(Beitage Freitag, 28. August 1931
BwlOmS Sttcilaul$a£e jdß* toiHodfü
Phantasie and Wirklichkeit Besuch in einem Maleratelier f Von Heinrich Hemmer
So oft Ich der Wüste Wirklichkeit entrinnen will, renn« ich die fünf Wendeltreppen in einem alten Kupfergrabenhaufe hinauf, ziehe an einer schepprigen Atelierglocke:— und die Oase Phantasie tut sich auf. In einer aus Leinwand und Oelfarben, aus Kitt und Gips ge- schaffenen eigenen Welt ficht handwerksmäßig der Meister und blickt durch die Glasfront des Atelierfaalcs über die Dächer Berlins hinweg, und die Schwächen der Menschen:„chnlli, Hollo!" Was ist Wirklichkeit? Des Meisters Auge löst gerade die steinerne Geschmacklosigkeit des Domes in ein« Farben-P h a n t a f i e auf und feine Hand fetzt aus den tot in Tiegeln ruhenden Farben Dom und Platz und Spree und Mensch zu einer höheren Wirklichkeit wieder zusammen... befreit vom Zwängpanzer der Sachlichkeit und von y den Gefängnisketten mi«ser Kausalreihen: ich atme aus. Meine Ge- danken, die mißtönig imKopfe rumorten wie eine Grammophonnadelauf einer abgespielten Platte, kommen zur Ruhe— wenn ich gute Bilder vor meinen Augen entstehen sehe... Eventuell sogar weniger gute. Auch schlechte Bilder, sagt Menzel, müßten von guten Malern gemalt sein. Hm! Aber selbst gute Bilder stehen heutzutage(... die höher« Wirklichkeit steht) das Geficht zur Wand gelehnt unverkäuf- lich in Ateliers. Ausstellen? Das kostet nur. Einzig durch Kon- nektionen... Bei Tisch. „Zu Tisch!" Speise-, Schlaf-, Kinder-, Studierzimmer und Puppenstube sind hier im Saal-Ende„malerisch" vereinigt, wo es um den Tisch des Lebens herum lebendig wird. Essen oder Nichtessen ist die große Maler-Frage, über die kein Schwung der Phantasie hin- weghilft... zu Tisch? Wie Grenze aus der sauren Wirklichkeit einer ihn langsam tötenden Megäre unsterbliche Mädchenunschulds- Phantasien geschaffen hat— so, nein, umgekehrt so: serviert hier und kocht und erzieht und wäscht und verdient(wenn's sein muß) und kassiert eine Frau, die niemals grollt: außer auf ihrem Porträt an der Wand.(Mit lächelndem Munde malst du nur aridere Meister, Meister!)— Es ist heute ein mittlerer, untergeordneter Festtag, zu dem ich, wie immer sich's trifft, immer willkommen geheißen werde... es hätte ebensogut ein fortgeschrittener Magertag sein können, ein Prima�ltekiersest, oder ein« gut-bürgerliche Kindsiause:— �danke, danke, nicht so viel!" Die Atelierstocher: Binchen, die vor Tisch(im zumeist ab- vermieteten Nebenatelier) an den(guck mal!)„echten" Schnurrbart- Härchen einer Totenmaske herumgezupst hatte, ist übrigens, bitte sehr, bereits acht Berliner Jahre alt. Also das Altklügst«, Jung- vorwitzigste, Spitznasig-zappelbeinig-Neugierigste, das es auf dieser Welt gibt... deren Wirklichkeit ihr übrigens zu dem ausschließlichen Zwecke dazusein scheint, daß ein kleines Mädchen hinter all« ihr« Schliche kommt. Während die unwirklich« Puppenwelt(jeweilig nach Tagesgeschmack ausstassiert und Herzensbedürfnis verhätschelt) tot- ernst genommen wird. Sowie höchstens noch gelegentlich der„ältere Bruder", der zwar liegengelassen« Boirbons und Apfelhälsten mit Wonne wegschnappt, aber bei einem in den nachbarlichen Kinder- domänen entstehenden Streit sicherlich kavaliersmäßig eingreisen würde,...