zum Empfang seiner Gäste aber auch fein genvichti die Grünanlagen zeigen reichen Blumenschmuck und schön gepflegte Wege, zwischen den Linden wurden weiße Bänke aufgestellt, so daß auch der sitzen kann, dem der Besitz eines Strandkorbs ein.zu kostspieliges Vergnügen bedeutet. Auf der Terrasse wird P i u g- P o n g gespielt, am Strand gibt's Bolle-Milch und Koschwitz-Wtirstchen, das Restaurant hat eine moderne LaUtsprecheranlage und somit Musikbetrieb erhalten. Besondere Sorgfalt wandte man dem Beobachtungs- und Rettungsdienst zu: am Mittelweg wurde ein Beobachtungsturm, ein eisernes Schiff von 50 bis 60 Quadratmetern errichtet, das alle für den Bademeister und die sonstige Rettungismannschaft not- wendigen Geräte in modernster Ausführung enthält. Unter anderem eine Suchleine, die, mit verschiedenen kleinen Häkchen versehen, das raschere Auffinde» Verunglückter ermöglicht, einen transportablen Sauerstoffapparat und einen maschinell betriebenen Wieder- belebungsapparat, den sogenannten„Inhabad": als vor- beugende Maßnahme für die Sicherheit der Nichtschwimmer wurden 75 neue Bojen, 80 Zentimeter tief, in Abständen von 9 bis 10 Metern, in der wasserpolizeilich vorschriftsmäßigen gelben Farbe gestrichen, aufgestellt. Ein Badepersonal von 18 Kräften neben der helfenden Bereitschaft der Arbeitersamariter und staatlich geprüfter Heilgehilfen sorgen für das Wohl des Publikums. Was dem Osten recht, ist dem Westen billig: im Strandbad Wannsee ver- gnügten sich 8500 Besucher. Langfinger find mit von der Partie. Der gestrige Sonntag, der zahllose Ausflügler und Spazier- gänger ins Freie lockte, hatte auch eine ganze Reihe von Taschen- d i e b e n auf die Beine gebracht. Insgesamt wurden an verschiede- nen Stellen nicht weniger als 7 Langfinger von den Kriminal-! beamten erwischt. Drei sind Rumänen, zwei Italiener und zwei i „Hiesige". In der Völkerschau am Zoo traten die drei Rumänen � auf. Einer von ihnen, ein Max Arba, ist bereits im Oktober vorigen Jahres einmal festgenommen worden und wurde zur Verbüßung seiner Strafe nach Kottbus gebracht. Von dort entwich er im März, kam nach Berlin zurück und tat sich hier mit zwei Landsleuten, einem Frisniak und einem Parendis, zu neuen Taten zusammen.
Mtt-Arena abgebrannt Wiederaufbau wenig wahrscheinlich
Marsch in die Kaserne! Treviranus und die Arbeitslosen. — Kasernierung für den Stahlhelm.•— Taschengeld statt Unterstützung. Herr Treviranus hat einen sauberen Plan zu?„Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" ausgeklügelt, den er in einer Rede in Oldenburg dargelegt hat. Darüber wird berichtet: „Sonntag abend sprach in Oldenburg Reichsminister Treviranus in einer Versammlung der Konservativen Volkspartei . Er ging in feiner Red» auf die ckktuellen Fragen der Innen- und Außenpolitik ein und behandelte am Schlüsse seiner Ausführungen auch d i e Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Er betonte, daß der Staat von sich allein diese Frage nicht lösen könne. Der Minister wies weiter daiTtuf hin, daß die Einführung einer Zwangsarbeitsdienstpflicht wegen der Ausbringung der Mittel nicht möglich sei. Aber es müsse doch ernstlich die Frage eines freiwilligen Arbeitsdienstes geprüft werden. Schon in den nächsten lagen würden nach dieser Richtung hin Fragen an die wehrverbände gerichtet werden, ob Man zu einer Durchführung eine« freiwilligen Arbeitsdienstes kommen könne, Der Dienst müsse ausgezogen werden gleichsam auf der Basis wie die Quartierlei st ung der Heeresmacht. Darüber hinaus würden die Leute des freiwilligen Arbeitsdienstes nur ein kleines Taschengeld erhallen. Das ganze würde auf eine Art ziviler wirtschaftlicher Mobilisierung hinauslaufen. In diesem Zusammenhange würde auch die Frage geprüft werden, ob es möglich sei, ein Anrecht für die Arbeitsdienst- leistenden auf Unterstützung beim Bau eines Eigenheims zu schaffen." Di« Arbeitslosen sollen also für die Wehrverbände kaserniert »erden! Statt zureichender Unterstützung die Kaserne und 30 Pfennige pro Tag! Wir fragen: Wer wird diese Fragen an die Wehrverbände stellen? Ist die R e i ch s r e g i i r u n g an diesem sauberen Plan beteiligt? Selbstmörder unter Autobus. Schreckensszene in Wittenau . V»r dem Hause Oranienburger Str. 80 in Wittenau spielte sich heute früh um?49 tthr eine Schreckeusszene ab. Der 44jährige Arbeiter Richard Hopp aus der Chausseestr. 