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Qerdlandi

Sib Falk preßte die schweißnasss Stirn an das wohltuend kühle Glas des Fensters. Aus blicklosen Augen starrt« er hinunter auf die Straße,«ine belebte, von Menschen und Geführten durchbrauste Weltstadtstraße. Aber Sio Falk hatte für das Getriebe kein Jnter. esse. Wir durch graue Nebel beol achtete er einen Herrn, der hin und wieder sichtbar wurde in Begleitung immer neuer, unausfällig gekleideter Herren. Dicht neben Cid Falk schlug eine Stimme an.Was ist dir. Lieber?" fragte es da sanft und zärtlich.Es ist blaue Stunde, Liebsterl Und ich will, daß du mir dl« Cocktailkirfchen von den Lippen küßt, wie in unseren besten Tagen." Der Mann am Fenster fühlte, wi« der warme, duftende Leib der Frau sich an ihm emporrankte. Er fühlte die Dämmerung der blauen Stunde auf sich eindringen, er wußte um die Wohligkeit des kleinen, kisfenüberfäten. Weihrauch durchschwelten Liebestempels, in dem er mit ihr, dieser Schmalen. Schlanken, festliche Stunden bis zur Neige ausgelebt hatte. Das alles war aus! Wozu sich die Situation verschleiern? Warum wie der b«rLhmts Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken? Cid Falk wußte in diesem Augenblick, daß ihm nur noch wenig« Viertelstunden Zeit blieben, sein Leben, dies Dasein eines -Hazardeurs, eines Babanqueurs, eine, Abenteurers und Verbrechers, dies Leben, das er mit aller ihm innewohnenden Kraft liebte, aus- zukosten. Schon war 0er häuserkomplex, zu dem dies Haus ge- Härte, umstellt von wachsamen, geschulten Kriminalern. Noch muß- ten sie nicht, welcheii Schlupfwinkel er gewählt hatte. Aber es gab setzt kein Entrinnen mehr für Sidney Falconshire, denFalken". Das Spiel war aus Er l)atte es verloren. Jetzt mußte er di« Nechnuna begleichen! Zuchthaus? Ehre Nummer? Sie sollten sich aetäuscht haben! Fremd« Leben aber waren diesem Verbrecher heilig. So hatte er es stets gehalten. So sollte e» jetzt bleiben, in dieser Stunde. seiner Todesstunde. Cr finaerte nach seiner Tasche. Die Waffe war entsichert. Ja, sollten sie nur kommen. Lebendig bekamen sie ihn nicht! Die zärtliche Stimme klang wieoer auf.Du bist so seltsam, Liebster!" Das waren die Worte, die aus den korallig gefärbten Lippen an sein Dhr zwitscherten. Aber hätte Sid Falk-Folconshire in diesem Augenblick sich umgewandt, die Augen der Frau, harte und grausame Raubtieraugen, hätten ihn aus seinem Todeswillen aufgescheucht! Nun fühlte er. daß der schmiegsame, gertenschlanke Leib sich von feiner Seite löste, nun Härte er enttäuschte Worte oerhallen. Und er glaubte, daß diese Frau der einzige Mensch sei. der in dieser Stunde wohl seine- Vertrauens würdig wäre. Die Frau hantierte an der kleinen Zimmerbar die von einer venezianischblauen Ampel matt erhellt war. Malerisch tauchte das satte Blau in die Dämmerung, die draußen vor dem Fenster stand. Das Grammophon sang einen Kubasong, zwei hauchdünne Schwenk- schalen klirrten aneinander, die metallenen Shater gaben einen spröden Klingklang. Da sagte Sid Falk vom Fenster her:Es ist aus! Das ist alles aus! Verstehst du wohl. Amely. mein Kleines, was ich da sage? Alles ist aus! Und du mußt vergessen, kleine Ameiy. hörst du, ja? Vergessen!" Derwunde-te kleine Zwitsckerlaute kamen von der Bar-Aus? Mes aus? Vergessen? Vergessen soll ich, hast du gesagt?" Und nun, angesichts der hilflosen Madchengestalt da im Schatten der blauen Stunde, des geneigten Köpfchens, der scheu gebogenen Nackenlinie, angestchts der ineinander gekramplten chände seiner Freundin und mzch den oerwunderten Klang ihrer Worte im Hirn, kam dem äsochstapler Falk-Falconshire eine Jd«« Langsam ging er zu der lebensgroßen Filigranfigur, zog sie in feine Arme und sagte dann:ihöre mal. Kleines! Man sticht mich. Man wird mich lald g-funden haben! Polizei, vo stehst du? Nein. nein, ich bin nicht der. für den du mich gehalten halt. Sechs- undzwanzig Staatsanwaltschaften haben jechsundzwanzig Polizei­

