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BERLIN

Freitag

4.

#Der Abend

1932

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Nr. 108

B54 49. Jahrgang

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Hindenburg 1925-1932

Im Spiegel der nationalen Opposition

Aus einem Wahlflugblatt 1925: Am 26. April handelt es sich nicht darum, einen Partei­vertreter zum Nachfolger Friedrich Eberts zu machen. Es handelt sich nicht darum, die Frage der Staatsform mittelbar oder unmittelbar nach der oder jener Richtung zu entscheiden, oder gar den Gang der äußeren Politik in ein neues Fahr­wasser zu bringen.

Es geht einzig und allein darum

den besten und würdigsten Mann, den lautersten Charakter, den unbestechlichsten Hüter von Recht und Sitte an die Spike der Nation zu stellen, dem Deutschen Reich den einwandfreiesten Wahrer seiner Ehre und seines Ansehens nach Innen und Außen zu geben.

Der drohenden Gefahr für die Zukunft unseres Bater­Tandes zu begegnen, haben die auf nationalem Boden stehen­den Parteien und die vaterländischen Berbände den Mann gerufen, der schon einmal in schwerster Not das Bateríand gerettet hat, der auch in der Schmach des Zusammenbruchs als ragender Fels fich bewährt hat, e

den getreuen Ekkehard des deutschen Volkes, unseren Hindenburg.

Er will seine immer noch gewaltige Kraft, sein unantastbares Ansehen dem deutschen Bolte weihen! Seine Erhebung auf den Präsidentenstuhl soll das Zeichen sein der Rückkehr zu alt bewährter Treue und Würde, das jubelnde Bekenntnis zu einem neueren besseren Deutschland ! Beim Namen Hindenburg soll alles, was an Schmutz und Parteijucht, an Kleinlichkeit und Bürdelosigkeit frankt, versinken. Ver­schwinden soll alles, was uns seit den Tagen des November 1918 gebrüdt hat.

Hindenburg soll unser Führer sein! Aus einem Wahlflugblatt 1932:

Los von Hindenburg , auf den wir einst unsere ganze Hoffnung gesetzt hatten. Wir kennen ihn nicht mehr, wir Soldaten der Front, und erst recht nicht mehr, nachdem er der Kandidat jener geworden ist, die dem kämpfenden Heere den Dolch in den Rücken gestoßen baben.

Hindenburg ist heute der Kandidat

jener Kriegsdienstverweigerer, die unsere stolze Armee ver­nichtet haben. Er ist heute der Kandidat

jener Novemberverbrecher, die unser Volk in den Abgrund stießen.

Er ist heute der Kandidat

jener Heilmann und Crispien, die kein Vaterland kennen, welches Deutschland heißt.

Er ist heute der Kandidat

jener Erzberger und Afterpatrioten, denen der Landesverrat von jeher das einträglichste Geschäft gewesen ist. Er ist der Kandidat

aller Juden, Schieber und Kriegsgewinnler.

Nur unser Kandidat ist er nicht!

Wir können ihn nicht mehr wählen. Wir wollen ihn nicht mehr wählen und wir werden ihn nicht mehr wählen.

Das erste der beiden Flugblätter ist ein offizielles Produkt des sogenannten Reichsblocks zum zweiten Wahlgang vor fieben Jahren. Das zweite, das mit der Aufforderung schließt, diesmal Adolf Hitler zu wählen, den heldenhaften Meldegänger der Flandernschlachten(!)," den unbekannten Gefreiten des großen Krieges, der mit dem Frontgeschlecht verwachsen ist, feine Sehnsucht versteht und seine Wünsche erfüllen wird", stammt aus der Hedemannstraße 10.

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Bor sieben Jahren war Hindenburg für die nationale| listische Böbelgeist den Sieg gewinnt. Je mehr aber Hinden­Opposition" ein Göze, zu dem man betete und von dem man under erwartete. Jezt hat der nationalistische Pöbel seinen alten Gözen, weil die erwarteten Wunder nicht eingetreten sind, umgeworfen und gleich zwei neue- Hitler und Duester­bergaufgerichtet. Wie lange wird es dauern, bis die neue Enttäuschung kommt?

Wir erwarten von der Reichspräsidentenwahl feine Wunder uns genügt es, zu verhindern, daß der nationa­

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burg von seinem ehemaligen Anhang trok zugesagter ,, Ritter­lichkeit" des Kampfes besudelt und in den Schmutz gezogen wird, eine desto größere Genugtuung wird es für die sozial­demokratischen Arbeiter sein, eben diesen Hinden­ burg in seinem Amte zu bestätigen und damit dem natio nalistischen Pöbel zu zeigen, daß seine Macht Grenzen hat. Mag er am 13. März vor But heulen, das wird Musik in unseren Ohren sein!

Kriegsgeschäft geht vor!

