Nr. 6
13. Juni 1926
2008
Blick in die Bücherwelt
Politisch- philosophische Aufsätze.
Demgegenüber reicht sie an die Fülle und Schönheit des Bild materials der Ausgabe des Bibliographischen Instituts nicht entfernt heran; es fehlt völlig das große und heute so wichtige( von Brehm Archibald Henderson: Tischgespräche mit Bernard feinerzeit freilich anderen übertragene) Gebiet der niederen" Tiere Shaw . Berlag S. Fischer, Berlin . 119 Seiten. überhaupt( Einzeller, Würmer, Insekten usw.), dazu fast alles das, mas feit Brehms Tode 1884 an wissenschaftlichen Neuleistungen hinzugekommen ist; ganz abgesehen davon, daß an der Grund tendenz Brehms doch eben vieles nicht mehr haltbar ist.( Uebrigens trifft das, was der Herausgeber Neumann in seiner Einführung ( S. 10) etwas ironisch gegen die moderne Tierseelenkunde zugunsten des alten Brehm einwendet, auf die von Kahle in Leritonformat herausgegebene vierbändige Boltsausgabe des Bibliographischen Instituts nicht zu. Man vergleiche nur vierter Band S. 11 bis 13.) So muß bei der Wahl jeder entscheiden- abgesehen von äußerlicher Rücksicht auf Preis, Format usw., ob er sich genügen lassen will am Hausbuch allein, das gewiß ein köstliches Werk bleibt, oder ob er zugleich auch die ersten Schritte in die moderne Naturwissenschaft und neue Probleme tun will. E. Diederichs.
Bernard Shaw : Die Aussichten des Christentum s. Berlag S. Fischer. 135 Seiten. Preis geh. 3 M., geb. 4 M. Es ist richtig, wenn im Vorwort der" Tischgespräche" gesagt mird: Wenn Sham auch selbst oft das erste Opfer seiner Humors ist, menn sein Ziel oft das Haus des Frohsinns ist und nicht der Balaft der Wahrheit, wenn er oft unpraktisch in seinen Borschlägen und phantastisch in seiner Kritik ist, fehlt ihm doch nie die hauptfächliche Tugend, anregend und herausfordernd zu sein." Anregend und herausfordernd ist er gemiß in diesen literarisch geschickt wieder gegebenen fünf 3wiegesprächen über England und Amerika , über den Krieg und seine Nachwehen, über Literatur und Wissenschaft, Drama, Film, Theater usw. Schade nur, daß nicht ein schärferer Geist, als dieser etwas lederne Biograph Henderson, noch ganz andere Funken aus dem immer sprühenden und immer menschlich aufrechten
Alten herausschlagen fonnte.
denen er
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Unter allen deutschen Dichtern und Schriftstellern seiner Generation, d. h. der Generation, die in voller Reife bei Ausbruch des Weltkrieges stand, dürfte sich keiner finden, bei dem sich Borurteils: losigkeit, intellektuelle Rücksichtslosigkeit und dichterisch künstlerische Fähigkeit im Gewande eines überlegenen Ironiters und Steptifers in gleicher Stärke vereinen. Dabei fann man ganz dahingestellt sein laffen, ob es stimmt, wenn Shaw an einer Stelle Mark Twain , den amerikanischen Humoristen, und sich in Bergleich stellend fagte:„ Er mußte die Dinge in einer Weise handhaben, daß fie die Leute, die ihn sonst erhängt hätten, glauben machten, er scherze!" Jedenfalls aber gehört ein reichliches Maß geistiger Unabhängigkeit besonders auch zu jenen Betrachtungen, in denen sich Sham zum Ruhrkampf, zum Lufitaniafall und zur irischen Frage äußert; in selbst einer der Mitbegründer der Fabian- Society und jebiges Mitglied der Labour- Party sich über die Aussichten der Partei, des Sozialismus, des Kommunismus usw. ausspricht. Natür lich fann man nicht Rats bei ihm holen für den proletarischen Klaffenkampf in der Gegenwart, auch nicht einmal für neu entstehende Kunst; dafür ist er letzten Endes alte Generation, und noch dazu alte englische Generation Denn dies ist das Entscheidende: Shams Selbstverständigung und sein Kampf nach außen fann nicht begriffen werden ohne die Luft der englischen Ideologie, in der er atmete. Und es ist vielleicht das Wichtigste an diesen Tischgesprächen, daß sie den forschenden Leser direkt und indirekt mit überraschender Schnelligkeit englischen geistigen Gegenwartsvorstellungen nahe bringen. Im übrigen ist es wert, sich Gedanken zu machen über die besondere Entwidlung englischer Ideologie, die fich erft jetzt aber bei aller englischer Färbung immer sichtbarer zum marristischen Sozialismus entmidelt. Auch Sham taftet schon daran herum. Ber zu ihm geht, wird gewiß oft das Gegenteil seiner Ratschläge aus. führen, aber er wird stets bereichert von ihm gehen. Ein Skeptiker und ein Augur; was fann das Alter, das individuelle, mehr fein? Nun zu seinem zweiten Buch Die Aussichten des Christentums". Mit einem gewiffen Erstaunen hat man die Energie beobachtet, mit der sich Shaw für viele nur der große Spaßmacher und Ironifer den Problemen firchlicher Dogmatik und mystischer Frömmigkeit zugemandt hat; natürlich aus dem Geist rücksichtsloser Antiromantit heraus. Man fonnte erfreut feint, daß hierbei ein freier Geist( der doch gewiß noch tlaftertief der bürgerlichen Gesell schaft verbunden ist) fich bewahrt hat vor dem Liebäugeln oder gar Berfinken in jene neureligiöse" Beitſtimmung, die noch jest ihre Wellen bis in sozialistische Kreise hinein schlägt und doch zulegt mur Ausdruck fliehender Enttäuschter ist. In seinen Aussichten des Christentums" zeigt sich nun, daß der Dichter fich gewiß auf gewiß auf feine Art aber höchst ernsthaft mit den firchlichen Fragen beichäftigt hat; und zwar hier mit der Geschichte der Evangelien, der Ethir Jesu und der paulinisch- apostolischen Kirchenlehre. Man wird das Buch nach dem Lesen allerdings mit einiger Beklommenheit beiseite legen. Nicht freilich um seiner etwas gewollt naiven und etwas hausbaden realistischen Betrachtungsweise millen, die auch wieder solche föstlichen Kapitel mie die über Glaubensmoden" und Glaubwürdigkeit und Wahrheit gebiert, und die sicherlich das Ent fezen aller Geistlichkeit hervorruft. Was merden sie sagen, wenn die Lebensführung Jefu in Parallele gestellt wird zu der eines Rünft lers und Bohemiens", oder wenn im Lutas Evangelium eine Spur Bariser Romantit" entdeckt wird, oder wenn es heißt: Du darfst die Göttlichkeit Jesu leugnen, du darfst bezweifeln, ob er jemals gelebt hat die Bilderanbeter werden dich nur unter die Frei denker und Heiden einreihen. Wenn du aber zu fragen wagst, wie Christus ausgesehen hätte, wenn er glattrafiert gewesen wäre und furzgeschnittenes Haar getragen hätte und welche Schuhnummer er hatte, oder ob er fluchte, wenn er in der Zimmermannsmerkstatt auf einen Nagel trat so wird man größte Bestürzung, ja Entsetzen unter den Bilderverehrern erregen. Man hat die Fabel Wirklich teit werden lassen." Nicht dies ist's, was mißstimmt; denn warum nicht aussprechen, was Millionen oft genug denten und sagen; marum nicht mit dem absoluten Heute an diese Dinge herantreten? Aber das ist's, daß diesem Thema gegenüber einmal Shaws so ganz ungeschichtliche Betrachtungsweise doch bankrott macht, und daß er zweitens mit feinem allzu dürftigen Resultat, einem ein wenig bürgerlich ethisch frisierten Sozialimus, diefem selbst keinerlei Nugen tut. Es fehlt das große Positive; das hat Sham nicht. Er ist Ueber gang. Immerhin mag das Büchlein für England, in dem die firch liche und religiöse Frage doch anders gelagert ist als in Deutsch land, eine Lat sein, die entfernt an Strauß Leben Jesu" erinnert. Karl Schröder .
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Naturkunde. afurfund
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Brehms Tierieben. In Auswahl herausgegeben und bearbeitet von C.. Neumann. 6 Bände mit 150 Bildtafeln. Berlag 6 Phil. Reclam jun., Leipzig .
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Beilage
des Vorwärts
und Meyer, Leipzig . 207 Seiten, 10 Tafeln, 303 Abbildungen. Breis geh. 6 m., geb. 8. M.
Wer dieses Buch mit Verständnis liest, weil er Liebe zum Handwert hat, dem wird es viel bieten. Immer wieder fann man in der Praxis feststellen, daß die Werkzeuge nicht bewußt, sondern gewohnheitsmäßig behandelt und angewandt werden. Dieses Buch, das auch das einfachste Werkzeug nicht übergeht, weil dieses notwendig und damit wichtig ist, mill zum Nachdenken über die Behandlung und den Gebrauch der Werkzeuge anregen. Der Verfasser ist sich über die Wechselwirkung von Geistes- und Handarbeit völlig flar und darum ist ihm auch eine Arbeit gelungen, die man nur mit Anerkennung nennen fann.
Automobiltechnisches Handbuch. Herausgegeben von Richard Bussien. Verlag von M. Krayn, Berlin W. 1106 Seiten. Preis geb. 24 M.
Das Automobiltechnische Handbuch, das jetzt in der 11. Auflage vorliegt, ist eine wahre Fundgrube auf diesem Gebiet der Technik. ma chung. Stuttgart , Ferdinand Ente. 1926. 32 G. Geh. 2,40 m. angepaßt. Insbesondere wurde der Narmung eine sehr eingehende Lise Meitner: Atomvorgänge und ihre Sichtbar. Die neue Auflage wurde den sich ständig wandelnden Berhältnissen Das Büchlein gibt einer in der Münchener chemischen Gefeil Behandlung gewidmet. Das Normungswesen ist heute zu einem schaft im Juli 1925 gehaltenen Vortrag wieder. Fräulein Bro- Teilgebiet der Technik geworden, das bereits eine solche Ausdehnung feffor Meitner geht nicht auf das ganze ungeheure Gebiet der erfahren hat, daß zu seiner Beherrschung schon die volle Arbeitsmodernen Atemforschung ein, sondern beschränkt sich auf den Teil, kraft fenninisreicher Spezialisten gehört. Daher ist es zu begrüßen, der mit den radioaktiven Erscheinungen zusammenhängt, und schildert daß dies dem Autobau gewidmete Handbuch dem technischen Fortdiesen Abschnitt in recht verständlicher Weise. Freilich feßt das schritt auch in bezug auf die Normung folgte. Im einzelnen gehen die empfehlenswerte Büchlein, wie ja bei dem Krebs, in dem der Bortrag zahlreichen und fachkundigen Mitarbeiter auf alle Gebiete des Kraftgehalten worden ist, sich von selbstverständlich versteht, gewisse, allerfahrzeugbaues ein. Nacheinander werden die Baustoffe, die Konbings nicht sehr hohe Vorkenntnisse naturwissenschaftlicher und mathe- ftruftionselemente des Wagens und der Motoren, die elektrischen matischer Art voraus. Licht und Anlafferanlagen und endlich die für Sonderzwecke be läutern den Text. Die Rechnungsbeispiele find flar und einfach gestimmten Fahrzeuge behandelt. Zahlreiche gute Abbildungen erwählt. So ist hier in glücklichster Gemeinschaftsarbeit ein Werf entstanden, das für jeden am Autebau Interessierten ein treuer Führer
Bilder aus dem Weltenraum. Sonne und Planeten. Im Dienste der Hans- Bredow - Schule der Deutschen Rundfunkgesellschaften. 45 Tafeln mit 52 Abbildungen und erläuterndem Tert. E. H. Mayer, Leipzig . Brosch. 3 M.
Dr. Krizinger, der Herausgeber dieser schönen Bildersammlung, hat am Rundfunksender eine Reihe astronomischer Vorträge gehalten, wobei er immer lebhafter das Bedürfnis empfand, die Hörer auf gutes Bildermaterial verweisen zu können. Diesem Bedürfnis soll die Sammlung in erster Linie entgegenkommen. Sie bringt zunächst die nenen, schönen und lehrreichen Planetarien und mo dernen großen Fernrohre, dann wird die Sonne und ihre Besonder heiten in zahlreichen Darstellungen gezeigt, worauf Mondlandschaften und Abbildungen der Planeten folgen. Auch abgesehen von den Rundfunkvorträgen wird die Sammlung jedem, der sich etwas mit Himmelstunde befaffen und sich über die Erscheinungen am Himmel unterrichten will, sehr willkommen sein.
Bei der Abbildung der modernen Fernrohre vermißt man eine Darstellung des Riesenrohres der Treptower Sternwarte. Das ist becauerlich, einmal weil dieses Fernrohr einen ganz einzigartigen Typ darstellt, und sodann, weil die Treptomer Sternwarte ganz hervorragend im Dienste der Volksbildung steht und der Berliner Bevölkerung eine ganz besondere Gelegenheit zu Beobachtungen am Himmel und zum Anhören astronomischer Vorträge gibt, bei welchen diese Sammlung gute Dienste leisten fann. Bielleicht wird bei einer neuen Auflage dieser Mangel beseitigt. Dr. Bruno Borchardt .
Gesundheitswesen.
lichfeit und die Industrialisierung Europas . Leip. Dr. Georg Wolff: Der Gang der Tubertulosesterb. aig 1926. Berlag Johann Ambrofius Barth.
In der vorliegenden Arbeit versucht der Verfasser in muster gültiger Weise die Beziehungen zwischen der Tuberkulosesterblichkeit gültiger Weise die Beziehungen zwischen der Tuberkulosesterblichkeit und der zunehmenden Industrialisierung Europas an Hand eines reichen Materials aufzuzeigen. Die Tuberkulosesterblichfeit ist int hohem Maße vom Altersaufbau der Bevölkerung abhängig, d. h., je mehr Menschen in dem von der Tuberkulose am meisten bedrohten Alter, also zwischen 15 und 55 Jahren vorhanden sind, desto größere Opfer fordert der weiße Tod. Volkswirtschaftlich hat das den großen Nachteil, daß dadurch gerade die für das Land wertvollsten Altersklassen die größten Berluste erleiden; dazu fommt jetzt noch bei uns ein Verlust von über zwei Millionen Männern durch den Krieg, die alle jegt im produktionsfähigsten Alter ständen.
Der Verfasser zeigt dann ferner, daß die Zunahme der Tuber fulosesterblichkeit während des Krieges nur als relativ zu betrachten sei, daß sie auf die Zipilbenölferung bezogen wurde, in der pon Männern nur die schwächlichsten, also anfälligsten zurückgeblieben maren. Dazu kommen noch die ungenauen Angaben über den tatsächlichen Stand der Einwohnerzahl während des Krieges. Hier märe es noch sehr interessant, wenn der Verfasser Material über die Tuberkulosesterblichkeit unter den Kriegsgefangenen gebracht hätte, besonders bei den Russen, die nicht allein sehr schlecht genährt wurden, sondern schon in ihrem Lande eine sehr hohe Tuberkulosesterblichkeit haben. Das wären einige Punkte aus dem allgemeinen Teil der Arbeit.
Als wesentlichstes Ergebnis der Untersuchungen ist aber der Nachweis zu betrachten, daß die Tuberkulosesterblichkeit im gleichen Verhältnis zu einer zunehmenden Industrialifierung eines Landes zurüdgeht. So stehen an der Spitze der europäischen Länder mit der geringsten Zahl an Todesfällen Belgien mit 12,88 und England mit Wales mit 15,68, während die Agrarländer Franfreid) mit 32,23 und Horthy- Ungarn mit 37,44 Todesfällen auf 10 000 Lebende den Rekord in Europa halten. Beachtenswert ist auch, daß die Länder mit geringer Tuberkulosesterblichkeit eine starte sozialistische Arbeiterbe wegung haben. Das ist fein Zufall, denn durch den gewerkschaftlichen Zusammenschluß werden die Einkommensverhältnisse der Arbeiter verbessert und der Lebensaufwand gehoben. Außerdem haben die Gewerkschaften das größte Interesse daran, daß die Sozialver. ficherung zur größten Leistungsfähigkeit ausgebaut wird und ihre Hauptaufgabe nicht allein in der Behandlung, sondern ganz be sonders in der Verhütung der Krankheiten sieht. Die beste Sozial politik ist aber eine zielbewußte Lohnpolitit. Dr. Wolfi sagt am Schluß seiner Arbeit mit vollem Recht, daß die Ziffer der Tuberkulosesterblichkeit ein Gradmesser der hygienischen Kultur eines Landes sei. Dr. Norbert Marg. blalala
Technik.
Diese Reclamsche Bollsausgabe tritt in eine gewisse Konkurrenz zur Boltsausgabe des Bibliographischen Instituts. Sie sicht ihre Hauptaufgabe darin, eine Art Ur- Brehm" zu sein. Besonders gegenüber der vierten Auflage des„ Tierlebens", die unter den Ramen Brehms bei aller fachlichen Bereicherung dem Wert vielfach eine neue Tendenz gegeben hat, will sie durch Wiedergabe des ursprünglichen Tertes( nach der zweiten Auflage) nunmehr eine Neuherausgabe des alten flaffischen Wertes fein; freilich nicht des ganzen. Geboten wird eine in sich geschlossene Auswahl des Gesamtmerfes, mit Kürzungen und unter besonderer Berücksichtigung der Tiere der Heimat; stets im Hinblick auf Brehms eigenste Arbeit und Grundtendenz. Wo Bemerkungen und Ergänzungen unumgänglich waren, sind sie in Fußnoten beigegeben; außerdem sind aus technischen Gründen einige Umstellungen des Stoffes erfolgt. Man muß anerkennen, daß auf diese Weise in der Tat eine Art ,, Ur- Brehm" wiedergegeben wird, der ausweist, daß das Wert an anregender Frische für ein Maffenpublikum nichts verloren hat. Sehen wir ab vom Fachmann, für den natürlich nur ein voller Neubrud fo gut wie etwa für Humboldts„ Kosmos" pon Bedey des Bibliographischen Instituts vom Interesse des Laienlesers aus, so hat sie ihre Vorteile und Nachteile: Gut ist: 6 Bände, durchschnitt lich je 600 bis 700 Seiten, ausgezeichnetes, praktisch handliches Format und vom ersten bis legten Wort für jeben ohne die geringste R. Frentel: Wertzeugfunde. Ein Lehr- und Hilfsbuch Schwierigkeit lesbar, unbeschwert von jeder Syftemtabelle ufm. für den Wertunterricht und für Fachschulen. Verlag von Quelle
Hanns Günther : Der Weg des Eisens vom Grz zum Stahl. Verlag Died u. Co..( Franchs Technischer Verlag Stutt gart). 112 Seiten, 100 2bbildungen. Breis fartoniert 5,50 m. Dieses Buch ist eine brauchbare volkstümliche Eisenhüttenfunde. Die Darstellung umfaßt das mefentlichste des weiten Weges, den das Eisen zu durchlaufen hat, bevor es uns als Gebrauchsgut dienen fann. Der Tegt wird durch ausgezeichnete Bilder erläutert, die heute oft auf einer fünstlerisch bedeutsamen Höhe stehen. Der Berfaffer zeigt im einzelnen, wo die Erzlager der Welt liegen, er be handelt die Gewinnung der Erze und ihren Transport, dessen Wich
ist.
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Willy Mäbus.
Erzählende Literatur.
Jofeph Delmont: In Retten( 3eloten). Berlag Fr.. 23. Grunom, Leipzig .
Dieses Buch hätte ein menschliches Dokument werden können es murde ein Aufklärungsfilm. Es hätte ein besseres Schicksal verdient. Benige Bücher haben dieses jagende Tempo, ausgeglichen, ohne tote Stellen. Reine Seite ist darin, die man überschlägt, aber am Ende konstatiert man: Das Buch hat fünfzig Seiten zu menig, fünfzig Seiten, die notwendig gewesen wären, die Menschen dieses Buches plastisch aus ihrer Umgebung herauszuheben. Daß der Berfaifer die Fähigkeit dazu hat, beweist er an einigen liebevoll behandelten Nebenfiguren, mährend die Hauptpersonen flach projiziert wie Filmfiguren wirken.
Das bitter ernste Grundproblem des Buches: Die Geschichte einer Frau, die durch besoffene Soldatesfa pergewaltigt, Mutter wird und dies Kind gegen den zelotischen Eifer der jüdischen Ge meinde ihres Heimatborfes und gegen ihre Schwiegereltern verteidigt; die leberwindung der durch Religion und Tradition der bürgerlichen Familie geschaffenen gefühlsmäßigen Hemmungen durch den aus der Berbannung heimfehrenden Mann dieses Grundproblem wird in erschreckendem Maße durch das spannende Beimert überwuchert. So würde sich eine Besprechung des Buches an dieser Stelle fost erübrigen. Wenn nicht gerade an diesem Buche gezeigt werden könnte, wie ein können in der Konjunktur ertrinken Bücher gleicherweise verdirbt. Joseph Delmont hat in zwei Jahren fann, und wie die Jagd nach dem Profit Menschen, Künstler und zwei der erfolgreichsten Bücher veröffentlicht, ein Filmtierbuch„ Wilde Tiere im Film" und einen phantastischen Roman Die Stadt unter dem Meer". Hier packt er zum erstenmal ein psychologisch gleich intereſſantes Preblem an. Aber, weil für den Verfasser der Stadt den Markt geworfen, man sieht, daß der Kaufmann dem Künstler unter dem Meer jezt Konjunktur ist, wird das Buch schleunigst auf die Feder entwand. So wurde anscheinend der ursprüngliche Titel Beloten" umgeändert, die spannendste Episode der Flucht durch Sibirien wird zum Umschlagbild gemacht, trogdem sie zu dem eigentlichen Problem des Buches nur in rein äußerlicher Beziehung steht reichlich als Bürze verwendet grelle Sensation und Sentimentalität in Nebenepisoden Kunstwerk hätte sein fönren, wurde ein spannender Roman". In - und aus einem Buch, das ein Noch steht dahin, wer die Oberhand behalten wird; es wäre um den Joseph Delmont stecken ein Könner, ein Künstler und ein Kaufmann. Künstler schade.