33 warf sich in einem Anfall von Geistesgestörtheit vor die Räder eine» Autobus. Obgleich, der Chauffeur mit allen Mitteln versuchte, das schwere Fahrzeug zum Halten zu bringen, war die Entfernung zu kurz und der Wagen ging über den Körper des Mannes hinweg. 5). starb auf dem Transport zum Reinickendorfer Krankenhaus. Ein äußerst schmerzhaftes Leiden Ihres Ijährigen Töchterchms ließ in der Mutter des Kindes, der 29jährigen Frau des Arbeiters Linke aus der Lichtenbergcr Straße 5, den Plan reifen, mit der unglücklichen Kleinen in den Tod zu gehen. Während der Abwefen- helt ihres Mannes öffnete Frau L. die Gashähne. Als Linke heimkehrte, entdeckte er die Tat und alarmierte sofort die Feuer- wehr. Die Wiederbelebungsversuche hatten nur bei der Frau Er- folg. Als Polizeigefangene wurde sie ins Staatskrankenhaus ge- bracht. Wahlsieg in Frankreich . Sozialisten jetzt stärkste Fraktion. Paris , 4. Mai. (Eigenbericht.) Bei der Ersatzwahl zur Kammer in Oubussgn wurde für den kürzlich zum Senator gewählten radikale» Abgeordneten der Sozia- list B e n a s s y mit über 1000 Stimmen Mehrheit gewählt. Die Sozialistische Partei hat damit die Radikalen in der Kammer über- flügelt unh ist nunmehr die stärkste Fraktion. „Zunahme". Die Hugenbergpressc veröffentlicht eine statistische Tabelle über den„Vormarsch der Freiheitsbewegung". Dabei werden die Eintragungen des Poung-Volksbegehrens mit den jetzt für die LandtagSauflösung erzielten im Umfang des preußischen Gebiets verglichen und der Uebcrschuß der letzteren wird als ,L u- nähme der Stimmen der nation alen Bewegung" verbucht. Ein höchst einfaches Verfahren! Es versch»e>gt nur, daß beim � Pöting- Begehren Deutschnationale und Nationalsozialisten allein vorgingen, während diesmal Volkspartei, Ehcistlichsoziale. Landvolk und sonstige Rechtsgruppen, die das Anti-Pounggeschrei nicht mitmachten, sich dem Vorgehen gegen das republikanische Preußen angeschlossen hatten.
Auf der Rütt-Arena In der Haseuhelde brach am Sonntagnachmittag plötzlich Feuer �aus und in kurzer Zeit stand der große hölzerne Bau in seinem ganzen Aus» maße in Flammen. Die Radrennbahn wurde trotz größter Anstrengungen eines starken Fenerwehraufgebots
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3)ie Feuerwehr bei den Xöfcharbeilen völlig z e r st ö r t. Der Schaden ist sehr hoch; zu allem Unglück war die Bahn nicht versichert. Die Entstehungsursache des verheerenden Schadenfeuers ist zur Zeit noch völlig ungeklärt. Gegen 16 Uhr stiegen aus dem hölzernen Gebälk der Nordkuroe starke Rauchwolken empor. Als die Ge- fahr von dem Pächter des Restaurationsbetriebes, in dem auch Altmeister Rütt um diese Zeit anwesend war, bemerkt wurde, brannte ein Teil des Unterbaue» bereits lichter- loh. Der starke Wind begünstigte die Ausdehnung des Feuers außerordentlich und mit geradezu unheimlicher Schnelligkeit griffen die Flammen um sich. Eine gewaltige Feuerlohe und eine fast hundert Meter hohe Rauchsäule kennzeichneten die Brandstätte bis weit hinein in das Stadtinnert. Die zahlreichen Zuschauer der Flugveranstaltung auf dem Tempelhofer Feld wurden mit die ersten Augenzeugen des ausgebrochenen und sich von Minute zu Minute an Heftigkeit steigernden Großfeuers. Auf den Alarm eilten zahlreiche Löschzüge an die Brandstelle. In der Züllichauer und Golßener Straße standen in kurzer Zeit über 20 Feuerwehrfahrzeuge, die nacheinander in die Be- kämpfung des Brandes eingriffen. Der lichterloh brennenden Holz- bahn entströmte eine so gewaltige Hitze, daß sich die Löschmann- schaften in respektvoller Entfernung halten mußten. Brennende B a l k e n t e i l e wurden bei dem heftigen Wind meterweit durch die Luft gewirbelt. Leider zeigte es sich bei den Löscharbeiten, daß die in der Umgebung der Brandstelle befindlichen Hydranten nicht
