10/ bek! 137 DS

Das verzweifelte Hamburg

Ein Reisebericht für die., Deutsche Freiheit"

Am Ende der Illusionen

( Schluß)

In diesem unglaublichen Nazitohuwabohu ist die Stim mung in allen Ständen und Schichten gereizt und kritisch ge= worden. Der erzwungenen Schaumschlägerei der Zeitungen wurde man derart überdrüssig, daß der spontan einsehende doch anhaltende Beserstreit mehrere Zeitungen auch hier vernichtete. Dagegen kauft man deutschsprachige Auslands­zeitungen an allen Straßenecken, nicht nur in der inneren Stadt, sondern auch in den vorörtlichen Arbeitervierteln.

Ein ehemals Deutschnationaler erklärte mir offen: Wenn schon biedere alte Zeitungen durch Goebbels- Verordnungen erdrosselt werden, so sollte man doch wenigstens erwarten können, daß die nationalsozialistische Parteipresse etwas zu bieten hat. Aber das partei - amtliche Hamburger Tageblatt" erinnert in seinem fatalen Niveau an anfechtbare Lokalblät= ter peruanischer Hafenstädte. Das bietet man uns. Haus­frechtsdeutsch gesellt sich hier zu einer derartig niedrigen Ein­schätzung des Leserkreises, daß man nicht weiß, ob man em­pört sein oder schmunzeln soll."

Nun, außer SA.- Bräuten und Kleinbürgerfrauen macht dieses Konjunkturgewächs wohl feinem noch ernsthaft etwas vor, Mag es noch so unverfroren von wahren Arbeits­orgien berichten oder von dem riesigen Aufschwung des Schneidergewerbes durch Uniform- und Festanzugsauf­träge, es ist nicht zu verhindern, daß die Menschen mitein ander reden und ihr Teil sich denken.

Müller, Meier und Schulz müssen zwar Festanzüge bestel­len, dadurch jedoch sind sie gezwungen auf den längst geplan­ten Sonntagsanzug zu verzichten. Sie bedauern das laut beim Friseur, laut am Stammtisch und so weiß die ganze Stadt plößlich was 3usaßaufträge" praktisch bedeuten.

-

Das Tageblatt" brachte zum 21. März zur Eröffnung der Arbeitsschlacht- pompös die Meldung vom Bau eines(!) 16 000 Tonnen- Dampfers, der jetzt begonnen würde. Die ganze Stadt aber weiß, an diesem Kasten" wurden schon seit dem Herbst wenige Mann in Arbeit gehalten. Minister Klumpfuß, der als Propaganda chef die Arbeits­schlacht siegfriedhaft schlagen soll, tann fatalerweise das Den­ken, Reden und Raunen im Volk nicht ausschalten. Wieviel Kummer ihm das wohl macht. Aeußerliches Gleichschalten nützt erfahrungsgemäß gar nichts; nicht was die Zeitungen, sondern was seine Ladenkasse dem Geschäftsmann sagt, da s formt seine Ansichten. Wie leer die früher vollen Restau­rants, Kaufhäuser und Eisenbahnzüge sind, und tausend ähnliche Anhaltspunkte, sie werden dem Untertan der Dif­tatur zum Barometer, nach dem sein Unternehmungssinn sich richtet.

So ist zum Beispiel die weltbekannte große Gaststätte am Jungfernstieg, der Alster- Pavillon" zwar noch heute fast täglich gut besucht, aber wem entgeht es, daß vornehm nur noch Kellner und Kapelle tun? Seitdem dieses Unternehmen seine Preise den Massenkaffeehäusern angleichen mußte, um der Pleite zu entgehen, seitdem fizzen auch hier die einsamen, doch lächelnd einladenden Damen. Was früher milde ge­fagtundenkbar war. Diese Tasse Kaffee kostet 23 Pfennige! Das marmorne Bieber- Kaffee am Hauptbahnhof ist an den Folgen der nationalen Erhebung" bereits verendet und mit ihm diverse andere.

Diese tleinen Angelegenheiten mögen die in Jahrhunder: ten denkenden völkischen Geister übergehen; volkswirts schaftlich betrachtet, mögen sie von untergeordneter Bedens tung sein, aber volkspfychologisch find sie von geradezu verheerender Wirkung. Unheil Hitler " raunt man.

