Rr. 519 48. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Wenn Vögler richtig Bilanz macht..
Der größere Teil des Stahlvereinkapitals wäre als verloren anzusehen.
mir lesen in einer westdeutschen Zeitung, daß die Aktien| der Stahlverein eine ehrliche Sanierungsbilanz aufmachen der Bereinigten Stahlmerte von Bank zu Bank um 10 Prozent würde, so wären noch andere Posten zu berücksichtigen, die herum gehandelt werden. Am 24. November ift Aufsichtsrats- die Berluste außerordentlich erhöhen mürben. fihung des Stahlvereins, in der die Bilanz für 1930/31 festzuffellen ift.
Der finanzielle Zusammenbruch des Großattionärs Flid der Vereinigten Stahlmerke ist bei Eingeweihten eine taum mehr umstrittene Tatsache. Die Lage des Unternehmens selbst wird dagegen nur selten ernst genug beurteilt. Vielmehr finden sich für die Leistungen seiner Leiter noch immer willige, wenn auch taum unabhängige Lobpreiser. Dem Wirtschaftsbeirat der Reichs: regierung gehört wieder Herr Bögler an, das erste Borstandsmitglied des Stahlvereins.
Aufklärung darüber ist heute einfach notwendig, wie die Stahlvereinsbilanz für 1930/31 aussehen müßte, wenn sie nach kauf
männischen Grundfähen aufgemacht würde.
Der Umsatz des Unternehmens, der im Jahre 1929/30 rund
1260 Mill M. betrug, belief fich 1930/31 auf rund 840 Mill. M. Bei dem Vorjahrsumfah von 1260 Mill war ein Bruttoüber chuß von rund 260 Mill. erzielt worden. Von den im einzelnen nicht angegebenen Betriebstoften von rund 1 Milliarde Mark entfielen 473 Mill. M. auf Löhne und Gehälter, der Rest auf die übrigen Betriebskosten. Bei optimistischer Schäßung wird man für das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Rüdgang der ge= jamten Betriebstoften, einschließlich Löhne und Gehälter, auf etwa 75 Broz. des für 1929/30 festgestellten Betrags rechnen fönnen. Dabei nehmen wir an, daß infolge des Belegschaftsabbaus und der Lohrsentungen Lohn- und Gehaltstoften um etwa ein Drittel, die übrigen Betriebskosten dagegen um etwa ein Fünftel zurüddie übrigen Betriebskosten dagegen um etwa ein Fünftel zurüd gegangen find.
Donnerstag, 5. Rovember 1931
Troß der Knappheit der Darstellung tommen alle Fragen, die
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in der Nachkriegszeit für die wirtschaftliche Entwicklung von Bedeutung waren Rationalisierung, die Rolle der öffentlichen Hand, die Kapitalfehlleitungen usw. zu ihrem Recht. Das Bestreben, die fortlaufende Darstellung durch Bezugnahme auf aftuelle Fragen zu beleben, mird aufs glücklichste unterstützt dadurch, daß neben dem Text eine geschickte Auswahl von 3itaten und umfangreiches 3ahlenmaterial angeführt ift.
Zu den Betriebsverluſten von 1930/31 fritt hinzu der große Fort mit den Zementfartellen!
Konjunkturverlust aus den schwedischen Erzverträgen. Bei forretter Bilanzaufstellung würde er jetzt zurückzustellen sein. Dieser Verlust ist vorsichtig mit rund 15 mill. Mart jährlich, also insgesamt mit etwa 150 Millionen anzunehmen.
Ihre Existenz ist wirtschaftlich sinnlos.
