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Der gerissene Kerl.
The Twister", der neueste Roman von, Edgar Wallace, wird in der Heimat des Dichters als sein bestes Werl gewertet. Es liegt nun, furze Zeit nach seinem Erscheinen in England, von Alfred Schiro tauer fongenial übersetzt, in deutscher Ausgabe vor und rechtfertigt die begeisterten Stimmen der englischen Kritik.( Der gerissene Ker!" von Edgar Wallace. 320 Seiten, in Halbleder gebd. RM. 3.90. Zu beziehen nur im Rahmen der 10 prächtigen Halbleder- Bände umfassenden ,, KulturReihe" durch die Arbeitsgemeinschaft für Kultur und Aufbau", München 2 SW.) Als Vorzüge von Wallaces Erzählungsfunst sind hier in höchster Vo endung ver eint: eine außerordentlich spannende und doch durchaus mögliche Handlung, interes fante Menschen, mit denen wir miterleben und mitfühlen, und nicht zuletzt ein behaglicher anheimelnder Humor, der auch in deutschen Landen Widerhall finden wird. Im folgenden Abschnitt stellt der Dich ter seinen Helden dem Leser vor:
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Im Sommer neunzehnhundert und einige wanzig gab es eine unbedeutende Meinungsverschiedenheit zwischen einem fleinen Trainer und einem Jodey. Der dritte im Zwiste war ein Buchmacher von mehr als zweifelhaftem Ruse. Der Streit ging um die Stute Ectis, die Favoritin für den Königlichen Jagdpokal". Jodey und Trainer standen unter Verdacht, hatten bereits ihre Verwarnung weg und durf ten sich leine weiteren Blößen leisten.
Unbelehrt durch Herrn Trostys Erfah rung, brachte ein gewisser Felix Fenervy dem geriffenen Rert" ein Platinprojekt.
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stehen, eine lange Zigarre vifchen den Bäh- häte es laffen sollen. Anthony prüfte die Pläne, nen, und ins Leere starren. Er wettete felten, überfiog den verschleierten Bericht des Exper auch dann nur in bescheidenen Zehnern, ließ ten( lein Laufbursche eines erblindeten Sach fich nie in Erörterungen ein, noch ftellte er verständigen hätte sich davon täuschen laffen) Fragen an seinen Jodey. Scheinbar langweilte und Ind Herrn Fenervy zum Frühstück ein ihn der Renntrubel. Auch Anthony hatte ein Platinprojekt- einem Landstreifen in Nord- Rhodesia. Warum follte man nicht, schlug der sanfte Tony vor, die bei den Besitungen unter der Firma ,, Bereinigte Blatintrust zusammenwerfen und gemeinsam den Nußen aus beiden Ländereien ziehen? Fenervy fing an dieser Idee Feuer. Am näch sten Tage zahlte er seinem Opfer dreiundzwan zigtausend Pfund Einlage und hatte noch immer den Eindruck, daß er ein glänzendes Geschäft mache..
,, Möglich", murrte er, als der Trainer eine Pause machte, möglich, daß die Buchmacher einen anderen Schwarm haben". ,, Stimmt, Sir, sie halten Denford Boy für undefiegbar.""
Mr. Lingford bedauerte im stillen, daß er Ectis nicht zum Siege reiten lassen durfte. Er hätte ein Vermögen damit verdienen können. Doch er schuldete dem Buchmader, der das Pferd stillegte, eine Menge Geld und wagte nicht, feinem Gläubiger entgegenzuhandeln.
Eine Stunde, ehe der„ Königliche Jagdpokal" gelaufen wurde, nahm Anthony Braid feinen Trainer beiseite.„ Mein Pferd hat sich im Preise etwas erholt", sagte er. Herrn Lingford war diese Tatsache nicht entgangen. Ja, Sir- jemand hat im ganzen Lande hohe Wetten auf die Stute abgeschlossen."
Ihm war ein bißchen unbehaglich zumute; denn am Morgen hatte sein Buchmacher ihm vorgeworfen, daß er nach zwei Seiten arbeite.