St. Pauli liegt in Agonie," sagte man mir, ich glaubte es nicht. Nun sehe ich es selbst: die Reeperbahn fade und leer, Bettler statt Betrieb, Rudel von Straßenmädeln in angst­voller Aufdringlichkeit: 3able, was Du kannst". Die Cases leer, die Tanzlokale bis auf wenige beer, Tanzmädel mit frampfhaftem Lächeln hoffen auf Gäste, die Geld bringen sol­len. In der Vergnügungsgasse Große Freiheit" nebenan in Altona wandere ich durch die Lokale. Magere Musik bei leerem Tanzparkett. Bitterster Existenzkampf. Existenz frampf.

Seitdem im Staatlichen Schauspielhaus vor der Egmont­Ouvertüre das Horst- Wessel- Lied stieg, fühlt man sich auch hier angeefelt. Theater- Pflichtbesuche der Beamten jedoch machen das Haus nicht voll. In den Kinos sollen auch hier die Hitlerreden und Paraden an peinlicher Stille des Publi­fums vorüberziehen. So berichtet man mir, und fügt hinzu, was ich bereits erfuhr: eine Wochenschau zeigte Göring in

seiner neuen Sfiuniform. Belustigte Stimmung soll immer wieder überall das Ergebnis gewesen, im Passage- Lichtspiel­theater in der Mönkebergstraße aber soll man einmal in schal­lendes Gelächter ausgebrochen sein, ein Wiz aus dem Dunkel hatte gezündet.

,, Göring - Wize verbreitet man ungeniert," erklärte man mir von verschiedenen Seiten. Warum soll ich das nicht glau­ben? Im ganzen Reich, in allen Schichten,( auch bei den ge­miedenen Nazis selbst!) spottet man über Minister Feners­brunst". An alle Gelegenheiten heftet sich der beißende Hohn. Notventile der Erbitterung.

-

In der Hauptstraße Steindamm, auf der der autorasende Statthalter feinen ersten Toten hinterließ, ist ein vor Raffenleere rafendgewordener Restaurateur auf die Idee verfallen, einen baumlangen Portier als bärenfell- beklei­deten Germanen mit Schild und Speer vor sein Lokal zu fiellen.

Der Erfolg war verblüffend: alles staunte, und man dachte nicht schlecht. Da verbot ihm eine Naziinstanz das falsch Ver­stehen der nationalen Erhebung. Der Germane verschwand, doch der Spott entstand. Göring habe hier nächtlicherweise infognito die Straßenmädel inspiziert, so redete man nun als er aber den Germanen zu Gesicht bekommen, da habe er vor Begierde geweint. Man mußte die Germanenuniform ihm schenken. In einem Raftersalon bekomme ich folgendes erzählt: Göring verlangt von seinem Chauffeur den neuesten Witz zu hören, der über ihn in dem niederen Volfe umgehe. Der legt los: Man sage, die Glocke des Reichspräsidenten werde nun abgeschafft, weil Göring mit den Orden rasseln will. Darauf tobt Göring schreckenerregend, bedroht den Chauffeur mit drei Jahren Razett, aber besinnt sich plötzlich und benußt die Situation zur Erpressung. Er werde ihn amnestieren, wenn er ihm jest restlos alles erzähle, was das

niedere Bolt über ihn sagt. Doch untertänig- zerknirscht bittet

der Chauffeur ums Kazett, denn das dauere doch wenigstens nur drei Jahre.

Hohnlachen, Spott und Witz sollen die fiebrige Gegenwart erträglicher machen. Die erbitterte Stimmung hier fand be­reits in der November- Wahl ihren Ausdruck, als Hamburg mit 16,1 Prozent ungültiger" Stimmen Herrn Hitler auf­wartete, bei 7,8 Prozent im Reichsdurchschnitt.

Rot sind sie

Wenn man sieht, wie vier ehrenbedolchte Nazi- Herren breit und frech in einer Reihe dahinschreiten, wie die Passanten ihnen ausweichen, stumm einen Blick ihnen nachwerfen; oder wenn man wie ich in der Hauptverkehrszeit am Rödings­markt stand und zufällig Zeuge wurde, wie ein höchst ele­ganzes Nazi- Auto vor einem Passanten- Uebergang stoppen muß, wie die Menschen langsam vor dem Wagen die Straße freuzen, ironisch- falte Blicke auf die beiden SA.- Offiziere werfen, die hochnäfig geradeaus ins Leere starren, wie auf dem Fußsteig Arbeitslose sich ansammeln, Hände in den Taschen, schweigend wer weiß was denken, wie alles dem scharf davonrasenden Wagen nachstarrt, bis der Bann sich löst, wer das sieht, der weiß Bescheid, welches Maß Spreng­stoff die Stimmung bereits enthält, und mag eine leise Vor­ahnung bekommen, wie hochnotpeinlich die gelobte Volks­gemeinschaft den Herren von Heute noch einmal werden kann. Gab es folche Begegnungen nicht schon einmal vor kaum zwanzig Jahren in Belgien ? War nicht solche Stimmung furz vorher in Zabern gewesen?

