Sfam-UUrlch 3)reyer: Sin TOeiifdt i ?er Bericht: In der Nacht zum lZ- Februar stürzt« sich ein« weiblich« Person von der Gotzkopz>kybrü<te in den Fluß. Die Selbstmörderin konnte noch lebend geborgen werden, starb aber bald nach ihrer Einlieferung m dem Krankenhaus. Die Tote hatte keinerlei Ausweispapier« bei sich. D>e Gründe de» Selbstmordes sind unbekannt. Die Er- trunkene ist etwa 19 bis 22 Jahre alt, 1,63 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, braune Augen und regelmäßige Gesichts- züge. Die Kleidung war verbraucht und abgetragen. Zweck- dienliche Angaben sind zu richten an Zimmer 16 des Polizei- Präsidiums. Die Ursache: Jeden Morgen. 7,26 Uhr. fuhr Martha Vogdansky vom Bahn- hos Börse mit der Stadtbahn in das Büro. An die Schreibmaschine und dos Kontokorrent. Zog Saldos, schrieb Rechnungsauszüge: telephonierte und ging zu den immer ein wenig nervös machenden Diktaten de» Chefs. Saß bis 6 Uhr zwischen den grauen Mauern eines Hinterhofes, der nur einen winzigen Fetzen de» blauen Him- mels ahnen ließ, der froh und manchmal sehnsüchtig machte. Neun Stunden arbeitete Martha zwischen den lichttoten Mauern eines Geschöstshinterhause». Neun Stunden, durchhastet mit Arbeit, zerschnitten von schrill oufgeckernden Telephonen. Neun Stunden waren private Gedanken, Gespräche und jugendfrohes Lachen ver- boten. Und nach neun Stunden fuhr Martha müde nach Hause zurück. In den Ohren das sausende Stampfen und Schüttern der großen Rotationsmaschinen: die Augen lasen noch immer lange Zahlenkolonnen und die Fingernägel waren brüchig und geplatzt von dem harten Anschlagen auf der schweren Schreibmaschine. Und für all dies erhielt sie am Monatsende 119 Mark. 90 Mark trug sie heim, die 29 Mark nahmen ihr der Staat und die sozialen Instu- titionen. Für 99 Mark arbeitete sie und Martha wußte, daß e» Menschen gab, die noch weniger nach Hause brachten. Wir. die wir nicht in der täglichen Hast eines Geschäftes stehen, oder besser bezahlte Posten besitzen, die uns mehr Freiheit und äußere Würde geben, können uns nur mit einem widerstrebenden Schaudern in solch ein enges Dasein hineindenken, und es gar leben zu müssen, erscheint un» untragbar. Und dennoch ist es gar nicht so untragbar schwer, so, wie Martha, in verbauten und schlecht gelüfteten Büros zu leben. Ein sehr, sehr bescheidenes Einkommen zu haben und ein Zimmer in dem Proletarierviertel zu besitzen. Es wäre aber untragbar, wenn die alles ausgleichende und tötende Gewohnheit nicht wäre. Denn mit der Zeit, und die Gewohnheit ist eine Schwester der Zeit, sehen wir nicht mehr den lichtlosen Hinterhof, das verbaute stickige Büro und haben uns angepaßt an den Lebensstandard von Martha und sangen ganz langsam an, dies enge Dasein zu lieben, das uns nicht mehr so eng erscheint, weil wir darin stecken. Wir, unsere Augen, die unser eigenes Leben immer ein wenig vergrößerter sehen, al» es von den Augen der anderen und der Wirklichkeit gesehen wird. Bewußt hotte Martha über diese Dinge nicht nachgedacht. Aber manchmal, wenn sie die Auslagen der Warenhäuser betrachtete und on den Preisen der Kleider, die ihr gefielen, ihr Einkommen verglich. konnte sie etwa» verbittert werden. Oder wenn sie resigniert mit den Worten:„Nein, das kann ich mir nicht erlauben." einen Wunsch sich zerreißen mußte, um desien Erfüllung sie stürmisch gebangt hatte. Dann erschien ihr da» Leben arm und hoffnungslos. Aber Wartha, früh ins Leben gestellt, wirklichkeitsnahe und leben»- bejahend, überwand schnell solche„verdrehten Anwandlungen", wie sie e» nannte, und. suchte instinktiv Ergänzungen für die nicht erfüll» baren Wünsche oder verschob die Erfüllungen mit Hoffnung»- freudigem Lächeln auf später. So verlief ihr Dasein im ganzen ruhig und zufrieden. Bor drei Iahren. als Sechzehnjährige, hott« der Tod Ihrer Mutter eine hestig« und lang« nochhallende Erschütterung gebrocht. Einsamkeit und das kleine bescheidene Zimmer in der Proletariergegend. Do» war schlimm gewesen, so ganz allein. Dater und Bruder waren im Kriege gefallen, sich durch das Leben hindurchzubeißen, aber es war gegongen und machte sie stolz und froh, es so gut geschafft zu haben. Durch«ine Kollegin hatte sie Paul kennengelernt. Er war Expedient, verdient« 89 Mark im Monat mehr al» Marchs, war zwei Jahre älter, lochsroh und unbesorgt dem Leben gegenüber. Abends holt« Paul sie vom Büro ab. Sie gingen noch«in wenig spazieren und sprachen in irgendeinem Cafe über all die kleinen Aerger und Freuden ihre» Alltagslebens. Zwischen ihnen wuchs «in« still« Liebe auf und Martha gab sich diesem neuen, fordernden Gefühl ganz und echt hin. So stand es In Marthas Leben, als man ihr mit ein paar bedauernden Worten die Kündigung überreichte. Abgebaut. Martha mußte, was dies hieß: Hunger, Hoffnungslosigkeit, Arbeitsarmut. In den Zeitungen umschrieb man es mit Weltwirtschaftskrise und klrbeitslosenproblem. Aber ganz brutal gesagt hieß es für viel«— Tod. Soweit dachte Martha nicht. Dazu war sie zu jung, zu zäh und zu vital und dann war ja auch noch Paul da! Martha nahm den Kamps auf. Zäh und energisch. Sie stellte den ganzen Gleichmut und die hungrige Lebensfreude eines kämpfen- den Proletarierkind«» on die Front, gewillt, dem Schicksal, da» da unter dem Schlagwort„Weltwirtschaftskrise" und..Arbeitslosen- Problem" segelt, entgegenzuarbeiten.—- Ihr Zimmer konnte sie unter den veränderten Lebensbedingungen nicht mehr holten. Eine Frau aber hat dort ihr« Heimat, wo sie liebt. So zog sie zu Paul. Es war ihr dies ein« ganz selbstverständliche Handlung, denn wo sollte sie hin, menn nicht zu Paul? Auch ist die Hilfsbereitschaft in den Klassen, die der Not am näckisten stehen, selbstverständlicher und freudiger. Ein Vierteljahr ging olle» gut und e» jchien, al» ob Marthas Lebensenergie das Schicksal aushallen würde. Sie hotte einen Menschen, um den sie lieben und sorgen durfte. Eine Tätigkeit, die sie wichtig und ernst nahm. Sie kochte und wusch für Paul und den kleinen bescheidenen Haushalt.— Alles ging gut— ein Vierteljahr. Aber dann muhte Martha mit eisigem Entsetzen feststellen, daß Paul eine andere Frau kennengelernt hatte, sie liebt« und Martha betrog. Sie konnte wohl für ihn orbeiten. rechnen und sparen! Sie konnte für ihn kämpfen, aber gegen dieses unfaßbare Gefühl einer Liebe, einer Zuneigung für eine ander« Frau, dagegen hatte Martha keine Bundesgenossen. Sie fühlte in tieser Trauer, wie Paul gegen sie gleichgültiger wurde: wie er unter ihrem„Da— sein" litt und wie sie ihm im Wege stand in dieser neuen Lieb«. Er kam jetzt spät oder gar nicht nach Haus«, war still und ob- weilend zu Martha und allmählich trat«ine dumpf» Spannung in das Zusammenleben, die Martha unerträglich schien.— Ab«r noch immer fand sie nicht die Entschlußkraft, von ihm zu gehen. Sie schalt sich feige, gesinnungslos, ihm im Wege zu stehen, sein Brot zu eisen und sein Geld annehmen zu müssen, jetzt, wo doch jedes Anrecht daraus entschwunden war. Aber die Hofsnungslosigtett vor dem einsamen, hungernden Leben da draußen, ließ sie vor einer Flucht von ihm zurückschrecken. Lange ging dieser qualvolle Kampf. Bis sie eine» Tage» in seinem Sonntagianzug die Rechnung«in«»
ijeM mugrunde Absteigequartier» sah. Die Geldsumme las, an die andere Frau dachte und daß sie es war, die auch hierbei im Wege stand. Diese Tatsache gab merkwürdigerweise den endgülttgen Entschluß ihrer Flucht vor Paul. Und nur ein ganz sachlicher Zettel gab Paul am selben Abend Kenntnis von Marthas Abschied. Die erste Nacht war Martha ziellos bis zum Morgengrauen durch die Straßen gegongen. Dann hatte sie sich ermüdet auf eine Bank in den Anlagen gesetzt, um etwas zu schlafen. Ein Schupo weckte sie auf und hetzte sie mit einem harten Verweis weiter. Wieder fand sie eine Bank, schob sich fröstelnd zusammen und schlief. auszuckend unter jedem von ferne hallenden Schritt ein. Wachte bald wieder auf, sah neben sich eine verkommene männliche Gestalt, die sich ihr mit zotigen Worten näherte. Martha entfloh gehetzt und erst ein paar Straßenzüge weiter kam ihr armes, zerquältes Herz zur Ruhe. Die nächste Nacht verbrachte sie im Asyl. Ander« Nächte in den Gchlaftäumen der Heilsarmee . Aber in all diesen Schlafstellen die- selben von Verbrechen und Armut zerriebene Luft, unflätige Worte, verkommene Körper. Ein Milieu von Schmutz und Schande, das Martha körperlich anekelte und zu dem sie doch immer wieder flüchten mußt«, um schlafen zu dürsen.— Am Tage dieses hoff» nungslose, untätige Warten auf ein paar Stunden Schlaf, der Ver- gessen und etwas Kräftigung brachte. Am Tage den Hunger und die quälende Trauer und zerreißende Sehnsucht nach Paul, das hoff- nungslose Betteln um Arbeit. Mehr und mehr zermürbte dies in graue Hoffnungslosigkeit hineingelebte Leben. Sie dachte mitunter an die zerplatzte und zerschrundene Schreibtischplatte in ihrem früheren Büro, als an etwas Ruhiges, ehrlich Beständiges. Und wer mochte wohl jetzt an ihrer Maschine sitzen, deren Typen bei„a" und„e" schon etwas breitgeschlagen waren? Manchmal war die Maschine wie ein störrisches Tier gewesen, das plötzlich sprang, die Worte zerriß, so daß man einen neuen Bogen einspannen mußt«. Ob es jetzt auch noch so war? Ach, dies waren so kleine Kümmer- nisse damals gewesen.— Oesters Irrte sie um den Häuserblock, in der ihr früheres Büro war. Aber immer, wenn sie«In bekanntes Gesicht erblickte, floh sie zurück in ihr arbeitslose», quälende» Leben. Eines Tages wurde sie ohnmächtig ins Krankenhau» gebracht. Unterernährung und schlechte Nerven hatte der behandelnde Arzt zu ihr gesagt. Dann lag sie still und sehr matt in einem sauberen weiß bezogenen Bett, schlief viel und schöpfte neue Lebensenergien. Entlassen, kämpfte sie erneut gegen diese graue Hoffnungslosig- keit. Sah auf dem Arbeitsamt beim Stempeln die alten Gesichter wieder, ein wenig bleicher und spitzer als vorher.— Und wieder dies trostlose Umherirren, am Tage sich in den Warenhäusern auf- wärmend und nach unentgeltlichen Kostproben suchend. Der erst« Schnee fiel, die Asyle wurden überfüllt und oft mußte sie wieder ohne Schlaf in die graue, kalte Nacht zurück. Gehetzt von den Schupowachen, von Männern belästigt, lernte sie es, in einer Tor- oische oder Haustüre gelehnt einzuschlafen. Schlimm stand es mtt Martha. Sehr schlimm. Die Haar« ver- filzten und waren morgen» in der Warenhaustoilett« noch kaum zu kämmen. Di» Kleider wurden abgegriffen und fadenscheinig. Aber am schlimmsten war der Hunger. — Einmal hatte sie oersucht, sich einem Manne gegen Geld hinzugeben, aber im letzten Augenblick war, sie entsetzt vor ihm Tun geflüchtet. Und eines Nacht, stand Martha am Wasser. Lange und sinnend. Wußte, daß es jetzt geschehen würde und müßte. Dort von jener Brücke. Immer hatte sich vor diesem Schritt ein winziger Rest von Hoffnung und Lebensenergie gewehrt, und willfährig hatte Martha ihm nachgegeben, denn sie wollt« ja leben, arbeiten, satt und«in wenig glücklich sein. Sie wollte es ja mit allen Fibern ihres Körper». Aber es gab aus diesem jetzigen Leben keinen anderen
