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Max Barthel : Sturm auf La fille morte

Es war ein Tag wie heute, erzählte Haueisen, der Morgen war regnerisch, am Mittag brach die Sonne durch. Wie der Abend war, weiß ich nicht mehr. Ich entsinne mich nur, daß schon in der dritten Morgenstunde die große Schießerei begann. Es war in den Ar­ gonnen . Das Meurissontal, diese kahle, zertrichterte Schlucht sollte von uns gestürmt werden und vor allem die Höhe 285, die den Frontabschnitt beherrschte. Gleichzeitig mit dem Tal und jener Höhe aber sollte der Bergriegel La fille morte, die tote Tochter, genom­men werden. Um drei Uhr in der Morgenfrühe also begann die große Schießerei. Die Küstenmörserbatterie begann um vier Uhr zu brüllen.

Ich habe viel später über jenen Sturmtag in den Argonnen gelesen und kann nun im Zusammenhang erzählen. Der einfache Soldat in der Front fennt feinen Zusammenhang. Er fennt nur den Befehl, der ihn in den Herentessel stößt. Der Herentessel! Das Tal, die Höhe und die tote Tochter rauchten, stöhnten und brüllten schon am frühen Morgen auf. Die Soldaten aber blieben stumm. Halb fünf Uhr setzten im Wald alle Geschüße und Minenwerfer ein. Die ersten Sprengungen trachten hoch. Bei Lacon stand ein deutscher Fesselballon und beobachtete die Front und das franzö­fische Hinterland. Da famen von Verdun die Flieger herüber und griffen ihn mit Bomben und Maschinengewehren an. Er mußte niedergehen.

In den Argonnen nun donnerte vier Stunden der Geschütz­tampf. Vier Stunden paukten die Minen, und als dann die schlefi­schen Jäger zum Angriff vorstießen, wurden sie von den eingeebne­ten Gräben von den Franzmännern schon erwartet. Die ersten Sturmreihen verbluten sich. Ja, einige Gräben waren genommen, die Hauptstellung war trotz der Kanonade unerschüttert und spie Stahl und Feuer.

Was wissen denn die grünen Bençels, die jetzt nach Revanche schreien, eigentlich vom Krieg? Und was wissen wir noch vom Krieg? Wir haben alles vergessen, ja, manchmal träumen wir noch Dom Trommelfeuer, aber dann kommt der Tag und wischt das Entsetzen aus unseren Hirnen. Damals aber, in den zwei Stunden, als die Jäger in den ersten französischen Gräben lagen, damals mußten sie, was Krieg war. Ueberall lagen die Toten, die Deut­ schen und die Franzosen , und die Lebenden brandeten gegeneinan­der, und der Schaum ihres Zusammenstoßes war rot und war Blut. Diese zwei Stunden da vorn waren fein Kampf mehr, si: waren nur Mezelei mit Handgranaten.

An den anderen Teilen der Argonnenfront rollte und grollte der Geschützkampf weiter. Sieben Stunden lag das Feuer auf den französischen Gräben. Wir lagen neben La fille morte, und noch am Vormittag liefen einige Franzmänner über. Sie taumelten durch die schwarzen, weißen und gelben Rauchschwaden, durch den heulenden Splitterschwall, fie famen mit erhobenen Händen und ergaben sich. Für sie war der Krieg beendet. Und dann fam diz Sonne. Sie ging durch den schweren Qualm der Beschießung wie ein roter trauriger Mond.

Dann stockte plötzlich das Feuer. Der Angriff begann auf der ganzen Linie. Bor den Sturmfolonnen mabberten die schwarzen Rauchfahnen und roten Feuerzungen der Flammenwerfer. Ein französisches Blockhaus ging in Flammen auf. Die Besatzung ver­brannte. In der Sturmwelle ging auch ich mit vor und fam in einen Handgranatenkampf hinein. Das war die Hölle. Jeder Schritt führte über Leichen.

