sind ein paar höfliche Zeilen. Dank für den geleisteten Dienst, Bersicherung kollegialer Hilfsbereitschaft für den Fall daß... Eine Banknote liegt darin, es ist der kleinste Be­trag, den er für feinen Bericht bisher er­halten. Zwei Zeitungen mutz er Mahnschreiben senden, dann erst honorieren sie seine Arbeit. Ms er das Geld bekommt, steckt er es in die Tasche, er hatzt es, er hat sich den Lohn an­ders vorgestellt. Kay will die Extraausgabe des«Expreß", die Zeitungen, die seinen Namen auf der Tüelseste bringen, einrahmen kaffen, sie sollen in seiner Redaktionsstube hängen, Erinnerungen an einen grotzen Tag; er zerfetzt die Zeitungsseiten, schreit Kay an, in flammendem Zorn, wie sie ihn nie gesehen: Vie solle schweigen, schweigen, er verlange nichts andres von ihr, als datz sie über den unglückseligsten Tag seines Daseins schtveige. Der grotze papierene Film rollt weiter, durch seine Hände, er schneidet mit der|

> Aequaiorsonnc über dem Golf von West- Indien . Guayanas sumpfige Küstenwelt atmet in der Fieberluft. Südwärts bis zum fernen .Amazonenstrom dehnt sich unter heißem Laub­dach der Urwald. Auf der Grenze französischen und nieder­ländischen Gebietes wälzt der Maroni seine Waffeimaffen dem Meere zu. Mit schlanken Booten befahren ihn die Indianer zum Fisch- fang und Schmuggel; oder weiße Pflanzer und Händler, die aus dem Küstenstreifen ins Innere Vordringen. Von Zeit zu Zeit dampft eine Re- gierungsbarkasse stromaufwärts; ihre gellenden Pfiffe dringen dann in den brütenden Urwald jtin und verursachen Aufruhr unter Kolibris .und Papageien, Baumaffen und witternden Raubkatzen. Das ist das Leben bei Tage. In mond­losen Nächten jedoch, wenn der Fluß in un­idurchdringlicher Dunkelheit dahinströmt, wird der Maroni zum Schauplatz der lichtscheuen Tragödien dieses Bagnolandes... »PierreI" Heiser und gedämpft klingt die Stimme über das Wasser. Im Fluß treibt ein Floß. Zwei Männer schlagen primitive Ruder in die Strömung, vorsichtig und leise, doch mit keuchendem Atem. Bedrohlich knarrt und knackt das zerbrechliche Gerippe aus schwankem Un­terholz deö Waldes. Aus vorgebeugten Körpern starren brandheiße Augen in das Dunkel am Ufer.^Pierre? Pierre?" Und endlich I Ein Geräusch wie dreimaliges Aufeinanderschlagen von Metall. Leise, doch deutlich vernehmbar, tönt es vom Ufer herüber. Ein Fluch der Erleichterung fährt den Män­nern durch die Zähne.»Grave au Diable! Er hat gefunden!" Durch die Finsternis geschützt liegen die Indiancrboote am Flußufer. Pierre hat nach waghalsigem Suchen das Versteck entdeckt. Drei Schläge mit dem Dolchmeffer gegen den Ge­wehrlauf, das verabredete Zeichen, rufen die Gefährten herbei. Vor zwölf Tagen haben sie den lange zuvor in allen Einzelheiten erlväg- ten Fluchtplan zur Ausführung gebracht. Je­nes erstemal vor acht Jahren, als er eben ans Frankreich angekommen war und sich an die Hölle hier nicht gewöhnen konnte, er lacht heute über sich selbst, wenn er an jenen ersten Fluchtversuch zurückdenkt. Allein ist er damals

Schere hier eine Szene, dort ein Bild heraus und fügt diese Reste zusammen, zu einem neuen Streifen, der arm und unbeachtet durch die Tage gleitet. Wenn Fletcher ihm die Zei­tungsblätter zuschiebt, sieht er sie mit feind­seligen Blicken an, und es ist eine grausame Lust in seinem Herzen, wenn der blanke Stahl in den knisternden Körper der Journale fährt. Die Kamera mutz Kay tragen, wenn sie Sonntags in die Wälder wandern. Er hatzt sie, wie er alles hatzt, das ihn an jenen Tag erinnert, an dem alle Träume zerstoben sind und der graue, schwere Vorhang, den er bei­seite schieben wollte, sich wieder zwischen ihn und das Leben gesenkt hat. Er trägt die Plat­ten zu dem alten Photographen, der die Sonntagsaufnahmcn der Ausflügler ent­wickelt, aber drängt nicht, und fällt sein Blick auf die Dunkelkammer, sagt er tonlos: Es hat keine Eile ich werde mir morgen die Bilder holen."

ausgebrochen und glaubte die Freiheit zu be­sitzen, sobald er Stadt und Küstengürtel hin­ter sich ließ und Ilrwaldduft ihn umfing. Aber der Urwald war das größte Problem jedes Bagnoflüchtlings, und Pierre hat es damals nicht gelöst. Die ungeahnten Enffernungen, fanggeldgierige Indianer, angriffslustige Ja­guare u»d zuletzt, alles vereitelnd, der wütende Hunger haben ihn, wie manchen vorher, ins Bagno zurückgetrieben, wo Strafverschärfung und höhnische Behandlung, aber auch Brot und eine sichere Pritsche ihn erwartete. Die Gefährten, der lustige Jacques und der immer todernste Jules, kommen heraus. Das Floß, ohnehin wrack, geht bei der Landung völlig verloren. Alles ist jetzt auf eine einzige Karte gesetzt: ein Boot, ein großes, starkes, schnelles Boot!. Vorsichtig, den Dolch in den Zähnen, arbeiten sie sich vorwärts. Jltepec, der alte Arrowake, sitzt mit der Flinte auf den Knien, in der kleinen Schutz­hütte. Mit gedämpfter Stimme erzählt der Alte seinem zwölfjährigen Enkel von den Boo­ten, auf denen er sein halbes Leben zuge­bracht hat. Er hebt den Kopf und horcht. Gleichför­mig kommt das Rauschen des Fluffes herüber. »Es wäre eine Nacht für die weißen Diebe, Ojari, eine Nacht für die Bootestehler von Cayenne. Kahenfüßig schleichen sie durch das Dunkel. Wie Schlangen kriechen sie im llfer- graS." Diesmal ist es keine Täuschung; der Alte verstummt. Leises Geplätscher dringt über das Rauschen des Flusses hinaus. »Lauf um Hilfe!" knurrt der Alte..Lauf Ojari! Vielleicht sind eS zuviel für den alten Jltepec." Eilends springt der Junge davon. Auf geheimen Sumpfpfad schleicht der Alte, die Flinte im Anschlag zum Fluß. In einem Seitengraben haben sie das erste Boot gefunden. Jacques tastet hinein; zollhoch steht algendurchwnchertes Waffer darin. Weiter! Am Flußufer stoßen sie auf ein ande­res; ein Messer blitzt: Jacques zerschneidet das Ankertau, klettert, mit einem Pfiff durch die Zähne seine Freude bändigend, in das große starke Boot und lenkt es hart ans Ufer heran. Tie Ruder plätschern.Sacre Nom, Jacques! Leiser, leiser! Du holst sie uns auf den Hals!"

