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Nr. 249 48. Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
BERLING EIZEIT
Nun haben wir wenigstens eine Konjunktur in dieser bitterarmen Zeit, eine kleine Konjunktur nur, die Konjunktur der Eisindustrie. Vielleicht ist sie aber gar nicht so klein, denn sonst könnte die Stange Eis nicht 1,20 M. kosten, fast doppelt so viel wie im Winter, von dem die Eisindustrie keinen Nutzen hat und den sie nicht liebt. Ein ganzer Trob neugebackener Existenzen läuft jetzt im Strome dieser jungen Konjunktur, die der Sonne zu danken ist. Wer im Winter mit ,, heißen Wienern" in einem Hausflur stand, hat den Kochkessel beizeiten in die Ecke gestellt und dafür den jetzt rentableren Eiskübel hervorgeholt; die großen Herdplatten, die immer glänzten wie eine Speckschwarte und auf denen vor einigen Wochen noch Kartoffelpuffer gebacken wurden, liegen kalt und ungenutzt unter einem großen Bogen Papier . Eine Eismaschine hat die Herdplatten abgelöst, diese Eismaschine mit ihren zebragestreiften Scheiben im Getriebe. Vom frühen Morgen bis in die späte Nacht drehen sich die Scheiben um ihre Achse, jeder blickt zu ihnen hin und sieht verdrießlich wieder weg, weil es dem Auge auch diesmal nicht gelungen ist, an irgendeinem Punkt das Ende der weißen oder der schwarzen Linie abzufassen, das Ende einer Linie, die gar kein Ende hat. So gibt es heute durchaus nicht lange Straßen, an deren Ecken in einer geruhsameren Zeit vielleicht vier oder fünf Eiswagen hielten, die aber jetzt ihre zehn, zwölf Eisdielen haben, und wenn wir etwas genauer hinsehen, dann sind es gar nicht mehr die Kinder allein, die das Eis vertilgen, sondern neben dem Kind steht das junge Mädchen und der Mann jeden Alters. Berlins neue Eiszeit ist angebrochen.
20 Grad Kälte in Lichtenberg.
sind, werden sie in große Blöcke gesägt und in Keller oder Schuppen geschafft. In diese doppelwandigen, durch Kork oder Torfmull Es ist immer wieder staunenswert, wie die Technik der Natur isolierten Räume fonnten mehrere 100 000 Zentner Eis eingelagert auf Schritt und Tritt ein Schnippchen schlägt. Mitten in dieser werden, das sich bis zum nächsten Sommer ,, eiskalt" hielt. Wenn im Tropenglut, wo sich in den Asphalt Stiefelabjazz neben Stiefelabjah Spätfrühjahr die Saison einsetzte, wurden die Schuppen oder Keller ols kleiner Halbmond eindrückt, kann eine durchaus nicht übermäßig geöffnet, und erst dann machte sich ein nennenswerter Schmelzverlust templizierte Maschinenanlage jederzeit einen Nordpol hervorzaubern bemerkbar. Uebrigens war Natureis in der Vorkriegszeit ein großer mit jedem gewünschten Kältegrad. Die Kühlanlage der Konfum- Einfuhrartikel aus Schweden . Jetzt hat die Kunſteisfabritation, die Genossenschaft in Lichtenberg ist zum Beispiel so eine Polaroase. Da vor allem feimfreies Eis liefert, die Natureisgewinnung abgelöſt; fingt ein Motor sein klagendes Lied, daß er arbeiten muß bei dieser seit 1914 eisen auch die verschiedenen Reinickendorfer Eiswerte nicht Hize, vor dem Motor fauchen die Kompressoren, und im ganzen mehr, nachdem die großen Berliner Eiswerke schon seit der Jahr Raum meht eine leichte Brise von Ammoniat. Es ist noch nichts von hundertwende Eis künstlich herstellen. Nur in den landwirtschaft Kälte zu spüren, im Gegenteil. Unterdessen vollzieht sich zwischen lichen Bezirken Deutschlands wird noch nach wie vor Natureis im Druck und Sog der Kompressoren, aufbauend auf dem zweiten Haupt- Winter gewonnen, insbesondere im Erz- und Fichtelgebirge . Dieses saz der mechanischen Wärmetheorie, ein geheimnisvoller Kreislauf, Eis wird dann im Sommer verbraucht. dessen Ergebnis weit hinten in den Kühlhallen vereiste Röhrend, tim dal Find, die man in einen besonderen Raum gesperrt hat. Diese Rtalt- sid Ein kleines Geheimnis. Luftmaschinen sind nur die eine Seite der modernen Kühlung, dazu kommt das Ventilationssystem, das fortgesetzt die eisig talte Luft in die Kühlräume pumpt.„ Halten Sie doch mal die Nase heran", sagt der freundliche Führer, nachdem er eine Klappe geöffnet hat, aber da war von Atmen feine Rede mehr, das war schlimmer als im Schneefturm. Kommen Sie, wir müssen gehen, wir holen uns den Tod hier unten in unserer leichten Sommerkleidung, zwei Türen zu öffnen und dabei von 30 Grad Hitze zu 20 Grad Kälte hinabgestiegen zu sein, das ist gefährlich", wird man ermahnt, und so müssen wir wieder Abschied nehmen von dem kleinen Nordpol , in dem die Rinderviertel von 75 Kilogramm in sechs Tagen zu einem Knochen gefrieren; wo alles Leben zu einem Eisblock erstarrt, wenn der Mensch es will, und ein paar Meter über uns brennt die Sonne, mitleidslos und unbarmherzig. Aber vor der schwerfälligen Wut der ächzenden Kompressoren zerfließt selbst die sengende Kraft der Sonnenstrahlen ins Nichts. Ein Hebeldruck, und die gehorsamen Maschinen liefern jeden Kältegrad.
