3tr. 1 UntrrOaltnngMeilagr. 1932, Männerfang. Mister Absalon Corner aus Chicago war nach Europa gegangen, weil es chm in Amerika zu trocken geworden war. Miß Mabel,/ seine Tochter, hatte ihn.begleitet, weil sie unter allen Umstanden einen Man» haben wollte. Und Mister White, den berühmten Chicagoer Detektiv, hatten die bei- den mitgenommen, weil sie der Meinung waren,-ihn in Europa gut gebrauchen zu können! Insbesondere in Germany , denn Mister White hieß eigentlich Weiß und war in Kattowitz geboren. Außerdem erzählte er ausgezeichnet Witze, Die drei befanden sich also seit einigen Wochen in einem berühmten Südschweizer Badeort. Mister Absalon Corner trank, Miß Mabel sah nach einem Mann aus. Und Mister White beobachtete. Am meisten Erfolg hatte Mister Corner. Seine Tochter hatte es noch zu keinem richtigen Flirt gebracht, wenigstens zu keiner« aussichtsreichen. Da- kam vielleicht daher, daß Miß Mabel gerade nicht eine Schönheit war; jedenfalls nicht das, was wir unter einem American Girl verstehen. Und weil man außerdem nicht wußte, wie groß ihres Vaters Scheckbuch war. Allerdings: in den letzten Tagen hatte sich«in ganz respektabler junger Mann einigermaßen um Miß Mabel bemüht und sogar wiederholt mit ihr getanzt.. Aber dieser junge Mann war als ei« ganz gewöhnlicher Dr. Ludwig Fuhrländer aus Berlin im Fremdenbuch eingetragen, und das ließ die innigeren Gefühle Miß Mabels längere Zeit nicht zur Blüte gelangen. Es kam jedoch kein anderer, der sich lebhafter um Miß Mabel bekümmert hätte, und eines Tages war sie so weit, daß sie zu ihrem Vater Absalon sagte:„Dieser Dr. Fuhrländer oder keiner!" Mister Absalon erschrak, denn er kannte seine Tochter. Er ging. zu Mister White, der ebezr im Hotelvark spazieren ging und die Fußspuren auf dem Kiesweg beobachtete. „Denk dir» Bill," sagte er,-„Mabel will den Berliner heiraten,; diesen Privatgelehrten. Ich bin außer mir!"—„Unmöglich," sagte Mister White und spuckte energisch_ aus. „Mann ist kein Berliner. Kein Privqt- gelehrter, Mann ist internationaler Hoteldieb. Heißt auch nicht Fuhrländer, heißt Theophile Dubois. Markiert hier nur den Bescheidenen, um unerkannt zu bleiben." Don Suttoifl£i)O. Mister Absalon sagte das seiner Tochter.„Du kannst ihn nicht heiraten, Mabel. Bedenke: ein Hoteldieb!"—„Warum nicht, Abby? Ich finde, gerade! Er wird sich unter deinen Geschäftsfreunden in Chicago durchaus zu Haus« fühlen!"—„Aber bedenke doch, Mabel, ei» Mann, der stiehlt!" Lieber Papy: er wird in deinen Konzern eintreten- und da wird das gar nicht Luffal- len!" Wenn Miß Mabel „lieber Papy" sagte, dann wußte Mister Absalon Corner, daß nichts zu machen war. Er ging also wieder zu Mister White und beratschlagte mit ihm, auf welche Weise dieser angebliche Dr. Fuhrländer aus Berlin dazu zu bringen wäre. Miß Mabel Corner ans Chicago zu heiraten. „Auf dem gewöhnlichen Wege nie!" erklärte Mister White.„Ein Theophile Dubois verheiratet sich nicht, auch nicht um Millionen. Man muß ihn zwingen. Aber ich mache dich darauf aufmerksam, Abby, er wird ein unangenehmer Schwiegersohn sein." Mister Corner seufzte, aber das nützte nichts. Auch der Alkohol wollte erst nichts nützen, wenigstens nicht bei Mister Corner. Mister White regte er an, und bei der fünften Flasche Whisky ohne Soda entwarf der berühmte Detektiv einen grandiosen Plan.