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Die Revolte im Zuchthaus.
Das Zuchthaus lag auf einer Anhöhe, un- I führer aussuchen. Tja." Die Leute beklagen fich weit des Bahnhofes. Die Reisenden, die vorüber seit einigen Tagen über das Essen, Herr Direktor! fuhren, blidten teilnahmslos auf das graue,„ Ach was, das Essen ist vorzüglich. Wir viereckige Gebäude, das einer drohenden können doch den Kerls keinen Gänsebraten vorFestung glich. Ab und zu deutete wohl einer feßen hähä. Dann gingen sie überhaupt nicht der Fahrgäste auf die Anstalt und murmelte: mehr raus, Tja, was ich noch sagen wollte „ Die sind gut aufgehoben." Das glich dem sorgen Sie doch dafür, daß morgen alle zum Rülpser eines Satten, der sichtlich interessiert Kirchgang antreten. Da muß den Kerls' n biß= susah, wie sich zwei Hungrige um ein Stüdchen chen ins Gewissen geredet werden." Brot balgten.
An einem Wintertage, Schnee fiel vom Himmel, wurden drei männliche Personen in einen vor dem Bahnhose haltenden Wagen geloden. Sie zogen ihre abgetragenen Sommerpalatots fest an die Glieder und rückten dicht aneinander, denn falter Wind fogte durch die Kalesche. Der Aufseher, das Gewehr zwischen den Knien, blätterte in den Aften. Zehn Jahre Buchthaus wegen Totschlags," Fünf Jahre Zuchthaus wegen versuchten Raubmordes," Drei Jahre Zuchthaus wegen Aufruhrs." Der Beamte murmelte die Zahlen gleichgültig vor fich hin. Dann stampfte er ungeduldig mit den Füßen auf.
Der Wagen hielt. Als der Kutscher mit der Beitsche Inallte, öffneten sich die schte ren eisernen Türen, und knirschend fuhr die Kalesche durch den Torweg.
Die Gefangenen wurden in den Aufnahmeraum geführt. Ihre froststarren Züge lösten sich. Dumpfige, aber warme Luft soylug ihnen entgegen. Ein langer Beamter trot auf sie zu. Berlas ihre Namen. Als er den kleinen, podennarbigen Gefangenen sah, niff er ein Auge susammen. ,, Na, auch wieder hier? Haft es draufen nicht lange ausgehalten." Der Kleine grinste. ,, Ach, Herr Inspekta, de anständin Leite Lommen alle widda surück!" Der Beamte tat, als hätte er die Antwort überhört. Er ließ die Gefangenen abführen.
Jawohl, Herr Direktor!"
Am Abend wurden die Gefangenen aus ihren Arbeisräumen in die Zellen geführt. Sie schlangen gierig ihre Suppen herunter. Als sie auf den Matratzen lagen, bohrten sich ihre Blide durch die Mauern des Zuchthauses. Sie sahen schneebedeckte Felder. Rote und grüne Lichter auf der Bahnstrede. Sie blickten in durchwärmte Wohnräume, wo Menschen friedlich nebeneinander saßen. Sie sahen Ballsäle, in denen junge Mädchen tanzten. Ach, wie lange hatten sie kein Mädchen in den Armen gehalten. Waren nicht auch sie einmal jung? Hatten eine Mutter, die sich um sie sorgte? Da lag mancher Gefangene tränenüberströmt. Da biß mancher Zuchthäusler in die Dede. Biele aber lomiten nicht mehr weinen.
Als die zwölfte Stunde vorüber war, löste jich im Flügel A ein Sträffing aus einer Nische. Er schlich an die Zellen, schob leise die Riegel zurück, öffnete die Schlösser. Die Gefangenen schnellten von den Lagerstätten hoch. Blieben lauschend an den nur angelehnten Türen stehen. Ihre Pulse flogen. Ihr Mund war troden. Als der Aufseher wieder die Galerie betrat, flog eine Gestalt auf ihn zu, ein würgender Griff legte sich um seine Kehle, langsam fiel er zu sammen. Die Leiche des Wärters wurde in eine Zelle geworfen. Langsam, wie die Katzen schlichen die Sträflinge den Gang entlang. ,, Bangsam langsam... hinlegen. ist schon vorbei du nimmst den Ober... du Telephon still", und dann flogen sie vorwärts, würgten den Oberaufseher, der auf der Brüce des Miitelganges saß, drangen in die Wachstube ein, schlugen die schlafenden Beamten nieder, zerschnitten sämtliche Telephonleitungen und bemächtigten sich der Schlüssel und Waffen.
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Um die Mittagstunde schlug die Glode auf bem Gang. Die Aufseher rasselten mit den Schlüsseln. Der Stalfaftor schleppte mit einem anderen Gefangenen den Estübel herbei. Der Aufseher öffnete die in den Zellentüren befind lichen Klappen, ein Arm mit einem Napf, in den die dünne Suppe geschüttet wurde, tam zum Vorschein. Sie gingen weiter. Von Zelle zu Zelle. Manchmal ein Fluch über das schlechte Effen. Ein Fluch, der durch den Knall der zu- liche Aufseher wurden zertreten. Einigen gelang schlagenden Klappe ertürgt wurde. es, zu entfliehen. Ueber die Treppen raften die Befreiten. Alle schrien wild durcheinander. Die Kleiderkammer iourde erbrochen. Einige rannten in die Küche und stürzten sich auf die Vorräte. Sie schlugen aufeinander ein. Es war, als stände das Zuchthaus in Flammen.
Am Nachmittag wurden die Gefangenen in den Hof geführt. Es war jeden Tag dasselbe trostlose Bild: In der Mitte die Aufseher mit ben Schußwaffen. Um sie herum die Zuchthäus ler in den gestreiften Mitteln. Sie hielten die fahlgeschorenen Köpse geneigt. Trotteten wie die Tiere einher. Der helle Schnee schmerzte ihre Augen. Ueber ihnen stand der Himmel in durchsichtigem Blau. Die Sonne schien grell.
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Hand an den Kragen und sagte zu dem Kome mandoführer: Sehen Sie, die Kerls hams hier viel zu gut. Die woll'n gar nicht wieder raus. Das muß anders werden. Ich werde ein Erempel ftatuieren." Als er über die Leiche eines Aufsehers stol perte, verlor er den Zwider.
Der Mensch.
Eine Groteske von Mark Twain .
Der Mensch fann nicht im Freien schlafen, ohne sich tödlich zu verkühlen oder den Rheuma tismus zu friegen. Er kann seine Nase nicht länger als eine Minute unter Wasser halten, ohne ertrunken zu sein. Er ist, mit Verlaub, die erbärmlichste, unbeholfenste von allen Kreaturen, welche die Erde bewohnen.
Er muß gehätschelt, in Windeln getan und gewidelt werden, um überhaupt leben zu kön nen. Er ist, wie immer du ihn nimmst, ein zerbrechliches Ding, ein regelrechtes Britisches Mu seum von Inferioritäten.
Er muß immer repariert werden. Eine Maschine, die so unzuverlässig wäre wie er, würde keinen Käufer finden.
Die niedrigeren Tiere, scheini's, bekommen ihre Zähne ohne Schmerz und Unbehagen. Die des Menschen brechen nach Monaten grausamer Marter durch und zu einer Zeit, da der Mensch am wenigsten imstande ist, diese Marter zu er tragen. Sowie er aber die Zähne hat, müssen sie ihm wieder gezogen werden. Die zweite Garnitur verbleibt ihm ja für eine Weile, aber der Mensch wird nicht eher eine Garnitur von Zähnen erhalten, auf die er sich verlassen kann, als bis ihm der Zahnarzt eine anfertigt.
Der Mensch beginnt mit den Krankheiten als Kind und lebt von ihnen, als regulärer Diät, bis ans Ende. Er hat Mumps, Scharlachfieber, Keuchhusten, Katarrh, Mandel- Entzündung und Diphtheritis als can; natürliche An gelegenheiten.
Späterhin, in weiteren Verlauf, ist ein Leben nach wie vor bei jeder Biegung von Schnupfen, Husten, Asthma, Bronchitis, Halsbräune, Schwindsucht, gelbem Fieber, Blindheit, Influenza, Furunfein, Lungenentzündung, Gehirnerweichung und tausend andern Krankheiten dieser oder jener Art bedroht.
Er ist ein Korb voll pestilenzialischer FäulIn allen Flügeln des Zuchthauses brach der nis, den Mikroben zu Schuß und Unterhalt beAufruhr aus. Einige noch im Gebäude befind- reitet. Sieh dir sein Gemächte in einigen Ein zelheiten an:
As die ersten Sträflinge vor den Toren des Buchthauses standen, blieben sie einen Augenblid verwirrt stehen. Dicht fiel der Schnee. Sie standen im Taumel der Floden und wußten nicht, wohin sie sich wenden sollten. Viele rannten in die nahe gelegene Waldung. Gestrüpp legte sich um ihre Füße. Sie schlugen him, raff ten sich auf und rannten weiter.
Als einer der Aufseher einen Zuchthäusler anschrie, ging eine Welle des Unwillens über den Hof. Flüche wurden zerbissen, in den Schnee gespien. Die Beamten schrien nach Ruhe. Aber die Gefangenen verlangsamten ihren Gang. Gegen Morgen traf ein Militärfommando Feindliche Blicke flogen den Aufseheen ins Ge- ein. Ms die Soldaten in das Zuchthaus ein ficht. Blide, die stachen und so seltsam beundrangen fanden sie viele Sträflinge, die wieder ruhigten, daß einige Uniformierte die Waffen zurückgekehrt waren. Und viele, die gar nicht hoben und schußbereit hielten. Da ging ein die Zelle verlassen hatten. Als sie gefragt wurGelächter über den Hof. Ein verächtliches Gelächter, das die Mauern emporkletterte, durch die Gitterstäbe Froch und die anderen Gefangenen an die Fenster rief. Die Freistunde wurde vorzeitig abgebrochen, der Vorfall dem Anstaltsdirektor gemeldet. Der fuhr sich nervös über die Glaze. ,, Da ist etwas nicht in Ordnung. Tja, da müssen Se genau aufpassen. Die Rädeis
den, warum sie nicht mit den anderen geflohen seien, machten sie eine hilflose Gebärde. Nein, sie wollten nicht fliehen. Sie hätten Angst vor dem Leben da draußen. Sie paßten nicht mehr unter die Menschen. Und einer sagte, die erloschenen Augen gegen den Direktor wendend: „ Die Menschen sind zu gemein!".
Der Diretter sker fuhr sich mit zitternder
Wozu hat er den Blinddarm? Er hat feinen Wert! Sein einziges Interesse ist, dazuliegen und auf einen verirrten Traubenkern zu warten und dann Leiden zu verursachen.
Wozu dient der Bart des Menschen? Er ist nichts als eine Läftigkeit! Alle Nationen ver folgen ihn mit dem Rasiermesser. Aber die Natur versieht den Menschen immer wieder mit einem Bart, anstatt diesen auf den Kopf des Menschen zu verlegen.
Ein Mensch wünscht sein Kopfhaar zu behai ten. Es ist ein reizender Schmuck, eine Bequemlichkeit, der beste Schuß gegen das Wetter, and der Mensch schätzt es höher als Smaragde und Rubine. Und die Hälfte der Zeit läßt die Natur es auch wachsen, aber es will nicht dableiben.
Der Mensch ist nicht einmal hübsch und was Stil anbetrifft, sich dir den bengalischen Tiger an dieses Ideal von Anmut, förperlicher Vollkommenheit und Majestät.
Denke an den Löwen , an den Tiger, den Leoparden- und dann denke an den Menschen, dieses armselige Ding! An dieses Tier mit der Penüde, dem Hörrohr, dem Glasange, den Por zellan- Zähnen, dem hölzernen Bein, der frübernen Luftröhre eine Kreatur, von unten bis oben geslicht!
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