Beilage
Sonnabend, 11. Juni 1932
Der Abend
Spalausgabe des Vorwards
Einmal bin ich zu Schiff von Neuruppin nach Hamburg ge= fahren. Das kann man nämlich, zu Schiff von Neuruppin nach Hamburg , und das dauert seine guten drei Tage; dafür aber sieht man auch so allerhand, was man von der Eisenbahn aus nicht sieht; erst mal Berlin , aber nicht die Straßenstadt und nicht die Hochbahn stadt und nicht die Autostadt, sondern die Wasserstadt Berlin - und Berlin verdankt sein Großwerden mitnichten den Hohenzollern und der Heerstraße, sondern seinen Wasserstraßen, in deren Mitte es hoďt wie die Spinne im Nez. Dann sah ich noch viele andere Wasserstädte, Brandenburg , Magdeburg, Wittenberge , Lauenburg , Havelberg feine dieser Attraktionen aber machte, zu des guten Käptn Lübeck fassungslosem Erstaunen, so viel Eindruck auf mich wie jene simple Brücke über das Luch, irgendwo zwischen Neu ruppin und Oranienburg .... Denn diese Brücke hat ihre Geschichte, und die Geschichte eines alten Mannes, der ganz in der Nähe sein Haus hat, hängt daran; es ist eine halb städtische und halb ländliche Geschichte, halb abenteuerlich und halb bescheiden, halb außergewöhnlich und halb einfältig; sie sei hier erzählt.
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Also da war, noch vor dem großen Krieg, der Deutschland so flein machte, ein Mann, der handelte mit Postkarten. Er tat das seit sehr vielen Jahren und hatte sein leidliches Auskommen dabei. Das lag vielleicht an dem guten Plag, den er sich gewählt hatte: er stand neben der Weidendammer Brücke. Das war damals eine schmale Eisenbrücke, viel schmaler als die Friedrichstraße, die doch gewiß nicht übermäßig breit sei. So mußten die Passanten sich zusammendrängen, wenn sie die Brücke überschreiten wollten, und dabei konnte der Mann mit den Postkarten nicht übersehen werden. Das ging so eine gute Weile hin dann wurde den Berlinern, wie ihnen ihre ganze Stadt zu eng wurde, auch hier gute, alte Weidendammer Brücke zu eng. Gewiß, für ein gelegentliches Pferdegespann hatte sie ja hingereicht; aber jetzt wollten die Autobusse drüber und die Vielzahl der Privatautos und die rumpelnden Lastkarren. deren Tonnenzahl mit jedem Jahre wuchs; so mußte sie weichen, obwohl sie zu ihrer Zeit als das Modernste vom Moder nen erbaut worden war, nicht aus Holz, oh nein, sondern aus Stahl und Eisen und geschweißt und genietet, daß es eine Art hatte.... Der Mann mit den Postkarten hörte zwar, daß man an hoher Stelle über Plänen saß, die eine Brücke von Straßenbreite vorsahen aber er hielt nicht viel davon und glaubte nicht daran. Und wenn es wirklich geschehen sollte, so würde es ja wohl für sein Geschäft nicht günstig sein, wenn die Leute in dem Heztempo, das sie in letzter Zeit immer mehr annahmen, über die breite Brücke
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konnten und sich nicht mehr verweilend zusammendrängen mußten; aber mein Gott, es würde sich ertragen lassen. Erst als eines
Morgens wirklich die Arbeiter kamen und schwitzend, rufend, hämmernd, schleppend der Brücke zuleibe gingen, dachte er anders darüber. Das heißt, eigentlich fühlte er mehr als er dachte. Der Verkehr war vorerst umgeleitet, und der Mann hätte sich eigentlich einen anderen Platz suchen müssen, so lange die Abriß- und die Bauarbeiten dauerten, um zu verdienen; aber es war sonderbar: er konnte sich von der Brücke noch nicht recht trennen. Er sah Tag um Tag dem langsam fortschreitenden Abbau zu damals wechselte man noch feine Brücke in sieben Stunden aus wie heute. Er tat so, als interessiere ihn der technische Vorgang, aber in seinem Innern fand er es nicht richtig, daß man eine Brücke so einfach außer Dienſt ſetzte. Sie war noch tadellos in Stand, nirgends durchgerostet, nirgends altersschwach; sie war nur einfach der neuen Zeit nicht mehr gewachsen; dafür konnte doch aber schließlich die Brücke nichts! Teil um Teil wurde abgenommen und zur Seite des Wassers gelagert, es ergab ein Gewirr von sinnlosen Eisenteilen; es tat dem Postkartenmann leid um die Brücke, die es doch
gewohnt war, sich frei und gerade über die Flut zu schwingen und
sich mit mattem Grauschimmer im trüben Wasser zu spiegeln, sich von den weißen Tüchern der Möwenflügel zuwinfen zu lassen und abends die schwankenden Schatten zu bewundern, die ihr Geländer dank dem Flirren der ersten Lichtreklamen warf.