Nun könnte ich aus jenen Stunden graufice Episoden erzähler, aber das fann jeder, der eine Schlacht in der Front mitgemacht hat. Das Bieh, das Raubtier im Menschen, fämpfte einfach gegen das andere Raubtier in der anderen Uniform und war erfüllt von wahnsinnigem Bernichtungswillen.

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Da lagen sie nun, die Deutschen und die Franzosen , wie in einem Mahlstrome von Blut. Es gab teine Rettung und fein festes Land mehr. Die einzige Rettung war der Tod des anderen. Alle Begriffe von Vaterland, Ehre, Nation, Gott und Menschlichkeit waren ausgelöscht, von den Flammenwerfern verbrannt, von den Minen zerkeult, von den Handgranaten zerrissen. Jeder Hand­granatenwurf, jeder Schuß, Hieb, Stich und Fluch war Wurf, Schuß, Hieb, Stich und Fluch zur Rettung des eigenen Lebens.

Du oder ich war die fürchterliche Barole in jenen Stunden, als die Schlacht um das Tal, um die zertrichterte Höhe und um La fille morte ging. Du oder ich, krachten die Handgranaten. Du oder ich schnatterten die Maschinengewehre. Du oder ich, fauchten die Flammenwerfer. Du oder ich, fletschte der scharfgeschliffen: Spaten. Du oder ich, feuchte der Franzmann und der Deutsche , feuchten wir, wenn wir aufeinanderstießen und uns nicht ergeben wollten.

Du oder ich?

Ich will leben, also du!

Um zwei Uhr war La fille morte in unserer Hand. Auf der toten Tochter lagen viele tote Söhne. Deutsche und Franzosen .

Die tote Tochter: ihr feuriger Schoß war unfruchtbar! Die tote Tochter: ihr Lächeln brachte den Deutschen und Franzosen das Verderben. Die tote Tochter: ihre Umarmung zerquetschte die Rip­pen! Die tote Tochter: ihr Kuß war Todesurteil für die deutschen und die französischen Söhne.

La fille morte war erobert, aber der Kampf ging immer noch weiter. Der furchtbare Sommertag in den Argonnen wollte fein Ende nehmen. Die Jäger stürmten vor und famen bis in die fran­ zösischen Batterieſtellungen. Und da fanden sie den Hauptfeind: die präzisen Mordmaschinen, die auch an den stillen Tagen mit den ewigen Feuerüberfällen das Leben bedrohten.

Der Krieg war nämlich ein Krieg der Maschinen, liebe Leute, und in den Jägern war Wollust, als sie die Geschütze erreichten. Ihre Bedienung floh oder wurde niedergemacht. In die runden Kanonenrohre wurden Handgranaten geschmissen, die Richtvorrich­tungen wurden mit Beilpicken zerschlagen, und das war der Anfang zu einer blizschnellen Vernichtungsraserei. Die Kanoniere waren vergessen. Sie waren nicht mehr die Feinde. Die Geschütze waren die Feinde, die Kanonen die Mörder. Und nun, und nun aber wüteten die Menschen gegen die übermächtigen, sonst unangreifbaren Maschinen! Der Mensch gegen die Maschine! Es war, als die Ge­schütze demoliert wurden, dieselbe Verzweiflung in den Soldaten wie in den Herzen der Maschinenstürmer damals in England oder bei den armen Webern im Eulengebirge.

Dann aber regte sich der Franzmann. Er schautelte Minen herüber. Da sprengten die Soldaten, che sie sich zurüczogen, ein Munitionsdepot in die Luft, ein gigantisches Feuerwerk im stoden­den Donner der Front.

Der Tag war blutig.

Am Abend schlief die Schlacht ein, und wir gruben uns in die zerstampste, zerwühlte und vergiftete Erde. Zwischen den neuen Linien lagen viele Verwundete und mimmerten Sie fonnten nicht hereingeholt werden. Auf jeden Mann, der sich über dem Graben zeigte, wurde geschossen. Und warum sollten auch die Verwundeten hereingeholt werden? Sie wurden doch nur in den Lazaretten wie an einem laufenden Band ausgeheilt, wieder an die Front geschickt, um aufs neue das Blut zu versprijzen.

