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Morgenausgabe

Nr. 437

A 220

48.Jahrgang

Böchentlich 85 Bf monatlid 3.80 9. ( bavon 95 Pf. monatlich für Zustel lung ins Haus) im voraus zahlbar. Boftbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Boftzeitungs- und 72 Bf. Postbestellge bühren. Auslandsabonnement 6,-- M. pro Monat; für Bänder mit ermäßig tem Drucksachenporto 5,- M

Der Borwärts" erscheint wochentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend, Sllustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Zeit".

Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Freitag 18. September 1931

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die einspalt. Nonpareillezeile 80 Pf. Reflamezeile 5,- RM. ,, Kleine An­zeigen" das fettgebrudte Wort 25 Pf. ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 12 Bf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf., jedes meitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien­anzeigen Beile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen. täglich von 81/2 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H.

Fernipr.: Dönhoff( A 7) 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin .

Standal in Desterreich.

Starhemberg aus der Haft entlaffen.

Wien , 17. September.

Wie aus Linz gemeldet wird, sind der Landesführer de 3 oberösterreichischen Heimatschutzverbandes Ernst Rüdiger Starhemberg und Generalmajor a. D. Franz Pu chmayr, die Montag früh im Zusammen­hang mit dem Pfrimer- Putsch verhaftet worden waren, hente abend aus der Haft entlassen worden.

Neue Verhaftungen in Steiermart.

Wien , 17. September. ( Eigenbericht.)

Jn Cinz wurden am Donnerstag alle im Zusammenhang mit dem Heimwehrputsch Berhafteten auf freien Fuß gejetzt; auch Graf Coreth, in dessen Schloß Starhemberg ver­haftet wurde, ist aus der Haft entlassen worden. Ob die Unter­fuchung gegen die haftentlassenen Putschisten weitergeführt wird, ist amtlich bisher nicht mitgeteilt worden. Die Enthaftung wird damit begründet, daß die Heimwehr des Ortes Kirchdorf, von wo aus der oberösterreichische Putich ausging, angeblich nicht Starhemberg und seinem Anhang unterstehe, sondern der steirischen Heim­

wehrleitung.

In Graz wurden dagegen am Donnerstag wieder mehrere Berhaffungen vorgenommen. Jeffgenommen wurden der militärische Kreisleiter des mittelsteirischen Heimwehrschuhes, Oberff i. R. Kober, der Berbandssekretär des Heimwehrichuhes mally und ein Dr. Weiter von der Alpinen Montangesellschaft. In Leoben wurde ein Beamter der Alpinen Montangesellschaft, ein Berginipettor Trojan, der in der vorigen Woche 300 Rudsäde für die Heimwehr bestellt hat, flu dy fig. Gegen ihn ist ein Sted­brief erlaffen.

Als in Leoben zwei Ingenieure der Alpine verhaftet werden sollten, fam es zu einem Konflikt zwischen Gendarmerie und Polizei,

da Landeshauptmann Rintelen der reaffionären Gen­darmerie den Auftrag gegeben hatte, allein zu handeln. Einer der Berhafteten mußte infolgedessen von der Polizei wieder freigelassen werden.

Postschedkonto: Berlin 37 536.- Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Disc.- Ges., Depofitent., Jerufalemer Str. 65/66.

Ein neuer Danat- Skandal

Reichsmittel für die Großindustrie oder Reichs­beteiligung. Die Rolle der Schwerindustrie.

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Während auf dem Gebiete der allgemeinen Banten tontrolle in diesen Tagen Entscheidungen des Reichs­fabinetts gefallen sein dürften, die zwar, nach dem, was man bisher davon gehört hat, weit davon entfernt find, unseren Borstellungen von den notwendigen Folgerungen, die aus der Krisenlage zu ziehen sind, zu entsprechen, die aber doch Am Donnerstagnachmittag wurden die beiden Karpfen- vielleicht wenigstens einen Schritt in der richtigen Richtung berger Opfer des Heimwehrputsches in das Wiener Krematorium vorwärts bedeuten fönnen, während ähnlich bei der Neu­übergeführt. Ein riesiger Zug folgte dem Ceichenwagen. Die Trauer- ordnung der Dresdner Bank zwar unzulängliche Rege­rede hielt der Führer des Schutzbundes Dr. Deutsch.

Heimwehrleute in Marburg verhaftet.

Marburg a. d. Drau , 17. September.

Donnerstag sechs Heimwehrleute in uniform( 1) an­In Marburg( das jugoslawische Manilom. Red.) sind am gekommen, die sich zur Wohnung Dr. Pfrimers begeben wollten. Sie wurden von der Polizei in Haft genommen. Von einer Absicht Dr. Pfrimers, sich für eine Rückkehr nach Destereich um freies Geleit zu bewerben, wie in Wien gerüchtweise verlautet, ist hier nichts bekannt. Das Protokoll über die sechsstündige Bernehmung Dr. Pfrimers am Mittwoch, wurde am Donnerstag dem Belgrader Innenminister zugestellt. Ueber den Inhalt verlautet lediglich, daß Bfrimer ebenso wie bereits in verschiedenen Unterredungen das Fehlschlagen des Putsches auf Verrat zurüdführt.