So mag es hier in Hamburg zur Zeit der französischen Besatzung ausgesehen haben, so in den Niederlanden unter Herzog Alba , als Egmont so zum Tode schritt, wie heute auch hier in Hamburg so mancher Freiheitskämpfer. Das Regime. hat sich zwar eingenistet und verschanzt, hat aleichgeschaltet und terrorisiert jeden Einzelnen, aber es wird die Stricke immer noch fester schnüren müssen; denn obwohl es weiß, daß jeden, ob Arbeiter, Bauer oder Bürger gerade das rebellisch macht, bleibt ihm doch keine Wahl, es muß auf die Ketten, es muß auf den Henker vertrauen. Weil ihm das Volk nicht vertraut.

Der Eroberer weiß, er hat trotz der Macht nicht das Volk. Ob seine Horcher ihm berichtet haben, daß auch hier in den norddeutschen Provinzen seine Anhänger bereits derart ge­mieden werden, daß sie sich hinweggewünscht fühlen und mehr und mehr aus diesem Motiv zusammenhalten und Privat- Kliquen, Inseln der Unglückseligen" bilden? Daß zum Aerger der Gastwirte die Gäste verstummen, unauf­fällig zahlen und gehen, wenn ihnen als Nazi bekannte Nachbarn eintreten?

Nationalsozialisten, Mitläufer aus Angst: genannt För dernde Mitglieder", Anbeter Hitlers und gewiß nicht wenige von diesen allen gibt es, aber wenn auch selbst außer diese noch manche andere hörige Dilettanten Wundertaten von dem falschen Messias erwarten- vielleicht in der dumpfen Ahnung, daß eben nur noch Wunder das Chaos verhindern fönnen so beginnt doch mehr und mehr die Opposition der Maffen Formen anzunehmen, die der Fremdherrschaft ernst haft zu denken geben.

Alarmierend wirkt vor allem, daß die düftere Oppofition nicht allein gegen die unerträglichen Verhältnisse, sondern einheitlich gerichtet ist gegen das Terror- Regime felbft. Trotzdem diese allgemeine Oppositions- Stimmung inhaltlich je nach Klasse, Stand und Interessen verschieden ist. Wer ehemals geprahlt hatte, man müsse den Nazis eine Chance geben, schlimmer fönne es nicht werden, wer kleinbürger­stolz seinen Haß gegen die Arbeiterklasse dokumentieren wollte und mit der Redensart: so kann es nicht weitergehen, Nazi gewählt, und dieser Sorte damit zur Macht verholfen hat, dessen Stimmungs- Inhalt muß heute begreiflicherweise anderer Art sein, als der der Arbeiterklasse. Der Arbeiter wundert sich über nichts was geschieht, denn er hat nie etwas anderes erwartet. So braucht er nicht erst durch tägliche Enttäuschungen zur Besinnung gezwungen zu werden, welchen Prozeß der Kleinbürger heute langsam und wider willig durchmachen muß. Die Stimmung der Arbeiterschaft in Hamburg ist hart und entschlossen. Ich stand am Baumwall, wo aus dem Hafengebiet die Arbeitermassen zurückfluteten in die Stadt. Ihre Mienen sprachen von verhaltenem Haß, Mut und Verachtung. Vor dem Arbeitsamt unter Arbeits­losen stand ich, war in den Arbeitervierteln, war mit Ge nossen zusammen. Not sind sie. Das zu sagen genügt. Wo gärt es eigentlich nicht?

