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BERLIN Montag

21. März 1932

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Der Abend

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Nr. 136

B 68 49. Jahrgang

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Hitler verklagt Severing!

Gipfel nationalsozialistischer Dreiftigkeit

Seit der Polizeiaftion Severings fühlen sich die Nazis ver. pflichtet, jeden Tag einen neuen Beweis ihrer nervösen Ang st zu liefern, die sie angesichts des beschlagnahmten Belaftungsmate rials empfinden. Am Freitag verbreiteten sie Lügen über ihren Empfang bei Groener, jezt publizieren fie als neuesten Trid einen Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen Severing.

Wie die NSK. mitteilt, hat der Rechtsanwalt Frank II namens des Führers der NSDAP . Adolf Hitler beim Staats­gerichtshof für das Deutsche Reich Klage nebst Antrag auf Er­laffung einer einstweiligen Berfügung eingereicht gegen den Frei staaf Preußen und den preußischen Innenminister Seve ring. Es wird beantragt, zu erkennen, daß die preußische Polizeiaftion gegen die NSDAP . und die Beschlagnahme von urkundlichem Material gegen die Reichsverfassung verstießen. Ferner wird in dem Antrag eine Entscheidung dahingehend gefordert, daß alle Maßnahmen der preußischen Staatsregierung, durch die den preußischen Staatsbeamten die Zugehörigkeit zur NSDAP . sowie die Betätigung für die NSDAP . verboten wurden, mit der Verfassung unver einbar feien. Endlich soll die preußische Staatsregierung ver­pflichtet werden, die von der Partei beanstandeten Maßnahmen und Verfügungen unverzüglich nach Erlaß des Urteils des Staats­gerichtshofes mit rückwirkender Kraft aufzuheben und alle Dienst­entlassungen und Eröffnungen von Dienststrafverfahren aufzu= heben oder rüdgängig zu machen. Es wird grundsäglich der Beweis dafür angeboten, daß alle Versuche, die Legalität der NSDAP oder ihrer Führer anzuzweifeln, an der einwandfrei grundsäglich erhärteten und organisatorisch gesicherten beweis. baren Legalität(!!) des Borgehens der NSDAP . und ihrer Führer scheifern müßten. Im Wege der einstweiligen Verfügung foll alles beschlagnahmte Material aus der Polizeiaktion wieder zur Herausgabe gelangen.

Die beweisbare, Legalität" der NSDAP . besteht also darin, daß die von der Polizei beschlagnahmten laren Beweise des Gegenteils an die NSDAP . zurückgegeben werden müssen! Auf diese Weise läßt sich allerdings je de Legalität beweisen.

Das aufgeregte Gezappel der Herrschaften aber beweist etwas ganz anderes: es beweist die unaussprechliche Angst, die sie vor dem Bekanntwerden der Dokumente ihrer Schuld ver

( püren.

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Wer wollte attentaten?

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Goebbels' geheimnisvoller Besuch in der Reichskanzlei. Das Montagsblatt" des Kapitän Ehrhardt schreibt: ,, Man fann init ziemlicher Sicherheit annehmen, daß alles, was ber ,, Angriff" unter der Rubrik Sie fügen, fie fügen" dementiert richtig ist. Man erinnere sich der peinlichen Knallfrosch- Affäre, man denke an das frei erfundene Martyrium" für Hindenburg in belgischen Gefängnissen, das in Wirklichkeit nur darin bestand, daß Josef duldend wie ein Heiliger sich zwölfinal öffentlich einen abgefeimten Lügner" nennen ließ. Man vergegenwärtige fich jene Lüge des Tages", in der Goebbels entrüstet die Anwesenheit Hitlers in Berlin zu Berhandlungen mit Groener zu einer Zeit bestritt, als sein Partei chef schon im Kaiserhof" saß.

Die Refordleistung aller Angriff"-Dementis aber war die Ab leugnung der Attentatsmarnung an Staatssekretär Bünder. Josef glaubte mit etwas jüdischer Rabulistit durchzukommen, aber als er die telephonische Warnung bestritt, wurde ihm schon sein persönlicher Besuch bescheinigt..

Bisher wurde unklar gelaffen, gegen men sich die Warnung eigentlich richtete. Wir sind nun in der Lage, einen SA.- Gruppen befehl zu veröffentlichen, der den Zusammenhang unschwer erkennen läßt. In dem S.- Gruppenbefehl Berlin- Brandenburg Ia Nr. 1395 Sch./H. vom 12. März 1932 heißt es:

Die Untergruppen haben die Berbände sofort darauf hin­zuweisen, daß nach sicheren Nachrichten aus den Kreisen um Chr­hardt und Stennes morgen, 13. März, mit Provokationen zu rechnen ist."

Ueberflüssig zu sagen, daß sowohl Kapitän Ehrhardt wie Haupt­mann Stennes die Straßenkampfmethoden eines politischen Strolchen­tums entschieden ablehnen. Diese Kreise denken nicht an Pro­vokationen".

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Nach den in der Hedemannstraße üblichen Methoden( siehe oben)

Erfindungen der Hedemannstraße find! Goebbels aber machte einen nehmen wir als sicher an, daß diese sicheren Nachrichten" ganz glatte angeblichen ,, Attentatsplan" daraus und rannte zur Wilhelmstraße. Er hat sich wiedermal lächerlich gemacht, aber er hat die Me thoden eines hunds gemeinen Denunziantentums offen.

Paul Umbreit

Wenige Wochen sind dahingegangen, seit wir Hermann Kube zur Ruhe betteten. Und nun hat der Tod schon wieder einen der der Führer der deutschen Gewerkschaften abberufen: Paul Um­Alten, Getreuen, Bielerfahrenen und Reichbewährten aus der Schar breit ist in der Frühe dès 21. März einem Herzschlag er legen. Er stand im 64. Lebensjahr; aber er hing mit ganzer Seele

an feiner Tätigkeit. Er war erfüllt von Plänen und Gedanken für manches weitere Jahr des Lebens; aber schnell hat der Tod allem Planen und Denten ein Ende bereitet.

Paul Umbreit zählt zu den führenden Männern aus unserer Mitte, die ihr Lebenswert selbst aufgezeichnet haben. Die Leistung seines Erdenwandels besteht in der Führung der zentralen Zeitschrift der deutschen Gewerkschaften: am 16. März 1900 übernahm er die Schriftleitung des Korrespondenzblattes der Generalfommission, das heute unter dem Titel, Gewerkschaftszeitung" Organ des Allgemeinen zu seiner letzten Stunde. Als er es antrat, lag die Schöpfungsstunde Deutschen Gewerkschaftsbundes ist, und er verwaltete dieses Amt bis der deutschen Gewerkschaftsbewegung noch nicht weit zurück. Es galt noch zu roden und zu ordnen in ihrem Bereich, Wege zu bahnen für ihren Aufstieg. Mit großem geistigen Elan ging Umbreit an diese Arbeit. Mit unermüdlichem, eindringlichem Eifer fügte er in Gestalt zahlreicher Aufsätze und Auffahreihen im Korrespondenz blatt Stein um Stein zum Bau der Gedankenwelt der deutschen Gewerkschaften. Eigen war ihm scharf ausgeprägter Tatsachenfinn, und seine Tatsachentreue verbreitete Tatsachentenntnis. Die Arbeit

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bart, denn hier wurden willkürlich ohne jeden Grund nationale Nachbargruppen falsch angeschuldigt."

Man muß es Herrn Goebbels überlassen, auf diese An­fchuldigungen, die auf die Zustände im ,, nationalen" Lager ein grelles Licht werfen, zu antworten.

Gewerkschaftskongres vertagt!

Mit Rücksicht auf den Burgfrieden.

Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deut. schen Gewerkschaftsbundes hat den zum 23. März nach Berlin einberufenen außerordentlichen verordneten Burgfrieden auf einen späteren Gewerkschaftskongres mit Rücksicht auf den inzwischen Termin verlegt. In Anbetracht der Bedeutung und Dringlichkeit der Tagesordnung dieses Kongresses, die als einzigen Punkt die Notwendigkeit der Arbeitsbe.

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des Korrespondenzblattes erfuhr unter seinem Schriftleiterregime wachsende Beachtung bei Freund und Gegner. Denn ebenso groß wie in der nüchternen Beherrschung der Sprache der Tatsachen war er in der Polemit. Mit wuchtigen Gründen und scharfer Beweis­führung wandte er sich gegen alle Feinde feiner Sache: gegen die Feinde der sozialpolitischen Ziele der deutschen Gewerkschaften, gegen die Führung der jungen Arbeitgeberorganisationen, gegen die anderen gewerkschaftlichen Richtungen, gegen Lokalisten und andere Sonder­bündler.