Einmal begann mitten in der Nacht ein wahnsinniges Feuer. Es flang wie der händeflatschende Beifall einer millionenköpfigen Menge.

Erna Büsing: Mein Freund Effad

ebenso die Bäume trauern und träumen. Esjad geht gerne nach Ejub, es ist dort schön und weil es dort schön ist, empfindet sein Herz weder Trauer noch Sehnsucht. Essad lebt noch zu primitiv, um eiwas vom bewußten Lebenwollen zu verstehen.

Mein Freund Essad ist ein munterer Knabe, der in Konstanti-| wunderbaren Friedhof, auf dem nicht nur die Menschen, sondern nopel lebt, dieser sonderbaren Stadt am Bosporus , nach der sich jeder reiselustige Mensch sehnt und um die jeder flagt, der sie verlassen muß. Wer in ihr gewohnt, geliebt und gelebt hat, um durch hartes Schicksal aus ihr vertrieben zu werden, der trauert ihr im Herzen nach, mie der Bräutigam einer früh verstorbenen Geliebten. Mag ein Mensch derart in die tausend Möte der Gegenwart verstrickt sein, daß er sich selbst fremd wird, mag er sich aus Lauheit der Seele oder Arbeits­überbürbung von Menschen trennen, das Andenken an Konstantinopel bleibt. Essad lebt in findlicher Selbstverständlichkeit in dieser Stadt. Sie ist für ihn seine Welt und sie ist für ihn die Welt. Das Leben ist für ihn nur bunt, er fennt nicht seine hundert empörenden Gegen­fäße.

Essad tollt durch einen herrlichen Garten. Essad denkt viel an mich, doch ist er noch nicht so groß und flug, um seine Gedanken auf­Schreiben zu können, er fann sie nur aussprechen und sie werden mir von seinem Vater übermittelt und darum stehen sie in ihrer Ursprüng­lichkeit vor mir.

Effad legt sich unter hohe Blumen und dann bekommen die Blumen Federn und wachsen in den Himmel hinein. Für ihn wachsen auch die Minarette der Moscheen in den Himmel, er weiß, daß die Spitzen von Sultan Achmed und der Hagia Sofia ( Moscheen in Ronstantinopel), mit den Wolfen sprechen. Essad hat das selbst gesehen, es geschieht nur an schönen Abenden, immer furz bevor der Himmel seinen schwarzen Mantel anzieht.

Essad hat einen Freund, der ist älter als er. Und dieser Freund ist frant, liegt immer auf einer Matraße und Essad geht jeden Tag zu ihm. Er erzählt ihm alles, nur spricht er zu ihm nie von Blumen, meil dieser franke Freund feinen Garten hat und nicht mit Blumen leben kann. Er bringt dem Freund auch keine Blumen mit; denn abgeschnittene Blumen sterben und wenn die Blumen sterben, dann fönnten doch weder Essad noch sein Freund fröhlich sein. Efsad trägt feinem Freund jeden Tag Essen hin. Doch bittet Essad, daß nicht für den Freund gekocht wird, Essad spart von seinem Essen etwas. So gibt er und sonst würde er nur bringen. Essad formte diese Unterschiede und beachtet sie stets, er will nicht, daß man sie ihm ver­wischt. Ich meinte, der arme, fleine, franke Freund sei doch sehr einsam. Diese Aeußerung haben die Knaben einen ganzen Nach­mittag miteinander besprochen und dann tamen sie zu der Ansicht, daß sie mir energisch widersprechen müßten; denn der franke Stnabe habe den Koran , der sei das größte Buch auf Erden, er habe eine Raze, das sei das schönste Tier der Welt, und dann fäme jeden Tag Essad und abends käme immer der Onfel des Kranten, so könnte er| immer warten und sich freuen. Ich als Europäer frieche ganz in mich zurück und beneide den Orientalen ob seiner Nervenkraft, weil er noch warten fann. Er tann ,, Warten- Müssen" als Freude in sein Leben bauen und wir verzweifeln, wenn wir an der Haltestelle der Straßenbahn stehen.

