Es ist Kricg!"

I

Gespräche mit Deutschen

Schnurgerade in die Katastrophe

Die Gesamtauflage der deutschen Zeitungen schrumpft.

Man betritt das Gebäude einer der großen Zeitungen von früher, die trotz Gleichschaltung und bereitwilliger Ein­stellung von Zwangsnazis" die Zeche bezahlen müssen, mit ähnlichen Gefühlen wie ein Sterbehaus.

Immer wieder bekommt man zu hören: Zeitung lese ich nicht mehr. Ich halte das Parteiblatt, um mich nicht ver­dächtig zu machen. Mir genügt das Radio." Weil man versteht sich, mit Zimmerstärke ausländische Sender ein­stellen kann.

1

-

Wie lange ist es her, seit ich den klugen, sicher abwägenden Journalisten zuletzt sah, der hier als Schriftleiter des Handelsteils" waltet? Gleich bei der Begrüßung heimelt mich seine nüchterne, sachliche Art an. Wenn man von der Schweiz kommt, fällt einem an den meisten Menschen die Dauererregung auf, in der sie sich befinden, ohne es zu merken.

Das war doch in Weimar , erinnert er mich, auf der Pressetribüne der Nationalversammlung . Vor fünfzehn Jah­ren die bewußten 15 Jahre, die das Leitmotiv der Führer­reden sind. Wissen Sie noch Ihnen wie mir hing der end­lose Kuhhandel zwischen Zentrum, Volkspartei und Sozial­demokraten über die neuen Reichsfarben zum Halse heraus. Mit Schulfragen und was weiß ich, wurden sie verquickt. Das Ergebnis war dann die famose Gösch" in der Ecke des schwarzweißroten Banners. Ich entsinne mich jetzt wieder deutlich, wie Sie eines Abends zu dem Minister ohne Porte­feuille Dr. David sagten: Diese Gösch ist das Sinnbild eures Flickwerts. Sie wird eines Tages eure ganze schwarz­rotgoldene Fahne auffressen.""

Nur das Hakenkreuz fehlte damals noch. Ich vermisse es übrigens an Ihrem Rockfragen."

Ich bin der Partei nicht beigetreten. Und ich habe gut daran getan. Man genießt so mehr Achtung als die März gefallenen", die man für alle Unstimmigkeiten in der Partei verantwortlich macht."

» Gehört Schacht nicht auch zu ihnen?"

" Ich weiß nicht genau, wann er den Weg zu Hitler ge= funden hat. Aber wenn Sie Herrn Feder oder Herrn v. Ren­teln fragen, wird er ihn geradezu als Verkörperung dieser Sorte von Parteigenossen bezeichnen. Es geht ihnen wie den Konvertiten in ihrer neuen firchlichen Gemeinschaft: sie sind in Wort und Dienst die Eifrigsten, aber die im Glauben Erzogenen warten mißtrauisch ab, wieviel davon sich nach einiger Zeit als Strohfeuer erweist. Und ich glaube, bei Herrn Schacht haben sie Grund dazu."

Die im Glauben Erzogenen sollen offenbar nun zur Ge­duld erzogen werden. Nach dem Schicksal Röhms wird es sie nicht gelüften, und die Verkündigung des tausendjährigen Reichs hat ihre ungestümen Hoffnungen wie Gummifäden in die Länge gezogen. Ist ihnen nur der Mut zum Auf­mucken vergangen, mottet das Feuer der zweiten Revolu­tion im geheimen weiter, oder ist ein unsichtbares Etwas da, das die alten Getreuen bestimint, ihrem Führer über­zeugt zu folgen? Er mutet ihnen doch genügend zu: die Staatsgewalt stützt er allein auf die Reichswehr und macht aus seiner SA. eine Heilsarmee; statt Herrn Feder die Zinsknechtschaft brechen zu lassen, setzt er den selbstherrlichen Herrn Schacht über die Wirtschaft von fragwürdigen Experimenten" will er jetzt nichts wissen. Dazu rechnet er auch den ersten großzügigen Siedlungsplan, den der Königs­berger Oberpräsident Koch , der Ostpreußen vor der Ver­elendung retten will; der Koch- Plan" scheint den Junkern zuliebe still beerdigt worden zu sein. Die Couleurstudenten, unter Vortritt der Korps, setzen durch, daß aus der akade­mischen Einheitserziehung in den ersten Semestern nichts wird wenn es auf diesem Wege veitergeht..."