behörden mit meiner Verfolgung betraut. Jetzt haben sie mich. Ja, da hilft nun nichts, mein Kerlchen. Meine Geschichte und alles, wie dos so gekommen ist, will ich dir nicht erzählen. Du wirst es in der Tagespreffe lesen, di« Manicure wird es dir erzählen, und Monica, deine Zofe, wird es dir auf die Semmel schmieren. Nein, das ist es nicht> Deshalb sage ich dir das alles nicht!" Er zog di« Zitternde an sich und drückt« fein« trockenen Lippen in ihr duftendes Haar. Amely. unsere blaue Stund« hat nun ein Ende. Du ziehst dich jetzt an. Nein, nicht das jadegrüne, nein, auch nicht das tüten- blaue... Nein, wir gehen nicht bummeln Du gehst allein aus die Straße. Steigst in ein Taxi und fährst zum Alexanderplatz , zum Polizeipräsidium, Da gehst du zum Kommissar vom Dienst, nein, er heißt nichtDienst", er Hot Dienst, warte, ich schreibe es dir auf! Gehst hin, sagst deinen Namen und daß ich. Sidney Fal­conshire, der Falke, ach, du kannst auch Pnnce Loulester sagen, auch Conte Beloedere, es bleibt sich gleich, sagst also, daß ich mich In Seiner Wohnung besind«. Und dann mein süßes Herz, nimmst du abermals-ein Toxi und fährst zu deiner Freundin Jlonka. Ihr kannst du getrost erzählen, daß du in den nächsten Tagen eine größere Summe erwartest, sagen wir: zehntausend Mark, Und das stimmt auch, liebe, kleine Freundin. Denn schau: sie bekommen mich doch! Machen ja schon die Gegend unsicher. Ich habe das Spiel verloren. Worum sollst i>u da nicht noch die auf meine Er- greifung ausgesetzte Belohnung erhalten?! Sterben kann ich ja spä..." Sid Falk brach jäh ab. Die Flurklingel schlug an, erst kurz, dann anhallend, dröhnend. Und er kannte diese Art, zu klingeln, Das waren die Bullen. Woher aber kannten sie schon seinen Schlupfwinkel? Nach seiner genauest kalkulierten Berechnung hätten sie ihn noch längst nicht ausgespürt haben können. Und wieder: die Klingel!!! Ja, der alte Mut des Falken war erlahmt, die Tollkühnheit, mit der er sich stets rechtzeitig in Sicherheit gebracht hall«, war erloschen. Da fällt sein Blick auf Sie Frau, die da vor ihm steht. Auf- gereckt steht sie da, mit kalten, Verachtung sprühenden Augen, in denen ein unheimliches Wissen steht. Und da kommt es ihm in den Sinn: er ist in einer Falle. Die Frau hier vor ihm. schon in der Haltung, in der sie der gefesselte Verbrecher sehen soll, ist eine Spitzelin Sie hat die Kriminaler, die er nun schon stundenlang, immer verstärkter, das Haus umstellen sieht, herbeigerufen! Was hast du denn, kleine Amely?" fragt er nun und bändigt feine flackernde Sprach«.Warum öffnest du denn nicht? Es hit doch geklingelt!" Ach bitte", sagt sie obenhin und zerpflückt das rote Frucht- fleisch einer Cocktallkirfche,ach bitte, öffne du. ich kann mich doch so nicht sehen lasten. Und außerdem soll ich mich doch anziehen, soll doch zum....." So, nun weiß«r, woran er ist. Der Kriminalrat Dr. Kemmer- lingk hat ihr wohrscheinllch die Weisung gegeben, ihn öffnen zu lasten, damit seine Bullen ihn gleich an der Tür überwälligen. Nun packt ihn eine geradezu irrsinnige Wut. Nun reißt er das Schießeisen aus der Tasche und hält es ihr unter den linken Brustonfatz. Erlahmte Kräfte erwachen in Skdnsy Falk-Falconshire.Vorwä.tz!" zischt er.