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Berlin für Braun-Severing Die Beiliner �ozia'dcmokratlc im Kampf

Die letzte« Tage brachte« eine weitere Steigerung in der Aufklärungsarbeit der Berliner Sozialdemo- kratie im Kampf um die Erhaltung des republikanischen Preußen. In nicht weniger als 41 Versammlungen ist gestern die Kampfparole verkündet und mit B c g e i st e- rung aufgenommen worden: Am 24. April jede Stimme für Otto Braun und Carl Severing . für die L i st e 1 der Sozialdemokratie! Selbstosrsländlich kann iiber diese Fülle von Versammlungen und Kundgebungen nur in zusammengefaßter Form berichtet werden Hervorgehoben sei, daß der woh'gelungen« Preußensllm wo er gezeigt wurde, stärkstes Interesse und lebhafteste Zustimmung fand. In wirkungsvoller Handgreiflichkeit und mitreißender Le-

Achtuns, Abteilungsleiter! Außer der Fligblattverbreitung am Donnerstag ist eine weitere am Sonnsbend, dem �3 April, mit einem neuen Flugblatt von den bekannten Stellen aus Braun-Seoering dargestellt worden. Bilder und Tafeln zeigen vor ollen Dingen, wie für diese Regierung das Wohl des s ch a f f e n d e n Volkes im Vordergrund aller Erwägungen stand. In der Neuen Welt" in N e u k ö l l n. in der 4000 Zuhörer den treff­lichen Ausführungen Arwr C r i s p i e n s mit größter Aufmerksam- lest folgten, weckten die durch Tonfilm übertragenen Ansprachen Otto Brauns und Carl Ceverings stürmische Begeisterung. Dank bendigkeit ist hier die Arbeit der republikanischen Preußenregierunq und Anerkennung verdient die von der Sozialistischen Arbeiterjugend vorgetragen« Wahlrevue. In der überfüllten Aula der Hohen- zollernschule kam am Montag der Kreis Schöneberg zu- sammen, um einmütig seinen Willen zum Kampf um Preußen dar- zutun. Nach dem Fahneneinmarsch und einer wirkungsvollen Re- zitation von Friede! Hall nahm Genosse Hermann Harnisch, MdL., das Wort zu einem eindrucksvollen Referat. Die Kundgebung der Kreise Prenzlauer Berg und Friedrichshain im Saal- bauFriedrichshain " nahm einen besonders guten Verlauf. Dia ganz« Breitseite des Saales, durch die Bühne in zwei Hälften ge> tellt, trug die Parole: Wir wählen alle am 24. Avril nur Sozial- dsmokraten, Liste 1. Die Reichstagsabgeordnete, Genossin Maria Kuhnert, wandte sich besonders an die Frauen, während Dr. Mischler die internationale Bedeutung der Preußenwahl wür- digte. Das Bläserkorps des Reichsbanners Fricdrichshain und die Maret-Gruppe trugen zum Gelingen der Kundgebung bei. In Treptow fand im Viktoriagarten Friedrich Stampfers auf- klärende und aufrüttelnde Rede stärkste Zustimmung. Auch die Berichte, die uns aus Berlin-Mitte und dem Wedding . aus Charlottenburg und Spandau , aus Wilmersdorf und Steglitz , aus Mariendorf und Marienfelde , aus Rahnsdorf , Mahlsdorf und Buchholz ebenso wie aus den vielen Betrieben. Bezirksämtern und sonstigen Stellen zugehen, sind ein erhebendes Zeugnis für den Kampfwillen der Sozialdemokrane. Die Parole ist aufgenommen worden: Für ein republikanisches Preußen, für Braun und Severing . für Liste Z! Der Kreis Mitte der Sozialdemokratischen Partei hatte nach dem Gewerkschaftshaus am Engel- u f e r eine große Wählerversammlung einberufen. Bereits zu Beginn der Veranstaltung war der große Saal des Gewerkschafts- Hauses samt der Galerie gefüllt. Besonders erfreulich war der starke Besuch der Kundgebung durch Frauen und Jungwähler. Das Referat über die mit den Preußonwahlen zusammenhängenden Fragen hielt der Genosse Lorenz B r e u n i n g. Er rechnete vor allem ab mit dem leichtfertigen Schlagwort, wonach es nicht mehr schlimmer kommen könne. Es kann noch viel schlimmer kommen: die wahlberechtigten Bürger Preußens würden dann