Der Kapitalismus frißt nicht nur die Körper und Seelen der Menschener frißt auch die Seele der Bücher.
Rose Ewald. Martha Berger: Das Leben einer Frau." RikolaBerlag, Wien . 603 Seiten. Preis geh. 5 M.
eines Tages von Martha Berger ein etwa tausend Seiten startes Hermann Bahr , der bekannte österreichische Dichter, erhielt Manuskript. Er wollte nur die ersten hundert Seiten lesen, dann rasch die Schlußseiten durchfliegen, um recht bald den üblichen Abjagebrief zu schreiben. Aber er las und las und konnte nicht aufhören. So wird es jedem gehen, der dieses erschütternde Buch in
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losen Nächten ihr Leben niedergeschrieben. Martha Berger, ein liebes gutes Mädel, hat in vielen schlafbemäntelt nichts! Sie schildert die Liebe so, wie sie ist, mit all Sie verschweigt und ihren frohen Licht- und tieftraurigen, ja rohen Schattenseiten. Das Buch ist eine Anflage gegen das Raubtier Mann", das nur genießen will und sich feinerlei Sorgen um die Folgen des Liebesverkehrs macht. Aber Martha Berger flagt nicht einseitig an nein- ohne jedes Herausreden gibi fie auch ihre Fehler, ihr Schuldigsein an. Sie, eine Schönheit Salzburgs, liebt einen gewissenlosen Mann mit tierischen Trieben einen Offizier, der sich während des Krieges in der Etappe helbenmütig frank gefämpft" hatte. In menigen Jahren vernichtet. er ſtrupellos ihre Seele und ihren Körper. Damit die" Karriere" des Mannes nicht leidet, muß fie mehrmals die Folgen des Liebeslebens beseitigen lassen, und doch lebt m ihr, der Unverheirateten die große Sehnsucht nach dem Sinde. Ihre Liebe zu dem Manne, der oft fo erbärmlich gemein handelt, ist gewaltig groß. Immer wieder opfert sie sich für ihn und ist sogar bereit, als er es brutal verlangt, aus dem Leben zu gehen, damit er glücklich wird. Schließlich heiratet er eine andere; fie aber fiecht dahin als trauriges Wrack ihrer Liebe.
Dieses Wert ist fein Aufflärungsbuch im billigen Sinne, sondern Die mahre Schilderung des Lebens einer Frau. Unzählige Frauen haben, indem fie liebten, ein gleiches qualvolles Leben führen müffen und unzählige Frauen leben es noch heute! Nicht für jeden ist dieses Buch bestimmt. Aber den jungen Männern sollte man es in die Hand drücken, bevor sie zum ersten Male zum Beibe gehen. Und jede Mutter follte es sich genau überlegen, wann sie dieses Buch ihrer erwachsenen Tochter geben kann.
tung märe, und vergleichen wir diese Reclamsche Boltsausgabe mit der tigkeit er unterstreicht. Dann schildert er die Entstehung des Eisens Wohnungsnot und Inflationszeit mit ihren traurigen Folgen. Der
vom Hochofen bis zum Elektrostahlofen. Das Werk gibt eine knappe und für die erste Einführung in das große Arbeitsgebiet völlig ge= nügende Uebersicht.
Auch die sozialen Zustände unserer Zeit merden turz gezeichnet: Held dieses Buches ist der fleine Gehilfe eines großen Schiebers und schmuggelt für diesen die legten Golbwerte feines elend am Boden liegenden Baterlandes über die Grenze. Ein ehemaliger Dffizier, der eine merkwürdige Auffassung von Ehre und Pflichtgefühl hat. Erich Keßler .