Bom Ammoniak zum Eisblock.
Für den Hausbedarf besitzt die Konsum- Genossenschaft auch eine fleine Eisfabrik. Wenn man da so zusieht, wie die Stangen von Kunsteis langsam heranwachsen, dann ist das wieder einmal die einfachste Sache von der Welt. Da wird Waffer in verbleite Zellen gegoffen, diese Zellen haben die Form der Stangen, und dann werden die Zellen in eine Sole gehängt. Die Sole hat eine Temperatur von ungefähr 10 Grad Kälte, und nach 24 Stunden ist das Eis fertig. Weiter nichts. Aber hinter diesem ,, weiter nichts" steht die Wissenschaft der Kältetechnik, die sich enorme Apparaturen geschaffen hat, die jeden Tropfen Ammoniaf einfangen, mit dem sie jonglierend ein Naturgesetz durch das andere aufheben, und ganz zum Schluß rutscht dann eine Stange Eis die Holzbahn hinunter auf den Hof. Gegenwärtig hat Berlin einen Tagesverbrauch von 30 000 Zentnern Eis, d. h. Stangeneis, nicht etwa Speiseeis. Ständig sind zehn große Kunsteisfabriken damit beschäftigt, diesen Bedarf zu decken, in denen rund 450 Stammarbeiter, ohne Handwerfer und Angestellte gerechnet, ihren Verdienst finden. Soweit die großen Werte nicht eigene Handelsorganisationen besigen, schieben sich zwischen Erzeuger und Verbraucher die Eishändler, die mit ihren bekannten weißenj Wagen die Eisstangen ausfahren. Angesichts der enormen Leistungsfähigkeit der Kunſteisfabriken, die ermöglicht wurde durch die Fortschritte der Kältetechnik, ist die Natureisgewinnung in den Großstädten völlig in den Hintergrund getreten. Bisweilen ist in strengen Wintern auf den Seen in der Berliner Umgebung noch zu sehen, wie geeist wird. Wenn es sich verlohnt, also die Eisschollen dick genug
Das Stangeneis und die Eiswaffel sind immerhin Verwandte, so in der Richtung von Stiefvater zu Stiefsohn, wobei das Stangeneis wohl ohne die Eiswaffel eriſtieren kann, aber nicht die Eiswaffel ohne das Stangeneis. Jeder kann zusehen, wie in den Schaufenstern der Eisdielen in der Eismaschine die sogenannte Badung um den tupfernen Kübel gemacht wird: eine Lage Eis, eine Lage Salz, eine Lage Eis, eine Lage Salz, eine Lage Eis, eine Lage Salz, bis oben hinan, was beiläufig einen Kältegrad von 25 Grad ergibt, diese Hochzeit des Stangeneises mit dem Viehsalz. Was nun aber in dem tupfernen, rotierenden Kübel gefrieren soll, das wird feiner verraten. Ja, mein Herz, mein Rezept ist mein Geheimnis, das sage ich feinem", antworten alle Eisdielenmänner, und unterdessen sitzen die Spaßen auf dem Dache und pfeifen es herunter, woraus die Eiswaffeln sind: Eispulver plus Buder plus Kondensmilch. Und wenn sie daraus noch immer sind, dann ist das Eis gar nicht einmal so schlecht. Fürst Pückler- Eis, her gestellt in erſten Konditoreien, ist natürlich etwas anderes, schon bei einfachem Vanille- Eis heißt es im Rezeptbuch:
und
Vanille Eis.
1 Liter Sahne, 340 Gramm Zucker, 1 Stange Banille, 8 Eier. Die Sahne wird mit dem
Zucker und der Banille aufgekocht und auf eine heiße Stelle gesetzt. Dann rührt man die Eier dazu, bringt die Masse dem Kochen nahe, fühlt sie ab und gibt sie in die Gefrierbüchse.
Nun, folche Umstände wird sich wohl faum eine der neu gebackenen Eisdielen machen, aber wie es scheint, fahren die immer noch am besten, die den alten, guten Grundsak beherzigen: großer Umsatz, fleiner Nugen, und den großen Um= fag erzielt, wer die Sache mit dem
Lehneri
Sonntag, 31. Mai 1931
Eispulver möglichst sein läßt und dafür echte Früchte
int
das Eis nimmt. Ansonsten haben wir uns beraten lassen, daß das Speise- Eisgeschäft eine fast hundertprozentige Sache ijf , hundertprozentig im Sinne des Verdienstes. Zu einem Liter einfachsten Speiseeis gehören 25 Gramm Eispulver( wovon das Kilo 7 M. toftet), 150 Gramm Puderzucker( Pfund 38 Pfg.) und 1 Liter Vollmilch für 28 Pfg. Dann kommt noch das Stangeneis für die Packung, das bißchen Gefrierfalz( Zentner 3,75 M.) und die Waffeln, von denen 1000 Stück rund 2 M. toften. Schließlich kommt man auf einen Gestehungspreis von 1 M. für den Liter Speiseeis, und 25 Stück 10- Pfg.- Waffeln aus einem Liter herauszuholen, das ist auch kein Kunststück. Dabei hinki diese ganze Rechnung nech; man müßte das alles mal genauer berechnen für 100 oder 300 oder 1000 Liter, dann sieht die Sache noch ganz anders aus, und keiner, der hinter der bunten Drehscheibe steht und den Spachtel hält, wird Hungers sterben( vorausgeseßt, daß er genügend Käufer findet). Wen übrigens die Preise für die Eismaschinen interessieren: eine 15- LiterMaschine tostet 280 M. Dazu kommt- Gleichstrom vorausgesetzt ein Motor für 100 M., und dann gehen noch 20 M. drauf, so daß die 15- Liter- Anlage rund 400 M. fostet. Das heißt, wir waschen unsere Hände schon vorher in Unschuld, daß zum Beispiel jezt mer weiß wie viele Abgebaute auf den Gedanken kommen, sich für die letzten Spar- groschen einen leeren Laden zu mieten, die Eismaschine auf Abzahlung da hineinstellen und nun luftig Speiseeis fabrizieren. Denn die Sache sieht doch so aus: den Eiswagen haben die Eisdielen so ziemlich flein gekriegt, die verschwinden mehr und mehr von der Straße, aber es wird nicht mehr lange dauern, dann fressen sich die Eisdielen gegenseitig auf. Denn es ist doch immer das gleiche, alte tapitalistische Lied, ob es sich um Stiefelwichse, um Speiseeis oder um Ohrenklappen handelt: in der Konjunktur strömt das Kapital zu, bis die sonnenbeschienene Branche zum Bersten gefüllt ist, und dann tommt der große Kladderadatsch.
Anmarsch der Interessenten.
strahlenden Himmel der Speiseeis- Konjunktur zusammen. Die Sache Außerdem zieht sich noch ganz wo anders Gewittergewölf am Ichlummert gegenwärtig beim Reichsrat, nachdem sie vom Reichs
gesundheitsrat verabschiedet ist. Die großen Eiskrem- Werke, im Verband mitteleuropäischer Eisfremerzeuger zusammengeschlossen, find einmal in Koblenz und einmal in Gotha zusammengetreten und haben Räfe muß heute einen bestimmten Fettgehalt aufweisen, sonst darf die Qualitätsgarantie für Speiseeis verlangt. Sie haben gejagt: Käse muß heute einen bestimmten Fettgehalt aufweisen, sonst darf nicht mehr mit Pflanzenfett hergestellt werden, sondern nur noch aus er nicht als dieser oder jener Käse deklariert werden; Schokolade darf reiner Kakaobutter, und so soll auch nicht mehr jeder ,, Sahnen- Eis" sagen dürfen für Eis, in dem gar keine Sahne ist. Der Boden, den es zu beadern galt, mar genügend vorbereitet, da war die Geschichte in Hannover mit dem Paratyphus, worauf dort der Speiseeisverkauf auf der Straße ganz verboten wurde, und in Lübeck darf Speiseeis auch nur noch in festen Packungen verkauft werden. Die Amtsstellen zeigten den Forderungen der Eiskrem- Werke gegenüber feine tauben Ohren, zumal hinter den Eiskremleuten die großen Konditorenverbände stehen, und es wird nicht mehr lange dauern, dann haben wir in Deutschland den Qualitätsgarantie- 3wang für Speiseeis. Und dann dürfte die Formel feine Gültigkeit mehr haben: Eispulver plus Zucker plus Vollmilch gleich if. Sahneneis.
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Borläufig haben wir noch die beinahe märchenhafte Eisfonjunktur, die täglich abzulesen ist am Quecksilberstand unserer Thermometer. Und es ist gut, daß die Eisheiligen hinter uns liegen.
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