Nr. 233 49. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Große Politif im Harpenbericht.
Fragen an Herrn Dr. Gilverberg/ Die Harpener Bergbau AG. meldet Berluste Die Harpener Bergbau 2.-G. ist nicht der nächstbeste Ruhr, waltung von Harpen nicht aus guten Gründen die Leistungen Dann fonzern. Er wird von Dr. Paul Silverberg beherrscht, dem Herrie Mann und Schicht verschweigen würde. scher über die rheinische Braunkohle und Elektrizität. Silverberg würde es sich nämlich zeigen, daß beispiellose Leistungssteigerungen ist der einäugige König unter den blinden Herren von der Ruhr. der Untertage- Arbeiter infolge der Mechanisierung mit anhaltendem Silverberg ist mit vielen Wassern gewaschen; er wird unter jedem Lohndruck bestraft werden. ,, System" eine Rolle spielen. Wir lesen im Harpenbericht in Sperrdruck:
„ Der Berfall der deutschen Wirtschaft als der materiellen Grundlage alles staatlichen und volflichen Seins erzwingt die sehr baldige Abkehr von der seit dem Diktat von Versailles geübten über. ffaatlichen und staatlichen 3wangswirtschaft.
Der beherrschende Grundsah muß wieder sein, daß auf allen Gebieten jede Form von 3 wang ihr Ende erreicht.
Damit kommen wir zurück auf die Ausführungen in unserem vorjährigen Geschäftsbericht, daß die beste Lösung für die Gesfaltung aller Dinge wäre, wenn die freie Wirtschaft in vollem Uanfange wiederhergestellt würde. Unter diesem Begriff verstehen wir auch die Möglichkeit einer von Behördeneinfluß und -mitwirkung freien Gestaltung wirtschaftlicher
Berbände."
Wir glauben nicht, daß Proklamationen auf die Dauer an ökonomischen und sozialen Gesetzmäßigkeiten viel ändern tönnen. Aber wir fragen Dr. Silverberg, ob er sich mit dieser Proflamation dem ultrarcaktionären Flügel der Schwerindustrie anschließen will, dessen turzfristige Absichten ,, die materiellen Grundlagen alles staatlichen und voltlichen Seins" in der Tat zu zerschlagen geeignet sind. Will Dr. Silverberg mit ,, freier Wirtschaft in vollem Umfang" die Freiheit der Lohnfestsetzung im individuellen Arbeitsvertrag und damit eine neue Deflation für die Kaufkraftbasis? Will Silverberg fich auf jente ,, Anerkennung" der Gewerkschaften zurüdziehen, die die Gewerkschaften vom Herrn- im- Hause- Standpunkt als Tarifparteien ausschließt? Oder mas bei 6 Millionen Arbeitslosen dasfelbe ift: will Dr. Silverberg. die Beseitigung der Verbindlichkeits= erflärung? Gehört auch die grundsätzliche Einschränkung der Sozial nersicherung zu Silverbergsfreier Wirtschaft in vollem limjang"? Soll Deutschland , entgegen der Entwicklung in allen übrigen Weltstaaten, um 100 Jahre zurückgeworfen werden?
Weiter: Was heißt eine von Behördeneinfluß und mitwirkung freie Gestaltung wirtschaftlicher Verbände"? Heißt„ freie Wirtschaft in vollem Umfang" auch Beseitigung aller Kartelle? Wir fönnen von einem vernünftigen und anständigen Menschen, für den wir Silverberg halten, nicht vermuten, daß er die freie Wirtschaft in voller Form" und zugleich die Beseitigung aller Kartellfontrolle mill, die allein mit der freien Gestaltung wirtschaftlicher Verbände gemeint sein kann.
Wir bitten Dr. Silverberg um eine Antwort.
Die Harpener Bergbau 2.-G. schließt ihr Geschäftsjahr 1931 mit einem Gesamtverlust von rund 5 Millionen Mart ab. Zuzüglich von Sonderabschreibungen, die zum Ausgleich von Bertminderungen infolge der Krise dienen sollen, ergibt sich eine Unterbilang port insgejant 7,5 Millionen Mart, bie burg ben Buch gewinn aus der Kapitalherabschung von 110 auf 90 Millionen Mark beseitigt wird.
Die Kohlenförderung ging im Berichtsjahr von fast 6,8 auf knapp 5,4 Millionen Tonnen zurück. Damit ist die Forde rung gegen 1930 auf 79 Proz. und gegen 1929 auf 67 Broz. gefunken. Sie hat etwa den Stand des Geschäftsjahres 1902/1903 erreicht. Die Rofs produktion ist sogar bis auf die Jahreserzeugung Don 1899 zurüdgefallen. Dementsprechend groß war auch der Absatz rüdgang, der 16 Proz. niedriger als 1930 und 35 Proz. niedriger als 1929 mar.
Auf die Schultern der Belegichaft sind auch hier die Hauptlaften der Krife abgewälzt worden.
Natürlich ist die Verwaltung von Harpen mit den Wirkungen des Lohnabbaues auf die Selbstkosten nicht zufrieden. Dazu famen diese Maßnahmen den Zechenherren nicht rechtzeitig und von vornherein nicht ausreichend genug" zustande, Daß der Lohnabbau keine fühlbare Senfung der Selbfitoften nach sich ziehen würde, haben die Vertreter der Arbeiterschaft schon bei den ersten Ansätzen des Lohnabbaues vorausgesagt. Aber die Herren an der Ruhr haben ja voit jeher den Standpunti vertreten, daß man nur die Löhne drücken müsse, um einen neuen Aufschmung der Wirts schaft, herbeizuführen. Jezt muß die Harpener Verwaltung selbst zugestehen, daß diese lohnpolitischen Drudmaßnahmen die Lage des Bergbaues nicht gebessert haben.
Dies ist auch fein Wunder, wenn man sich die Kosten, die der internationale Kohlentrieg im bestrittenen Gebiet verursacht, näher besicht. Die Syndikatsu mlage je geförderte Tonne Kohle, die zur Finanzierung der Verlust- Exporte dient, stieg im letzten Jahr. von 2,15. Mart auf den phantastischen Satz von 3,94 Mart. Das bedeutet, daß Harpen bei einer Jahresförderung von 5,4 mil lionen. Tonnen zur Finanzierung der Verlust- Exporte schögungsweise lionen. Tonnen zur Finanzierung der Verlust- Erporte schögungsmeise 14 bis 18 Millionen Mark aufzubringen hatte.
Außerdem hängen Harpen die riesigen Investi tionen, die in den letzten fünf Jahren in die Anlagen gesteckt wurden, wie ein Stein am Bein. Seit 1927 hat das Internehmen, dessen Ehrgeiz es war, die modernsten Förderanlagen im Ruhrgebiet zu besitzen, etwa 100 Millionen Mark in die Anlagen gesteckt, davon allein in den Jahren 1927/28 über 50 millionen Marf und auch im vergangenen Jahr noch mehr als 12 Millionen Morf.
Diese enormen Jeuanlagen hat das Unternehmen größtenteils aus laufenden Betriebsgewinnen und nur zum geringeren Teil mit der Dollar- Anleihe aus dem Jahre 1929 finanziert. Bon 1927 bis 1932 hat die Gesellschaft für diese riesenhaften Werf ausbauten mehr als 43 Millionen Mort offener Abschreibungen ver. dienen müssen, zu denen noch eine hohe Millionenziffer stiller Abs schreibungen kommen dürfte.
von
Zur Wirtschaftslage.
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Freitag, 20. Mai 1932
nicht durchgeführt merden. Die gegenwärtige Inneft. i* tionstätigteit decke nicht einmal den laufender Verschleiß des Produktionsapparates. Die Wirtschaft zehre von der Substanz.
Das Arbeitseinkommen, die breiteffe Grundlage des Berbrauchs,
halte fich auch um nahezu 40 Proz. unter feinem fonjunkturellen
Höchfiftand von 1929. Das Inffitut stellt fest, daß die Cohnabbauaffion von Anfang 1932 ich in einem verschärften Rüdgang des Verbrauchs niedergeschlagen habe. Da die Aussichten des Arbeitsmarktes anhaltend schlecht seien, die Zahl der Einkommensbezieher also vorerst konjunkturell schwerlich zunehmen werde und da ferner die Lohn- und Gehaltssätze cher noch sinten würden, sei für das Arbeitseinkommen zunächst mit weiterer, wenn auch vielleicht allmählich abgemilderter Schrumpfung zu rechnen.
Die neuen schmerindustriellen Bestrebungen nach einem meite ren Lohnabbau und nach einer Zerschlagung der Tarife merden durch diese Feststellungen treffend gekennzeichnet. Ein meiterer Lohn. abbau ist in der gegenwärtigen Lage der deutschen Wirtschaft nichts anderes als ein Attentat auf die Wirtschaftsgefun G u n g.
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50 Millionen Beriuft.
Der Burbach Konzern deckt die Karten auf. Am Donnerstag hat die mit großer Spannung erwartete Auf fichtsratsfizung der Burbach Kalimerte A. G. statgefunden. Zur Debatte standen auf dieser Sigung die Sanierungspor schläge der Verwaltung, die noch den bekanntgewordenen hohen Millionenverlusten sich zur Erhaltung des Konzerns als notwendig erwiesen haben. Mit 25 gegen 1 Stimme wurde folgender Beschlußz gefaßt: Bon den eigenen Attien, die im Befiz der Burbach - Hauptnermaltung G. m. b. 5. sich befinden, werden 30 Millionen eingezogen. Das danach verbleibende freie Aftienfapital in Höhe non 40 Millionen Marf wird im Verhältnis 2 zu 1 auf 20 Mil. Iionen Marf zusammengelegt zur Dedung des ppr handenen Buchnerluftes non 28,8 Millionen Mark stehen auf Grund diefer Sanierungsvorschläge insgesamt 39 millionen Mart zur Verfügung. Diefe segen sich aus folgenden Beträgen zusammen: hem. Gewinnvortrag mit
hem Geminn aus 1931 mit Dem Rejerpefonds mit
dem zufammengelegten Rapital
1 161 894 07. 5.068.208
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12 878 439 20.000.000
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insgesamt also ca. 39 000 000 RM.
Es verbleiben danach also noch rund 10 millionen Mort, bie zu außerordentlichen Abschreibungen vermendet werden sollen. Auf dieser Grundlage werden jest der Geschäftsbericht und die Bilanz, die im Laufe des fommenden Monats veröffentlicht werden, auf. gestellt.
Die Gesamtverluste bei Burbach erreichen also nach Durchführung diefer Sanierungsaffion die enorme Summe von 50 Millionen Marf bei einem Gesamtfapital von 70 Millionen Mark. Was fich bei Burbach abgespielt hat, gliedert fich den vorangegangenen Konzernifandalen in Deutschland würdig.cin. Man muß fich noch rinmal folgendes vergegenwärtigen:
Das Konjuntturinftitut bleibt noch pessimistisch. Das Ronjuntturforschungsinstitut untersucht die Möglichkeiten, ob günstige Einflüffe auf die Wirtschaftsentwidlung der Verflüssigung der Geldmärkte ausgehen tönnen und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Die stufenweise Herabjegung des Reichsbantdistonts jdhojjt der Wirtschaft zwar insoweit eine Entlastung, als sie die Untoſten der furafriſtig perschuldeten Betriebe vermindert und als sie den Betrieben, die ihren Kreditbedarf in Wechselform fleiden tönnen, den Zutritt zur Reichsbanf erleichtert. Zu einer Anregung von Produktion und Ab- fonzern nach wie vor auf solider Grundlage stehen würde. In dieser faz reicht es aber nicht aus. Solche Anregungen ergeben fich weniger direkt aus dem Geldmarkt als vielmehr über den Kapis talmarft. Eine Geldmarkterleichterung veranlaßt aller Regel nach erst dann eine erhöhte Betätigung in der Wirtschaft, wenn die Kapitalbeschaffung durch Aufnahme von langfristigen Krediten und durch Aktienemisfionen mefentlich erleichtert ist."
Genau vor einem Jahr im Mai 1931 fchüttete Burbach eine Dividende von 12 Pro 3. aus, die nicht weniger als 8,4 mil loner Mart an flüffigen Mitteln dem Unternehmen entzog. Stagh diesem Glanzabschluß für das schon schwere Krifenjahr 1930 fonnfe die Deffentlichkeit mit Recht annehmen, daß dieser mächtige KoliAnsicht wurde die Deffentlichkeit noch dadurch bestärkt, daß die Verwaltung des Burbach - Konzerns bis in die letzten Wochen den Berlust von nahezu drei Vierteln des gesamten Kapitals verschwieg. Derartige Methoden, die nicht scharf genug verurteilt werden fönnen und aufs neue den Beweis für die dringende Notwendigkeit einer Affienrechtsreform an Haupt und Gliedern liefern, müssen aber auch ganz zwangsläufig Mißtrauen ermeden, ob die vorliegende Sanierungsaffion au tatfächlich ausreichend ist, um den BurbachKonzern wieder auf eine folide Grundlage zu stellen.
Davon könne im gegenwärtigen Augenblick noch feine Rede fein. Der Kapitalmarkt bleibe unergiebig. Gewiß habe sich in den letzten Wochen eine Erhöhung der Rentenfuffe eingespielt. Der Kapitalzins sei aber nach wie vor prohibitiv, also zu hoch. Auch die jüngste Belebung des Aktienmarktes dürfe nicht allzu hoch veranschlagt werden. Freilich könnten gerade auf diesem Gebiete An Für Zollabbau und Kriegsschuldenregelung. wesentlich zur Befestigung beitragen. Angesichts der ungünstigen Ertragschancen der Wirtschaft und angesichts dessen, daß Industrie, Handel, Kreditanstalten und öffentliche Hand noch viel zu tun haben, um sich finanziell zu reorganisieren, seien die Effektenmärkte noch von Rückschlägen bedroht.
Bon den mehr als 28 000 Mann, die noch im Jahre 1927 bei Harpen arbeiteten, und von den 24 000 Mann im Jahre 1929 waren 24000 Ende vergangenen Jahres nur noch 14390 Mann im Beregungen, die vom Ausland und von der Politik ausgehen, triebe. Rund 50 Proz. der Harpener Bergarbeiter sind also gegen 1927 arbeitslos geworden. Aber auch die im Betrieb Gebliebenen bekamen die Krise schwer zu spüren. Abgesehen von dem Lohn abbau, der den Schichtverdienst der Belegschaft gegen 1930 nahezu um 9 Proz. sentte wohlgemerkt vor der Dezember- Notverord nung mit den schärfsten Lohnabbaubestimmungen murden für die Untertage Arbeiter im Durchschnitt nicht weniger als 46 Feierschichten megen Abjazmangel eingelegt, das find 12 Schichten mehr als im Jahre 1930. Diese Zahlen sprechen Bände, und sie würden eine noch beredtere Sprache reden, menn die Ber
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Hinsichtlich der Tendenz in der Absazentwicklung wird festgestellt, daß die Industrie mit Investitionen, Neuanlagen, nach wie vor zurückhalte. Wo Investitionsbedarf mirtlich besteht, merde ihm in dem Bestreben nach hoher Liquidität nicht nachgegeben. Das führe dazu, daß gegenwärtig die dringendsten Erjazinvestitionen
Chagrinette
ein neuer Sommertyp, bequem, leicht und elegant, weiß m. Lack weiß m. braun!
Dr. Anderson, der Wirtschaftsjachverständige der Chase National Bank in New York , erklärte in einer Rede vor der Handelskammer, man müsse zur Eicherung der wirtschaftlichen Er. holung in aller Welt die Herabsetzung der Zolltarife und eine Regelung der Kriegsschulden unter wirtschaftlichen statt politischen. Gesichtspunkten erreichen, mobei ein mäßiger 3ollschutz für die amerikanische Produktion nicht aufgegeben zu werden brauche. Doch müßte der Zollabbau sich auf mindestens eine Dollarmilliarde Fertigfabritate mehr erstrecken, als im Jahre 1928 eingeführt wurden.
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Palmas
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luftig, leicht, .der Sommerschuh
aus porösem Leinen!
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Zwei
von
dreihundert Neuheiten!
Opanken, Leinenschuhe, LidoSandalen, Sommerlinge, Sonnenschuhe
Leiser