Es geht weiter. Seit furzem fängt auch das Auswärtige Amt an, die Nebendiplomatie des Herrn Rosenberg abzuschütteln. Deutschland ist nationalsozialistisch ge­worden" heißt: die Schlagwörter des Nationalsozialismus sind vom ganzen ziemlich widerstandslos aufgenommen wor­den; aber sie sind zu oberflächlich, um in die Tiefe zu wirken. Die Sturzflut, die alles überspülte, beginnt dahin zurück­zuebben, von wo sie fam: zur Jugend, zum Nachwuchs, der das dritte Reich" erst verwirklichen soll. Das Feld der Gegenwart wird immer mehr den Gruppen überlassen, die im Grunde von jeher die Träger des politischen Willens in Deutschland waren: Wirtschaft( lies: Schwerindustrie), Ver­waltung( lies: Bürokratie), Wehrmacht( lies: Junkertum). Diese Entwicklung ist alles andere als freiwillig. Zwei Gründe haben sie bestimmt: Der" Apparat" hat sich als stär­fer erwiesen als der Ansturm auf ihn; die sachkundigen, die im guten wie im schlimmen Sinn fonservativen Kräfte be­haupten sich. Mögen noch so viele Befehlsstellen mit wasch­echten Nationalsozialisten besetzt sein, fie arbeiten sich ein, ordnen sich ein. Hier wirkt das zweite Moment, das un­fichtbare Etwas", das Sie richtig wittern: Disziplin ist die Losung der Stunde, denn..." Er zögerte und sah mich ernst an.

Es ist Krieg-

Das stillhaltende Ausland," warf ich ein, läßt sich von

Herrn Schacht vorhalten, es kaufe aus politischer Abneigung nicht genug deutsche Waren und habe es sich darum selbst Und der selbe Herr Schacht beschwört die ausländischen Im­zuzuschreiben, wenn es sich als Gläubiger bescheiden müsse. porteure, deutsche Waren zu kaufen, damit Deutschland Schulden bezahlen könne. Aber es benüßt die Devisen nur, um noch mehr Rohstoffe hereinzuholen zur Auffüllung seiner Lager und zur Verstärkung seiner Rüstung. Dann kommt Herr Schacht wieder und verspricht gnädigst, in vielleicht zwei Jahren, wenn Deutschland bis an die Zähne bewaffnet sein wird, über die Wiederaufnahme des Zinsendienstes mit sich reden zu lassen."

Der unterrichtete Volkswirt lächelt schmerzlich. Stimmt! Und im Inland steigert man das Volk durch maßlose Ueber= treibung der Wirkungen des Boykotts langsam in eine echte Kriegspsychose hinein. Bis weit hinauf ist es schon wie 1914 überzeugt, daß ihm dieser Krieg vom Ausland aufgezwungen ist. Dabei schmeichelt es seinem Selbstgefühl, daß Deutschland , das Schuldnerland, das Gesetz des Handelns an sich gerissen hat, zum Angriff übergegangen ist. Dafür stellen die Nationalsozialisten willig manchen Lieblingswunsch zurück. Niemand liebt Herrn Schacht; aber er hat freie Bahn." Und in dieser Kampfstimmung geht der letzte Rest von Gerechtigkeits- und Anstandsgefühl gegenüber dem auslän­dischen Gläubiger verloren!"

-

-

-

Die Gefühle gegenüber den Gläubigern sind auch bei den anständigen Deutschen und Sie werden mich doch hoffent lich noch dazu zählen! so gemischt wie die Gesellschaft der Gläubiger selbst. Sie sehen mich erstaunt an ich will es Ihnen erklären. Da sind einmal die Dawes- und Young­anleihen, deren unglückliche Zeichner in ihrer großen Mehr= heit die ehrenwertesten Männer der Finanzwelt sein mögen; aber den Titeln haftet das Andenken an die große Er­pressung von Versailles an, deren letztes Ueberbleibsel sie sind. Man denkt gar nicht mehr im einzelnen an den finan­ziellen Dilettantismus der Friedensmacher und ihrer Sach­walter in der ersten Nachkriegszeit, als man Deutschland das Geld pumpte, erst um ungeheure Barzahlungen zu lei= sten, dann um seine Industrien für umfangreiche Sachliefe­rungen auszurüsten, die, kaum begonnen, von den andern

