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Geschäfte mit Ehrlichkeit

Von J. Behrendt

Rolly Webb ist der ehrlichste Mann der niedergegangen zu sein, die Betwohner hatten Welt. Außerdem, Rolly Webb ist ein lebender ihn aufgefangen und trugen ihn nun glückstrah­Betveis für die Behauptung, die ich schon immer lend zu Rolly Webb. bertreten habe: auch heute noch, in unseren so verschrienen Zeiten, kann man von der Ehrlich-| Rathaus hin zum Hotel, gut zehn Minuten lang,

feit leben.

Beweis: Rolly Webb.

Er machte das so: er futschierte in seinem vornehmen Auto   Gott allein weiß, wo er es her hatte in einem gemütlichen Städtchen des Mittelwestens, sagen wir Babbisville, herum und stieg im ersten Hotel der Stadt ab. Da lebte er ein paar Tage, sehr viel, trant auch etwas, und dann erschien im Babbisville Herald" folgende fettgedruckte Anzeige: Gestern in Park Avenue 20 Dollar- Note verloren. Rolly Webb. Nichts weiter, nichts von Belohnung und so. Rolly glaubte eben an die Ehrlichkeit der Menschen. Richtig!

Am nächsten Tage kommt der ehrliche Fin­der zum ehrlichen Rolly, präsentiert ihm die 20- Dollar- Note und schaut Rolly fragend an. Rolly freut sich wie ein Kind, seine treuen blauen Augen strahlen Herzlichkeit. Seine Dop­pelfinne schwabbeln vor Aufregung, und er zieht seine Brieftasche, holt 50 Dollar heraus, drückt sie dem Finder in die Hand und ruft:

Dann

Sie sind ein ehrlicher Mann!" schlägt er ihm auf die Schulter, als gelte es, einem Champion eitas Ordentliches zu zeigen, und der beschenkte Finder zieht glückstrahlend, wenn auch mit etwas schiefer Schulter ab.

Es vergingen nicht zwei Stunden, und ganz Babbisville wußte, daß Rolly der Mann aus dem Märchenland war, der für 20 Dollar 50 gab. Und ganz Babbisville wartete wei­teres ab.

Das weitere ließ ettwa eine Woche auf sich warten, dann erschien wieder ein Inserat im Babbisville Herald": 50 Dollar verloren. Rolly Webb.

Auf der ganzen Welt sind noch nie, so Tange sie steht, so viele 50- Dollar- Noten ge= funden worden wie in Babbesville. Ein Geld­scheinregen schien über der glücklichen Stadt  

Philosoph." Jetzt durfte er sogar beleidigt sein. Erzürnt mit Recht. Ruth steckte die Hände in die Manteltaschen. Amüsierte sich köstlich über den da. Nun hatte sie doch wenigstens ihren Spaß.

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Er rückte unruhig hin und her. ,, Um aus­gelacht zu werden, brauchte ich nicht zu dir zu kommen." Ruth blitzte ihn an. ,, Wolltest du be­mitleidet sein?" ,, Für uns ist es auch nicht leicht." So haut doch ab." René zuckte die Achseln. Ruth, ironisch- sanft. Ich bemitleide euch ja, ihr armen reichen Juden. Die ihr auf euren Geldsäcken sitzt und euch das Haupt mit Asche bestreut. Pfui Deibel, sagte sie wieder, pfui Deibel." René sah sich scheu um.., Sprich nicht so laut. Vielleicht sitzt am Nebentisch ein Mann von der   Gestapo. Ich hab auch gehört, man wird gleich am Bahnhof photographiert bei der Ankunft. An der Grenze haben sie mich durchsucht bis aufs Hemd." ,, Wer? Die Tsche­chen?" ,, Nein, die haben mir später ihr Bei­leid ausgesprochen. Die anderen." ,, Be­dank dich bei ihnen. Im übrigen, bist du furcht­fam?" - ,, Man muß vorsichtig sein. Man kann doch nie wissen. Neulich war jemand in   Prag und wurde nach der Rückkehr gleich zur   Gestapo ge­bracht und verhört."

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Eine Schlange von Menschen zog sich vom

und jedes Glied der Schlange hatte 50 Dollar bei sich. Strahlend empfing Rolly den ersten, der ihm das verlorene Geld brachte:

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Ha, Sie Braver, Sie Ehrlicher, wie glück­lich ich bin, Sie kennengelernt zu haben!", und Rolly steckte die Note ein. Der Bringer war­tete. Nun, mein Lieber, wünschen Sie noch etwas von mir?" r?"" Die Belohnung!" Welche Belohnung, davon stand doch nichts in der Zeitung!" Immer treuer strahlen die blauen Rolly- Webb- Augen. Sie sind ein braver, ehr­licher Mann, aber nun habe ich leider keine Zeit mehr für Sie!" Die gewaltige Pranke Rollys hatte den Mann schon durch die Hintertüre hin­ausbefördert. Der nächste kam. Er wurde sein Geld ebenso schnell los. Auch der übernächste. Und so fort. Wenn einer Krach machen wollte, meinte Rolly vergnügt: Aber was denn, schämen Sie sich denn nicht... weil Sie mir meinen verlorenen Schein bringen?! Und der Mann mußte das Geld, das er ja gefunden hatte, Rolly dalassen, der den Verlust doch an­gezeigt hat.

