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ben, um gegen das deutsche Volk Krieg zu führen, Krieg im wahrsten Sinn des Wortes mit allem Blut und Elend, das damit verbunden ist.

Papen heißt Krieg! Der Reichspräsident hat nicht das Recht, dem eigenen Volke den Krieg zu erklären! Und darum darf Papen nicht wieder Kanzler werden!

Nacht der Brände

Vier Feueralarme in vier Stunden

In der vergangenen Nacht war die Feuer­wehr mit einem großen Aufgebot von Lösch­zügen bis in die frühen Morgenstunden hinein an vier Stellen der Stadt mit der Bekämpfung gefährlicher Brände beschäftigt.

Der erste Alarm fam aus der Gustav­Adolf Straße 128/131 in Weißensee, wo in einem Maschinenfeller der Trumpf- Schoto. labe Werke durch Selbstentzündung gegen 3 Uhr Feuer ausgebrochen war. Mit vier Schlauchleitungen wurde gegen den Brandherd vorgegangen. Inmitten der Löscharbeiten wurde durch die gewaltige Hige eine Ammoniafanlage undicht. Die ausströmenden Ammoniakgaje ge­fährdeten die Löschtrupps und es mußten Sauer­stoffgeräte zu Hilfe genommen werden. Um 5 Uhr war das Feuer niedergekämpft.

In Alt Mahlsdorf 92 gerieten im Erd­geschoß des Hintergebäudes um 34 Uhr 50 3ent­ner Preßfohlen, vermutlich infolge Selbstentzün­dung, in Brand. Die Flammen griffen auf die erste Etage und den Dach stuhl über. 3wei Züge der Feuerwehr waren längere Zeit mit den Löscharbeiten beschäftigt. Der Schaden ist er­heblich.

Um 5.12 Uhr wurde aus der Palisaden­straße 19 Feuer gemeldet. Im Keller und Erdgeschoß hat dort eine größere Möbelwerkstätte ihre Räume. Als der Brand entdeckt wurde, hatten die Flammen vom Keller bereits auf die Barterreräume übergegriffen. Fertigwaren und erhebliche Holzvorräte gaben dem Feuer reiche Nahrung. Die Entstehungsursache ist noch un­bekannt. Der Schaden ist sehr hoch und durch Versicherung nicht gedeckt.

Schließlich wurden zwei Löschzüge der Feuer­wehr nach der Wegeln str. 1 in Charlottenburg gerufen, wo ein großer Lagerschuppen der Staatlichen Porzellanmanufattur in Flammen stand. Drei Schlauchleitungen wur den in Betrieb genommen. Der Schuppen brannte trog aller Bemühungen der Wehren nieder. Der Brand ist durch Ueberheizung eines Ofens ent­ſtanden.

Die Besenstielgeige

Ein junger Mensch, der sich von der Not nicht unterfriegen lassen will, hat sich aus einem Besen= stiel eine Geige konstruiert. Eine alte Autohupe gibt den Schalltrichter ab. Mit violingeübter Hand führt er den Bogen über eine einzige Gitarren­E- Saite und entlockt dem merkwürdigen Instru­ment schöne und klare Töne. Er ist kein aus­rangierter Musikus, sondern seines Zeichens Me­tallformer, der etwas Geige spielen gelernt hatte. Seit zwei Jahren zieht dieser Musitus mit seiner Geige und dem notwendigen Lebensmut durch die Weltgeschichte und verdient sich so schlecht und recht das Allernotwendigste. Sein Weg führte ihn durch Schweden und Ungarn durch Desterreich, Italien und die Tschechoslowakei . Ueberall ward dem fah­renden Gesellen eine freundliche Aufnahme zuteil, bloß die Makkaroniesser witterten in ihm Gefahr und schoben ihn auf furzem, unfreundlichen Wege wieder ab. Er ist sogar schon im österreichischen und im schlesischen Rundfunk aufgetreten und führt eine dicke Mappe von Bildern und Zeitungs­

War es wirklich Verrat?