„nicht wahr, ja— MahlzeitI" I n der Plauderecke. Wenn wir(Mannsbilder) uns jetzt mit Rauchwerk in die vordere Saalhälfte zurückziehen, so ist das, um plaudernd der vielen gemein- samen, über all« Erdteile verstreuten, in alle Schicksalsmöglichkeiten verstrickten Freunde zu gedenken, die, gleich mir, in Extremen der Not oder Freude, ihren Weg hier ins Kupsergrabenatelier her nehmen oder nahmen. Jener phlegmatische grüne Patinakopf in der Ecke hinterin Ofen stellt z. B. einen seefahrenden H o l st e i n e r Bauernsohn dar, der zum Pinsel gegriffen und ihn so fix handhabt, daß er in ein paar Sommerwochcn ganze Mittelmeer- inseln aus ihre malerischen Bestandteil« reduziert, um sie im Winter an wärmebedürftige Holsteiner zu kulanten Preisen abzusetzen, die ihm immerhin schon ein Haus eingetragen haben mit Frau und allem Zubehör und jetzt?...„erntet er gerade die erste Ernte". Indessen das ungeheuer akademisch erzogen« O e 1 1 ch e n(dem die australische Landschaft an der Wand zugehört) solange an seinen Porträts herumtüftelt, sie mit ewig neuen Auffassungen übermalend, bis man sie ihm mit Gewalt oder List entreißt... mit welchem System er jetzt in einer Waschküche gelandet ist: alte Berwandien- Photographien in Oelporträtsorm für wenigbemittelte Auftraggeber herstellend— und, nachdem er früher eine solide Braut aus purer Unachtsamkeit verloren, traut er sich heute zu einer weniger soliden nicht zurück, warum?...„weil er zehn Mark Einkaussgeld aus eine andere als eine Schnullerflasche verwendet hat, auf die man seit zwei Wochen wartet". Wie dem Maler Heckendorf läuft manchem Pinseltünstler Phantasie und Wirklichkeit ineinander über. Natürlich kann man auch, wer den ostpreußischen Namen G a l i n a t führt und im australischen Lagertheater das Kulissenmalen gelernt hat, mit seiner Kunst die USA . beglücken, sich dorthin eine„passende" Frau(aus Ostpreußen natürlich) per Nachnahme schicken lassen und später mit ihr in einem importierten Privatauta vorm Kupfergraben- atelier tuten, bis der Meister kommt und ficht. Aber wenn ein Schiffskapitän eine kubiftifche Gemäldegalerie eröffnet, ein Fedsrzeichner einen Wanderzirkus herumfährt oder ein Frauenarzt, der sich tagsüber die Hände müde amputiert, abends das Tanz-(Honorar-)Bein schwingt...„das führt zu sehr ins Phan- tastische, obwohl es ungeschminkte Wirklichkeit ist. Auf nächtlichem Lager. Es ist spät geworden und ich soll und kann nicht schlafen: im Nebenatelier(wo die Maske liegt)— vor Gedanken, die ich mir weiter über das einmal angeschnittene Thema„Phantasie und Wirklichkeit" mache, das wir diesen Abend immer eindringlicher durchgewandelt haben: bei einem andern Meister noch, bei dem wir gewesen find und der hinter zugezogenen Vorhängen eine phantasiegeborene Welt mall(mit einem Pinsel ohne Haare, wenn's fein muß)... und das jetzt m diesem schicksalgefüllten Raum, in den gespenstisch das Mond- licht fällt, mich mit jener Macht überfällt, die zu einer endgültigen Stellungnahme zwingt. Da pendeln wir, einzeln, in Gruppen und in Zeitaltern zwischen dem Wirklichkeitstrieb und dem Phan- t a s i e t r i e b(in der Kunst zwischen Realismus und Romantik) hin und her, uns da und dort einmal verlierend(... äugen- blickkch wieder in Realismus) und der recht« Weg ist doch... die Befmchdmg des«im» tmcch h««lde». Aach für de» auf �eatem"
