend, den 30. Mai 1896.
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nicht einmal die Ohrfeigen und Fußtritte gewahr wird, die land mehr von der Polizei beeinflußt werden, als gut fie in ihren eigensten Institutionen empfängt, wenn ihre ist. Seit Einleitung des Prozeßverfahrens gegen unsere Gegner mit antiliberalen Mittelu bekämpft werden. Der Organisationen ist auf die analogen Verhältnisse in Mit dem 1. Juni eröffnen wir ein neues Abonne- Liberalismus fordert eine unabhängige Rechtspflege, wie anderen Parteien, auf den Bund der Landwirthe, auf ment auf den auch wir. Selbst die weitgehendste Abhängigkeit der Rechts- die Kriegervereine öffentlich hingewiesen worden, in der pflege von der Willkür läßt sich aber äußerlich mit dem Verhandlung selbst ist aus dem aus dem„ Korrespondenzblatt Scheine der Gesetzlichkeit überfirnissen. des Bundes der Landwirthe" ein entscheidender Passus über
„ Vorwärts"
mit der illustrirten Sonntags- Beilage
Die Neue Welt".
Es ist die Pflicht eines jeden Parteigenossen, für die Weiterverbreitung des Zentralorgans der Partei nach Kräften thätig zu sein.
Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von
1 Mark 10 Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnes ments zum Preise von
1,10 M. für den Monat Juni entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1896 unter Nummer 7277.)
Redaktion und Expedition des Vorwärts".
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Wie unseren Lesern bekannt ist, hat der Staatsanwalt dessen Zweigorganisation verlesen worden, jetzt stimmt Schweigger am 18. Mai in dem Prozeß unserer Ber - nahezu die ganze Presse darin überein, daß jede zusammenschaft ist streng objektiv beslissen, dem Gesetz Anerkennung zu gefeßes liner Partei Organisationen erklärt: Die Staatsanwalt- hängende Parteiorganisation vom Boden des Vereinsaus verschaffen und sie wird gegen andere Parteien ebenso ein bisher nichts, und angreifbar ist. Geschehen ist aber wenn Staatsanwalt Schweigger schreiten, wenn sie in die Lage tommt, sich amtlich mit erklärt, er werde Material Material gegen andere Parteien der Frage zu beschäftigen. dankbar entgegennehmen, so so scheint es, daß er Wir haben feinen Grund, an der persönlichen Auf- thatsächlich vermeint, erst dann in der Lage zu sein, sich richtigkeit des Staatsanwalts, als er diese Worte aussprach, a mtlich mit der Frage zu beschäftigen, wenn ihm eine zu zweifeln, aber seine Meinung über die Staatsanwaltschaft Denunziation vorliegt oder die Polizei selbständig vorgeht. als Gesammtinstitut ist für uns doch ganz unverbindlich. Denunziren ist nicht nach jedermanns Geschmack, auch Sie widerspricht den Thatsachen. Der Staatsanwalt abgesehen von der Offenbarung geheimer Vorgänge- neben besitzt alle dem Privatmann in gleicher sozialer Stellung dem Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft gesetzgeberisch zugänglichen Juformationsmittel, gesteigert durch Berufs- nur als Nebenbehelf gedacht. Faßt die Staatsanwaltschaft fenntnisse und administrative Macht. Er kommt dem Sinne ihre Pflichten so auf, wie es anscheinend der Fall des Legalitätsprinzips nur dann nach, wenn er sich dieser ist, dann hängt alles davon ab, ob der Polizei Mittel vollen Umfangs wirklich bedient und danach ein gewisses Einschreiten konvenirt oder nicht, und handelt. inwieweit es ihren Organen beliebt, Aussage zu