Nun gut, dachte der einfache Mann, es ist ja einzusehen, daß sie hier nicht bleiben kann; aber wo sie doch noch tadellos ist, sollte man sie doch wenigstens anderswo verwenden, wo man nicht gleich so breit wie eine Straße sein muß, um seine Pflicht erfüllen zu fönnen. Er ging nun oft an den Kanälen spazieren und suchte nach Blägen, an denen man eine schmale Brücke brauchen konnte; langfam wurde in ihm der Einfall zur firen Idee, und in dieser Zeit erhielten die verantwortlichen Stellen andauernd Eingaben, in denen ein Postkartenhändler ersuchte, die alte Weidendammer Brücke doch nicht zu verschrotten, sondern an dieser oder jener Stelle wieder aufzubauen. Immer neue geeignete Stellen fand der merkwürdige Mann man lachte darüber und nannte ihn einen Querulanten, oder man brachte noch deutlichere Volksausdrücke zur Anwendung. Der Mann war getränkt. Es steckte seiner Meinung nach eine durchaus gute Idee in seinem sentimentalen Wunsch, er war ja nicht
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umsonst aus Berlin , wo man mit der Sentimentalität noch immer die besten Geschäfte gemacht hat, und wo man noch immer bereit war, sich über die Einsichtslosigkeit der Behörden zu entrüsten. So verlegte er in verbissener Wut seinen Postkartenhandel aus Berlin heraus er begab sich auf die Wanderschaft. Aber er hielt sich, seiner firen Idee folgend, immer an die Wasserstraßen; längst war er auf dem flachen Lande, längst hinter Spandau und selbst längst hinter Oranienburg , längst mitten im Luch, und noch immer dachte er, wenn eine Straße ans Wasser stieß und eine Fähre die Leute übersetzen mußte: hier könnte sie stehen, die Brücke!
Nun ist es aber so, daß das Leben sich manchmal einen kleinen Scherz erlaubt. Sehr oft einen grausamen, selten einen gutmütigen Scherz. Der Postkartenmann hatte das Glück, das Leben bei guter Laune zu treffen. Er geriet wirklich und wahrhaftig in ein Gebiet, das Brückensorgen hatte. Man wollte eine Brücke über den Rhin kanal bauen, das hätte große Verkehrserleichterungen und damit einigen Wohlstand für zwei Dörfer im Gefolge gehabt; aber eine Brücke war zu teuer... Kein Wunder, daß der Mann mit Feuereifer seine Idee verfocht. Nun- und das Land ist wundergläubiger als die große Stadt. Eine landrätliche Kommission begab sich nach Berlin , prüfte die Brücke und taufte fie....
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Nichts gegen das Innenleben dieses Mannes! Sein Herz hüpfte vor Freude, er war in einem Taumel von Seligkeit, er hatte feine Genugtuung aber er mar, wie schon gesagt, eben doch Berliner , und ein Handelsmann dazu, menn auch bis dato nur in Postlarten und nicht, wie neuerdings, in Brücken. Aber Geschäft ist Geschäft der Mann verlangte seine Provision und befam fie!