Boden Stehenden, der nichts davon wissen will,„daß die Welt> Vorstellung ist", ist das Leben, die Gedankenbilder, die Traumbilder, zum größten Teile ein Phantasieprodukt. Um uns nicht wieder in Phantastereien zu verlieren, wie so oft die Menschheit es getan, klammern wir uns an N a t u r g e s e tz e: die Gefetzmäßigkeiten aller Erscheinungen stehen heute im Vordergrund unferer Orientierungen, so sehr, daß der immer nötig« Gedankenschwung der Phantasie(ohne den ja auch keine Erfindung, keine These, kein wissenschaftlicher Fort- schritt möglich ist) nur bis zur Höhe eines Fesselballons erlaubt ist, ... wir sehnen uns in diesem Zeitaller des mechanischen Fliegens nach nichts so sehr als nach einem kühneren Gedanken- f lug. Aus dem tristen Realismus, in den wir verfallen find, kann uns nur wieder ein« neu« Richtung retten... respektive eine alte mit einem neuen Namen. Warum gehen sich die Leute M i ck y Maus ansehen? Es wirkt befreiend, so befreiend wie E. Th. A. H o f f m a n n, nur eben minder in der Qualität. Warum gibt sich die moderne Photographie die sauerste Mühe, mittels Prosekttonstricks oder so, unwirkliche, dekora- tiv-phantastische Effekte zu erzielen? Wir haben sie wieder einmal ein bisse! nötig. Warum gefällt Heckendors? Er verfährt mit der Natur ziemlich willkürlich— heckendorserisch, die Bilder srap- pieren, dekorieren, das verlangen unsere müden Nerven heut« wieder... Wenn aber dann die Phantasie zur Schablone wird, nmß man zum Realismus zurück, um nicht in langweilige Manieriertheit zu
fallen. Man muß immer zur Natur zurück. Man muß immer über die Natur hinausgehen. Der Realismus keucht hinterm Leben her, das ihm(insbesondere seit dem Weltkrieg) meilenweit vorausgeeilt ist... und die Romantik schießt wie ein toller Hund nach rechts und links davon, und man muß sie beständig auf die Lebensnot- wendigkeiten aufmerksam machen. So ist es, so ist es. Ha, wer hängt denn da, vom Mond beglänzt, an der Wand: an dieser rosenroten Wand, zart überpinselt, zum Liebestraum einer romantischen Medizinstudentin passend, die hier frei von Stürmen das Seziermesser der Wirklichkeit vergessen wollte und vergaß— bis der Vater angebraust kam. Ich kenne dich genau, du törichter, wirklichkeitsdurstiger Romantiker, der du vom verträumten Wien der Hofsmannstale in die öde Tatsache des australischen Büschs ge- flohen bist... so gut und schlecht wie man sich selber kennt. Und über mir hängt der Rückenakt einer Dame, die mir ein ganzes Leben lang nur die Kehrseite zugewendet. Ich habe nur immer die Kehrseite des Lebens gesehen. Immer nur die eine Seite, so lange und ausschließlich, bis ich sie nicht mehr vertragen habe. Bin ich insofern nicht ein typischer Deutscher? Wir waren es doch, die die große Romantik geboren haben, vor der sich heute noch alle Völker neigen und von der wir in unserem Wirklichkeitstaumel nichts wissen wollen. Wir führen die längsten Pendelschwingen zwischen den Extremen von Phantasie- und Wirklichkeitstrieb aus, statt zwei Gaben zu vereinen zu trachten, die wir doch eminent be- sitzen. Wir armen Reichen! Nein, wir reichen Armen'
D r e i k l a n g. Der Ruhm Heidelbergs wuchs aus dem wunderbaren Dreiklang von Landschaft, Architektur und Geschichte. Heidelberg lagert sich just an der herrlich geschmückten Pforte, durch die der Neckar aus der berggepanzerten Umschnürung seines Tales herausttitt in die westlich sich breitende Rheinebene, in deren sarbbuntem Meer allabendlich die müde Sonne ertrinkt. Diese Landschaft ist herausfordernd. Notwendig mußten hier die Menschen Kulissen bauen, in deren Gängen sich Geschichte ab- spielen konnte. Die Menschen spürten das andeutige Angebot der Natur und überhäuften diese Landschastsfchwelle mit Schätzen baulicher Erfindung. Die Bauformen dieser Hallen, Türme und Gassen- züge sind die getreuen Bilder der Stilsormen der Jahrhunderte, in denen die Menschen sie erfühlten und erdachten. Aus