Der Kahn legt an. In diesem Augenblick fällt aus nächster Nähe, grell das Dunkel zer­reißend, ein Flintenschuß. Mit den Händen in die Lust greifend, fällt Jacques hintenüber wie ein Klotz ins Wasser.»Satan!" knirscht Pierre zwischen den Zähnen, den zitternden Jules an­schreiend:Rasch ins Boot!" Doch eS ist schon zu spät; der alte Jltepec betritt, ohne die Flinte aus dem Anschlag zu lassen, den nächtlichen Schauplatz, als JuleS gerade den Fuß ins Boot setzt. Pierre sieht ihn und zielt. In die Sfirn getroffen, stürzt der Indianer zu Boden, aber auch JuleS liegt zu Tode getroffen im seichten Waffer. Langsam treibt das führerlose Boot da­von. Aus dem Ufergebüsch klingen Stimmen. Rasch überblickt Pierre die verzweifelte Lage: Zurück dem Boot im Seitengraben! Mit der brutalen Energie des um sein Leben Kämpfen­den entreißt er dem im Waffer röchelnden, ster­benden Jules den Beutel Mundvorrat, den je­ner bei sich führt. Ein hastiges, erschütternd banalesAdieu, Jules", dann schleicht er zu­rück, findet das Boot, schwingt sich hinein und stößt ab. Das Glück ist ihm hold, die Strömung führt rasch flußabwärts. Anfangs, als lautes Klagegeschrei durch die Nacht tönt, hat ihn die Angst vor Verfolgung zu rasender Eile ange­trieben. Es war fein Glück, daß das abgetrie­bene Boot sich schon bald in Uferbäumen ver­fangen hatte, wo die Indianer eS fanden. Wür­den sie das andere vermissen? Die Antwort hierauf gibt ihm sehr bald der Umstand, daß sich sein Fahrzeug immer schwerer lenken läßt. Durch Abtasten stellt er fest, daß das Wasser im Boot rasch anschwillt. Er macht sich keine Illu­sionen darüber, daß an dem ausrangierten Kahn eines Indianers wenig mehr zu flicken sein wird. Mit Hilfe seiner Zuchthausmütze sucht er des langsam eindringenden Wassers Herr zu bleiben. Er weiß, daß er so nicht zur Küste ge­langen wird. Die Bootruine wird zerschmettern und er mit ihr. Ein neueS Boot, oder er ist ver­loren...! Da glänzt, voraus an Backbord, ein roteS Licht durch die stockdunkle Nacht. Lange Iveiß der staunende Pierre es nicht zu deuten, dann wird es ihm plötzlich gewiß: ein Schiff! Hart am linken Ufer, im niederländischen Hoheits­gebiet, liegt die Regierungsbarkasse vor Anker, Pierre braucht nicht auSzuweichen; die Finster­nis schützt ihn vollkommen. Rudernd und was­serschöpfend steuert er. noch benommen von der plötzlichen Erscheinung dieses Zivilisationsdoku» mentS hier in der Wildnis, seinen Kurs weiter. Wer will sagen, wie ihm der verwegene Ge­danke dann gekommen ist? Blitzschnell sind die Entschlüsse in verzweifelter Situation; rasch wie der Donner auf den Blitz folgt die Tat. Ist nicht das ganze Leben dieser BagnardS ein Räffel? Pierre weiß, waS er will. Er steuert sei­nen sinkenden Kahn in die Höhle deS Löwen und setzt Kurs auf die schlafende Barkasse Hl. An andern Morgen weiß es die Besatzung, in einer Woche alle Marinestreitkräste vor Curacao ; dann erfährt es die Presse und die ganze spottlustige Kolonie. Die Regierungsbar­kaffe hat ihre Jolle verloren. Sie lag festge­macht am Fallreep, nicht weit von der Deck­wache, Schivarz fiel die Nacht ans den Maroni , da hat man sie gestohlen. Ein Kerl, der das ge­wagt hat; ein Mann, und wenn er hundert­mal ein Bagnard war! Pierre hat die lange Fahr flußabwärts vollbracht. An der tückischen Tigerbank hat er der ungestümen See getrotzt; achtzig Seemeilen weit ist er an der Brandung

Fwtht aus Cayenne j Von Hans Roeffink.