Plaidoyer Sinzheimer im Bullerjahn- Prozeß

Professor Dr. Sinzheimer, der zweite Berteidiger Bullerjahns, ging in seinem Plädoyer von der elementaren Frage aus: Muß die Durchfuchung auf Berrat zurückgegangen fein oder war sie nicht ein normaler, wenn auch etwas außergewöhnlicher Borgang?

Er erklärt, daß, wenn ein Zivilprozeß zur Er­langung einer Entschädigung hätte geführt wer­den müssen, der Nachweis, daß ein Verrat vor= liege, schwerlich als erbracht angesehen worden wäre. Der Zivilprozeß wäre verloren gegangen. Ein Beweis dafür, daß ein Verrat Dorliegt, lasse sich nicht erbringen. Diese wichtige Elementarfrage sei aber in der ersten Verhandlung überhaupt nicht gestellt wor den. Keines der Argumente, die der Reichsanwalt in dieser Beziehung aufgestellt habe, sei beweis­fräftig. Man müsse sich die damaligen Zusammen­hänge militärisch- politischer Art in die Erinnerung rufen. Im Dezember 1924 mar das Stadium der letzten Sammlung des Materials. In diesem Sta­dium mußte die Kontrolle einmal abgeschlossen werden und darin lag eine besondere Ver= anlassung für General Walsh, die Durchsuchungen

Dorzunehmen,

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um

noch vor der Botschafterkonferenz wenigstens das vorläufige Material abgeschloffen zu haben. Dafür spricht auch die Tatsache, daß zweifellos auf Veranlassung des Generals Walsh- telegraphisch aus London die Kontrolle vom 6. Januar auf den 5. Januar porverlegt wurde. Wenn man die Rede des französischen Kriegsministers Nollet vom 29. Dezember in der Deputiertenfammer genau lese, so sei man überrascht, daß die Auffassung, die Durchsuchung in Wittenau sei nicht auf Ver­rat, sondern auf eine ganz bestimmte Anweisung zurückzuführen, bestätigt werde. In dieser Rede mußte sich der Kriegsminister Nollet mit der nationalistischen Rechten ausein­andersehen, von der er mit aller Energie ange= griffen wurde. Er sagt, seit Oktober habe er im

Einverständnis mit den alliierten Regierungen angeordnet, daß wieder intensiv fontrolliert werde. Insbesondere habe er darauf gedrungen, daß ,, un erwartete Besuche" gemacht werden. Die Durch­suchung in Wittenau sei also auch einer dieser ,, un­erwarteten Befuche".

Daraus gehe hervor, daß die These des Reichs­anwalts, gerade das Unerwartete der Unter­fuchung sei ein Beweis für den Berrat, nicht die Grundlage einer Feststellung sein darf.

Nach den Ausführungen des Oberreichsanwalts sei sodann die Tatsache für das Vorliegen eines Verrats beweiskräftig, daß Leutnant Jost einen genauen Situationsplan hatte. Einen Situationsplan hatte aber die Kommission schon vorher, wie Oberstleutnant Dühring bestätigt habe. Ebenso waren ihr sämtliche Lagerräume bekannt und sie kannte auch das gesamte Material. Wie könne man annehmen, daß eine derartige Kommission nicht selbst auf Grund solcher ein­gehenden Kenntnisse einen Situationsplan zeichnen fonnte. Dazu komme, daß Leutnant Jost Krimi­nalkommissar war und zweifellos besonders aus­gesucht. Der Kriminalfommissar werde gerade feine Aufmerksamkeit auf die Dinge wenden, die dem Reichsanwalt besonders auffällig erscheinen. Das sei ganz natürlich. Selbst für einen Laien wäre es nicht schwer gewesen, die Bedeutung all dieser Schränke und Lattenzäune zu erkennen.

Es sei für jeden Kriminalkommissar eine Leich­tigkeit, sich auf einem solchen Gelände zurechtzu­finden. Der Situationsplan sei so gut vorbereitet gewesen, wie das ein Verräter gar nicht hätte tun können. Gerade die Bezeichnung mit Nummern, die damals im Werk überhaupt nicht bestand, sprechen dafür, daß der Plan von der Kommission selbst hergestellt ist. Also auch dieses Argument des Reichsanwaltes sei negativ. Schließlich habe der Reichsanwalt darauf hingewiesen, daß am

über die Fahrten des Amtsgerichtsrats mit bem

Wichtiger Breffeprozeß Strafgefangenen informiert. Zur Kenntnis der

Geschäftsanzeiger- kein Ersatzblatt

Der Vorsitzende des ADGB. in Gera , Genosse Schmidt, und der Geschäftsführer unseres Geraer Parteiblattes, der Ostthüringer Tribüne", Genosse Meißner, waren vor dem Schöffen­gericht in Gera angeklagt, durch Veröffentlichung und Berbreitung eines Geschäftsan zeigers", dessen Erscheinen durch das Berbot der Ostthüringer Tribüne" veranlaßt worden ist, gegen die§§ 6 und 16 der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932 verstoßen zu haben.

Die beiden angeklagten Genossen wurden durch die Rechtsanwälte Dr. Weinland in Gera und Dr. Franz Neumann in Berlin verteidigt.

Der Staatsanwalt beantragte gegen die beiden Genossen je 3 Monate Gefängnis.

Das Schöffengericht sprach sie jedoch frei und zwar aus Rechtsgründen des­halb, weil es sich mit der Verteidigung auf den Standpunkt stellte, daß der Geschäftsanzeiger, weil er nach Tendenz und Inhalt mit dem verbotenen Blatt nicht übereinstimmt, nicht als Erfah= blatt anzusehen sei.

Behörden gelangten sie aber erst, als ein anderer neidischer Strafgefangener eine Beschwerde bei der vorgesetzten Dienststelle einreichte. Menne de wurde daraufhin feines Postens enthoben.

In einem Disziplinarverfahren wurde festgestellt, daß der freundschaftliche Verkehr so herzlich ge­halten war, daß Mezger den Amtsrichter Du nannte und an die Gattin des Amtsgerichtsrats Briefe schrieb, die z. B. den Saz enthielten: ,, küß mir den Nazibub."( Der ,, Nazibub" war der älteste Sohn des Amtsgerichtsrats.) Das Verfahren gegen Mennede ist noch nicht ab­geschlossen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf eine nationalsozialistische Dienstauffassung. Mennede ist 39 Jahre alt.

Sinowjeff gestorben

Mostau, 29. November.

Der ehemalige Vorsitzende des Egekutivkomitees der driften Internationale Sino wjeff ist im Alter von 49 Jahren gestorben. Wie es heißt, soll er einem Herzleiden erlegen sein.

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Es gab eine Zeit, in der Gregor Sinowjeff der Abgott und auch der Tyrann der ganzen Kommunistischen Internationale war. Das war sozusagen die heroische Zeit der Sowjetunion , die

artikeln mit fich, ganz wie ein Bühnenstern. Haupt- Küß mir den Nazibub!" Periode des Bürgerkrieges und der Abwehr der

sächlich führt er sein Instrument in Schulen vor und erntet mit seinen Vorträgen, die er mit der Schilderung seiner Konzert- Tournee" launig um= rahmt, überall viel Beifall.

Die

Memhardtstraße

Alexanderstraße nördlich Dom Alexanderplatz einschließlich des zwischen der kleinen Alexanderstraße und der Kaiser- Wilhelm- Straße liegenden Teils der Münzstraße wird in Mem­hardtstraße umbenannt. Die neue Straße führt ihren Namen nach dem Festungsbaumeister Johann Gregor Memhardt , der im Jahre 1640 nach Berlin gekommen war, und dem u. a. die erste Anlage der Straße Unter den Linden " und Teile des Potsdamer Stadtschlosses ihre Entstehung ver­danken. Ferner wird die Straße An der Janno­migbrüde" in Alexanderstraße" und die westliche Berlängerung der Grunerstraße zwischen der Neuen Friedrich- und Klosterstraße in Gruner­straße" umbenannt.

Die Stadtratswahl

In dieser Woche ist die Stadtver. orbnetenfigung wieder am Donners = tag, dem 1. Dezember 1932. Beginn der Be­ratungen um 16% Uhr. Als wichtigste Punkte er. scheinen auf der Tagesordnung die Wahl der drei neuen Magistratsstadträte und die britte Beratung des Stadthaushaltsplanes für das laufende Etatsjahr.

Nazi- Dienstauffassung

Eine trasse Pflichtvergessenheit hat sich der nationalsozialistische Amts= gerichtsrat Meynede aus Hasselfelde ( Harz ) zuschulden fommen lassen.

Meynecke unterstand das Gefängnis von Hassel­ felde , das allerdings selten benutzt wurde. Die Gefangenen hatten dort ein verhältnismäßig gutes Leben. Sie wurden von der Frau des Justizwachtmeisters Heumann verpflegt. Eines Tages wurde in das Gefängnis ein Straf­gefangener eingeliefert, der sich Freiherr von Rabeneck und Freienfels nannte, der aber in Wirk­lichkeit Megger hieß. Der Amtsgerichtsrat fand Gefallen an dem Strafgefangenen, zumal diefer von seinem Vater ein reichliches Taschengeld er­hielt. Dieses Geld wurde an den Justizwacht­meister adressiert, weil der Vater nicht wissen durfte, daß sein Sohn wegen verschiedener Betrügereien im Gefängnis faß. Mezger erhielt von Mennecke u. a. auch die Erlaubnis zu Autofahrten.

Zunächst begleitete ihn auf diesen Fahrten der Justizwachtmeister. Später übernahm Amts­gerichtsrat Meynede die Begleitung selbst. Bald schloß sich auch die Frau Meynedes mit ihren Kindern an. Manchmal fuhr man zum Broden, manchmal nach Blankenburg , um bort Tennis zu spielen und manchmal nach Nord­ hausen . So kam es vor, daß Metzger bei der Rückkehr oft das Gefängnistor verschlossen fand. Dann flettere er, um in seine Zelle zu gelangen, über die Mauer. Ganz Hasselfelde war schließlich

weißgardistischen und interalliierten Interven tionsfeldzüge. Damals war Sinowjeff Vorsitzen­der im Präsidium der Dritten Internationale und kämpfte rücksichtslos für den Ausbau der Machtpositionen des Bolschewismus in Europa und Asien .

Er befahl Spaltung und fegte sie in vielen Ländern mit mehr oder minder großem Erfolg durch. Er war auch der Vater jener berüchtigten 21 Punkte, durch die den mit Moskau sympathi­fierenden westeuropäischen Kommunisten oben­

5. Januar die Gewehrläufe noch einmal nach­gezählt worden seien und gemeint, daß müsse auf Verrat zurückzuführen sein, weil statt 40 000 dann 80 000 gezählt wurden. Die Kommission hatte am 23. Dezember zunächst nur oberflächlich gezählt und es seien Meinungsverschiedenheiten zwischen dem englischen Obersten Wright und Leutnant Jost darüber entstanden. Da sei es durchaus na­türlich gewesen, daß man noch einmal nachzählte und das brauche also durchaus nicht auf Verrat zu beruhen.

Ebensowenig wie ich beweisen kann, daß kein Berrat vorliegt, kann der Reichsanwalt be­weisen, daß ein Berrat vorliegt. Damit ist das Dogma des ersten Urteils gefallen. Die Frage, ob Bullerjahn ein Verräter ist, kann gar nicht gestellt werden, weil die Grundfrage, ob ein Verrat vorliegt, nicht bejahend beantwortet werden kann.

Sodann wandte sich Prof. Sinzheimer dem zweiten Weiser des Reichsanwaltes zu, der zentralen Kenntnis Bullerjahns. Dieses Argument sei das falscheste und widerlegtest e. Der Gerichtshof habe, als die Verteidigung in dieser Richtung bestimmte Be­weisanträge stellte, als wahr unterstellt, daß einer großen Zahl von Personen die geheimen Waffen bekannt waren. Schon diese Unterstellung des Gerichtes schlage den Reichsanwalt. Die Behaup­tung sei auch falsch, wenn man die äußeren und die inneren Beziehungen der Arbeiterschaft in Betracht ziehe. Leutnant Jost hatte eine Spionage­zentrale und stand fortgesetzt mit Arbeitern und Angestellten aller Waffenfabriken in Verbindung. Wie aus zahlreichen Werkspionage- Prozessen be= fannt sei, entstehe aus Teilangaben vieler Per­sonen die zentrale Kenntnis. Leutnant Jost habe bestimmt gewußt, wie man so etwas macht. Aus der Befragung von einzelnen Personen konnte er also ohne weiteres ein Bild vom Ganzen erhalten.

drein demütigende Bedingungen für ihre Auf­nahme auferlegt wurden.

Sinowjeffs Erfolge auf diesem Gebiete waren am stärksten in Deutschland , in Italien , in Frankreich , in Bulgarien und in der Tschecho slowakei. Ueberall dort, wo er in erheblichem Umfange eine Spaltung erreicht hatte, ebnete er damit den Weg der faschistischen Konter­revolution. Deshalb muß Sinomjeff als einer der größten Schädlinge der inter­nationalen Arbeiterbewegung bezeichnet werden.g

Auch in Deutschland , wo er auf dem Partei­tag der USPD. in Halle im Herbst 1920 per­sönlich erschien, um die Spaltung in einer faſt vierstündigen Rede zu begründen und ihre Durch­führung zu überwachen, hat er nur die Geschäfte der Reaktion mit dieser Heldentat" besorgt.

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Doch hat ihn ein gerechtes Schidfal er­eilt, als er wenige Jahre später als Gefolgs­mann Trottis nachdem infolge des Todes von Lenin der noch rücksichtslosere Stalin die Alleinherrschaft an sich gerissen hatte aus allen Ehrenämtern der Partei entfernt und schließlich fogar aus der Partei selbst ausgeschlossen wurde. Nur wenige unter den Getreuen Trozz­fis find unnachgiebig geblieben, vor allem Rakowski, der heute noch in der sibirischen Ber­bannung lebt. Aber Sinowjeff war kein fester Charakter und unterwarf sich verhältnismäßig bald zusammen mit Radet und Kameneff. Er durfte daher wieder eine Funktion in der USSR. befleiden, jedoch nur sehr untergeordneter und ein­flußloser Art in der Zentrale des Genossenschafts­wesens.

Dennoch trieb ihn sein Ehrgeiz dazu, wieder zu fonspirieren. Mit anderen unzufriedenen Ele­menten sowohl des rechten wie des linken Flügels versuchte er insgeheim, die Stellung Stalins zu erschüttern. Als der rücksichtslose Despot der Sowjetunion davon erfuhr, ließ er kurzerhand Sinomjeff und seine Anhänger abermals aus der Partei ausschließen. Sinomjeff, der einſt selber über den Hebel an der Ausschlußguillotine der Komintern allmächtig verfügte, hat diesen nochmaligen Sturz nur um wenige Wochen überlebt.

Hitler - Paradies Lemberg

Polnisch- antisemitische Exzesse- Scharfe Nachrichtensperre

Warschau , 29. November.

Die antisemitischen Ausschreitun­gen im Anschluß an den Lemberger Raufhandel, bei dem der polnische Student Grodkowski von einem Juden erstochen wurde, stellen sich als be­fonders schwer heraus. An verschiedenen Stellen der Stadi wurden die Juden von Prügel­banden überfallen und bis aufs Blut ge­schlagen. Auch die jüdischen Frauen wurden nicht gefchont. Die Scheiben vieler Geschäfte, deren Inhaber Juden find, wurden eingeschlagen. Die Polizei bemühte sich größtenteils ver­geblich die Ruhe wiederherzustellen.

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Beim Ukademiferhaus tam es zu einem ernsten

Zusammenstoß zwischen Schuhmannschaft und Studenten. Die Beamten wurden von den Stu­denten mit Spudnäpfen, Kohlen und Gläsern be­worfen. Einige Studenten wurden verhaftet. Die Rettungsgesellschaft mußte in 80 Fällen eingreifen. Wie ernst die Unruhen waren, geht auch daraus. hervor, daß die Behörden eine weitgehende Nachrichtenfperre verhänge. Der fozia­listische Robotnit", das jüdische Naiz Przeglond" und die national- demokratische Gazeta Warszawita", ja selbst der im Regierungslager stehende krafauer ku­rier verfielen wegen ausführlicher Berichte über die Unruhen der Beschlagnahme.