den Anforderungen entsprachen. Sie genügten keineswegs, um die 20 angeschlossenen Schlauchleitungen mit den notwendigen Wasser- mengen zu speisen. Zeitweilig setzte die Wasserzufuhr aus, so daß die Flammen erneut um sich greifen konnten. Nicht nur der größte Teil der Radrennbahn, bis auf die g e- rettete Südkurve, sondern auch mehrere angrenzende halb- massive und hölzerne Gebäude fielen dem Feuer zum Opfer. Die Löschaktion zog sich bis in die Abendstunden hin, immer wieder zeigten sich Brandnester, die eine neue Gefahrenquelle bildeten. Walter Rütt hat sich in der ersten Aufregung erhebliche Ver- letzungen zugezogen. Bei dem Versuch, eine Barriere zu überwinden, erlitt er am Kopf mehrere Wunden, die sich als nicht gefährlich herausstellten. Von der Kriminalpolizei ist eine Untersuchung ein- geleitet worden, die noch nicht abgeschlosien ist. Das Ende einer llnglücksbahn. Mit dem Brand scheint das Schicksal der Bahn endgültig be- siegelt zu sein. Als Walter Rütt in den Junitagen des Jahres 1926 die Bahn mit großen Hoffnungen eröffnete— das Geld zum Bau der Bahn wurde Rütt von amerikanischer Seite zur Verfügung gestellt— ahnte niemand, daß das ganze Unternehmen auf höchst unsicheren Füßen stand. Hatte Rütt Rennen angesetzt, regnete es, so daß die finanzielle Lage immer mißlicher wurde. Die wenigen Renntage, die regulär durchgeführt werden konnten, vermochten selbstverständlich das immer größer werdende Defizit nicht zu decken. So ging es abwärts, bis Walter Rütt aus dem Geschäftsbetrieb sang- und klanglos ausgeschaltet wurde. Die nachfolgenden Bewirt- schafter konnten die Bahn ebenfalls nicht hochbringen und in dieser
ätlick auf die ausgebrannte Stütl Arena Saison wollten die Pächter der Olympiabahn, Königsberger und Tadewald, ihr Heil versuchen. Allerdings begann schon die Premiere am 26. April mit einer großen finanziellen Einbuße. Ueber das weitere Schicksal der Bahn ist zur Zelt noch nichts bekannt.
Internationale und Zollunion
Zweitägige Beratung
Zürich , 4. Mai. (Eigenbericht.) Das Erweiterte Büro der Sozialistischen Arbeiter-Internatio- nale hat am 3. und 4. Mai im Volkshaus in Zürich unter»dem Vorsitz von Vandervelde über die Probleme beraten, die der Plan einer österreichisch-deutschen Zollunion aufgeworfen hat. Es waren u. a. anwesend für Deutschland : Breitscheid , Hilfer- ding, Stampfer, Wels ; Oesterreich: Bauer, Seitz; Frankreich : Blum, Grumbach : Belgien : de Brouckere, Vandervelde , van Roosbroeck: Großbritannien : G i l- lies: Tschechoslowakei : Les, Winter, Soukup für die tschechischen, Taub für die deutschen Genossen: schließlich der Sekretär der Internationale Friedrich Adler . Ueber die Beratung wurde folgendes Kommunique ausgegeben: „Das Büro der TAI. hat die Lage geprüft, die durch den zwischen Deutschland und Oesterreich abgeschlosienen Vorvertrag über eine Zollunion entstanden ist. Es hat festgestellt, daß die sozialistischen Parteien der beteiligten Länder darin einig sind, im Interesse des Weltfriedens ihre Bemühungen um eine Lösung des Konfliktes fortzusehen, die mit den Interessen der Arbeiterklasse und der Würde aller beteiligten Länder vereinbar ist. Die Internationale wird dahin wirken, aus dem Konflikt selbst eine Neuordnung der europaischen Wirtschaftspolitik hervorgehen zu lassen, die zur Herabsetzung derZolltarife und zur Beseitigung der Hemmnisse des internationalen Waren- austauschs führen kann. Zu diesem Zwecke werden die Parteien in ständiger Fühlung bleiben und das Büro wird in Kürze wieder zusammentreten, um die Beratungen fortzusetzen." Frankreichs Gegnerschaft. Paris . 