nicht mehr wie jetzt abends in Versamnilungen beisammen sitzen können, wenn die Hakenkreuzreaktion nach Borheimer Rezept ihre blutige Diktatur ausübt. Aber auch Alltäglichkeiten, die die Massen heute als Selbstverständlichkeiten ansehen, werden dann nur noch in der Erinnerung existieren, wie zum Beispiel die Arbeits- gerichtsbarkeit, von dem weitverzweigten Werk der Sozial- Versicherung ganz zu schweigen. Breuning zähste weiter die Schandtaten der KPD. auf, die im vorigen Jahr beim schwarzweißroten Volksentscheid für Hitler stimmten und damit die Linie für den 10. April festlegten, als für lausende konununistischer Wähler Hitler das kleinere Uebel gegenüber dem Weimarer Staat war und diese Tausende offen für die Reaktion stimmten. Am kommenden Sonnlag jedoch gilt es nicht nur zum dritten Male den Faschismus zu schlagen, sondern das Fundo- ment des preußischen Volksstaats weiter zu stärken und die Vor- aussetzungen zu schaffen für den Wiederaufstieg der Arbeiterklasse. Am 24. April mutz der Weg geebnet werden zur Lösung der Arbeitsbeschoffungsfragen. Wenn es in Preußen- Deutschland erst wieder Lrbest geben wird, dann ist zu hoffen, daß mit der Krise auch der faschistische Spuk ver- schwinden wird. Der stürmische Beifall, der dem Referat folgte. war das Gelöbnis der Verfamme ten, in den letzten Tagen vor der Wahl alles zu tun für den Sieg der Liste 1 Braun-Severing. Der zweite Test der Kundgebung gehörte denRoten Rebellen". Grzesinski zu den polizeibeamien. Der Beamte im alten und neuen Staat. Bor Berliner Polizeibeamten sprachen gestern in einer trotz des Alarmzustandes außerordentlich gut besuchten L«r- sammlung im großen Saal der Gesellschaft der Freunde Polizei- Präsident Albert Grzesinski und Kriminalrat Emil Klingelhöller über das Thema: Di« preußischen Landtags- wählen und die Polizeibeamten. Die Versammlung gestaltete sich zu einer wirkungsvollen Werbung für die Liste 1 der Sozialdemokratie. Im Rahmen der Ausführungen des Staatsministers a. D. Po- lizeipräsideist Grzesinski ist vor allen Dingen der Teil er­wähnenswert, der sich mit den Beamten im asten und neuen Staat befaßt. Der Beamte ist heute gleichberechtigter Bürger, er ist keine Klasse und kein Stand für sich, sondern mit gleichen Staatsbürger- rechten in die Gesamtheit eingegliedert. Er ist ein freier Mann mit freier Entschließung. Der Beamte ist weder gegenüber seinen Mst- bürgern herausgehoben noch auch ist er nach oben durch einen Kada- vergehorsam gefesselt. Die Beamten, die. wenn auch nur in geringer, so doch immer noch in viel zu hoher Zahl den Nationalsozialisten nachlausen, lassen sich durch eine Blufftaktik betören. Der Beamte. der für die Nationalsozialisten stimmt, gräbt sich selbst ideell und materiell das Grab. Wer ein Schlaraffenland verspricht, muß immer enttäuschen.(Lebhafte Zustimmung.) Nur die Demokratie kann die Rechte der Beamten wahren. Deshalb wollen wir. daß in der Ver- waltung der Republik Republikaner tätig sind und daß die Ver- fasiung von Weimar in allen chren Artikeln erhallen bleibt.(An- haltender Beifall.) Kriminalrat Klingelhöller verstand es, die besonderen Pflichten und Ansprüche der Beamten wirkungsvoll herauszustellen. Die Demokratie gibt ein gesundes Pflichtbewußtsein. Ist sie mächtig. wird sie die Rechte der Beamten wahren. DerVorwärts" hat darauf hingewiesen, wie notwendig gesunde und modern eingerichtete Unterkünfte für die Polizeibeamten sind. Aber die Durchführung aller Besserungen für die Beamtenschaft ist nur möglich, wenn der Radikallsmus geschlagen wird. Der VorsiZende Gens schloß die Kundgebung mit einem flam- Menden Appell für die Liste 1 der Sozialdemokratie. Eisenbahner kampfbereit? Der Saalbau Friedrichshain war gestern abend bis auf den letzten Platz von Arbeitern, Angestellten und Beamten der Reichsbahn gefüllt. Sie waren einem Rufe des Einheitsver- bandes der Eisenbahner gefolgt, um zugleich mit der nach- drücklichen Erhebung der Forderung nach Beschaffung von Arbeit