WallherTIclor: jfllcl I Zu Pfingsten werd« ich mindesten» den«inen Tag Skat spielen. Ich freue mich schon lange darauf. Der Skat, wissen Sie, ist für mich geradezu eine Erholung. Schon heute ohne ich z. B. bereit» das Wohlgesühl des Sitzens voraus. Ich kann Ihnen da» nicht so erklären, aber vielleicht kennen Sie dieses Gefühl auch, das von jenen bretten Flächen aus den Körper nach oben durchrinnt, die sich südlich de» Rückens besinden. Man kann nämlich auf verschiedene Art sitzen. Wenn man z. B. einen Lorgesetzten besucht und aufgefordert worden ist. Platz zu nehmen(„Platz!" sagt Herrchen auch zum Hunde, wenn der sich setzen soll), dann berühren die Hinterbacken nur oberflächlich den Sitz. Das Schwergewicht ruht in Sohlen und Unterschenkeln, man kommt sich ein bißchen so vor wie in der Kniebeuge und ist ganz noch vorn geneigt, ganz Auge, ganz Ohr, ganz Aufmerksamkeit. Slnders sitzt man in der Straßenbahn, anders auf der Parkbank neben der Geliebten, anders vor dem Papier, auf da» man«in Pfingstfeuilleton produzieren soll, anders im Wortezimmer des Arzte», anders..., ander» dort, wo der Anstand es zu schildern durchaus oerbietet. Aber eben ganz anders beim Skat! Hier ruht auch der Schlankst« mit Zentnerschwer« auf seiner Sitzstäche, breit und ausladend verwächst die Kehrseite mit dem Stuhl, das Bierglas und der Aschenbecher werde:: zur gewohnten Wohnungseinrichtung, hier sitzt man. man kann nicht anders, ver- funken ist längst die Welt und alle ihre Probleme. Bube. Dame, König, Aß regieren die Stunden, der Aerstand führt die Truppen ins Gefecht, die Kraft donnert den Trumpf ans die Platte, die Seele ober ist beurlaubt und oerbringt ihr« Ferien im Hosenboden. Sehen Sie. s o stelle ich mir mein Pfingsten vor! Die Ellenbogen aus die Tischkante gelegt, ertrinkt man in Ruh« und Wunschlosigkeit. Den großen Grand in der Borhand, kann mir die ganze Wirtschaftskrise gestohlen bleiben, ich imponier« mir bei seder Trumpssteben. die ich noch auf Lager habe, al» derjenige, der bestimmt zuletzt lachen wird, weil er klug disponierte, und wenn ich heimlich einen Rull ouvert organisiere, komme ich mir so pfiffig vor, wie einer, der, während es Bindfaden regnet, sein Schäfchen im Trocknen hat. Kommt eine Flaute und die anderen gehen mit einem Ramsch noch dem anderen auf die Dörfer, dann wend« ich mein Interesse meiner Zigarre zu und haue noch au» Rückhand meinem Mann die dicksten Sachen in, Geschäft. Wollen Sie glauben, daß man dabei vergißt, nach der Uhr zu sehen? Rein? Ich sog« kontra! Nun müssen Sie wissen: dieser Pfingstskat ist nur so ein Ge- danke von mir. In Wahrheit habe ich seit dem Kriege, wo man neben anderen üblen Angewohnheiten auch diese erwarb, nicht mehr Skat gespielt. �Ind dennoch denke ich daran, zu Pfingsten Skat zu spielen? Ich denke ja gar nicht daran! Oder vielmehr: ich denke schon daran,