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Sie war sehr hoch. Er hätte sich ein ganzes Geschäft davon kaufen fönnen mit zwei Schaufenstern und großem Laden und Wohnung. Er wollte das auch tun. Indessen: des Schwankens zwischen Herz und Verstand war noch kein Ende. Denn wie er sich nicht hatte trennen können, als die Brücke abgerissen wurde, so konnte er sich auch nicht von ihr trennen, als sie wieder aufgebaut wurde. Ein ganzes halbes Jahr drückte er sich in der Gegend herum, bis das Wert vollendet war. Nun, und inzwischen hatte er sich an die Gegend gewöhnt, an die seltsam herbe, nasse Luft des havelländischen Luchs, an die filbernen Fischreiher, an das helle Hupen der Frösche im Sumpf, das ihm melodischer schien als das Hupen der Autos in Berlin . Er wollte da bleiben, er wollte bei seiner Brücke bleiben. Sich mit Postkarten auf ihr aufstellen und sie den vorüberfahrenden, ihre Mistwagen lenkenden Bauern, anzubieten das freilich war zwecklos. Aber ein Häuschen war zu haben, nicht weit von der neuen alten Brücke, mit einem Garten, den Kastanien überschatteten, und mit etwas Land dabei das kaufte er von seiner Provision und richtete sich eine Kneipe ein für die Schiffer, die sich bald daran gewöhnten, hier ihre Zillen über Nacht liegen zu lassen.
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Die alte Weidendammer Brücke tut nun noch immer mitten im havelländischen Luch ihre Pflicht. Im Röhricht, das um ihre Pfeiler rauscht, brüten die Haubentaucher und die wilden Enten und Schafe weiden auf der schmalen Wiese unter ihr, und Fischreiher und Gabelweihen fliegen drüber hin. Tagsüber schläft sie, da hat sie nicht viel zu tun, vom Rüberrumpeln eines Bauernwagens wacht sie nicht erst auf. Aber wenn nachts der Mond sich im Wasser spiegelt nebst sämtlichen Sternen wie eine Lichtreklame geschmackvollster Aufführung, wenn die Nachtigall besser und nebengeräuschloser musiziert als das feinste Grammophon, wenn die Frösche vielſtimmiger hupen als hundert Autos dann wacht sie und träumt von der Zeit, als sie noch im riesigen Berlin die beiden Hälften der sagenhaften Friedrichstraße miteinander verband. Und wenn wöchentlich zweimal das gute Schiff des Rummelsburger Käptns Lübeck auf der Reise nach Neuruppin unter ihr hinstampft, und wenn dann der Käptn den Arm hebt und seine Passagiere fragt:„ Kennen Sie diese Brücke noch? Das iſt die alte Weidendammer Brücke!", und wenn dann die Passagiere Ach!" sagen und dann freut sie ein paar ältere Herrschaften ihr vertraut zulächeln sich; Erinnerung ist Erinnerung und immer schön und gut. Und sollte ein alter Mann am Strande stehen vor einem kleinen Wirtshaus mit Kastanien davor und den grüßenden Passagieren freundlich zurückwinken dann ist das der alte Postkartenverkäufer von der alten Weidendammer Brücke, der, wie jeder richtige Berliner , das Herz und den Kopf im rechten Moment zu trennen und zu vereinigen wußte!
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Chinesen und Indier in Afrika
Rassensorgen in Südafrika / Von P. Skarvran
Als nach dem Burenkrieg die unbeschränkte Ausbeutung der südafrikanischen Goldminen durch die Engländer einsetzte, machte sich sofort ein großer Mangel an Arbeitskräften geltend. Die Zahl der schwarzen Arbeiter war auf die Hälfte der Vorkriegszeit ( 1899) zurückgegangen und alle Anstrengungen, die Zahl zu erhöhen, mißlangen.
Um diese Arbeitskrije" zu überwinden, griffen die englischen Kapitaliſten zu einem ebenso einfachen wie gefährlichen Mittel, Sie importierten in großen Mengen chinesische Kulis. So sehr auch die Burenbevölkerung sich gegen diese Maßnahme wehrte, so sehr sie auch darauf hinwies, daß mehr Eingeborene Arbeit an= nehmen würden, wenn sich die Arbeitsbedingungen in den Minen bessern würden, es gelang nicht, gegen den Willen dieser egoistischen
Gruppe anzufämpfen.
Und was die Bevölkerung befürchtete, traf ein. Schrecklicher als man erwartet hatte. Die Chinesen fügten sich den strengen
Arbeitsbedingungen nicht, und da ihnen keine Möglichkeit gegeben war, sie zu ändern, so flüchteten sie. Die Flucht galt aber als Verbrechen. Um der Verhaftung zu entgehen, verbargen sich die Flüchtlinge tagsüber. Während der Nacht aber gingen sie auf Raub aus, um sich vor dem Verhungern zu schüßen.