Neue Ofibahnüberführung. Heute Inbetriebnahme am Bahnhof Gummelsburg. Ab heute soll das Fern- uud vorortgleis Strausberg Berlin Schlefifcher Bahnhof und rn der Nacht vom 26./27. April dieses Jahres das Jeru- und vorortgleis Berlin Schlefifcher Bahnhof Strausberg über die neue Ostbahnüberführuag hinweg in Betrieb genommen werden. Der Bau der neuen Ostbahnüberführung, die die Strecke Berlin Strausberg über des Vorortgleise Berlin Erkner und über das Ferngleis Fürstenwalde Berlin führt, wurde notwendig, weil die alte Ueberführung den heutigen erhöhten Verkehrslasten nicht mehr genügte und die Unterhaltungs- kosten von Jahr zu Jahr höher wurden. Die alte Oftbahnüber- führung hat zwei Stützweiten von je 23,40 Meter und 4 Stützweiten von je 18,20 Meter; die neue wurde mit nur zwei Stützweiten von 38,42 und 64,58 Meter ausgeführt. Der Mittelpfeiler steht auf dem Bahnsteige des Betriebsbahnhofs Rummelsburg . In den Betriebs- gleisen unter der Ostbahnübersührung wurden 7 Behelfsbrücken von 12 bis 16 Meter Stützweite eingebaut, um die neuen Widerlager und den Millelpfeiler herstellen zu können. Die neuen Fundamente mußten zwischen eingerammten eisernen Spundwänden b i s 13 Meter tief gegründet werden, da der Boden bis zu dieser Tiefe stark mit Moorschichten durchsetzt ist. Die neuen Widerlager und der Mittelpfeiler wurden in Eisenbeton hergestellt. Die Funda- mente wurden gegen Moorsäure und säurehaltiges Grundwasier durch eine besondere Decke aus Klinkersteinen in Bstumen geschützt. Die zwei neuen eisernen Ueberbauten haben ein Gewicht von rund 1218 Tonnen und wurden auf einer besonderen Montagerüstung über den Vorortgleisen der Strecke Berlin Erkner und dem Fern- gleise Fürstenwolde Berlin montiert. Nach Entfernung der Montagerüstung wurden die neuen eisernen Ueberbauten um rund 2 Meter auf die neue» Auflager abgesenkt.

Kernseh-Versuche auf Europahaus. Aufstellung des neuen llltra-Kurzwellenfende�S. Auf dem Europahaus am Anhalter Bahnhof wird demnächst der neue Ultra-Kurzwellensender Reichspost versuchsweise ausgestellt werden, der als der größte Kurzwellensender Europas angesehen werden kann. Er hat die beachtliche Leistung von 15 Kilo­watt und soll in erster Linie für Fernsehzwecke Verwendung finden. Auch zur Lösung wichtiger Probleme des störungsfreien Rundfunkempfangs in Großstädten soll der Sender beitragen. Später soll der Ultra-Kurzwellensender voraussichtlich auf dem Funk- tnrm in Witzleben ausgestellt werden, der durch den neuen Berliner Rundsunksender auf dem Tegeler Schießplatz seinen bisherigen Zwecken entzogen wird. Der Bergsturz bei Cochem . Weitere Abstürze in Aussicht. Cochem , 20. April. Wie zu dem Bergsturz bei Cochem noch mitgeteilt wird, war der Berg bereits in den letzten Tagen überaus unruhig. Ständig stürzten kleinere und größere Felsmassen zu Tal. Im Lausfe des Dienstags stellten Beobachtungsposten fest, daß sich die Spalten im Bergrücken um etwa einen halben Meter verbreitert hätten. Gegen 18 Uhr abends ereigneten sich weiter größere Abstürze, wobei die ersten Gesteins- masien die Straße erreichten. Beim Eintritt der Dunkelheit lieh die Stadtverwaltung die Gefahrenstelle mit einem Scheinwerfer be- leuchten. Am Berghang zeigte sich eine immer regere Tätigkeit der Felsmassen, die sich besonders an den beiden Seiten des Bergmassivs ablösten. Kurz vor 23 Uhr lösten sich dann am Fuße des Felsens ungeheure Gcstelnsmasien und der Berg fehle sich In Bewegung. Unter donnerarligem Gclöse wurden die Felsmassen ins Tal ge- schleudert und zertrümmerten das am Fuße des Berge» siehende Schreibereigebäude. Hohe Stichflammen zuckren aus dem Chaos, die durch die zerstörte Stromleitung verursacht worden waren. Gleich- zeitig erlosch der Scheinwerfer, der an dieselbe Stromleitung ange- schlössen war.' Die Proolnzialstraße ist über und über von Felsmassen bedeckt. Dauernd lösen sich noch Gesteinsmasien und stürzen über die Geröll- hald« in die hochaufspritzende Mosel. Der Berg selbst ist immer noch nicht zur Ruhe gekommen; mit unheimlicher Sicher- hest bereitet sich ein weiterer?lbsturz vor.