Ja," sagte Tony Braid mit seiner tiefen, wohllautenden Stimme. Ich habe im ganzen Lende Wetten abgeschlossen! Ich beabsichtige, heute dreißigtausend Pfund zu gewinnen."
Wirklich, Sir?" Der Trainer atmete erleichtert auf. Er hatte vermutet, die Wetten stammten von einem Bundesgenossen Brilles, und befürchtete, daß der Jodeh ihn betrüge. Nun, Sie werden ein schönes Rennen für Ihr Geld haben. Brille fagt
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Die Frage war die: sollte das Pferd vor dem Ziel gebremst" oder( wie der Jockey vorschlug) durch eine kleine Dosis Laudanum vor Was Brille sagt, interessiert mich nicht," dent Rennen jedes Risiko ausgeschaltet werden. erwiderte der Besiver sehr sanft, er reitet die Beide Herren saben Peinlichkeiten voraus. Stute nicht- ich habe mir einen Jodeh aus Denn wurde die Stute im Rennen zurückgehal- Frankreich kommen lassen. Und, Herr Lingford ten, ſo fiel ein Schatten auf den Jockey. Stieg ich habe auch meinen Trainer gewechselt. Vor aber den Schiedsrichtern der Verdacht auf, das einer halben Stunde habe ich höchst eigenhändig Tier sei ,, berarztet" worden, und gab es eine das Pferd Herrn Sanford übergeben. Und Untersuchung, dann würde der Trainer sicher wenn Sie dem Tiere noch einmal nahekommen, mit einer gewissen Plötzlichkeit von der Renn- melbe ich Sie der Rennleitung. Darf ich Ihnen bahn scheiden müssen.
Schließlich siegte der Trainer. Ectis sollte vor dem Ziel aufgefangen werden. Der Buchmachte, dem Plane entsprechend, das Pferd macher, der für beide Teile die Wetten legte, schlecht. Vom Favoriten wurde es zweiter Favorit, vom zweiten Favoriten dritter und
Stieg dann hinab zur Klasse der 100: 6.
einen Rat anbieten?" Dem verduzten Trainer blieb die Antwort in der Kehle stecken.
Jugend- und Kinderbücher.
Neue Pestalozzi- Bilderbücher. Die Pestalozzi- Verlags- Anstalt, Berlin Grunewald, bringt alljährlich einige hochwer tige Bilderbücher auf den Weihnachts- Büchermarkt, die zu den besten und künstlerisch volla endetsten Bilderbüchern zählen. Die Bücher find nicht nur ausgezeichnet in Text, Bildern und Ausstattung, sie sind in Anbetracht der auf sie verwendeten Kosten auch wohlfeil zu nennen. Im heurigen Jahre sind drei besonders schön ausgestattete Bilderbücher im Verlage dieser Anstalt erschienen. Es sind dies:
Runzel- Punzel." Die Geschichte zweier Mäuslein von Alexej Remisow. Aus dem Ruf fischen übertragen, illustriert von Mathilde Ritter.( Halbleinen M. 3.80.) Liebe, süße Mäuslein, das Entzüden der Kinder, fie find die Helden" dieser reizenden, phantastischen Geschichte. Runzel- Punzel- Schnauzbärtchen und Alli- Malli- Stummelſchwanz, so heißen sie, ſind zwei ausgelaffene Mäuslein und erleben eine Reihe köstlicher Abenteuer, die jedes Kinderherz höher schlagen laſſen werden. Die Bilder sind lebendig gestaltet und farbenprächtig.
,, Mein erstes Reimbuch." Kinderlieder und Reime aus dem Schatz deutscher Dichtung. Aus• gewählt von W. Tischendorf. Bilder von E. Stahl.( Halbleinen M. 3.80.) Rhythmus und Wohlklang von Reimen und Gedichten bilden das Entzücken aller aufgeweckten Kinder.„ Mein worden sind und der kindlichen Eigenart, seiner erſtes Reimbuch“ bringt nur solche Berschen und Gedichte, die in ihrer Wirkung erprobt Freude am Heiteren, Lebendigen und an ſpannenden Geschehnissen entsprechen. Zahlreiche ein Pferd trainieren werden. Zweitens: verBilder schmücken den Text und in diesen Bil suchen Sie nie wieder, einen Mann zu beschwindeln, der sich an der Börse in Johannes- dern erlebt das Kind noch einmal das ſocken gehörte und gelesene Reimchen.