erträglichen Abschluß als diesen einen unwiderruflich letzten Sprung in» Wasser. Biel Gedanken über den Tod hatte sich Marchs nicht gemocht. Dazu war sie zu daseinsfroh und zu jung. Sie wußte bloß, daß man, wenn er an einen geliebten Menschen herantritt, tief und fassungslos weinen muß>— ntajis anderes als weinen kann. Und dann wußte sie noch, daß er sehr schwer ist der Tod. und alles ver- ändert und ins Dunkle führt. Sie dachte on das schwere qualvolle Sterben ihrer Mutter. An diesen unendlich langsamen und zähen Tod der Krebskranken. Sie sah das Gesicht ihrer Mutter noch vor sich. Die Nase ragte steil und wächsern fein aus dem Gesicht. Still war es auf ihrem Antlitz gewesen: so ganz groß und edel hatte e» ihr geschienen— alles Kleinlich« war fortgewischt. Man mußt« da beten und hemmungslos weinen. Es bleibt nichts andere» übrig vor so einem Gesicht. Ob sie wohl auch so aussehen würde? Hatte der Tod eine solche Unifarm? Aber wer sollte denn noch über sie weinen! Paul vielleicht ein bißchen. Aber er erfährt ja nicht» davon und soll es auch nicht/ Wenn jetzt jemand da wäre, dachte Marchs, und mir gut zu- reden würde, mich vielleicht— ja— etwa» streicheln würde, so ganz leicht und lind, dann würde ich es ganz bestimmt nicht tun Oder wenn ich jetzt was Ordentliches zu essen hätte. Auch dann würde ich es nicht tun, denn wenn man was Warme» im Leibe hat, sieht die Welt gleich ganz anders aus. Aber..... so.....! Sie schritt langsam auf die Brücke zu und lehnte sich über das Geländer. Ob es drüben einen Gott gibt? grübelte sie. Aber wer kann da- alles wissen. Man weiß eigentlich schon viel zu viel: wenn da» nicht wäre, wäre vielleicht vieles leichter. Immer, wenn Martha das Gefühl einer Not hatte, war sie zu ihrer Mutter geflüchtet, und nach dem Tode der Mutter hatte sie es dadurch beibehalten, indem sie ihr« Mutter unbewußt zu Gott erhob, zu ihr betete und um Hilfe anflehte. Es war ihr ganz selbstverständlich, daß die Mutter, die ihr im Leben immer geholfen hatte, auch jetzt nach ihrem Tode welter helfen würde. Martha betete, nahm dann die Handtasche, entfernte alle ihre Papiere, zerriß sie sorgfältig und warf sie olle unter sich ins Wasser. Langsam zogen die weihen Papierflocken in der Strömung aus dem trüben Lichtkreis der Lampen und verschwanden im Dunkel des Strom«. Nun brauche ich nicht mehr stempeln zu gehen. Auch das Hungern hört auf, das Müdesein und Nichtschlafendürfen. Paul wird nicht mehr da sein, Ja— Paul! Ach Paul, seufzte sie auf, es ist doch sehr schwer. Dieser Sprung ist wie eine sehr, sehr schwere Arbeit, die noch getan werden muß. Sie sah in das langsam ziehend« Wasser. Schwarz strömt« e, durch die schneebedeckten Ufer. Im Sommer muß es leichter fein. dachte st«: da scheint es sauberer, freundlicher und es ist auch heller das Wasser. Und sie erinnerte sich an einen Sonntagmorgen, on einen See. wo Paul und sie die Sonne aufgehen sahen. Sie sah noch ganz deutlich die rosa und zartgrünen Tupfen am blauvioletten Himmel. Das Wasser, das alles widerspiegette. Hörte da» Klatschen und Schreien der Wasservögel im nahen Rohr. Martha seufzte ckies auf, stellte sich auf das Geländer und ließ sich fallen. Im Stürzen dachte sie seltsam ruhig, ja, da» ist doch alles nur ein Traum, all dies Traurig«, Hungrig« und Verworren«. Wenn ich unten bin, auf dem Wasser, wach« ich erschreckt mit flopsen- dem Herzen im Bett auf, und es ist alle» nicht wahr. Ich geh« wieder ins Geschäft zu der alten, rissigen Schreibtischplatte und der Maschine, die schlecht« Typen hat. und ärger« mich, wenn fl« springt und ich»inen neuen Vogen einspannen muß. Paul holt mich abend» ab, und wir lachen über diesen komischen Traum. Der Körper schlug im Fallen dumpf klatschend auf einen Beton- klotz de» Brückenpfeiler», prallt« zurück und versant gurgelnd im Wasser. Bon einer nahen Zille wurde der Selbstmord gesehen und die Ertrinkend« ans Land gezogen. Die' blutig« formlose Masse lebte noch und wurde in die Charit« eingeliefert. In derselben Nacht, am 13. Februar. 4 Uhr morgen», starb Martha, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Di« unbekannt« Tot« de» Saales 18, Bett 194. wurde noch am selben Morgen In da» Leichenschauhau», Hannoversch« Straß«, zweck» Rekognoszierung übergeführt. �
aber ich werde e» nicht tun. Aber daß ich daran denke, das muß doch«inen Sinn haben: und dieser Sinn ist«» im Grund« ge> nommen, der mich bewegt, dies« Skatgedanken, die trotz Brüning ja noch zollfrei sind, niederzuschreiben. Ich werde Ihnen etwa» sagen: in jedem von un» ist einer ver- borgen, der möchte Pfingsten Skat spielen, so. oder ähnlich wie ich es geschildert habe! Aber in Wahrheit macht er ganz etwas anderes. Er treibt vielleicht Sport, er faulenzt sich vielleicht einmal tüchtig au», er läßt sich vielleicht bei Verwandten einladen, wo es einen guten Happenpappen gibt, und wenn er sehr verdammt ist in die Hetzjagd der Zeit, so atmet er vielleicht zwischen Büchern und Musik einmal aus, und wenn er sehr jung und sehr glücklich ist, dann geht er vielleicht mtt seiner Lieb« über die Heide. Aber irgendwo in seiner Seele gibt«» eine Stell«: da sitzt er, weiß von aller Welt nichts mehr und spielt Skat! Es fragt sich nur, ob der Kerl sich einmal au» der Eck« heraustraut oder ob der Pfingstskat auch nächste» und übernächstes Jahr und immer ein Gedanke bleibt. Ist es nicht so? Es sst so! lind wissen Sie wo»? In jedem jener passionierten Skatspieler. für die jeden Tag Pfingsten ist. steckt ein anderer verborgen. Der spielt Fußball, liest Jack London , wandert durch die Heid« und küßt sein Mädchen. Und setzt fängt diese dumme Geschichte, die doch vergnüglich sein sollte, noch ernch zu werden an,— gerade, wo sie zu End« ist.
Die Industrie beeinflußt die Färbung der Schmetterlinge. Ueber die abnorme Dunkelfärbung(Melanismus) der Schmetterlingsslügel in Industriegezenden hat Professar Hasebroek interessant« Bersuche unternommen. Er hat dabei festgestellt, daß die Schwärzung der ..Industriefalter" vermutlich aus«in« Anreicherung on Borstufen des schwarzen Farbstoffes(Pigmente») zurückzufiihren ist. Sie wird höchstwahrscheinlich durch dl« in den Indusinegegenden häufigen at. mosphärischen Gase, wie Methan, Ammoniak, Pyridin, Zyan. Leuchtgas. Gchwejelwasserstoff usw. bewirkt. Auch Fäulmsgoie scheinen die Bildung solcher..welanistischer" Schmetterlmgsiorm-'n zu begünstigen, denn in der Umgebung von Orten, an denen Fäul- ni, Vorgänge in starkem Maß« stattfinden, wie zum Beispiel bei Ab- deckereien. Fischabsoll-Verwertungssobriken usw. hat man«in de- sonders gehäuftes Vorkommen von Duntelformen der Schmetter- fing« beobachtet. Die Sanarische« Infein(westlich der Wüste Saharo) sind sehr wasserarm. Auf der größten dieser Inseln(Gran Eanaria) findet deshalb täglich«in« Wasserbörse statt, auf der da» Bewässerung?- wosser für den nächsten Tag verkaust und gleichzettig der Preis dafür festgesetzt wird.
SnantwoMi» Mr Politik:»««», SlflS»; SBitffifcjft: 9. Kiaacaif«: EcOcrflckakt»bcw?amiq: b QMntt; geuiUetsn: Tl. Zod» 6d|itoais<i; Lotoll» un» Sonftige»:«orftadt:-anjeiarn: t«. 9Io«c: färnilii in Berlin . v-rloa: B ecwättf- j! trlaa« m fc. K..«erlin. Bruck.' vorr>ärt,.»u»l>rucker«t und verlaoeqnltalt Paul Slnzer u. To.,«orll, SS.«S. fcabcnftro&o» »we,,»«WbOMi.