Auch Essad ist nach meinem Begriff einsam, aber er empfindet es nicht. Seine Mutter ist gestorben. Sie liegt auf Ejub, diesem

Essads Vater hat ein Motorboot und Essad hat ihm einen Namen gegeben und er nannte es Feissal, das Schwert, weil das Motorboot die Wellen zerschneidet und besiegt. Durch diese Namensgebung offenbarte sich Essad mir als Türke( ein Wort, das die christlichen Völker des Balkan mit Mordorenner übersehen), er ist ein Charakter ohne Uebergang, er ist Schwert und Seele zugleich. Das ist die Mischung, die sich fatastrophal austobte in manchem friegsgeschicht lichen Weltgeschehen. Essad ist noch zu klein, um mit dem Boot allein hantieren zu können. Darum wünschte sein Vater, er sollte es jemanden versprechen, nie allein an das Boot zu gehen. Der Vater dachte an die leicht auftretende Vergeßlichkeit der Kinder und darum schloß er von den Autoritäten, denen das Gelübde abzulegen sei, fich selbst und den Lehrer aus. Essad sollte das Versprechen jemandem geben, der immer zugegen sei. Da dachte Essad lange, lange nach, dann nahm er straffe Haltung an und sagte feierlich zu dem Boot: Ich verspreche dir, nie allein zu dir zu kommen und auch nie den Motor anzufassen."

Essad spielt gerne mit Soldaten und einmal waren ihm 33 Sol­daten in den Bosporus gefallen. Da sagte der Vater: Aber, Essad, Soldaten sind Seelen, Soldaten find fein Spielzeug. Du bist ja ein schlechter Anführer, wenn du 33 Soldaten ertrinken läßt. Nun siehst du wohl ein, daß du noch viel zu flein bist, um mit Soldaten spielen zu dürfen."

Und da packte Essad die Soldaten weit weg. Sie liegen auf Nachbars Boden, hoch oben bei den Wassertonnen, die immer gefüllt und immer zur Hand sein müssen, wenn einmal Feuer ausbricht in Konftantinopel. Als Pazififtin freue ich mich, daß Effad nicht mehr mit Soldaten spielt und die Begründung des Baters ist sympathisch und flug. Trotzdem wurde sie nicht in unserem Sinne gegeben; denn Essads Vater ist Berufsmilitär und für seinen Sohn fennt er nur einen Beruf, und zwar den des Offiziers. Darum weckt er so stolz bewußt von vornherein Essads Verantwortungsbewußsein.

fein und der Offizier von ehedem sich nur noch in der Roffe der inter­nationalen Polizei betätigen, damit die Allgemeinheit vor unsozialen, egoistischen Elementen geschüßt bleibt? Ach, Essad, wenn das Letzte der Fall sein sollte, dann lebtest du ein schönes Leben und mancher von uns, der rauh von der Wirklichkeit zertreten wird und nur seine Gedankenkraft säen kann, er hätte doch nicht vergebens gelebt.

Oda Olberg : Die Alhambra

Gräber und Tempel, Festungsmauern, Thermen und Wasser­leitungen kommen durch die Jahrhunderte auf die Nachwelt. Sie alle sind im Trotz gegen die Bergänglichkeit entstanden. In ihnen ergreift der Mensch Besitz von der Natur, mit Quadern aus Felsen oder mit Ziegelsteinen, die der Zeit widerstehen: er tut es im Dienste einer Idee oder allgemeinen Nutzens. Aus den Pyramiden und der Afropolis, aus den römischen Aquädukten und den mittelalterlichen Festungen spricht die Vergangenheit zu uns. Nicht so in der Alhambra . In ihr ist weder Vergangenheit noch Zukunft, fie ist die ewige Gegenwart, das genießende Heute, das kein Gestern nach sich schleppt und kein Morgen fürchtet.