Benutzt er sie nicht, so wird er allerdings in Fällen machen oder sich hinter die Nebel des Amtsgeheimnisses zu Polizeiliches Anklagemonopol. nicht einschreiten können, in denen ihn, nach unserer verstecken. Sie ist durch keinerlei gesetzliches Prinzip ge Ueberzeugung, die aus Benuzung der Mittel ent- bunden, ihre Erwägungen dienen einer Zweckmäßigkeit, die Der deutsche Strafprozeß beruht auf dem Anklage springende Einsicht zum Einschreiten genöthigt hätte. Dann außerhalb des Rahmens der Rechtspflege liegt, ihre außer monopol des Staatsanwalts. Er ist der Wächter der Gesetze ist das ganze Legalitätsprinzip aber, selbst wenn amtlichen Handlanger sind häufig schuftige Subjekte oder und wie die unerheblichen Fälle der Privattlagen aus äußerlich gewahrt, doch innerlich beseitigt. Denn ein dumme Teufel. Fällt das Anklagemonopol in ihre Hände, so genommen alle in berechtigt, sowie verpflichtet an- Wächter, der nicht selbst wacht, sondern erst geweckt geschieht der Jdee des Rechtsstaats stärker Abbruch als durch zuklagen, wenn der Verdacht einer strafbaren Handlung werden muß, ist überhaupt kein Wächter. Nun weist aller- die schönste theoretische Fassade der Strafprozeß- Ordnung vorliegt. Diese Pflicht wird das Legalitätsprinzip genannt dings der einschränkende Zusatz, die Staatsanwaltschaft ausgeglichen werden fann; Staatsanwalt und Richter und ist ein wesentliches Stück des liberalen Katechismus, die werde einschreiten, wenn sie in die Lage komme, sich finken im Ansehen, und das feinere Rechtsgefühl steht nothwendige Ergänzung der Alleinberechtigung zur Anklage, amtlich mit der Frage zu beschäftigen, auf eine solche in den gerichtlichen Vorgängen nicht sowohl die An wenn die Strafrechtspflege nicht der Willtür verfallen soll. das Legalitätsprinzip inhaltlich völlig aufhebende und eut geklagten als ein hafsenswerthes System gerichtet. Das Teutschland ist seit der Errichtung des Reichs mehr und mehr werthende Auffassung hin. Seit Jahren unter den Augen bisherige Verhalten der bürgerlichen Parteien zur Strafdas klassische Land der Phrase und der Unwahrheit alles der Staatsanwaltschaft haben dieselben Organisationen be- prozeß Novelle hat gezeigt, wie gering auf ihrer öffentlichen Lebens geworden. Die deutsche Bourgeoisie, die standen, die jetzt nach Meinung derselben Staatsanwaltschaft Seite die Empfindung und Widerstandsfähigkeit gegendas ideale Recht der Erstgeburt längst um ein Linsengericht das preußische Vereinsgesetz verlegen. über den von der Regierung geplanten antiliberalen Vermaterieller Vortheile verhandelt hat, vermochte auch nicht War unter allen Staatsanwälten Berlins keiner fähig, schlechterungen ist. Wir geben uns daher auch nicht der ein Stück ihrer eigenen politischen Gesetzgebung vor dem das, was jedermann, der sich um die Sozialdemokratie Illusion hin, als vermöchten wir die Bourgeoisie ob dieses Schicksal antiliberaler Handhabung durch die Ausführungs- fümmern will, aus den allgemein zugänglichen Protokollen, Prozesses aus ihrer Stumpfheit aufzurütteln, gedenken aber organe zu retten. So ist auch die Strafprozeß Ordnung Berhandlungsberichten, Zeitungen und sonstigen Drucksachen des Goethe'schen Spruchs: seit ihrem Entstehen in antiliberalem Geiste gehand- mit Leichtigkeit entnimmt, gleichfalls daraus zu entnehmen? habt worden. Und bis zu dem Grade ist der So viel Unfähigkeit ist undenkbar. Wie kam es dann aber, deutschen Bourgeoisie alles Schamgefühl und alles daß erst nach der rettenden That der Köller und Schöne die Verständniß zugleich mit dem aufrichtigen Ernst für den Staatsanwaltschaft plötzlich aufstand und Anklage erhob? liberalen politischen Gedanken abhanden gekommen, daß sie Leider, leider, weil die Staatsanwaltschaften in Deutsch
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Tene.
er auch probirend ein Gerstenkorn, nahm eine Aehre und zählte die Körner. War die Prüfung nach seinen Hoffnungen aus- alts gefallen, dann schickte er wohl auch seinen Lenten ein Fäßchen Bier auf die Felder hinaus, oder wies sie an, auf seine Rechnung ein solches aus dem Wirthshause holen der
Du wirkst nicht, Alles bleibt so stumpf, Sei guter Dinge!
Der Stein im Sumpf Macht keine Ringe.
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Söll faun- fann Radi?"
fann ich net... Habts a
Kram- Eial, möcht'st D' heirath'n?
Die Ohren des Angesprochenen bewegten sich unter Müze. Eifrig nickte er.