Seipel Heimwehrkandidat?

Wien , 17. September.

Bie verlautet, beabsichtigen die Heimwehren, im 3meiten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl, der wahrscheinlich er forderlich sein wird und die Entscheidung bringen dürfte, den Alt bundeskanzler Seipel als Kandidaten aufzustellen. General ülgerth, der für den ersten Wahlgang als Kandidat aufgestelt wurde, hat die Kandidatur angenommen.

Matrosenstreit beigelegt.

Die englische Regierung hat nachgegeben.

London , 17. September. ( Eigenbericht.) einen politischen Klassentampf gegen die Die Atlantik flotte befindet sich auf dem Wege in Staatsmacht der imperialistischen Bourgeoisie" führen. ihre Heimathäfen, wo die Untersuchung über die durch Dies Telegramm ist selbstverständlich nicht nach England die Lohnfürzungen verursachten Härten vorgenommen werden soll. abgeschickt worden; denn die Telegrammadresse: An die meuternden Matrosen der englischen Flotte ist schließlich doch Wenn auch fein ,, direkter" Disziplinbruch vorliegt, so ist das mur etwas zu ungenau. Biel eher dürfte es nach Mostau ab­dadurch vermieden worden, daß die Offiziere, felbft von den gesandt worden sein. Sein Inhalt ist selbstverständlich in Kürzungen betroffen, es nicht durch Bestehen auf ihren Befehlen zur erster Linie für die deutsche Propaganda der KPD. bestimmt. Diretten Gehorsamsverweigerung haben kommen lassen, sondern den Warum hat die russische Kommunistische Partei nicht Beschwerden der Unzufriedenen, zu denen sie sich selbst zählten, eine ein gleiches Telegramm geschickt? Weil die Sowjetregierung demonstrative Wirtung verliehen haben. Das schnelle sich nicht die Beziehungen zur englischen Regierung ver­Nachgeben der Regierung wird infolgedeffen verschiedentlich kritisiert. pfuschen lassen will. Aus dem gleichen Grunde hat sich die Am Donnerstagnachmittag verlas im Unterhaus Sir Austen Romintern nicht gemeldet. Also ist die KPD. vorgeschicht worden. Daß die Folge davon ein Zeitungsverbot sein Chamberlain in seiner Eigenschaft als erster Lord der Ad­würde, war voraus zu sehen. Die ,, Rote Fahne " ist denn miralität im Unterhaus einen Befehl, den die Admiralität an die auch auf die Dauer von vier Wochen verboten worden. Flotte ausgegeben hat. Darin wird die Bereitschaft der Regierung wiederholt, besondere Härten zu überprüfen. Gleichzeitig wird ge= fagt, daß von nun an jede Weigerung, die Befehle auszu­führen, streng bestraft würde. In eine Diskussion zwischen Sir Austen Chamberlain und Alexander, dem früheren Marine minister, griff Macdonald ein und sagte, die vorige Regierung fei davon informiert worden, daß die Angehörigen der Flotte sich mit Goldfürzungen abfinden würden, falls das ganze Land solche Opfer auf sich nehmen würde und auch die Arbeitslosen davon nicht

ausgenommen wären.

Das Unterhaus wurde schließlich auf den Wunsch der Opposition auf Donnerstagabend vertagt. Die Frage der Soldkürzungen in der

Flotte soll dann meiter diskutiert werden.

Ein Telegramm und ein Verbot. Kommunistische Ratschläge an die englischen Matrosen.

Die politischen Kindstöpfe im Zentralfomitee der KPD . haben ein angebliches Telegramm an die streifenden eng lischen Matrosen verfaßt und in der Roten Fahne" ver­öffentlicht, in dem sie den englischen Matrosen erklären, was fte zu tun haben: fie sollen fühn und entschloffen die Meuterei fortseßen", sich feiner Disziplin fügen", die Offiziere entwaffnen und von den Schiffen jagen, wenn Fe frech werden". Bon Berlin aus fegen die Heinz Neumann und Thälmann den englischen Matrosen auseinander, daß sie in Wirklichkeit keine bloße Lohnbewegung, sondern

" Rote Fahne" verboten.

Der Berliner Polizeipräsident hat die Rote Fahne " einschließlich der Kopfblätter mit sofortiger Wirkung auf die Dauer von vier Wochen verboten. In dem von der Roten Fahne" veröffentlichten Telegramm des 3K. der KPD. an die englische Marine wird eine ich were

Störung

der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England erblickt. Der Schlußfaz des Telegramms stellt überdies eine Aufforderung zum Un gehorsam gegen die Geseze dar.

Der Hib bei Goebbels . " Angriff" wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten verboten.