Gewiß, auch die Alhambra war eine Festung, sonst ging längst der Pflug über ihr Gelände. Auf einem steil abfallenden Fels­plateau, das die Natur schon wehrhaft gemacht hatte, hat sie ein mauriſcher Herrscher, Mohamed I., zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut, mit mächtigen Mauern und Türmen. Aber die Festung iſt nur die Schale, in der der Kern, das Schloß des Sultans, uns er­halten wurde. Da sind Stärke und Schönheit, aber ganz unvereint. Kahl und prunklos stehen die Mauern, jeder Schönheit bar; traftlos und ohne Wucht sind die herrlichen Säle und Erker, die zarten Gäulen und die leuchtenden Kuppeln. Die Alhambra ist schön, im reichsten Sinne dieses Wortes, aber sie ist nicht großartig. Sie ist ein Fest für die Augen. Die Wände scheinen aus Elfenbein geschnitzt, mit stets wechselnden Mustern, die sich winden, verschlingen und gleiten, in der ewigen Mannigfaltigkeit der Arabeste, der die Dar­stellung der menschlichen und tierischen Gestalt verwehrt ist. Jeder Hof Patio ist ein neues Wunder, von grünen Pflanzen und Wasserbecken, schlanken Säulen und spikenartig verzierten Bögen. Durch die maurischen Fenster mit dem zarten Pfeiler, der den Doppelbogen trägt, sieht man hinunter ins Tal von Granada , in das gesegnete Tal, das das Wasser von drei Flüssen tränkt. Der Saal der Gesandten trägt eine Holzkuppel, wie ein Stück Sternenhimmel, und hat Fensternischen, die uns die riesige Dicke der Mauern ver­raten und gleichzeitig durch leichtes duftiges Zierwerk über sie hin­megtäuschen. Man hat an diesen Wänden 152 verschiedene Muster gezählt. Hier soll unter Boabdil in den letzten Tagen von 1491 die llebergabe von Granada beraten worden sein, die am 1. Januar 1492 erfolgte.

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Diese Kunst, die der Natur nichts absehen wollte, zaubert uns im Saal der Abencerragen eine Stalaktitengrotte vor, mehr phantastisch als schön. Wir sehen die Bäder des Sultans und der Favoritin, über ihnen einen Erfer für die Musikkapelle: die Musiker maren blind. Bunte Kacheln mit dem berühmten Metallglanz. Und Alkoven und Säle öffnen sich immer auf ein Patio, unter offenen Himmel, mit Myrten, Orangen, 3ypressen und fließendem Waffer. Alles war ohne Türen, nur mit Teppichen verhängt. Wir brauchen uns gar nicht vorzustellen, daß einmal größere Pracht, Goldglanz und Farben dort geherrscht haben. In der Alhambra bedarf man feiner Phantafie. Da ist viel mehr verwirklicht als sich die üppigste Phantasie vorstellen könnte. Man braucht nichts in Gedanken zu er­gänzen. Alles erscheint vollendet. Die Alhambra tann zusammen­stürzen, aber sie wird nie alt werden.

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Großartig ist sie nicht, sie erschüttert nicht, fie flößt feine Ehr­furcht ein. Bielleicht, weil sie nicht uber jay jetoit hinausweist. In ihr ist kein Suchen und Ringen, sondern Erfüllung. Sieh, wie schön das Leben ist!" ruft sie einem zu. Die Menschen, die diese Bauten erdachten, brauchten feine Todesgedanken zur Würze des Genusses: fie hatten eine unmittelbare, feines Anreizes bedürftige Lebens­bejahung. Die Problembeschwertheit des christlichen Wesens ist ihnen erspart geblieben.

Bekanntlich hat man dann die Mauren vertrieben und die Juden vertrieben. Granada , das unter den Mauren eine halbe Million Einwohner gehabt haben soll, verlor seinen Glanz. Die Inquisition trat an die Stätte mohamedanischer Duldsamkeit. Wer die zwei Welten ahnen will, deren eine hier die andere verdrängte, der gehe etwa, nachdem er in der Alhambra war, in die Kapelle San Cecilio oder in die Karthause und sehe sich da all die Marter­bilder an, die Christusbilder, die im Todestampf die Augen ver­drehen, die mit sadistischer Phantasie ausgemalten Torturen, bei denen man die den Lebenden herausgerissenen Eingeweide genau erkennen kann, die mit Wachs überzogenen Leichname, die noch die echten Nägel und Zähne haben sollen. Dieses wie hypnotisiert auf den Tod Starren und auf seine Schrecken kennzeichnet jene christliche Welt, die damit ihre Lebensgier antrieb. In der ganzen Alhambra findet man nichts, das an den Tod gemahnte, den Ge­danken an ihn verscheuchen oder mit ihm versöhnen sollte. Alles ist heiter und leicht.