Induſtrieländern verweigert wurden, an die verzweifelte Abwehr gegen die uferlosen Forderungen durch eine ebenso uferlose Inflation usw. Aber die Gefühle von damals leben in einem dunklen nationalen Groll gegen diese bevorzugten Anleihen fort, durch die der letzte, zusammengeschrumpfte Rest der politischen Forderungen in private Ansprüche um­gewandelt wurde. Echachts Neuschöpfung der Mart hatte das Vertrauen viel zu weitgehend wieder hergestellt. Man muß es erlebt haben, wie den Großunternehmen, vor allem aber den Gemeinden für ihre Wohnbauten, das amerikanische Geld über französische, holländische, schweizerische Banken durch geschäftige Mittelsleute zugetragen wurde, die nur an den Provisionen tatsächlich über Nacht reich wurden, denn die Geschäfte wurden nicht selten in den Nachtlokalen ver­handelt. Von den zehn Milliarden deutschen Fluchtkapitals floß auf ähnlichen Wegen ein beträchtlicher Teil über die ausländischen Banken wieder als Kredit ins Land. Mit 7, 9 und mehr Prozent wurden diese faulen Anlagen jahrelang verzinst. Dem leichtsinnigen Geldgeber, den damals die hohen Zinsen verlockten, antwortet heute der leichtfertige Bonkrot­teur. Daß dabei die vielen soliden, wirtschaftlich gar nicht gefährdeten Anlagen des Auslandes mit notleidend werden, daran denkt er nicht. Er sieht nur, wieviel von der durch Kriegshaß, wirtschaftliche Unvernunft und frivole Spefula­tion gehäuften Riesenschuld er schon bezahlt hat, und findet es ganz in der Ordnung, wenn Herr Schacht erklärt: Bis hierher und nicht weiter!"

Man könnte meinen, Herr Doktor, Sie billigen diesen Standpunkt."

Ich billige nicht, ich erkläre bloß. Denn nur die beiden Ziele: Abschüttlung der Auslandsschulden und Kriegs­rüstung, geben dem wirtschaftlichen Wahnsinn Methode und allen Einzelvorgängen einen Sinn. Wer das Bild unserer Wirtschaft täglich vor Augen hat, für den kann es feinen Zweifel mehr geben, daß an Umfehr oder Halt auf diesem Wege nicht mehr zu denken ist und daß er- ans materiellen, psychologischen und innerpolitischen Gründen schnurgerade in eine Katastrophe führt. Ob in eine innere, oder nicht eher in den offenen Krieg, das fragt sich. Der deutsche Wirtschafts­kampf bedroht den europäischen Frieden mehr als alle außen­politischen Spannungen. Dabei besteht tatsächlich bei feinem der leitenden Männer, auch bei Hitler nicht, der Vorsatz, einen Krieg zu entfesseln, oder gar ein bestimmter Plan dazu."

Sie sprechen das Entseßliche so rubig und selbstverständ­lich aus. Ich würde aber gern mit Ihren Augen einen Blick in die Wirtschaft tun, um mich zu überzeugen hoffentlich vom Gegenteil!"

Namen nennen!"

sprechen Sie es nur aus. Das hat mir schon ein junger Synt Abfuhr eines Nazibonzen dikus in X. erzählen wollen."

" Sagen wir: Deutschland streift die Fesseln von Versailles ab. Es kündet dem Hüter des Vertrags, dem Völkerbund, die Gefolgschaft, dann geht es daran, sich wirtschaftlich die Hände freizumachen und sich eine starke Kriegsrüstung zu schaffen. Wie Frankreich zuerst seine Ostgrenze befestigte, über die 1924 die deutschen Heere in sein Land fluteten, so fichert Schacht zuerst Deutschlands Ernährung und Versor: gung mit Rohstoffen, durch deren Mangel es den Krieg vers lor. Die gesteigerte Einfuhr und andere ebenso planmäßige und zielbewußte Schachtzüge" entblößen das Land von De­visen, es muß" den Zinsendienst für alle Auslandsschulden einstellen, das fremde Geld bleibt und rüstet- im Lande. Eine Wirtschaft aber, die einzig nach politischen und nicht mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geleitet wird, lebt im Kriegszustand. Das Volt beginnt es mit wachsendem Grauen zu begreifen. Es schimpft über die Zwangswirtschaft, wo es sie schon zu spüren befommt, aber im Grunde billigt es das politische Ziel. Darum verrechnet sich das Ausland, wenn es erwartet, die wirtschaftliche Not könnte das Regime bedrohen."