4. Mal.(Eigenbericht.) In einer Versammlungsrede zum bevorstehenden Wiederbeginn der Parlamentstagung führte Ministerpräsident Laoal aus: „Frankreich Hot stets seinen Friedenswillen bewiesen und sich allen Maßnahmen angeschlossen, die auf eine An- nährung der Völker hinzielen. Das Parlament hat stündig mit großen Mehrheiten diese Friedens- und Verständigungspolitik der Regierung gebilligt. Unser Land hat daher mit tiefer Bitter- k e i t ein kürzlich eingetretenes Ereignis empfunden, das durch unsere 5)altung weder zu rechtfertigen noch zu erklären ist. Fraukreich konnte diesen Plan weder in bezug auf seinen In- hall noch in bezug auf die dabei angewandte unerwartete und ungestüme Methode billigen. In den internationalen Beziehungen ist auf diese Weise Verwirrung gestiftet worden. Um die politische und freie Zusammenarbeit der Völker fortsetzen und ausbauen zu können, dürfen wir derartige Mißverständnisse nicht weiter bestehen lassen und derartige Machenschaften nicht dulden. Wir wollen de» Frieden und wir werden alles tun, um ihn zu organisieren. Aber wir
wünschen den Frieden in der Achtung vor unserer Würde, ebenso wie wir stets entschlossen gewesen sind, niemals die Würde der anderen Nationen anzutasten. Briand hat die Grundlinien einer Politik der internationalen Verständigung festgelegt. Diese Politik ist mit der souveränen Ausnutzung unserer eigenen Verteidigungsmittel vereinbar und sie soll uns die Vor- teile einer allgemeinen Stabilisation Europas sichern. Eine große Wirtschaftskrise lastet zur Zeit auf der ganzen Welt. Weder den Interessen des Friedens noch den Interessen Frankreichs scheint es mir angepaßt, wenn wir uns in einen engen Egoismus einschließen wollen. Wir müssen Achtung vor den Verträgen verlangen, weil sie die sicherste Garantie zur Vermeidung eines Krieges bleiben. Aber wir müssen zugeben, daß der Friede nur solide und dauerhast sein kann, wenn er aus der Organisation der wirtschaftlichen Veziehungen zwischen den Völkern aufgebaut ist. Ich glaube nicht, daß wir trotz dem Scheitern der bisher vom Völkerbund in dieser Beziehung unternommenen Versuche auf dieses Unternehmen verzichten können, das nur ein Werk der Zeit sein kann." * Halbamtlich wird in Berlin dazu erklärt: Es ist voll- kommen unverständlich, wie der französische Ministerpräsident in der geplanten deutsch -österreichischen Zollunion ein«„Störung der internationalen Beziehungen" erblicken kann. Das österreichisch- deutsche Borgehen steht— wie immer wieder betont werden muß— vollkommen im Einklang mit den bestehenden Verträgen und Abmachungen. Es kann sich also nur um eine Ver- stimmung darüber handeln, daß es Deutschland und Oesterreich unter- nommen haben, selbständig einen geeigneten Weg zur Be- seitigung der schwierigen Wirtschaftslage gehen zu wollen. Es erscheint nokwendig, nun endlich aus den theoretischen Diskussionen über Sanierungsmöglichkeiten Europas herauszukommen und praktische, schnell wirksame Woßnahmen zu ergreifen. Diesem Ziele dient der Zollunionsplan, der völlig im Sinne der Briandschen Europapolitik eine Wirtschaftsentente darstellt, die auf andere Staaten auszudehnen aus- drücklich vorgesehen ist. Im übrigen begrüßt man dos In der Rede des französischen Ministerpräsidenten offenkundig zum Ausdruck kommende Bestreben nach positiver Mitarbeit Frank- r e i ch s an dem europäischen Wiederaufbauwerk, wenn auch das hier von Laoal gezeichnete Aufbauprogramm noch zu allgemeiner Natur ist, als daß sich jetzt schon ein Urteil über Tragweite und AuswlrkungsmSglichkeiten fällen läßt. Die Außenminister der Kleinen Entente, d. t. der Tschechoslowakei, Jugoslawiens und Rumäniens , beraten zur Zeit in Bukarest . Es liegt in der Linie der Politik des Herrn Dr. B e n e s ch, diese Konferenz zu einem Beschluß gegen den Berlin -Wiener Plan zu veranlassen.