„ Mein Rat", fuhr Anthony Braid fort, den Ring und feben Sie soviel auf Ectis, daß serfällt in zwei Teile. Erstens: gehen Sie in sie den Nest Ihres Lebens davon zehren kön nen. Denn ich glaube nicht, daß Sie je wieder
Mir unbegreiflich", sagte der Trainer einen Tag vor dem Rennen zu dem Besitzer. Das Pferd war niemals besser, Mr. Braid."| burg die Sporen verdient hat. Guten Morgen!" Mr. Braid sog nachdenklich an einer langen Bigarre, seine dunklen Augen fixierten den verwitterten, fleinen Trainer. Er war auf dem Turf ein Neuling, wenigstens in England, ein angenehmer, sehr reicher Mann mit starkem Berantwortlichkeitsgefühl. Rennfreunde befaß er nicht. Angesehene Leute vom Turf betrach teten neugierig die schlanke Gestalt mit dem dunklen, ergrauenden Haar und dem lancen, blassen Gesicht und drüdten, ohne mit ihm Mit leid zu haben, ein leichtes Bedauern darüber aus, daß eine so gewinnwinkende Chance in die Bände Lingfords, des Trainers, und feines gewissenlosen Partners, Joe Brille, des Jockeys, gefallen war.
Ectis gewann mit drei Längen und Herr Anthony Braid gewann unter dem anrüchigen Rennpack einen neuen Spiznamen. Er, der bisher die gute Gelegenheit“ und„ die Chance" geheißen hatte, was so ziemlich dasselbe bedeutete, wurde jetzt bekannt als der gerissene Kert“. Der Name haftete. Er wurde ihm eines Tages in seinem City- Bureau entgegengeschleu deri, als er Aaron Trosky, von der Trosky A.-G., mit beträchtlich über fünfzigtausend Pfund hineinlegte. Allerdings hatte Herr Trosty in der Unschuld seines Herzens versucht, Herrn Anthony Braid mit einer größeren Summe in einem Minengeschäft hineinzulegen. Aber daran dachte er jetzt nicht.
der
das
„ Sie sind ein gerissener Merl," Jammerte bebende Aaron, so nenut man sie, und stimmt auch!"
Anthony Braid tat fich offensichtlich auch nicht leid. Er hatte ein reizendes, fleines Haus In Ascot, wo er während der Rennwoche wohnte, und war mit seiner Einsamkeit zufrie Machen Sie die Tür von außen zu," for ben. Man fah ihn auf dem Sattelplay umber. I derte Anthony ihn höflich auf.
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,, Rarlchens Reise in der Seifenblase." Er. zählt und illustriert von M. Lindberg.( Halbleinen Mr. 3.80.) Karlchen macht Seifenblasen, eine wird so groß wie ein Kürkis und schließ lich größer als Starlchen selbst. Die Seifenblase fommt auf ihn zu, umhüllt ihn und trägt ihn davon, bis auf den Mond. Dort sieht er den Mondmann,
jonnig- leuchtende Elephanten, Mexdgiraffen, er fährt auf dem Mondsichelsee, besucht die Mondfrau und fährt schließlich in einer Mondblase zur Erde zurück. Das Ge schichtchen ist reizend erzählt und noch reizender illustriert. Das Phantasiebedürfnis der Kinder findet hier reiche Anregung.
Schreibers Beschäftigungsbücher. Der Ver lag J. F. Schreiber gibt unter diesem Titel eine Sammlung von Beschäftigungsbüchern heraus, die geeignet sind, der Jugend unge mein reiche Anregung zu geben. Soeben sind in dieser Sammlung einige Neuerscheinungen zu verzeichnen: