Wie Fürst LoSkowicz stürzte. Die Darstellung des Äugatti-Fahrers Lewy-Dresden . Neber den Hergang des schweren Unglücks auf der Avus, dem Fürst Lobkowicz zum Opfer gefallen ist, liegt jetzt eine Darstellung eines unmittelbar Beteiligten, des Bugatti- Fahrers Lewy-Dresden vor, die von den bisherigen Schilderungen der Zlugenzeugen abweicht. Danach hat Lewy etwa vier Kilometer lang andau- ernd oer sucht, Lobkowiez zu überholen, der ihm aber immer wieder durch Linksfahren den Weg versperrte. Lcwy hat auch durch Handhochheben den Kontrolleuren auf der Renn- strecke zu erkennen gegeben, daß er sich behindert suhlte. An der Uebersührung kurz vor den, Forsthaus drängte Lobkowiez den Bugatti Lewi) soweit nach links, daß dieser mit dem linken Hinter- rad die Betonmauer der Uebersührung streifte, ohne dabei aber Schaden zu nehmen. Im nächsten Augenblick kani dann Lobkowiez, der die kleine Rechtskurve am Forsthaus zu scharf und außerdem auf der linken Seite nahm, ins Schleudern und raste nach links, gerade noch an dem nun gleichfalls nach links auf den Schutzstreifen ausbicgenden Lewy vorbei. Eine Berührung zwischen den beiden Wagen hat nach Aussage des Dresdener Fahrers nicht stattgefunden. Sein Bugatti blieb völlig unbeschädigt, Lewy verlor nur auf der Grasnarbe den linken Borderreifen, schleuderte noch auf die Gegengerade hinüber, konnte aber den Wagen wieder in seine Gewalt bringen und ihn auf den Rasenstreifen zurücksteuern, wo er nach ungefähr 300 Metern zum Stehen kam. Daß die beiden Rennwagen bei dem plötzlichen Herausschleudern von Lobkowiez nach links nicht kollidiert sind, bezeichnet Lewy selbst als ein Wunder. Im übrigen haben auch tschechisch« Sachverständige bereits anerkannt, daß dos Unglück durch den Fürsten Lobkowiez selbst hervorgerufen worden ist, der die Zsurv« am Forsthaus nicht richtig irahm. Di« Einsegnung der Leiche des Verunglückten findet heute, Dienstag vormittag, im Hildegard-Krankenhaus statt. Im Anschluß daran erfolgt die Uebersührung nach S ch l y ß M e l n i k In der Dschcchoslowakew Beweisausnahme im Zelseneck- Prozeß. Polizeibeamte als Zeugen. Räch vierwöchiger Vernehmung der Angeklagten begann gestern im„Felleneck".proze{z die Beweisaufnahme. in der etwa ZS0 Zeugen gehört werden sollen. Zunächst wurden auf Antrag der Verteidiger fünf Angeklagte, und zwar zwei Nationalsozialisten und drei Bewohner der Kolonie „Felseneck", aus der Haft entlass«n, weil sie dem Schwur- gericht der ihnen zur Last gelegten Tat nicht mehr dringend ver« dächtig erschienen. Als die ersten Polizeibeamten als Zeugen ver- nommen wurden, stellte der Verteidiger der Kommunisten den An- trag, sämtliche Polizeibeamte unvereidigt zu vernehmen, und zwar wegen Aerdachts der Beihilfe zum Mord oder der Teilnahm« am Raufhandel. Der Verteidiger wies darauf hin, daß bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeigen gegen einige Polizeibeamte, die damals den SA.-Zug auf sen�m Wege nach der Kolonie„Felsen- eck" begleitet hatten, eingegangen wären, und daß das Verfahren gegen diese Beamten bis zur Erledigung dieses Prozesses ausgefetzt worden sei. Der Staatsanwalt widersprach diesem Antrag, er b e st ä t i g t e aber, daß gegen sechs Polizeibeamte eine dem- entsprechende Strafanzeige erstattet worden sei. Das Schw.urgericht beschloß, die Frage der Vereidigung der Polizeizsugen von Fall zu Fall zu entscheiden. Die ersten Polizeibeamten, die über die SA.-Versammlung und über den Rückmarsch der Nationalsozialisten unter Begleitung des Ucbersalltommandos vernommen wurden, sind vereidigt worden. -150000 Tulpen blühen in Warnemünde . Das schöne Ostsecbad Warnemünde prangt zur Zeit im Schmucke von«twa 150 000 Tulpen, die eigener Züchtung entstammen. Der im vergangenen Herbst unternommene züchterische Versuch ist also voll gelungen. In der nun bald kommenden Rosenzeit werden Frank- f u r t a. d. O. und F o r st i. d. Nicdcrlausitz mit ihrem Rosen- zauber brillieren.
Die Mutier als Lehrerfrau Ziehm in Gl vor dem Landgericht Guben begann gesleru der sensationelle Prozeß gegen die Lehrersfrau Ziehm und ihre vlutter. Beide sind angeklagt, den achtjährigen Sohn des Lehrers Ziehm. Hansgeorg, v e r g i s l e l zu haben: Frau Ziehm außerdem des versuchten vlordcs an der Frau ihres früheren Gelicbken und der Verleitung zum vlcincid. Es sind zwöls verhondlungslage vorgesehen. Das entscheidende Sulachlcn wird von deu Sachverständigen Prof. Brüning und Prof. Müller-Heß erstattet. Der Lehrer Ziehm hatte seine erste Frau verloren. Um seinen beiden Jungen im Alter von S und 7 Iahren eine neue Mutter zu geben, heiratete er die geschiedene Lehrersfrau Wcißhaupt. Die bewegte Vergangenheit dieser Frau blieb ihm unbekannt. Tochter des Regierungssekretärs Ladcwig in Potsdam , glaubte sie sich als junges Mädchen zur Sängerin berufen, unternahm mit Artisten Tournees durch Deutschland , hatte verschiedentlich Liebschaften, von denen eine ihr beinahe eine Anklage eingebracht hätte. Sie schoß auf die Frau ihres Geliebten, eines Gutsbesitzers in der Nähe von Potsdam , traf sie nicht, wurde aber selbst von einer Kugel schwer verletzt, als der Geliebte ihr den Revolver aus der Hand zu entwinden versuchte. Eine Anzeige wurde damals nicht erstattet: da» Gubener Gericht wird sich aber jetzt mit der Angelegenheit be- fassen. Auch in ihrer ersten Ehe mit dem Lehrer Weißhaupt entging sie nur knapp der Anklagebank. Der Mann erkrankte eines Tages unter Vergiftungserscheinungen: das Verfahren wegen Körperverletzung gegen die Frau wurde eingestellt. Das war die Mutter der Jungen des Lehrers Ziehm. Das Eheleben des Lehrerpaares Ziehm schien sich gut anzu- lassen. Nach außen hin war Frau Ziehm den beiden Knaben eine gute Mutter. In Wirklichkeit waren sie ihr zur Last. Als die Kinder von ihrer verstorbenen Mutter je 2500 Mark erbten und für einen Teil dieses Geldes, das der Vater als Vormund zu ver- walten hatte, ein Auto gekauft wurde, scheint bei der Stiefmutter der Gedanke Fuß gefaßt zu haben, die Kinder aus der Welt zu schaffen. Eines Tages entstand in Abwesenheit des Vaters und der Stiefmutter um 12 Uhr nachts im Schlafzimmer der Knaben, die eingeschlossen waren, Feuer. Der jüngere Sohn ver- brannte in seinem Bettchcn, der ältere rettete sich durch einen Sprung aufs Doch. Die Ursache des Brandes konnte nicht festgestellt werden; der Volksnrund beschuldigte die Muttor der Brand- stiftung. Die Gerüchte waren derart hartnäckig, daß der Lehrer
Giftmörderin. t>cn unter Mordanklage. Ziehm aus'Kunzendorf nach Fürstenberg versetzt werden mußte. Am Bußtag des Jahres 1931 befand sich die alte Frau Ladewig, die Mutter der Frau Ziehm, zu Besuch bei der Tochter Als sie mit dieser und ihrem Schwiegersohn kurz nach 12 Uhr nachts nach Hause kam, bat der kleine Honsgeorg, der mit Frau Ladcwtg in demselben Zimmer schlief, um ein Glas Wasser. Man verweigerte es ihm, die Eltern begaben sich in ihr Zimmer und hörten plötzlich einen gellenden Schrei. Der Vater fand seinen Sohn röchelnd auf dem Bett der Großmutter, sie selbst war nicht im Zimmer. Pinc Stunde später st a r b H a n o g c o r g. Als am nächsten Tage die Nachbarin bei dem Arzt den Totenschein holen wollte, sagte sie ihm. daß sie unmittelbar vor Ankunft der Frau Ladewig für Frau Ziehm aus der Zlpotheke chlorsaures Kali geholt habe. Der Verdacht des Giftmordes lag auf der 5)ond. Die Unter- suchung durch den Kriminalkommissar Trettin förderte aus der Mist- kute eine Düte von chlorsaurem Kali, ein Gefäß und ein Hemd mit Resten von Erbrochenem. Frau Ziehm hatte zwei Tage vorher auch chlorsaures Kali in der Apotheke besorgt. Noch dem Tode des Knaben hatte sie Frau Krüger gebeten, nicht zu sagen, daß sie für Frau Ziehm aus der Apotheke in Frankfurt an der Oder das Gift geholt habe. Daher die Anklage auf Ver- leitung zum Meineid. Prof. Müller-Heß und Prof. Brüning fanden im Körper des toten Kindes chlorsaurcs Kali.... Schon der erste Verhandlungstag war voll dramatischer Span- nungen. Die dicht gedrängte, hauptsächlich aus Frauen zusammen- gesetzte Zuhörerschaft beteiligt- sich an den Vorgängen im Gerichts- saal mit unterdrückten Ausrufen in einem Maße, daß der Vorsitzende sich genötigt sah. zur Ruhe zu mahnen. Landgerichtsdiraktor Dr. Weiß beherrscht den schwierigen Prozeßstosf meisterhaft. Die angeklagte Lehrersfrau Ziehm in schwarz. Ein schmales Gesicht. fest zusammengekniffene Lippen, stechende Augen, viel zu langes, spitz zulaufendes Kinn. Ihre gleichfalls angeklagte Mutter, Frau Ladcwig. trotz ihrer 56 Jahre eine immer noch imponierende Erscheinung. viel intelligenter als ihre Tochter. Beide erklären sich für nicht schuldig. Ihre' Vernehmung am ersten Aerhandlungstag be- schäfligte sich mit dem Leben der Frau Ziehm bis zum Augenblick der Tat. Heber die dramatischen Einzelheiten dieses Verhörs soll noch berichtet werden. Heute findet Lokaltermin im Tathause in F ü r st e n b e r g an der Oder statt.
Zwei Kinder vom Lastauto überfahren! folgenschwerer Verkehrsunfall. An der Ecke M a n t e u f f e l- und Dorfstraße in Tempel- hos ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Verkehrs- Unfall, der ein T o d e s o p f e r und«inen Schwerverletzten forderte. Gegen 16 Uhr wollten zwei Kinder, der zwölfjährige Heinz Knapp aus der Kaiserin-Augusta-Straßs 63 in Tempelhof und der 13 Jahre alte Horst R e i ch e l t aus der Friedrich-Franz-Straße 12 in Tempel- Hof, beim Spielen über den Fahrdamm laufen. Dabei wurden die beiden Kinder von einem Lieferauto erfaßt und überfahren. Ueber den kleinen Heinz gingen die Räder des Fahrzeugs so unglücklich hin- weg, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Sein Spielgefährte wurde schwerverletzt ins Tempelhofcr Sü-Josefs-Krankenhaus gebracht. Vor dem Hause Blücherstr. 16, unweit des Holleschen Tores, wurde der siebzehnjährige Schlosser Josef D u r y n e k aus der Gneisenaustr. 88 von einer Autodroschke erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Mit schweren Verletzungen fand der junge Mann im Urban-Krankcnhaus Aufnahme. Todesopfer des„wilden Badens". Das Baden an den sog.„w i l d c n B a d c st e l l e n" hat bereits wieder einige Todesopfer gefordert. Bei Gatow ist in der Havel der 22 Jahre alte Arbeiter Willi S ch u r a aus der Mittel- straße in Luckenwalde ertrunken. Beim Schwimmen im Plötzen- s e e ging der 4ljöhrige Arbeiter Wilhelm Bode aus der Anton- straße 5 in Berlin N plötzlich unter und ertrank. Die Leiche wurde
von der Feuerwehr geborgen.— Zwischen Hetligensee und Tegelort wurde von der Feuerwehr die Leiche eines Mannes, die nur mit einer Badehose bekleidet war, aus der 5)aoel gezogen. Angestellie als Oahrlehnsschwindler. Sie gaben sich fälschlich als Beamte aus. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte am Montag den Bücherrevisor Robert Beck, der als Kanzlist beim Arbeitsamt Berlin -Süd angestellt war, wegen schwerer Urkunden« f ä l s ch u n g im Amte und gemeinschaftlichen Betrugs zu einem Jahr zwei Monaten Zuchthaus . Sieben weitere auf Prioatdienst-' vertrag airgestellte Beamte des Arbeitsamtes Süd wurden zu G c-. föngnis strafen von vier bis sieben Monaten verurteilt. Die Angeklagten, die stark verschuldet waren, versuchten bei einem Darlehensgeber, dem Inhaber eines Kreditinstituts, Kredite aufzunehmen. Dort gaben sie an, daß sie sich im f e st c n B e» amtenverhältnis befänden, da die Kredite nur an Reichs» bcamte in unkündbarer Stellung gegeben wurden. Bücherrevisor Beck, der die Schreibmaschinenarbeiten bei dem Arbeitsamt erledigte, fertigte nun seinen Kollege» Bescheinigungen mit Stempel und Dien st sieget aus, in denen es hieß, daß die antragslellcnden Beamten lebenslänglich als Obcrsekrctäre und In- spektoren angestellt seien. Mit Hilfe dieser Urkundenfälschung gelang es den acht Beamten des Arbeitsamtes Süd, von dem Darlehens- geber 17 000 Mark zu erhalten.
Osksw »us. / äHl iferara„y.fifag „Mir wär's genug!" antwortet rotgeworden das Mariele und beißt sich in die Lippen, die bereits so sausen, als ob sie einen Kuß verspürten. Ihre Gedanken kommen nicht mehr von den Rittern los. Das wäre etwas anderes, von solch einem Kerl in den Arm genommen und gedrückt und gezwickt zu werden, als das allabendliche lahme Abgeschleck ihres Herrn Ludwig. Wenn's auch ein hoher Herr ist und ein gut- zahlender, einer der fürnehmsten Stützen des Reichs, sie würde ihm gern sein vieles Gemünz, seine Pfalzgrafschaft und seine zahlreichen Lehensgüter, die er ihr jedesmal im Hemd zu Füßen legt, erlassen gegen den Beweis größerer Rüstigkeit. Aber wenn dieser Beschirmer des Konziliums nachts heimkommt, links und rechts stützig unterfaßt von Be- gleitern. den kurfürstlichen Schmerbauch voll von schwerem Essen und voll von nicht minder schweren Weinen, da bildet er sich wahrhaftig ein, das Lotterbett in seiner Kamkner sei nur aufgestellt zum Schlafen. Das Mariele hat nicht umsonst seine Augen im Kopf, wenn sie auch kühl aussehen und grün, wie die von Fischen. Bei den Vergleichen, die diese Augen jetzt ziehn, neigt sich die Schale unverkennbar zugunsten der Ritter. Schade nur, daß sie so rasch vorbeigezogen sind! „Was seufzt du?" fragt die Apothekersmagd. Statt Bescheid zu geben, seufzt das Mariele gar' ein zweites Mal, viel tiefer als zuerst, verschränkt die Hände hinter ihrem blonden Strohhaar und sagt, hingebend die Augen schließend:„Herrgott, was die Kerle doch für ein starks Kreuz hond!" Die Apothekersmagd lacht. Schallend lacht sie. Wie Silbermöwen flattert ihr dieses Lachen aus dem Halse. Laut- stimmig, hahaha, schließt sich der kleine, dicke Hellebardierer an, der noch immer von Zeit zu Zeit heldisch seinen Platz mit Hieben und Stößen verteidigt. Er wendet sein verschwitztes Ä»ebsgcsicht den beiden jungen Mägden zu, seine ganze Angriffslust hinaus- schmetternd:„Und unsereins, werte Jungfer? Hat das nicht auch ein ganz schön» und starks Kreuz?"
Dabei stellt er sich hin, wie ein Roland im Brunnen, das Standbein scharf durchgedrückt, das Spielbein lässig ge- zeht, die eine Hand in der Hüfte, als sei er ein schmachtender Edelknab, die andere Hand am Schaft der Hellebarde. Das blonde Mariele aus der Mettnau kriecht dem Stadt- knecht tatsächlich auf den Leim. Abschätzend betrachtet sie seine Rückenpartie. Aber von einem schöngeschwungenen Kreuz ist da nichts zu merken. Beim besten Willen nicht. Der kleine, fette Krebs sieht in seinem Koller wie ge- staucht aus. Das Mariele ist mit seinem Urteil fertig. Mitleidslos, in diesem Punkt ein echter Offiziol, stellt sie fest:„Euereins hat gar kein Kreuz!" Voller Verachtung klingt das. Der Kleine mit der Hellebarde gibt daraufhii? feine Paradestellung auf und wendet seiner Verurteilerin grinsend die Vorderfront zu:„Was", kräht er und spielt den Ent- rüsteten,„unsereins soll kein Kreuz haben? O Jungser, das ist entweder Unkenntnis unseres Körperbaues oder gemeine Verleumdung. Oder meinst du etwa, wir Stadtknechte haben unseren Hinteken an einem Bindfaden hängen?" Tolles Gelächter der Umstehenden belohnt diesen Schalksspruch. Die beiden Mägde werden rot. Die Lachslut fegt sie vom Fenster. Sogar Zizka kräuselt für einen Augen- blick die Lippen. Doch schnell ist er wieder ernst. Er hat eine Möglich- keit erspäht, durch die den letzten Wagen� ungeordnet nach- drängende Masse vorwärtszukommen. Schnell entschlossen nützt er dies aus. „Heh, Kepka!" sagt er, seinen Rappen in Gang bringend, „hast du jemals in deinem Leben eine Ringelnatter ge- fangen?" „Das schon. Aber in Zeiten, wo ich noch klein war." „Aber du erinnerst dich?" „Wie heute." „Gut!" „Warum?" „Nun, was hat so ein Schleichvieh getan, wenn du's im Gcmick kochhieltest?" „Gewöhnlich hat es mit kräftigem Strahl seinen Kot entleert." „Der hat lieblich geduftet, was?!" „Das kann ich nicht behaupten. Gestunken Hot er!" „Wie hat er gestunken?" „Wie die Pest!" „Gibt's nicht noch was Aergeres?"
„Doch, ein Landsknecht , der drei Wochen unbeeidigt im Feld liegt." „Das ist, was ich hören wollte, Kepka. Genau so Hot mich vorhin der Anblick der Deutschherren getroffen, wie der Dunstkreis von Hunderten, seit Wochen unbeeidigter Lands- knechte.. Viele Kübel Blüt find notwendig, bis ich den Ge- schmack je wieder los werde. Diese Leichname haben unfern Hus mit auf dem Gewissen!" „Was?" staunt Kepka.„Die und Hus?" „Ja, Hzus!" bekräftigt Zizka . Doch er kommt nicht dazu, Kepka und dem von Duba diese kühne Behauptung näher zu erklären und sein Mißfallen über die ihm bis in den Tod verhaßten Deutschordner weiterhin auszutrompeten: denn es gibt unversehens einen ärgerlichen Zwischenfall. Eine Schar Kurrendcjungcn, angelockt durch Zizkas laute Rede und das seltsame Gefäll seiner Sprache, umschwärmt die Gruppe der vier Reiter wie ein Haufe ftechlustiger Hzornissen. Ursprünglich wollten die Schwarzmäntler den fremden Herren ein frommes Lied singen: denn das haben die Jungen längst heraus: die Ausländischen geben schneller und leichter als die Einheimischen. Run aber, da sie aus dem ihnen unbekannten Idiom ein paarmal den verruchten Ketzernamen Hus herausgehört haben, knacks, da dreht sich der Schlüsselbart! Aha, die Reiter sind Böhmen , Landsleute des Hus, nun, die sollen's ordentlich besorgt bekommen! Und nach der Weise eines ur- alten Verratsliedes, das den Fuhrleuten nachgeschrien wird, wenn einer am Wogen hängt: „'s hockt ein Hinte dra, 's ischt en aste Ma!" hauen sie los mit einem Spottvers, der sicher noch keins Stunde alt ist: „Böhma Pöhma Ketzerkopf! Morna brot a Gans im Topf! Mag si hila, mag si grina, käjet alli Keger ina!" „Verflucht Oehrlein. das klingt sticht angenehm!" knurrt Zizka , als die Schwarzmänteligen zum dritten Male los- gellen. Kepka und Duba sind der gleichen Meinung. Sogar Karel, der bis jetzt in der Entschmobenheit eines Traumes ritt, hängt, den Kopf schief und fängt an, diesen Vorstoß in die Wirklichkeit zu begreifen. (Fortsetzung folgt.)