Umbreits besondere Aufmerksamkeit galt der Sozialpolitit. Auf einigen Gewerkschaftstongressen trat er wegweisend hervor als Re­ferent zu sozialpolitischen Fragen. 1905 in Köln behandelte er das lange Zeit start umstrittene Thema: Arbeitskammer oder Arbeiter= tammern; 1911 in Dresden sprach er über: Arbeitsnachweis und Arbeitslosenunterstüßung. Aber diese große Liebe, die er sozialpolitischen Fragen zuwandte, war fein Zeichen von Ein­seitigkeit. Auf dem Gewerkschaftskongreß zu Nürnberg im Jahre 1919 erzielte er mit einem Referat über ein vollkommen anders geartetes Thema einen starten Eindruc: er sprach über die Sp. zialisierung der Industrie. Auf diesem Rongreß erfolgte seine Wahl in den Bundesvorstand des ADGB . Als der Vorläufige Reichswirtschaftsrat berufen wurde, war Paul Umbreit der gegebene Borsitzende des sozialpolitischen Ausschusses im Reichswirtschaftsrat, aber mit dem gleichen Recht entsandten ihn die Gewerkschaften in die erste Sozialisierungskommission.

Bei zahlreichen tätigen Menschen der Bewegung ist Paul Um­ breit in bester Erinnerung als Lehrer. In den gewerkschaftlichen Untrrichtstursen, die seit 1906 in Berlin stattfanden, las er über die Arbeiterschutzgesetzgebung und die gegnerischen Gewerkschaften. Und allen seinen Reden verdanken wir Bücher von bleibendem Wert. Denn alle seine Reden waren stets druckbereite Manuskripte, seine Auffahreihen erzielten als Buchausgabe stets weitreichende Wirkung. Von diesen zahlreichen Schriften nennen wir nur wenige aus der jüngeren Zeit. Großen Eindruck machten: ,, Sozialpolitische Arbeiter­forderungen" und Der gewerkschaftliche Wiederaufbau nach dem Kriege". Beide erschienen in dem verhängnisvollen Jahre 1918. 1915 schrieb er aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Generalfommission eine geschichtliche Uebersicht unter dem Titel: 25 Jahre deutsche Gewerkschaftsbewegung 1890 bis 1915, und 1928 erschien in den Veröffentlichungen der Carnegie- Stiftung für inter­Feder: Die deutschen Gewerkschaften im Kriege. nationalen Frieden eine neue größere historische Arbeit aus seiner

zur letzten Stunde. Nun aber ruhen Geist und Feder. Unvorher­Mit dieser unermüdlichkeit lebte Umbreit ein tätiges Leben bis gesehen mußten mir Abschied nehmen von ihm. Der Freund und seiner Lebensarbeit behalten Wert und Wirkung über die Grenze Gefährte ist tot. Aber unter uns lebt Paul Umbreit . Die Zeugnisse seines irdischen Wandels hinaus. Und unsere Achtung vor seiner Leiſtung, unsere Liebe zu ihm bleiben bestehen über sein Grab hinaus.

fchaffung umfaßt, mußte der allergrößte Wert darauf gelegt werden, daß die Verhandlungen über diese ent­scheidende Aufgabe der deutschen Wirtschaftspolitik nicht durch die Ztvangsvorschriften des Burgfriedens behindert oder eingeschränkt werden. Der nene Termin des Kon gresses wird noch bekanntgegeben.

Ehrung Hermann Müllers.

Otto Wels am Grabe.

Auf dem Friedhof von Friedrichsfelde , auf dem so

mann Müller gebacht, dessen Todestag sich zum ersten Male viele Führer der deutschen Arbeiterschaft ihre letzte Ruhestätte ge­fährte. Der Barteivorstand der deutschen Sozialdemokratie legte an der Urne, die die Asche des Toten birgt, durch seinen Vorsitzenden Otto els einen Kranz im Namen der Partei nieder.

funden haben, wurde am gestrigen Sonntag des Genossen Her