Aus cksm Russischen übertragen von Werner Bergengruen .

Im Dorfe heißt es, die Deutschen seien unmittelbar vor uns durchgekommen. Ohne weiteren Aufenthalt rückt das Regiment in Schützenketten aufs freie Feld. Vor uns zieht sich, parallel unseren Linien, eine niedrige Hügelreihe hin. Wir gehen auf sie zu. Unser Befehl lautet: Kammhöhe ge- winnen und von da aus zum Sturmangriff vorgehen, bevor die Deutschen Zeit gefunden haben, sich einzugraben. Blaß, schlotternd, mit verstörten Blicken, verlangsamen wir unwill- kürlich unseren Schritt. Die Vorgesetzten treiben uns an. Zum Nebenmann habe ich Wassilenko. Bor Aufregung wird ihm schlecht. Er übergibt sich mehrere Male. Mir ist ebenfalls sehr unbehaglich zumute. Ich sage mir, es wäre das Beste, ins Maschinengewehrfeuer zu geraten und mit einem Male hin zu sein. Wir klimmen die Böschungen hinan. Oben angekommen, richten wir uns auf, lasien uns aber augenblicks wieder fallen, zurückgeworfen von einem irrsinni- gen Maschinengewehrfeuer. Die Maschinengewehre stehen un» gedeckt uns gerade gegenüber und überschütten uns mit einer Wolke von Kugeln, ta ta ta ta. Wir gehen ein wenig zurück um Deckung zu nehmen. Die Verwundeten gleiten unter lautem Stöhnen und Schreien den Abhang hinunter. Bon rückwärts kommen neue Linien und. vorwärts- getrieben von Feldwebeln und Offizieren, versuchen wir auss neue, die Höhe zu gewinnen Abermals wirst uns das wütende Maschinengewehr- und Eewehrfeuer zurück. Daraufhin verstummt es sofort, was einen Eindruck von Präzision und Sicherheit macht. Bei unserer Kompanie treffen Mei Maschinengewehr«