dieser Bühne, deren szenische Bildner also die Natur und die von ihr erfüllten Menschen waren, rollten in dramatisch sich ver- zweigendem und doch organisch gebundenem Ablauf die Einzelakte eines Geschehens, deren shakespearehaft rllpelige Komik sich von der Lustbarkeit pfälzischer Weine nährt und ihren szenischen Rahmen in einem Schloß fand, dessen Formen sich von der verklingenden Gotik über stilreinst« Renaissance hinaus zum frühen Barock die Hände reichen. Der personelle Repräsentant dieses feuchten Frohsinnes ist der Zwerg P e r k e o, ein sagenhafter Clown von sagenhaftem Durste, dessen Visitenkarte, ein riesiges Faß, heute noch die Be- wunderung tagtäglich anrollender Menfchenkarawanen weniger verdient als genießt. Die tragischen Szenen des Spieles auf dieser Bühne finden in den Exzessen einer wildgewordenen Soldateska zweimal ihren Höhepunkt. Das erstemal, als im Dreißizjährigen Kriege Tilly mit seinen Reisigen das Stadtbild ruinierte, das zweitemal, als eine französische Erfolgeaktion mit radikaler Besessenheit durch die Zer- störung baulicher Wunderwerke etwas zu profitieren glaubte. Der General hieß M ö l a c.(Ein Appell an diesen Namen ist, heute noch, in Heidelberg ein beliebtes Mittel, unartigen Kindern zu drohen.) Landschaft, Architektur und Geschichte: mit diesem Dreiklang klingt der Ruhm einer Stadt. Das Erlebnis, sei es traurig oder vergnügt, das unter der Macht dieses Akkordes im jahrhundert- langen Klingen Heidelberg widerfuhr, ist das Erlebnis aller Men- schen, die fühlend und denkend heute dieser Stadt begegnen. Zweimal Romantik. 1. Dieser Boden muß eine Kraftquelle für Künstler sein. Wir wissen, daß(bislang) die Heidelberger Romanttk innerhalb der fobenamsten Literaturbewegung vor anderthalb Jahrhunderten ein privater, kraftvoller Strebepfeiler ist(war). Wir wollen uns nicht, dieferhalb, verzetteln und streiten. Herrlich ist, was Hölderlin über diese Stadt sagt: Lange lieb' ich dich schon, möchte gern mir zur Lust Mutter dich nennen und dir schenken ein kunstlos Lied, Du, der Vaterlandsstädte Ländlich schönst«, soviel ich sah. Dies« Anrede an eine Stadt birgt die Unmittelbarkeit der Ver- bindung des Dichters zum lebendig wirkenden Bilde. Die Größten sangen dieser Stadt ihr Lied. Jeder sagte es nach der unergründ- lichen Bestimmung seines Erlebnisses: jeder sagte es anders: jeder aber empfand das Mysterium der Mütterlichkeit dieser Land- schaft. 2. Die Romantik der Ansichtskarten mag noch erlaubt sein, sofern sie nicht koloriert sind. Aber alles das, was eine spekulative Industrie an S o s a t i s s e n mit dem Schloßbilde, an gleich- bebilderten Vasen, Kaffeetassen, Suppenlöffeln, Kleiderbürsten und Taschentüchern hervorbrachte, ist bösartig, billig und pathetisch. Heidelberg hat diese Zirtusreklame nicht nötig. Dieser Produktion, die aus den geographischen und baulichen Tatbeständen Kapital schlägt, steht die Erzeugniskraft geschäftiger Romanschreiber und Filmautoren nicht nach. Es gibt Mannigfaches auf diesem Gebiete, da» freilich tm denen etwa»