Die Alhambra ist zeitlos. In ihr raunen feine vergangenen Johrhunderte, gehen feine Gespenster um. Technisch steht alles voll­endet da, wie durch eine Laune der Allmacht mühelos geschaffen. Und, weil die menschliche und tierische Gestalt fehlt, nur die Linie herrscht in ihrer beziehungslosen Harmonie, fann nichts feierlich alt oder nüchtern unmodern werden. Diese naturfremde, spielerische, foftbare Kunst als Rahmen und Mittel des Lebensgenusses reicht nirgend ins Maßlose: sie ist der Augenblick, den man zu weilen zwang, weil er so schön. Das ist das einzig Faustische, was man aus der Alhambra mitnimmt. Hier ist dem Dauer verliehen, das im Menschenleben visionenhaft vorübergleitet.

Wie wurden früher die Reden der Abgeordneten niederge­schrieben? Che die Stenographie erfunden war, fonnten die Reden in den Parlamenten natürlich nicht wörtlich aufgenommen werden. Wir wissen denn auch z. B. von der ersten französischen National­versammlung, daß die Schriftführer sich begnügten, die Reden zu refümieren. Auch das war feine Kleinigkeit, menn man bedenkt, daß z. B. die erste große Rede, die Robespierre hielt, nicht weniger als sechs Stunden dauerte. Hatte ein Abgeordneter, was häufig geschah, seine Rede vorher niedergeschrieben, so gab er dem Büro fein Manuskript. Die Rede wurde dann so gedrudt, wie sie ge­schrieben, nicht aber wie sie gehalten worden war. Oft waren die Redner aber auch selbst mit ihrer Leistung nicht zufrieden, und sie fchrieben dann nach der Sigung eine ganz neue Rede für den Be­die Reden zwar wörtlich aufgenommen werden, doch sind Irrtümer nicht ausgeschlossen. Deshalb pflegen die Abgeordneten ihre Reden vor der Drucklegung durchzusehen; dabei verbessern manche den Tert in einer solchen Weise, daß eigentlich eine ganz neue Rede entsteht, die für die Nachwelt bestimmt ist.

Wie die Lafttamele durch die Wüste schudeln, im gleichen Schritt, das eine tritt immer in die über den Sand hinweggleitenden Fußricht nieder. Seitdem die Stenographie aufgekommen ist, tönnen stapfen des anderen, so schudeln auch ganze Familien in vielen Generationen durchs Leben. Immer im gleichen Schritt, immer im gleichen Trott. Die Bestimmung wird schon den Kindern ins Leben gebaut.

Essad, wenn du erwachsen bist, sind alle die großen Namen von heute längst abgetreten von der Bühne des Lebens. Dann bestimmt ihr, die Kleinen von heute. Wirst du dann, leuchtenden Auges und heißen Atems die Namen von Kriegshelden nennen, mit der heim­lichen und offenen Sehnsucht, ihnen nachzueifern? Oder wirst du das Heer nur als Verteidigungsinstrument des Bolfsstaates be­trachten? Oder werden die Heere dann völlig zusammengeschrumpft

Die Bedeutung des Noffignals der Schiffe SOS" als Save our Souls"( Rette unsere Seelen) ist später hinzugedichtet worden. SOS" wurde von der Internationalen Radiotelegraphenkonferenz in London im Jahre 1912 mur çewählt, weil diese Zeichen im Morse­Code so leicht zu geben waren(....-...), daß auch der uner­fahrenste Radiotelegraphist sie geben kann. Vor diesem Beschluß war das Notsignal CQD".