«Marsch, du Mest! Woll'n mal» sehn, ob es so leicht ist, sich eine Belohnung zu oer- dienen, die auf meinen Kopf gesetzt ist. wenn ich es nicht will!" Und er stößt sie bis zur Tür. Mit der Linke» öffnet er. Die Rechte häll die Kanone auf ihrer Haut. Noch einmal steht er sie an, das falsch«, von Scham angefrcsiene Gesicht mit den grausamen Tigeraugen, Dann sagt er zu den Herren, die bereits die.Armbändchen" für ihn geöffnet haben: Wenn einer mich anrührt, ist sie hinüber!" Da lacht sie spöttische Lache. Tritt von der Waffe fort. Und an dem wutohnmächtigen Gesicht des großen erledigten Verbrechers vorbei sagt sie zu den stämmigen Herren:Ich habe natürlich vor- sorglich die Pattonen entfernt!"

Qma 3iam: tßegegnung

In einem Eisenbahnabteil saßen Zwei Frauen einander gegen- über. Die eine war nicht mehr ganz jung, zart und blond. Die andere war älter. Vielleicht nicht um viel«, aber um die entscheiden- den Jahre: die andere war ein« Frau, die offenbar keinen Wert mehr darauf legte, zu gefallen. Die Runzeln in ihrem feinen Gesicht hätten sich leickt überschminken lassen und ihre Haare waren grau untermischt. Sie las in einer Zeitung und blickte ab und zu ver- stöhlen auf ihr Gegenüber. Haben wir einander nicht irgendwo gesehen?" fragte die Blonde, als sie einen solchen Blick erhaschte. Sofort erwiderte die andere:Ja. Im Sominer 1314. In Landro in Südtirol , knapp ehe der Krieg ausbrach." Die Blonde dachte nach. Sie dachte an den großen fünfstöckigen Gasthof in Landro und versuchte, die schmale grauhaarige Frau hineinzufetzen. Aber sie erinnerte sich nicht. Sie erinnerte sich nur an sich selbst, wie sie damals vor fünfzehn Jahren gewesen war, an das rotgestickte Batistkleid, das ste damals getragen hatte, und an ihre dicken, im Nackey geknoteten Zöpfe. Sie waren eine vorzügliche Tennisspielerin", fuhr die andere fort.Sie spielten auch in der dicksten Mittagssonne. Meist mit einem großen, braungebrannten Herrn,. ," Die Blonde erinnerte sich, jäh und mit Vergnügen, an den großen, braungebrannten Tcnnispartner und an di» gesprächigen Ausbrüche seiner Leiden- schall, wenn sie, vom Spiel erhitzt, zurück ins Hotel gegangen waren. Das war nämlich mein Mann",»rgänzte hie andere. Die Blonde lächelte gesellschaftlich-verbindlich. Sie dachte mit einer gewissen Wehmut, wie sicher sie vor fünfzehn Jahren gewesen sein mußt«, daß sie sich so gar nicht um die grau des Mannes gekümmert hatte, in den sie verliebt gewesen war. Keine Spur von Erinnerung, daß»in« Gattin dagewesen war. Sonne wor gewesen. sehr viel Sonne und Wald und Duft und ein nervöses Spiel mtt allem was brennt. Sicher nicht in Gedanken an diese Frau war es geschehen, daß siz damals im Musitsalo», als er ganz außer sich geraten war und behauptet hatte, es nicht länger ertragen zu können und immer wieder gebeten hatt»:Heute! Heute nacht!" den Kopf geschüttelt und ihn auf später vertröstet hatt«. War das eine Gewitterstimmung gewesen an diesem Nachmittag! Die meisten Gäste lagen mit Kopsschmerzen in den Betten, so prall und heiß war die Luft mit elektrischen Spannungen geladen, niemand wagte einen Schritt vors Hotel. Vielleicht hatte sie bloßnein" gesagt. weil Donner und Blitz so unheimlich nahe waren, vielleicht hatte ihr seine leidenschaftliche Ungeduld Spaß gemacht. Mit zwanzig Jahren hat man Zell , besonders wenn der Sommer noch, lang ist.