-

Auf einer NSBO.- Versammlung beschwerten sich einige Arbeiter, während der Arbeit vom Antreiber stets mit der Hitlergruß belästigt zu werden. Der Versammlungsleiter baute ihnen eine goldene Brücke zum Rückzug. Sie traten ihn nicht an. Sie ließen sich aus der Versammlung heraus verhaften. Kaufmann, der Urkundenfälscher und Statt halter sprach am 21. März zur Eröffnung der Arbeitsschlacht in den Werft- Betrieben von Blohm u. Voß. Nieter, Stemmer und Bohrer beschlossen, der Rede gefchloffen fernzubleiben. Die Wirkung auf die Belegschaft- jett 4000 Mann- war durchschlagend: schäßungsweise 2500 bis 3000 Mann demon strierten durch Abwesenheit. So berichteten mir zwei eina ander unbekannte Genossen.

In endloser Folge ließen sich diese kleinen Alltagsdinge berichten, jedes an sich zwar unbedeutend

in ihrer psychologischen Wirksamkeit.

-

bedeutsam abcr Oben fißen wir Beamten in den Amtsstuben, sind aften­überlastet, wissen das aufgezwungene höhere Arbeitspensum nicht zu bewältigen und sehen unten auf der Straße unseren abgebauten Kollegen stehen, der nichts als arbeiten will. Da bei werde einer nicht wild!"

Wo gärt es eigentlich nicht? Es gärt überall.

Die Zeiten schlimmer fanns nicht werden" sind einem Zustand brütender Verzweiflung gewichen, in dem man heute Wunder erhofft und morgen das Schlimmste befürchtet. Verzweifelt, aber machtlos beginnt man zu erkennen, daßg irgend eine Katastrophe herannaht. Jeder fühlt es, feiner vermag seine Vorahnung zu ignorieren. Das geht aus allem hervor.

Verzweifelte Exporteur- Kreise, verzweifelter Mittelstand, verzweifelte Arbeitslose und das Gefährlichste: vers zweifelte Frauen einer wortfarg- abwartenden, flaffens bewußten Arbeiterschaft.

Mögen sie hassen, wenn sie nur fürchten!" Nach solcher Weisheit möge Herr Hitler auf Hölle und Henker vertrauen, wo es in allen Schichten des Volfes gärt, wo in gemeinsamer bitterer Not eine Volksgemeinschaft sich kristallisiert, die nichts zu verlieren hat als Hitlerketten.

Soviel ist heute bereits gewiß: Ein Termin liegt in unserer Rukrnit, unabwendbar: der Zusammenbruch des dritten Reiches.

Offen steht nur die Frage, ob vor dem geplanten Krieg oder darin. Hier im roten Hamburg wurde mir wieder die Auffassung bekräftigt, nicht die Arbeiterklasse allein, sondern das Volf, das ganze, verzweifelte, ausgeplünderte Volt mird sich erheben unter Führung der kämpfenden Arbeiters tlaffe. Robert Rocker.

Anno 17

Keine reinen Wollstoffe mehr

In Hitler- Deutschland werden wegen Rohstoffmangels keine reinen Wollstoffe und Wollgewebe mehr angefertigt, vielmehr muß in diese ein bestimmtes Quantum Bistra" eingewebt werden, eine aus Holzfaser fabrizierte Kunst­wolle.

Die Stoffe werden dadurch minderwertig. Im Ge­brauch vernußt Vistra sich viel rascher ab als echte Wolle. Der Vistra- Faden reißt sehr bald, wird durch den Schweiß sehr viel stärker angegriffen und zerfressen als wolle. Bistra ist nicht beständig gegen Nässe, wird durch Waschen spröde und hart wie Noßhaar. Außerdem nehmen die Bistrafäden beim Färben der Stoffe leicht eine andere Tönung an als die Wollfäden, worunter das äußere Ansehen der Ersatzstoffe vielfach leidet.

Wollen Sie Bistra- Ramsch statt Wolle tragen? Dann stimmen Sie für Hitler!