ein, mit dem einen der Führer des Maschinengewehr- kommandos. Cr bringt sie mit großer Energie die Anhöhe hinauf und eröffnet das Feuer. Wir liegen am Böschungs- rande und schießen ohne rechte Feuerleitung. Die Deutschen antworten, dos Feuergefecht kommt in Gang. Mit einem Male platzt über den deutschen Linien ein Schrappnell. Gleich darauf ein zweites. Unsere Batterie, die hinter uns im Dorf steht, hat die Deutschen abgelastet und sich eingeschossen. Jetzt eröffnet sie ein rasendes Feuer. Wir sehen, wie ein Schrapnell nach dem andern platzt, und wie die Deutschen unter jedem weißen Rauchwölkchen auseinanderlaufen und fliehen. Die Offiziere schreien:Zum Sturm Gewehr rechts! Hurra!" Bor unserer Kompanie erscheint Hauptmann Wosdwi- shenski. In der linken Hand hat er den Revolver, in der rechten den gezogenen Säbel. Er schreit:Mir nach, mir nach! Hurra!" Wir springen auf und lausen vor. Das Feuer der Deutschen läßt merklich nach. Bajonett voran, gehen wir in gelöster Ordnung hügelab, manchmal in Hausen zusammen- gedrängt, manchmal mit großen Abständen. Ueber das ganze Feld schallt es:U... a... a... a.!" Die Deutschen fliehen. Schon haben wir ihre Stellungen genommen, fürchten uns aber, weiter vorzustoßen, um nicht ins Feuer unserer eigenen Artillerie zu geraten. Aber ihr Feuer ist gut geleitet und folgt sicher den fliehenden Deutschen . Wir nähern uns einem Zug Deutscher , die offenbar von den ihren abgekommen sind. Ohne haltzumachen, eröffnen wir das Feuer. Plötzlich bleiben sie stehen, werfen die Ge« wehre weg und heben die Arme in die Höhe. Wir lausen hin, umzingeln sie, und einige von den unseren führen sie nach rückwärts ab. Wir find müde. Wir können nicht mehr lausen. Wir machen ein wenig halt. Dann gehen wir zurück. Die Sa- nitätsleule erscheinen und sammeln Verwundete und De- fallen-. An uns vorbei geht setzt die Reserve in Schützen- ketten vor. Im Waide, auf der Rückzugslinie der Deutschen , liegen viele Tote. Unsere Soldaten nehmen den Gefallenen Stiefel und Helme ab.

Jetzt sind wir bereits drei Wochen in unseren Gräben. Drüben, eine halbe Werst vor uns, liegen die Deutschen . Jeden Tag beim Morgengrauen setzt das Artilleriefeuer ein. Anfangs sind es einzelne Schüsse in langen Zwischenräumen. Dann heftiges Feuer, eine Stunde, zwei Stunden lang. Darauf eine kleine Atempause. Und dann fängt es wieder an. Es ist kein Kunststück, sich im Laufe einiger Tage ein- zuschießen, und die Artillericgeschosse krepieren fehlerfrei innerhalb unseres Grabenschnitts. Wir haben Unterstände gebaut und verwenden jede freie Minute auf den Ausbau und die Verstärkung der Schutzdächer und Abdeckungen. Wenn in der Nähe ein Geschoß krepiert, dann hört man, wie die Splitter gegen das Dach des Unterstandes schlagen. Krepiert ein schweres Geschoß im Graben selbst, so geht das Dach zum Teufel, die Grabenwände stür.zen ein, schütten die Sohle ,zu, und Dutzende von Leuten werden zu blutigem Brei. In vier Wochen haben wir hundert Mann verloren. Ersatz ist noch nicht da. Unsere Kompanie ist ganz klein ge- worden. In den übrigen Kompanien steht es nicht anders. Die Batterie hat ihre Stellung nicht weit von uns, ein wenig mehr rückwärts. Die acht Geschütze, die das deutsche Feuer zu beantworten haben, verursachen ein solches Getöse, daß die Luft bebt, die Ohren springen wollen und man ein Hämmern im Schädel spürt. Nachts flammt am Horizont hinter der feindlichen Grabenlinie purpurne Röte auf: dann hat unsere Artillerie wieder etwas in Brand geschossen. Brennende Dörfer erfüllen mit ihrem blutigen Schein den halben Himmel. Morgens verblaßt die Röte. An ihrer Stelle sehen wir schwarze Rauchschwaden. In den letzten Tagen regnet es unausgesetzt. Auf den Feldern um unsere Gräben herum liegt schwarzer, tiefer, klebriger Schmutz. Das Wässer fließt in die Gräben und wir retten uns mühsam, indem wir die Grabensohle mit Brettern, Aesten und Ziegelsteinen pflastern: die Ziegelsteine holen wir aus einem oerbrannten Dorf in der Nachbarschaft. Betreten und Verlasien der Gräben ist schwierig, da die Wände völlig durcbnäßt und in schwarzen Brei verwandelt sind. An unseren Mänteln. Händen und Stiefeln klebt der Schmutz. Unsere Gesichter sind grau, die Haut fühlt sich fettig und klebrig an. Bom Graben aus sehen wir den schwarzen Schmutz des Feldes und über uns den grauen, wolkenverhangenen, un- heilschwangeren Himmel. (Fortsetzung folgt.)