Munitionslieferungen erklären das Versagen der Großmächte

Genf , 4. März.( Eigenbericht.) erfte Hälfte eines Auftrages von Maschinengewehren, der insgesamt 200 Millionen Franten ausmacht, nach Japan . Am 10. Februar

war eine

japanische Militärfommiffion in Rheinsdorf

Die tapitalistischen Hintergründe für das Ber und das völlige Schweigen fämtlicher Staaten in der außer fagen der Großmächte im chinesisch- japanischen Konflikt ordentlichen Vollversammlung werden etwas deutlicher durch in Mitteldeutschland und erteilte Aufträge. Die deutsche chemische folgende zuverlässigen Angaben über Munitionsliefe Industrie hat bereits 3 600 000 Pfund Säuren für Explosio­rungen nach Japan , die allein seit Anfang Februar erfolgt ftoffe nach Japan gesandt. Eine deutsche Firma sandte 2600 Kisten find. Japan hat bisher Lieferungsaufträge an Firmen in Groß- Chemikalien, die als Klaviere" bezeichnet wurden, nach Japan . britannien, Deutschland , Frankreich , Polen , In Polen haben die Japaner in ostoberschlesischen Werken Auf­Belgien und die Tschechoslowakei erteilt. Der Haupt- träge von über 3 Millionen Dollar erteilt. Die japanische Militär­verkehr erfolgt über Hamburg .

Am 4. Februar lief der Dampfer ,, Bille " aus Hamburg nadh Yokohama aus mit einer Fracht von Explosivstoffen. Am 5. Februar erfolgten weitere Berfrachtungen von Dynamit, Gra­naten, Maschinengewehren, Flugzeugbestandteilen und Revolvern aus Elbe - Häfen nach Japan Am 7. Februar fandten die Skoda Werke in der Tschechoslowakei 700 Riften Munition über Hamburg nach Japan . Am 8. Februar wurden auf dem norwegischen Dampfer 30word" 4000 Kisten Explosivstoff aus Deutschland nach Japan verschickt. Am selben Tage fandte eine französische Firma die

KPD .- Klippschule.

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Der Hauptfeind des Proletariats ist der Faschismus. Hitler ist der Faschismus. Hindenburg ist Hitler . Die Go­zialdemokratie ist Hindenburg . Wen müffen wir also in erster Linie bekämpfen?"

.Ditler!"

tommiffion hält sich gegenwärtig in der Tschechoslowakei auf. 18 000 Granaten und 2300 Gasbomben sind von dort bereits ver­schickt. Die Skoda - Werke arbeiten gegenwärtig an der Ausführung großer Aufträge von Granaten, die über Triest verschickt werden sollen. In Frankreich haben die Werke Schneider in Creuzot einen Auftrag auf 20 schwere Tanks und die französische Autofabrik de Dion stellt 4000 schwere Flugzeugbomben für Japan her. Aus Belfast ( Irland ) ist Munition im Werte von 25 Millionen Dollar nach Korea abgegangen. Nach offiziellen An­gaben hat Großbritannien im Dezember für 33 000 Pfund, im Januar für 12 000 Pfund Kriegsmaterial nach Japan geliefert. Von den Bereinigten Staaten von Nordamerika find nach einer Erklärung im Repräsentantenhaus für mehr als 180 Millionen Dollar Munition nach Japan verschifft worden.

"

Aehnliche Mitteilungen veröffentlicht heute morgen auch das Blatt der sozialistischen Partei Frankreichs Populaire". Es handelt sich in der Tat um ein sehr ernstes Problem: Die Rüstungs­und chemische Industrie aller Länder besiht mehr oder minder starten, mehr oder minder direkten Einfluß auf die einzelnen Re­gierungen. Sie ist daran interessiert, besonders in Zeiten der Wirt­fchaftsdepreffion, Aufträge zu erhalten: Sie will am Krieg verdienen, und ihr liegt gar nichts an einer schnellen Bei­legung des Konflikts durch die Mächte und durch den Bölkerbund, im Gegenteil. Dabei ist es ihr ganz gleichgültig, von wem sie die Aufträge bekommt. Selbstverständlich wird nicht nur an Japan , sondern auch an China geliefert. Erst dieser Tage wurde aus Brünn gemeldet, daß eine dortige Maschinenfabrik von der chine­fischen Nationalregierung einen großen Waffenlieferungsauftrag er­halten und mit der Lieferung über Hamburg bereits begonnen hätte.

Die vom Internationalen Gewerkschaftsbund und von der Sozialistischen Internationale seit Jahren erhobene Forderung eines internationalen Berbots der privaten Herstel­lung von Kriegsmaterial und des privaten Handels mit Waffen und Munition gewinnt durch die jüngste Entwicklung mehr denn je an Aktualität und an Berechtigung.

Englands zweideutige Rolle in Genf .

London , 4. März.

Es find eifrige Bemühungen im Gange, um jede energifche Aktion Der Genfer Korrespondent des Daily Herald" berichtet: von seiten der fleineren Staaten zu verhindern, mit der Absicht. die Verhandlungen abzuschwächen. Ueberraschender­ Unsinn, du haft nicht aufgepast. Unser Hauptfeind ist weise verlautet, daß die Instruktionen der standinavischen die Sozialdemokratie." Delegationen abgeändert worden find. Besonders Schweden batte