„Er wird dir ein unangenehmer Schwiegersohn werden, Abby, denn er versteht das Geschäft noch bester als d». Aber wenn du schon willst—! Raubtiere sängt man. in Fallen, wie du weißt. Dieser Mann ist ein Raubtier. Die Falle ist das Zimmer deirier Tochter. Rur — nimm es mir nicht übel, Abb»! — als Köder ist Miß Abel nicht zu gebrauchen. Darauf beißt er nicht an. Aber deine Tochter hat für eine Million Dollar Diamanten bei sich. Die inuß man ihm zeigen. Und wenn er dabei ist, sie zu stehlen, Wirer geschnappt. Und zwar von Miß Mabel — die wird fertig mit ihm. Dann muß er sie heiraten." An« anderen Abend ereignete sich folgendes: Miß Mabel hatte. ihren ganzen Kriegsschmuck angelegt. Im Wert von einer Million Dollar. Sie tanzte ausschließlich mit dem Privatgelehrten Dr. Fuhrländer aus Berlin und verfehlte nichts ihn auf die Echtheit ihres Schmuckes ganz besonders aufmerksam zu machen. Dr. Fuhrländer schien begeistert. Als es auf Mitternacht ging, äußerte Mabel ihrem Vater gegenüber — so daß Dr. Fuhrländer eS deutlich genug hören mußte— den Wunsch, noch ein wenig spazieren zu fahren. Der Vater tvar gern einverstanden, Miß Mabel sollte nur ihren Schmuck erst ablegen. Auch das mußte Dr. Fuhrländer hören. Miß Mabel entfernte sich also aus ein paar Minuten, kam ohne Diamanten zurück und ging mit ihrem Vater und Mister White weg. Gleich darauf hörte Dr. Fuhrländer den schweren Wagen Mister Corners abfahren. Und nun vollzog sich alles plangemäß. Miß Mabel war durch eine Hintertür in ihre Appartements zurückgekehrt und war» tete im Badezimmer. Mister Corner und Mister White standen im Garten und beobachteten eifrig den Balkon im ersten Stock und die offenstehenden Fenster d«S Schlafzimmers von Miß Mabel . Richtig: Raa einer Viertelstunde ungefähr bewegte sich auf dem Balkon ein Schatten; er kam von dem Zimmer Dr. Fuhrländers und bewegte sich langsam in der Richtung des Zimmers von Miß Mabel . Und verschwand im Fenster. Mister White wartete noch ein paar Sekunden, bis das Licht in dem Schlafzimmer aufzuckte, dann sagte er zu Mister Corner: „Jetzt ist Miß Mabel bereits in Aktion. Geh segnen, Abby!" Dr. Fuhrländer war kaum in das offene Fenster eingestiegen, als sich die Badezim- mertür öffnete und Miß Mabel heraustrat. Sie knipste das Licht ein, sah den Eindringling stehen nnd stieß einen wohlvorbereiteten kurzen Schrei aus. Auf dem Bett lag der ganze Diamantenschmuck. Dr. Fuhrländer stand, ohne sich zu rühren; er war totenblaß geworden.„Was tun Sie hier? Wie konnten Sie...?"—„Miß Mabel — ich bitte tausendmal um Verzeihung. ich ... ich,.."—„Mein Herr, Ihre Anwesenheit kompromittiert mich aufs äußerste .. Dr. Fuhrländer wich bis ans Fenster zurück— im Garten sah er, im vollen Mondlicht, Mister White stehen. Plötzlich ging die Vorzimmertür auf, und Mister Absalon Corner trat herein. Er erstarrte zu Stein, als er Dr. Fuhrländer int Zimmer stehen sah. Miß Mabel fiel in Ohnmacht. „Wollen Sie mir lagen, was das bedeutet?" rief Mister Corner drohend.„Mein Ruf ist vernichtet," ächzte Miß Mabel aus ihrer
Ausgabe
12 (2.1.1932) 1
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