Und dann? Dann war offenbar der Krieg dazwischengekommen, und sie hatte alles vergessen. Die Dame mit den grau untermischten Haaren ihr gegenüber schwieg ebenfalls, sah zum Fenster hinaus und dachte an jenen Sommer in Südtirol . Sie war damals sehr, sehr unglücklich ge- wesen, ihr Mann hatte sie, wie lange schon, oernachiässigt. Sie war bloß von außen um sein Leben herumgeschlichen, hätte sich um seine Gesundheit und um seine Laune bekümmert, soweit er es zuließ, und war furchtbar viel allein gewesen. Man kann das Alleinsein ertragen, wenn die Sonne scheint, wenn man stundenlang durch duftende Wälder lausen kann. Aber einmal, als der Himmel bleiern wie Herzweh war und die Luft ganz still wie mit schwerem Unheil geladen, da hatt« sie es allein nicht ouegehnllen und sie war trepp- auf. treppab durch den ganzen großen Gasthof gelaufen, ihren Mann zu suchen. Plötzlich war er aus dem Mullkfalon getreten. Was machst du hier?" hatte er sie gefragt. Den Arm hatte er ihr um ihre Schultern gelegt und war mit ihr geblieben, während draußen das große dröhnende Gewitter niedergegangen war. Wie ein Wunder war es gewesen. Und dann? Dann war das große Weltgewitter losgegangen, und er hatte fortgemußt. Die beiden Frauen sahen schweigend aneinander vorbei, in die auf und nieder gleitenven Telegraphendrähte. Dapn wurde die Abteillür jäh aufaexissen Uttd ein halbwüchsiger Knal« trat ein-»Ds? ist mein Sohtt!" sagte die angegraute Dame mit bewegter Stimme.Sein armer Bater hat ihn nicht mehr gesehen. Wex hätte das gedacht, als er damals in Landro Tennis spielte? Im Februar daraus ist«r gefallen. Der Pub kam im April zur Welt." Und sie zog mit leise zitternder Hand den Kopf des Knaben an sich, streichelte seine Haare unh süßte ihn auf die Sttrn. Schob ihn jedoch gleich wieder fort und sagte vorwurfsvoll: Aber-- du hast ja schon wieder geraucht!" Li» Bland» hatt» unterdes nachgerechnet und herausgefunden. daß dieser Knabe genau jener Zeit entstammte, da fein Vater sie geliebt hatt», Sie blickte mtt Rührung auf den Knaben, an dem sie ja in geheimnisvoller Weife Antell hatte, auf diese in fremdem Schoß erblüht« Blume jener aufwühlenden Gewitterstund«. Fast etwas wie Mütterlichkeit fühlte si« für ihn, obwohl sie keineswegs ein« mütterliche Frau war. weder fürsorglich, noch pädagogisch. Trotzdem wollte sie etwas für ihn tun. Und fo steckte sie ihm beim Aussteigen hinter dem Rücken seiner Mutter eine Schachtel Zigaretten zu.

ÄL.. Die Schaufpietertn Christobel war eine Schauspielerin. Zumindest war s i e dieser Ansicht. Theaterdirektoren waren allerdings anderer Meinung. Aber da Unerfchrockenheit zu Christobels bemerkenswertesten Eigenschaften gehörte, war sie fest entschlossen, irgendwo ein Engagement zu finden. Durch einen sonderbaren Zufall gelang es ihr tatsächlich, in der Statisterie irgendeiner Revue unterzukommen Freilich nur für zwei Abende. Am nächsten Tage sprach sie schon wieder bei allen Theateragenten Londons vor. Niemand schien sie zu brauchen. Aber sie blieb'standhaft. Schließlich gab ihr ein Agent sogar eine geringe Hoffnung.Gehen Sie mal ins Grand Theatre!" sagte er. Dort brauchen ste ein Stubenmädchen für ein neues Stück," Christobsl kräuselte verechllich ihre Lippen.(Das hatte sie in der Schauspielschule gelernt.)Ein Stubenmädchen?" fragte sie weg- werfend.Eine ganz gute Rolle," meinte der Agent,vielleicht gibt man Ihnen später eine bessere" Christobel ging ins Grand Theatre und begann zu rezitieren. Der Direktor betrachtete sie kritijch und erhob verzweifelt seine Hände.Hossnungslos! Vollkommen Hoffnungsws. mein Lieblingl" rief er aus.«Sie sehen in der Rolle eines Stubenmädchens aus wie Greta Garbo in der Rolle eines Banditen." Noch bei einem anderen Direktor versuchte Christobel ihr Glück. Zwei starte Männer mußten ihn zurückhaltcn. Nach einigen Wochen wurdö Christobel wieder in ein Theater geschickt. Der'Direktor war gerade sehr schläfrig und engagierte ste. Am ersten Abend schon spielte sie ihre Rolle so meisterhaft, daß der Direktor mit einem unheimlich aussehenden Messer in den Kulissen erschien.Hinaus!" zischte er.(Der in seinem Stücke auftretende Schurke hätte sich an ihm ein Beispiel nehmen können.)Lasten Sie sich hier nie wieder sehen' Haben Sie je in ihrem Leben ein Stubenmädchen gesehen? Sie haben ja überhaupt keine Ahnung, wie man sich auf der Bühne benimmt!" Noch einmal wollte ihr der Agent die Rolle eines Stuben- Mädchens verschaffen.Sie haben ja jetzt bereits einige Erfahrung auf diesem Gebiete." meinte er. Aber diesmal war der Theater- direkwr. dem sie sich vorstellte, nicht schlasbefangen. Langsam kam Christobel zu der Einsicht, daß sie nicht für die Bühne geschaffen sei. So würde sie eben Ihren Weg im Film machen. Sie sprach im Aufnahmebüro einer Filmgesellschaft vor. .cheute nichts! Vielleicht übermorgen!" knurrte man ihr entgegen. Ehristobel kam übermorgen und wieder übermorgen und eine Woche und dann zwei Wochen später. Endlich fragte man ste:Schon beim Film gewesen?" Rein. Aber Bühne." antwortete sie. Letzte Rolle?" Stubenmädchen." Aha! Warten Sie einen Augenblick! Wir brauchen zufällig jemanden für die Rolle eines Stubenmädchens. Gehen Sie mal geradeaus und dann ins Büro durch die erste Tür links!" Ehristobel hatte hie Stubenmädchenrollen zwar schon satt: aber Berus ist Beruf. So stellte sie sich beim Ausnahmeleiter vor. Der unierzog sie einer Prüfung. Dann umdüsierte sich sein Antlitz. Seine Hände ballten sich zu Fäusten.Ich brauche ein Stubenmädchen. Die nächste, bitte!" Nach einigen weiteren Versuchen verließ Ehristobel den Film. Vielleicht kann sich meine Begabung doch nur aus der Bühne ent- falten." sagt- sie sich. Aber sie hatte keine Zeit, sich noch länger mit dieser Frage zu beschäftigen, da ihr das Geld ausgegangen war und ihr Magen knurrte. So beschwß sie. irgendeine andere Stellung anzunehmen. Sie hatte Glück. Sie fand bald eine andere Stellung. Du hast es erraten, lieber Leser. Sie ist jetzt Stubenmädchen bei den Eheleuten Smith in der Parkstraße. Und ihre Dunstherren sagen, baß sie noch nie ein iüchttgeres Stubenmädchen gehabt haben. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Eitglilcheit vou Leo Korteo.) 3$er Sdinuplenerreger enldecki? Endlich scheint man ihn gefunden zu haben, den unsichtbaren Uebeltäter, der uns manchen Wintertag verleidet. Wie der amerika - Nische Forscher Dochez berichtet, ist es ihm nach jahrelanger Arbeit gelungen, den Erreger des Schnupfens nachzuweisen. Es ist ein so kleiner Erreger, daß er mit den stärksten Mikroskopen nicht sichtbar gemacht werden kann. Das ließ sich dadurch zeigen, daß man bei Schnupfenkranken Spülungen des Nasenrachenraums vornahm und die Spülflüsstgkeit durch Porzellanfilter preßte, welch- Bakterien sicher zurückhalten. Mit solchem Fiitrat wurden Versuch« an Schim- pansen ausgeführt: diese Menschenaffen erwiesen sich als besonders geeignet, da sie auch normalerweise vom Schnupfen desallen werde», Und prompt bekamen die Tiere auch ein bis zwei Tage nach der (Nasen')Jmpfung ihren Schnupfen, ebenso gesunde Tiere, wenn sie mit den erkrankten in einen Raum gesperrt wurden(was ja nach den menschlichen Erfahrungen nicht gerade überraschend ist!). Und da es immer Märtyrer der Wistenschaft gegeben hat. so stellte sich eine Anzahl von Studenten freiwillig alsVersuchskaninchen" zur Verfügung, und siehe da, sie erkrankten genau wie die Affen im Anschluß an die Impfung. Es zeigte sich ferner, daß das Krankhsits- gift sich(leider!) außerhalb des Körpers mindestens l3 Tage lebens- fähig erhätt. und daß man diese Lebensdauer durch Verimpfen auf geeignete künstliche Nährböden bis auf 74 Tage steigern kann. Schließlich konnte im Experiment die alte Erfahrung bestätigt werden, daß der Schnupfenerreger die üble Eigenschaft hat. andere Krankheitskcime. die ja in der Mund- und Nasenhöhle reichlich vor- Händen sind, aber meist ein harmloses Schmarotzerdasein führen, zu gefährlichem Treiben anzuregen und so einer Reihe von Jnfek- tionskrankheiten, besonders der Grippe, den Boden vorzubereiten. Hoffen wir, daß mit der Auffindung des Schnupfenerregers auch Wege gefunden werden, um diesen lästigen Eindringling so schnell loszuwerden, wie er uns überfällt. Dr. Alios.

Woher stammt der Kachelofen? Di« physikalstch-motbematische Klasse der Preußischen Akademie der Wissenschaften beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit einem alltäglichen und zehgemäßen Ge- genstand, dem Kachelofen, über dessen Historische� Entwicklung Ge- Heimrat Prof. Job. Stumpf eine techmsch« Mitteilung machte. Da- nach geht der Ursprung des nützl'chen Möbels auf ein Vreisaus- schreiben zurück, das Friedrich der Große im Jahre 1764 erließ. Später wurde der Kachelofen mit größerer Höhe durchgebildet: Prof. Lrabb« verkleinerte ihn wieder, entfernte alle Gesimse, machte ihn ganz glatt, oergröße'-te den Feuerraum unH erzielle einen Wirkungs­grad pon 7583 Prozent. Eine Mains, die ohne E-de und Wasier bMt. ist das Seuromatum gltttawm, das vom Himel-ya stammt. Liegt die Knolle auf dem Fensterbrett- 10 schießt im März und April eine lange, purpurrot und gelb gefleckte Plumentüte daraus hervor. Hat die Knolle ausg:bküht, so muß sie in die Erde gelegt werden. Dann treibt sie Blätter und sammelt im Laus des Sommers soviel Nah- runz. daß dies« für die nächste Blüte ausreicht. Zur Zeil der Karolinger berechnete man die Jahre bei uns nach der Regentenzest der jeweiligen Herrscher. Die erste deutscke Urkunde, die«in Datum nach der neuen Zeitrechnung trögt, stammt aus dem Jahr« 840.