Wie in den letzten drei Jahren beginnt jetzt wieder in West. deutschland ein Kampf um die Berlängerung des me ft deutschen Die verfehlte Expansionspolitik hat meitere Berluste gebracht. 3ement syndikates, das seit 1928 mühselig von Provisorium noch bei den großen Quotenfäufern Anfang 1930 murden rund 30 Millionen Mark in nahezu wertlosen Beden drei großen deutschen Syndikaten zusammengeschloffene Zementzu Provisorium durchgeschleppt morden ist. Natürlich hat die in teiligungen angelegt; bis in das abgelaufene Geschäftsjahr industrie ein brennendes Interesse daran, eine Sprengung des hinein erfolgten noch Anlageermeiterungen. Seit der Gründung des mestdeutschen Kartells zu verhindern, denn mit dem Auffliegen Stahlvereins find nicht meniger als rund 400 mill. M. investiert diejes Syndikates wäre zwangsläufig das Ende des süddeutschen Allein schon durch den Rüdgang der Baukosten dürften und norddeutschen Zementfartells gegeben. die Wiederbeschaffungswerte um mindestens 30 Proz. unter den tatsächlichen Anlagekosten liegen. Auch in besten Zeiten erscheint eine volle Ausmuzung ausgeschlossen. Auf diese 400 mill. wären rund 150 Mill. abzuschreiben.
Für eine Sanierungsbilanz wären also von den 880 Millionen Aktienkapital und Reserven des Stahlvereins rund 500 millionen durch den Betriebsverlust und die verfehlten kaufmännischen Dispofitionen der letzten 5 Jahre als verloren anzusehen.
Diesem Intereffe der Zementindustrie, die Kartelle zu erhalten, steht aber das gesamtwirtschaftliche Interesse scharf entgegen. Die 3ementkartelle haben in der Ausübung ihrer mirtschaftlichen Funktionen in den letzten fünf Jahren auf der ganzen Linie versagt. Bon einer Regulierung der Produttion war feine Rede. Im Gegenteil, die ausbeuterische Preispolitik der Syndikate hat die Mitgliedsmerte, in erster Linie die großen Konzerne, zu einer finnlosen Berschwendungspolitit und planlosen Wertsausbauten veranlaßt, obwohl auch in ben noch zu 30 Broz. ausgenutzt, aber von Kampfpreisen gegen die goldenen Jahren der Hochkonjunktur die Betriebe nur zu 60 Brozihrer Leistungsfähigkeit ausgenutzt waren. Jetzt sind die Werke mur Außenseiter abgesehen, waren die Kartelle erst durch staatlichen Drud zu spürbaren Preissenkungen zu bewegen. Die Zementfyndikate, deren Breispolitik die Krije auf dem Baumarkt verschärft und die Kapitalfchlleitungen ungemein gefördert hat, können in der gegenwärtigen Situation nur den Sinn haben, dem Zementfapitol
Beteiligungen( rund 300 mill.). Ferner ist die Tatsache der von der Dabei ist nicht berüdsichtigt die Ueberbewertung der Gründung an bestehenden leberkapitalisierung nicht berücksichtigt. Dr. Bögler hat jelbst vor dem Enqueteausschuß fest gestellt, daß der Sinn der Stahlvereinsgründung von 1926 mar, Demnach wäre der Bruttoüberschuß für 1930/31 auf rund Kapitalzufammenlegungen bei den Gründergesellschaften zu ver90 Mill. M. zu schäzen, also wenig über ein Drittel des für 1929/30 meiden. Auch hier bestünde ein Abschreibungsbedürfnis; das nur erzielten Bruttoüberschusses. Hieraus dürften für Anleihezinsen, seit 1926 verschleppt murde. Borsichtig gerechnet, wäre von den Preise zu erhalten, die ebenso sinnlos wie volkswirt. Steuern und soziale Aufwendungen rund 130 Mill. zu zahlen 880 Millionen Kapital und Reserven des Etahlvereins nur ein schaftlich gefährlich sind..
gewesen sein. Dann müßten mindestens mie im Vorjahr 80 Millionen Abschreibungen angefeht werden; im Vorjahr war es schon mur deshalb nicht mehr, weil man 4 Proz. Dividende ausmeisen wollte.
Der Verlust für 1930/31 würde dann etwa 120 Millionen Mart betragen.
Diese Berechnung entspricht mindestens den Entwicklungs tendenzen, fie fann mur in Einzelheiten forrigiert werden. Wenn mun
Thyssens Amerikalegenden.
Die Schwerindustrie schweigt zu unseren vernichtenden Feststellungen.
Am 30. Oftober hat der Borwärts" in eingehender Wider legung einer Amerifarede von Frizz Thyssen festgestellt, daß Herr Friz Thyssen als deutscher Wirtschaftsführer in Amerita sehr schmer. wiegende, erweislich unwahre Behauptungen über die politische und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands aufgestellt hat, die das politische Ansehen der Deutschen Republik und den wirt. schaftlichen Kredit Deutschlands auf das schwerste schädigen müffen. Die Deutsche Bergwertszeitung" und die Deutsche
Inappes Biertel noch als intakt anzusehen.
So ungefähr fähe das Bild aus, wenn im Stahlverein faufmännisch Bilanz gemacht werden würde. Sicher ist der anfangs zitierte Kurs von 10 Praz. für die Stahlvereinsaftig zu niedrig. Aber dürfte er viel mehr als das Doppelte notieren? Diese Dinge, menn sie auch nur hypothetisch berechnet werden können, müssen heute festgestellt werden. Es sieht nämlich so aus, als ob der Stahlerein mit seiner Bilanz für 1930/31 ein politisches Geschäft in
der Kartellfrage machen möchte.
Ms Beweis für die öffentliche Berschwendung in Deutschland werden die erhöhten 3iffern der fürzlich veröffentlichten Auslandsverschuldungsstatistik der Reichsbank herangezogen. Die Deutsche Bergwertszeitung weiß aber dennoch
stellt fie fich ahnungslos gegenüber ihren Lesern, daß der größere Teil der neu festgestellten Auslandsverschuldung auf der einen Seite Forderungen deutscher Untergesellschaften im Ausland sind, also größtenteils aus Deutschland verschobenes Rapital, auf der anderen Seite ausschließlich Schulben privater, nicht aber öffentlicher Unternehmungen Die Deutsche Bergwertszeitung" beruft fich ferner auf Feststellungen der amerika. nischen Zeitschrift Iron Age " vom Juli d. 3. Sie verschweigt aber, daß das eine Zeitschrift der amerikanischen Schwerindustrie Deutschland müsse seinen Sozialismus abschwören, überhaupt, mit fozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Politit nichts zu tun haben kann; denn in Amerika versteht man unter Sozialismus und das fagt die Zeitschrift ausdrücklich selbst Tatsache, daß es in Deutschland für Gas, Elektrizität und Basser öffentliche Betriebe gibt.
Konkurse und Zusammenbrüche.
Startes Anwachsen im Oktober.
Die Auswirkungen der Kreditkrise vom Sommer tretan erst nach und nach in ihrer ganzen Schwere in Erscheinung. Schon im September war gegenüber dem August ein beträchtliches Ansteigen der Insolvenzen von 1642 auf 2018 zu verzeichnen. Im Oftober hat sich diese 3ahl auf insgesamt 2445 Insolvenzen zr höht. Hiervon entfallen 1435 Zusammenbrüche auf Konturse, nicht eingerechnet diejenigen, die mangels Masse abgelehnt wurden, und 1010 eröffnete Bergleichsverfahren.
Mittlere Unternehmen sanieren.
Bann werden die Großkonzerne folgen? Berschiedene mittlere Industrieunternehmen, die jetzt erst mit ihrer Bilanz für 1930 herausgetommen find, haben ihre Abschlüsse vor sorglich auf die durch die Krise völlig veränderten wirtschaftlichen Bewertungen umgestellt. Diese Art Bilanzpolitif ist im Intereffe einer schnellen und gründlichen Bereinigung der Unternehmun gen mur zu billigen.