Der Stuhl, der antiken Wert bekam

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und Ras, der Berg

Ein Kapitel äthiopischer Grammatik

die Kette nicht ab. Es spricht sehr für Rollys Von 2 Uhr mittags bis 7 Uhr abends ris Ras, der Fürst, psychologisches Verständnis, daß er richtig be­rechnete, daß keiner der Hereingefallenen den anderen die Blamage mitteilen würde; jeder gönnte dem anderen denselben Hereinfall, und hielt den Mund. Und Rolly hielt 9450 Dollar in seiner Hand, abends, Punkt 7 Uhr.

Etwa um Mitternacht fletterte ein Mann mit verbissenem Gesicht und entsicherter Pistole über die Fassade in das Zimmer von Rolly Webb. Dieser war aber schon in seinem vor­nehmen Auto in das genau 250 Kilometer ent­fernte Rabbisville getragen worden, wo er im ersten Hotel der Stadt abstieg.

Und da behaupte noch einer, daß man von der Ehrlichkeit nicht leben kann; sicher wenig stens von der Ehrlichkeit der anderen.

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Ras Sehoum, der Negustreue, und Ras Gugsa, der Abtrünnige, sind Heerführer, der Raz Daschan aber ist ein Berg von annähernd Mont Blanc- Größe zwischen Adua und dem Tiana- See. Es gibt noch sehr viele Berge und Heerführer, die auf den Vornamen Ras hören, was außerdem noch ,, Höhepunkt eines Festes". Gipfel und Häuptling bedeutet. Das Wort ist uns dazu aus allen   europäischen Sprachen her vertraut, denn wir sprechen seit einigen Jahren besonders oft von Rasse". Diese ist gemeins samen Ursprungs mit dem abessinischen Heers führer-, bezw. Berggipfel- und Festeshöhepunkt­Ras, und die Wurzel geht auf das altsemitische Rosch oder Rausch zurück, das im Arabischen als Original- Ras fortlebt und gleichermaßen Kopf bedeutet. Einerseits brachten die Semiten den Ras nach   Aethiopien, andererseits die Araber nach   Spanien. Im Französischen des Mittels alters, zuerst in   Südfrankreich, wird das bes deutungsvolle Wörtchen zuerst von den   Mauren übernommen, bürgert sich schnell ein, veränderk etwas die Bedeutung Kopf"," Gipfel" und wird schließlich das, was heute Rasse" iſt.

Ruth beugte sich vor, sah René gerade ins Gesicht. ,, Mein Junge, dann zeig dich nicht mit mir. Sondern fahr schnell nach Hause, mit dem nächsten Zug. Was über mich im Wölfischen Beobachter" gestanden hat, war nicht von Pappe. Ich bin ja gewissermaßen stolz darauf. Aber für dich könnt's unangenehm werden. Ich tu auch hier so allerlei..." René zuckte zusammen. Ist das wahr?" Seine Stimme erstarb in Flüstern... Ich Was ebenfalls faum bekannt ist: Addis habe nichts gelesen." ,, So? Wundert mich. Abeb.. trägt annähernd denselben Namen wie Sonst alle Bekannten."- ,, Dann allerdings." die erste jüdische Großstadt Tel- Avib in Paläs Renés Hände zitterten. Ich geh lieber gleich. ftina, Abeba heißt Blume, beziv. Frühling, Nein, begleite mich nicht zum Bahnhof. Ist besser Addis   Abeba also nicht nur Neue Blume" so. Ober, können Sie mir fünf Mark in Kronen sondern auch Neuer Frühling". Der Stammt wechseln? Danke. Bitte zwei Kognats." Er trant sie beide allein. Drückte Ruth die Hand. Viel­leicht treffen wir uns mal an einem neutralen Ort. Später. War leichtsinnig von mir, in dieses Emigrantennest zu kommen." Er stand auf. Ver­schwand, den kleinen Koffer unterm Arm, nicht sehr sicheren Schrittes. Ruth sah auf die Uhr. Es war halb zwölf. Schade. Schade? Nein, um den nicht. Sollte er nur zu   Hitler fahren. Sollte er nur den Rest von Verstand vertrinken. Nur fein bürgerliches Mitleid, Um den da, um alle seines Schlages, war es nicht schade.

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des Frühlings( auf Abessinisch) ist identisch mit dem Stamm des Frühling( auf Hebräisch) A- b- b, beztv. A- v- b. Während aus ähnlichen Gründen die Kaiserin Bauodita mit der semis tischen Judith stammesgleich ist, zwar nicht im ethnologischen, aber im ethymologischen Sinne.

Auch das fruchtbare Sanskrit hat Abessi nien nicht mit seinen Einflüssen verschont, ebens sowenig wie die Umgangssprache frei ist von Wörtern, die die Bantuneger, die Haussa, die Fulbe und andere Schwarze mitgebracht haben. Siffana heißt das Pferdes koment aus dens