"

Der Polizeipräsident vpn Berlin hat die nationalsozialistische Tageszeitung Der Angriff" mit fofortiger Wirkung bis zum 24. September 1931 verboten. Maßgebend für das Berbot war die Tatsache, daß in der gestrigen Ausgabe des Angriff" eine Zeichnung enthalten war, in der unter der Ueberschrift Der Hib ist die befte Parade" einer offenbar einen Juden dar­stellenden Gestalt ins Gesicht geschlagen wird. Da diese Zeichnung eine offenbare Aufforderung zu Gemalt tätigteiten enthält, wurde das Berbot für die erwähnte Dauer erlassen.

lungen getroffen sind, aber immerhin eine gewisse dauernde Sicherung des Reichseinflusses geschaffen worden ist, liegt die Frage der Zukunft der Danat Bant noch immer voll­tommen im Dunkeln.

Als im August die ersten Nachrichten über den Plan der Uebernahme von 35 Millionen Mark Danat- Attien durch ein Industriekonsortium, dem die Mittel dafür zinsfrei vom Reiche zur Verfügung gestellt werden sollten, auftauchten, haben wir die schärfste Kritik daran geübt, daß das Reich das Geld geben soll, während der Einfluß als Aktionäre auf in­dustrielle Großinteressenten übertragen werden soll. Wir haben damals eine ganze Reihe von Fragen aufgeworfen, deren Klärung uns dringend notwendig erschien, wenn nicht der Eindruck einer peinlichen Interessentenbegünstigung bei diefer Transaktion entstehen soll.

Unsere Fragen sind von amtlicher Seite nie beantwortet worden, aber es schien wenigstens so, als ob man an der Zulässigkeit der geplanten Transaktion mit Reichsmitteln zugunsten privater Interessenten irre ge­worden sei und deshalb die Entscheidung zunächst herausge­schoben habe. In den letzten Tagen sind nun verschiedene Pressemeldungen verbreitet worden, nach denen die Unter= zeichnung des Vertragswertes über den Verkauf der Danat - Mehrheit an das Industriekonsortium unmittelbar bevorstehen soll. Dabei soll sich nach diesen Meldungen an den Bedingungen, die schon Ende Juli bekannt geworden sind, nichts Wesentliches geändert haben. Nach der ,, Frant­furter Zeitung" würde das aus etwa 20 Firmen bestehende Industriekonsortium für 35 Millionen Mark Danat- Attien zum Kurse von 125 Proz. übernehmen. Der ausmachende Betrag soll vom Reich vorgestreckt werden, wie es jegt heißt, gegen einen 3inssay in Höhe der jeweiligen Danat Dividende.( Es gehört wenig Prophetengabe dazu, um vorauszusagen, daß bei solider Bilanzierung dieser Zinssat in Höhe der jeweiligen Danat­Dividende" in den nächsten Jahren mit der 3insfreiheit des Darlehns identisch sein müßte.) Die Industrie hätte den Preis nach fünf Jahren ratenweise an das Reich zurückzuver­güten, so daß sich eine Durchschnittslaufzeit von etwa Jahren ergibt. Das Stimmrecht würde inner­halb dieser Frist von Industrie und Reichsbehörden im Ein­vernehmen ausgeübt werden.

Wir hoffen vorläufig noch, daß diese Darstellung der Absichten der Reichsregierung nicht zutreffend ist. Wir halten es aber für notwendig, gerade wenn, wie wir hoffen, eine Entscheidung noch nicht gefällt ist, nochmals mit allem Nach­drud zu erklären, daß wir eine Regelung, wie sie vorstehend wiedergegeben ist, für einen Standal halten wür= den. Das Reich, das die Haftung für die Schulden der Danat- Bank für eine vorläufig noch nicht absehbare Frist übernommen hat, hat nach unserer Auffassung nicht das Recht, seinerseits zinslose Kredite zu gewähren, also Geschenke zu machen zugunsten einer Gruppe von industriellen Inter­effenten. Die industriellen Interessenten erhalten für 7% Jahre einen mit dem Reich gleichgestell­ten Einfluß durch ihre Beteiligung am Stimmrecht, ohne ihrerseits dafür in diesen 7% Jahren irgend= welche Mittel zu investieren. Ihre Gegenleistung soll darin bestehen, daß sie die Danat - Attien zu einem Kurse Don 125 Proz. übernehmen, das heißt einem Kurse, der er­heblich über dem gegenwärtigen Kurse liegt. Das ist aber mur scheinbar eine Leistung dieser industriellen Interessenten. Denn menn die Danat- Bant in den nächsten fünf Jahren dividendenlos bleiben wird auf Kosten des Reiches, dessen Darlehen dann nicht verzinst wird, so besteht schon eine ge= wisse Aussicht, daß, wenn die Bant überhaupt eristenzfähig bleibt, sie nach fünf oder sieben Jahren auch wieder Divi­denden zahlen kann, die einen Kurs von 125 Broz. nicht als ein Opfer der Industrie werden erscheinen lassen.

Sollte es aber nicht gelingen, die Danat- Bank wieder flott zu machen, sollte man trotz aller Reichshilfe zu einer allmäh­