Allgemeine Zeitung ", die wichtigsten Organe der schwerindustriellen ist und verschweigt ferner, daß die dort getroffene Feststellung, weide, die in den beiden vorhergehenden Jahren noch je 7 Proz
Politik in Deutschland , hatten die Rede im Wortlaut wiederholt. Die Deutsche Allgemeine Zeitung" hat auf unsere Kritif, Die auch im ,, Berliner Tageblatt" empörte Zustimmung gefunden hat, mit teinem Bort reagiert. Die„ Deutsche Berg mertszeitung" hat am 3. November zu antworten versucht. Die Antwort ist ein volles Eingeständnis der Un wahrhaftigteit der amerikanischen Thyssen- Rede. Unsere Fest. ſtellung von der Unwahrhaftigkeit der Thyssenschen Behauptung, die öffentlichen Ausgaben Deutschlands feien von 1913 bis 1930 Don 7½ auf 30 Milliarden Mart gestiegen und daß diese Steigerung die Folge der legalisierten sosialen Revolution seit 1918 fei, wird nicht bestritten. Es wird nicht bestritten, daß höchstens 1 Milliarbe Mart den politischen Struthurveränderungen seit 1918 zu Laften geschrieben werden könnte. Die Bergmertszeitung" fann nicht widerlegen, daß Thyssens Behauptung von der sechsmal so großen Steuer und Sozialbelastung der Vereinigten Stahlwerte eine Irreführung der amerikanischen Deffentlichkeit ist und daß beispielsweise die United Steel Corp., Der größte amerifanische Stahltrust, höhere Lohnfosten und Steuerlaften hat als der Deutsche Stahlverein. Drittens magt die Deutsche Bergmertszeitung" auch feinen Versuch der Entträftung unseres Nachweises, daß die Unrentabilität der Bereinigten Stahlmerfe ausschließlich auf Fehldispositionen des deutschen Stahlvereins zurüd zuführen ist und mit der Politik der Gewerkschaften und der So. zialdemokratie nichts zu tun hat. In der Sache mußte die Deutsche Bergwertszeitung" Herrn Thŋffen also preisgeben.
SP
nur die
Die„ Deutsche Bergmerfszeitung" ist also nur bemüht, nachdem fte zugunsten von Herrn Thyssen sachlich nicht ein Sterbenswörtchen zu sagen weiß, gegenüber ihren Lefern das Geficht zu wahren, da fie sonst ihre Blamage und Herrn Thyssens unqualifizierbares Berhalten zugestehen müßte.
„ Nachkriegskapitalismus."
Eine wertvolle Jubiläumsschrift der„ Frankfurter Zeitung "
Anläßlich des 75jährigen Bestehens der Frankfurter Zeitung " veröffentlicht ihre Handelsredaktion eine Gemeinschaftsarbeit Nachfriegstapitalismus", die das Interesse auch derer beanspruchen darf, die wirtschaftspolitisch in vielen Dingen anderer Meinung sind als die Bearbeiter.
Diese grundsäglich den Kapitalismus bejahende Arbeit fcheut sich nicht, die Sünden der Kapitalisten schomungslos aufzu zeigen, mögen sie sie einzeln( Lahusens) oder in Gruppen( Kartelle) begangen haben. Hier wird nicht geleugnet, mie sehr der Einfluß der Interessenten auf die Wirtschaftspolitik( Subventionen, Schutzölle), wie die rigoros ausgenugte Macht der mono
Dafür werden freilich Ausflüchte gesucht. Die Art der Ausflüchte läßt sich mit einem parlamentarischen Ausdruck taum tenn- polistischen Kartelle. wie der unsinnig übertriebene Autartie gedanke zur Verschärfung der deutschen Krise beigetragen haben. zeichnen.
So hat die Maschinenfabrik R. Frister AG. in Oberschöne Dividende verteilte, ihre Abschreibungen für 1930 gegenüber dem Vorjahr von 475 000 auf 3,33 Millionen Mark heraufgesetzt, so daß der Jahresabschluß einen Verlust von rund 3 Millionen ergibt. Mie
der Vorsitzende der Berwaltung erklärte, ist dieser Berlust nur
3um geringsten Teil als Betriebsverlust anzusehen. Obwohl bei einem Rapital von sechs Millionen von Januar bis
September 1931 bereits mehr als 6,6 Millionen Mart Unjaz erzielt waren, hat sich die Verwaltung mit Rücksicht auf die gegen wärtige Wirtschaftslage zu den hohen Sonderabschreibungen veran laßt gesehen, um die erfolgten Wertveränderungen aus. zugleichen. Ueber meitere Sanierungsmaßnahmen mie Herab. fegung des Atlientapitals werden noch Beschlüsse gefaßt. Auch die Chemische Berte 2. G. Brodhues meist infolge hoher Sonderabschreibungen auf Beteiligungen trot
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CLUB