-

W. im Berner Bund".

Man schreibt uns aus Württemberg : Stürzlich fand in Stuttgart eine von der Arbeitsfront einberufene Versamm­lung statt. Der jezige Verbandsleiter der Buchdrucker hielt ein Referat, in welchem er insbesondere die Buchdrucker er­mahnte, sie sollten sich von den Lumpen und Gaunern, die die Groschen der Arbeiter unterschlagen hätten, nicht auf­hezen lassen. Kaum hatte der Referent das in den Saal hin­eingebrüllt, fing es an allen Ecken an Zwischenrufe zu hageln. Unter anderem: Wo sind die Lumpen und Gauner, die unsere Beitragsgelder unterschlagen haben, wir wollen es wissen; Namen nen nen!" Als dies immer stürmischer gefordert wurde, gab der Referent ganz kleinlaut bei und sagte: Er habe nicht die früheren Angestellten des Buchdrucker Verbandes gemeint. Hier set ausnahmsweise allesin Ordnung gewesen!"

Darauf setzte der Sprechchor der Versammlungsbesucher er neut ein: Wenn es nicht bei uns gewesen ist, wo war es dann." Weil der schöne Herr Referent auch feinen anderen Verband nennen fomite wo Unterschlagungen begangen wurden, brüllte er in den Saal: Er verbitte sich ie den 3 wissenruf! Darauf allgemeiner Tumult und Auffliegen der Versammlung.

In höchster Gefahr! Ossietzky und Küster

எண்படு

Man schreibt uns aus Antwerpen : Folgender Briefnur Namen fortgelassen- geht mir soeben aus Holland zu. Vielleicht( vielleicht!) werden sich die braunen Henker genieren, ihre Absichten durchzu­oder wenigstens wenige Menschen in der Welt immer sezen, wenn sie in ihrem Blatte lesen, daß die Welt noch das Martyrium der Eingekerkerten mitfühlt. Der Brief stammt von einem bekannten Publizisten, dessen Name mit Rücksicht auf seine in Deutschland leben­den Angehörigen nicht genannt werden kann:

... Du hast mir angeboten, mir die Reisespejen nach Paris zu erseßen, ich muß Dich beim Wort nehmen. Aber nicht nach Paris , sondern für eine Reise nach London . Wir waren gestern abend bei N. N.( bekannten holländischer Politifer), in Eile und Aufregung fann ich Dir die Einzel­heiten erst später schildern. Kurz: Für Frizz Küster und Karl v. Ossießfy liegt die Sache so, daß, wenn wir jetzt nicht alles dranjeßen, wir später nichts mehr für sie tun tönnen wenn nämlich sie den gleichen Weg gegangen sind wie Fechenbach, Mühsam und unzählige andere. Daß wir für unser ganzes Leben mit dem Gefühl belastet bleiben, für die Rettung unserer Kameraden lezten Endes doch nichts als akademische Gefühle aufgebracht zu haben... Wir waren also bei N. N., der erschüttert und ergriffen war. Er erbat sich, diese Woche noch mit einem von uns nach London zu fahren und zu Lord Ponsonby zu gehen. Ob es was gibt, ob Ponsonby uns überhaupt empfängt, ich weiß es nicht. N. N. macht uns Mut, er hält es für selbstverständlich, und schließlich- er ist fein Unbekannter oder der erste beste. Keine große Hoffnung, aber wir müssen eben alles tun, was nur die geringste Aussicht bietet, ihr Leben zu retten. Ich muß mit, N. N. verlangt es, schick' mir das Reisegeld,

-

und was dann noch fehlt, hoffe ich aufzutreiben. Ich muß! Es ist vielleicht die letzte Chance, heute ist es viel­Teicht noch Zeit! Mir hat die Nachricht von der Situation. in der K. und O. sich befinden, so zugesetzt, daß ich entschlossen war, nach Deutschland zu fahren... ein heroischer Unsinn, ich weiß es. Aber schließlich, wenn man gegenüber den täg­lichen Greueln noch so sehr abstumpft, auch in diesem Falle wie­der untätig zugesehen zu haben, bis die Nachricht vom Selbst­mord" fommt, ich ertrüge es nicht und hätte dafür zu büßen bis an mein Ende!- Von meinen persönlichen Abenteuern kann ich Dir jetzt nichts erzählen, zuerst muß ich nach London . Bis dat qui cito dat, und das heißt: Vier­fach gibt, wer das Doppelte schnell gibt.