bietet, die es sich bieten lassen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß man in einer garantiert lauen Sommernacht hier sein Herz ver- lieren kann. Man kann es höchstens, im Zauber dieser Schönheit, entdecken und gewinnen. Wer in Heidelberg sein Herz verliert, hat schon vorher Gehirn und Gefühl verloren. Schloßbeleuchtung: die große Werbeschau. In der Nacht flammt plötzlich die Ruine auf: man hat den Eindruck, daß dieser leidkundige Bau Harakiri macht. Es ist, gottlob, nur ben- galische Beleuchtung. Warum das geschieht? Es geschieht, weil Tausende Menschen es so wollen. Es hebt das Gefühl angeblich. (Da Schlohbeleuchtungen vierzehn Tage vorher angekündigt werden, ist jedem Menschen die Möglichkeit geboten, sich frühzeitig in eine andere Stadt zu retten.) Rundgang. Vom Bahnhof, der seiner kahlen und unbequemen Nüchternheit wegen in Preußen liegen könnte, wandern wir über den in badischem Idiom tönenden Vorplatz zur Hauptstrahe, die ihrer Länge und Enge wegen berühmt ist. Nachdem wir zehn Minuten versucht haben, uns auf diesem laut bewegten Straßenzug, ohne unter ein Auto zu kommen, fortzubewegen, biegen wir links ein zum Userland des Neckars. Hier liegt Alt-Heidelberg mit den winkligen Gäßchen und den mutig hochgestockten Häusern, deren viele freilich gebrechlich sind. Eines dieser Häuser ist ein Denkmal. Es steht in der Pfaffen- gaffe. In einem niedrigen Stäbchen dieses Hauses, zum 5)ofe heraus, wurde Friedrich Ebert geboren. Wir halten den Schritt an und gedenken des großen Menschen, der von hier aus seinen Weg antrat. Auf diesem Wege im Dienste des Volkes ver- zehrte er seine starke Kraft und fand in der Stadt seiner Liebe ein frühes Grab. Der sanft abebbende Hang des berühmten Berg- sriedhoses ward zur letzten Station eines menschlich erlebten und gelebten Lebens. Bevor wir die alte Brücke mit dem vom bösen Zeitzahn an- genagten Standbilde der stadtschirmenden Minerva überschreiten, wundern wir uns über die trotzig hochstrebende H e i l i g g e i st- k i r ch e, auf deren gotischem Körper der barocke Kopf nicht so recht passen will. Haben wir die Brücke passiert, sehen wir der Stadt voll ins Gesicht. W'r erkennen alles das, was oben als bauliche Kom- ponenten des Ruhmes dieser Stadt aufgezeigt wurde. Das Schloß, als rötlich schimmernder Koloß aus dem Berge wachsend, beherrscht das Bild. Es begleitet uns auf dem ganzen Wege und prägt sich tief in die Erinnerung. Es offenbart sich im bezwingenden Nach- druck des Bildes die Tatsache, daß es wirklich der Taschentuch- und Löffel-Illustration nicht bedarf, um unvergeßlich zu sein. Aus dieser Seite der neuen Brücke vorgelagert liegt Neuen- heim als die moderne Ergänzung des im Geiste vergangener Jahrhunderte konservierten Heidelberg . Ueber die neue Brücke kommen wir wieder in das Bahnhofsgelände, in dessen betriebsamer, nervöser Geschäftigkeit sich der Rundgang abschließend undet. Gelehrsamkeit. Wir müssen wissen, daß die Ruperio Carola die älteste deutsche Universität ist. Das Studentenleben ist in seinen geschichtlichen und menschlichen Funktionen in Romanen und Filmen gebucht. Wir können uns ersparen, darüber zu diskutieren, inwieweit der ganze Begriff„Heidelberg " der Gelehrsamkeit verhaftet ist. Die unlösbare Verbindung existiert: sie existiert historisch und wirtschaftlich. Eines aber muß man, auch im Angefichte der Gründungs- md Entwick- lungsgefchichte der Universität, einsehen und verstehen lernen: das Schloß und der Neckar und die Berge sind nicht da, weil die Slu- Kenten da sind. Die Studenten sind da, weil das Schloß und der Neckar und die Berge da sind. Abschied. Man kann sich von dieser Stadt nicht verabschieden. Diese ihr- liche Schönheit wacht unermüdlich in der Erinnerung. Jeder Ge- danke an Heidelberg ist ein Gruß dieser Stadt. Im Raunen dieses Grußes klingt, unabhängig von der Aeußerlichkeit geographischer Entfernungen, niemals trennender Abschied, sondern immerfort die herzliche und geisttge Erlebnisnähe schöner Tage.