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( Nachdruck verboten.) Roman von Nicolaus Krauß. Jm Streicher- Hof war der eifrigste Dengeler Sacher, der Kleinknecht. Jeden Abend suchte er sich einen anderen Play, in den er das spiße Fußende seines Dengelstockes zu lassen. Kram Gial, wen möcht'st denn von uns? Epper stieß, und dengelte nach Herzenslust; bald mur leise an- Die Ernte war noch nicht vollständig herein, begann mich?" frähte' 3 Waberl und frümmte sich vor Vergnügen. tippend mit der spizigen Seite des Hammers, als wäre die schon das Dreschen. Bis in die Nacht hinein rasselte und Der Spinnradl- Doktor blickte in die Runde, erhob Sense ein fühlendes Wesen, bald wieder zuschmetternd mit ratterte die Maschine, jede Stunde wurde ein frisches Paar sich und schoß wie ein Pfeil auf Lene zu, die beide Hände dent Hammerkopf, als wollte er Sense und Dengelstock in Ochsen eingespannt, der halbe Hofraum war mit Stroh- im Futterschaff stecken hatte. Sie schlug mit dem Fuße den Erdboden schlagen. Und am andern Tage jammerte büscheln verschlichtet. Jeden Tag fuhr der Bauer mit Ge- aus, er erwischte sie aber doch beim Kopfe und stotterte mit er beim Hauen doch wieder alle fünf Minuten, daß seine treide zur Stadt, spät am Abend kehrte er wieder. heiserer Stimme: Kruspel- Sense schon wieder nicht schneide, riß den Wet Manchmal war er gut aufgelegt und prahlte seinen Leuten Di- Di- Dich möcht i. Du bi- bi- bist die Schönste!" stein aus dem hohlen Horn, das er sich vor den Bauch etwas vor, oft war er noch am anderen Morgen nicht Die Freude der Anderen schlug in hellem Jubel aus. gebunden hatte, und strich darauf los, daß die Funken nüchtern, schlief in den hellen Tag hinein und schnauzte Auch die Wirthschafterin mischte sich drein. sprühten. und schnurrte jeden an, der ihm in den Weg kam. Der Dös glaub i Dir, Du Strick, daß D' die Lene Beim Gerstenhauen griff auch Lene zur Sense. Sie letztere Zustand wurde bald der vorherrschende. Nicht eins möcht'st. Aber was thät'st D' denn, wenn sie Dich a merkte bald, daß die Arbeit mit dem vierzintigen Gerüst" mal mit seiner Mutter vertrug sich der Streicher mehr. möcht'?" schwieriger sei als Grasmähen mit der blanken Sense. Vor der Kartoffelernte tam einmal eine sonderbare Affa thät'n mir hei- hei- heirathen' samm!.... Wenn das Gras hoch war und dicht stand und der Thau Gestalt in den Hof, ein schmächtiger Ding mit ganz ver- Ich ma- ma- machet halt an Ban- Ban- Bandeltram auf ihm lag, mußte man sich ja auch gehörig anstemmen, waschenem Gesicht, wafferblauen Augen, einem spit zu- af. Lauter weißa Bandla und Schnürl'n und Knöum den Stahl gleichmäßig durchzudrücken, daß keine Schöpfe laufenden Kopf, über den eine Kindermüße mit Ohrläppchen Knö- Knöpf, und Hafteln und Nadl- Nadl- Nadlbüchseln. stehen blieben. Aber das Hantiren mit dem Gerüst gebunden war. war doch noch schwieriger. Schon die Stellung ba Kram- Eial is da... Ha des Körpers war eine andere. Die schweren Holz- ha habt's nix zan machen!..." zinken zogen die Sense nach vorn, und im letzten Er huckte zwei alte Spinnräder vom Rücken, setzte sich Augenblick mußte man der Sense einen Ruck geben, damit auf die Bank neben der Hühnersteige und blickte erwartungsdie gebogenen Holzstäbe des Gerüftes die abgeschnittenen voll von einem zum andern. Es war etwas vor dem Halme frei gaben und gleichmäßig neben die bereits liegen- Abendessen, die Dienstboten saßen in der Stube umber, den Schwaden fallen ließen. Dieser Ruck wollte Lene lange am Dfen brühte Lene Tränkfutter für die Kühe und Kalben nicht gelingen, bis der gutmüthige Tagelöhner hinter fie auf. Als der Fremde seinen Spruch gesagt, lachte' s trat, seine auf ihre Hände legte und ihr den Vortheil klar Waberl hell auf und umklammerte mit beiden Armen die machte. Dfenstange.
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Als die Garben in Mandeln" und" Puppen" auf- Jessas! Da Kram- Eial!... Da Kram- Eial! Da gestellt wurden, erschien auch der Bauer einigemal auf den Spinnradl- Dokta!" Feldern. Er schien aufgeräumter zu sein als sonst, klopfte Die Anderen schmunzelten, einige kannten den Halbbei dem einen Erntewagen einem Ochsen auf die Stirne, narren, die übrigen hatten von ihm gehört. nahm Lene, welche mit einer Gabel dem auf dem Wagen Inieenden Tagelöhner die Garben hinaufreichte, eine fragende Gerstenähre aus dem Nacken, fragte den Großknecht, ob Hoff nung sei, daß auch das Wetter aushalte. Ab und zu zerbißl
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Na, Kram- Eial, wo kimmst denn her?" Von von üb'rall her. Von Boy- boyboyan, von Sachsen und von Preu- preußen!" Kram- Eial, Du lügst ja!"
Ja... Und i hab schon Geld..."
„ Na, wie is Moibl?" that die Wirthschafterin ganz ernst: Willst anbeißen?"
Lene gab keine Antwort. Sie hätte dem dummen Tölpel mit den nassen Händen ins Gesicht fahren können. Es war das erste Mal, daß man sich auf ihre Kosten luftig machte. Und mit so einem grauslichen Ding! Und als nun gar's Waberl schrie:
" Jeffas, Leut und Kinda, da hat ja d' Lene auf einmal au Tschamistara und an reich'n a nu", da konnte sich das erboste Mädchen nicht mehr halten, es ließ das Schaff fahren und sprang zur Thür hinaus.
Der Kram- Eial erhielt etwas zum Essen und ein Spinn rad zum Ausbessern. Als er das Pflög hinabging, kam der Bauer. Er gab dem Halbblöden einen Fußtritt, daß er taumelte, und brüllte:
Schaust daß D' weiter fimmst, Du Unglückskräh! Was hast D' auf meinem Hof a' schaffen?" ( Fortsegung folgt.)