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Volks- Tribüne
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Social- Politisches Wochenblatt.
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Die„ Berliner Belts Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh.
Einzelne Nummer 15 Bfg.
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Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23.
№ 46.
Politische Rundschau.
des Sozialistengesetzes.
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Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren taum mit 20 Bfg. berechnet. Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 fg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23.
Sonnabend, den 16. November 1889.
Ausgabe für Spediteure: Voltsblatt" Zimmer- Straße 44.
III. Jahrgang.
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- Die Vorgeschichte bei der Debatte über den freisinnigen Antrag, welcher die Was soll mit Deutschland werden, welche Stellung soll Der Antrag Lohren. Regierungen auffordert, jede Art der Wahlbeeinflussung der König von Preußen erhalten"? fragte Friedrich. Zur Frauenfrage. VI. Zur Geschichte des zu verhindern. Man kennt ja ihre Stellung, entweder Freytag antwortete, daß die Einigung Deutschlands fich Antisemitismus. IV. Zu den Berliner behaupten fie, die Wahlen wären thatsächlich frei, oder nun leicht vollziehen könne, die süddeutschen Staaten sie räumen zwar den Wahlzwang als Thatsache ein, ver- würden gerne dem norddeutschen Bunde beitreten. Das Gedicht und Novelle von Mackay. So- theidigen ihn aber als das angeborene Menschenrecht der fand der Kronprinz selbstverständlich, aber er frug wieder: zialistische Spaziergänge III.- Em. Geib. Fabrikanten. Und was soll der König von Preußen werden? Freitag Tschernyschewsky. Was die französische Volksvertretung kostet. Reichstag .
Kommunalwahlen.
Arbeiter und Parteigenossen!
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Balitische Ueberlidt.
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Für die Macht des preußisch- deutschen Militarismus feßt seine Ansichten darüber auseinander. ,, Nein, fährt endlich legten die Verhandlungen und die Abstimmung da der Kronprinz auf, er muß Kaiser werden". Als über den Rickert'schen Antrag, der auf eine Reform des er mit seinem töniglichen Vater einst in Paris gewesen, gänzlich veralteten Militärstrafprozesses abzielte, ein erzählt ihm Friedrich, habe sein Vater dem Russenherrscher, sprechendes Zeugniß ab. als einem Kaiser, den Vortritt lassen müssen.„ Das soll aber kein Hohenzollern sagen, und das darf für keinen Die Todten reiten schnell. Wie überschwänglich hat Hohenzollern gelten", mit diesen Worten schloß er das man Kaiser Wilhelm I. als den Kämpen und Begründer Gespräch. der deutschen Reichseinheit gefeiert! Wenige Monate nach Noch mancherlei anderes führt Freytag an, um den seinem Tode wurde durch eine günstige Verkettung der auf äußeren Glanz gerichteten Ehrgeiz Friedrichs zu beUmstände das Tagebuch des Kronprinzen veröffentlicht weisen. Uns interessirt nur, daß, wie Wilhelm I. aus und wo war dieser Ruhm geblieben? Man versuchte, dynastischen Rücksichten der Kaiserkrönung widerstrebt hat, die Aufzeichnungen als gefälscht zu bezeichnen und strengte so Friedrich III. fie aus eben solchen Rücksichten erstrebte. zu diesem Zwecke einen wunderbaren Prozeß an, der aber Die Verehrer des Kronprinzen erhoben natürlich über die feinen anderen Erfolg hatte, als daß er die Echtheit des Freytag'sche Schrift, ein großes Wehklagen. Man warf Tagebuches außer allen Zweifel stellte. Damit ist er dem Verfasser vor, er hätte aus Liebedienerei gegen wiesen wie in historischen Sachen etwas erwiesen das augenblickliche Regiment geschrieben, eine merkwürdige werden kann daß der spätere Kaiser Wilhelm den Verdächtigung, wenn man bedenkt, wie stark Freytag seine deutschen Einheitsbestrebungen höchft aleichgültig gegenüber- Abneigung gegen jede Art töniglichen Bruntes überhaupt stand, ja daß er, in altpreußter Gesinnung befangen, ausdrückt. Aber schließlich vermochte man dem Buche X Die Reichstagsdebatte über das Sozialisten- die ihm angebotene Kaiserfrone nur unwillig annahm. doch nichts anderes entgegenzuhalten, als daß der Kronprinz gesez ist beendigt. Die freisinnige Partei immer geschäftig, ihre Königs- sich auch für die nationale Vereinigung als solche begeistert Die Gerichtsverhandlungen, welche in Belgien gegen treue zu bethätigen proklamirte nun auf Grund des habe, ohne seiner Sonderabsichten zu erwähnen. Was den bekannten Lockspißel- Pourbair dieser Tage eröffnet Tagebuches den früheren Kronprinzen, Kaiser Friedrich III. beweist das aber? Sucht nicht ein jeder das, was er für sind, bieten eine schäßenswerthe Ergänzung zu der Art, als nationalen Heiland. Wenn nicht Wilhelm, so mußte sich verlangt, zu einem allgemeinen Gute zu verklären? mit welcher man in den modernen Rechtsstaaten" gegen Friedrich Vorkämpfer und Gründer der deutschen Einheit Sollte der Kronprinz anders gehandelt haben? die ruchlosen Arbeiter vorzugehen beliebt. Daß das höchst gewesen sein. Er hatte mit idealer Begeisterung die tiefste Die Sozialdemokratie würde selbstverständlich chriftliche und katholische Ministerium Bernaert in unmittel- Sehnsucht des deutschen Volkes erfaßt, er verwirklichte die auch dann, wenn Friedrich der Mann gewesen wäre, als barer Verbindung mit Bourbair stand, war schon in einem Träume der Nation". Denselben Dienst, welchen das welchen ihn die Freisinnigen feiern, ihm talt und abfrüheren Prozesse klar geworden. Aber die klerikale Partei Tagebuch gegenüber der Vergötterung Wilhelms I. leistete, lehnend gegenüber stehen müssen. Denn die natio= hatte trotz aller Beweise doch noch immer zu leugnen denselben Dienst thut Gustav Freytags jüngst erschiene- nalen Einheitsbestrebungen erscheinen ihr nicht in jenem gewagt. Nun hilft auch das nicht mehr. Auf grund nes Büchlein„ Der Kronprinz und die deutsche idealen Märchenschimmer, mit dem das Bürgerthum sie von Attenstücken ist jetzt unwiderleglich festgestellt, daß Kaiserkrone" gegenüber der Friedrichs- Legende. In heute umgiebt. So weit die großkapitalistische alle drei betheiligten Minister: Bernaert, Devolder unserer Zeit will die Sagenbildung eben nicht mehr recht Produktion durch den Zusammenschluß vieler und Lejeune, als sie ihre Verbindung mit dem Spigel- gelingen. einzelner Ländchen zu einem einheitlich geordthume bestritten, das Land wissentlich getäuscht haben. Freytag hat dem Kronprinzen sehr nahe gestanden, neten Staatswesen gefördert wird, so weit Es ist erwiesen, daß Pourbair die Arbeiter zur gewalt- er begleitete ihn auch auf dem französischen Feldzuge. erblickt der Sozialismus in der nationalen Besamen Empörung aufreizte, und selbst Dynamitpatronen Seine Erinnerungsblätter, welche die ganze Presse in wegung eine durch die ökonomische Entwicklung anlegte, um die Glaswerke in Mariemont in die Luft zu Aufregung verfeßen, beziehen sich eben auf diese Kriegszeit, erzeugte Nothwendigkeit. Darum hält er auch den sprengen. Ja, es wurden auf seine Veranlassung Arbeiter die der Kaiserkrönung unmittelbar vorausging. Er ist Kampf gegen einen solchen Zug der Zeit für gänzlich verhaftet, und, wenn er sie als Ausspionierer verwenden ferner auch, vom„ reichsfreundlichen" Standpunkt aus be- utopisch. Er hofft sogar, aus dieser Art der Centralisation wollte, wieder in Freiheit gesetzt. Die Herren Minister trachtet, ein gänzlich unverdächtiger Zeuge, seine Ge- auch für seine leßten Ziele Nußen zu ziehen. wußten um alles, aber sie gingen mit voller Absicht darauf finnungen sind durchaus militärisch und monarchisch. Der Aber gänzlich fern liegt ihm jede Jdealisirung des aus, einen Aufstand zu entfesseln, um ihn nachher mit Sieg der Deutschen gilt ihm als ein Werk der Vor- nationalen Dranges und jede Verhimmelung der Männer, Gemüthlichkeit niederkartätschen zu lassen. Es giebt nichts, sehung", und gegen den Massenmord der Völker weiß er die ihre Kraft an die Verwirklichung jener Einheitsbestrewas im Dienste des„ Eigenthums" und der Ordnung" im allgemeinen keine Einwendungen zu machen. Jetzt habe bungen seßten. Hätte Kaiser Friedrich ohne alle Nebenunerlaubt ist, ebenso wie es umgekehrt nichts giebt, was ich die Schrecken des Krieges kennen gelernt, heißt es an absichten für das Deutschthum gekämpft, er würde also im Kampfe gegen diese Heiligthümer erlaubt wäre. Der einer Stelle, nicht die Leichenfelder sind es, darüber doch für uns höchst gleichgültig sein. Die Aufdeckung Spigel wird als staatserhaltend" geheiligt, und jene, kommt man weg". Aber, fährt er dann fort, ich war der Triebfedern, welche den preußischen Kronprinzen in welche in friedlicher Nede das Volk über seine Interessen in Sulz, in einem Kramladen einquartirt. Die Ver- Wahrheit bewegten, interessirt uns nur, weil dadurch in aufzuklären suchen, ferkert man als„ Staatsverbrecher" pflegungskolonnen waren nicht zur Stelle und die Soldaten dem nichtsozialistischen, blindnationalen Theile der Bevölke ein. Die Kampfmittel der heutigen Gesellschaft charakte- kamen, forderten, nahmen, zuletzt begannen sie zu rauben; rung eine neue Erschütterung der hergebrachten Monarchenrifiren ihren inneren Werth am besten. gerade gegenüber vom Quartier des Kronprinzen." Wie verehrung hervorgebracht werden muß. Mit Genugthuung
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Zur Vorgeschichte und Entstehung des
Sozialistengesetzes.
In ihrer Art charakteristisch waren auch die letzten charakteristisch! Hingeopferte Menschenleben, darüber kann sehen wir, wie in dem Himmel des Volksglaubens eine Reichstagsverhandlungen. Bei der Debatte, ob man fich Herr Freytag leichtlich trösten, indessen Verlegung Gottheit nach der anderen zusammenfinkt. die Reichsbank wie bisher als Privatinstitut bestehen lassen, des heiligen Eigenthums, und dazu noch gerade gegenüber oder ob man sie nicht auch lieber gleich verstaatlichen vom Quartier des Kronprinzen, das bringt seine bürgersolle, zeigte sich die agrarische Begehrlichkeit wieder in liche Seele in Entrüstung. Herr Freytag ist also kein ihrem schönsten Lichte. Die Herren schrieen nach Ver- Umstürzler, sondern Reichsfreund vom reinsten Wasser. staatlichung, fie meinten nämlich, wenn erst ein so guter Hat er etwas an dem Kronprinzen auszusehen, so thut er Freund wie das deutsche Reich Bankeigenthümer wäre, so das nicht im Sinne einer besseren Zukunft, die das miliwürde der nach allen früheren Erfahrungen gern zu Ge- tärische Königthum der Gegenwart verurtheilen wird, fälligkeiten bereit sein. Er würde der„ nothleidenden sondern vom Standpunkte des„ Bestehenden". Landwirthschaft" den billigsten Kredit geben und nicht viel Und was wirft er dem Prinzen vor? Nichts Geauf Sicherheit sehen. Für etwaige damit verknüpfte Ver- ringeres, als daß sein Streben nach der Kaiserkrone lufte kann ja der deutsche Steuerzahler immer aufkommen. ein Ausfluß nicht der politischen Einsicht, sondern der Wozu eriftirte er auch sonst? dynastischen Eitelkeit gewesen sei. Sehr bezeichnend
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Die nationalliberalen Vertreter des industriellen Groß- ist ein kleines Gespräch, welches Friedrich nach den ersten tapitals glänzten bei anderen Gelegenheiten, vor allem Waffenerfolgen des deutschen Heeres mit Freytag hatte.
die Strafgesez- Novelle bezeichnet werden, welche den Als Vorläufer des jeßigen Sozialistengeseẞes kann Reichstag in der Session von 1875/76 beschäftigte. Diese Novelle enthielt u. a. folgende wider die Sozialdemokratie gerichtete Bestimmung:
" Wer in einer den öffentlichen Frieden gefähr= denden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung gegen einander öffentlich aufheßt, oder wer in gleicher Weise die Institute der Ehe, der Familie und des Eigenthum& öffentlich durch Nede oder Schrift angreift, wird mit Gefängniß bestraft."
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