21 000 von 43 000 Chinesen entflohen. Die Zahl der Diebstähle und Verbrechen wuchs ins Ungemessene. In einem Jahr wurden nicht weniger als 13 532 Kulis wegen irgendwelcher Verbrechen, 26 wegen Mord bestraft. Viele Europäer verließen aus Furcht vor den Chinesen ihre Farm, und selbst in den Städten war niemand seines Lebens sicher. Hans Grimm schildert in seinem Werk„ Volt ohne Raum"( in dem er allerdings die Sozialdemokraten sehr stark wegen ihrer Kolonialpolitik angreift) einige Szenen dieser für den Transvaal und im besonde ren seiner arbeitenden Bevölkerung so erregenden Zeit. Wie ein
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Alpdruck lastete die Anwesenheit der Chinesen auf die Bevölkerung. Da auch die Zustände in den Minencompounds ganz unhaltbar waren Glücksspiele, Opiumrauchen und Sodomie waren nur die hervorstehendsten Laster, mußte die„ Chinesenpolitik" bald( 1906) fallengelassen und die importierten Chinesen wieder zurüdtransportiert werden.
Nur wenige blieben im Land und führen nun meift als Wäschereibesitzer ein ganz ausfömmliches, geruhsames Leben.
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Nachhaltiger war die Einführung indischer Arbeiter, die schon bedeutend früher( 1860-1866, 1874-1911) von den Zuckerfarmern Natals eingeleitet wurde. Sehr wenige von ihnen tehrten nach Vollendung ihres fünfjährigen Kontraktes nach Indien zurück. in der Union nieder. So kommt es, daß heute( 3ählung 1921) Viele verlängerten ihren Kontrakt. Andere ließen sich als Händler
Auf dem Lande sind die Indier noch beherrschender. Sie find die Händler, die die weitverstreuten Farmen und die auf ihnen lebenden Weißen und Schwarzen mit allem versorgen, was sie brauchen.
In Natal sind alle diese Faktoren noch um vieles stärker aus= geprägt. Im Kap und im Freistaat dagegen sehr wenig.
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Die Indier haben dauernd besonders seit dem Weltkrieg an Reichtum und damit auch an Einfluß gewonnen. Man sagt, daß der reichste Mann der ganzen ostafrikanischen Küste ein
Indier ist.
Im ehemaligen Deutsch Ostafrika z. B. wurde ein weiteres Beispiel zu geben
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nahezu alles deutsche Eigentum von Dar- es- Salaam und ein großer Prozentsatz sonstigen deutschen Eigentums von Indiern erworben.
um
Die Indier sind dort im Besiz von einem Drittel allen Kapitals, das in der Landwirtschaft investiert ist.
Während die Buren ihrer exponierten Stellung als Außen posten der weißen Rasse wegen immer sehr vorsichtig waren, andersrassige Elemente in ihrem Lande stark werden zu lassen, folgten die Engländer auch in Afrika ihrem Grundsatz: Teile und herrsche. Es ist ihnen dabei gleichgültig, welche Schwierigkeiten sie in furzer Zeit vielleicht sich selber bereiten. anderen Völkern
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Die reichen Indier Süd- und Ostafrikas sind heute schon die stärksten Unterstüßer Gandhis , obgleich sie unter sich den Zwiespalt zwischen Mohammedanern und Hindus noch keinesmegs überbrückt haben. Gandhi selbst hat seine ersten politischen Erfahrungen in Südafrika gemacht.
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Gelingt es den Indiern aber, Indien zu einem selbständigen Dominium zu machen, so würden sich die Südafrikaner ihren indischen Untertanen gegenüber bald in großen Schwierigkeiten sehen. Während sie sie heute noch als„ Semis" betrachten, d. h. als eine Kaste, die zwischen den Schwarzen und den Weißen steht, so wären sie dann zum mindesten gezwungen, die Vertreter des indischen Dominiums als gleichberechtigt anzusehen. Die Indier würden außerdem alles daran sezen, um wenigstens indirekt durch Eng= land einen starken Druck auf die Union von Südafrika auszuüben. Sie würden darauf dringen, daß ihre Landsgenossen in der Union Kinos und Konzerte besuchen, Straßenbahnen gebrauchen können usw. Alles Dinge, von denen sie heute noch zusammen mit den Negern ausgeschlossen sind. Sie würden vor allem darauf dringen, daß man ihnen als gleichberechtigte Mitglieder des englischen„ Empires" das Wahlrecht zuerkennt. Würden sie damit durchdringen, was allerdings bei der Einstellung der Südafrikaner sehr fraglich ist, so würde das z. B. ganzen Landes- ja, ganz Süd- und Ostafrikas - wesentlich beNatal in eine sehr schwierige Lage bringen, die die Lage des
einflussen würde.
Auf diese Weise würde das indische Element in Süd- und Ost
nicht weniger als 165 731 Indier in der Union leben. Da sie sich hauptsächlich auf Natal konzentrieren, sind sie dort fast ebenso start wie die Europäer( 1928 wurden in Natal 167 667 Europäer und 155 310 Indier geschätzt). Wäre die Zahl der indischen Frauen nicht verhältnismäßig gering, foafrika ein derartiges Uebergewicht bekommen, daß Rückschläge für menigstens in Natal sicher die Europäer zahlenmäßig längst überflügelt. Auch aber ohne das hat Südafrika sein Indierproblem, das in vieler Beziehung nicht weniger schwerwiegend ist als das Negerproblem.
hätten die Indier
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Die indische Einwanderung in das ehemalige Deutschostafrika ist stärker als die Einwanderung der Europäer.
die gesamte europäische Bevölkerung Afrikas und für den euro päischen Handel nicht ausbleiben werden. Schon seit langem sucht Indien mit seiner 600- Millionen- Bevölkerung ein Gebiet, auf dem es seinen Bevölkerungsüberschuß ansiedeln kann. Und die indische Einwanderung in Ost afrika zum mindesten datiert auch schon vor Selbst in Transvaal , in dem sich nur etwa 20 000 In die Zeit der europäischen Immigration. Wie weit aber die fried. dier niedergelassen haben, gibt diese braune Rasse dem ganzen Stadtliche Durchdringung Süd- und Ostafritas mit Indiern schon fortund Landleben eine gewisse charakteristische Färbung. Die süd geschritten ist, dafür habe ich bereits einige Zahlen gegeben. Im afrikanischen Städte sind undenkbar ohne ihre" Semis". Die Tanganyika - und Kenya territorium nimmt sie heute „ Semis find„ Greengrocers"( Gemüsehändler), haben Seiden- noch ungehindert ihren Fortgang. geschäfte( en gros und en detail), und sie sind vielfach die Besitzer der großen Bazare, der Tiez u. Co. Südafrikas . Von Haus zu Haus, durch die endlosen Straßen der weitauseinandergezogenen Städte sieht man täglich die Pferdewagen der indischen Grünhändler ziehen. Im Verkehrszentrum lehnen die fesgeschmückten braunen Kaufleute in den Türen ihrer Seidenläden. Ihre Moj cheen überragen teilweise die Kirchen der Europäer und stehen prunkend mitten in der Stadt. Selbst auf den Friedhöfen haben sie ihre reservierten Plätze, die sie sorgfältig von denen der Europäer und Neger abgeschieden halten. Den Mohammeda nern unter ihnen scheint es dabei besonders ernst zu sein. Sie haben auf dem Friedhof von Pretoria ihren Begräbnisplay mit einer hohen Hede umgeben, die sie von allen Nichtmohammedanern sorglich trennt. Vor allem aber wohl von den dicht benach barten Hindus, deren hohe marmone Grabdenkmäler doch eben noch über die Hecke nach dem finsteren granitnen Kollegen ihrer Landgenossen lugen.
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3wischen 1921 und 1925 wanderten 8247 Indier und 5268 Europäer ein. In Kenya haben die Indier( 30 000 gegen 12529 Europäer) bereits 5 Stimmen in der Administration des Landes gegen 11 europäische Stimmen.
Südafrika hat seit 1913 die indische Einwanderung verboten. Ein unabhängiges Indien wird versuchen, auch hier Wandel zu schaffen. Und während China und Japan sich nach und nach große Teile Australiens und die Südsee- Inseln als Siedlungsgebiete erobern, verdrängt Indien so die Europäer zum mindesten von der Ostküste Afrikas .
Wo aber wird Europa dann seinen Bevölkerungsüberschuß laffen?