Deutsche Konfektionsfilialen in England

20 große Berliner Konfektionsfirmen errichten Filialen in England. Als Grund wird angegeben, daß England immer ein starker Käufer, speziell für Damenkleider und Damen­mäntel gewesen sei und daß die englischen Zolltarife Schwierigkeiten böten. Außerdem seien auch noch andere Gründe" maßgebend gewesen. Daß diese anderen Gründe direkt und indirkt mit dem dritten Reich" zusammen­hängen, versteht sich von selbst. Trotz des Widerstandes der englischen Konkurrenz ist die englische Genehmigung er­folgt, wobei als Bedingung gestellt wurde, daß die Betriebe sich überwiegend in Lancashire niederlassen müssen, um der dortigen Arbeitslosigkeit zu steuern. Auch von deutscher Seite lagen große Bedenken vor, und zwar wegen des Devisenausfalls. Es wurden gleichfalls eine Reihe Bedingungen aufgestellt, deren Ausführung durch einen Treuhänder überwacht wird. Danach müssen die deutschen

von

Deutschland verschleudert Getreide im Ausland

Die ungewöhnlich ungünstige Ernte hat in Deutschland be­kanntlich zu Zwangsmaßnahmen in der Getreidewirtschaft geführt. Die Lebensmittelversorgung der deutschen Be­völkerung scheint ernsthaft bedroht und hat bereits zu erheblichen Preissteigerungen geführt. Herr Schacht hat sich daher durch Vermittelung seines Freundes Montague Norman , des Präsidenten der Bank von England , um einen erheblichen Warenkredit in den USA . bemüht, der zur Lieferung von Rohstoffen und Lebensmitteln nach Deutsch­ land benutzt werden soll.

Infolge dieser Lage war folgende Meldung sehr merk­würdig, die vor kurzem in einem Teil der deutschen Presse auftauchte. Danach soll angeblich die I. G. Farben in Hol­ land und England rumänisches Getreide billiger angeboten haben als es dem Ursprungsland möglich war. Die rumänische Regierung sollte daher gegen diese Schleuderkonkurrenz protestiert haben.

Die Verbindung der I. G. Farben mit Getreideverkäufen machte diese Nachricht noch schleierhafter. Der Budapester Korrespondent der Wiener Finanzzeitung ,, Die Börse" bringt jetzt jedoch eine Bestätigung für diese Getreide- Schleuder­verkäufe, indem er schreibt:

,, Nun steht das ,, dritte Reich" in Devisen vis a vis de rien und führt eine Handelspolitik, die sicherlich nicht gewollt, aber im Endergebnis doch an den fraudulösen Schuldner erinnert, der Waren zusammenkauft und diese tief unter

Betriebe aufrechterhalten werden und dürfen keine Ent­lassungen vornehmen, der Export muß aus den Haupt­betrieben erfolgen, während die englischen Filialen nur das Empire beliefern dürfen, die Stoffe und Zutaten müssen zu 50 Prozent deutschen Ursprungs sein, und irgendwelche sonstigen Kapitalstransferierungen sind untersagt,

dem Preis zu Geld macht, wie ja ein großer Teil der be zogenen Waren in Rotterdam oder sonst irgendwo zum Ver kauf gelangt. So macht sich denn Deutschland aus den un garischen Waren Geld...."

In dieser Notiz wird klar zum Ausdruck gebracht, daß Deutschland zur Beseitigung seiner selbstverschuldeten Devisennot wie ein betrügerischer Bankrotteur handelt, in­dem es Waren im Ausland kauft, um sie auf anderen Aus landsmärkten für jeden Preis wieder abzustoßen

Man ist entsetzt über das neue Verbrechen, das dem deutschen Volk zugefügt wird, indem die Leiter seiner Wirtschaftspolitik trots drohender Hungerkatastrophe Ge treide im Ausland verschleudern, um sich weitere Devise zur Fortführung der Kriegswirtschaft zu verschaffen. Abe man darf kaum erwarten, daß die gegenwärtigen Macht haber in Deutschland den ihnen in der ,, Börse" gemachtet Vorwurf des betrügerischen Bankrotts sehr tragisch nehmes werden. Man hatte sie bereits viel schwerer beschuldigt, man hatte sie im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand als Brandstifter und nach dem 30. Juni als Massenmörder be­zeichnet. Auch die Welt hat kaum auf die vielen Unge­heuerlichkeiten reagiert, die in Deutschland bisher geschehen sind und heute noch täglich vorkommen. Vielleicht trägt die Tatsache des betrügerischen Bankrotts dazu bei, daß das Ausland jetzt diejenige Konsequenz zieht, die geeignet ist, den Unruheherd in Mitteleuropa zum Erlöschen zu bringen: den wirtschaftlichen Boykott. Fg.

-

Textilmesse abgesagt

Die übliche Textiljahresmesse, die Königsberger Weiße Woche", ist auf Beschluß der Textilwarenhändler Ost­ preußens wegen der zunehmenden Rohstoffknappheit abge sagt worden.