Marxistische Korruption"

Von Marxisten selbst aufgedeckt

Berlin , 15. Nov. In der verleumderischen Propaganda, die Hitler und Goebbels nach der Machtergreifung gegen die angebliche marristische Korruption" einleiteten, und für die bisher nicht in einem einzigen Falle ein Beweis vorliegt, stand die Finanzgebarung in den deutschen Sende­gesellschaften an erster Stelle. Nun sind schon 6 Tage des großen Rundfunkprozesses in Berlin vergangen, ohne daß auch nur die Spur einer marristischen Storruption" auf­gedeckt worden wäre. Der Hauptangeklagte Dr. Bre do w hat sich feierlich dagegen verwahrt, jemals Marrist gewesen zu sein. Niemand hat die Wahrheit seiner Erklärung be­stritten, denn es fann nicht gut bewiesen werden, daß er Marrist" war; er hat niemals geistige oder organisatorische Beziehungen zum Marrismus unterhalten.***** be

Noch bemerkenswerter ist, daß nun an Gerichtsstelle be­wiesen wird, wie gerade die Marristen an den überhöhten Gehältern im deutschen Rundfunk mit Erfolg Kritik geübt haben und Gehaltssenkungen verlangten, lange vor den Nationalsozialisten. Zitieren wir wörtlich den gleichgeschal­teten Pressebericht:

In einem Rundschreiben wird davon gesprochen, daß int einer Sigung des Verwaltungsrates der Reichspost vom März 1928 ein Redner erklärt habe, es sei ihm aufgefallen, daß die Sendegesellschaften zum Teil recht mert­würdig wirtschafteten, viel zu hohe Dividenden und obendrein noch Tantiemen ausschütteten. Ein anderes Mitglied hatte damals den Lurus und die Großzügig­keit der Gesellschaften in bezug auf die Gehälter gerügt. Borsigender: Diese Rundschreiben zeigen, daß schon da­mals Vorwürfe wegen der Verschwendungssucht bei den Rundfunkgesellschaften erhoben worden sind.

Bredow: Diese Vorwürfe haben eigentlich nur poli= tische Hintergründe; denn sie wurden fast aus= fchließlich von Sozialdemokraten und Kom­munisten erhoben und sind in keinem einzigen Falle sachlich belegt worden.

Vorsigender: Daß die Vorwürfe in der Deffentlichkeit erhoben wurden, mag gewisse politische Hintergründe haben, aber dies beweist nichts gegen die Richtigkeit der Anschuldigungen.

Staatsanwalt: Sie stellen es so dar, Herr Dr. Bredow, als ob diese Vorwürfe nur von Kommunisten und Sozial­demokraten erhoben worden seien. Hat nicht auch der jezige Reichsstatthalter von Hessen , der damalige national­sozialistische Reichstagsabgeordnete Sprenger, als Mitglied des Verwaltungsrates der Reichspost gegen den Rundfunk und die dortige Mißwirtschaft ähnliche Erklärungen abgegeben.

Bredow: Diese Vorwürfe sind von Sprenger erst später erhoben worden, aber der Abp ordnete Sprenger stand ja auch in schärfster Opposition gegen das damalige Regime...

Wo bleibt da die margistische Korruption"?

Die gerichtlichen Feststellungen werden den deutschen " Führer" schwerlich davon abhalten, in einer seiner nächsten Reden wieder gegen die Korruption der schmachvollen vier­zehn Jahre" zu brüllen.

Die Reichspost

In und außer dem Dienst ,, Heil Hitler !"

Der Pressedienst des Reichspostministeriums teilt mit: Nach Vereinigung des Amtes des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers und der Zusammenfassung der Obersten Re­gierungsgewalt in der Person des Führers sind die Be­amten auf die Person des Führers vereidigt worden. Der Reichspostminister fordert nunmehr in einem Erlaß das Per­fonal der Deutschen Reichspost auf, den deutschen Gruß im Dienst und außer Dienst nur noch durch Erheben des rechten Armes und den gleichzeitigen deutlichen Ausspruch Heil Hitler !" auszuführen. Beamte, die wegen eines förper­lichen Fehlers oder sonst am Gebrauch des rechten Armes verhindert sind, sollen möglichst den linken Arm erheben.